29. Deep Insight

Nachdem sie sich schätzungsweise fünf Mal in den dunklen Kerkergängen verlaufen hatten, kamen sie rund eine Stunde später endlich auf ihrem Flur an. Mione verlangsamte ihre Schritte etwas, als sie Malfoys Tür passierten. Unter dem Spalt fiel etwas Licht in die Dunkelheit des Ganges.

„Ich denke, ich werde noch einmal nach ihm sehen", flüsterte Mione leise und wandte sich an Daria, die etwas verwundert die Stirn kräuselte.

„Hältst du das wirklich für eine gute Idee?", gab sie schließlich zurück.

Einen Augenblick hatte Mione gedacht, das Beste wäre es wahrscheinlich diese Sache für sich zu behalten. Jedoch würde das nicht viel bringen, wenn die beiden Schüler es – gegen ihre Hoffnungen – nicht tun würden und morgen die wildesten Gerüchte umgingen. Im Anbetracht dieser Umstände, hielt sie es für besser Daria wenigstens teilweise in Malfoys recht ungewöhnliche Angst einzuweihen.

Was sie dann schließlich auch getan hatte…

„Nein, nicht wirklich…", flüsterte sie. Ihre Hände befanden sich bereits am kühlen Holz der Tür. „Aber, ich habe es gesehen… Ich kann das nicht so ruhen lassen…"

Daria lächelte schwach, nickte dann und für den Bruchteil einer Sekunde, lag etwas Beunruhigendes in ihrem Lächeln.

‚Sie ahnt es', wisperte ihre innere Stimme amüsiert.

„Ich gehe dann wieder ins Bett, ich muss zur ersten Stunde raus", hauchte die Schwarzhaarige plötzlich zu ihrer Verwunderung und wandte sich ab. „Oder soll ich kurz mit rein kommen?"

Mione, die Daria einen Moment angespannt hinterher gestarrt hatte, zuckte ertappt zusammen. Doch glücklicherweise sah die andere sie erst einige Sekunden später an. Also schüttelte sie mit ruhiger Miene den Kopf. „Nein, nicht nötig. Das schaffe ich schon."

Daria nickte erneut, setzte sich dann mit einem letzten „Gute Nacht" in Bewegung und verschwand schließlich gähnend in ihrem Zimmer.

Hermione wartete einen Augenblick, rechnete regelrecht damit, dass die Schwarzhaarige neugierig den Gang überprüfen würde; doch nichts passierte. Also klopfte sie schließlich schwach gegen die Tür.

„Malfoy, lass mich rein", hauchte sie gegen das Holz.

Nichts, doch sie konnte deutlich seine Schritte aus dem Inneren hören.

„Malfoy", versuchte sie es erneut.

Nichts… Dann das Knarren des Bettes… Offensichtlich hatte er sich darauf nieder gelassen…

„Malfoy, verdammt. Lass mich endlich rein", fluchte sie schließlich.

Sie lehnte sich immer noch angespannt gegen das Holz, als das Schloss schließlich lautstark Klackte. „Es ist offen", gab er gedämpft zurück.

Vorsichtig drückte sie die Klinke herunter, öffnete die Tür und trat langsam, fast schon ängstlich, ins Innere ein.

Malfoy hockte auf dem Bett, trug eine dunkelgraue Stoffhose und ein entsetzlich zerknittertes, schwarzes Shirt. Die Beine hatte er an seinen Körper gezogen, seinen linken Arm um diese gelegt, während sein Kopf auf seinen Knien ruhte. Das silberblonde Haar war zerzaust; fast so als hätte er daran gerissen. In seiner rechten Hand befand sich eine halbleere Flasche Feuerwhisky.

Einen Augenblick starrte sie ihn einfach nur an, atmete lautstark aus.

Schließlich richtete er sich etwas auf, sah sie aus entsetzlich müden und verräterisch geröteten Augen an. „Ergötze dich meinetwegen an meinem Elend, aber mach die scheiß Tür hinter dir zu", knurrte er und nahm einen Schluck aus der Flasche.

Schleichend langsam, ohne ihn auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen, tat sie wie ihr geheißen wurde. Dann holte sie tief Luft, trat an das Bett heran und ließ sich auf der Kante nieder.

„Hast du das alles in der letzten Stunde getrunken?", fragte sie auf die Flasche deutend. Sie versuchte so sanft aber so wenig mitleidig, wie nur irgendwie möglich zu klingen.

Er folgte ihrem Blick, schwenkte die Flasche etwas hin und her. „Ja, habe ich wohl. Ich dachte mir, so toll wie der Abend geendet hat, sollte ich ihn vielleicht doch-" Mione griff nach der Flasche, doch er entzog sie ihr für seinen desolaten Zustand erstaunlich schnell. „Ich bin kein scheiß Kind mehr, Granger", fauchte er mit wutverzerrter Miene.

„Ich weiß. Ich will nur einen Schluck", sagte sie leise.

Er zog ungläubig die Augenbraue hoch und nahm einen Schluck.

„Meine Großmutter hatte Brustkrebs", flüsterte sie. „Den ersten Ausbruch überstand sie knapp, doch der Krebs streute und die Chemo brachte sie wahrscheinlich letztendlich um. Das war eine verdammt harte Zeit, doch ich hatte Ron und meine Eltern. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie es ist diese Sache allein durchzustehen."

Malfoy sah sie immer noch aus trüben Augen an, reichte ihr jedoch schließlich wortlos die Flasche. „Ich war nicht allein", hauchte er dann, doch so wirklich wollte sie ihm das nicht abkaufen.

Gott, sie wollte sich nicht vorstellen, wie es sich angefühlt hätte damals Ron zu verlieren. Oder ihre Mutter oder ihren Vater. Natürlich hatte der Verlust sie dennoch überwältigt, doch es wäre etwas anderes gewesen, jemanden zu verlieren, bei dem es nicht so offensichtlich war. Von dem man sich erhoffte, dass er erst ging, wenn man all die schwierigen Dinge im Leben gemeinsam überstanden hatte.

Sie nahm einen großen Schluck, streifte sich mit den Füßen die Schuhe ab und kroch neben ihm auf das Bett. „Was für eine Art von Krebs war es?", fragte sie schließlich vorsichtig, versuchte die Flasche so lange wie möglich bei sich zu behalten.

Und glücklicherweise überließ er sie ihr für eine Weile. Er starrte ins Leere, während er zu überlegen schien. Sie konnte es regelrecht hinter seinen demolierten Schläfen rattern sehen; er hatte sich sichtlich schmerzhaft die Haare gerauft. Seine blasse Haut zierte besonders aus der Nähe einige Striemen.

„Leukämie", sagte er dann und griff nach der Flasche.

Sie überließ sie ihm widerwillig, nahm sie ihm jedoch erneut ab, als er einen Schluck genommen hatte. Mione konnte ein Seufzen nicht unterdrücken. Krebs war eine der wenigen Tücken, der nicht einmal die Magier gewachsen waren.

„Es tut mir leid", flüsterte sie schließlich.

Er lachte bitter, griff erneut nach der Flasche, doch sie enthielt sie ihm vor, indem sie einen großen Schluck aus dieser nahm.

„Das haben sie alle gesagt. Jeder scheiß Arzt und Heiler, der an ihr herum gefachsimpelt hat", fluchte er leise und strich sich erneut sichtlich schmerzhaft durchs Haar. „Jeder einzelne…"

Mione hielt die Flasche fest umklammert, versuchte aus irgendeinem wahnwitzigen und unsinnigen Grund nach seiner Hand zu greifen, doch er entzog sie ihr mit einem Stirnrunzeln.

„Und weißt du, was das Erbärmlichste war?", er sah sie nicht einmal an, aber das war auch nicht nötig. Solange er es rauslassen wollte, sollte er es tun. „Als ich vor dieses elende Auto stolperte und ohne Geld und einen Namen in ihr Krankenhaus gebracht wurde, kümmerten sich die scheiß Muggel um mich, als wäre ich einer von ihnen."

Er sah sie an, seine Augen wirkten wässrig und doch so unendlich wütend. „Doch als ich sie schließlich nach der fünften dieser scheiß Therapien total entkräftet zu unseren Leuten brachte, sahen sie sie an wie eine Aussätzige."

Hermione nickte schweigend in sich hinein. Oh ja, sie konnte sich diese Szene nur allzu gut vorstellen. Ein Reinblüter, der einen Muggel in ein Magierhospital brachte. Das war sicherlich eine auch heute noch ungewöhnliche und ganz eindeutig nicht gern gesehene Sache.

Vollkommen in Gedanken versunken, verpasste sie, dass er erneut nach der Flasche griff. Sie wollte protestieren, doch er bedachte sie mit einem mehr als nur dunklen Funkeln.

„Sie hat die letzten Jahre ihres Lebens damit verschwendet, mir zu helfen mich zu finden. Dabei weiß ich immer noch nicht, wer ich wirklich bin", sagte er schließlich bitter und ließ sich so heftig zurück gegen das Kopfende fallen, dass die Flasche überschwappte.

Der Lockenschopf lehnte sich ebenfalls zurück, holte tief Luft.

„Spar dir Sprüche a la Dumbledore. Sprüche wie diese höre ich ständig und zu genüge", fauchte er und starrte ebenfalls an die Decke.

Blitzschnell griff sie zu seiner Hand, entriss ihm die Flasche. „Malfoy, ich denke die Wenigstens wissen, wer sie wirklich sind", flüsterte sie schließlich zurück und nahm einige kleine Schlücke. „Wir müssen lernen uns mit den Augen der anderen Leute zu sehen."

Ein bitteres Lachen. „Und was siehst du, Granger?"

Mione zuckte mit den Schultern, sah ihn an. „Einen eingebildeten aber unterdrückten Schnösel, der es gewagt hat seine einflussreiche Familie zu verleugnen, um sich selber zu suchen. Das ist viel wert, denke ich."

Er runzelte die Stirn, griff nach der Flasche in ihrer Hand. Mione drehte sich etwas, so dass er sie nicht erreichen konnte.

„Einen Mann, der es zu Ruhm und Erfolg gebracht hat. Der vergöttert wird", fuhr sie fort.

Er lachte spöttisch, griff erneut nach der Flasche. Doch sie nahm seelenruhig einen weiteren schluck, blitzte ihn herausfordernd an.

„Ruhm und Erfolg, auf die ich mittlerweile sehr gut verzichten könnte. Das scheiß Business ist trickreicher und hinterlistiger, als jeder dunkle Magier es je sein könnte. Vertraue niemanden, ist da eine ständige Devise. Und vor allem: Sei niemals du selbst", hauchte er dann mit beschlagener Stimme.

„Warum brichst du dann nicht erneut aus?", fragte sie leise.

Er hielt ihr die auffordernd geöffnete Hand entgegen und widerwillig reichte sie ihm die Flasche. „Weil Quidditch dummerweise das einzige ist, was mir geblieben ist", sagte er dann und nahm einen weiteren Schluck des Whiskys. Seine Stimme war merkwürdig belegt, doch er sprach noch erstaunlich klar. „Da oben zählt nur das Spiel. Es geht nicht um Gedanken, Ängste oder Sorgen. Es geht einfach nur um den scheiß Scha-natz. Koste es was es wolle…"

Sie dachte daran zurück, wie er ohne Rücksicht auf Verluste durch die Luft donnerte. Wie er sich Berichten zufolge eher den Hals brach, als den goldenen Ball aufzugeben. Und plötzlich machte es etwas mehr Sinn…

„Malfoy, dein Leben dreht sich nicht allein um einen kleinen, goldenen Ball", flüsterte sie. „Du hast Freunde…. Du hast deine Mutter… Ich habe gehört, dass sie auf jedem deiner Spiele im Publikum sitzen soll…"

Es war ein merkwürdiges Gefühl so hier mit ihm zu sitzen. Nicht etwa, weil es Malfoy war, der gerade entsetzlich fremd neben ihr hockte, sondern weil sie selber nicht wusste, in welche Rolle sie gerade schlüpfte. Die Pädagogin, die versuchte ihn wieder aus seinem Loch zu ziehen; oder so etwas wie eine ziemlich verkorkste Art von Freundin.

Er sah sie aus mittlerweile bedenklich trüben Augen an. Dann nahm er mit einem abwertenden Geräusch einen weiteren Schluck Whisky. „Meine Mutter ist eine Heuchlerin. Sie mag auf meine Spiele kommen und sie mag mir jeden Monat Briefe schreiben, doch sie ist und bleibt eine Heuchlerin. Sie will nur die Familienehre reinwaschen."

Der Blonde machte bei seinen Worten eine ziemlich ausholende Geste, so dass er Mione fast mit der Faust am Kopf traf. „Das ist echt krank", sagte er dann nachdenklich und starrte angestrengt in die Leere. „Als das blöde Ding sich vor mir aufgebaut hat, habe ich damit gerechnet meinen Vater zu sehen… Mit diesem falschen Grinsen und der ständigen Aufforderung mein Maul zu halten und das zu tun, was er sagt…" Er ließ sich seufzend zurück fallen. „Oder den dunkle Lord. Dieses Tier, das mir zuflüstert, dass es mich lebendig mit den verrottenden Leichen meiner Eltern in eine stinkende Zelle unter der Erde sperrt."

Malfoy drehte sich erneut etwas, hob die Hand an und rammte ihr dabei den Ellenbogen in die Seite. „Pass doch auf", fluchte er in ihre Richtung

Mione beugte sich vorsichtig vor, sparte es sich ihn wütend anzublitzen und griff erneut nach der Flasche in seinen mittlerweile sehr fahrigen Händen. „Glaubst du, du bist den falschen Weg gegangen?"

Er sah sie verwundert an.

„Damals in Hogwarts?"

Er lachte bitter, strich sich durch die Haare. „Scheiße, ich hatte keine andere Wahl. Die hätten erst mir und dann meinem Vater den Arsch aufgerissen." Malfoy fixierte die Flasche. „Und dann hätte mein Vater mir den Arsch gleich noch mal aufgerissen", fügte er schließlich hinzu und sah auf die Uhr am Schreibtisch.

Es war kurz nach Mitternacht und er schien sich etwas zu entspannen. Dennoch bei Weiten nicht genug, um ihn hier und jetzt in diesem Zustand alleine zu lassen.

Sie schüttelte schwach den Kopf. Natürlich hatte sie geahnt, dass es niemals wirklich so gewesen war, wie sie es sich immer ausgemalt hatten. Dass das Leben, welches er hinter seiner eingebildeten Fassade führte, wahrscheinlich ein ganz anderes gewesen war. Doch es war merkwürdig, es direkt aus seinem Mund zu hören.

„Dann hast du wahrscheinlich die richtige Entscheidung getroffen. Nicht immer ist die richtige Entscheidung auch die beste", hauchte sie und sah hinab auf den Bettbezug. Natürlich hätte sie einwerfen können, dass er sich an Dumbledore hätte wenden können. Doch was hätte es geändert? Immergin wusste der Alte damals eh Bescheid. „Und du hast auch die richtige Entscheidung getroffen, als du dem allem den Rücken gekehrt hast."

Malfoy schien einen Moment zu überlegen und kletterte schließlich ziemlich umständlich unter die Bettdecke. Mione half ihm dabei, was er jedoch mit einem strafenden Blick bedachte. Wäre er gerade nicht so sichtlich kaputt und an sämtlichen Stellen wund und aufgerissen, würde sie beinahe behaupten, er war süß…

„Egal welchen Weg ich auch einschlage…", murmelte er und drehte sich auf den Bauch. „Am Ende wartet immer Potter, als Sinnbild meines sadistischen Schicksals mit einem großen Fick dich Malfoy-Schild." Seine Stimme wurde leiser, wurde bei den letzten Wörtern regelrecht vom Kissen geschluckt, in welches er sein Gesicht gepresst hatte.

Mione musste bei der bildlichen Vorstellung einen Moment Schmunzeln, schämte sich jedoch beinahe augenblicklich dafür. Gott, sie war wahrhaftig nicht die Einzige, deren Leben allem anderen als einem Zuckerschlecken glich. Sogar noch mehr als das… Und nicht zum ersten Mal plagte sie ein wirklich schlechtes Gewissen; wenn auch zum ersten Mal im Bezug auf Malfoy.

Langsam und annähernd geräuschlos drehte sie sich zu ihm, musterte seine nun ruhige und etwas gleichmäßiger atmende Form.

Einen Moment starrte sie auf die Fackel neben seiner Tür, überlegte ob sie über Nacht bleiben sollte oder nicht. Doch irgendetwas in ihr weigerte sich, zu gehen. Also kletterte sie langsam aus dem Bett, öffnete seinen Kleiderschrank und zog eines der Shirts, die in direkter Reichweite lagen, heraus.

Weiterhin ohne Malfoy schlafende Form aus den Augen zu lassen, zog sie sich um, schlich schließlich nur noch im Slip und dem Shirt bekleidet um das Bett. Direkt neben seinem Kopfende hielt sie inne, beugte sich etwas vor und strich ihm eine verirrte, blonde Strähne aus dem Gesicht. Es lag bedenklich zerknautscht im Kissen, doch er bekam ganz eindeutig genügend Luft, um nicht einfach im Schlaf zu ersticken.

Also wandte sie sich langsam wieder ab, griff nach der Flasche Feuerwhisky auf dem Nachttisch und stellte sie sicherheitshalber auf dem Schreibtisch ab. Nur für den Fall, dass der Schluckspecht hinter ihr heute Nacht durstig und immer noch angeschlagen erwachen sollte.

Mione hielt inne, als sie sich ein Glas des Kürbissaftes, welcher auf dem Schreibtisch stand gönnte. Er war abgestanden, doch das war ihr gerade egal. Sie wollte den faden Nachgeschmack des Whiskys verdrängen. Doch bevor sie zurück zum Bett schleichen konnte, fiel ihr Blick auf eine kleine Kiste, die versteckt hinter der Lehne von Malfoys Stuhl gestanden hatte.

Auf dem Schreibtisch lagen ein Brief und zwei Fotos; direkt daneben das weiße Kabelknäuel und Malfoys iPot. Langsam und fast schon liebevoll schob sie das Knäuel beiseite, strich über das erste Foto.

Es zeigte eine junge Frau – eindeutig die, die der Irrwicht vor rund zwei Stunden und zu Beginn der kleinen Horrorvorstellung gezeigt hatte: Eindeutig Sheela. Sie war unglaublich hübsch und doch überraschend natürlich. Die glatten, dunklen Haare hatte sie zu einem lockeren Zopf gebunden, während sie unsicher winkend auf einem Mofa saß und unbeholfen in die magische Kamera winkte. Es handelte sich hier ganz eindeutig um einen Muggel. Offensichtlich war das Foto in Italien entstanden. Im Hintergrund meinte Mione eine venezianische Gondel erkennen zu können.

Mione legte den Kopf schief, schob das Bild beiseite und betrachtete das zweite. Hierbei handelte es sich um ein unbewegtes Muggelfoto und es zeigte Sheela in einem winzigen und doch edlen blauen Abendkleid. Sie hielt, gemeinsam mit zwei weiteren Frauen, grinsend einen Drink in die Kamera. An ihrer zart gebräunten Hand, befand sich ein dünnes, silbernes und etwas altmodisch wirkendes Armband. Ohne genau hinsehen zu müssen, sah Mione, dass sich dieses ebenfalls in der Kiste auf dem Stuhl befand.

Benommen atmete sie durch, schob das Knäuel zurück über den kleinen Stapel und konnte dennoch nicht davon abhalten einen winzigen Blick auf die Rückseite des Briefes zu offenbaren, der leicht unter die Fotos gerutscht war.

ich werde sein wo immer es dich irgendwann verschlagen wird. Himmel oder Hölle mein Lieber! Doch unterstehe dich, vorzeitig dort aufzutauchen. Ich schwöre, ich werde dich mit den Himmel- oder auch Höllenhunden zurück jagen…

Das war alles, was sie lesen konnte. Mione holte tief Luft, schluckte das merkwürdige Gefühl der Leere und einige nahenden Tränen herunter und warf einen vorsichtigen Blick über ihre Schulter.

Dann schob sie den Brief mit dem Zeigefinger vorsichtig etwas zurück.

Denk an dein Versprechen, Draco. Ich weiß, ich verlange sehr viel. Aber versuche die Welt nicht ständig schwarz-weiß zu sehen. Halte die Augen nach Grautönen offen und mach dir keinen Kopf über Dinge, die passiert oder verloren sind. Halte einfach die Dinge fest, die in deinen wunderschönen Augen wertvoll genug dafür sind, sich an sie zu erinnern. Und vor allem: Sammele viele neue Dinge, die Erinnerungen wert sind…

Hermione schob den Brief zurück in die Ursprungsposition und wandte sich erneut zum Blonden um, der leise in sein Kissen schnarchte. Sein linker Arm baumelte dabei bedenklich verdreht aus dem Bett.

Sie atmete tief aus und schlich schließlich zurück zum Bett. Als sie hinter ihm unter die Bettdecke kroch, warf sie einen letzten Blick auf die Uhr. Es war nun 32 Minuten nach Mitternacht. Hinter ihnen lag Sheelas wahrscheinlich dritter Todestag und Malfoy hatte seine Freundin heute zum zweiten Mal, im Zeitraffer und zu seinen Füßen, sterben sehen…

Die ehemalige Gryffindor löschte die Fackeln und kroch näher an ihn heran, legte ihren Arm vorsichtig um seine Hüfte. Irgendetwas in ihr sagte ihr, dass er ihre Nähe brauchte. Doch sie wusste, dass sie sie gerade ebenso brauchte…

*** *** ***

Vorschau:

„Morgen", murmelte sie und kam sich unter seinem Blick gerade entsetzlich blöd vor. Sie hatte gestern Abend – oder auch heute Nacht - nicht wirklich daran gedacht, dass er nach dieser Nacht wieder halbwegs klar im Kopf und nüchtern erwachen, und sie schließlich in seinem Bett vorfinden, würde.

„Morgen", gab er aus hörbar angeschlagener Kehle zurück, nahm einen Zug. „Was zur Hölle machst du hier?"

*** *** ***

So… Tralala…. *lol* Ich habe drei kleine Anmerke, zu diesem Chapter…

Anmerk 1: Ich habe Dracos Art zu Sprechen, trotz der Tatsache, dass er betrunken war, mit Absicht nicht verzerrt. Dazu war mir der Inhalt einfach zu wichtig… Ich hatte beide Versionen und glaubt mir, so ist es wirklich besser… ;)

Anmerk 2: Sheelas Brief ist entsetzlich kitschig, oder? *lol* Ich hab da lange dran rumgefeilt und versucht einen Mittelweg zu finden… Und so ganz ist es mir nicht gelungen. Aber, da meine Betalies alle begeistert waren, hab ich es so gelassen…

Anmerk 3: Sheelas Tod ist Mainstream… Weiß ich… *lol* Aber, es geht in dieser Geschichte ja auch nicht nur um Sheela. Es kommen noch viele Dinge, die sich auf Malfoys Vergangenheit beziehen…

Wie immer natürlich großes Dankeschön an meine lieben Betalies (auch wenn die gerade immer noch zu gestresst zum Drüberschauen sind…), meine Reviewer und natürlich auch Danke an die Stilleser. Ich wäre aber noch viel Dankbarer, wenn ihr euch zu einem kleinen Kommentar durchringen könntet… *lach*

Und natürlich noch zur ausführlichen Reviewtime:

HexenLady: Ja, da kommt noch einiges… Allerdings Schritt für Schrill… ;) Und keine Sorge, ich werde diese Story sicherlich nicht vernchlässigen. Aber, Fakt ist einfach, dass ich gerade nicht mehr so gut vorankomme, wie in den ersten Wochen; was aber an meinem Job liegt und nicht an der anderen FF. Daher poste ich zurzeit nur zweimal die Woche, was ja nun auch nicht SO wenig ist… *lol* Aber, es freut mich natürlich, das ihr alle mehr wollt… hihi…

One77: Jaja… Fragen über Fragen, die sich jetzt wohl größtenteils geklärt haben dürften, oder? ;) Und ja, genauso bin ich auch… Aber, ich glaube das ist echt typisch Frau… hehe…

Die-na: Auch hier Fragen über Fragen. :) Also, ich denke dass er Angst hatte, diese Sache noch mal erleben zu müssen?! Wahrscheinlich hätte die Frau also Mione sein müssen, was? Hehe… *die-nachendierosabrilleaufsetz*

Hattu: Ja, ich dachte es passt einfach. So als Ode an den Lauri… haha… Deine Vorschau, anhand der LP-FFs, hat mich jetzt echt umgehauen… *lol* Na, nen Malfoy schlitzt sich nicht die Pulsadern auf. Der geht das wahrscheinlich etwas magischer an. Vielleicht hext er sich die Hände weg? So ohne die Wunden zu verschließen? Ojee… Dann wäre der Sex aber wahrlich etwas ekelhaft…

DnA: Gut geahnt… ;) Und Frage für´s erste beantwortet? Hehe…

Dracos CoffeeGirl: Hm… Also, mag sein, dass ihre Ausdrucksweise in diesem Chap härter rüberkam. Was aber sicherlich viele Gründe hatte. Naja, Mione ändert sich im Laufe dieser Geschichte eindeutig etwas. Bei bestimmten Personen verstellt sie sich halt. Sie hat sich verändert, aber eben in eine andere Richtung, wie ihre Freunde. Und das ist eben auch mit ein Grund, warum sie sich so an das klammert was sie mal hatte und was sie mal war. Und es wird wahrscheinlich sogar von ihr verlangt. Bis in wenigen Ausnahmen, wagt sie es also wahrscheinlich gar nicht aus der Reihe zu fallen. Also, Absicht war es schon… Nur vielleicht nicht unbedingt so, dass ich euch schocke… So vulgär, wie es nun vielleicht rüberkam, ist sie natürlich nach wie vor nicht. Immerhin war sie bei diesem Gespräch teilweise in Rage und die Zitate waren natürlich absichtlich überzogen…*lol*

Nessi.C.: Dann bin ja echt mal gespannt, welche Ideen du da so hattest; und vor allem, ob du richtig lagst… ;) hehe…

Anna: Ich hoffe, deine Fragen konnten alle geklärt werden… Für´s Erste jedenfalls… ;)