25. Unerwartete Wendungen
„Hallo! Lasst mich auf der Stelle durch", brüllte sie in den Tumult in der Eingangshalle hinein und kämpfte sich mühsam durch die im Kreis umherstehenden Schüler hindurch.
Am Boden lag ein blutender Schüler; ein Gryffindor. Und wie sollte es auch anders sein: Direkt vor ihm stand ein siegessicher strahlender Slytherin. Seine Kameraden stärkten ihm den Rücken und klopften ihm zusprechend auf die stolze Schulter.
„Mister Kandice, Mister Lionas haben Sie sich duelliert?", fauchte sie wütend und erst jetzt schien der Tumult sie wirklich zu bemerken.
Der entsetzlich klein wirkende Teenanger am Boden sah sie mit großen Augen an. „Entschuldigen Sie, Professor", flüsterte er, während ihm seine Freunde auf die zitternden Beine halfen.
„50 Punkte Abzug", zischte sie und wieder zuckte der Gryffindor zusammen.
Der blasierte Slytherin grinste einfach weiterhin siegessicher vor sich hin. Er dachte scheinbar nicht einmal im Traum daran, sein Grinsen ersterben zu lassen.
„Mister Lionas, 20 weitere Punkte Abzug für Sie. Da Sie diese Situation scheinbar so wahnsinnig witzig finden", zischte sie vor Wut, während eines der Gryffindormädchen sie vorsichtig fragte, ob sie Kandice auf die Krankenstation bringen könnten.
Hermione nickte ihr zu. „Darum wollte ich Sie gerade bitten, Miss Swansteen."
„Sind Sie verletzt, Mister Lionas?", fragte sie schließlich an den Slytherin gewandt, dessen Grinsen nun endlich erloschen war.
„Nein, Professor", hauchte er.
„Dann machen Sie, dass sie runter in Ihren Gemeinschaftsraum kommen", bellte sie und machte sich daran in die Große Halle zu stürmen. Doch der Tumult wollte sich nicht wirklich verflüchtigen.
Zahlreiche Gryffindor und Slytherins schienen sich jetzt auch noch heftige Wortgefechte zu liefern, als sie sich entfernte. Mione blieb stehen. „Alle und zwar sofort!", rief sie und als die Schüler nicht gleich reagierten, setzte sie ein strenges „oder ich werde jedem von Ihnen ebenfalls 10 Punkte abziehen!" hinten an.
Endlich begann die Menge sich zu lichten, doch ihr gefiel nicht wie. Die Schüler teilten sich beinahe hektisch, einige rannten sogar. Und seitdem sie angeblich die Stufen hinabgestürzt war, achtete McGonagall mehr denn je darauf, dass niemand im Eingangsbereich oder im Treppenhaus rannte.
„Langsam! Laut Hausordnung ist rennen hier untersagt", warf sie ihnen hinterher und erneut zuckten einige Schüler unter ihrer Stimme stark zusammen. „Das könnt ihr in der Hausordnung nachlesen", fügte sie etwas leiser und mit Nerven so dünn wie Nylonschnüren hinten an.
Seufzend ließ sie die Schultern durchhängen. Warum hatte sie sich eigentlich für diesen Berufsweg entschieden? Offensichtlich schien es ihr nicht wirklich zu liegen, Kinder zu erziehen und sie durch alle Höhen und Tiefen-
Sie runzelte die Stirn, als sie erneut ein kleines, wahnwitziges blondes Ungetüm die Stufen hinab springen sah.
„Ich sagte, NICHT rennen", brüllte sie und stürmte auf den Jungen zu.
Dieser blieb auch direkt stehen und sie brauchte sich keinen Schritt mehr zu nähern, um zu sehen, dass es sich nicht um einen Schüler handelte.
„Sag mal Granger, geht´s noch?", fragte er sie mit hochgezogener Augenbraue und zog sich die Stöpsel seines iPots aus den Ohren.
Einige Schülerinnen, die gerade aus der großen Hall in den Eingangsbereich traten, kicherten, als sie Malfoy in dem zugegeben sehr schmeichelhaften, schwarzen Trainingsanzug sahen.
„Ich habe dich nicht erkannt", sagte sie kleinlaut und versuchte ihn nicht allzu unverschämt zu mustern. Gott, sein Hintern sah in dieser Hose-
Er zog sie Augenbrauen noch höher, folgte ihrem Blick und konnte sich ein unverschämtes Grinsen nicht verkneifen.
Natürlich hatte sie bisher noch keine offensichtlichen Anstallten gemacht, irgendetwas herauszufinden, bzw. auf seine merkwürdige Andeutung einzugehen. Sie musste gestehen, sie war das eine oder andere Mal kurz davor gewesen. Doch irgendetwas hatte sie immer wieder zurück gehalten. Und es schien ihn nicht einmal wirklich zu verwundern. Jedenfalls so weit sie es einschätzen konnte.
Es lag also nah, dass es sich hierbei wieder nur um eines seiner albernen und undeutbaren Spielchen handelte. Wie immer wusste Mione natürlich nicht, was in seinem Kopf vorging…
„Das ist ein toller Anzug", sagte sie und deutete auf seine Hose. Himmel, eigentlich deutete sie direkt auf seinen Schritt und konnte sich selber nicht davon abhalten zu erröten.
Sie konnte es gar nicht mehr zählen, wie oft sie ihn in den vergangenen Tagen unverblümt und wahrscheinlich auch ziemlich lüstern gemustert hatte. Und sie konnte auch nicht mehr zählen, wie oft er sie dabei ertappt hatte.
„Danke", schnarrte er wie immer eine Spur zu überheblich, steckte sich die Kopfhörer zurück in die Ohrmuscheln und setzte sich langsam wieder in Bewegung.
Sie folgte ihm mit hungrigen Augen, saugt den Anblick seiner schlanken Gestallt regelrecht auf. Die Art und Weise, wie sich seine Muskeln unter dem feinen Stoff abzeichneten und wie er sich so wahnsinnig geschmeidig bewegte.
Mione wusste, es würde ihr mal wieder den Schlaf rauben…
Dass und der Gedanken daran, was sie so alles mit ihm anstellen konnte-
Ein Kichern hinter ihr holte sie in die Wirklichkeit zurück. Ruckartig und mit feuerroten Wangen wirbelte sie herum, starrte in zwei freche Gesichter; die ganz offensichtlich zu zwei unverschämten Gören aus Ravenclaw gehörten.
„Geiler Arsch, was?", fragte eine der beiden und die andere lachte heiser und zustimmend auf.
„20 Punkte Abzug für sie beide. Das ist respektlos!", fauchte sie.
Die linke Ravenclaw zog sie Augenbraue skeptisch und erbost zugleich hoch. Die andere zuckte geschockt zusammen. „Er gehört Ihnen nicht, Professor!", schnarrte dann die Linke.
Mione lachte leise auf, wollte etwas erwidern, doch die Mädchen hatten sich schon längst in Bewegung gesetzt.
Ratlos starrte sie ihnen nach. Was hatte das denn nun bitte zu bedeuten?
-v-
Gelangweilt schwenkte sie das Weinglas in ihrer Hand, starrte regelrecht benommen ins Innere. Der Wein war heute ausgesprochen gut. Vielleicht schmeckte er aber auch nur so vorzüglich, weil er das einzig Positive an diesem Abend darstellen wollte.
Ron saß ihr in sein Steak vertieft gegenüber. Mione sah ihn an, spießte schließlich eine in Pesto getunkte Schmetterlingsnudel auf und führte diese blitzschnell zu ihrem dezent geschminkten Mund. Obwohl ihr Lippenstift mittlerweile sicherlich nicht mehr wirklich vorhanden war.
„Schmeckt es dir?", fragte Ron vorsichtig, zwang sich ganz offensichtlich ein freundliches Lächeln ab.
Er hatte mit Ginny gesprochen… Das war mehr als nur offensichtlich…
Sie nickte überschwänglich, nahm eine weitere Nudel. „Und dein Steak?"
Er nickte ebenso überschwänglich zurück. „Magst du probieren?"
Mione zuckte mit den Schultern. „Warum nicht", sagte sie.
Beinahe zu liebevoll und sorgfältig schnitt Ron ein Stückchen des rosigen Fleisches ab. Im Grunde mochte sie Steak, jedoch hatte sie nach wenigen Bissen genug; weshalb sie selber meistens darauf verzichtete. Angestrengt lächelnd reichte er ihr die Gabel.
Etwas verloren nahm sie sie an sich, nahm das Fleisch zu sich und kaute es langsam. Es war merkwürdig, früher hatten sie sich stundenlang gefüttert: Albern kichernd und mit hochroten Wangen.
Das hier glich einem schlechten Schauspiel. Wie es im Grunde der gesamte Abend tat.
„Es ist gut", hauchte sie und nickte ihm zu, während sie ihm seine Gabel zurück gab.
„Ja, das ist es", sagte er.
Minutenlang aßen sie stur und stumm weiter, sahen sich beide immer wieder abwesend im überfüllten Restaurant um. Um sie herum wurde geturtelt, was das Zeug hielt. Sie kam sich lächerlich und absolut fehl am Platz vor.
„Möchtest du auch etwas von meiner Pasta?", fragte sie schließlich eine gefühlte Ewigkeit später, um das unangenehme Schweigen zu brechen.
Er blickte beinahe erschrocken auf, schüttelte dann den Kopf. „Ich kenne die Pasta hier."
Sie versuchte zu lächeln. „Ja, das stimmt wohl."
„Du siehst heute hübsch aus", sagte Ron ohne sie auch nur eine Sekunde anzusehen.
Sie fragte sich, ob er wohl noch wusste, wie sie gerade wirklich aussah. Ob er ihr ohne hinzusehen sagen konnte, welche Farbe ihr Kleid hatte und ob sie die Haare offen oder hochgesteckt trug.
Mione nahm einen weiteren schluck Wein. „Vielen Dank, du auch… Also, du siehst gut aus…"
Gott, wann hatten sie ihre Teller geleert und konnten den Abend beenden?
„Danke", flüsterte er mit geröteten Wangen. Sie wusste dass es nicht ihr Kompliment gewesen war, sondern vielmehr die Tatsache, dass es ihm sicherlich gerade nicht anders erging als ihr.
„Ron, wir müssen reden", begann sie schließlich, nachdem sie einen weiteren Schluck Wein zu sich genommen hatte. Immerhin waren sie deswegen hier.
Er sah auf, legte Messer und Gabel beiseite und nickte schwach. „Da hast du Recht."
Mione nickte ebenfalls. Es war merkwürdig, hier so mit ihm zu sprechen. Etwas benommen blickte sie auf ihren Verlobungsring, fragte sich, ob das alles hier heute ein Ende nehmen würde.
Sie hatte lange darüber nachgedacht, was wohl das Richtige für sie beide war.
„Du hast ebenfalls mit Ginny gesprochen?", sagte sie sanft.
Er nickte, nahm einen Schluck Bier.
„Gut. Ich denke aber, du wirst auch so gemerkt haben, dass zwischen uns", die Worte verließen nur sehr schwerfällig ihren Mund, „einiges geändert hat."
Wieder nickte er. „Ginny meinte, du willst deinen Job nicht aufgeben. Und sie sagte, du willst noch keine Kinder."
Sie sah ihn etwas verdutzt an. „Ja… Das ist irgendwie… richtig…"
‚Aber!', schrie ihre innere Stimme.
„Aber, du willst diese Hochzeit?", fragte er vorsichtig.
Mione schien plötzlich über ihrem Körper zu schweben, sah sich selber beim Nichtstun zu. Oder eher: Sie sah sich selber hastig einen Schluck Wein nehmen.
„Willst du diese Hochzeit?", hörte sie sich plötzlich selber fragen.
Einen Moment schien er zu überlegen. „Ja, schon… Denke ich?" Es war eine Frage und keine Antwort.
Das sollte ihr nicht genügen.
Sie sah ihn einfach nur vollkommen entgeistert an. Die Welt hatte scheinbar aufgehört sich zu drehen.
„Ich habe nachgedacht und wenn es wirklich nur darum geht….", setzte er leise fort. „Du musst deinen Job nicht aufgeben. Und ich will ja gerade selber keine Kinder!"
Sie schüttelte entsetzt den Kopf, wollte sagen, dass irgendein verdammt großer Teil in ihr auch diese Hochzeit nicht mehr wollte. „Willst du nicht?", hauchte sie stattdessen brüchig.
Ron lachte, nahm einen Schluck Bier. „Irgendwann will ich das schon. Aber, nicht jetzt. Nicht, wo ich ständig unterwegs sein werde, um Weasleys zu promoten." Er sah sie stolz an. „Das ist ein Muggelwort."
Sie nickte fahrig.
„Was hältst du vom Sommer?", fragte er, nachdem er einen weiteren, sichtlich unbehaglichen Schluck Bier genommen hatte.
Mione holte schneidend Luft. Sie hatte das Gefühl, jeden Augenblick ohnmächtig zu werden. „Für eine Hochzeit?", fragte sie. Ihre Stimme zitterte leicht; verräterisch.
‚Nein', brüllte ihre innere Stimme, schien ihr imaginär gegen die Stirn zu schlagen.
Ron sah sie aus glasigen Augen an. „Ja? Da ist es schön warm…"
Sie nickte und fühlte sich dabei wie vom Zug angefahren.
‚Nein!'
„Das ist schön", flüsterte Ron, nahm einen weiteren Schluck Bier und begann dann wieder zu essen.
Mione nickte einfach noch einige Zeit verzweifelt vor sich hin. Tränen schossen ihr in die Augen und der starke Drang sich selber schallend zu ohrfeigen überkam sie.
‚Nein!'
Den Rest des Abends, schwiegen sie sich wieder an. Ihren Teller leerte sie nicht; einzig und allein eine halbe Flasche Rotwein, fand an diesem Abend seinen Weg in ihren versteinerten Magen…
*** *** ***
Vorschau auf das nächste Kapitel:
„Granger, du musst den Schlüssel in das Schlüsselloch stecken", flüsterte der Blonde matt.
Sie sah ihn an. „Er passt nicht rein." Dann wandte sie sich wieder der Tür zu. „Und die Tür geht nicht auf."
„Weil sie verschlossen ist", sagte er leise und verschränkte die Arme vor der Brust.
*** *** ***
Ein wundervolles Osterfest euch allen… :) Ich hoffe ihr hattet alle Spaß beim Schokolade und Eiersuchen… Übrigens bin ich so ein kleines Ferkel, dass ich das nicht ohne ein schäbiges Grinden auf dem Gesicht schreiben kann… *lol*
So… Ich denke, dieses Chapter hat den einen oder anderen geschockt/enttäuscht… *fiesgrins* Die wenigsten haben jetzt wohl so was erwartet, sondern wahrscheinlich eher etwas heiße Action?!? *lol* Also, zur heißen Action kommen wir später… Genau genommen im nächsten Chapter… Aber, ob die Action mit Malfoy sein wird? Ja, gute Frage… ;) Nun ja, ich sagte ja, ich hab noch viel vor… ;) Bevor jetzt aber alle schreiend aus der Story laufen, weil sie Ron und Mione als Paar nicht ertragen: Sie werden nicht heiraten… Aber, ich sagte, der Weg ist steinig…
Okay. Wie immer geht natürlich ein fettes Osterdankschön an meine lieben Geiger, Betaleser - Ashe und India - und Leser… *knuddeleuchalle*…
Princess Frances: ja, die ganzen Geständnisse kommen noch… Wobei man natürlich fragen müsste, welche Geständnisse du den genau erwartet hast… ;) *lol* Werbung war übrigens nicht nötig, hab´s selber direkt gesehen… Obwohl ich natürlich nix dagegen hast, dass du dennoch darauf hinweist… So verpasse ich nix… *hehe*
Hexenlady: Das kommt dir nicht nur so vor dass ist wahrscheinlich sogar so… ;) Was daran liegt, dass es Absicht ist… Die zwei nähern sich auf gerader Strecke einfach sehr langsam an. Die großen Sprünge sind immer mit irgendwelchen Geschehnissen verbunden, denen dann wieder eine kleine Ruhepause folgt… 2 Chaps auf einmal ist leider gerade alles andere als drin… Tut mir wirklich leid… Ich mach´s gut, sobald es wieder passt… ;)
Draco´s CoffeeGirl: Achso… Ich dachte, du spielst auf den recht krassen Vergleich an... *lol* Draco sieht natürlich nicht wirklich aus wie eins von diesen modrigen und gruseligen Dingern (Jetzt wo ich drüber nachdenke: Die haben ziemlich viel Ähnlichkeit mit den Dementoren)… ja, ich denke das Chap war wirklich anders als erhofft und erwartet… Tut mir wirklich leid… *lol* Ich kann aber sagen, dass die sich die zwei sehr bald auf absolut nicht sexueller Ebene sehr nah kommen werden… Vielleicht ist das so was wie ein kleiner Trost… ;)
Die-na: Zu deiner rosaroten Brille sag ich jetzt mal nix… Und über Rons Gastauftritt halte ich auch einfach mal die Klappe; und setzte mir wieder meine Hörner auf. *lol* Mit deiner PM hast du mich übrigens echt erwischt… *lol* Ich saß nen Moment vor der Mail und dachte mir *Ja und wo ist der Link?*, bevor ich den Rest las… *gröhl* Ich hoffe übrigens, du hattest auch nen schönen 1. April… Sorry, dass ich noch nicht zum Antworten kam… Der liebe Stress…
Nessi.C.: Ja, ist durchaus möglich… *hehe* ;) Und ja, ich denke du hast in vielen Punkten Recht… Vor allem, da sie es ja mittlerweile auch selber schon sieht. Nur das mit er Trennung hat halt noch nicht so ganz geklappt…
One77: Nee, leider nicht… ;) Ich hasse Cliffhanger übrigens auch… Wenn ich sie nicht gerade selber verzapfe… Ojee… *ducktsich*
Ikakas: Es freut mich, dass ich dich fesseln konnte… :) ja, und leider muss ich dich auch direkt enttäuschen… Für´s Erste jedenfalls… ich hoffe, du trägst es mir nicht nach… ;)
DnA: Tja, was soll ich da sagen? Kein Grund dich zu schlagen, also werde ich es auch nicht tun… ;) *lol*
