14. Schritt für Schritt…
Mit einem schwachen Kopfschütteln bedachte Poppy den kleinen Tumult in der Krankenstation und warf einen Blick in Hermiones Augen. „Das ist eindeutig eine leichte Gehirnerschütterung. Wie ist das passiert?", fragte sie an den Blonden gewandt.
Es war fast lustig, wie ihr gemeinsames Auftauchen jeden um sie herum in die typische Lehrer-Schüler-Rolle zurück verfallen ließ. Allerdings nur fast…
Sie erwartete regelrecht jeden Moment die Schulleiterin, die mit strafendem Blick ins Zimmer stürmte. Seit dem Vorfall vor Weihnachten ließ sie ihre beiden ehemaligen Schüler eh nur sehr selten aus den Augen.
„Sie ist gestürzt", sagte Malfoy schneidend.
Poppy sah sie zweifelnd an.
„Die Stufen waren nass", fügte sie hinzu.
Die Heilerin schnaubte lautstark und stürmte in den kleinen Hinterraum. Sekunden später konnten sie es bekannt klappern und zischen hören.
„Manchmal frage ich mich, wozu wir diesen nichtsnutzigen Hausmeister überhaupt haben", fluchte die Heilerin. Als sie zurück kam hatte sie, wie sollte es auch anders sein, einen kleinen dampfenden Becher bei sich.
„Sie haben Hermiones Nase übrigens vorzüglich gerichtet, Draco. Dennoch möchte ich sie bitten das nächste Mal direkt zu mir zu kommen", sagte sie mit einem strengen Seitenblick. Wahrscheinlich dachte sie ebenfalls mit Grauen zurück an die unzähligen Heilversuche, die so mancher Lehrer hier verpatzt hatte.
Malfoy nickte schwach und sichtlich genervt.
Ohne sie anzusehen reichte Madam Pomfrey dem Lockenschopf schließlich den Becher. Hermione nahm ihn schweigend an sich und schnupperte vorsichtig daran. Sie war überrascht, dass sie schon wieder so einwandfrei riechen konnte. Natürlich roch der Trank furchtbar.
„Das ist für die Nerven", sagte Poppy und sah sie an. Erst nachdem Mione einen zaghaften Probeschluck genommen hatte, verschwand die Heilerin erneut und dennoch wenig zufrieden dreinschauend nach hinten.
„Soviel Trank gibt es gar nicht, dass er deinen Nerven helfen könnte", hauchte Malfoy zynisch.
Sie sah ihn strafend an, doch es schien ihn nicht zu interessieren. „Vielen Dank für deine hilfreichen Worte."
„Sie sind ein Held, Mr. Malfoy", kicherten die drei Mädchen, die sich auf den Schock gerade ein Glas Kürbissaft gönnten plötzlich. Mione hatte sie fast vergessen und konnte nun den Drang nicht mehr zurückhalten mehr als nur genervt mit den Augen zu rollen.
„Ich bin euch wirklich sehr dankbar, daher verdient sich jede von euch 20 Punkte für Ravenclaw. Und natürlich könnt ihr gehen", sagte sie dann gezwungen lächelnd.
Die Mädchen bedachten sie beide mit einem letzten, prüfenden Blick und verschwanden dann tuschelnd aus der Krankenstation.
Malfoy starrte neben ihr ins Leere und wollte sich scheinbar gerade ebenso daran machen die Krankenstation zu verlassen, als Poppy ihn zurück hielt.
„Draco, sie sind verletzt?", fragte sie und eilte zu dem sichtlich verwirrten Ex-Slytherin herüber.
Bestimmt drückte sie ihn auf ein freies Bett, schob seine Jacke beiseite und entblößte die feuerrote Bisswunde – oder auch den Knutschfleck - die Hermione ihm vor rund einer halben Stunde verpasst hatte.
Diese wandte sich errötend um, versuchte sich auf etwas anderes zu konzentrieren, als auf Poppy, die gerade neben ihr ihren neuen alten Erzfeind entblößte und sich über jeden einzelnen sichtbaren Kratzer hermachte.
„Draco, dass sind ziemlich tiefe Bisswunden und Kratzspuren. Sowas könnte sich entzünden, seien sie in Zukunft um Merlinswillen etwas vorsichtiger", sagte Poppy mit geröteten Wangen und holte etwas Desinfektionsmittel aus einer der Schubladen.
„Ja, das war ein verdammt wildes Tier", sagte der Blonde mit einem spöttischen Seitenblick und versuchte sich wieder anzuziehen und aufzurichten.
Hermione funkelte ihn aus wütenden Augen an, spürte aber dass sie stark errötete.
Doch die Heilerin brachte ihn mit einem einzigen Blick zum Innehalten. „Halten sie mich nicht für eine Närrin. Von wem und wobei ihnen diese Wunden zugefügt wurden interessiert mich nicht. Jedoch rate ich ihnen solche Souvenirs beim nächsten Mal zu vermeiden."
Mit matter Miene und fast ohne auch nur mit der Wimper zu zucken ließ Malfoy die Prozedur des Wundenreinigens und Heilens über sich ergehen. Zurück blieben jedoch die typischen Schwellungen und Rötungen, die letztendlich nur die Zeit verschwinden lassen konnten.
„Sagen sie der jungen Dame nächstes Mal dass sie nicht aus Stein sind, mein Lieber. Sonst bringt sie sie das nächste Mal noch vor Leidenschaft um", hauchte Poppy lachend.
Hermiones Gesicht entgleiste. Poppy lachte. Sie hatte sie noch nie lachen gesehen.
Und so schnell wie sie gekommen war, war die Hexe auch wieder im Hinterzimmer verschwunden.
Malfoy grinste sie amüsiert an, rieb sich über die Bisswunde, die nun nur noch aus einem sicherlich bald sehr blauen Fleck bestand.
„Sag nichts", hauchte sie drohend. „Immerhin hast du mir gerade die Nase gebrochen."
„Du hast das Buch zuerst nach mir geworfen. Direkt nachdem du versucht hast, mich mit Haut und Haaren zu fressen."
„Du hast mich aber getroffen!" Sie ignorierte seinen zweiten Satz einfach.
„Das soll jetzt was sein? Ein Grund?", lachte er spöttisch.
„Du hast mich mit Absicht gereizt. Nachdem du mich-", spie sie ihm entgegen.
„Na, hören sie bitte auf zu streiten", unterbrach sie Poppy zu ihrem Glück unsanft und sie zuckte mitten im Satz zusammen. „Sie braucht jetzt Ruhe!"
Hermione ließ sich heftig atmend und mit hochrotem Kopf zurück in die Kissen fallen und verschränkte die Arme vor ihrer Brust. Malfoy machte sich daran so schnell er konnte die Krankenstation zu verlassen.
„Ach Draco? Könnten sie Daria darum bitten Hermione ein paar Sachen für die Nacht zu bringen?", warf Poppy dem Blonden hinterher.
„Sicher", schnarrte er.
Hermione sah mit funkelnden Augen auf, während die Schulheilerin an ihrem Bett rumzupfte und schubste.
Mit funkelnden Augen zeigte er ihr den Mittelfinger und verschwand dann.
Sie blieb außer sich vor Wut und Scham zurück. Sie konnte ihre Gefühle nicht ordnen.
-v-
Sie hatte gerade die Augen einen Moment geschlossen, als das Quietschen der schweren Eingangstür sie wieder aus dem Halbschlaf riss.
Gott, Poppys Tränke hatten es wirklich in sich. Sie war entsetzlich müde, doch so ganz wollte ihr aufgewühltes Inneres noch nicht nachgeben. Zudem hatte sie der womöglich aufkeimenden Erinnerungen und Gedanken wegen Angst die Augen zu schließen.
„Malfoy?", hauchte sie überrascht, als sie nicht wie erwartet ihre beste Freundin, sondern den Blonden erblickte.
Er warf beiläufig ein Bündel voller Sachen auf ihr Bett. „Ja, ich kann mein Glück auch kaum fassen."
„Was machst du hier? Wo ist Daria?", fragte sie.
„Gute Frage, denn ich konnte sie nicht finden. Was deine andere Frage auch beantworten dürfte", gab er spöttisch zurück.
Sie runzelte die Stirn. „Dann warst du in meinem Zimmer?"
Er nickte genervt. „Sieht ganz danach aus."
Mione schnaubte, betrachtete etwas ungläubig das Bündel vor ihr. Wenn sie jetzt nicht so müde wäre, würde sie nach ihm schlagen. „Du hast in meinen Sachen gewühlt?"
„Nein, ich habe nicht in deinen Sachen gewühlt. Ich habe im Grunde das erste gegriffen, was ich ergattern konnte."
Sie holte tief Luft, spürte dass ihre Wangen brannten. Doch er ließ sie nicht zu Wort kommen.
„Granger, spar dir die Beschämten-Nummer", stieß er hervor und seine Augen funkelten sie herausfordernd an. Sie wusste auch ohne Worte, was er sagen wollte.
„Gott, ich kann es nicht fassen", flüsterte sie. Innerlich machte sie sich schon auf das ganze Geschwader Spottattacken gefasst, dass er ihr gleich entgegen werfen würde.
Doch er räusperte sich nur.
Sie sah ihn zweifelnd an. „Du enttäuscht mich, Malfoy. Kein dummer Kommentar? Etwa über mein dummes und vorschnelles Handeln? Über darüber, dass ich dir gerade regelrecht die Kleider vom Leib gerissen habe?" Gott, dass hatte sie wirklich. Was war nur in sie gefahren?
Er lachte heiser. „ Danke für die Erinnerung und für deine Ehrlichkeit. Aber nein, mir ist gerade nicht wirklich nach dummen Kommentaren zumute.", hauchte er.
Der Klang seiner Stimme löste eine wohlige Gänsehaut bei ihr aus. Wahrscheinlich lag es am Trank, den Poppy ihr verabreicht hatte.
Etwas fahrig schob sie das Bündel auseinander. Da waren ein Nachthemd, Unterwäsche sowie frische Sachen für morgen. Sogar an ihre Zahnbürste und Bürste hatte er gedacht. Erstaunlich für einen Mann, aber nahezu unmöglich für Malfoy.
„Ich bin erstaunt, du hast wirklich an alles gedacht", hauchte sie. Sie hoffte er würde es als das unterschwellige *Danke* auffassen, was es sein sollte. Sie würde das Wort auf keinen Fall ihm gegenüber über die Lippen bringen.
Er nickte. „Ja, ich bin eben immer wieder für Überraschungen gut."
„Ja… Besonders überrascht war ich, als ich hörte du warst mal mit einem Muggel liiert", sagte sie herausfordernd und ungläubig.
Einen Moment schwieg er, starrte ins Leere. „Ich bin überrascht, dass du so gut informiert zu sein scheinst", sagte er schließlich.
Sie errötete, wich seinem Blick aus. „Du kennst doch unsere Gerüchteküche hier", sagte sie schließlich.
„Ja", antwortete er grinsend. „Ich habe sie oft für meinen Vorteil genutzt."
Ja, sie erinnerte sich. „Und?", hakte sie schließlich todesmutig nach. Irgendwie hatte sie das Gefühl, dass heute eh alles egal war. Sie konnte ihn förmlich immer noch in sich spüren.
Sie konnte es nicht fassen, es war schon wieder passiert. Doch sie hatte gerade nicht die Kraft dafür, sich genauer mit dem Gedanken daran auseinander zu setzten.
„Das hat wohl alle überrascht", sagte er mit hochgezogenen Augenbrauen.
Überrascht war kein Ausdruck… Es stimmte also? Sie war entsetzt…
„Ich wette deine Eltern haben sich darüber köstlich amüsiert", hauchte sie schneidend.
Er funkelte sie spöttisch an. „Hättest du noch etwas besser recherchiert, wüsstest du, dass ich seit Jahren nicht mehr mit ihnen gesprochen habe."
„So sehr interessierst du mich dann doch nicht", sagte sie und lehnte sich ins Kissen zurück.
Schweigen brach an. Er starrte irgendwo an einen Punkt der sich unter ihrem Bett befand und sie starrte auf die geschlossene Tür, die in Poppys Hinterzimmer führte.
„Wo hast du sie kennen gelernt?", hörte sie sich plötzlich fragen. Sie wusste nicht einmal warum. Wahrscheinlich interessierte es einen Teil von ihr.
Er musterte sie skeptisch. „Was spielt das für eine Rolle?"
Sie zuckte mit den Schultern. „Wahrscheinlich keine. Trotzdem wüsste ich es gerne."
„Ich wüsste auch so vieles gerne", hauchte er schneidend und machte sich daran zu gehen.
Sie seufzte, setzte alles auf eine Karte. „Komm schon, Malfoy! Dieser scheiß Tag ist für uns beide an Blamage und ungewollter Nähe eh nicht mehr zu toppen."
Er wandte sich um, sah sie an. „Wir sind keine Freunde, Granger und das werden wir auch nie werden."
Sie nickte zustimmend. „Aber, wir sind auch keine gewöhnlichen Feinde mehr… offensichtlich."
Sein Blick sprach Bände, sie hatte das starke Gefühl, zu weit gegangen zu sein.
„In einem Krankenhaus", sagte er dann plötzlich.
Überrascht sah sie auf. „In einem Krankenhaus? In einem Muggel-Krankenhaus?"
Er sah sie herausfordernd an, wieder einmal konnte sie seine Miene nicht deuten.
„Sie sind ja schon wieder hier", durchschnitt Poppys schrille Stimme den Moment. „Raus hier, aber schnell."
Die Heilerin machte Anstalten den Blonden aus der Station zu schieben, doch er hob abwehrend die Arme und verließ sie selbstständig.
Mione atmete gequält auf, versuchte ihre innere Stimme zum Schweigen zu bringen…
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Vorschau auf das nächste Chapter:
Er zog belustigt eine Augenbraue hoch. „Und was nun? Wirfst du Wiesels Zuckerschwänze nach mir?"
Etwas irritiert ließ sie ihren Arm sinken. „Zuckerschwänze?", fauchte sie. „Das sind Pfeile… Amors-Pfeile…"
*** *** ***
Da bin ich wieder… :) Und dieses Mal habe ich ein Chap ohne Warnungen dabei… *lol* Ich befürchte fast, dass das letzte Chap einige Stammleser in die Flucht geschlagen hat?!? So hart war es doch aber auch nicht, da war *72 Stunden* doch wirklich schlimmer…. Denke ich… Naja, vielleicht waren besagte Persönchen nur verhindert und ich mache mir gerade umsonst Sorgen… ;)
Wie immer möchte ich mich bei meinen Lesern und Reviewern bedanken. Ich knuddel euch alle… Und an alle Stilleser: Tut euch bitte keinen Zwang an, ich freue mich wie ein Schnitzel über jeden einzelnen Kommentar. Wirklich!!!! :) Und natürlich ein großes Dankeschön an Ashe und India, für´s Betalesen. *knuddel*
HexenLady: Ich hoffe das war jetzt schnell genug… ;) *lol* Ich freue mich übrigens auch immer von Dir zu lesen… *hehe*
India: Süße, danke für den Kommentar… Immerhin geigst du mir neuerdings nach jedem Chap persönlich gehörig die Meinung… *hehe* *knutsch*
One77: Da hast du recht… Für Ausreden ist nicht mehr allzu viel Platz… *lol*
Magmaus1: Ich freue mich, dass du hierher gefunden hast… Und ich hoffe noch öfter von dir zu hören… :)
MissXXX: Danke für den Lob… *rotwerd* Ich freue mich, dass es dir gefallen hat… hehe… ;)
DnA: Macht nix, auch wenn ich dich und deine Revs zugegeben schon vermisst habe… :P Ich hoffe die Story wird dir auch in Zukunft immer besser gefallen… *lol*
