Alle Charaktere und sämtliche Rechte an ‚NCIS: Los Angeles' gehören CBS und Shane Brennan Productions. Die folgende Geschichte dient keinerlei kommerziellen Zwecken, sondern wurde nur zum Vergnügen für Fans geschrieben. Eine Verletzung des Copyrights ist nicht beabsichtigt. Alle weiteren Personen gehören der Autorin.

Ich bin keine Fachfrau in Bereichen wie Medizin, Drogen, Flugzeugtechnik, Waffen oder Undercoverarbeit. Sollten Euch also Fehler auffallen, lasse ich mich gerne korrigieren.

Viel Spaß beim Lesen und ich freue mich auf Eure Kritiken.

Kapitel 4 - Auf der Suche

Neugierig sah sich Joann um. Ein Hauptquartier im Stil einer Hazienda war doch eine ganz neue Erfahrung. Auch die Einrichtung wirkte auf den ersten Blick eher wie in einer Wohnung und nicht, wie in einem Büro. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, wurde überall intensiv gearbeitet. Dann entdeckte sie Kensi und Marty, beide intensiv mit ihren Laptops beschäftigt. In diesem Moment ertönte ein schriller Pfiff. Joann zuckte zusammen, doch Nate lachte nur. „So ruft uns Eric zusammen." Er deutete auf die Empore. „Dort oben ist unser Technikraum. Ich bringe Dich aber zuerst zu Hetty."

„Danke, Mr. Getz. Sagen Sie Mr. Beale, dass wir gleich kommen." Dann wandte Hetty sich Joann zu. „So, hier haben Sie Ihre Ausrüstung, Miss MacKenzie: Ausweiß, Waffe und schusssichere Weste. Handy und Laptop erhalten Sie von Mr. Beale. Er hat alle notwendigen Programmierungen und Konfigurationen vorgenommen und wird Ihnen auch alles erklären." Hetty sah sie ernst an. „Sie werden hier ins kalte Wasser springen müssen." „Das ist mir bewusst, aber ich hoffe, dass meine Erfahrungen mir da weiterhelfen, wo mir das Wissen fehlt. Außerdem habe ich keine Probleme damit, um Hilfe zu bitten und mir Neues zeigen und erklären zu lassen." „Gut, dann gehen wir jetzt zu Mr. Beale. Hetty lächelte Joann warmherzig an.

„Ich habe alles versucht, ich bekomme keine Reaktion auf einem unserer üblichen Kanäle. Sie sind jetzt seit mehr als achtundzwanzig Stunden überfällig. Ich weiß, dass ist noch nicht lange und auch nicht zum ersten Mal, aber ich registriere extrem erhöhte Kommunikation bei den Zielpersonen." Erstaunt sah Joann den großen Monitor an, auf dem Fotos und Telefonlisten erschienen, alle miteinander verknüpft. Kensi stand davor und schob per Berührungen alles über den Monitor, vergrößerte und verkleinerte Dateien. „Was ist mit Kameras?" Marty sah Eric fragend an. „Ich bin dabei. Aber wir haben sie in ein Gebiet verloren, in dem es kaum welche gibt. Die wissen, was sie tun." „Wie sieht es mit Sattelitenaufnahmen aus?" Alle drehten sich zu Joann um. „Lady und Gentlemen, darf ich Ihnen Ihre neue Kollegin vorstellen: Joann MacKenzie. Sie hat vor ungefähr fünf Minuten die Arbeit aufgenommen." Ein breites Lächeln erschien auf allen Gesichtern und Kensi nahm sie sofort in die Arme. „Herzlich Willkommen!" Marty legte ihr brüderlich seinen Arm um die Schulter. „Schön, dass Du dabei bist." Dann warf er Hetty einen Blick zu. „Da haben Sie aber ein kleine Wunder vollbracht, was?" „Wohl eher ein großes, Mr. Deeks. Aber das können wir später besprechen. Also, Mr. Beale, was ist mit den Sattelitenaufnahmen, von denen Miss MacKenzie gesprochen hat?" „Ich versuche gerade, Zugriff zu bekommen, aber man legt mir Steine in den Weg." Eric wirkte gehetzt. Zwei seine Freunde und Kollegen wurden vermisst und ausgerechnet jetzt bekam er keine Bilder herein. „Ich kümmere mich darum, Mr. Beale." Hetty ging zurück in ihr Büro.

„Vielleicht kann mir jemand die Akten geben, damit ich mich auf den aktuellen Stand bringen kann." Joann bemühte sich, ruhig und gelassen zu wirken. Sie wollte Eric nicht noch mehr Stress machen. Leider erreichte sie das Gegenteil. „Die Daten sind alle auf Deinem Laptop, Joann. Gib mir fünf Minuten, dann kann ich mich darum kümmern." „Sicher, Eric, kein Problem." Aufmerksam sah sie ihm zu und war wirklich beeindruckt. Er arbeitete gleichzeitig mit drei Tastaturen und einem Tablet-PC. Kensi und Marty sahen sich Akten und Videos auf dem großen Monitor an und diskutierten heftig darüber. Einen Moment fühlte sich Joann überflüssig, doch dann riss sie sich zusammen. Sie wollte unbedingt helfen, ihren Freund und seinen Partner zu finden und unversehrt nach Hause zu bringen. Den Weg dazu würde sie schon finden.

„Okay, Joann, hier sind Dein Laptop, Dein Telefon und die Passwörter, die Du brauchst. Du hast eine Stunde, um sie auswendig zu lernen." Dann gab er ihr eine Schnelleinweisung. „Wenn Du Hilfe brauchst, frag mich ruhig. Und lass Dich nicht von meinem Ton abschrecken." „Werde ich nicht." Joann lächelte Eric an. „Es ist echt beeindruckend, Dich in Aktion zu sehen." Er grinste. „Danke für die Blumen. Aber frag wirklich, wenn Du mit den Programmen nicht klar kommst. Es geht schneller, Dir etwas zu zeigen, als Daten zu rekonstruieren." „Nein, wirklich? Tja, was man so alles lernt, wenn man das erste Mal an einem Computer sitzt!" Joann zwinkerte ihm zu und legte dann los.

„Nun, Miss MacKenzie, was haben Sie herausgefunden?" Hetty sah sie fragend an. Joann sah auf und rieb sich die Augen. Ein Blick auf ihre Uhr verriet ihr, dass sie fast vier Stunden vor dem Laptop zugebracht hatte. „Es gab nicht nur ein einziges Leck auf dem Empfang. Es muss noch mindestens zwei weitere geben. Anders ist die Menge des Sprengstoffs nicht zu erklären. Die Frage ist nur, sind die Lecks auch beim FBI oder bei einer anderen Behörde, die damals an dem Einsatz beteiligt waren. Allerdings sehe ich bisher nur diese Verbindung zwischen dem Empfang und dem Waffenschmuggel. Es fehlen entweder Informationen oder die vorliegenden sind nicht richtig interpretiert worden. Außerdem hat der FBI-Untercoveragent, Logan Coleman, ohne Zweifel die Seiten gewechselt, wahrscheinlich schon vor einiger Zeit." Joann sah Hetty an. „Ich habe das Gefühl, ich sollte besser nicht fragen, woher Eric die ganzen Informationen über diese streng geheimen verdeckten Einsätze hat." Sie rieb sich schon wieder über die Augen. „Ich will nicht unken, aber wenn es für G und Sam nicht üblich ist, sich unregelmäßig oder gar nicht zu melden, sind sie aufgeflogen. Spätestens an dem Abend im Club, eventuell schon früher." „Mr. Callen und Mr. Hanna haben sich nach diesem Abend aber noch gemeldet, Miss MacKenzie." „Coleman oder van Pietso werden ihre Gründe gehabt haben, die beiden ihre Rolle weiter spielen zu lassen." Joann lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und drehte ihren Laptop zu Hetty. „Ich habe Bewegungsmuster erstellt auf Grund der vorliegenden Informationen. Es gibt drei Gebiete, die sie besonders häufig betreten haben, alle drei mit nur geringer Kameraüberwachung. Industriegebiete mit vielen Lagerhäusern. Eine Menge Versteckmöglichkeiten." „Aber keines der drei Gebiete ist das, indem wir gerade suchen." „Ich weiß, Hetty." Sie deutete auf den Monitor. „Das ist hier. Ideal, um zu verschwinden. Ich würde hier neutrale Fahrzeuge parken, auf die ich jederzeit umsteigen kann. Es gibt reichlich Parkhäuser und Tiefgaragen, in denen das möglich ist. Meiner Meinung nach sollten wir diese drei Gebiete überwachen. In einem davon werden wir sie finden."

Hetty war beeindruckt, ließ sich das aber nicht anmerken. „Sind Sie sicher, Miss MacKenzie, dass Sie nicht lieber als Datenanalystin arbeiten wollen?" Joann schüttelte entsetzt den Kopf. „Zusammenhänge zu erkennen, macht noch keine gute Analystin aus." „Gehen Sie zu Mr. Beale. Er soll eine Überwachung der Gebiete veranlassen." „Schon unterwegs." Joann griff sich ihren Laptop und marschierte nach oben. „Eric?" Mit gerunzelter Stirn sah er sie an. „Kaum angefangen, schon ein Problem?" „Nein, ganz und gar nicht. Hetty möchte, dass Du drei Gebiete überwachst. Hier." Sie schob ihm den Laptop hin und deutete auf ihre Markierungen. Dann erklärte sie ihm den Grund dafür.

Kensi und Deeks sahen sich an. „Ich hab Dir doch gesagt, sie ist gut." Kensi grinste, wurde dann aber wieder ernst. „Wie groß ist das Gebiet, Jo?" „Zu groß, Kens. Ich bin mir nicht sicher, ob wir zu viel oder zu wenig wissen." „Wir werde sie finden, Jo. Ganz bestimmt." Joann sah ihre Freundin an. „Ich weiß." Niemand sprach aus, was beide dachten: Aber rechtzeitig?

Eric hatte alle Kameras, die er ausmachen konnte, angezapft. Dazu kamen noch die Sattelitenaufnahmen. Die Gesichtserkennungssoftware unterstütze sie bei der Suche, aber ohne menschliche Augen lief gar nichts. Irgendwann kam Hetty hoch. „Schluss jetzt. Das gilt für alle. Ich ordne hiermit eine Schlafpause an. Ja, auch für Sie, Mr. Beale. Übermüdet kann keiner von ihnen irgendetwas sehen." Als sich die vier nicht rührten, wurde Hetty energischer. „Sofort. Das war keine Bitte, sondern ein Befehl." Widerwillig suchte sich jeder einen Schlafplatz. Nach nur wenigen Minuten schliefen alle tief und fest. Hetty seufzte erleichtert auf.

„Werden sie uns überhaupt schon vermissen?" Sam sah zu G hinüber. „Sicher, wir haben uns nicht gemeldet. Aber das ist nicht die Frage, sondern, ob sie uns finden werden. Wir wissen ja selber nicht, wo wir sind." „Nein, aber dafür haben wir gleich zwei Fälle geklärt: den Waffenschmuggel und das Bombenattentat auf dem Empfang." Sams Stimme triefte vor Sarkasmus. „Leider werden wir wohl niemandem unser Wissen mitteilen können." „Seit wann gibst Du so früh auf, Sam?" G verstand seinen Freund nicht. „Vertrau auf unser Team."

„Dornröschen, es wird Zeit, aufzustehen." Ruckartig fuhr Joann hoch. „Wie lange habe ich geschlafen?" „Hetty hat uns zwei Stunden gegeben. Wir müssen dringend weiter machen." Deeks zog Joann auf die Füße. Wieder begann das Sichten von Aufnahmen, neuster Polizeimeldungen und allen anderen bis dahin eingegangenen Informationen.

„Eric, leg mir diese Aufnahme der Verkehrsüberwachung auf den großen Monitor." Deeks deutete auf ein Foto. Alle starrten es an. „Hat er tatsächlich eine rote Ampel überfahren?" Kensi war misstrauisch. Der Fahrer war Logan Coleman. „Er ist auch nur ein Mensch, Kensi." Marty war froh, endlich eine Spur zu haben. „Eric, kannst du uns zeigen, wann und wo das Foto gemacht wurde?" „Schon dabei. Vor ca. drei Stunden an dieser Kreuzung." „Das ist in einem von unseren drei Suchgebieten." Deeks war Joann einen kurzen Blick zu. „Hast Du von dem Gebiet aus den letzten drei Stunden Sattelitenüberwachung?" „Ja, kommt sofort." „Drei Stunden reichen nicht, wir brauchen die Zeit vorher." Joann mischte sich ein. „Es muss einiges an Bewegungen gegeben haben, wenn sie die Waffen wegbringen wollen." Kensi nickte. „Nachdem Callen und Sam aufgeflogen sind, müssen sie schnell verschwinden. Der Abtransport geht nicht ohne Fahrzeuge. Eines der Gebäude sollte häufiger angefahren worden sein." „Ich sehe mal, was ich tun kann." Erics Finger flogen nur so. „Euch ist klar, dass es dort Hunderte von Gebäuden gibt?" Eric blickte nicht mal hoch bei seiner Frage. „Ja, Eric, deswegen haben wir ja auch nach Hinweisen gesucht, denn in den anderen Gebieten sieht es nicht besser aus." Deeks verlor ein wenig die Geduld.

„Wir sollten uns aber auch auf eine Falle vorbereiten. Vielleicht haben sie Coleman absichtlich zu schnell fahren lassen, um uns auf die falsche Fährte zu locken." Kensi war nicht überzeugt, dass den Waffenschmugglern tatsächlich ein Fehler unterlaufen war. „Wir sollten die anderen Zielgebiete nicht außen vor lassen." „Was ist Dein Problem, Kens?" Deeks funkelte sie an. „Ich bin nur vorsichtig, schließlich geht es um das Leben unserer Freunde." Kensi funkelte zurück.

„Hört auf, Euch zu streiten!" Joann mischte sich ein. „Wir haben nur zwei Möglichkeiten. Entweder hat Coleman tatsächlich einen Fehler begangen, was auch nicht der erste wäre, sonst wärt ihr ihm ja nicht auf die Schliche gekommen. Oder er hat sich absichtlich blitzen lassen, um uns abzulenken. Ich tendiere zum ersten Punkt, bin aber für Möglichkeit zwei offen. Eric, können wir von den anderen Gebieten auch Sattelitenaufnahmen haben?" „Ja, es dauert aber einen Moment." „Zeig jedes auf einem eigenen Bildschirm. Wir nehmen uns die letzten zwölf Stunden im Zeitraffer vor."

Hetty war den Diskussionen gefolgt, hatte sich aber nicht eingemischt. Je mehr Zeit verstrich, um so größer wurden ihre Sorgen.

„Seht Euch das an! Hier, an diesem Lagerhaus. In den letzten sechs Stunden hat die Anzahl der Fahrzeuge massiv zugenommen, zuletzt sogar zwei größere LKW." Deeks deutete auf seinen Bildschirm. „Ich denke, Du liegst richtig, Marty." Joann rieb sich ihre müden Augen. „In diesem Gebiet kann ich nichts auffälliges feststellen." „Ich auch nicht." Kensi trat zu den beiden. „Du hast wohl Recht, Deeks, er hat einen Fehler begangen." „Ich kann dort nur eine Überwachungskamera feststellen, an einem Bürogebäude schräg gegenüber. Bin gleich drin." Eric hatte schnell reagiert.

„Verdammt, der Blickwinkel taugt gar nichts!" Deeks war eindeutig genervt. „Wir müssen sofort dahin. Eric, informiert das LAPD, wir brauchen ihre Unterstützung." „Ich sorge dafür, dass sich ein SWAT-Team bereit hält." Hetty mischte sich ein. „Nehmen sie drei Fahrzeuge und nähern sie sich vorsichtig." Die drei liefen los.

„Eric, wie sieht es aus?" „Immer mehr Fahrzeuge verlassen das Lagerhaus. Aber sie fahren alle in unterschiedliche Richtungen. Ich kann kein Muster feststellen." „Das SWAT-Team wird in wenigen Minuten bei ihnen eintreffen. Gehen Sie nicht ohne Verstärkung hinein." Hetty erhielt keine Antwort und hatte auch nicht wirklich eine erwartet.

„Wir brauchen alle möglichen Eingänge. Leg los, Eric." Aufmerksam sahen sich die drei um. „Leute, es gibt drei Zugangsmöglichkeiten: das Tor auf der Vorderseite, hinten ein Zugang durch die dort befindlichen Büros und über das Dach." „Das Dach?" Joann war irritiert. Warum sollte auf dem Dach ein Zugang sein? „An der Wand auf der Nordseite ist eine Leiter angebracht, die direkt auf das Dach führt. Das Dach hat ein Oberlicht, dass offen steht. Ein möglicher Zugang." Erics Erklärung folgte prompt. Die drei sahen sich kurz an. „Ich nehme das Dach.", sagte Joann. „Dann gehe ich nach hinten." Kensi und Joann verschwand in der Gasse zwischen den Lagerhäusern. „Seid vorsichtig." Deeks sah den beiden hinterher.

Sich immer wieder umschauend lief beide die Gasse entlang. Schließlich erreichten sie die Leiter. Kensi nickte Joann kurz zu und rannte weiter. Zwischen Joann und dem Weg aufs Dach befand sich nur ein hoher Zaun, der das gesamte Grundstück umgab. Vorsichtig kickte sie einen Stein dagegen. „Kens, der Zaun steht nicht unter Strom." „Verstanden." Schnell und geschickt kletterte Joann hinüber. Es machte sie nervös, dass hier keine Wachen zu sehen waren. Ein Lagerhaus voller Waffen und nur Wachen am Tor, das war merkwürdig. Joann beeilte sich, die Leiter hinauf zu klettern.

Kensi erreichte das Ende der Gasse und sah den Büroeingang. Der Bereich wirkte vollkommen menschenleer. Auch sie überwandt den Zaun ohne Probleme. Das Schloss ließ sich ebenfalls ohne Mühen knacken. Vorsichtig trat sie.

Für Marty war die Situation schwieriger. Das Haupttor wurde bewacht, außerdem kamen in unregelmäßigen Abständen Fahrzeuge heraus. Schließlich entschloss auch er sich für die Gasse. Dicht an die Mauer gedrängt, schlich er zurück Richtung Tor.

Vorsichtig schlich Kensi von Büro zu Büro. Hier hatte schon lange keiner mehr gearbeitet. Dann stutzte sie. Dieses Büro war bis vor kurzem genutzt worden, allerdings nicht für Schreibarbeiten. Sie besah sich ihren Fund genauer, bevor sie ihn einsteckte. Anschließend warf sie einen vorsichtigen Blick durch eines der Fenster in die Lagerhalle. „In Position."

Joann blickte prüfend über das Dach, doch sie konnte keine Sicherheitsvorkehrungen erkennen. Ein ungutes Gefühl überkam sie, als sie auf das Dachfenster zulief, doch nichts geschah. Sie warf einen vorsichtigen Blick durch das Fenster, bevor sie hindurch kletterte. Sie balancierte über einen Träger, um einen Weg nach unten zu finden. Was sie dabei sah, gefiel ihr gar nicht.

Vorsichtig sah Marty um die Ecke und zuckte sofort zurück. „In Position. Aber ich habe keine Möglichkeit, hier ungesehen rein zu kommen. Es sei denn, jemand sorgt für ein Ablenkungsmanöver." Wieder riskierte Deeks einen Blick.

„Wir haben ein Problem. Das Lagerhaus ist fast leer. Sie laden gerade die letzten Kisten ein. Wo bleibt das SWAT-Team?" Joann stand unter Hochspannung. „Ich stelle es durch, Moment noch … Sergeant, das Team kann Sie jetzt hören." „Hier Sergeant Disalvo. Wir haben den Einsatzort erreicht und warten auf ihr Zeichen." „Hier MacKenzie. Ich bin im Gebäude, direkt unter dem Dach und kann von meiner Position sieben Fahrzeuge und siebzehn Männer sehen, alle mit automatischen Waffen." „Hier Blye. Die Büros sind alle sicher. Von meiner Position habe ich keinen vollständigen Überblick über die Halle." „Hier Deeks. Ich bin direkt am Tor und sehe zwei Wachen. Eric, hast Du Wärmesignaturen?" „Bin dabei … Okay, ich zähle neunzehn Personen im Gebäude und eine außen." „Sergeant, auf Ihr Kommando!" „Drei, zwei, eins. Zugriff, Zugriff, Zugriff!"

Deeks schaltete die Wachen am Tor aus, sodass das SWAT-Team ungehindert in die Halle kam. Kensi und Joann gaben Deckung. Wie immer schien alles Ewigkeiten zu dauern, doch nach nur wenigen Minuten war der Einsatz bereits beendet. Sie zählten neun tote und fünf verletzte Waffenschmuggler, die letzten drei hatten sich ergeben. Das SWAT-Team hatte einen Leichtverletzten.

„Geht es Euch gut?" Besorgt sah Deeks seine Kolleginnen an. „Ja, nur deprimiert, weil G und Sam nicht hier sind." Joanns Stimme schwankte zwischen Verzweiflung und Erschöpfung. „Sie waren hier, wir sind nur zu spät gekommen." „Was?" Beide wandten sich abrupt Kensi zu. Sie griff in ihre Tasche und holte etwas hervor. „Das ist G's Uhr!" Joann hatte sie sofort erkannt. „Wo war sie?" „In einem der Büros. Dort sieht es aus, als hätte man jemanden eine Weile festgehalten." „Wir brauchen die Spurensicherung. Sie sollen dort anfangen. Vielleicht finden sie einen Hinweis darauf, wohin man die beiden gebracht hat." Deeks' Vorschlag war vernünftig. Aber da war noch etwas. Joann konnte es nicht richtig fassen. „Gib sie mir." Auffordernd hielt sie Kensi ihre Hand hin. „Das Armband ist nicht beschädigt … möglicherweise hat er sie freiwillig abgenommen … was ist das?" Joann murmelte vor sich hin, während sie die Uhr genau in Augenschein nahm. Sie drehte und wendete sie im Licht, konnte aber nichts klar erkennen. „Hat jemand eine Taschenlampe für mich?" Suchend sah sich Joann. Ein Officer des LAPD trat auf sie zu und reichte ihr seine. „Danke." „Was suchst Du?" Deeks war neugierig geworden. „Das Uhrglas ist beschädigt. Außerdem ist der Ring komplett zerkratzt, das war vorher nicht der Fall." „Du weißt, dass Callen keine Kratzer auf seinem Uhrglas hatte?" Marty war ehrlich überrascht, aber Joann ignorierte seine Bemerkung. Sie drehte das Glas unter dem Lichtstrahl der Taschenlampe.

„Kensi, zeig mir genau, wo die Uhr lag." Alle sahen Joann an. Sie verhielt sich wirklich merkwürdig. „Sicher, komm mit." Ein wenig konsterniert ging Kensi voraus. Sorgfältig suchte Joann den Fundort ab. Dann starrte sie die Wand an, ging in die Hocke und fuhr vorsichtig mit der Fingerspitze über die Wand. Wieder kam die Taschenlampe zum Einsatz. „Ich hab's!" Der Ausruf war eindeutig triumphierend. „Was?" Die Frage kam im Chor. „Pedro." „Wer ist ‚Pedro'?" „Woher soll ich das wissen? G hat das hier in die Wand geritzt. Seine Uhr war der Hinweis, da sind Reste von dem Putz im Ring und auf dem Glas. Eric, das ist eine Aufgabe für Dich. Versuch herauszufinden, ob van Pietso einen ‚Pedro' kennt und wo der ist." „Schon dabei!"

Deeks sah Joann unergründlich an. „Wie kommt man auf so etwas?" „Auf was?" „Mit einer Uhr etwas in eine Wand ritzen … Wie kommt man auf so etwas? Und wieso wusstest Du es?" Ihr Gesicht wurde plötzlich ausdruckslos. „Vielleicht zu viele James-Bond-Filme? Wer weiß?" Leise murmelte Kensi vor sich hin. „Ich hab doch gesagt, sie denkt wie Callen. Da haben sich zwei gesucht…"

„Kommen Sie zurück ins Hauptquartier. Wir machen von hier weiter." Alle hatten Hettys Stimme im Ohr.