39.
Auf der Suche…Mitten in der Nacht, nach Englischer Zeit, erreichten sie schließlich gemeinsam das Schlossgelände.
Der restliche Sonntag war zugegeben noch sehr hitzig verlaufen. Zwar konnte sie Malfoy davon abhalten sie halbnackt hinaus auf den Balkon zu zerren, aber sie konnte ihn nicht davon abhalten sein kleines Spielchen wenigstens bis zur geöffneten Balkontür zu treiben. Und sie musste gestehen, dass es ihr irgendwie gefallen hatte.
Doch um das Chaos perfekt zu machen, waren sie während ihrer Abreise auch noch Johnny und co. begegnet. Die drei Männer hatten sie mit ihren peinlichen Rufen mit hochrotem Gesicht hinter dem Blonden durch die Lobby gejagt. Gut, sie hatten sie nicht wirklich gejagt. Doch sie war trotzdem davon gehetzt.
Natürlich hatte ihr Partner in Spe sich das typische Grinsen nicht verkneifen können. Jedoch hatte er nichts zu der ganzen Sache verlauten lassen. Genauso wenig war er ihr jedoch zur Hilfe gekommen, was wahrscheinlich etwas viel verlangt war.
Seine Blicke sagten natürlich genug, doch sie hätte zu gerne gewusst, was auf dem Balkon vorgefallen war, als sie unter der Dusche stand. Denn Fakt war, dass die vier Männer sich mehr oder weniger zu kennen schienen. Oberflächlich versteht sich…
Vor Malfoys Zimmertür kamen sie schließlich gemeinsam zum Stehen. Sie beobachtete ihn einen Moment dabei, wie er die Tür leise öffnete.
„Danke", flüsterte sie schließlich.
Er warf ihr einen Blick über die Schulter zu, sagte jedoch nichts.
Mione räusperte sich, als er seine Zimmertür nach innen aufschob und sich allen Anschein nach daran machte sie auf dem Flur zurück zu lassen.
„Sagst du mir dann morgen noch einmal, was genau ich dir schulde?"
Mit einem Seufzen drehte er sich um. „Hör auf dich lächerlich zu machen, Granger."
Sie errötete, sah einen Moment benommen zu Boden.
„Also… Blair", sagte er amüsiert.
„Malfoy", fluchte sie, während ihr spürbar weiteres Blut in die Wangen schoss.
Sein Grinsen erlosch nicht; ganz im Gegenteil. Es wurde nur noch breiter. Einen Moment fürchtete sie, er würde sie hereinbitten. Vielleicht hoffte sie es auch…
„Gute Nacht", sagt er dann, trat ins Zimmer und schloss die Tür.
Etwas irritiert blieb sie zurück. Starrte eine gefühlte Ewigkeit auf das blanke Holz, bevor sie sich schließlich der Uhrzeit besann und ebenfalls in ihrem Zimmer verschwand.
-v-
Der Jetlag am nächsten Tag warf sie komplett aus der Bahn. Es war sogar so schlimm, dass sie sich von Zabini einen Anti-Bedürfnis-Trank verabreichen ließ. Dieser half ihr dann, dank seiner aufputschenden Wirkung, wenigstens über den Unterricht hinweg.
Denn komischerweise und trotz aller Müdigkeit und Erschlagenheit, hatte sie in der vergangenen Nacht kaum ein Auge zugetan. Nachdem sie sich den Geschehnissen der vergangenen 24 Stunden bewusst geworden war, hatte sie die Erkenntnis in Bezug auf Daria vollkommen übermannt.
Diese hatte ihr heute im Laufe des Vormittages wort- und klanglos den Koffer vor die Zimmertür gestellt. Dennoch hatten sie seit Samstag kein einziges Wort mehr miteinander gesprochen. Etwas, was sich in den Augen des Lockenschopfes dringend ändern musste. Denn tatsächlich hatte ihre Freundin die Situation komplett falsch eingeschätzt.
Leider war ihr die Schwarzhaarige heute überwiegend und ganz offensichtlich aus dem Weg gegangen. Beim Abendessen war sie zwar scheinbar wieder etwas offener gewesen, denn sie war wenigstens ihren Blicken nicht mehr ausgewichen. Doch natürlich war die große Halle nicht der richtige Ort gewesen, um über die jüngsten Geschehnisse zu sprechen.
Umso erleichterter war Hermione, als sie am Abend im Gemeinschaftsraum auf Daria traf. Und sie waren allein…
Räuspernd wartete sie, bis sich das Gemälde hinter ihr über dem Eingang verschlossen hatte. Und sie verharrte noch einen Moment, bis Daria sich zu ihr umdrehen und sie registrieren konnte. Nur für den Fall, dass die Schwarzhaarige es doch vorzog ihr weiterhin aus dem Weg zu gehen.
Auch wenn sie diese Sache aus der Welt schaffen wollte, wusste sie dass es nichts bringen würde damit anzufangen, wenn die andere noch nicht bereit dafür war. So würde sie die Situation im wahrsten Sinne des Wortes nur gegen die Wand lenken.
Schließlich sah die Schwarzhaarige auf, blickte sie einen Moment matt an und konzentrierte sich dann wieder auf das Buch, welches sie auf ihren Beinen balancierte.
Mione atmete erleichtert aus und trat rüber zum Sofa.
Scheinbar konnte sie einen Versuch starten.
„Was liest du da?"
Daria hob den Blick, schloss dann das Buch und drehte es herum, so dass sie beide das Cover sehen konnten. „So finster die Nacht. Ein schwedischer Thriller", sagte sie so leise, dass Mione Mühe hatte es zu verstehen.
Der Lockenschopf nickte. „Ist es in Schwedisch?"
Daria hatte während ihres Studiums drei Jahre im Norden Europas verbracht. Unter anderem in Finnland, Island sowie in Schweden und sprach ihres Wissens nach mindestens Schwedisch fließend.
„Ja… Ich weiß nicht, ob es eine Englische Übersetzung gibt."
„Das macht nichts." Sie ließ sich langsam aufs Sofa fallen und starrte neben ihrer Freundin in die Flammen des Kamins.
Minutenlang taten sie einfach nur das. Nichts weiter. Stille dominierte im Raum, bis Hermione sich schließlich ein Herz fasste und zu sprechen begann.
„Da war nichts mit Alain und mir. Damals, auf der Party nach dem Neujahrsspiel, haben wir nur getanzt. Vielleicht wäre etwas passiert, aber… Malfoy ging dazwischen und ich landete mit ihm im Bett…" Sie war erstaunt wie leicht es plötzlich war ehrlich zu sein.
Daria schnappte neben ihr erstaunt nach Luft. „Solange schon?"
Mione runzelte etwas überrascht die Stirn. „Was meinst du?"
„Na, du und Malfoy."
Ein Kopfschütteln, dann hielt sie langsam inne. Doch… tatsächlich, passte ein „So lange schon", wunderbar.
„Am Anfang war es anders. Es ist schwer zu erklären. Wir fielen sozusagen jedes Mal übereinander her, wenn wir uns gestritten haben. Und wir haben uns so verdammt oft gestritten." Sie sah seufzend ins Feuer und Daria lachte leise.
Mione sah sie wieder überrascht an.
„Irgendwie habe ich es immer geahnt."
„Hast du?", fragte sie überrascht, spürte dass sie errötete.
Daria nickte, legte das Buch auf das Beistelltischchen. „Nun ja. Sagen wir es mal so: Ich habe es am Anfang nicht für voll genommen. Aber, als du diese Sache angedeutet hast, wurde ich argwöhnisch… Und teilweise war es einfach zu offensichtlich…"
Schweigen… Sie starrte ins Feuer. Sie war zugegeben wirklich überrascht.
„Du hast nie etwas gesagt", flüsterte sie dann.
„Ich hatte gehofft, du würdest es mir sagen", antwortete Daria zögernd.
Erneutes Schweigen… Sie schluckte hart…
„Ich wusste nicht wie."
„Warum nicht?"
Sie schnappte nach Luft, sah die andere an. „Weil ich mir selber nicht erklären kann, wie ich in diese Sache hineingeraten bin. Das ist doch lächerlich, nicht?"
Daria zuckte mit den Schultern. „Ich denke das können wir meistens nicht."
Ein bitteres Lachen…
„Liebst du ihn?"
Mione sah überrascht auf. „Ich denke nicht…" Sie runzelte selber über sich die Stirn, als ihre innere Stimme lauthals zu lachen begann. „Ich denke, es ist das Abenteuer."
Ihr Gegenüber schwieg, starrte weiterhin ins Feuer.
„Wir passen gar nicht zusammen", fügte Mione dümmlich grinsend hinzu.
Ihre innere Stimme lachte nur noch lauter und es irritierte sie.
So war es doch. Oder etwa nicht?
„Wenn du das sagst", sagte die Schwarzhaarige schließlich, beugte sich vor und fischte sich einen Apfel aus der Obstschale. Wenige Sekunden später biss sie herzhaft hinein. „Du hattest also nichts mit Alain."
Mione schüttelte den Kopf. „Nein."
Ein bitteres Lachen entwischte der Anderen. „Himmel, ich war so eine Närrin. Er ist der letzte Frauenheld. Ich wusste es sofort, aber ich habe mich blenden lassen."
„Das passiert uns allen manchmal", gab sie zurück.
Daria schüttelte den Kopf. „Mir passieren solche Sachen neuerdings einfach zu häufig."
Der Lockenschopf streckte vorsichtig einen Arm nach ihr aus, legte ihn sanft um Darias Schulter. „Es tut mir leid. Ich hätte es deutlicher sagen sollen."
„Das hast du. Mir tut es leid. Ich habe dich geohrfeigt…", wisperte die andere brüchig, „und dich einfach so da stehen lassen."
Mione winkte besänftigend ab. „Mir geht es gut, ich war in…", sie zögerte, errötete bei dem Gedanken daran. „… in guten Händen."
„Ich weiß", lachte die Schwarzhaarige. „Ich bin zurückgekommen, und da sagte man mir, dass ihr zwei gerade gemeinsam verschwunden seid."
Ein merkwürdiges Kribbeln überkam sie.
„Das hat übrigens für verdammt viel Aufsehen gesorgt. Grey und die Eineiigen waren ziemlich aufgebracht."
„Waren sie das?", hörte sie sich selber peinlich fragen. Und schon schoss ihr wieder Blut in die Wangen. Beschämt wandte sie den Blick ab, dachte an Grey zurück, die so fantastisch in ihrem kleinen, schwarzen Kleidchen ausgesehen hatte.
Und an Malfoy, der sie wenige Stunden später heißblütig gegen die Balkontür gepresst hatte. Sie auf das Sideboard gehievt und über den Teppich geschoben hatte…
„Du verlierst dich in Gedanken", kicherte Daria neben ihr.
Der Lockenschopf sah schuldbewusst und erhitzt auf, sagte jedoch nichts.
„Da kam übrigens ein Brief für dich", sagte die Andere dann und deutete auf das Beistelltischchen. „Ich glaube der ist von Ron."
Und binnen von Sekunden kam sie vom Teppich zurück auf den Boden der Tatsachen.
-v-
Natürlich war es ein Brief von Ron. Und natürlich zog er ihre Laune mal wieder runter auf den Nullpunkt. Wenn nicht sogar ins Unmessbare.
Seufzend faltete sie das Pergament zusammen, ließ sich rücklings auf ihr Bett fallen und starrte an den über ihr liegenden Baldachin. Ihr Kopf dröhnte mittlerweile so sehr, dass sie das Gefühl hatte die kleinen Sterne, die den dunklen Stoff verspielt zierten, würden vor ihren Augen umhertanzen.
Scheinbar hatte ihr ehemaliger Liebster entschieden, dass er lange genug gezappelt und darauf gewartet hatte, dass sie reumütig vor ihm zu Kreuze kroch. Nun tat er also den ersten Schritt und verlangte eine Aussprache. Jawohl, er bat nicht darum: Er verlangte es.
Auch dieser Brief war so fernab von jeglichem Feingefühl, dass es ihr mal wieder die Galle hochtrieb. Mit einer müden Handbewegung entfaltete sie den Fetzen erneut, warf einen wiederholten Blick auf seine Worte.
Mione,
ich denke du hast lange genug über die große Frage des dich und mich nachdenken können. Ich weiß dass ich mich wiederhole, doch ich stehe dieser Sache immer noch ungläubig und fassungslos gegenüber.
Ich zweifele nicht an uns. Ich zweifele an dir und deinem Verstand. Und ich verlange eine weitere Aussprache. Das bist du uns schuldig.
Ron
Ihr bitteres Lachen erfüllte den Raum, als sie das Pergament wieder zusammen faltete und es achtlos auf ihren Bauch fallen ließ.
Der Brief war auf den gestrigen Abend datiert und somit war sie bereits überfällig. Wahrscheinlich würde er bereits seit Stunden ungeduldig durch den Raum tigern. Was bei ihr die Frage aufwarf, ob er vielleicht im Bilde darüber war, dass sie an diesem Wochenende nicht im Land gewesen war. Immerhin war Harry involviert gewesen…
Doch sie traute ihrem besten Freund nicht wirklich zu, dass er offenherzig petzte. Das war niemals Harrys Art gewesen. Natürlich verlangte oder erwartete sie auch nicht, dass der Schwarzhaarige Ron ihretwegen anlog. Daher war das alles eine leicht verzwickte Situation.
Wie sehr ihr bester Freund unter dieser litt hatte sie beim letzten Treffen, welches kurz vor ihrer Abreise nach L.A. stattgefunden hatte, mal wieder nur zu deutlich sehen können. Und es tat ihr wirklich leid.
Erneut seufzend presste sie ihre Hände gegen ihre übermüdeten Schläfen und warf einen letzten Blick auf den Fetzten Papier, der nun auf ihrem Bauch lag. Sie konnte nicht in Worte fassen, was sie fühlte.
Aber, gerade eben schien ihr der Entschluss den Weg der Freiheit eingeschlagen zu haben, richtiger denn je. Nach wie vor wollte sie alles andere als zurück.
Nein… Sie würde ihn warten lassen. Solange, bis sie entschied, dass sie bereit für so etwas wie eine Aussprache war. Und ihr graute, um ehrlich zu sein, davor…
Vorschau:
„Ach, vergiss es", wisperte sie und spürte das einige der Bücher aus ihrem Griff rutschten.
„Verdammt", fluchte sie und drehte sich, hob das Bein an um sie abzufangen. Doch es war ein unmögliches Unterfangen. Hilflos spürte sie das erste Buch aus dem Stapel rutschten und es ging, gefolgt von den anderen, zu Boden.
Überraschenderweise war Malfoy der erste, der sich nach den Büchern gebückt hatte.
Huhu… Hier bin ich wieder… :)
Und ich konnte glatt schon die ersten Ideen verbuchen. Ich danke euch… ;) Natürlich bin ich nach wie vor offen für weitere Wünsche und Ideen… Also, immer her damit… *hihi*
Wie immer geht natürlich auch ein ganz großes Dankeschön an meine Mädels Fränzi (Beta, kreativer Mittäter und mentaler Zwilling), India (kreativer Mittäter und die Beste) und Mean (du bist irgendwie gar nicht in Worte zu fassen. Ich sag nur Kermit *lach*).
Und natürlich Kitos (Danke auf Finnisch ;)… Sista, wo bist du eigentlich? *lol*) an alle Reviewschreiber und auch Stilleser. Obwohl ich mich natürlich nach wie vor wie ein kleines, gepfeffertes Schnitzelchen über ein paar Zeilen von euch freuen würde. Glaubt ihr nicht? Na, dann guckt mal in euren Kühlschrank… *hust* Okay, das war jetzt wahrscheinlich etwas… gruselig… *lach*
Reviewtime:
HexenLady: Wie kommst du denn darauf? Nein, natürlich nicht… ;)
Die-na: Ich hoffe dir geht´s mittlerweile etwas besser und du kannst die Feiertage und das schöne Wetter genießen… Und sehr gut, ne saubere Brille wirst du die nächsten Chapter über brauchen. Allerdings kann ich nicht versprechen, dass es nicht auch nochmal gehörig knallt... Aber, du kennst mich ja… ;)
One77: Das freut mich… *hihi* Ja, ich mache es gerne spannend. Und muss er wirklich weich werden? Hm… Mal sehen… ;)
Dracos CoffeeGirl: Das ist doch schon einmal eine sehr schöne Idee. Werde ich mir gleich auf meine Liste pinnen. :) India dürfte es freuen, denn sie interessiert sich wohl auch brennend für ne emotional/heiße Szene aus Malfoys Sicht… *lach* Interessant ist aber hier der Aspekt, ab *wann* er Gefühle entwickelt. Mal sehen, ob ich euch alle schocken kann… *hihi* Ich bin natürlich gespannt auf weitere Ideen…
Nessi.C.: Nee, natürlich nicht… ;) Chapter 25? Meinst du vielleicht Chapter 26, denn das ist ja das Chap, wo sie gemeinsam auf dem Bett liegen und Reden… Naja, so oder so sicherlich ne schöne Idee… :) Danke…
Fränzi: Ja, ich glaube das war bisher auch eines meiner Lieblingschaps… *hihi* Denn wie du schon sagtest: Schön peinlich, schön sexy… Gut, schön lang war für mich jetzt eher anstrengend... *lach* Aber, ich mach´s ja gerne… Ich bin übrigens dabei… Wie wäre es mal mit nem Spinn-Marathon? Wir machen 48 Stunden lang durch, chatten und Brainstormen nonstop und schreiben dann im Anschluss ein Kapitel… Mal schauen, was dabei rauskommt… Malfoy singend auf dem Scheiterhaufen und Snape als Gewitterhexe wahrscheinlich… *lach*
