32. Fernsucht und Sehnweh…

Gelangweilt und unruhig hockte sie am Samstagabend gemeinsam mit Neville im Gemeinschaftsraum, den dieser mit Hooch und Robin Keys, seit zwei Jahren ebenfalls Lehrer für Muggelkunde und Geschichte der Zauberei, teilte.

Seit dem gestrigen Abend, hatte sie sich regelrecht an ihrem ehemaligen Klassenkameraden gehangen, um ihre Zeit – und auch ihr ungutes Gefühl und den Frust – totzuschlagen. Natürlich hätte sie auch zu den Weasleys fahren können; Molly hatte sogar damit gerechnet. Doch sie hatte das Quidditchspiel vorgeschoben, da sie sich nicht eher als unbedingt nötig in Rons Nähe begeben wollte.

Es war wirklich lächerlich. Obwohl lächerlich wohl auch kein passender Ausdruck mehr für diese Situation war. Es war eindeutig schon erbärmlich. Sie ging ihrem Verlobten aus dem Weg, obwohl sie eigentlich mit ihm reden sollte.

Darüber, dass sie diese Hochzeit alles andere als wollte. Dass sie gerade nicht einmal mehr sicher war, ob sie ihn noch an seiner Seite wollte. Als Partner, versteht sich. Irgendetwas in ihr, klammerte sich geradezu an Ron – als Freund. Doch sehr wahrscheinlich hatte sie diese Freundschaft für immer auf´s Spiel gesetzt, als sie sich vor all diesen Jahren auf mehr eingelassen hatte.

Nicht dass sie es bereute, sie hatten verdammt schöne Zeiten gemeinsam erlebt. Aber, sie hatte entsetzliche Angst Ron komplett zu verlieren: Was wahrscheinlich der Fall sein würde, wenn sie die Schritte ging, die sie tief im Innersten für richtig hielt.

Dennoch musste sie diesen besagten Schritt gehen. Rechtzeitig, also besser noch bevor Molly glückselig das Aufgebot bestellt hatte. Mione hoffte, es war noch nicht zu spät…

Mit Abstand, war dieses hier wahrhaftig das schlimmste Wochenende ihres Lebens. Irgendetwas in ihr brüllte sie unentwegt an klar zu werden; während etwas anderes flüsterte sie solle sich verkriechen. Und wieder ein ganz anderer verrückter Teil von ihr zerbrach vor Wut und Frust darüber, dass sie hier in Hogwarts hockte, während Malfoy mit Daria und Zabini am anderen Ende der Welt ausgelassen Party machte.

Wo zur Hölle lagen ihre Prioritäten?

Noch nicht einmal das heutige Quidditchspiel hatte sie genießen können: Und es war ein tolles Spiel gewesen. Alle Spieler hatten fantastische Leistungen auf dem Feld gezeigt und der Sieg der Gryffindor war so knapp wie schon lange nicht mehr gewesen. Das Schulstadion hatte getobt; doch Mione war sich zwischen McGonagall – die vor Stolz beinahe über sich hinauswuchs – und Neville entsetzlich fehl am Platz vorgekommen.

„Schach", verkündete ihr Gegenüber grinsend und Mione zog überrascht eine Augenbraue hoch.

Sie war in ihren Jahren mit Ron zu einer ziemlich guten Schachspielerin geworden. Um ehrlich zu sein, konnte ihr momentan nur Ron das Wasser reichen. Was überwiegend daran lag, dass sie in den vergangenen zwei Jahren ihre gemeinsame Freizeit größtenteils mit Schachspielen verbracht hatten.

Es war wirklich ein Armutszeugnis…

Mit einem Seufzen ließ sie ihren Blick über das Spielbrett wandern. Neville hatte sie wirklich eingekeilt. Es gab keinen Weg zurück, keine Lösung. Sie würde verlieren.

„Bauer auf D1", sagte sie und ließ dem Geschehen seinen freien Lauf.

Triumphierend setzte Neville sie Schach matt und seine Königin zerschlug ihren König in unzählige, kleine Splitter.

„Möchtest du eine Revanche?"

Der Lockenschopf seufzte, blickte auf die Uhr über dem Kaminsims. Es war jetzt zwanzig nach neun; warum wollte die Zeit heute nicht vergehen?

„Nein. Nicht heute jedenfalls. Ich bin müde…", gab sie schließlich zurück und richtete sich langsam auf.

Nevilles Gesicht verfinsterte sich etwas; jedoch eher besorgt als erbost. „Du bist doch nicht etwa sauer, weil ich dich geschlagen habe?", fragte er vorsichtig.

Mione lachte leise auf, schüttelte schwach den Kopf. „Nein, nicht im Geringsten. Ich bin nur wirklich erschöpft und muss noch Prüfungshefte korrigieren."

„Viele?"

„23 Stück", knurrte sie frustriert.

Ja, sie war frustriert. Weil sie hier in Hogwarts hockte, Zauberschach mit Longbottom spielte und den Rest ihres Abends mit der Korrektur von schlechten Texten über Nicolas Flamel verbringen musste; während Daria bestimmt einen Heidenspaß in L.A. hatte.

Er kräuselte verständnisvoll die Stirn. „Bis Montag?"

Sie schüttelte den Kopf. „Nein, aber da ich nächste Woche eine weitere Prüfung schreiben lasse, möchte ich heute und morgen noch mindestens runter auf 15."

Mit einem Nicken begann Neville die Figuren zurück in die kleine Holzschatulle zu räumen.

„Soll ich dir helfen?", fragte Mione.

Er sah lächelnd auf. „Nein, das schaffe ich schon. Geh du nur."

Mione nickte und verließ mit hängenden Schultern den Gemeinschaftsraum.

-v-

Missmut war eine untertriebene Beschreibung ihrer Laune, als sie am Sonntagmittag verspätet im kleinen Ladenlokal – in dem früher Zonkos zu finden gewesen war – ankam.

Seufzend ließ sie dir Tür zu Weasleys neuer Zweigstelle bimmelnd hinter sich zufallen und blickte etwas unschlüssig in die Runde, die eher einem Tumult glich. Überall quetschten sich Kinder und Jugendliche zwischen den Regalen neben- und scheinbar auch übereinander und stöberten begeistert durch das aktuellste Sortiment.

Am hinteren Ende, dort wo sich die Kassen befanden, war ein großes Banner drapiert. Es zeigte das Weasley typische W, welches alle weasleyeigenen Scherzartikel zierte. Vor dem Banner hatten sich zahlreiche ältere Gäste versammelt und schlürften ein merkwürdig bläulich aussehendes Gebräu: Da allerdings nichts Ungewöhnliches mit ihnen passierte, vermutete Mione, dass es sich – gegen aller Erwartungen – um handelsüblichen Saft, Sekt oder ähnliches handelte.

Suchend blickte sie sich in dem, rund einhundert quadratmetergroßen und gerade maßlos überfüllten, Lädchen um und suchte nach einem bekannten Gesicht oder Haarschopf. Mione runzelte die Stirn, als ihr Blick an einem Zwillingspärchen hängen blieb, das gerade eindeutig eine nicht bezahlte Schachtel Kotzpastillen aufriss.

Sie öffnete den Mund um etwas zu sagen, doch eine junge Blondine kam ihr zuvor. Ihr tadelloser Hinter steckte, gemeinsam mit ihren langen schlanken Beinen, in einer perfekt sitzenden Jeans; während ihr zierlicher Oberkörper in einem eng anliegenden Streifenpulli steckte. Das Haar fiel ihr in großen, blonden Locken über Schultern und Rücken.

„Erst einmal werdet ihr das bezahlen, Jungs", tadelte die junge Frau die Zwillinge, die sofort ertappt zusammen zuckten.

„Wir wollten es nur probieren", flüsterte einer der Jungen kleinlaut.

„An der Kasse liegen kostenlose Proben. Diese Packung werdet ihr aber trotzdem kaufen müssen", sagte sie und verschränkte grinsend die Arme vor der Brust. Die beiden Jungen begangen mit entsetzter Miene ihr spärliches Kleingeld zu zählen. „Oder fragt einfach Ron oder George. Vielleicht drücken die ja heute ausnahmsweise ein Auge zu."

Die Jungen nickten und schlichen dann langsam zur Kasse.

„Es ist immer das Selbe, nicht?", lachte die Blondine mit freundlich funkelnden, kornblauen Augen und wandte sich vollkommen überraschend an Hermione, die immer noch ziemlich unbeholfen vor der Tür verharrte.

„Ohje, wie unprofessionell von mir", lachte sie dann. „Herzlich willkommen bei Weasleys. Vorne an der Kasse finden Sie kostenlose Proben und zur Feier des Tages kann ich Ihnen ein Gläschen Sekt anbieten", dabei zwinkerte sie ausgelassen und hielt ihr ein Tablett mit dem blauen Gesöff entgegen: „Weasley verfeinerten Sekt, versteht sich."

„Vielen Dank", gab Mione lächelnd zurück, trat näher an ihr Gegenüber heran, nahm sich ein Glas und nippte äußerst vorsichtig daran. „Ich bin eine Freundin der Familie, daher weiß ich, dass Weasley verfeinert oftmals Grund zur Vorsicht bedeutet", erklärte sie schmunzelnd.

Die Unbekannte war fast einen Kopf kleiner als sie und wirkte, sicherlich nicht zuletzt ihrer weichen Gesichtszüge und der großen blauen Augen wegen, fast wie eine Elfe.

„Na, sagen Sie das doch gleich", lachte die Blondine. „dann gibt´s für Sie normalen Sekt im hinteren Ladenbereich", fügte sie an und griff andeutend nach dem Glas in Miones Hand.

Diese schüttelte den Kopf. „Ich mag das Abenteuer."

Die Blonde lachte, nahm sich ebenfalls ein Glas. „Na dann Prost!"

Nun musste auch der Lockenschopf lachen. „Was bewirkt das blaue Zeug?", fragte sie dann vorsichtig.

Die kleine Elfe drehte sich kurz in Richtung der Kasse um und linste scheinbar prüfend über ihre Schulter. „Angeblich soll er nicht nur betrunken, sondern auch noch High machen."

Mione musterte kritisch das Glas in ihrer Hand. Bisher spürte sie nichts. „Nicht doch", lachte Mione und erhaschte mit Entsetzten den aktuellen Minister der Zauberwelt, der gerade lachend mit harr anstieß. „Ist das etwa der Minister?", fragte sie mit großen Augen.

Die Blondine folgte ihrem Blick. „Oh ja. Aber, er wurde gewarnt. Auch er scheint das Abenteuer zu mögen."

„Na, dann hoffe ich, dass er es später nicht bereuen wird."

„Oh, das wird er wahrscheinlich", gab die Blondine kichernd zurück und Mione konnte nicht anders als ebenfalls leise mit einzustimmen. „Das werden wir ganz sicher alle."

„Wie unhöflich übrigens, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt: Carla Tasch", sagte die Blonde plötzlich und streckte ihr grinsend die Hand entgegen.

Mione fühlte sich einen Moment wie vom Zug angefahren. Carla… Die kleine süße Carla, die George und Ron bereits am vergangenen Wochenende erwähnt hatten… Carla, bei dessen Erwähnung Rons Wangen verräterisch geglücht hatten.

„Mione… Einfach Mione", gab sie schließlich schwach zurück und drückte die zarte kleine Hand wahrscheinlich eine Spur zu fest.

Doch Carla verzog nicht die geringste Miene. „Carla. Hier sind ja eh alle beim du, nicht?"

Hinter ihnen öffnete sich bimmelnd die Tür und ein kleiner dicker Mann betrat den Laden. Um seinen fetten Hals hing eine altmodische Kamera. Seinen großen, runden Kopf zierte ein merkwürdiger Fliegerhut.

„Harald Colederer, vom Tagespropheten. Ich suche Ronald und George Weasley", sagte er schließlich

Carla nickte augenblicklich überschwänglich und trat näher an den Mann heran. Dabei legte sich ein geradezu strahlendes Lächeln auf ihr zartes Gesicht. Mione meinte, es hatte sich besonders bei Rons Namen erhellt.

„Sehen sie den Rotschopf da vorne links?", fragte sie an den Dicken gewandt.

Er nickte und setzte sich in Bewegung, bevor eine von ihnen überhaupt Anstallten machen konnte ihm zu folgen oder zu begleiten.

Carla zuckte schwach mit den Schultern und wandte sich dann wieder an Mione.

„Du arbeitest also hier?", fragte der Lockenschopf.

„Ja… Ich liebe Scherzartikel", schmunzelte die Blonde und sah sich beinahe ehrfürchtig in dem Lädchen um, „und ich liebe diesen Job. Ron und George sind einfach fantastisch."

Mione starrte ihr Gegenüber eindringlich an. Eindeutig: Als sie Rons Namen erwähnt hatte, hatten ihre Wangen sich verräterisch verfärbt. Und um dem Ganzen auch noch die Krone aufzusetzen, starrte sie ihn einen Moment beinahe sehnsüchtig an, als er gemeinsam mit George auf sie zukam.

„Mione Süße, kommt Malfoy?", warf ihr George auch schon auf halber Strecke entgegen und scheinbar drehten sich für den Bruchteil einer Sekunde alle nach ihr um.

Ihre innere Stimme lachte und nun war es an ihren Wangen, verräterisch zu brennen. Es war doch wirklich erstaunlich, was ein einziger Name so alles bewirken konnte. Auf sie, aber auch auf alle Umstehenden.

Wenn auch aus anderen Gründen…

„Oh. Sie sind Hermione Granger?", fragte Carla neben ihr heiser und in ihrem Gesicht lag etwas Ertapptes.

Mione versuchte es zu ignorieren. Denn neben Georges fragendem Blick, lagen erschreckender Weise wirklich alle Blicke auf ihr. „Nein. Er ist in L.A.", brachte sie schwach heraus.

Das Gesicht des Reporters schien sich enttäuscht zu verdunkeln, während dass Gesicht eines kleinen Mannes, der neben George herging, sich extrem erhellen zu schien. Sie überlegte einen Moment angestrengt. Der Mann kam ihr irgendwie bekannt vor, doch der Groschen wollte einfach nicht fallen.

Ron lachte gehässig auf. „War ja klar."

Sie runzelte die Stirn. „Was war klar? Ich habe niemals gesagt, dass ich ihn herbringen würde."

„Also ist Draco Malfoy heute nicht anwesend?", fragte der Reporter schroff.

„Nein", flüsterte der Lockenschopf, doch ihre Antwort ging im Stimmengewirr unter, welches augenblicklich wieder einsetzte. Mit einem Augenrollen und zitternden Händen leerte sie das Glas mit dem blauen Gesöff in einem Zug und nahm sich ein weiteres.

„Wir haben den Minister und Harry Potter", hörte sie George sagen, während der andere Mann verkündete, dass Malfoy wohl aber auf jeden Fall zur Eröffnungsgala von Huxleys erscheinen würde.

Plötzlich dämmerte es ihr. Der kleine Dunkelhaarige neben George war Will Huxley, Sohn des aufsteigenden Huxley-Imperiums.

„Was macht er hier?", fragte sie schließlich, als nur noch sie, Ron und Carla alleine und unbeachtet im Eingangsbereich standen.

Ron schien etwas antworten zu wollen, doch die Blonde kam ihm zuvor. Benommen musterte sie das fast leere Tablett in ihrer Hand.

„Ich gehe neuen Sekt holen", flötete sie mit sichtlich erhitztem Gesicht und verschwand ebenfalls nach hinten.

Mione senkte den Kopf, blickte starr zu Boden.

Und scheinbar tat Ron es ihr gleich.

Schließlich, nach mehreren Minuten des Schweigens, blickte sie wieder auf, nahm einen kleinen Schluck Sekt. „Das ist also Carla."

Ron zuckte bei ihren Worten sichtlich zusammen. „Ja, und?", fragte er dann versucht gleichgültig. Doch es misslang ihm.

„Ich habe das Gefühl, sie hat eine Schwäche für dich." Ihre Stimme klang überraschend bitter.

Rons Augen weiteten sich, während seine Wangen sich röteten. „Meinst du wirklich?"

„Ron", fauchte Mione, versuchte gegen die Klammer anzukämpfen, die sich in ihr Innerstes bohrte.

Seine Mine verhärtete sich und er wich ihren Blicken aus.

Mit einem Seufzen sah sie sich ebenfalls um. „Ist das alles, was du dazu zu sagen hast? Nichts?"

Er sah sie an. Scheinbar tatsächlich überrascht. „Was soll ich dazu sagen? Was kann ich dafür, wenn sie eine Schwäche für mich hat?"

Mione nickte, spürte die Wut aufsteigen. „Niemand sagt du sollst dich rechtfertigen. Doch, du könntest wenigstens etwas sagen, was mich…" Sie schüttelte über ihre eigenen Worte ungläubig den Kopf. „… beruhigt vielleicht?"

Ein bitteres Lachen. „Wozu? Das ist doch lächerlich?"

„Warum ist es das? Weil es mich nicht kalt lässt, dass du mit einer schönen, jungen Frau zusammenarbeitest, die dich ganz offensichtlich anhimmelt?"

‚Warum auch immer', fügte ihre innere Stimme gehässig hinzu. Doch Mione zog es vor, sie wenigstens für diesen einen Moment zu ignorieren.

Der Rotschopf schüttelte den Kopf. In seiner Miene lag etwas ungemein Genervtes.

„Dich schert es also nicht, dass ich jeden Tag mit ziemlich attraktiven Männern zusammen bin? Sogar jede Nacht?", fragte sie schneidend und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Ich vertraue dir halt… Und außerdem: Attraktiv? Sprichst du etwa von Neville?", gab er spöttisch zurück.

Sie sog schneidend die Luft ein. „Ich spreche von Malfoy, Zabini oder auch Robin."

Er lachte laut auf. Nein, eigentlich lachte er sie aus. „Ich bitte dich Mione. Hör auf dich selber zu überschätzen."

„Bitte was?"

Ron holte tief Luft. „Die sind doch alle außerhalb deiner Reichweite. Selbst Zabini und Robin. Von Malfoy mal ganz zu schweigen…"

Sie schüttelte heftig lachend den Kopf, sah ihn dann aus tiefdunklen Augen an. „Du vertraust mir nicht Ronald Weasley: Du traust mir nichts zu. Und du nimmst mich kein Bisschen ernst."

„Merlin, Mione. Jetzt komm mal wieder runter."

„Du würdest es mir nicht einmal zutrauen, wenn ich hier mit einem von ihnen vor deinen Augen rumknutschen würde. Nackt!"

Ein erneutes Lachen. „Du machst dich gerade echt lächerlich…"

Plötzlich kam es wie ein Inferno über sie. Siedendheiß durchfuhr es ihre Glieder und sie benötigte all ihre Kraft, um dagegen anzukämpfen. Und dennoch schossen ihr einige, verräterische Tränen in die Augen. Um sie zu verdrängen nahm sie einen weiteren, großen Schluck des Gesöffs.

„Ich denke, wir sollten diese Hochzeit erst einmal auf Eis legen, Ronald. Vielleicht sogar für alle Zeit", flüsterte sie dann, während sie auf ihn zutrat. Ihr Herz raste entsetzlich, schien in ihrem Brustkorb Purzelbäume zu schlagen.

Doch endlich war es raus…

„Du bläst die Hochzeit ab? Wegen so was?", gab er barsch zurück.

Mione schüttelte schwach den Kopf, stellte das fast leere Glas auf einem Regal in Reichweite ab. „Nein Ron. Ich blase das alles ab, weil wir ganz eindeutig erst einmal einige Dinge für uns selber klären sollten. Etwa, ob wir das hier wirklich noch wollen. Und ob wir wirklich noch das für einander empfinden, was für eine gemeinsame Zukunft von Nöten ist."

Ein Schnauben. „Das ist echt lächerlich."

Nickend wich sie zurück. „Genau das meine ich. Du nimmst mich immer noch nicht ernst. Du respektierst mich nicht mehr. Dabei weißt du ganz genau, dass wir nicht mehr funktionieren. Und ganz ehrlich Ron, ich denke nicht, dass wir irgendwann wieder funktionieren werden."

„Wir funktionieren nicht mehr", ahmte er sie schneidend nach, verdrehte die Augen und wandte sich ab.

Mione hielt ihn am Arm zurück. „Was soll das Ron? Sieh mich wenigstens an und sage mir was du denkst. Wenigstens dieses eine Mal seit langer Zeit."

Mit funkelnden Augen wirbelte er erneut herum und riss sich grob von ihr los. „Du willst alles überdenken? Das klingt nach Trennung, Hermione!" Seine Stimme überschlug sich fast, einige der Umstehenden verstummten in ihren Gesprächen und sahen beschämt zu Boden.

„Vielleicht ist es das", sagte sie.

Rons Miene verdunkelte sich noch etwas mehr. Natürlich wusste er wovon sie sprach. Doch er würde es nicht zugeben. „Dann ist es das wohl", schnappte er hart.

Sie fuhr zusammen, strich sich eine verirrte Locke hinters Ohr. Dabei wurde ihr bewusst, wie stark sie zitterte. „Du bist wütend", stellte sie leise fest.

Natürlich hatte sie eine derartige Reaktion erwartet und trotzdem wusste sie nicht im Geringsten damit umzugehen.

„Natürlich bin ich wütend", brachte er leise und zischend hervor. „Du hättest keinen besseren Zeitpunkt finden können, um mir das zu sagen, richtig? Es musste heute sein: Bei unserer Eröffnung, wo ein ganzer Haufen Fremde und Geschäftspartner anwesend ist."

Während er sprach wurden ihr die Blicke der anderen umso bewusster. Hermione senkte den Blick, starrte zu Boden. „Es tut mir leid. Aber, ich denke das ist gerade wirklich das Beste", flüsterte sie, wollte eigentlich weiter sprechen, doch er fiel ihr ins Wort.

„Es tut dir leid", lachte er leise und doch bitter.

„Ron bitte. Ich gebe dir recht, dass hier ist ein erdenkbar falscher Moment. Doch jetzt tu nicht vollkommen überrascht", gab sie zurück.

Seine Augen verengten sich zu Schlitzen. „Noch vor zwei Wochen wolltest du mich heiraten."

Sie wich nickend und beinahe gehässig grinsend zurück. „Oh ja. Genauso sehr, wie du es wolltest. Ron, jetzt machst du dich lächerlich!"

Er schüttelte den Kopf, aus den Augenwinkeln sah sie George langsam näher kommen. Sein Gesicht war besorgt und dennoch ungewöhnlich ernst.

„Leute, ich will euch ja nichts. Aber, muss das wirklich jetzt und hier sein?", flüsterte er und umfasste Ron hart und doch sichtlich stützend am Schulterblatt.

Ron schüttelte schwach den Kopf. „Sie wollte eh gerade gehen."

Überrascht und dennoch irgendwie erleichtert zugleich sog sie die Luft ein. Georges Blick lag besorgt auf ihr. Doch schließlich nickte sie schwach. „Ich wollte gerade gehen."

Mit diesen Worten machte sie langsam auf dem Absatz kehrt, versuchte ihre zitternden Beine zu ignorieren und zurück zum Schloss zu kommen. Dabei schienen ihre Gedanken sich zu drehen.

Sollte in diesem Moment nicht eigentlich eine Last von ihr abfallen? Sollte sie nicht das Gefühl von Freiheit überkommen? Erleichterung?

Unbehaglich drehte sie sich um, warf einen letzten Blick auf das Gebäude hinter ihr. Ihre Augen begannen zu tränen, als sie am typischen W für Weasley, welches übergroß über dem Eingang prangerte, hängen blieb.

Und mit jedem Schritt, mit dem es sich entfernte, fühlte sie sich weniger frei und alles andere als erleichtert. Und sie wusste nicht, ob es daran lag, dass es einfach noch zu früh für die fallende Last war; oder weil sie befürchtete mit Ron auch einen großen Teil ihres Lebens zurück zu lassen. Und ihrer Freunde.

Denn obwohl sie es insgeheim eigentlich erwartet hatte, folgten ihr weder Ginny, noch Harry…


Vorschau:

„Malfoy, könntest du?", fragte sie leise und hielt ihm kindlich das Glas entgegen. Dabei zitterte ihr Arm unter der spärlichen Last entsetzlich.

Ohne Widerworte richtete er sich auf, trat zu ihr herüber und nahm das Glas an sich. Eine Sekunde rechnete sie damit, dass er sich unbeholfen verhalten würde. Etwa, weil er sich noch nie in seinem Leben so etwas wie ein Wasserglas selber füllen musste. Doch er leerte es, spülte es und füllte es mit einer für Malfoy schon fast überraschenden Routine aus und reichte es ihr erneut.


Huhu ihr Lieben… Hier bin ich; heute sogar mal etwas eher als ich es selber erwartet hatte. Der Grund liegt unter anderen daran, dass mich am letzten Freitag – wirklich just nachdem ich gepostet hatte – die Muse küsste… *lol* Ich gehe also mal stark davon aus, dass ich diese Woche wieder zwei Chapter posten werde. Ich kann aber nicht versprechen, dass das jetzt auf Dauer so bleiben wird…

Danke übrigens für euer aller Verständnis… Und natürlich auch für die vielen lieben Nachrichten und Reviews… Meine Güte, ich war mal wieder echt baff… *freu* :) *kekseverteil*

Reviewtime:

Dracos CoffeeGirl: Siehst du das? Hehe… Na, ich sag dazu mal nix… Danke für den Keks… *mampf*

Die-na: Was so´n bissle Eifersucht bei euch allen bewirken kann? *lol* manman… ;)

HexenLady: Hey, das klingt ja super… Und, hat es geklappt? Hab dir extra doll die Daumen gedrückt… :)

Princess-Frances: Ja, ich bin auch niemand von der Draco-Softi Fraktion… Naja und wenn doch, dann muss es passen… Was aber immer sehr schwierig darzustellen ist… Dein aktuelles Chapter war auch ziemlich gut… Und wenn ich mich nicht verguckt habe, hast du ja bereits wieder gepostet.. :) Was machteigen deine neue Idee? :)

QueenB: Hehe… Ja, das denken wahrscheinlich gerade viele… Ich hab´s aber auch hinausgezögert… ;)

One77: Sehe ich genauso… Aber, pssst… ;) *lol*

DnA: Ja, den Streit mochte ich auch sehr gerne. Absurderweise schreibe ich das Gezicke auch am Liebsten… *lol*

Anna: Und wieder die Eifersucht… Hehe…Es freut mich, dass diese kleine Andeutung bei euch soviel Begeisterung ausgelöst hat… :)

Hattu82: Na, abwarten… Vielleicht passiert ja auch gar nix schlimmes und ich will ganz woanders hin? ;) War das jetzt eigentlich Sarkasmus oder keiner? *lol* Hast es echt geschafft mich zu verwirren, Sweety… ;)