Nach neun Stunden Autofahrt, wachte ich auf und warf einen prüfenden Blick aus dem Fenster. Bis jetzt sah ich nichts außer Bäume. Wie weit ist es denn jetzt noch? So langsam ging mir diese stundenlange Autofahrt auf die Nerven, genauso wie die ganze Sache mit dem Umzug. Aber ich wusste schon, wie ich meinen Eltern vielleicht doch noch einen Strich durch die Rechnung machen konnte.
Bevor ich meine Gedankengänge beendete hatte, färbte sich der Himmel schwarz und wir fuhren direkt in einen gewaltigen Schneesturm.
Dad war sichtlich verwirrt und schaltete das Radio ein, während er versuchte sich auf den Verkehr zu konzentrieren. Jeder lauschte nun dem Radiosprecher, der gerade eine Unwetterwarnung bekannt gab.
In diesem Augenblick erreichte uns die Meldung, dass 200 km südlich von Forks/Washington ein plötzlicher Schneesturm ausbrach. Meteorologen stehen vor einem Rätsel, da dieser Blizzard auf den Wetterbildern nicht ersichtlich war. Verwunderlich ist auch, dass ein derartiger Scheesturm Mitte August auftritt. Sind das etwa die Folgen der globalen Erwärmung? An alle Autofahrer, die derzeit auf den Straßen unterwegs sind, raten wir weiterhin vorsichtig zu fahren und gegebenenfalls Schneeketten anzulegen.
Über das ganze Gesicht grinsend saß ich auf der Rücksitzbank und beobachtete die Schneeflocken, die an meinem Fenster vorbeiflogen. Ob Dad Schneeketten dabei hat? Wohl eher nicht! Wäre ich vorher auf die Idee gekommen, hätte ich einen Schlitten eingepackt. Egal, mein Plan war aufgegangen, dachte ich zumindestens, denn ich bemerkte nicht, das Dad mich im Rückspiegel musterte und somit auch mein diabolisches Grinsen sah.
Ich zuckte zusammen, als er laut wurde, was er sonst eigendlich nie machte "Lillian Theresa Cullen. Hör sofort auf, deine Gabe für so einen Blödsinn zu benutzen"
Jeder in unserer Familie hatte eine Gabe, aber meine war mit Abstand die coolste. Ich konnte das Wetter beeinflussen, was mir aber im Endeffekt eigendlich gar nichts brachte, weil ich meine Gabe, so gut wie nie einsetzen durfte, außer wenn unsere Eltern mal wieder beschlossen mit uns einen total ätzenden Familienausflug zu machen.
"Aber Dad..." quengelte ich.
"Nichts aber!" schnitt er mir das Wort ab, bevor er fortfuhr "Selbst wenn die Welt untergehen würde, würden wir nach Forks ziehen. Also, hör auf damit und zwar sofort" Die letztere Ansage unterstrich er mit einem Knurren, was mir sofort signalisierte, das es besser für mich wäre, ihm zu gehorchen.
Ich löste meine geistige Spannung, so dass der Schneesturm verschwand und es wieder regnete, bevor ich ein leises "Tut mir leid Daddy" murmelte. Selbst wenn die Welt untergehen würde, würde wir nach Forks ziehen, dachte ich. Was ist das denn für eine Logik? Wenn die Welt untergehen würde, gäbe es Forks nicht mehr, aber ich wollte mit Dad jetzt nicht darüber diskutieren. Das Schicksal meint es nicht gut mit mir. Ich bin dazu verdammt nach Forks zu ziehen, denn gegen Dad´s Entscheidungen war ich machtlos.
Die weitere Fahrt war ereignislos und langweilig. Alice und Rosalie saßen neben mir uns schliefen, bis Mum sich umdrehte und sagte "Kinder aufwachen! Wir sind gleich da"
Was? Das soll Forks sein? Ich sah aus dem Fenster auf der rechten Seite und erkannte das Ortsschild Willkommen in Forks Ich wusste es, dachte ich. Wir ziehen in das kleinste Kaff der Welt, umgeben von unzähligen Bäumen. Mein Verdacht bestätigte sich, als Dad in die Innenstadt fuhr. Weit und breit gab es weder ein vernünftiges Klamottengeschäft, noch irgendeinen Schuhladen.
Ich tippte Dad von hinten auf die Schulter "Ähm Dad, wo sind die ganzen Geschäfte?" fragte ich, in der Hoffnung, dass das alles nur ein schlechter Scherz war.
Mein Vater sah in den Rückspiegel und lächelte "Tut mir leid Schatz, aber um einkaufen zu gehen, muss man nach Port Angeles fahren"
"Aha. Willkommen in Forks, also? Ich finde willkommen in der Hölle trifft es schon eher" antwortete ich sarkastisch, woraufhin Mum und Dad sich amüsiert ansahen. Ich konnte mir den blöden Kommentar einfach nicht verkneifen, denn selbst die Laune von Alice und Rosalie war nun im Keller.
Wir fuhren weiter gerade aus, bis Dad rechts in einen Waldweg abbog. Nein oder? Das darf doch echt nicht wahr sein! Wir wohnen im Wald? Kann es noch schlimmer werden? Fern ab von der Zivilisation hatte Dad also ein Haus gekauft. Eins musste man ihm dennoch lassen, Geschmack hatte er. Mir gefiel das Haus sehr gut, der einzige Nachteil war natürlich der Wald, aber das behielt ich lieber für mich. Eigendlich hätte ich mir das auch gleich denken können, denn unsere Eltern mochten Wälder, weshalb wir unsere Campingausflüge meistens im Wald verbrachten. Ich persönlich hatte ja nichts gegen Wälder, ich mochte nur die Bewohner wie Spinnen, Ameisen und Mücken nicht, die ich wahrscheinlich jetzt als Dauergäste in meinem Zimmer begrüßen durfte.
Ich schnappte mir als erstes meines Koffer. Ich musste unbedingt noch im Internet nachsehen, was Forks zu bieten hatte. Unsere Eltern hatten nicht viel von der Stadt erzählt außer, das sie selbst vor einigen Jahren hier gelebt hatten. Daran konnte ich mich allerdings nicht mehr erinnern, denn erstens, war ich zu der Zeit menschlich und zweitens war ich noch ein Baby.
Vollbepackt reihte ich mich hinter Edward ein, um mein neues Zuhause zu begutachten, doch anstatt mir freundlicherweise die Tür aufzuhalten, oder mir etwas Gepäck abzunehmen, ließ Edward die Tür vor meiner Nase zufallen.
"Danke!" rief ich ihm noch hinterher, während mir sämtliche Taschen aus der Hand fielen.
"Komm Krümel, ich helf dir" lachte Emmett hinter mir, hob meine Taschen vom Boden auf und hängte sie sich lässig um die Schulter.
Ich dankte ihm und machte mich sofort auf den Weg in mein neues Zimmer. Es war nicht sonderlich groß, aber es gefiel mir sehr gut. Ich hatte zwei große Fenster im Zimmer und eine Treppe, die zu einer Dachterrasse führte. Mum hatte das ganze Haus eingerichtet und dekoriert, bevor wir hierherzogen. In Einrichtungsdingen konnte man unserer Mum nichts vormachen, sie hatte wirklich Ahnung davon. Sie hatte mein Zimmer in meiner Lieblingsfarbe lila gestrichen und auch meine Bettwäsche und die Vorhänge waren lila.
Ich konnte keinen Nachteil an meinem Zimmer erkennen. Naja gut, bis auf einen! Mein Zimmer lag genau neben dem von Edward, was für die Zukunft so viel bedeutete wie, Geschwisterkrieg. Wir stritten nicht ständig miteinander, aber manchmal nervte er mich einfach. Als ich noch kleiner war, hat mich Edward immer geärgert und das fand ich echt gemein. Ich war ungefähr fünf Jahre alt, als mir Edward aus Spass Kaugummi in die Haare klebte. Stundenlang saß ich da und heulte, weil Mum meine dunkelbraunen Locken abschneiden ürlich bekam mein Bruder rießen Ärger mit Dad, woraufhin er sowas nie wieder machte.
Ich war damals noch ein Mensch und konnte mich nicht wehren, aber heute würde er sich das nicht mehr trauen. In meiner Neugeborenenphase hatte Edward keine Chance gegen mich, was sich aber mittlerweile geändert hatte, denn heute war er wieder stärker wie ich.
Was mich aber trotzdem nicht davon abhielt, gegen ihn zu kämpfen. Dad sah das zwar gar nicht gern, aber wenn ich mal sauer war, dann war ich sauer und dann hielt mich nichts und niemand auf.
"Familienmeeting! Kommt bitte alle ins Wohnzimmer" rief Dad nach oben und alle schossen aus ihren Zimmern und rannten mit Vampirspeed ins Wohnzimmer.
Wir setzten uns auf die Couch und sahen gespannt auf unsere Eltern, die beide Stehen blieben.
"Wir müssen noch einiges klären, bevor wir unser neues Leben hier beginnen" eröffnete Dad das Meeting.
Was müssen wir denn noch klären? Fragte ich mich. Das Forks langweilig ist, steht ja wohl kaum zur Debatte.
"Eure Mutter wird zu Hause bleiben, während ich im Forks Comunity Hospital arbeiten werde" sprach er weiter.
Yeah! Dachte ich. Dad ist weg und wir sind allein mit Mum, was mehr Freiheit für mich bedeutete, denn Mum war leichter rumzukriegen wie Dad. Vielleicht war der Umzug nach Forks doch nicht so schlecht, dachte ich, während ich mich grinsend in die Sofakissen zurücklehnte.
Dad verschränkte die Arme vor der Brust und lachte mich triumphierend an "Lilly, ich weiß genau was du denkst, aber vergiss es" ließ er meine Traumblase platzen, bevor er fortfuhr "Ihr werdet ab morgen alle in die Forks High School gehen. Seit Morgen früh um 7 Uhr fertig, denn um 8 beginnt euer Unterricht. Das Meeting ist beendet!" beendete er mit einem leicht diabolischen Lächeln auf den Lippen.
Ein Stöhnen ging durch die Runde, bevor jeder Aufstand und in sein Zimmer ging.
Na toll! Dachte ich. Schon wieder eine neue Schule. Als Vampir hatte man es echt nicht leicht. Ich war verdammt, verdammt dazu in die Schule zu gehen. Meine Eltern sind wirklich sadistisch!
