Da ich schon einige Chaps voraus bin, dachte ich mir, ich hänge das erste Chap direkt an den Prolog an… :)

1. Lang lebe „Hallows Dragon"

„Noch Fragen?", sagte die dunkelhaarige Frau lächelnd, stützte sich auf dem Pult ab und warf einen Blick in die Runde. Rund 20 Augenpaare starrten sie an – und jeder einzelne ihrer Blicke sprach Bände.

„Ich bitte euch", seufzte sie ungläubig, „das war doch jetzt nicht wirklich schwer zu verstehen."

Stille, keiner wagte es ein Wort zu sagen. Und das obwohl sie sich in ihren nunmehr drei Jahren, die sie als Lehrkraft in Hogwarts verbracht hatte, wahrhaftig nicht in einen zweiten Severus Snape verwandelt hatte. Sie senkte den Blick: Jedenfalls was seine Unterrichtsqualitäten angegangen waren.

Sie schritt ein letztes Mal vor dem Pult auf und ab, durchquerte dabei den gesamten Raum in seiner Breite. Dann warf sie einen erneuten Blick auf die Klasse.

In der letzten Reihe begann eine kleine Gruppe der Mädchen aufgeregt zu tuscheln und wenige Sekunden später stimmten auch einige der Jungen ein: Zum dritten Mal am heutigen Tag.

„Hallo", unterbrach sie die jungen Störenfriede schroff. Die meisten blickten zu Boden, nur Colin Saunders – Ravenclaws Sucher, der es allen anderen Teams seit seiner Mannschaftaufnahme im vergangenen Jahr verdammt schwer machte - runzelte verärgert die Stirn.

„Also gut. Wenn keine Fragen mehr offen sind, bitte ich euch bis zur nächsten Stunde-" Fast schon wie erwartet schoss die Hand ihres Lieblingsschülers hoch: Longbottom junior.

Ein Seufzen entfuhr ihr, als sie ihm aufmunternd zunickte. Doch das Quietschen der schweren Türschnarniere kam ihr zuvor. Wenige Sekunden später erschien Daria Duré, seit zwei Jahren unterrichtende Professorin der „Verteidigung gegen die dunklen Künste" grinsend im Türrahmen.

Hermione nickte ihr kurz bestätigend zu und machte sich dazu bereit den Muggelkunde-Unterricht zu beenden. Doch vorher musste sie Longbottom zum Schweigen bringen.

Sie schmunzelte beiläufig über ihre groteske Gedankenwahl. „Ja, Mr. Longbottom. Was liegt ihnen auf dem Herzen?"

„Ich habe das mit der *Elekzitrirät* nicht so wirklich verstanden", sagte Thomas ganz in der zerstreuten Manier seines Vaters.

Hermione seufzte, doch Daria kam ihr zuvor. „Dann schlage ich vor, Du schlägst es noch einmal in deinem Buch nach, Thomas. Steht da alles ganz genau beschrieben", zischte sie und warf sich unter den glänzenden Augen der männlichen Schüler die langen, schwarzen Locken in den Nacken.

„Ja, Professor Duré", quiekte Longbottom aufgebracht und starrte auf sein Pult.

„Der Unterricht ist beendet. Schaut euch das Thema bitte noch einmal ausführlich an und erläutert mir in einem kurzen Aufsatz die Gefahren der Elektrizität", sie betonte das Wort ganz genau und sah Longbottom dabei einen Moment eindringlich an. Er errötete. „Und auch wie ihr euch bestmöglich im Umgang mit dieser schützen könnt", fuhr sie fort.

Als sie den Satz beendet hatte und ihre Sachen zusammenraffte, knarrten bereits die ersten Stühle geräuschvoll über den Steinboden des Klassenzimmers und die ersten Schüler verschwanden lauthals Brabbelnd aus dem Raum.

Sie schaute ihren Schützlingen verzweifelt stöhnend nach. „Ich hatte gehofft nach all dem, was passiert ist, wären sie offener und zugänglicher für diese Dinge."

Daria lachte. „Ich bitte Dich. Nach wie vor sind wir unter Zauberern", sie sah Hermione aus funkelnden, grünen Augen an. „Noch dazu unter überwiegend ahnungslosen Reinblütern. In manchen Dingen werden wir uns nie ändern."

„Ja, aber gerade von den Gryffindors und Hufflepuffs hätte ich mehr erwartet. Das Slytherin mir nicht zuhört wundert mich nicht. Aber"

„Mione, das hier ist Muggelkunde. Verstehe mich nicht falsch, ich finde das alles persönlich wahnsinnig interessant. Aber", Daria stockte blickte zur geöffneten Tür und fuhr dann leise fort, „das da draußen ist nach wie vor eine andere Welt. Eine Welt in der sie bleiben wollen."

Hermione seufzte und verfrachtete ihre geordneten Unterlagen mittels Zauberspruch zurück in das dafür vorgesehene Regal. „Ich weiß."

„Warum ordnest Du eigentlich immer alles, nur um es dann einordnen zu lassen?"

Der braunhaarige Lockenschopf lachte leise. „Ich habe keinen Schimmer. Macht der Gewohnheit wahrscheinlich."

Daria nickte. „Hast Du Hunger?"

Hermione nickte überschwänglich. „Und wie."

„Dann lass uns schnellstens nach Hogsmeade verschwinden. Ich habe heute mal Lust auf etwas Privatsphäre."

-v-

Als sie eine halbe Ewigkeit später endlich im ehemaligen „Drei Besen" – heute der „Goldene Topf" genannt – ankamen dämmerte es bereits. Ein aufkommender Sturm hatte ihren Weg durch das kleine Dörfchen erschwert. Passenderweise war der Himmel nun, wo sie endlich im Trockenen waren, nur noch leicht verhangen.

„Merlin, was für ein Tag", lachte Miones Gegenüber und strich sich ein paar klatschnasse Strähnen aus dem geröteten Gesicht. „Was für eine schlechte Idee hierher zukommen."

Mione lachte lauthals, während ihnen die Wirtin einen Stapel Handtücher auf den Tisch legte. „Es war deine Idee", sagte die ehemalige Gryffindor und warf der Wirtin einen dankenden Blick zu. Sie alle waren in den letzten Jahren alle etwas sparsamer geworden, was die Verwendung von Magie in Alltagssituationen anging.

Die quirlige Halbfranzosin warf ihren Einwurf mit einem schelmischen Schmunzeln ab und begann ebenfalls sich das Haar zu trocknen. Daria war ihr in den letzten zwei Jahren sehr ans Herz gewachsen. Sie hatte ihre Jugend, die Schulzeit und ihr Studium in Frankreich verbracht. Direkt nach dem Abschluss war sie jedoch nach Hogwards und nach England gekommen.

Daria sagte, weil sie in Frankreich alles verloren hatte. Und so tat sie das, was viele nach der Schlacht gegen Voldemort getan hatten: Sie war davongelaufen. In ein hoffentlich besseres Leben an einem anderen Ort der Welt.

„Hast Du die Gerüchte gehört?", riss sie ihr Gegenüber aus den Gedanken.

„Gerüchte? Nein…", gab sie zurück. Es gab ständig Gerüchte in Hogwards, doch sie hatten sie noch nie wirklich interessiert.

„Minerva soll einen neuen Trainer für das Quidditch-Programm organisiert haben." Darias Grinsen wurde immer breiter.

Hermione stöhnte gequält auf. „Endlich", hauchte sie sarkastisch.

Das Quidditch-Programm hatte sie eh immer für absolut unnötig gehalten. Da gab es rund tausend bessere Ecken, an denen die Zeit und das Geld investiert gewesen wären.

Zwar mochte sie die Spiele und konnte es auch vollkommen nachvollziehen, dass man an der Tradition der hauseigenen Mannschaften und Spiele festhielt. Doch aufgrund der Gemeinschaft von Schülern und Schulen weltweit, hatte man den beliebten Zaubersport nun auch in Hogwards ausgeweitet.

Nun gab es nicht nur hauseigene Mannschaften, sondern auch eine Schulmannschaft. Diese trat jährlich gegen Mannschaften aus ganz Europa an: Ein besonderes Spektakel, da es sich zu einer ganz eigenen Schulmeisterschaft entwickelt hatte. Die Schulsportler hatten also nicht nur die Möglichkeit einen weiteren Pokal an ihre Schule zu holen, sondern sie konnten auch in den Stadien der professionellen Teams spielen.

Und nun nahte die nächste Schulweltmeisterschaft, die alle drei Jahre stattfand. Zum Ende des Schuljahres würde sie in England alles versammeln, was sportlichen Rang und Namen hatte. Ein Ereignis, welches es sogar auf die Sporttitelblätter der ganz großen Magazine weltweit schaffen würde.

Leider hatte Hogwards Team bisher immer – sowohl europa- als auch weltweit - verloren. Und da McGonagall bekanntlich heimlich eine kleine Sportfanatikerin war, hatte sie es sich in den Kopf gesetzt, ihrem Team in diesem Jahr einen Sieg zu bescheren.

Da kam es ihr sicherlich nur zu recht, dass der bisherige, stark alternde Trainer Sir. Menowil Tacharee – ein wenig talentierter Exspieler der „Appleby Arrows" – vor einigen Wochen das Handtuch geworfen hatte.

Minerva hatte bei einem der unzähligen Abendessen im vergangenen Monat verlauten lassen, dass sie – „Koste es was es wolle!", wie sie sagte – den besten englischen Trainer für die „Hogwards Eagles" finden würde, den es zu finden gab. Und sie fügte hinzu, dass sie schon jemand ganz bestimmten im Auge hatte. Seitdem fragte sich die ganze Schule natürlich wen genau…

Harry war es nicht, dass hatte sie erst kürzlich selbst aus ihm herausgekitzelt. Auch wenn viele Schüler genau dies vermuteten. Jedenfalls scheinbar bis heute, denn neue Gerüchte waren ihr bisher nicht untergekommen.

„Und wen?", fragte sie also.

Darias Grinsen wurde eine ganze Spurt breiter. „Draco Malfoy!"

Hermione zog die Stirn kraus. „Malfoy?"

„Merlin, wenn Malfoy unsere Eagles trainiert, machen wir sie alle platt", quiekte Daria weiter aufgebracht vor sich hin, „ich sehe sie schon alle vom Himmel fallen."

„Malfoy?", wiederholte Mione ungläubig.

Daria stockte in ihren hysterischen und lauten Gedankengängen, die sich rund um vom Himmel regnende Schüler drehten. „Nun ja, es ist nicht offiziell. Aber sie hat beim Frühstück heute Morgen sehr merkwürdig gegrinst, als einige Schüler sie fragten."

Ein leises Lachen entwischte ihr. „Das glaubst Du doch nicht wirklich. Mister Superstar? Mister ich werde gefeiert wo ich hinkomme und verdiene damit jährlich Millionen?", spie sie hervor.

Von ihnen allen hatte Malfoy wohl in den vergangenen sieben Jahren den erstaunlichsten Wandel, oder auch Sprung, vollbracht. Der blasierte Jüngling und Möchtegern-Todesser war direkt nach dem Krieg verschwunden; damals wusste niemand wohin.

Lange munkelte man, der letzte Erbe der Malfoys hätte sich das Leben genommen. Doch dann tauchte er plötzlich, rund zwei Jahre nach dem Kriegsende wieder auf der Bildfläche auf: Um etwa ein Jahr als Ersatzspieler der „Colorado Heirs" für mächtig Aufsehen zu sorgen.

Die amerikanischen Heirs waren lange Zeit als die beste Quidditch-Mannschaft der Welt gefeiert worden, doch ihr Ruhm sollte sich noch steigern: Nicht zuletzt Malfoy wegen. Denn er schien seine Finger letztendlich vom Ersatzspieler an die Stelle des Captains wandern zu lassen und bereicherte die Heirs einige weitere Pokale. Doch kein Jahr nach seinem glorreichen Aufleben verschwand Malfoy wieder von der Bildfläche.

Warum wusste Mione nicht und es hatte sie auch nie interessiert. Was sie wusste war allerdings, dass der kleine, blonde Bastard vor rund drei Jahren wieder aufgetaucht war. Dieses Mal als Sucher der „Stormblast Hallows". Eigentlich eine jämmerliche, englische Mannschaft, die es nie auch nur unter die ersten 50, von Englands besten Mannschaften, geschafft hatte.

Bis zu Malfoys erneutem bewundernswerten Eingreifen. Innerhalb von wenigen Monaten, schien er das gesamte Team der Hallows komplett umzukrempeln: Ohne jedoch auch nur einen Spieler auszutauschen. Er entwickelte einige ganz eigene Taktiken und Strategien, seine bekanntesten waren unter den Begriffen „Drachenstoß", „Kamikazeflug" und „Krähenpass" weltweit bekannt und suchten – Ginnys Worte – früher wie heute ihres Gleichen.

Das war sogar Mione bekannt, obwohl sie nicht den geringsten Schimmer hatte, was genau bei welcher Taktik passierte oder zu beachten war. Sie wusste nur, dass Harry und Ron zu Beginn lange und oft darüber gebrütet hatten, wie gerade Malfoy eine solches Strategie-Wissen an den Tag bringen konnte. Mione hingegen hatte sich schon immer gefragt, wie er es schaffte sich alleine die Schuhe zu zubinden.

Um es kurz zu fassen: Die Hallows waren seit über drei Jahren unbesiegt und somit das bekannteste und beliebteste Quidditch-Team der Welt: Gefeiert und gefürchtet, denn nicht oft gingen ihre Gegner annähernd leer aus.

An ihrer goldenen Spitze natürlich Malfoy, mittlerweile von Kritikern und Fans nur noch „Hallows Dragon" genant. Malfoy war berüchtigt für seine teilweise lebensmüde Manöver auf dem Feld, die nicht selten zahlreiche Verletzte zurück ließen: Inklusive sich selber, soweit sie das bisher aufgeschnappt hatte.

Dennoch feierten und verehrten sie den ehemaligen Verräter und Slytherin. Millionen weibliche und männliche Fans vergötterten ihn. Die einen für sein angeblich so gutes Aussehen, seinen Charme und seine Zielstrebigkeit. Die anderen für sein Können und seine Aggression auf dem Spielfeld.

Sie erinnerte sich an eine Szene aus der jüngsten Vergangenheit, gleich nachdem Ron, Harry und Ginny sich ein Spiel besagter Mannschaft angeschaut hatten. Harry war sehr bleich zurückgekommen, Ron zornesrot und Ginny hatte bloß ein „Ich habe ihn nicht wieder erkannt. Er ist ein scheiß Genie", über ihre blassen Lippen gebracht.

Sie hatte damals beschlossen sich nicht über diese Ungerechtigkeit zu ärgern: Sie saßen in England fest und lebten ein mehr oder weniger gewöhnliches Leben, während Malfoy durch die ganze Welt tingelte, jede dritte Zeitung schmückte und wohl erst kürzlich und zum dritten Mal in Folge unter die Top-Ten der beliebtesten und bestaussehendsten Magier der Welt gewählt wurde.

Der Kerl hatte sogar einen eigenen Besen: Den Dragonheart. Hermione lachte innerlich gehässig auf. Nein, sie hatte schon vor langer Zeit entschlossen sich NICHT darüber aufzuregen. Für sie existierte Draco Malfoy nicht. Oder eher, für sie war er mit seinem ersten Verschwinden auch endgültig verschwunden…

Anmerk: Ich bin mir übrigens durchaus bewusst, dass die Grundideen - Hermione als Professorin und Draco als Profisportler - nichts wirklich Neues sind. Aber, ich habe es bisher weder in meiner geplanten Konstellation, noch mit vergleichbarem Plot gesehen. Ich denke also, dass meine Geschichte doch einige, viele lesenswerte Neuerungen mitbringen wird… ;)

Über Revs würde ich mich natürlih tierich freuen... :)