30. Wake me up inside

Als Mione am nächsten Morgen die Augen öffnete, fielen bereits die ersten Sonnenstrahlen auf ihr Gesicht. Schlaftrunken drehte sie sich auf die Seite und streckte sich genüsslich. Dieses Bett war wirklich nicht im Geringsten mit dem Hogwartsstandart zu vergleichen. Nicht einmal ihr Bett in Rons Apartment war vergleichbar bequem: Und das obwohl Mione beim Kauf auf die bis dato besten Visco Matratzen bestanden hatte.

Malfoys Blick riss sie aus den Gedanken. Er saß neben ihr im Bett, mehr oder weniger lässig an das Kopfende gelehnt und hatte eine Zigarette in der Hand. Auf seiner rechten Gesichtshälfte konnte sie noch Spuren des Kissens sehen und sein Haar glich einem silberblonden Busch. Seine Augen wirkten trüb und seine Miene ebenfalls schlaftrunken; vielleicht auch noch von den Nachwirkungen des Restalkohols benebelt: Doch er hatte wie immer perfekt die Augenbraue hochgezogen.

„Morgen", murmelte sie und kam sich unter seinem Blick gerade entsetzlich blöd vor. Sie hatte gestern Abend – oder auch heute Nacht - nicht wirklich daran gedacht, dass er nach dieser Nacht wieder halbwegs klar im Kopf und nüchtern erwachen, und sie schließlich in seinem Bett vorfinden, würde.

„Morgen", gab er aus hörbar angeschlagener Kehle zurück, nahm einen Zug. „Was zur Hölle machst du hier?"

Mione richtete sich ebenfalls auf, strich sich langsam die Haare etwas glatt; oder eher sie versuchte es. Wahrscheinlich brachte es rein gar nichts. „Ich… bin wohl eingeschlafen…", sagte sie dann und versuchte irgendwie glaubhaft zu klingen.

Seine Augenbraue schien noch ein Stückchen höher zu schießen. „Und mein Shirt hat sich dir von alleine angezogen?"

Tonnenweise Blut schien ihr in die Wangen zu schießen. „Himmel, fein: Ich hab´s angezogen und ich habe mit Absicht hier geschlafen", fauchte sie und zog die Bettdecke fester an sich. „Ich wollte und konnte dich so nicht alleine lassen", fügte sie dann leise hinzu.

Malfoy erwiderte nichts, starrte einfach nur auf die Decke, die sich vor ihnen scheinbar flüssig über das Bett ergoss. „Ich glaube nicht, dass ich in der Lage gewesen wäre mir irgendwas anzutun. Aber…" Er sah sie an, in seinen Augen lag etwas Spöttisches und doch etwas Dankbares. Dann kletterte er etwas ungelenk aus dem Bett und schritt herüber zur Tür.

Mione sah ihm überrascht hinterher. Das war´s?

„Erinnerst du dich noch an gestern?", fragte sie vorsichtig.

Malfoy wandte sich langsam von der Tür ab – einen Moment fragte sie sich, was er da tat – und stemmte seine Arme in die Hüften, drückte den Rücken durch bis er knackte. „Granger, so besoffen war ich nun auch wieder nicht."

„Sicher?", fragte sie spitz und er funkelte sie als Antwort nur herablassend an. Mione sah etwas unsicher zum Schreibtisch, der zu ihrer Überraschung bereits leer war. Da war weder die Box, noch der Feuerwhiskey zu sehen. Wahrscheinlich hatte er beides weggeräumt, als sie noch geschlafen hatte.

Schließlich räusperte er sich, sah zu Boden. „Im Grunde geht und ging es mir gut. Es ist jetzt fast drei Jahre her und…", er sah sie an, seine Miene wirkte glaubhaft, auch wenn seine Augen ungewöhnlich klar wirkten. „Das war gestern einfach nur der Gau des Tages." Er lachte etwas bitter auf und wandte seinen Blick erneut etwas unsicher ab.

Seufzend strich sie sich eine Locke aus dem Gesicht und vermied es ihn anzusehen. „Wenn du jemanden zum Reden brauchst-", presste sie hervor. Ein Teil von ihr wollte es sagen, auch wenn der andere sich irgendwie dagegen weigerte. Also stockte sie…

Dennoch schien er zu verstehen; auch wenn ein schwaches Nicken alles war, was sie bekam. Sie war sich nicht einmal sicher, ob es abwertend war oder sie zum Schweigen bringen sollte. Wirklich dankbar war es jedenfalls nicht.

Und trotzdem war es mehr, als sie erwartet hatte. Jedenfalls von ihm.

Ein kleiner Lichtblitz an der Tür unterbrach ihr Schweigen und die damit verbundene, unangenehme Stille im Zimmer. Sekunden später, erschien ein Tablett auf dem Boden vor der Tür: Gefüllt mit Saft, Kaffee, Brötchen, Obst und etwas Belag.

Mione fuhr entsetzt hoch. „Malfoy, das hier ist kein Hotel!", fauchte sie und sprang ebenfalls aus dem Bett. „Unsere Hauselfen haben anderes zu tun, als dich hier zu bedienen."

Er schnappte sich das Tablett und stellte es mit einem Grinsen auf dem Bett ab. „Granger, du wirst es nicht glauben, aber sie machen es freiwillig. Sie machen es, um ganz genau zu sein, bei jedem Lehrer, der nicht zum Frühstück erscheint!"

Der Lockenschopf starrte den Blonden einen Augenblick ratlos an.

„Lass mich raten, du hast das Frühstück noch nie verpasst?"

Sie errötete, zupfte sich am Shirt herum. Nein, das hatte sie tatsächlich noch nie…

Mit einem Grinsen ließ der Blonde sich wieder auf das Bett fallen und nahm sich einen Schluck Kaffee. „Hab ich´s mir doch gedacht."

Grummelnd ließ sie sich ebenfalls nieder, griff nach einem Croissant und etwas Honig. „Ich frage gar nicht erst, warum da zwei Tassen sind", sagte sie abwertend zwischen zwei Bissen. „Und eine Portion die locker für drei reichen würde."

„Weil du hier bist", gab er matt zurück, bedachte sie jedoch mit einem strafenden Seitenblick. „Hauselfen wissen das ganz genau, und du weißt das auch. Hör endlich mit deinen Eifersüchteleien auf."

„Ich bin NICHT eifersüchtig", konterte sie errötend. Nein, das war sie nicht wirklich. Oder doch?

„Wie auch immer", sagte er und nahm sich das zweite Croissant.

„Hey", rief sie mit vollen Backen.

„Was?"

Sie kaute schnell und schluckte alles herunter. „Das wollte ich."

Er zog mal wieder seine Augenbraue hoch. „Jetzt hab ich es aber."

„Seit wann esst ihr Kerle Croissants?"

„Seit wann frisst du wie Wiesel?"

Fluchend schlug sie nach ihm. „Ich fresse gar nicht wie Wiesel…", gab sie zurück, er begann schallend zu lachen und sie schlug erneut nach ihm. „RON! Du bist so ein Arschloch, Malfoy." Grummelnd goss sie sich ebenfalls etwas Kaffee ein und lehnte sich mit der Tasse zurück.

„Versau mir nicht das Bett, Granger", mahnte er.

Hermione lehnte sich in die Kissen, schenkte ihm einfach nur einen strafenden Blick. Es brauchte etwas Kraft, um sich selber davon abzuhalten ihn nicht erneut zu schlagen…

„Wag es dich und ich breche dir alle zehn Finger", schien er ihre Gedanken zu lesen und angelte sich ein Glas Saft; wobei das Tablett extrem ins Schwanken geriet. Doch er brachte es blitzschnell wieder zurück in die Gerade.

„Wage es dich und ich breche dir alle elf", hauchte sie zuckersüß grinsend.

Malfoy bedachte sie mit einem undeutbaren Funkeln. Jedoch sagte er zu ihrer Enttäuschung nichts, langte schweigend nach einem Brötchen und versuchte es möglichst krümmelfrei zu belegen - was ihm tatsächlich annähernd gelang.

„Versau das Bett nicht, Malfoy", ahmte sie ihn herausfordernd nach.

„Die Hauselfen richten das eh", flüsterte er amüsiert.

Nun war es an Mione bitter zu lachen. „Mich wundert es, dass Dobby und die anderen dir überhaupt behilflich sind."

Doch zu ihrer Überraschung stimmte der Blonde mit in das Lachen ein. „Mich auch", flüsterte er und sie runzelte leicht die Stirn.

„Er versucht es sich nicht anmerken zu lassen, aber jedes Mal wenn sich unsere Wege kreuzen, murmelt er die wüstesten Schimpfwörter vor sich hin", sagte er sichtlich amüsiert. „Aber, wer kann es ihm verübeln?"

„Ganz genau", gab sie zurück. „So wie ihr ihn behandelt habt! Harry hat mir genau erzählt, dass er geschlagen wurde."

Malfoy nickte. „Oh ja…"

„Natürlich hast du nicht einmal eingegriffen, richtig? Hast wahrscheinlich sogar noch mitgeprügelt", knurrte sie und spürte, dass sie sich in Rage redete.

„Ja und nein Granger. Ich gebe zu, ich war nie fair zu ihm. Geprügelt hat allerdings nur mein Vater. Und er hat so ziemlich alles verprügelt, was ihm in den Weg kam. Einschließlich mich…"

Noch während sie nach einem Stück Obst griff hielt sie inne, sah ihn entsetzt an. Gut, Ron hatte so etwas Mal im Scherz gesagt, doch niemals hätte sie geglaubt, dass Malfoy Senior tatsächlich auch seinem Sohn gegenüber handgreiflich geworden war.

„Hast du niemals-", begann sie langsam, fand jedoch nicht die richtigen Worte.

„Was? Mit Dumbledore gesprochen? Mit meiner Mutter?", setzte er ihren Gedanken fort. „Meine Mutter wusste es und nur durch ihre Hilfe, schaffte ich es immer wieder halbwegs in einem Stück in mein Zimmer zu flüchten. Doch du kennst meinen Vater, Granger. Wenn er eines kann, dann ist es sich den Kopf aus der Schlinge zu reden. Es hätte nichts gebracht, mit Dumbledore oder irgendjemandem darüber zu sprechen."

Immer noch sprachlos starrte sie ihn weiterhin an. Schüttelte schließlich ungläubig den Kopf.

„Das ist Vergangenheit, Granger. Also krieg dich ein", wisperte er schließlich und lehnte sich wieder entspannt zurück.

Jedenfalls wirkte es so…

Doch in Anbetracht all der Masken, die dieser Mann zu tragen schien, war sie sich da alles andere als sicher. Um ehrlich zu sein, war sie aktuell unsicherer denn je…

-v-

„Glücklicherweise gelang es Harry Potter im zweiten Schuljahr diese zu finden und das Monster, welches sich als Basilisk herausstellte, unschädlich zu machen", beendete Hermione den Satz und sah dann in die Klasse auf.

Tim Speistner, Ravenclaw des dritten Jahrganges, riss augenblicklich, die Hand in die Höhe; und zwar so enthusiastisch, dass er selbst ihr in besten Jahren Konkurrenz machte.

„Ja, Mister Speistner?"

„Wo genau findet sich die Kammer des Schreckens?"

Mione zog skeptisch eine Augenbraue hoch. „Das spielt keine Rolle, Mister Speistner. Sie wurde geräumt und versiegelt. Dort befindet sich nichts mehr, was von Belang oder Gefahr wäre."

Langsam schlug sie das Buch zu, legte es neben sich auf das Pult und wandte sich dann erneut an die Klasse. Keine zehn Minuten mehr bis Unterrichtsschluss, natürlich würde sich nun niemand mehr melden.

„Sonst noch irgendwelche Fragen?", warf sie dennoch in die Runde.

Und zögernd hob Hannah Spencer das kleine Händchen.

„Miss Spencer?"

„Geht es Mister Malfoy gut?"

Mione fuhr fluchend zusammen. Sie wusste nicht, wie oft sie diese Frage heute schon gehört hatte. Gemeinsam mit den wildesten Gerüchten, die dem unschönen Vorfall entsprungen waren. Natürlich bewegte sich kein einziger auch nur annähernd an dem, was tatsächlich passiert war.

„Als ich ihn heute Morgen gesehen habe, ging es ihm gut. Allerdings kann ich Ihnen versichern, dass der Irrwicht Mister Malfoy weder angegriffen hat, noch irgendwelche Todesnachrichten ausgesprochen wurden. Für alle weitere Fragen, wenden Sie sich doch bitte an Mister Malfoy selber: Was übrigens äußerst taktlos wäre. Denn es geht Sie alle nichts an!", schnaubte sie matt und dennoch mit einer deutlichen Portion Wut in der Stimme.

„Genau aus diesem Grund wollten wir Sie fragen, Professor", flüsterte Ivette Chantell, Slytherin Jahrgang drei, leise.

„Wie überaus taktvoll von Ihnen", gab sie schneidend zurück. „Für mich war der Vorfall ebenso unschön, wie er für alle Beteiligten war. Aber, wie Sie sehen geht es uns allen gut."

„Nicht deshalb. Sondern, wegen Ihnen und Mister Malfoy", fuhr Chantell fort und einige der Mädchen rissen erwartungsvoll die Augen auf.

„Worauf genau, wollen Sie hinaus?", fragte Mione verblüfft; es schellte und dennoch blieben alle Schüler gebannt auf ihren Plätzen sitzen.

Speistner räusperte sich und fuhr zu ihrer Überraschung fort. „Na ja, da waren diese Gerüchte. Mit Ihnen und Mister Malfoy."

„Was für Gerüchte?" Gott, sie hatte mitbekommen, dass man sie merkwürdig gemustert hatte und auch dass ab und an Getuschelt wurde, wenn sie den Schülern über den Weg lief. Aber, das war doch immer der Fall; oder etwa nicht?

„Ihre Streitigkeiten? In der großen Halle und dann auf dem Feld", sagte nun wieder Chantell. „Da wurde halt rum erzählt, sie wären zusammen oder so was."

„Zusammen?", rief sie entsetzt. Sie wusste nicht warum genau: Weil sie so verdammt nah dran waren oder so verdammt weit daneben lagen. „Ich bin verlobt!"

Einige Mädchen wurden entsetzlich bleich. Und erst Sekunden später, wurde dem Lockenschopf bewusst warum.

„Nicht mit Mister Malfoy verdammt", fügte sie also schroff hinzu.

Die Schüler starrten sie einen Moment schweigend an und Mione holte tief Luft und nutzte die Zeit, um sich zu fassen. Passierte so was nicht ständig an Schulen weltweit? Dass man gleichaltrigen Lehrern und Professoren wilde Liebeleien andichtete?

„Nun ja, wie auch immer. Auch wenn es Sie nicht das Geringste angeht, kann ich Ihnen versichern, dass da nichts zwischen mir und Mister Malfoy ist." Beinahe hätte sie ein verräterisches „beziehungstechnisch" hinten angehangen. Sie wusste zwar nicht, wie weit Drittklässler das deuten würden und konnten, aber sie war froh, dass sie es hatte vermeiden können.

Spencers Hand schoss erneut hoch; dieses Mal sogar noch zögerlicher, als zuvor.

„Ja?", fragte Mione knarrend; die klang fast wie Snapes alte Kerkertür.

„Stimmt das mit Mister Malfoy und Naomi Reed?"

Mione atmete tief durch, versuchte die Fassung zu bewahren.

„Raus! Alle!", schnaubte sie dann…


Vorschau:

Er runzelte die Stirn. „Du hast noch 4 Minuten Granger", sagte er dann, während sie gemeinsam durch die Eingangtür ins Freie gingen.

Mione schnaubte leise auf. Wollte wieder einmal protestieren, weil er so entsetzlich verschlossen war. Natürlich waren sie keine Freunde, würden es wahrscheinlich auch niemals werden. Aber, zwischen ihnen hatte sich soviel verändert, wie sie sich beide in den vergangenen sieben Jahren geändert hatte.


Hallöchen ihr Lieben… Wieder einmal sind vier Tage vergangen, in denen ich nur sehr spärlich vorangekommen bin. Was bedeutet, dass ich auch in der kommenden Woche nur zweimal Updaten werde… *grummel*

Naja, schreibtechnisch bin ich jetzt beim Kapitel 36… Ich nähere mich der letzten Runde, aber ich schätze diese Geschichte wird trotzdem mehr als 40 Chapter umfassen… Ich hoffe und denke jedoch, es wird euch nicht stören… ;) *lol*

Wie immer DANKE an alle Still- und Lautleser natürlich… ;) Ich knuddel euch alle…

HexenLady: Das wage ich bei mir zu bezweifeln, denn ich mache mich gerade langsam aber sicher selbstständig… ;) Was mich jedoch nicht unterkriegt… *lol* Und ja, ich denke das merkt man… hehe… ;)

Anna: Es freut mich, dass dir das letzte Chap so gut gefallen hat. Und ich hoffe, das jetzige gefällt dir auch… ist irgendwie eines meines liebsten, bisher… :) Weiß auch nicht warum…

Twe3ty: Schön, dass du hierher gefunden hast… und ja: Ich finde Draco auch… *sabber* *lol*

Die-na: Na, dann lasse ich es dir ausnahmsweise mal durchgehen und liefere *schnell* was neues… *lol* ;)

One77: Ach, keine Sorge… Kam auch so an… :) Und ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, ob ich geblieben wäre. Naja, ist halt Malfoy… Da hätte ich wahrscheinlich sogar Bammel zu bleiben, wenn er ausdrücklich fragt… *lol* Aber, ich bin ja auch nicht Mione… ;)

Dracos CoffeGirl: Nee, Rückschritte gibt´s bei mir nicht… ;) *lol* Hoffe auch dieses Chapter hat dir gefallen… :)

Hatte82: Ojee… Aber, die Ritzen sich doch nicht wirklich, oder? *lol* Okay, dumme Frage… Die sind ja auch nicht *wirklich* schwul… ;) Ich denke übrigens, die könnten das mit beiden Sachen machen… Mit dem Riktusempra-Zauber können die sich aber gleich ganz aufschlitzen… warum also *nur* die Pulsadern? *bähundbibber*