22. Blick aus anderen Augen

Der kommende Sonntag war voller Überraschungen. Auch die hinter Mione liegende Woche hatte einige beinhaltet, denn Gott sei Dank hatte sich ihre Entgleisung auf dem Spielfeld nicht besonders herumgesprochen. Dennoch hatte sie bei der aktuellen Schülerumfrage mit nur 8% als die unbeliebteste Professorin Hogwarts abgeschnitten.

So schlecht war sie noch nie gewesen. Meistens hatte sie es mit rund 30% immer in die goldene Mitte geschafft. Zugegeben enttäuschte sie das etwas. Sie war sich nicht sicher, aber wahrscheinlich lag es daran, dass besonders in jüngster Zeit überall wo sie auftauchte Hauspunkte purzelten.

Umso besser also, dass sie sich gerade auf den Weg in die Hölle machte um die schlimmsten Feuer zu löschen…

Und genau da erwartete sie die größte Überraschung von allen. Malfoy schien in der großen Halle auf sie zu warten.

„Hast du auf mich gewartet?", hauchte sie erhaben grinsend, als sie die Stufen in die große Halle hinab stieg. Sie konnte regelrecht seinen nächsten Satz voraussagen. Sah ihn schon sich windend und gemein scherzend vor ihrem inneren Auge.

„Ja, um ehrlich zu sein", sagte er jedoch entwaffnend ehrlich.

Sie blieb überrascht stehen und zog eine Augenbraue hoch. „Du brauchst das mit der Höfflichkeit aber auch nicht zu übertreiben!"

„Merlin Granger! Du und Potter, ihr kanntet den Geheimgang nach Hogsmeade. So müssen wir uns nicht durch den Regen kämpfen", sagte er augenrollend und trat auf sie zu.

Sie schnaubte und nahm die letzten drei Stufen mit großen Schritten. „Woher weißt du davon?"

Er schenkte ihr ein vielsagendes Grinsen. „Ich weiß vieles, Granger!"

Sie starrte ihn immer noch skeptisch an. Hatte er sie zu Schulzeiten ausspioniert?

Zuzutrauen wäre es ihm.

Er rollte genervt mit den Augen. „Mensch Granger, ich habe ihn damals bei der großen Schlacht entdeckt und McGonagall wies mich vor einigen Wochen ebenfalls noch einmal darauf hin; für Notfälle. Allerdings weiß ich nicht mehr wo er ist."

„Das erklärt immer noch nicht, woher du dir bekannt ist, dass ich und Harry bereits vor Jahren wussten, wo er ist", sagte sie schneidend und steuerte ihm voraus auf den geheimen Gang nach Hogsmeade zu.

Er zuckte grinsend mit den Schultern. „Ich weiß vieles, was ich dir nicht erklären werde", sagte er und folgte ihr; vermummt wie ein… Todesser wollte sie nicht einmal denken… Nazgul, passte wohl am ehesten…

Sie erinnerte sich daran, dass sie von nun an respektvoll sein wollte und schluckte jeglichen dummen Kommentar herunter. Über seine Dreistigkeit, aber auch über seinen dämlichen Aufzug.

Gemeinsam legten sie den gesamten Weg schweigend zurück. Erst als sie den Ausgang erreicht hatten, sprach er.

„Du hast mir noch gar nicht im Detail erzähl, wie sehr Wiesel meine Valentinsidee mochte. Ich fürchte fast zu sehr", sagte er spottend. Seine Augen funkelten dabei mehr als nur amüsiert.

„Deine Idee?", zischte sie.

Er grinste sie herausfordernd an.

„Bitte Malfoy! Das hatte ich eh vor. Außerdem hatte ich gar kein Negligé an", fuhr sie fort.

„Ja, das war deutlich… Die Idee mit dem nuttigen Mantel hätte aber auch von mir sein können…"

Sie schlug nach ihm und ihm rutschte die schwarze Kapuze in den Nacken.

„Das war alles andere als nuttig! Und warum läufst du hier eigentlich rum wie ein Schreckgespenst?", fauchte sie.

„Oh Gott, dass ist doch Draco Malfoy", kreischte es augenblicklich hinter ihnen.

„Deshalb", sagte er wütend grinsend. Sie fragte sich, wie er es schaffte so zu gucken ohne dass es merkwürdig aussah.

Sie lächelte verkrampft, während zwei junge Frauen hysterisch kreischend auf sie zugestürmt kamen.

„Im Spiel gegen die Jets hast du gerockt, Draco", rief eine spärlich bekleidete Blonde. Sie steckte nur in einem viel zu kurzen Minirock und kniehohen Stiefeln. Viel mehr gab jedoch ihr Oberkörper preis, der in einem hauchdünnen, silbernen Top steckte. Sie trug ganz offensichtlich keinen BH und da ihr Mantel weit offen stand, hatten sich ihre Brustwarzen vor Kälte aufgerichtet.

Hermione zog die Augenbrauen hoch und zog ihren dicken Mantel instinktiv enger um sich. Es war heute wahrhaftig arschkalt.

Er lächelte sichtlich gekünstelt, aber er lächelte. „Und es hat euch offensichtlich gefallen", setzte er dezent schneidend hinten an.

Die zweite Frau ließ ihr Hab und Gut achtlos neben Mione zu Boden fallen. „Merlin, ich hab nichts zum Schreiben mit", rief sie hysterisch.

Er schüttelte augenrollend den Kopf und versuchte sich sanft aber bestimmt aus dem Griff der Blonden loszumachen, die ihn irgendwann in den letzten 20 Sekunden am Oberarm gepackt haben musste.

Warum mussten sie ihn eigentlich immer alle gleich anfassen?

‚Das kannst du dir selber am besten erklären', spottete ihre innere Stimme und sie spürte, wie es ihr heiß in den Kopf schoss.

Während die Dunkelhaarige immer noch hektisch in ihren Taschen wühlte, drängte sich die Blonde noch näher an Malfoy. „Karen hat ein Magazin", sagte sie dann.

„Dann geht sie holen", sagte Malfoy und schob Blondie etwas von sich. Er war sichtlich erleichtert, als diese ihn schließlich los ließ.

„Wartest du hier, Dray?", fragte die Dunkelhaarig dann hoffnungsvoll.

Malfoy entgleisten neben ihr sämtliche Gesichtszüge und die Kleine vor ihnen zuckte etwas zusammen. „Ich habe irgendwo gelesen, das wäre dein Spitzname", flüsterte sie dann errötend.

Er lachte heiser, schüttelte dann den Kopf. „Falsch gelesen."

„Wartest du trotzdem auf uns?", säuselte die Blonde und flirtete Malfoy unverschämt an.

„Slytherin-Ehrenwort", antwortete er zu Miones Überraschung.

„Wir beeilen uns", flötete die Blonde und zog ihre sichtlich unter Schock stehende Freundin mit sich fort.

Als die zwei außer Sicht waren setzte Malfoy sich ruckartig in Bewegung. „Wohin geht es?", fragte er barsch.

„Ich denke wir warten?", sagte sie etwas verwirrt.

Er lachte bitter. „Sicher!"

„Und ich hatte mich über den Part mit der Slytherin-Ehre glatt einen Moment gewundert", murmelte sie und folgte ihm.

Sie beschleunigte ihre Schritte, so dass sie ihn überholte. Auch wenn er mit Leichtigkeit mithielt. Als sie über die Schulter blickte, sah sie dass er die Stirn gerunzelt hatte.

„Na, ihr besitzt doch gar keine Ehre", hauchte sie herausfordernd.

„Richtig… So wie ihr keine Beherrschung besitzt", gab er zurück.

-v-

Schweigend traten sie gemeinsam in den Eberkopf ein. Wie erwartet war er fast gänzlich leer. Nur eine Bedienung, der Wirt und ein sichtlich betrunkener Gast waren anwesend.

Malfoy entspannte sich augenblicklich immens, legte den Umhang und seinen Mantel ab und ließ sich direkt vor dem Kamin nieder. Sie nahm ihm gegenüber Platz.

„Du warst erstaunlich nett", sagte sie schließlich, als sie einen Moment schweigend ins Feuer gestarrt hatten.

„Das muss ich sein", sagte er matt.

„Du musst?", sie runzelte fragend die Stirn.

Er nickte.

Sie sah ihn gefühlte fünf Minuten erwartungsvoll an.

Er starrte sie an wie eine Jahrmarktattraktion. „Was guckst du so dämlich?"

„Ich warte, dass du es mir erläuterst!"

„Warum sollte ich das?"

Sie stöhnte, legte das Kinn in ihre Handfläche. „Warum solltest du nicht? Immerhin sitzen wir hier zusammen fest."

Er drehte sich zur Tür um. „Tun wir nicht! Wir sind nicht eingeschneit…"

Sie musste heiser lachen. Ja, Gott sei Dank… Sie hatte da ungute Erinnerungen…

Malfoy zog eine Augenbraue hoch.

„Lange Geschichte! Aber, wenn wir schon einmal gemeinsam hier sind, können wir auch miteinander reden!"

Er musterte sie skeptisch.

„Oder es wenigstens versuchen", sie versuchte geduldig zu lächeln. Gott, der Junge war härter zu knacken als eine Walnuss ohne Nussknacker. „Malfoy, komm schon! Gib mir etwas! Irgendetwas!"

Der Blonde stöhnte einlenkend auf. „Stell dir das Ganze wie ein Hauspunktesystem für jeden Spieler vor. Sind wir nett zu unseren Fans steigt die Skala. Sind wir nicht nett sinkt sie."

„Was darf es sein?", unterbrach die Bedienung sie und sie funkelten sie gemeinsam an. Es war ein merkwürdig erhabenes Gefühl.

„Einen Milchkaffee", sagte Hermione.

Die Bedienung musterte sie mit hochgezogener Augenbraue. „Wir haben Kaffee und Milch."

Der Lockenschopf nickte. „Dann Kaffee und Milch mit etwas Zucker. Und… haben Sie Brownies?"

„Was ist das?", fragte die Bedienung mit hochgezogenen Augenbrauen.

„Schokoladenkuchen", sagte sie.

„Wir haben Sandkuchen und Sahne."

„Okay", sagte Mione augenrollend, „dann halt einen Sandkuchen mit Sahne."

„Und für Sie?", schnarrte die Bedienung nun an Malfoy gewandt.

„Einen Scotch, das müsste vorhanden sein", schnarrte er ohne die Bedienung anzusehen.

„Malfoy", fuhr sie ihm dazwischen.

Ohne ein weiteres Wort zog die Bedienung von dannen.

„Granger?" Er taxierte sie mit starrer Miene.

„Willst du etwa wirklich Alkohol trinken?", fragte sie skeptisch.

Er sah sie einen scheinbar endlos langen Moment an. Dann antwortete er schroff. „Natürlich, sonst hätte ich mir keinen Scotch bestellt!"

Sie schnaubte. „Ich halte das für keine gute Idee."

„Wenn du willst, dass ich hier sitze und mit dir über Gott und die Welt rede, damit du McGonagall morgen vorschwärmen kannst wie toll wir uns doch verstehen, sieh ein dass ich einen Drink brauche!"

Sie verschränkte die Arme vor ihrer Brust. „Ich habe nicht vor damit zu prahlen, Malfoy! Ich tue das, weil ich es für richtig halte! Wir sind erwachsen, wir sollten unsere Differenzen auf andere Art und Weise regeln können, als mit Zorn und Respektlosigkeit!"

Er musterte sie ausdruckslos. „Na, wir haben doch schon eine wunderbare Art und Weise gefunden, findest du nicht?"

Sie errötete. „Malfoy, lass den Unsinn!"

Er starrte auf die Tischplatte, hob abwehrend oder auch einlenkend eine Hand und schwieg.

Hermione war zugegebener Maßen etwas überrascht.

„Also…", sagte sie schließlich nach Luft schnappend. „Was passiert, wenn die Skala zu niedrig wird?"

Einen Moment wirkte er überrascht. „Sie zwingen uns komische Dinge zu tun", sagte er dann jedoch ohne Umschweife.

Sie spürte wie sie errötete, als sich sofort das Poster unter ihrem Bett vor ihr inneres Auge schob. Hustend stützte sie ihr Kinn wieder in der Handfläche ab und griff nach ihrem Kaffee, den die Bedienung wortlos neben ihr abgestellt hatte.

„Was für Dinge?", hauchte sie und rührte die Brühe um, bevor sie einen Schluck nahm. Es schmeckte furchtbar, doch sie versuchte keine Miene zu verziehen.

Er zog herausfordernd die Augenbraue hoch. „So Sachen wie Interviews mit der Teenwitch, Autogrammstunden und Fan-Treffen", sagte er schließlich.

Sie lachte, beobachtete ihn dabei, wie er ebenfalls einen Schluck seines Drinks nahm. Natürlich blieb seine Miene unverändert.

„Ich wette, deine Skala ist immer bedenklich niedrig", schnarrte sie.

Ein Grinsen umspielte seine Lippen. „Natürlich. Hättest du es anders erwartet?"

„Nicht im Geringsten", hauchte sie und nahm einen weiteren Schluck.

Zudem probierte sie ein Stück des Kuchens. Gott sei Dank war er ziemlich gut und frisch.

„Das beruhigt mich", sagte er.

„Erzähl mir…", sie stockte, nahm ein weiteres Stück und beendete den Satz erst als sie es geschluckt hatte. „Was hat dich den höchsten Punkteabzug gekostet?"

Er lachte. „Ich habe einen wirklich hässlichen Fan eine hässliche Kröte genannt."

„Was musstest du tun?"

„Alles…"

Nun war es an ihr zu lachen.

Die Türen öffneten sich und er zuckte zusammen, linste vorsichtig über seine Schulter. Hinter ihnen hatte eine Gruppe junger Leute den *Eberkopf* betreten und er wandte sich wieder etwas entspannter ab.

„Also, erzähl mir deine lange Geschichte", sagte er grinsend und nahm einen weiteren Schluck.

Einen Moment hing sie an seinen Lippen fest, da er sich nachdem er das Glas abgesetzt hatte über diese leckte. Bedenklich langsam, aber vielleicht spielte ihr Verstand ihr auch nur einen Streich.

Dann starrte sie ihn entgeistert an. Was hatte er gesagt?

Er zog die Augenbraue hoch, musterte sie.

„Bitte?", fragte sie kleinlaut.

Er schüttelte grinsend den Kopf. „Ich sagte, dass du mir von deiner langen Geschichte erzählen sollst", sagte er dann.

Sie zuckte etwas zusammen, spürte, wie ihr etwas Blut in den Kopf schoss. „Nein, ich denke nicht!"

Er lehnte sich zurück, sie sah dass seine Miene sich verhärtete. „Quid pro quo, Granger! Du willst reden, also rede!"

Mione stöhnte gequält auf. Im Grunde hatte er Recht. Und warum auch nicht? Immerhin hielt er sie und Ron für Loser. Warum sollte sie ihm nicht ein wenig den Kopf waschen?

„Im Dezember 2002 waren ich und Ron tagelang eingeschneit. Und… Naja… Wir mussten uns mit uns selber beschäftigen…", sie spürte, wie sie entsetzlich rot anlief und nahm hastig einen Schluck Kaffee. „Es waren ein paar verdammt ermüdende aber befriedigende Tage. Wenn du verstehst, was ich meine! Ich musste daran denken, als du es gerade erwähntest…", fügte sie so gelassen wie möglich hinten an.

Gott, sie log wie gedruckt… Im Grunde hatten sie sich nur am letzten Abend überdurchschnittlich ausgelassen in den Laken gewälzt… Weil ihnen die Kerzen und die Bücher ausgegangen waren…

„Ich verstehe…", hauchte er amüsiert. Sein Grinsen nahm ihr innerhalb weniger Sekunden sämtliche Selbstsicherheit, die sie versucht hatte zu halten.

Obwohl das realistisch gesehen, gar nicht so viel Selbstsicherheit gewesen war…

„Was ist so lustig?", fragte sie patzig. „Nicht nur du und Grey fickt euch quer durchs Zimmer." Als sie „fickt" sagte, schoss ihr spürbar noch mehr Blut in den Kopf.

Seine Mundwinkel zuckten, als er auf den Tisch starrte.

„Was?", blaffte sie und nahm einen weiteren Schluck Kaffee. Hoffentlich würde der sie schnell wieder runter bringen. Ihr Gesicht fühlte sich furchtbar an. Mione hoffte inständig, sie sah gerade nicht so aus, wie sie sich fühlte.

Er lachte heiser auf, als er sie ansah. „Nichts, Granger! Ich bin voll und ganz sprachlos…"

‚Und maßlos amüsiert...', flüsterte es in ihr.

„Warum bist du damals verschwunden? Und wohin?", wechselte sie halsbrecherisch das Thema.

„Nach Amerika", sagte er überraschenderweise, „ich hielt dieses scheiß Theater nicht mehr aus."

Sie nickte. Offensichtlich spielte er auf seine Familie an, die nach Voldemorts Sturz natürlich alle geschickt ihre Hälse aus der Schlinge zogen und redeten.

„Was hast du da drüben getrieben? Du warst...", sie überlegte, „fast zwei Jahre komplett von der Bildfläche verschwunden."

„Ich war ein Niemand", sagte er souverän. Sie hatte dass Gefühl dass er die Fragen bis hierher schon hundert Mal beantwortet hatte.

„Was passierte dann?", versuchte sie ein wenig weiter vorzustoßen.

Er nahm einen Schluck Scotch, schien einen Moment zu überlegen. „Nichts. Ich hatte genug Geld und die Muggel verlangen selten Namen, wenn man in bar zahlen kann. Also tauchte ich einfach unter, das war zugegebener Maßen die beste Zeit meines Lebens. So als Niemand…"

Sie nickte einfach nur, umklammerte ihre Tasse und wagte es nicht zu trinken oder zu sprechen, aus Angst es könnte ihn unterbrechen.

Er sah sie nicht an, starrte ins Feuer. „Irgendwann kam ich dann volltrunken auf die wahnwitzige Idee über das Geländer einer Brücke zu klettern…"

Sie runzelte die Stirn.

„Nicht um zu springen. Ich stand einfach da und starrte hinab, genoss es einmal Macht über mein Leben zu haben…"

Ihr Gesicht war matt, sie umklammerte die Tasse immer noch.

„Ich war viel zu voll und als ich zurück kletterte rutschte ich ab und stolperte auf die Fahrbahn. Eines dieser Dinger erwischte mich."

„Autos?", hauchte sie leise doch er ignorierte sie.

„Als ich wieder zu mir kam befand ich mich unter Muggeln und war von oben bis unten in steinernen Verbänden eingewickelt. Sheela saß neben mir und heulte…" Er schüttelte den Kopf, schmunzelte minimal. Eindeutig schwelgte er in Erinnerungen. „Natürlich heulte sie nicht wegen mir. Sie hatte so eine alberne Schnulze gelesen…" [1]

Sheela… Mione zählte einfach eins und eins zusammen und tippte darauf, dass es sich hier um das geheimnisvolle Muggelmädchen handelte über das sich so viele den Kopf zerbrachen.

„Sie war Ärztin?", fragte sie.

Er blickte überrascht auf. „Nein… Nachtschwester…"

„Besuchst du sie manchmal? Oder schrei-", begann sie vorsichtig, doch er unterbrach sie mehr als nur schroff.

„Ich denke ich habe genug geredet", zischte er so schnappend, dass sie zusammen zuckte. Sein Gesichtsausdruck hatte sich entsetzlich verdunkelt.

Sie sah ihn einen Moment wütend an. Doch in seiner Miene lag eindeutig etwas unsagbar Verletztes, bevor sie sich versteinerte. Dann starrte er minutenlang ins Feuer.

„Ich klammere mich an die Vergangenheit", hauchte sie schließlich leise.

Er sah sie überrascht an.

„Du hast mal gefragt, warum ich nach Hogwarts gegangen bin. Warum ich nicht den Weg gegangen bin, den ich eigentlich gehen wollte." Sie starte gedankenverloren in die Brühe vor ihr.

Sie wusste nicht warum sie ihm das erzählte, doch sie fühlte sich irgendwie schuldig. Er hatte ihr gerade etwas sehr persönliches offenbart, auch wenn es nicht viel schien. Wahrscheinlich wollte sie ihm irgendwas zurückgeben.

„Und auch wenn ich mit meiner Berufswahl glücklich bin, bin ich es irgendwie auch nicht. Ich bin so schrecklich unzufrieden, dass ich mich manchmal dafür schäme. Ich komme mir so unbedeutend vor. Jeder hat nach dem Krieg seinen Sinn im Leben gefunden, nur ich nicht", sie sah auf, war eigentlich gefasst dass er sie genervt anblitzte. Vielleicht hatte sie auch Spott oder Desinteresse erwartet.

Er sagte nichts, doch er sah sie an. Und in seiner Miene lag so etwas wie Verständnis.

„Ich denke, ich will gehen", sagte er schließlich emotionslos.

Sie nickte zustimmend. „Ich auch."

-v-

Sie schwiegen, während sie gemeinsam zurück zum Schloss gingen.

Es war merkwürdig, sie hatte noch nie so offen über diese Dinge gesprochen. Mit niemanden. Und es schockierte sie, dass sie es ihm gesagt hatte. Doch viel mehr schockte sie, dass sie sich relativ sicher war, dass sie es wahrscheinlich nicht bereuen würde.

Mione konnte nicht deuten, warum es so war…

Er funkelte sie durch die Dunkelheit an. Und da war er wieder: Der Hohn in seinem Blick.

Sie blieb stehen, musterte ihn einen Augenblick ungläubig. Sie wusste, irgendetwas wollte er ihr mit dieser Geste sagen; doch sie wusste nicht im Geringsten was.

„Was? Was willst du mir sagen, Malfoy? Lass es einfach raus", zischte sie schlotternd. Der eiskalte Wind zerrte an ihren Haaren.

„Nichts!" Ein spöttisches Grinsen zierte sein Gesicht. Es wurde fast gänzlich von seiner Kapuze verdeckt da es bereits dämmerte. Sie musste zugeben, er sah verboten gut und gleichzeitig etwas bedrohlich aus. Ihr schauderte es.

„Du bist ein Arschloch", grummelte sie und setzte sich langsam wieder in Bewegung. Dabei spürte sie ihr Herz verräterisch rasen.

„Hast du mich etwa gerade beleidigt, Granger?", fragte er spöttisch, während er rückwärts vor ihr ging. Seine Augen funkelten sie bedenklich an und ein leichtes Kribbeln durchfuhr sie.

„Nicht doch, Malfoy… Da hast du dich eindeutig verhört…"

Er ließ sich auf ihre Höhe zurückfallen, ging nun grinsend neben ihr her. „Da es dich scheinbar so sehr interessiert, was ich denke: Ich habe mich gerade gefragt, ob deine Nippel hart sind."

Augenblicklich schoss ihr sämtliches Blut, welches ihr Körper besaß, in den Kopf. Mit klopfendem Herzen starrte sie ihn sprachlos an.

Ein unverschämtes Grinsen zierte sein Gesicht und wieder leckte er sich über diese elenden Lippen, die sie vor wenigen Tagen noch geschmeckt hatte. Ein leises Stöhnen kroch ihre Kehle hoch, doch die Kälte verwandelte es in ein erbärmliches Krächzen…

Mione holte tief Luft, beschleunigte ihre Schritte um mit ihm Schritt halten zu können. „Ja", hauchte sie schließlich lasziv. „Sind sie…"

*** *** ***

Vorschau:

Vorsichtig öffnete sie die Tür, linste hinaus auf den menschenleeren Flur. Ein Blick auf Malfoys Uhr hatte erwiesen, dass es bereits zwei Uhr nachts war. Himmel, wohin war die scheiß Zeit verschwunden?

So leise wie möglich schloss sie die Zimmertür hinter sich, tapste blitzschnell hinüber zu ihrem Zimmer und verschwand so schnell wie nur irgendwie machbar im Inneren. Als sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, ließ sie sich am Holz hinabrutschen und starrte benommen in die Dunkelheit des Zimmers.

*** *** ***

Und da sind wir wieder… :) Ohne große Umschweife meinerseits, den ich habe heute irgendwie sauviel zu tun…

Jedoch gibt es einen kleinen Anmerk zu [1]: Ashe meinte das kommt vielleicht nicht so ganz rüber, aber die Muggel haben sich seiner nach dem Unfall angenommen. Er ist also in einem stinknormalen Krankenhaus gelandet… Ich weiß jetzt nicht, ob die Magier vielleicht schneller eingeschritten hätten. Wahrscheinlich sogar, aber sagen wir einfach mal, sie waren es nicht; oder vielleicht hat Malfoy sich auch irgendwie magisch unkenntlich gemacht… ;)

Wie immer gilt mein größter Dank natürlich meinen lieben Leserlies (vor allem den lautstarken) und meinen beiden Betaladies Ashe und India… Ich knuddel euch alle… :)

Die-na: Ja, das kann ich gut nachvollziehen… Das Warten bringt mich auch immer um den Verstand… *lol* Ja, ich schätze es… Es könnten auch nen paar mehr werden weniger wohl eher nicht… Aber halt, weil das Ganze irgendwie auch seine Zeit braucht… *kopfkratz*

Princess-Frances: Das freut mich zu hören… ;) Mach dir übrigens keinen Kopf, ich habe nichtmal gemerkt, dass du mich nicht zuordnen konntest… *lol* Jetzt weißt du es ja… hehe… ;)

Anna: Hehe… Ja, ich denke sie hat sich gut geschlagen, was? ;) Naja, irgendwie hat er sich ja auch nen bissle selber geknackt… *lol* Und ich liebe es, wenn sich Mione daneben benimmt… ;)

HexenLady: Ist richtig, normalerweise lade ich so alle 2 bis 3 Tage was hoch… Irgendwie lade ich im Moment aber auch so 3 Kapitel pro Woche hoch, weil ich gerade so tierisch gut voran komme… Und da das sonst nicht anders gepasst hätte, habe ich einfach direkt am nächsten Tag was hochgeladen… :) Und klar kann man das fördern… Immer schön geigend, das beflügelt mich nämlich ungemein… hehe…

QueenB: ich bin auch totaler Blair und Chuck Fan… :P Ich habe sogar mal zwei Sims nach ihnen kreiert… *hust* Aber, das ist ne andere Geschichte… *lol* Naja, und ich werde versuchen, Mione so schnell wie nur möglich ne Säge zu verpassen. Das könnte aber noch etwas dauern… Die zwei sind halt schwer von Kapie… ;)

Nessi.C.: Genau das habe ich mir nämlich auch gedacht! Zumal ich die Pairings auch saulangweilig fand. Ich meine, Ginny und Harry hätte ich ja noch irgendwie überlebt… Aber, Ron und Mione? Ganz ehrlich, ich finde die passen auf lange Sicht null zusammen. Okay, hätte ja nicht unbedingt Malfoy sein müssen - auch wenn ich immer sicher war, dass er heimlich was für sie hatte, es sein Status und Stolz halt nur nie zuließ. Aber Dummnasen Ron? Der ist so unter Miones geistlichem Niveau, das passt ja mal gar nicht… *schimpf* Aber, andere Geschichte… *lol* Nee, können sie tatsächlich nicht… Das macht die beiden so interessant… Angenommen die würden heiraten, ich glaube die würden sich vor dem Altar noch kabbeln… *lol*

Ich meine, mal stelle sich das doch mal vor: Mione ganz in weiß, traumhaft schön und strahlend. Der Pfarrer, der Malfoy fragt ob er will. Und Malfoy die Mistbacke überlegt… Und überlegt…

Der Pfarrer zieht die Augenbrauen hoch, Mione guckt mit großen, wütenden Augen nach rechts. Malfoy sieht sie herausfordernd und mit gerunzelter Stirn an. Mutter Malfoy und Granger werden noch blasser als der Pfarrer, während Harry schon mit wütend gezucktem Zauberstab aufsteht…

Und schließlich sagt Malfoy fest und doch neckisch grinsend: „Ja, ich will!"

Man stelle sich Mione vor, wie sie Malfoy ihren Brautstrauß so oft über die feinsäuberlich gegelte Birne schlägt, bis alle Rosen zu ihren Füßen liegen und er aussieht, wie gerade vom Besen gestiegen.

Dann atmet Mione tief durch, stellt sich wieder strahlend aufrecht hin und deutet dem verdutzten Pfarrer, dass er jetzt fortfahren kann…

*lol* Also, ich finde das herrlich… Aber, okay… ich bin leicht abgeschweift… hehe… ;)

DnA: McG? *lol* Und danke für die Geduld… Es wird sich lohnen… ;) *lol*

Dracos CoffeeGirl: Ich dachte jetzt erst, ich habe mich verlesen… *lol* Aber, es freut mich, dass euch die weniger langweiligen Szenen scheinbar genauso gut wie mir und meinen Betas gefallen... hehe… Mach dir übrigens keinen Kopf, ich mag auch deine *kurzen* (so kurz sind die nämlich gar nicht) Revs sehr gerne… *knuddel*

Hattu: Hehe… Ja, mal gucken ob ich euch diesen Gefallen tue… ;) *lol* Und das hoffe ich auch, Sweety… :) *knuddel*