Kapitel 4
Es waren nun acht Tage seit Anfang der Ferien vergangen, und
Harry lenkte sich innerhalb dieser Zeit mit seinen Hausarbeiten für
Hogwarts ab.
Danach ging er jedes Schulbuch ab der ersten Klasse
durch, sodass er die meisten Bücher praktisch auswendig
konnte.
Er las sogar „Eine Geschichte von Hogwarts",
aber
dies tat er nicht weil er von nun an beschlossen hatte ein strebsamer
Musterschüler zu werden.
Oh nein!
Er tat dies damit seine
Gedanken nicht mehr zu Sirius schweifen konnten oder zu dem Gespräch
mit Voldemort.
In der Nacht, oder auch nur wenn er die Augen
geschlossen hielt, damit er ein wenig Ruhe finden konnte, hatte er
immer und immer wieder das Gleiche vor den Augen.
Zuerst sah er
immer nur Wasser doch je öfter er davon träumte, konnte er
mehr und mehr erkennen.
Er war momentan sogar schon soweit, dass
er sich während des Traumes umsehen konnte, um die Umgebung zu
beobachten.
Er stand immer am Strand, mit dem Blick aufs Meer
gerichtet.
Hinter ihm türmten riesige Felsklippen auf.
Sein
Gefühl sagte ihm, dass er in Wales sein musste.
Er hatte mal
im Fernsehen einen Bericht über die Küste von Wales
gesehen.
Es sah dort genauso aus, aber auch wenn es so wäre ,
wieso träumte ständig davon?
Harry musste aber zugeben,
dass diese Träume und die Fixierung auf seine Schularbeiten und
auf das Wiederholen des Lernstoffes , ihn davor bewahrten von der
Trauer über Sirius Tod übermannt zuwerden.
Wenn er jetzt
an Sirius dachte, überkam ihm immer noch ein großes Gefühl
der Trauer aber es übermannte ihn nicht.
„Potter, komm
runter !"schrie Vernon die Treppe hinauf.
Außer das seine
Familie ihn zum Essen rief, hatte er mit ihr nichts mehr zutun. Sie
hatten ihn bis jetzt komplett in Ruhe gelassen, weswegen er auch sehr
glücklich war.
So ging Harry wie die letzten Tage runter ins
Esszimmer und verschwand erst wieder nachdem er fertig gegessen
hatte.
In seinem Zimmer setzte er sich erst einmal auf sein Bett
und betrachtete die Briefe die er bisher von seinen Freunden erhalten
hatte.
Es stand überall das gleiche drin:
Du sollst dir
keine Vorwürfe machen; es ist nicht deine Schuld; geht's dir
gut usw.
Über Voldemort oder was bisher in der Zauberwelt
geschehen war schrieben sie nicht, und wenn er in einem seiner Brief
danach fragte, ignorierten sie es.
Er fühlte sich wie
letztes Jahr, als niemand ihm hatte was genaues sagen wollen, und wo
das hingeführt hat wusste man ja, dachte er verbittert.
Dumbledore macht wieder den gleichen Fehler ...ich bin kein Kind
mehr, das behütet werden muss.
Ist es den zuviel verlangt,
dass sie mir ein paar Informationen zukommen lassen? Es geht ja
schließlich um mein Leben
dachte sich Harry und wurde
bei jeder Überlegung wütender und wütender.
Na ja
was anderes von Dumbledore und dem Orden hatte er sowieso nicht
erwartet!
Von seinen Freunden aber eigentlich schon!
Doch
selbst die schrieben ihm nichts.
Sie dachten wohl er würde
das Alles nicht verkraften. Und dass er geschont werden musste!
Einzig und alleine hatte Ginny in ihrem Brief mal erwähnt,
dass sie versuchen würde ihm einige Informationen zukommen zu
lassen.
Aber ihre Mum stand immer dabei, wenn sie einen Brief
schrieb...
Danach hat er keinen Brief mehr erhalten, aber es
konnte natürlich auch sein, dass sie noch keinen günstigen
Augenblick bekommen hatte.
Eines stand nun für Harry, der
Junge der lebte fest, wenn sie ihm keine Informationen gegen den
Kampf gegen Voldemort gaben und ihn behandelten wie ein rohes Ei,
muss er eben auf eigene Faust handeln.
Er hatte ja nichts mehr zu
verlieren...
Seine Eltern waren tot.
Sein Pate war
möglicherweise tot, und seine besten Freunde tanzten schön
nach der Pfeife von Dumbledore.
Auf die konnte er gut verzichten!
Ist vielleicht sogar besser so.
Denn wenn sie nicht in seiner
Nähe waren konnte ihnen nichts passieren.
Aber wie sollte
er, unbemerkt aus dem Haus schleichen?
Ordensmitglieder bewachten
ihn bestimmt wieder, und sie würden NIEMALS zulassen, dass er
irgendwohin ging ohne dass Dumbeldore sein Einverständis dazu
gab.
OK, Harry beruhige dich! Tief einatmen und ausatmen!
versuchte Harry sich selbst zu beruhigen.
So recht klappen wollte
nicht, da versuchte er die Augen zu schließen und seinen Geist
zu öffnen.
Wie so oft in den letzten Tagen stand er am
Strand.
Er hatte seinen Blick wieder auf das Meer gerichtet.
Auch wenn er nicht verstehen konnte wieso er ständig hier
landete, beruhigte ihn dieser Anblick des Meeres und das Geräusch
von brandenden Wellen.
Irgendwas war diesmal aber anders.
Er
konnte es nicht mit Sicherheit sagen, aber sein Gefühl sagte ihm
hier stimmte was nicht!
Oje , ich werde ja schon so paranoid
wie Moddy
Er entschloss sich am Strand entlang zu
spazieren, doch nach ein paar wenigen Metern sah er weiter
hinten am Strand eine Person sitzen.
Wer ist das? Ist er oder
sie der Grund wieso ich mich immer hierher träume? Dieses
und Weiteres ging Harry durch seinen Kopf als er zu der Person
hinging.
Nun war er bei der Person angekommen und erkannt das es
sich um ein kleines Kind handelte, nicht älter als 8 oder 9.
„
Hallo „ sagte Harry.
„ Hallo. Ich habe mich schon
gefragt wann du zu mit kommst" erwiderte das unbekannte Kind.
„
Wer bist du und wieso hast du mich erwartet."
„ Ich bin Tom.
Ich habe auf die gewartet weil ich dir diesen Ort geschickt habe,
aber dein Geist war noch nicht bereit mich zusehen.
„ Ich habe
vor kurzem meinen Paten verloren und war deswegen sehr in Trauer und
habe mich ins Lernen gestürzt.
Lag es vielleicht daran?"
fragte Harry das Kind.
„ Du hast Sirius verloren, er ist durch
den Vorhang gefallen" antwortete der kleine Tom darauf.
„
Woher weißt du wer mein Pate war? „
„ Weil ich ER da
war"
„ Wer ?"
„ Er...du weißt schon wer"
flüsterte Tom.
„ Du meinst Voldemort? „ flüsterte
Harry zurück .
Der kleine Tom nickte.
„ Aber wieso
weißt du das dann?"
„ Er ist ich" sagte Tom mit
gesenkten Blick.
„ Wie meinst du das? Du bist Voldemort! „
schrie Harry entsetzt.
„ Damals im Waisenhaus war ich
immer ein Außenseiter und hatte niemanden zum Reden.
Ich
war schwach und konnte mich gegen die anderen nicht wehren, aber er
war anders.
Er war stark, hatte Selbstbewusstsein und war immer
für mich da.
Wir redeten stundenlang sogar Nächte
miteinander, ohne ihn hätte ich das Waisenhaus nicht
überstanden.
In Hogwarts veränderte er sich, er wurde
so kalt und Böse...er hat mir angst gemacht." Sagte
Tom mit einer sehr zittrigen Stimme.
„ Wenn ich das richtig
verstehe, hast du dir im Waisenhaus einen Freund ausgedacht der dich
beschützt und mit dem du reden kannst"
Tom nickt darauf
nur.
„ Aber nach einer weile hat er sich verändert und aus
ihm wurde Voldemort?" fragte Harry ungläubig den kleinen
Tom.
„Ja...ich habe das doch alles nicht gewollt...ich
will nicht so sein..." schniefte Tom.
„ Und was soll
ich dann nun hier? Wolltest du mir nur das erzählen?"
„
Du muss ihn aufhalten"
„ Wie soll ich das anstellen?
ER
hat irgendwas von Blutsbrüder zu mir geschwafelt...ich weiß
noch nicht einmal ob er mir damit wieder eine Falle legen
wollte..."
„ Er hat die Wahrheit gesagt.
Ihr seit nun
magische Blutsbrüder und niemand der euch HASST oder euch
FEINDLICH gesonnen ist kann euch umbringen und ihr beide könnt
euch auch nicht mehr töten.
„ AHA...und wie soll ich
ihn noch aufhalten? „
„ Es gibt da ein Buch.
Ich weiß
nicht genau was drin steht, aber es könnte dir wohl helfen.
Ich
konnte für eine kurze Weile die Kontrolle über mich zurück
erlangen und habe es versteckt" sagte Tom mit einem Spur Stolz in
seiner Stimme.
„ Wo ist dieses Buch? Wenn du es weißt,
weiß es dann nicht auch Voldemort?"
„ Nicht mehr, ich
habe mich so tief zurück gezogen das er nicht mehr in der Lage
dazu ist"
„OK ich werde mal versuchen dir zu glauben...
auch
wenn es wohl mein Untergang sein wird"
„ Vertrauen wird das
einzige sein was dir am Ende helfen wird."
„Wie meinst du das"
fragte ein sichtlich verwirrter Junge.
„ Ich habe das Buch in
meinem alten Waisenhaus versteckt , es steht dort auf den Klippen"
Sagte Tom, und zeigte mit einem Finger auf die Klippen hinter ihm.
„
Und wie soll ich da hinkommen?
Ich kann nicht apparieren und der
Orden lässt mich bestimmt nicht gehen.
„ Ich kann dir das
Wissen geben aber mit dem Orden muss du fertig werden." Tom
streckte ihm seine rechte Hand entgegen in der sich eine helle blaue
Kogel gebildet hat.
Unsicher nahm Harry diese Kugel in seine Hand,
in der sich die Kugel verflüssigte und in seine Haut
einsickerte.
„ Und jetzt kann ich Apparieren ?fragte ein immer
noch nicht überzeugter Harry.
„ Du wirst es können
wenn es sein muss, das Wissen liegt nun in deinem Unterbewusstsein.
Würdest du sagen das du diesen Ort dir im Schlaf vorstellen
kannst?"
„ Natürlich, ist auch kein Wunder wenn man jede
Nacht von diesem Ort träumt." Erwiderte Harry.
„ Zum
Apparieren muss du dir ganz genau vorstellen wohin du apparieren
möchtest, deswegen ist es so wichtig das du diesen Ort dir genau
vorstellen kannst."
„ Gut zu wissen aber was mache ich nun mit
dem Orden?
Der wird mich sicher daran hindern nach diesem Buch zu
suchen !
...es könnte ja gefährlich sein..."
„
Das wird es wohl auch...aber du musst ihn aufhalten!"
„
Hmm... ich verspreche dir ich halte ihn auf, und du brauchst
keine Angst mehr vor ihm zuhaben.
Ich werde alles mir Mögliche
tun, und wenn der Orden mich aufhalten will , werde ich mich gegen
sie wehren.
Haben sie sich ja auch selbst zuzuschreiben." die
letzten Worte waren kaum an Verbitterung zu übertreffen.
„
Ich wünsche dir viel Glück , ich muss nun gehen"
„
..."
Langsam öffnete Harry seine Augen und in diesen war
nicht wie vor einigen Tagen Trauer zuerkennen sondern eine
Entschlossenheit Voldemort aufzuhalten. Selbst wenn er sich gegen den
Orden stellen musste!
Denn es war seine Aufgabe, sein
Schicksal.
Sie sollten sie ihn unterstützen, und nicht hindern!
