Und weiter gehts!
Golden Eyes
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by CarpeDiem
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Mit einer Dunhill zwischen den Lippen betrat Asami gefolgt von Kirishima seine Lagerhalle am östlichen Rand des Hafens. Der Dealer, mit dem er sich hier treffen wollte, wartete bereits auf ihn und Asami begrüßte ihn mit einem knappen Nicken. Er hatte den jungen Mann mit der Kappe auf dem Kopf noch nie persönlich getroffen, aber er hatte einen ausführlichen Bericht erhalten und darin war ein Foto von ihm gewesen.
Nobuhiro hatte Kontakte nach Kolumbien und war dafür bekannt besonders reines Kokain zu liefern, das auf dem Seeweg nach Japan gebracht wurde. Asami kontrollierte mehrere dieser Routen und nachdem er seinen letzten Händler im Zuge einiger Unstimmigkeiten erschossen hatte, musste er sich jetzt umorientieren. Nachdem er sich ein wenig umgehört hatte, war Nobuhiro die passende Wahl gewesen und er hatte vor einigen Wochen ein Treffen vereinbart.
Asami nahm einen tiefen Zug von seiner Zigarette und gab Kirishima die Anweisung den Dealer und seinen Begleiter zu durchsuchen. Er hasste unangenehme Überraschungen und etwas an Nobuhiros Begleiter gefiel ihm ganz und gar nicht.
„Sie sind sauber", teilte Kirishima ihm mit, nachdem er nichts gefunden hatte und Asami gab sich damit zufrieden. Kirishima arbeitete schon eine ganze Weile für ihn und genoss als einer der wenigen Menschen sein Vertrauen.
Asami zog ein letztes Mal an seiner Zigarette, bevor er sie auf den Boden warf und mit der spitze seiner schwarzen, italienischen Lederschuhe austrat.
„In Ordnung. Dann kommen wir zum Geschäftlichen."
Nobuhiro nickte und holte ein in braune Plastikfolie eingewickeltes Päckchen aus seinem Rucksack hervor, das er auf einen Stapel Holzpaletten legte. Mit einem Taschenmesser schnitt er das Päckchen an der Oberseite auf und zog die Folie auseinander, damit Asami sich die Ware ansehen konnte.
Asami trat näher heran und holte aus der Innentasche seines Jacketts ein kleines Stück Silberfolie und sein Feuerzeug hervor. Dann ließ er sich von Nobuhiro das Taschenmesser geben und hob mit der Spitze des Messers eine kleine Menge Kokain heraus. Das weiße Pulver war kristallin und staubfein, als Asami es auf der Silberfolie verstreute. Anschließend legte er das Taschenmesser bei Seite und griff nach seinem Feuerzeug, um das Kokain von unten langsam zu erwärmen. Bereits nach ein paar Sekunden begann das weiße Pulver zu schmelzen und bildete dabei einen scharfkantigen Hügel. Asami ließ sich nicht anmerken, dass er mit der Qualität der Droge bis jetzt äußerst zufrieden war. Wenn das Kokain an den Seiten zu brodeln begonnen hätte, wäre das ein Anzeichen dafür gewesen, dass es mit Mannitol gestreckt worden war.
Nachdem Asami das weiße Pulver ein paar Mal vorsichtig erwärmt hatte, blieb nur noch ein kleiner Tupfer übrig und Asami strich mit dem Zeigefinger darüber, nachdem er das Feuerzeug weg gelegt hatte. Die Reste des Kokains fühlten sich an wie lackierte, was ein weiteres Merkmal der guten Qualität war. Zufrieden mit dem Ergebnis dieser Probe, knüllte Asami die Silberfolie zusammen und ließ sie zusammen mit seinem Feuerzeug wieder in der Innentasche seines Jacketts verschwinden.
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Akihito hielt seinen Finger auf den Auslöser gepresst, während ihm das Herz bis zum Hals schlug. Das klickende Geräusch seiner Kamera ertönte in einem unablässigen Stakkato und mit jeden Schuss fühlte er sich euphorischer. Auf diese Fotos hatte er so lange gewartet, aber nicht einmal in seinen kühnsten Träumen hätte er sich ausgemalt, dass diese Bilder so brisant sein würden. Er hatte damit gerechnet Asami vielleicht während eines Treffens mit einem bekannten Waffenhändler zu beobachten, oder Aufnahmen davon zu machen, wie er geheime Absprachen mit einem Politiker traf, aber diese Bilder waren der Jackpot!
Ryuichi Asami mit einem Drogendealer auf demselben Foto, wie er gerade dabei war ein Kilo Kokain auf seine Reinheit zu überprüfen. Egal was für Verbindungen Asami zur Polizei oder zu anderen hohen Tieren hatte, diese Fotos waren Fakten und solange sie nicht verschwanden, würden sie Asami das Genick brechen. Aus dieser Sache würde er nicht wieder herauskommen und dann würde er endlich für alles bezahlen, was er Akihito angetan hatte. Darauf hatte er so lange gewartet. Er hatte Asami sogar gewarnt, dass er ihn eines Tages dran kriegen würde, aber die einzige Reaktion, die dieser Bastard darauf gezeigt hatte, war ein höhnisches Grinsen gewesen. Er hatte Akihito unterschätzt und das würde ihn jetzt teuer zu stehen kommen.
Akihito ließ seine Kamera sinken und zog sein Handy aus der Tasche seiner Jacke. Er hatte genug Beweisfotos gemacht auf die der Staatsanwalt seine Anlage stützen konnte. Jetzt war es Zeit für die nächste Phase. Er wählte Hiratas Nummer und wartete bis der Detektiv sich meldete.
„Ja?"
„Ich hab die Fotos. Sie sollten sich beeilen", antwortete Akihito leise, während er weiterhin durch das Fenster der Lagerhalle nach unten sah.
„Ist gut, wir sind gleich da. Rühr dich nicht von der Stelle, ich melde mich wieder."
Gerade als der Detektiv aufgelegt hatte, kam Bewegung in die Szene unter Akihito und er hob seine Kamera wieder vors Gesicht. Kirishima hatte sein Handy aus der Tasche gezogen und rief Asami etwas zu, nachdem er es kurz ans Ohr gehalten hatte. Danach wurde alles ziemlich hektisch. Asami zog im Bruchsteil einer Sekunde seine Waffe und richtete sie auf den Dealer. Was er sagte, konnte Akihito nicht hören, aber es klang nicht besonders freundlich. Der Dealer begann auf Asami einzureden, während weder er noch sein Begleiter sich von der Stelle bewegten. Nach einem kurzen Moment nahm Asami die Waffe wieder runter und der Dealer begann hastig sein Kokain einzupacken, während Asami und Kirishima bereits mit schnellen Schritten zum Ausgang der Lagerhalle eilten.
Nein, nein, nein dachte Akihito, während sich seine Finger krampfhaft um seine Kamera schlossen. Irgendjemand musste Asami gewarnt haben, dass die Polizei im Anmarsch war, aber anscheinend hatte man ihm nicht gesagt, dass das hier von Anfang an eine Falle gewesen war, denn sonst hätte er den Dealer und seinen Aufpasser sofort erschossen.
Akihito presste sich an die Wand der Lagerhalle und konnte nichts weiter tun, als hilflos dabei zuzusehen, wie Asami in seine Limousine stieg und mit quietschenden Reifen die Straße vor der Lagerhalle entlang fuhr, während die Polizei mit Blaulicht und Sirenen hinter ihm herjagten. Akihito machte eilig ein paar Bilden von dem Nummernschild von Asamis Limousine, bevor er über die Brüstung auf die andere Seite des Lagerhauses rannte. Er sah gerade noch wie Asami die Polizeiautos abhängte, als er unter einem großen, roten Frachtcontainer hindurch fuhr, der gerade von einem Schiff abgeladen wurde. Der Container versperrte den Polizeiautos den Weg und bevor der Kranführer reagieren und den Container wieder anheben konnte, war Asamis Wagen bereits außer Sichtweite.
Akihito schlug mit seiner Faust auf das Geländer der Brüstung und fluchte laut. Asami hatte es wieder einmal geschafft der Polizei zu entwischen. Allerdings war die Sache dieses Mal damit nicht erledigt, denn Akihito hatte immer noch die Fotos auf dem Film in seiner Kamera und sobald der Staatsanwalt die gesehen hatte, würde er nicht zögern einen Haftbefehl auszustellen.
Akihitos Handy in seiner Hosentasche begann zu vibrieren und als er es heraus holte, sah er, dass Detektiv Hirata ihm eine SMS geschrieben hatte. Er wollte sich in zehn Minuten mit ihm hinter der Lagerhalle 117-B treffen. Das war nur ein paar hundert Meter entfernt und Akihito packte seine Sachen zusammen, bevor er sich auf den Weg dorthin machte.
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Als Akihito um die Ecke des Lagerhauses 117-B bog, sah er, dass Detektiv Hirata bereits zwischen mehreren Frachtcontainern auf ihn wartete. Er hatte gerade ein Päckchen Marlboro und ein Feuerzeug aus der Innentasche seines dunkelgrauen Anzuges geholt und zündete sich eine Zigarette an.
Während Akihito näher kam, fragte er sich nicht zum ersten Mal wie Hirata es geschafft hatte in seinem Alter bereits Detektiv zu werden. Er war vielleicht ein paar Jahre älter als Akihito, aber in dem Anzug und mit den streng nach hinten gekämmten, dunkelbraunen Haaren, sah er um einiges erwachsener aus. Sein strenges und kontrolliertes Auftreten sorgte dafür, dass man ihm Respekt entgegenbrachte, auch wenn er, was Akihito schnell bemerkt hatte, bei weitem nicht so streng und kühl war, wie es den Anschein hatte – eher im Gegenteil. Trotzdem war er dafür bekannt äußerst energisch und konsequent zu sein, wenn er sich ein Ziel gesetzt hatte. All das waren Eigenschaften, die einen Menschen schnell an die Spitze bringen konnten, aber solchen Menschen wurden Fehler im Allgemeinen auch nicht so leicht verziehen.
Als Hirata aufsah, bemerkte er, dass Akihito mit seiner Kameratasche um die Schultern auf ihn zukam. Er nahm einen langen Zug von seiner Zigarette, während Akihito neben ihm stehen blieb.
„Da bin ich", verkündete Akihito und Hirata hob das Päckchen mit den Zigaretten, das er immer noch in der Hand hatte, in Akihitos Richtung.
„Auch eine?"
„Nein, danke", entgegnete Akihito und Hirata zuckte gleichgültig mit den Schultern. Anschließend ließ er das Päckchen wieder in seinem Jackett verschwinden und Akihito sah für einen Moment die Waffe des Detektives, die in einem Schulterhalfter steckte.
Hirata nahm einen weiteren Zug von seiner Zigarette und blies den Rauch in die Luft.
„Asami ist uns wieder einmal entwischt", sagte er dann, aber es war lediglich eine Feststellung und wenn er wütend darüber war – was er zweifellos sein musste – dann zeigte er es nicht.
„Ja, ich weiß, ich hab's gesehen", antwortete Akihito missmutig. „Aber zumindest haben wir die Fotos."
„Zeig sie mir", verlangte Hirata, doch Akihito schüttelte entschuldigend den Kopf.
„Geht nicht. Ich hab keine digitale Kamera."
Hirata warf ihm einen überraschten und gleichzeitig auch verständnislosen Bick zu. „Was? Warum nicht?"
„Naja, ein Film hat eine bessere Auflösung. Außerdem ist eine analoge Kamera schneller, weil sie verzögerungsfrei auslöst", erklärte Akihito kurz. Was er jedoch nicht erwähnte war, dass eine digitale Kamera mit derselben Auflösung wie seine Nikon schlichtweg unbezahlbar war und er sich so eine Kamera einfach nicht leisten konnte.
Hirata blickte etwas verärgert drein, musste sich aber damit abfinden. Er überlegte einen Moment, bevor er sich entschieden hatte, wie es jetzt weiter gehen würde.
„Na gut. Wie lange dauert es bis du die Fotos entwickelt hast?"
„Ein paar Stunden", antwortete Akihito und Hirata nickte nachdenklich.
„In Ordnung. Ich werde heute gegen Abend einen meiner Männer bei dir vorbeischicken. Was ihn angeht, bist du nur einer unserer Informanten. Du gibst ich ihm die Abzüge in einem verschlossenen Umschlag, die Negative bleiben bei dir. Sag niemandem, dass du in letzter Zeit irgendwelche Aufträge gehabt hast und tu nichts was dich mit diesen Fotos in Verbindung bringen könnte. Am besten du hältst dich die nächsten Wochen bedeckt. Asami ist verdammt gefährlich, wenn er herausfindet, wer diese Fotos gemacht hat, bist du tot, verstanden?"
Akihito nickte, während er sich überlegte, ob Asami ihn wohl tatsächlich umbringen würde, wenn er herausfinden sollte, dass er diese Fotos gemacht hatte. Nun, er hatte nicht vor es darauf ankommen zu lassen.
„Ja", antwortete er ernst, während er dem Blick des Detektivs standhielt. „Keine Sorge, ich weiß, wie dieses Spiel gespielt wird."
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Akihito betrachtete im diffusen Licht seiner Dunkelkammer das Foto, das er gerade aus dem Netzmittel genommen hatte, nachdem er in der wässrigen Lösung die Reste der chemischen Substanzen des Fixierbades entfernt hatte. Er hielt es vorsichtig an den Ecken vor sich in die Höhe, um es genauer zu betrachten.
Das Foto zeigte eine Großaufnahme von Asami, der gerade dabei war, das Kokain auf seine Reinheit zu überprüfen und ein schmales Lächeln erschien auf Akihitos Lippen. Er hatte Recht gehabt, diese Fotos waren Gold wert.
Es waren bereits die zweiten Abzüge, die Akihito von dem Film machte, aber er hatte sich immer noch nicht daran gewöhnt, dass die Bilder anders aussahen, als die Fotos, die er sonst machte. Er hatte die Signatur, bestehend aus Datum und Nummer des Fotos sowie seinen Initialen, die sich normalerweise in der rechten unteren Ecke befand, verstellt, damit niemand den Fotos ansehen konnte, wer sie gemacht hatte. Das war zwar normalerweise gerade der Sinn einer Signatur, aber in diesem Fall hielt Akihito es für besser anonym zu bleiben. Jetzt befand sich die Signatur in der linken oberen Ecke und zeigte lediglich das Datum und die Nummer des Fotos an.
Akihito drehte sich um und hängte das Bild mit zwei Klammern an eine Wäscheleine hinter sich, um es trocknen zu lassen. Er wollte sich gerade wieder umdrehen, um das nächste Foto zu entwickeln, als er von dem Geräusch seiner Türglocke unterbrochen wurde. Akihito verließ die Dunkelkammer und betrat seine Wohnung, in der es stockdunkel war, sodass er die Tür zur Dunkelkamer ohne Gefahr für die Bilder öffnen konnte, während er arbeitete. Nachdem er die Tür wieder geschlossen hatte, schaltete er das Licht an und ging zur Haustür, um sie einen Spalt breit zu öffnen.
Draußen stand ein älterer Mann mit grauen Haaren in Jeans und Lederjacke.
„Hallo, ich soll hier für Detektiv Hirata etwas abholen", sagte er und Akihito nickte, bevor er die Tür weiter öffnete. Dann griff er nach dem braunen Umschlag, der auf seinem Schuhschrank lag und in dem sich die Bilder befanden, die er zuerst entwickelt hatte.
„Hier", antwortete er und der Polizist nahm den Umschlag entgegen, bevor er sich bedankte und dann wieder ging.
Akihito schloss seine Tür, blieb aber noch einen Moment davor stehen. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Nicht, dass er plötzlich Zweifel bekommen würde – was nebenbei bemerkt vollkommen bescheuert gewesen wäre – aber jetzt, da er der Polizei diese Fotos gegeben hatte, spürte er ein komisches Gefühl in sich aufsteigen, ohne dass er sagen konnte, woher es kam.
Akihito schüttelte entschlossen den Kopf und schob dieses seltsame Gefühl bei Seite. Er tat das Richtig und Asami hatte es hundertfach verdient für seine Verbrechen ins Gefängnis zu wandern.
Dann drehte er sich um, machte das Licht wieder aus und ging zurück in seine Dunkelkammer.
tbc.
(A/N: Es heißt ja immer ein Schriftsteller gibt seine Quellen niemals preis, aber bevor mir einer von euch die Polizei auf den Hals hetzt, werde ich euch sagen, woher ich weiß, wie man Kokain prüft: Ich habe ein nettes Büchlein gekauft, mit dem Titel: „200 Tricks für ein besseres Leben" herausgegeben vom Heyne Verlag in Zusammenarbeit der Zeitschrift Neon. In diesem Buch stehen Tipps für alle Lebenslagen, bereitgestellt von Fachidioten dieser Welt. ^^ Der Tipp über das Kokain war vom größten Kokainhändler aus Deutschland, der mittlerweile allerdings im Gefängnis sitzt.)
