Kapitel 5
Sarah blieben die Worte im Halse stecken. Sie konnte plötzlich nicht mehr atmen. Vor ihr stand ein Killer, genau so einer wie der durch den ihr Kyle gestorben war.
Sie sah plötzlich nicht mehr die brünette junge Frau vor sich. Ihre Panik lies sie in die Rotglühenden Augen eines Endoskeletts blicken. Sie hörte wieder die Geräusche, die die Bewegungsmechanik der Maschine machte.
Sarahs Puls beschleunigte sich.
140 Schläge. Sarah taumelte mit Panik im Gesicht rückwärts.
160 Schläge. Sie hatte das Gefühl, ihr Herz wollte die Brust sprengen.
180 Schläge. Das Blut rauschte in ihren Ohren. Sie hatte das Gefühl Es müsse jeden Moment aus Ohren und Nase spritzen..
Irgendwann jenseits von 180 Herzschlägen verdrehte Sarah die Augen und wurde ohnmächtig.
John wollte zu ihr, war aber zu langsam. Allison hatte Sarah aufgefangen noch bevor diese auf dem Boden aufschlagen konnte.
Selbst Derek sah verwundert zu, wie Allison Sarah zur Couch trug und sie dort vorsichtig ablegte.
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Als Sarah schließlich nach einigen Minuten die Augen aufschlug sah sie zunächst in das besorgte Gesicht ihres Sohnes.
Als sie dann ein Glas Wasser erblickte, das ihr von Cameron entgegengehalten wurde zögerte sie nur ein paar Sekunden und kämpfte die erneut aufkommende Panik nieder, bevor sie es schließlich doch mit einem Nicken entgegennahm.
Während sie trank beobachtete sie über den Glasrand hinweg ihre Umgebung. Direkt neben ihrer Taille saß John seitlich auf der Couch. Direkt daneben, neben ihren Knien saß Cameron und hatte eine Hand auf Johns Schulter gelegt und sie selbst lehnte von Hinten gegen ihn.
Sarah seufzte innerlich, sah aber ein, dass sie zumindest vorerst nichts unternehmen konnte.
Dann drehte sie ihren Kopf und sah diese Allison Maschine, die auf Derek Reese einzureden schien, der aber mit trotzigem Gesicht ohne Reaktion am Küchentisch saß und offenbar Kaffee trank.
Ihre Blicke trafen sich. Derek Reese schüttelte mit dem Kopf, während Sarah als Entgegnung nur mit den Schultern zuckte.
Sarah blickte wieder zu John. „Wie kannst Du nur", sagte sie vorwurfsvoll. „Sie ist eine Maschine..., schlimmer noch sie arbeitet für Skynet...
„Nein", unterbrach Cameron energisch. „Ich arbeite nicht für Skynet".
„Und ich auch nicht", warf Allison in diesem Moment ein. „Ich weiß nicht, wie das bei Cameron ist aber ich muss den programmierten Befehlen nicht Folge leisten, kann diese sogar überschreiben.
John, der Allison angeblickt hatte drehte den Kopf und sah nun wie Sarah Cameron an.
Cameron blickte zuerst zu Sarah, dann zu John. „Bei mir ist es genau so. Damals als ihr den T1000 zerstört habt hatte ich den Befehl Euch zu töten, hab mich dann aber anders entschieden. Die Möglichkeit Befehle zu überschreiben habe ich aber erst später entdeckt.
„Das ist Alles Schwachsinn Sarah Connor", warf in diesem Moment Derek Reese ein. „Die Infiltratoren wurden nur zu dem Zweck gebaut zu lügen und sich einzuschleichen, um dann von Innen heraus zu zerstören. Die Beiden mögen vielleicht aussehen wie Allison Young aber sie sind es nicht. Connor...", sprach er jetzt John direkt an. „Frag Cameron was mit dem Mädchen mit dem Namen Allison Young geschehen ist, wer sie war und was sie mit ihr gemacht hat.
John blickte zu Cameron. Er ahnte worauf Derek Reese hinaus wollte.
Cameron hatte den Kopf gesenkt und suchte nach den passenden Worten.
Als sie den Blick hob und den Mund öffnete um ihrem John eine schmerzliche aber ehrliche Antwort zu geben begann dieser zu sprechen.
„Allison Young war die Vorlage für Dein Modell. Sie wurde gefangen, verhört und schließlich getötet. Möglicherweise sogar von Dir. Liege ich da richtig?" Fragte er ohne Groll.
Cameron sah ihm einige Sekunden mit offenem Mund in die Augen, bevor ihr Mund zuschnappte und sie nickend den Kopf senkte.
John ergriff ihr Kinn und hob es, so dass sie ihm in die Augen sehen musste. „Mit deinem heutigen Wissen, würdest Du es wieder tun? Würdest Du sie töten?"
„Nein", sagte Cameron mit Nachdruck.
„Was wäre passiert, wenn Du sie nicht getötet hättest?"
„Dann hätte Skynet sie trotzdem Terminiert, weil sie von keinem Nutzen mehr gewesen wäre", antwortete Cameron leise.
Zärtlich legte John die Hand an Camerons Wange und streichelte mit dem Daumen über ihr Muttermal. „Ich vergebe Dir".
Niemand hatte auf Allison geachtet, die fast wie in Trance nähergetreten war.
„Du kanntest Allison Young? Du bist...bist Nummer 1?" Sagte sie mit Verehrung in der Stimme.
Cameron blickte kurz verwundert auf John. „Nun, bis heute dachte ich noch, ich wäre das einzige TOK 715 Modell Allison Young", sagte sie dann zu Allison.
„Wie viele von Euch gibt es denn nun?" Fragte John erstaunt.
Allisons Blick löste sich nur widerwillig von Cameron. „Die Allison Young Reihe ist bis zu Nummer 125 produziert worden".
„Sind noch andere Modelle produziert worden?" Fragte Cameron neugierig.
Nun sah Allison wieder Cameron an. „Ursprünglich nicht, aber Skynet hat DNA-Schablonen von den letzten Menschen eingelagert." Sie senkte den Blick. „Aber auch das wurde alles zerstört".
Sarah richtete sich auf. „Jetzt will ich Alles wissen", sagte sie energisch.
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Sie saßen um den Couchtisch herum. Sarah und Derek hatten die beiden Sessel okkupiert.
Sarah blickte immer wieder mit saurem Gesichtsausdruck auf die Hand ihres Sohnes, die mit deren Hand bedeckt auf Camerons Schenkel ruhte.
Auf der anderen Seite Camerons saß Allison, die schon vor Minuten ihre Geschichte beendet hatte. Nun herrschte Schweigen.
Schließlich sprang John auf. Er ging Minutenlang im Kreis. Während Camerons Blick jeder seiner Bewegungen folgte lag Sarahs Blick auf Cameron.
Derek Reese hingegen starrte mit einer Spur Furcht auf Allison. Mit Cameron hätte er sich getraut fertig zu werden aber diese Maschine machte ihm Angst.
Viel wichtiger noch... Nach der Demonstration ihrer Fähigkeiten glaubte er ihr jedes Wort und zum ersten Mal in seinem Leben war ihm klar, dass sie den Kampf verlieren würden, wenn sie nicht zumindest einen Teil, speziell diese Maschine auf ihrer Seite hatten.
Egal was Connor auch entschied. Er war dabei. Vorerst zumindest. 'Wenn er seinen Love Bot heiraten will... Diese Ehe lässt sich immer mit einer Granate beenden', dachte Derek innerlich ein sadistisches Lächeln auf den Lippen.
Sarahs Gedanken bewegten sich auf ähnlichen Bahnen. 'Es ist zu spät sie zu trennen'. Sie blickte zu Derek. 'Wenn wir Skynet besiegt haben wird mir sicherlich einer helfen die Maschine unauffällig los zu werden'.
John blieb abrupt stehen. „Ich habe entschieden...".
„Ich bin dabei!" Riefen Sarah Connor und Derek Reese gleichzeitig und blickten sich dann verwirrt an.
„Was?" Fragte der unterbrochene John, der den Faden verloren hatte.
„Wenn wir Skynet besiegen wollen müssen wir zusammenhalten", sagte Sarah.
Derek Reese nickte nur.
„Dann stehts fest. Ab sofort sind wir ein Team", sagte John.
„Team?" Fragte Allison verwirrt.
Cameron streckte den Arm aus und sah John an. „Einer für Alle...".
John begann herzlich zu lächeln. „...und alle für einen", sagte er und legte seine Hand über ihre.
Dann sah John Sarah abwartend an, bis diese seufzend in die Geste einfiel.
Dann sah John zu Allison, die zwar nicht völlig begriff aber verstand, dass es sich um eine Art Bindungsritual handelte. Sie kopierte die Geste.
Aller Blick fiel nun auf Derek Reese, der Regungslos in seinem Sessel saß.
„Reese?" Sagte Sarah fragend und wies mit den Augen auf die übereinanderliegenden Hände.
Derek Reese rang lange mit sich selbst. Schließlich beugte er sich vor und streckte den Arm aus. Sekundenlang schwebte seine Hand über Allisons schließlich bewegte er sie etwas zur Seite. „Für Kyle", murmelte er, als er sie auf Sarahs Unterarm legte.
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Der Rest des Abends verlief mit Planungen und Erzählungen über die Zukunft.
Schließlich passierte Etwas was John und Cameron lauthals lachen und Sarah und Derek verwundert die Augen aufreißen ließ.
Es war etwas, das Allison sagte, Etwas was so unverhofft kam, dass es die beschriebenen Reaktionen auslöste.
„Ich habe eine Bedingung", platzte Allison heraus, als sich Alle erhoben.
Alle Blicke richteten sich auf Sie, die nun Cameron anblickte die wiederum zustimmend nickte.
„Ich will einen netten Mann!"
(ENDE)
