33. Nichts als die Wahrheit
Mit schmerzenden Augen und merkwürdig vernebelten Sinnen, erreichte sie eine halbe Ewigkeit später endlich das Schlossgelände: Dabei hielt sie in der einen Hand ihre Jacke und in der anderen ihre Schuhe…
Nachdem sie sich über eine halbe Stunde nur sehr langsamen Schrittes vom Ladenlokal der Weasleys entfernt hatte, und ihr immer noch niemand ihrer ach so tollen Freunde gefolgt war, war sie so wackelig auf den Beinen geworden, dass sie sich kaum noch halten konnte.
Ganz offensichtlich hatte das giftblaue Gesöff gemischt mit der Kälte und dem Wechselbad ihrer Gefühle schlussendlich seine bahnbrechende Wirkung gezeigt. Und die war wirklich im wahrsten Sinne des Wortes berauschend.
Natürlich wunderte sie es nicht allzu sehr, dass sich sowohl Harry als auch Ginny in Anbetracht der Situation schwer damit taten Partei zu ergreifen oder einzuschreiten. Immerhin saßen beide im besten Sinne des Wortes zwischen den Stühlen. Ginny als ihre enge Freundin und Rons Schwester. Harry als ihr beider Freund; wobei die Bindung zwischen Ron und Harry in den vergangenen Jahren stärker als die zwischen ihr und dem Schwarzhaarigen geworden war.
„Verflucht", brachte sie keuchend hervor, als sie beim Versuch die letzten Meter der Ländereien halbwegs unbeschadet zu überstehen, über eine Wurzel stolperte. In ihrem Knöchel knackte es entsetzlich laut, als sie zu Boden ging.
Sie atmete einige Male tief durch und versuchte sich aufzurichten. Doch der Schmerz und der Schwindel warfen sie immer wieder zurück. „Scheiße, scheiße, scheiße", knurrte sie leise und immer wieder. Dabei warf sie ihren Kopf so heftig zurück, dass sich alles furchtbar zu drehen begann.
Stöhnend presste sie ihr Gesicht in ihre Hände. „Scheiße", flüsterte sie erneut und versuchte ihren Kreislauf und sich selber mit einigen, ruhigen Atemzügen zu beruhigen.
„Mione? Was´n los, Kind?"
Ertappt sah sie auf und so peinlich ihr die Situation auch war, sie war dennoch froh ihren hünenhaften Kindheitsfreund in der Dunkelheit zu erblicken.
„Hagrid", gab sie erleichtert zurück, „ich bin gestürzt."
Sekunden später war er bei ihr und zog sie kräftig aber bestimmt auf die wackeligen Beine. „Sag mal, bis du betrunk´n?", fragte er, während er sie zum Schlosseingang buxierte.
Mione lachte leise. „Wahrscheinlich. Ich hatte Weasley gepimpten Sekt", lachte sie bitter und versuchte, trotz der sich drehenden Welt, so gerade und erhaben wie nur möglich zu gehen.
„Oh ha", flüsterte der Hüne und hob sie mit Leichtigkeit die Stufen hoch.
Auf bedenklich wackeligen Sohlen durchquerten sie schließlich den Eingangsbereich. Irgendwie fühlte sich ihr Magen, nun wo wieder Wärme über sie hereinbrach, noch merkwürdiger und ziemlich flau an. Und das obwohl sie nicht wirklich viel getrunken hatte. Dennoch war sie mehr als den halben Rückweg nur vor sich hergestolpert.
Schwer atmend hielt sie am Treppenabsatz einen Moment inne und betete, dass sie in diesem Zustand nicht McGonagall oder Filch über den Weg laufen würde.
„Soll ich mit hoch komm´n? Du weißt ja, dass ich nich durch das Loch pass", sagte Hagrid neben ihr besorgt und mit schuldbewusster Miene.
Mione wollte gerade beruhigend mit dem Kopf schütteln, doch ein beinahe schriller Aufschrei unterbrach sie beide: Dieser stammte zu ihrer Überraschung von Daria, die gerade schnellen Schrittes ins Schloss stürmte.
„Mione? Was ist passiert?" Hektisch stellte die Schwarzhaarige ihren Koffer ab und sprintete offensichtlich so schnell sie konnte zu ihnen herüber. Aus den Augenwinkeln sah sie, dass Malfoy ihr langsam folgte.
Doch wo war Zabini?
Der Lockenschopf schluckte schwer und runzelte die Stirn. Doch ihr Kopf, in dem sich gerade alles drehte, tat sich schwer damit die Szene zu deuten; oder auch nur zu verarbeiten.
„Sie is gestolpert. Und betrunken is sie auch", sagte Hagrid leise, doch deutlich hörbar und alles andere als hilfreich. Mione wollte protestieren, doch irgendwie fehlte ihr für einen Moment die nötige Kraft.
Daria runzelte besorgt die Stirn und Malfoy zog eine Augenbraue hoch. Sie sah regelrecht das stumme ‚Schon wieder', das sich auf sein Gesicht gelegt hatte.
„Ihr seid schon zurück?", brachte sie schließlich fahrig hervor. Dabei klammerten sich ihre Hände schmerzhaft fest an das Geländer, an dem sie sich gerade aufrecht hielt.
Daria sah überrascht auf. Ebenso der Blonde, der die Augenbrauen augenblicklich noch höher zog.
„Spar dir jeglichen Kommentar", flüsterte sie, nachdem sie einige Male tief ein- und ausgeatmet hatte. Ihre Worte galten dem Blonden, doch sie sah Daria dabei an. „Ich hatte nur ein paar Schlücke gepimpten Weasley Sekt. Aber die sind mir irgendwie nicht bekommen", fügte sie dann hinzu.
Und die sich drehende Eingangshalle schien dies zu bestätigen.
„Weasley gepimpten Sekt?", fragte Daria plötzlich dicht neben ihr und drängte Hagrid dabei etwas Beiseite. Doch der Hüne ließ die andere Frau sichtlich erleichtert gewähren.
Mione lachte bitter, während die Schwarzhaarige sie unter den Armen packte und sie sanft aber bestimmt weg von der Brüstung zog. Gemeinsam taumelten sie die Treppen rauf.
„Danke Hagrid. Aber, wir haben alles in Griff", rief der Lockenschopf dem Riesen zu, der immer noch ziemlich unschlüssig in der Halle zurück blieb und ihnen hinterher sah.
„Ich pass nich durch das Loch", hörte sie ihn erneut ziemlich verloren sagen.
„Wir haben alles im Griff", wiederholte der Blonde sie und er schien ihnen dicht auf den Fersen zu sein.
„Ich kümmer´ mich um eure Koffer, Kinders." Sie konnte Hagrid förmlich erleichtert nicken hören. „Passt auf Mione auf."
„Klar doch. Gute Nacht Hagrid", rief Daria und manövrierte sie gerade schwerfällig um den ersten Treppenabsatz. „Sollen wir dich zu Poppy bringen?", fragte sie dann an Mione gewandt.
„Nein, bist du verrückt", gab der Lockenschopf leise zurück. Dabei konnte sie Malfoys Blick in ihrer Seite spüren. Sie wagte einen vorsichtigen Seitenblick. Er war direkt neben ihnen. „Sag nichts", zischte sie.
Er schüttelte nur abwehrend den Kopf und hob leicht belustigt die Arme. „Ich würde nicht einmal im Traum daran denken."
„Du findest das scheinbar auch noch lustig", knurrte sie.
Er zuckte neben ihnen mit den Schultern. Dann machte er eine Geste, die ganz danach aussah, dass er nach ihr greifen wollte, als Daria einen Augenblick unter ihrer Last gequält aufstöhnte.
„Denk nicht einmal dran", fauchte sie. Sie wusste nicht einmal warum und auf was sie gerade so wütend war.
Darauf, dass er sie so sah. Oder eher darüber, dass er allein mit Daria zurückgekommen war und sie die Situation gerade nicht einschätzen konnte.
Malfoy wich schulterzuckend zurück und verdrehte genervt die Augen.
„Mione, bist du sicher, dass es dir gut geht?", warf Daria schließlich dicht neben ihr ein.
Mione lachte leise, kaum hörbar, auf. „Mir geht´s blendend. Ich habe gerade meine Hochzeit gecancelt", rief sie, richtete sich auf und zog theatralisch ihren Verlobungsring von ihrem Finger. Für den Bruchteil einer Sekunde überkam sie ein pures Gefühl der Freiheit und sie strahlte Daria vollkommen erhaben an…
Dann wurde ihr speiübel…
„Gott, ich glaube ich muss kotzen", flüsterte sie und ließ den Ring zu Boden fallen.
Nur aus den Augenwinkeln sah sie, dass er jedoch nie dort ankam. Denn Malfoy fing ihn mit einer einzigen Handbewegung geschickt und im halben Flug auf.
Nur um sie in der scheinbar selben Bewegung gemeinsam mit Daria zu packen und sie über den Flur zu den nächsten Toiletten zu zerren…
-v-
„Gott, ich hasse ihn", flüsterte sie kraftlos und musste gegen den Drang ankämpfen ihr Gesicht auf die einladend kühle Kloschüssel zu lehnen.
„Ich denke nicht, dass das die beabsichtigte Wirkung des Teufelszeugs war", lächelte Daria vorsichtig, sichtlich übermüdet und doch aufmunternd, während sie neben ihr in der Eingangstür der Kabine lehnte.
Die Schwarzhaarige schien sichtlich das Wochenende ihres Lebens gehabt zu haben. Und das frustrierte Hermione. Auch wenn die Übelkeit gerade überwog und alle andere Gefühle und Regungen zu verdrängen schien.
Gott sei Dank war Merlin halbwegs gnädig gewesen und hatte es sie bis zur rettenden Toilette schaffen lassen. Und das vollkommen ungesehen. Sie wollte sich kaum ausmalen, was anderenfalls passiert wäre.
Trotzdem stimmte sie die klägliche Gesamtsituation nicht besonders zuversichtlich.
Daria stand müde und doch strahlend schön neben ihr, während Malfoy mit undeutbarem Gesichtsausdruck an der Wand neben den Waschbecken lehnte. Das er sich gerade mitten in den Mädchentoiletten im ersten Stock befand, schien ihn nicht im Geringsten zu stören. Dabei spielte er mit ihrem Verlobungsring, der nur ab und an zwischen seinen geschickten und flinken Fingern hervorblitzte.
„Pass damit auf", japste sie kläglich und klammerte sich an der Kloschüssel fest. Gab es eigentlich etwas Erniedrigenderes?
„Natürlich Granger. Ich werde genauso gut darauf achten, wie du", entgegnete er mit amüsiert funkelnden Augen, warf den Ring in einer fließenden Bewegung hoch und fing ihn wieder auf.
„Schön dass sich wenigstens einer amüsiert", knurrte sie und versuchte möglichst ruhig zu atmen, als eine neue Welle der Übelkeit sie überkam.
Oh nein, sie wollte sich weiß Gott nicht noch einmal in seinem Beisein und bei geöffneter Tür übergeben müssen.
Sie fragte sich, was er noch hier tat. Immerhin hatte er sie halbwegs unbeschadet hierher geschafft und sich davon überzeugt, dass sie nicht auf den Flur erbrochen hatte.
Was tat er also noch hier?
Nun ja, die Antwort war in erster Linie klar. Sich an ihrem Leid und Elend ergötzen. Doch hatte er dazu nicht schon genug brisante und peinliche Details mitbekommen?
Sie wagte es nicht zu fragen. Vor allem, da ihr Magen sich gerade wieder bedenklich zusammenzog.
„Du deutest da etwas falsch, Granger. Ich amüsiere mich nicht im Geringsten", sagte er leise und legte den Ring klirrend auf einem der Waschbecken ab. Daria sah sichtlich unbehaglich zwischen ihnen hin und her.
Mione schnappte nach Luft. „Du grinst", fauchte sie so kraftvoll wie möglich.
Die Schwarzhaarige sackte neben ihr an der Tür fast in sich zusammen. Dabei fielen ihr die schönen grünen Augen fast zu.
„Würde es etwas ändern, wenn ich heulen und einen Handstand machen würde?", raunte er immer noch grinsend und ohne sie wirklich anzusehen.
Und für den Bruchteil einer Sekunden schlich sich besagtes Bild vor ihr inneres Auge. „Das kannst du?", fragte sie ganz schwach lächelnd und ihr Griff um die Kloschüssel lockerte sich etwas.
„Was genau?", fragte er und sah sie mit frech funkelnden Augen an. „Einen Handstand oder heulen?"
Ihr Magen schien sich etwas zu beruhigen. Mione atmete ein paar Mal tief durch und ließ schließlich die Schüssel los und sich etwas zurück fallen. Die dunklen Kacheln kühlten angenehm ihren Rücken, der merkwürdig erhitzt schien.
„Willst du noch etwas Wasser?", fragte Daria kaum hörbar.
Mione atmete tief durch, griff nach dem noch halbvollen Glas, welches neben ihr auf dem Boden stand. „Ich bin noch versorgt", sagte sie dann leise. „Geh ins Bett, es geht mir schon wieder besser", fuhr sie dann schwach fort.
Die Schwarzhaarige schüttelte heftig den Kopf. „Dein Verlobter wollte dich umbringen", wiederholte sie leicht spottend ihre eigenen Worte, „ich lasse dich jetzt auf keinen Fall aus den Augen."
„Ich schaffe das. Du hast zur ersten Stunde Süße, welche…", sie warf einen trüben Blick auf ihre Armbanduhr, „in rund 4 Stunden beginnen wird."
Daria sah ebenfalls herunter zur Uhr, dann zurück ins Gesicht des Lockenschopfes, der immer noch kraftlos am Boden hockte.
„Verschwinde. Ich passe auf sie auf", sagte der Blonde plötzlich.
Daria räusperte sich einen Moment unbehaglich, musterte dann Mione, die sich wieder einen Moment an der Kloschüssel festgeklammert hatte. Schließlich nickte diese schwach aber bestimmt.
„Wenn was mit ihr ist, weckst du mich", sagte die Schwarzhaarige, während sie langsam und sichtlich unschlüssig das Klo verließ.
Mione schloss die Augen, lehnte sich erneut zurück und versuchte tief durchzuatmen; und zu vergessen, in welch abscheulichem Ambiente sie sich gerade befand. Das Glas in ihrer Hand lachte sie beinahe verlockend an. Ihr Mund war entsetzlich trocken und der bittere Nachgeschmack des Erbrochenen lag schwer auf ihrer Zunge. Auch wenn sie sich nun bereits seit rund einer Stunde nicht mehr hatte übergeben müssen.
Doch sie konnte sich nicht dazu durchringen, einen weiteren Schluck der Brühe zu nehmen. Dazu hatte das Wasser zulange neben ihr gestanden. Auf dem schmutzigen Kloboden…
Ein heiseres Lachen entkam ihr schließlich. „Dann sind wir jetzt quitt, was?"
Sie spürte, dass er sie skeptisch ansah. „Quitt? Granger, darum geht es doch gar nicht."
Mione öffnete langsam wieder die Augen, beugte sich etwas vor, so dass sie ihn besser sehen konnte. „Geht es nicht?"
„Ich habe dir das Zeug nicht untergeschoben", antwortete er und ließ sich an der Wand entlang zu Boden gleiten; bis er ebenfalls mit dem Rücken zur Wand und auf ihrer Augenhöhe da saß.
Sie lachte bitter und leise. „Ja, da hast du wohl recht. Wahrscheinlich war es sehr naiv ganz unbedacht etwas Gepimptes aus dem Hause Weasley zu kosten."
Ein schwaches, kaum merkliches Grinsen zierte sein Gesicht. „Naiv dürfte untertrieben sein."
Mione lachte erneut, wollte einen Schluck Wasser nehmen, doch hielt inne. Dann atmete sie tief durch und starrte einen Moment benommen an die giftgrüne Seitenwand der Kabine.
Einen Moment herrschte Schweigen. Es war so leise, dass sie ihn und sich atmen hören konnte. Nur ab und an durchbrach das leise Tröpfeln eines Wasserhahnes die Stille.
„Wie war das Wochenende?", fragte sie schließlich brüchig in das Schweigen hinein. Er sah überrascht auf und sie fuhr fort. „Hattet ihr zwei Spaß?"
„Wir zwei?"
„Du und Daria? Du und Reed… Vielleicht auch du und Grey… Was weiß ich…" Wieder setzte sie dazu an etwas zu trinken, ließ das Glas aber erneut angewidert sinken.
Ein bitteres Lachen. „Daria hatte Spaß mit Alain."
Mione sah ihn überrascht an. „Mit Alain? Dem Alain?"
Ein Grinsen umspielte seine Lippen, doch er antwortete nicht.
„Oh je", flüsterte sie, schloss die Klobrille und zog sich langsam auf die Beine, um sich schließlich auf dem Deckel nieder zu lassen. „Das ist nicht gut, oder?"
„Nein, nicht im Geringsten. Aber, ihr werdet sicherlich genug Zeit haben, das unter Frauen zu klären."
Mione nickte, griff fahrig nach dem Wasserglas. Ihre Kehle schien sie umzubringen.
„Malfoy, könntest du?", fragte sie leise und hielt ihm kindlich das Glas entgegen. Dabei zitterte ihr Arm unter der spärlichen Last entsetzlich.
Ohne Widerworte richtete er sich auf, trat zu ihr herüber und nahm das Glas an sich. Eine Sekunde rechnete sie damit, dass er sich unbeholfen verhalten würde. Etwa, weil er noch nie in seinem Leben so etwas wie ein Wasserglas selber füllen musste. Doch er leerte es, spülte es und füllte es mit einer für Malfoy schon fast überraschenden Routine und reichte es ihr erneut.
Mione verzichtete ebenfalls auf dumme Kommentare und nahm es schweigend an sich.
„Du hattest also Spaß mit Wiesel?", fragte er. Es lag etwas Spott in seiner Stimme, aber nicht die Art von Spott die gegen sie gerichtet war oder sie wütend machte.
Sie nahm einen Schluck Wasser und beäugte ihren Ring, der immer noch auf dem Rand des Waschbeckens lag. Einsam und verlassen und gerade auch vollkommen unbeachtet.
„Oh ja", flüsterte sie, „vielleicht sogar mehr Spaß, als ich seit langer Zeit mit ihm hatte."
Er lachte bitter und lehnte sich erneut gegen die Wand. Es war merkwürdig. Sie schienen für jeden Schritt, den sie sich in den vergangenen Wochen näher gekommen waren, auch immer zeitgleich drei zurück zu gehen. Sie wusste nur nicht auf welcher Ebene…
„Was ist mit dir und Reed? Diese Frage hattest du gerade gar nicht beantwortet", wisperte sie.
„Weil du nicht gerade heraus gefragt hast", gab er zurück und verschränkte die Arme vor der Brust.
Mione sah ihn lange schweigend an. So lange, bis ihre Augen vor Anstrengung zu tränen begangen. „Das tun wir beide nicht", sagte sie also.
Malfoy nickte grinsend, musterte ihren Ring, der nun nur wenige Zentimeter neben ihm lag. „Da ist wohl was dran."
„Du zuerst", flüsterte sie grinsend und nahm einen Schluck Wasser.
„Ich zuerst", antwortete er und irgendwo zwischen den undeutbaren Zeilen, schien eine Frage zu stehen.
Also nickte sie, sah ihn so direkt wie möglich an, als sie antwortete. „Stell deine Frage. Gerade heraus."
Er räusperte sich und für den Bruchteil einer Sekunde schien seine Miene etwas weicher zu werden. Dann blickte er auf den Ring. „Meint ihr es ernst?"
Etwas irritiert folgte sie seinem Blick. „Du meinst…"
Mione atmete schwer aus, starrte ebenfalls auf den verwaisten Ring am Waschbeckenrand.
Ja… Das war eine gute Frage…
Meinten sie es ernst? Und vor allem, wo würde dies nun enden?
In den meisten Fällen glich diese Sache schon fast einer Trennung… Vielleicht war es eine… Vielleicht war es keine… Doch wollte sie wirklich zurück in den alten Trott? Zurück zu Ron?
‚Nein', antwortete ihre innere Stimme wie von selbst und zielstrebig. Und zum ersten Mal machte sich so etwas wie das erste, zarte Gefühl der Freiheit in ihr breit…
Sie verdrängte vorläufig alle Gedanken, die es zerfressen und in die Flucht schlagen könnten. Etwa die an Ginny, Harry, Molly und Co. Menschen, die ihr sehr wahrscheinlich nie wieder so nahe stehen würden, wie sie es bisher getan hatten…
„Ich weiß es nicht… Aber, es fühlt sich richtig an", sagte sie schließlich.
Malfoy sagte nichts, sah sie nicht an. Und sie tat es ihm gleich. Also starrten sie Minutenlang nur auf das einsame Schmuckstück am Waschbeckenrand. Sie starrten, bis ihr Magen sich wieder vollkommen normal verhielt und anfühlte, und der Waschraum aufgehört hatte, sich zu drehen…
„Was ist mit Reed? Und mit Blair? Wie nahe stehen sie dir?", hörte sie sich selber fragen. Und ein geradezu berauschendes Gefühl der Schwerelosigkeit überkam sie, als sie es tatsächlich ausgesprochen hatte.
Er sah sie aus wenig überraschten, grauen Augen an. Dann lehnte er sich wieder etwas zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Jedoch nicht wirklich abwehrend.
„Reed ist ein Pressegag. Ihr Label sponsert uns und der Rest ergab sich sozusagen von selbst", begann er leise.
„Der Rest?", fragte sie grinsend und wagte es ihn einen Moment mit ihren Blicken zu durchbohren.
Malfoy runzelte die Stirn, sagte jedoch nichts.
„Okay", lenkte sie ein. „Und Blair ist und bleibt eine Freundin, die du gefickt hast?"
Wieder starrte er sie einfach nur mit hochgezogener Augenbraue an.
„Weißt du, mein Lieber. Du bist nicht besonders kooperativ", lachte sie und leerte das Glas Wasser in einem Zug. Wortlos hielt sie es ihm entgegen und obwohl sie es wirklich nicht erwartet hatte, nahm er es an sich und füllte es erneut auf.
„Schläfst du mit Reed?", fragte sie, als er ihr das Glas reichte.
Sie wusste nicht warum sie es so frei aussprach. Vielleicht war es die verrückte Situation, vielleicht war es seine Nähe, vielleicht waren es aber auch die Nachwirkungen des Weasley-Spezialgemisches.
„Spielt das eine Rolle?", fragte er leise und lehnte sich direkt vor ihr in den Türrahmen. Er war so nah, dass sie ihn atmen sehen konnte.
Mione zuckte mit den Schultern. Das war ein eindeutiges Ja. Jedenfalls in ihren Ohren. Und es versetzte ihr einen Stich, obwohl sie es natürlich nicht anders erwartet hatte.
Aber, manchmal wollen wir die bittere Wahrheit eben nicht hören. Ob sie nun unverblümt und gerade heraus daher kam, oder eben verschleiert und zwischen den Zeilen versteckt.
Ihre innere Stimme lachte gehässig. Natürlich hatte sie es nicht anders gewollt…
Beinahe vorsichtig nahm sie einige Schlücke Wasser, vermied es ihn dabei anzusehen. Dann zog sie sich langsam auf die Beine, die sie mittlerweile wieder erstaunlich sicher und verlässlich trugen.
Langsam schlich sie herüber zum Waschbecken, griff nach dem Ring und ließ ihn unter grauen Argusaugen in ihre Jeanstasche gleiten.
Dann sah sie ihn an. „Lass uns rauf gehen. Ich bin müde", sagte sie und machte sich daran, langsam und möglichst ohne, dass er sie berühren musste, in ihr Zimmer zu kommen.
Tausend unbeantwortete und ungestellte Fragen schossen ihr durch den Kopf. Und sie hatte das Gefühl, dass dies erst der Anfang war…
Vorschau:
„Erstaunlich", raunte sie rau und funkelte ihn aus trüben Augen an. Dabei begann ihre Atmung sich verräterisch zu beschleunigen.
Seine grauen Augen verdunkelten sich, als er sie ansah. Das Grinsen veränderte sich und er trug die giftgrüne Paste mit schleichend langsamen Bewegungen auf ihren Knöchel auf. Es dauerte einige Sekunden und ein beißender Gestank erreichte sie.
„Merlin", fluchte sie heiser lachend.
„Da musst du jetzt durch", gab er zurück und verteilte die Paste mit federleichten Bewegungen auf ihrem Knöchel. Jeder Millimeter, den er dabei berührte, schien sie näher an die Klippe des Wahnsinns zu schubsten.
Huhu… Bitte nehmt´s mir nicht übel, aber ich mache es heute mal kurz… *lol*
Danke India für´s Betalesen und danke an hattu82, Princess-Frances, Nessi.C., Dracos CoffeeGirl, HexenLady, die-na, QueenB, Anna und one77, für die lieben Revs. Ihr seid alle unglaublich. *gruppenknuddel*
