6. Hungry minds

Weihnachten nahte und so hatte der Winter ganz Hogwarts bereits seit Wochen in eine wunderweiße Winterlandschaft getaucht. Hermione beobachtete einige der dicken weißen Flocken, die vor dem großen Fenster auf dem Flur ihrer Gemächer tanzten.

Natürlich besserte sich die Lage auch in den nächsten Wochen nicht. Malfoys zahlreichen Anhänger und Schützlinge verspäteten sich immer wieder und teilweise schien es sie gar nicht zu stören, dass sie dafür jedes Mal ein halbes Dutzend Punkte verloren.

Es war wahrhaftig zum Mäuse melken. Doch Mione sah sich machtlos. Sie hatte alles versucht: Sie hatte weitaus mehr als hundert Mal mit den Schülern gesprochen und scheinbar genauso oft mit ihrem glänzenden Trainer.

Letzteren schien ihre Meinung jedoch noch weitaus weniger zu interessieren, als die Schüler selber. Er mied sie weiterhin, bedachte sie nur ab und an mit einem spöttischen Spruch, Einwurf oder Blick. Und so sehr es sie auch verwunderte, es störte sie.

Sie hatte sogar in Betracht gezogen McGonagall hinzuzuziehen, doch davor schreckte sie bisher zurück. Entweder war es die Tatsache, dass sie diese Sache alleine regeln musste. Oder es war die Tatsache, dass sie befürchtete Malfoy auf andere Art und Weise gegen sich aufzubringen.

Sie hielt in ihrer Bewegung und auch in ihren Gedanken inne, als sie ihn in seinen versunken aus seinen Gemächern in den Gang treten sah.

Wie so oft trug er für seine üblichen Verhältnisse sehr legere Sportkleidung – bestehend aus einer schwarzen Trainingshose und einer schwarz-grauen Jacke. Einen Moment verharrte er, starrte auf den kleinen weißen iPot in seiner Hand. Er sah entsetzlich hilflos aus. Alles in allem ein Anblick, an den sie sich sicher nie gewöhnen würde, so oft sie ihn auch sah.

„Malfoy", rief sie schließlich und setzte sich wieder in Bewegung.

Er sah überrascht auf, seine Miene verhärtete sich, als er sie sah. „Granger", sagte er dann, „Lass mich raten, es geht um das selbe leidige Thema, um das es auch gestern und vorgestern und letzte Woche ging?"

Der Lockenschopf schluckte, wollte etwas erwidern, doch ihr blieben heute irgendwie die Worte im Mund stecken.

Doch er ignorierte sie schon längst wieder, hämmerte mit gerunzelter Stirn auf das kleine weiße Ding in seiner Hand ein.

„Was machst Du da eigentlich ständig mit?", fragte sie.

Er sah sie einen Moment irritiert an. „Ich mache nichts. Das ist halt typischer Muggelmist, es ist ständig kaputt."

Mione lächelte, versuchte nach dem kleinen Ding zu greifen. „Lass mal sehen."

Mit strafender Miene entzog er es ihr bevor sie es überhaupt berührt hatte. Und mit ihm auch seine Hand.

„Ich nehme es Dir schon nicht weg", sagte sie genervt.

Einen Moment schien er über ihren Vorschlag nachzudenken, dann übergab er ihr den iPot tatsächlich.

Sie musterte ihn, drückte die Playtaste und augenblicklich erschien die Meldung *Hold!* im Display. Mione lachte leise, entriegelte das Gerät und drückte auf die Playtaste. Sofort ertönte leise Musik aus dem Ohrstöpseln.

„Du hast es blockiert", schmunzelte sie und gab es ihm triumphierend zurück.

Für den Bruchteil einer Sekunde konnte sie so was wie Überraschung in seiner Miene sehen. Dann grinste er sie herausfordernd an, stöpselte sich die Kopfhörer in die Ohren und lief einfach los.

„Hey", brüllte sie und lief ihm hinterher, „ich wollte mit Dir reden!"

Verdammt, er war schnell und er sah dabei noch nicht einmal angestrengt aus.

Er hob die Hand zu einem leichten Winken. „Tut mir leid Granger, ich kann Dich leider nicht hören." Der amüsierte Spott in seiner Stimme war nicht zu überhören.

Sie hatten das Treppenhaus noch nicht einmal erreicht, als sie schwer atmend außer Puste geriet und sich stöhnend auf ihren Knien abstützte. Mit gerunzelter Stirn beobachtete sie ihm, wie er mit scheinbar federleichten Schritten die Stufen hinab sprang und schließlich durch das Tor in die große Halle verschwand.

‚Das durfte doch nicht wahr sein', schoss es ihr durch den Kopf.

Dennoch spürte sie die kleine, klammheimliche Zufriedenheit in sich glimmen; wenn auch nur für einen kleinen Moment. Es war lächerlich, aber sie brauchte neuerdings tatsächlich so etwas wie eine kleine Dosis Malfoy am Tag.

-v-

Sie seufzte und schob die Pergamentrollen von sich, die auf ihrem Schoss und neben ihr auf dem Sofa lagen.

Malfoy hatte sie volle zwei Tage ignoriert und das störte sie gewaltig. Denn es machte sie unzufrieden. Unzufriedener, als sie es eh schon war. Und sie hatte das Gefühl, dass sie mit jedem Bisschen ansteigender Unzufriedenheit auch kindlicher agierte.

Vielleicht lag es an der Tatsache, dass sie sich selber auf gewisse Art und Weise in ihrer Vergangenheit einzuschließen versuchte. Dieser Gedanke hatte sie schon während des Studiums immer wieder begleitet, denn für sie stand fest, dass sie nur an Hogwarts unterrichten wollte. Wahrscheinlich zog und band es sie an diesen Ort, weil sie mit ihm so entsetzlich viel verband.

Doch natürlich war das Gefühl des *zu Hause seins* ohne Harry, Ron und die anderen, fehlenden Personen nicht dasselbe. Ihr fehlte manchmal sogar Snape und oftmals ertappte sie sich selber dabei, wie sie nachts aus einer Arbeit in der Bibliothek hoch schreckte und für einen Augenblick fürchtete von den Professoren oder Filch ertappt zu werden. Doch sie war keine Schülerin mehr und so war dieses zu hause, was sie kannte und an den sie sich so oft zurück sehnte, einfach nicht mehr herzustellen.

Vielleicht hatte irgendein Teil in ihr gehofft Malfoy könnte es tun? Könnte die Erinnerungen an ihre Schulzeit und die Zeit vor der großen Schlacht wieder aufleben lassen.

Doch das war es nicht allein. Irgendetwas in ihr flüsterte immer wieder leise, dass es andere Gründe gab. Doch diese wollte sie weder hören, noch sich nähere Gedanken dazu machen.

Draco Malfoy hatte sich eindeutig verändert. Sie würde nicht behaupten er war ein vollkommen anderer Mensch geworden. Sie würde sagen er hatte den Teil, den er scheinbar im Krieg verloren hatte auf eine gewisse und abstruse Weise durch einen erwachsenen Teil ersetzt. So wie scheinbar jeder es um sie herum getan hatte.

Sie lehnte sich zurück, dachte über ihren inneren Groll nach, als sie erfahren hatte, das Daria neuerdings ab und an gemeinsam mit Malfoy joggen ging. Sie konnte sich an diesen Gedanken immer noch nicht gewöhnen. Doch viel weniger wollte sie sich an die Tatsache, dass ihre beste Freundin scheinbar so was wie einen respektvollen Draht zu ihrem Erzfeind entwickelte, gewöhnen.

Zwar brachte er der Schwarzhaarigen im Normalfall auch nicht besonders viel Aufmerksamkeit entgegen, aber trotz aller Distanz erlangte selbst Neville eine gewisse tägliche Dosis. Während er sie zunehmend verhungern ließ…

Sie schüttelte ungläubig über ihre wirren Gedanken den Kopf. Sie war doch tatsächlich eifersüchtig, weil er jedem mehr Aufmerksamkeit entgegen brachte als ihr.

-v-

Wütend stürmte sie die Stufen der Eingangshalle hinab, als sie ihn am unteren Absatz erblickte.

„Malfoy", fauchte sie und nahm gleich mehrere Stufen auf einmal.

Er blickte zu ihr auf, klopfte sich einige Schneeflocken aus dem dicken schwarzen Mantel den er trug.

„Granger", warf er dann vollkommen emotionslos zurück und kam ihr einige der Treppen entgegen. Oder eher, er überholte sie und zwang sie ihm wieder bis zum oberen Absatz zu folgen.

„Jetzt warte doch mal", knurrte sie.

Direkt am oberen Absatz blieb er stehen und sah sie herausfordernd an.

„Mr. Malfoy?", krähte es von unten.

„Moment Taylor, wir reden gleich", warf der Blonde der wartenden Traube von Jungen zu, die sich augenblicklich unten versammelt hatten. Dann lagen die eisgrauen Fluten seiner Augen wieder auf ihr. „Was gibt es?"

„In den letzten Tagen haben sich einige der Schülerinnen wirklich immer wieder drastisch verspätet, Malfoy. So geht das nicht weiter, sie verpassen teilweise fast meine ganze Stunde", zischte sie.

Er wandte sich um, deutete auf die große Eingangstür des Schlosses. „Hast Du mal raus gesehen, Granger? Auch wenn das Quidditchfeld momentan aufgrund diversester Zauber frei sein mag, ist das Fliegen eine Qual. Gönne ihnen eine heiße Dusche und gib ihnen verdammt noch mal die Zeit heil durch die Schneewehen ins Schloss zu kommen."

Sie schnappte wütend nach Luft. „Malfoy, über diesem Thema brüten wir doch schon seit Wochen."

„Ja, ich erinnere mich. Du belästigst mich seit Wochen damit."

„Belästigen?", fauchte sie. „Malfoy, es ist deine verdammte Pflicht-"

Er trat näher an sie heran, beinahe zu nahe und fuhr ihr schneidend und doch unendlich bestimmt ins Wort. „Meine Pflichten bestehen darin diese Schüler zu trainieren und dafür zu sorgen, dass sie rechtzeitig und gesund mein Training verlassen können. Und genau diesen Pflichten komme ich nach."

Sie trat zurück, versuchte der Nähe zu entkommen. Sein Geruch stach ihr auf unangenehm angenehme Weise entgegen. „Davon merke ich nichts."

„Da bist du aber scheinbar die einzige hier", hauchte er spöttisch.

„Was willst du damit sagen?", schoss sie nun wieder vor. Nähe hin oder her, sie ließ sich von ihm nicht kritisieren.

Er zog herausfordernd eine Augenbraue hoch. „Dass du dir vielleicht eher den Kopf zerbrechen solltest, warum sich alle Schüler zu *deinem* Unterricht verspäten, anstatt mich dafür verantwortlich zu machen."

Wut und Zorn stiegen ihr zu Kopf und mit Sicherheit auch literweise Blut, doch das war ihr egal.

„Weißt du warum sie zu spät kommen? Weil sie dich anhimmeln wollen", sie flüsterte und trat noch einen weiteren Schritt an ihn heran. Doch er verharrte.

„Weil sie solange wie nur möglich in deiner Nähe sein wollen", fuhr sie zischend fort.

„Ich habe sogar Schülerinnen, die um Befreiung bitten, weil sie beim Mannschaftstraining zusehen wollen", ein weiterer Schritt und noch ein weiterer: Sie berührte ihn fast.

„Und weißt du warum sie das tun?" Sie sah ihm herausfordernd in die Augen.

„Du wirst es mir sicher sagen", schnarrte er amüsiert.

Sie lächelte steinern. „Weil du ein kleines, untalentiertes Arschloch bist. Das einzige, was du gut verkaufen kannst ist deinen scheiß nackten Körper und deinen aufgesetzten Charme."

Er sah sie einen kurzen Augenblick entgeistert an und dennoch funkelte in seinen Augen purer Spott. „Bitte was?", lachte er schließlich. „Du bist doch verrückt geworden, Granger. Oder eher: Du warst es schon immer!"

„Lach nur", fauchte sie. „Irgendwann werden sie alle hinter deine hübsche und gut sitzende Maske sehen."

Mit dem letzten Satz ging es ihr durch. Sie gab ihm einen kräftigen Schups, eigentlich nur um ihn ins Schwanken zu bringen. Doch er hatte nicht damit gerechnet und taumelte einen Schritt zu weit zurück: Über den Treppenabsatz hinweg.

Einen Moment sah Mione ihn schon die Stufen in die Halle hinabstürzen. Sie konnte wie in Zeitlupe die entsetzten Gesichter der Schüler sehen, die sich unten gesammelt hatten und von der unschönen Szene sicherlich weitaus mehr als nötig mitbekamen.

Dann schoss sie vor, packte ihn am Arm und zog in mit aller Kraft zurück. Er taumelte vor, stieß gegen sie. Die Wand hinter ihnen brachte sie zum Stehen und für einen scheinbar endlos langen Moment war sie zwischen der eiskalten Wand und seinem warmen Körper eingeklemmt.

Ihr stockte der Atem und sie wusste nicht ob es aufgrund seiner Nähe war oder weil sie sich vielleicht ohne es zu wissen zu stark den Kopf gestoßen hatte.

Dann lief die Welt wieder in Normalgeschwindigkeit weiter. Malfoy stieß sich grob von der Wand hinter ihr ab und blitzte sie aus kalten Augen an. So hatte sie ihn schon seit Jahren nicht mehr gesehen.

„Verdammt! Du hast sie doch nicht alle", fauchte er dann und verschwand schnellen Schrittes nach oben. Ohne ihr auch nur einen weiteren Blick zu gönnen.

Einen Augenblick schaute sie ihm nach, merkte erst als ihr die Luft ausging, dass sie diese angehalten hatte.

Daria und Neville standen mit hochgezogenen Augenbrauen auf dem Treppenabsatz neben ihr.

Die Schwarzhaarige war als erstes bei ihr. „Bei Merlin, Mione. Minerva rastet aus, wenn sie hört dass Du einen Kollegen angegriffen hast."

„Ich habe ihn nicht angegriffen", gab sie eine Spur zu forsch zurück. Daher stockte sie im Satz und fuhr dann etwas behutsamer fort, „das war eine sehr unglückliche Meinungsverschiedenheit."

So schnell sie konnte hastete sie ebenfalls die Treppen hinauf, ließ ihre beiden Freunde und die Traube der Schüler, die sich in der Halle versammelt hatte zurück.

Als sie ihr Zimmer erreicht hatte, schlug sie die Tür hinter sich zu und lehnte sich gegen das kühle Holz. Nur wenige Sekunden später vernebelte ihr ein leichter Tränenschleier die Sicht.

Was zur Hölle tat sie hier nur? Sie war verdammt noch mal keine Schülerin mehr. Sie war Professorin und sie sollte sich auch endlich so benehmen…

*** *** ***

Huhu ihr Lieben… :) Es freut mich, dass so viele noch dabei sind/bzw. hinzu gestoßen sind… *freuundkekseverteil*

Natürlich möchte ich wie immer Ashe und Kiggi für ihre Hilfe danken und euch allen anderen für´s Reinschauen. Besonderer Dank geht an NessiC. (Das freut mich…hehe… Ja, der rauchende Draco kam bei Ashe auch nicht so gut an… Aber, ich verspreche Dir: Er raucht nicht wie ein Schlot und vielleicht kann Mione da ja was dran ändern… ;)), Ashe, Draco´s CoffeeGirl (Also, es geht eher um verschiedene Personen und etwas Konfusion um diese und das besagte Dingelchen… Aber, ich verrate zuviel… *lol*), Naseweis (Schön dass Du hierher gefunden hast. :) Ja, dass die Szene wohl etwas konfus war kam mir später auch in den Sinn… Sorry…) und die-na (Schön wieder von Dir zu hören… Und ja, zum iPot: Siehe weiter vorne… *lach*) für die lieben Revs… *knuddel*

Ich bitte wie immer um Revs, wenn es euch gefallen – oder auch nicht gefallen – hat… *gg*