41. Stunde der Wahrheiten
„Entschuldige bitte, ich bin zu früh", sagte sie lächelnd und zog sich an der Türschwelle die Schuhe aus.
Ginny rieb sich kopfschüttelnd die Hände an der überdimensionalen Schürze ab, die sie trug und deutete Hermione zeitgleich an, in die Wohnung einzutreten.
Harry und Ginnys Wohnung. Die zwei waren bereits vor Jahren zusammen gezogen. Damals, kurz nach dem Krieg, hatten sie sich noch eine ganze Weile bei Molly und Arthur aufgehalten. Mit etwa 19 Jahren zog es ihren besten Freund aber das erste Mal in die eigenen vier Wände; ein kleines zwei Zimmer Apartment in London. Auch wenn Harry damals schon genug Geld für etwas Eigenes gehabt hatte, wollte er es erst später dafür einsetzten.
Die Gegend war wundervoll und so auch der Ausblick. Von Harrys Fenster aus konnte man direkt auf die Themse und die Tower Bridge sehen. Ihr - und somit auch Rons - ehemaliges Apartment befand sich hingegen weiter abseits in Southwark. Von dort war der Ausblick ebenfalls toll, nur eben nicht so toll. Allerdings hatte Ron niemals mitten im Geschehen leben wollen.
Was sie daran erinnerte, dass sie gerade mehr oder weniger heimatlos war. Mal abgesehen von Hogwarts. Doch früher oder später würde sie sich Gedanken über eine neue Bleibe außerhalb der Schulmauern machen müssen. Sie wollte nicht, wie manch anderer Lehrer, nur diesen einen Zufluchtsort haben. Wenn ihr danach war wollte sie dem Zauber von Hogwarts entfliehen können.
Doch zurück zum Hier und Jetzt. Ginny hatte sich schon damals so häufig bei Harry aufgehalten, dass sie schließlich zusammen in ein vier Zimmer Apartment im nächsten Häuserblock gezogen waren. Just in dieses, welches sie gerade betrat.
„Möchtest du ein paar Hausschuhe?", fragte der Rotschopf und schloss die Tür hinter ihnen.
Mione nickte und hing ihre Jacke routiniert am Kleiderständer auf. Sie war in den vergangenen Jahren so oft hier gewesen. Nur in den seltensten Fällen allein; und wenn war sie meistens mit Ginny oder den Mädchen allein gewesen.
„Hey, Mione." Harry linste neben ihr durch den Türrahmen des Wohnzimmers auf den Flur und sie zuckte einen Moment lachend zusammen.
„Mensch, erschreck mich doch nicht so", schmunzelte sie und schlüpfte in die Hausschuhe, die Ginny ihr gerade zugeschoben hatte.
„Ich muss dann mal nach dem Braten sehen", sagte Ginny entschuldigend und sprang an ihr vorbei zurück in die Küche.
„Brauchst du Hilfe?", rief sie ihr hinterher.
„Du bist unser Gast", warf Ginny zurück, was soviel heißen sollte wie „Untersteh dich und mach es dir bequem."
„Brauchst du meine Hilfe? Ich bin kein Gast", mischte sich Harry scherzend ein. Der Schalk stand ihm dabei regelrecht ins Gesicht geschrieben.
„Und deine Aufgabe ist es dich um unseren Gast zu kümmern, bis ich fertig bin", kicherte der Rotschopf aus der Küche.
Harry zuckte grinsend mit den Schultern und wandte sich dann zum Lockenschopf um. Dieser begutachtete gerade erstaunt das umdekorierte, und scheinbar auch renovierte, Wohnzimmer.
„Ihr habt diese Wand neu gestrichen, richtig?" Sie trat einen Schritt vor.
„Ja. Aber, bereits vor zwei Monaten. Warst du echt so lange nicht mehr hier?"
„Scheint so."
„Na, dann wurde es ja Zeit." Harry gesellte sich direkt neben sie, vergrub die Hände in den Hosentaschen. Wieder stellte sich dieses merkwürdige Schweigen ein, welches sie bereits bei den vergangenen Malen bemerkt hatte. Doch glücklicherweise ging der Schwarzhaarige dagegen an, bevor sie es tun musste.
„Möchtest du etwas Rotwein? Wir haben hier diesen, den…", er stockte, trat rüber zum Sideboard. In einem der Fächer befand sich auch immer der süße Rotwein, den sie und die Mädchen ab und an gemeinsam getrunken hatten.
„Ja, gerne", sagte Mione dankbar und folgte ihm vor das Schränkchen.
Harry holte die Flasche hervor, griff nach dem Korkenzieher und machte sich daran sie ziemlich unbeholfen zu öffnen. Er war alles andere als gut darin. Ein Grund warum die Mädchen die Flaschen immer selber geöffnet hatten.
„Soll ich das machen?", fragte sie schmunzelnd und griff nach der Flasche. „Kork im Wein schmeckt nicht besonders gut."
Kapitulierend lachend reichte er ihr den Wein. „Aber, wir verraten es Ginny nicht", wisperte er dann scherzend; jedoch laut genug, so dass seine Freundin es hören konnte.
„Was ist mit mir?", tönte es aus der Küche.
„Nichts, Schatz."
„Harry James Potter. Wage es nicht über mich zu lästern", rief Ginny.
Mione zog lächelnd den Korken aus der Flasche. Unversehrt.
Sie hatte heute tatsächlich mit dem Gedanken gespielt den beiden abzusagen. Aus den verschiedensten Gründen, wobei einer natürlich Malfoy gewesen war. Malfoy und diese abscheulichen Geschichten und Bilder, die gerade ihre Runde machten.
Heute Morgen musste sie erfahren, dass es tatsächlich mehrere Bilder gab. Gott sei dank gab es keines, wo sie sich küssten. Doch es gab zwei ziemlich verräterische Fotos, wo sie sich mehr oder weniger in den Armen lagen.
Und wenn das nicht Grund genug zur Sorge und für Mutmaßungen war, gab es die Geschichten rundum diese Bilder, die heute so ziemlich jedes Blatt in England bis auf´s Letzte ausgereizt hatte. Natürlich enthielten sie in den seltensten Fällen auch nur einen Funken Wahrheit. Doch sie sprachen von Küssen und liebevollen Gesten. Und sie sprachen davon, dass sie Alains Party und auch den Strand gemeinsam verlassen hatten.
Mehr als genug für ihr erhitztes Gemüt und auch das von zahlreichen Schülern. Sie hatte heute keinen Meter gehen können, ohne kritisch beäugt und durch Flüstern begrüßt oder verabschiedet zu werden.
„Niemals. Ich habe nur gerade eine Flasche Wein geöffnet. Einwandfrei", riss sie Harry aus ihren Gedanken.
Ginny lachte in der Küche lauthals auf. „Hör auf zu lügen."
Grummelnd zuckte er mit den Schultern, holte drei Gläser aus dem Sideboard und stellte sie auf den gedeckten Tisch, der am Kopfende des Wohnzimmers stand. Vom Fenster aus, unter dem sich das Sideboard befand, konnte man die mittlerweile beleuchtete Tower Bridge sehen.
„Ich beneide euch nach wie vor um diesen Ausblick", sagte der Lockenschopf und nahm das Glas entgegen, das Harry gerade für sie gefüllt hatte.
Der Schwarzhaarige lachte. „Da beneide ich mich regelmäßig selber drum." Jedoch schaute er in Richtung Küche.
„Harry, verdammt", tadelte sie ihn gespielt strafend und nahm dann einen Schluck Wein. Und wieder trat Stille ein…
Nur in der Küche war ein leises Klappern und Scheppern zu hören. Hier und da ertönten Ginnys federleichten Schritte.
„Möchtest du Musik hören?"
Mione nickte, holte dann tief Luft. Während Harry neben der Stereoanlage in die Knie ging, sprach sie schließlich leise das aus, was ihr bereits seit sie die Wohnung betreten hatte auf der Zunge lag. „Lass uns diese Sache kurz klären. Bitte."
Er sah sie an, nickte und richtete sich wieder auf. „Das ist eine gute Idee."
Mione nickte ebenfalls, wandte sich zum Fenster zu und ihrem Freund entgegen. „Ich will nicht, dass es den ganzen Abend im Raum schwebt. Und über diesen hinaus."
„Das will ich auch nicht."
„Gut. Also. Ich war auf dieser Party und wir haben sie auch gemeinsam verlassen, weil Alain…", sie senkte den Blick. „Wir hatten einen Streit und Malfoy trat für mich ein. Also warf er uns raus. Und dann waren wir gemeinsam am Strand…" Gott, sie konnte es nicht…
Sie konnte nicht die Wahrheit sagen, aber sie konnte auch nicht lügen.
„Mione, ich…" Harry hustete, trat einen Schritt näher an sie heran. „Was immer da war und nicht war, interessiert mich nicht. Solange du es für richtig hältst. Du bist mir also keine Rechenschaft schuldig." Mit jedem Wort wurde seine Stimme leiser und sie war beinahe entsetzt darüber, dass es so offensichtlich zu sein schien.
Sie starrte ihn einfach nur an, klammerte sich an ihrem Weinglas fest.
„Aber, ich weiß nicht wie Ginny die Sache sieht", fuhr er wispernd fort. Er war ihr entsetzlich nah, sprach aber so leise, dass sie ihn kaum verstand.
„Ich sehe das ähnlich, Harry."
Mione und auch der Angesprochene zuckten zusammen, wirbelten zur Türschwelle herum. Ginny stand in dieser. Ihr Gesicht schien leer und sie wirkte gerade entsetzlich klein.
„Ich sage nicht, dass ich alle Varianten toll fände. Wir reden hier immerhin auch über meinen Bruder…"
Der Lockenschopf senkte nickend den Blick. Plötzlich schien lügen das zu sein, was sie am wenigsten tun konnte und wollte. In ihr krampfte sich alles zusammen.
„Ich wollte Ron niemals wehtun. Aber, ich geriet in diese enorme Gefühlsachterbahn. Ich glaube, ich wollte mich aus ihr befreien", flüsterte sie, klammerte sich so fest an das Glas, dass sie fürchtete es zwischen ihren Fingern zu zerbrechen.
Harry runzelte neben ihr die Stirn. Doch Ginny schien zu verstehen. Sich ebenfalls an dieses Gespräch in der Küche der Weasleys zurückerinnernd.
„Gibt es da etwas, was ich wissen sollte?", hallte Ginnys Stimme in ihrem Kopf wieder… „Ron hatte mal so etwas verlauten lassen."
Schweigen…
Entsetzlich lang und zähflüssig kroch es durch den Raum. Verpesstete die Luft und legte sich über jeden einzelnen von ihnen. Sogar über jedes Möbelstück.
Tränen schossen ihr in die Augen…
„Himmel, er hat mich einfach nicht mehr gesehen. Er hat uns nicht mehr gesehen. Er lebte in seiner perfekten Scheinwelt und wann immer ich mit ihm ausbrechen wollte, stieß er mich mit aller Kraft zurück", sie begann zu schluchzen, stellte das Glas auf dem Tisch ab. „Und ich habe es verdammt oft versucht…" Ihre Hand zitterte, als sie sich mit ihr über das nasse Gesicht wischte.
Ginny starrte sie matt an, Harry sichtlich verwirrt und fassungslos.
„Dieses blonde Miststück sieht und sah mich. Er hört mir zu… Auf seine überhebliche Art und Weise, aber ich fühle mich mit ihm lebendig. Gesehen…" Ihre Schultern begannen zu zittern und sie ließ sich einfach in sich zusammen fallen.
Und plötzlich war Ginny bei ihr. Sie zog sie nicht in eine Umarmung, warf sie aber auch nicht schnurstracks aus der Wohnung; was Mione zugegeben etwas überraschte. Vielmehr drängte sie den aufgelösten Lockenschopf auf einen der Stühle, ließ sich auf den gegenüberliegenden fallen.
Bitter lachend zog sie die Nase hoch, nahm einen Schluck Wein. „Es ist mir ein Wunder, dass ihr mich noch nicht rausgeschmissen habt."
Ginny schüttelte schwach den Kopf. „Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, ich bin nicht schockiert. Aber, ich bin nicht überrascht…" Sie nahm ebenfalls einen Schluck Wein.
„Er ist dein Bruder", flüsterte der Lockenschopf, griff sich ebenfalls ihr Glas und nahm einen großen Schluck.
Ginny nippte erneut bevor sie heiser auflachte. Es klang fast etwas verrückt. „Und du bist wie eine Schwester für mich."
„Das heißt?", fragte sie vorsichtig.
Harrys Augen waren nun tellergroß. Er konnte ihnen eindeutig nicht mehr wirklich folgen.
„Dass ich dich ganz sicher nicht rauswerfen werde, es aber noch verarbeiten muss. Seid ihr-" Ginny sah sie an, zuckte merkwürdig mit dem Kopf und schwenkte das Glas in ihrer Hand. „Zusammen?"
Mione lachte schrill auf, rieb sich erneut über das verheulte Gesicht und zog die Nase hoch. „Ich bitte dich…"
Ginny nickte.
Harry räusperte sich schwach. „Also… Ich bin… Da waren also tatsächlich Küsse am Stand?", meldete er sich schließlich zu Wort. Dabei klang er wie damals, mit 14 Jahren.
„Schatz, bitte hol Mione ein paar Taschentücher und schau nach dem Braten. Wir werden dir gleich alles erklären", sagte Ginny sanft. Und Harry gehorchte schwach nickend.
-v-
Sie aßen schweigend und auch wenn die Stimmung im Raum nicht wirklich feindselig war, war sie merkwürdig.
Jeder von ihnen musste das Gesagte auf seine eigene Art und Weise verarbeiten. Mione, weil sie es ihnen tatsächlich gesagt hatte. Nicht in den peinlichen Einzelheiten, aber jedenfalls so weit, dass es nichts Notwendiges mehr gab, was sie hätte erklären müssen.
Ginny hatte alles erdenklich gefasst aufgenommen. Vielleicht sogar zu gefasst, was darauf zurückzuführen sein könnte, dass der Rotschopf das Gesagte noch nicht vollends verarbeitet hatte. Vielleicht hatte sie es aber auch tatsächlich bereits geahnt; wie sie gerade mehrmals hatte verlauten lassen.
Am härtesten hatte es Harry getroffen. Wobei sie nicht wusste, was für den Schwarzhaarigen gerade am schwersten zu verarbeiten war. Die Tatsache, dass seine beste Freundin etwas mit Malfoy hatte; oder die Tatsache, dass sie etwas mit Malfoy hatte. Dem Malfoy, der sie vor Jahren scheinbar noch lieber umgebracht hätte, als sie freiwillig anzufassen. Oder den Malfoy, den sie am liebsten aus der Magierschaft verbannt hätte.
Natürlich hatte sie bereits vor Monaten verkündet, wie wunderbar sie mit dem Blonden zurrecht kam. Etwas, was sie ihr teilweise abgekauft hatten. Offensichtlich kamen ihr diese damals eher unbedacht getätigten Aussagen gerade zugute. Obwohl wohl niemand wirklich damit gerechnet hatte, dass sie so gut mit ihm zurechtkam…
Das Schweigen setzte sich fort.
Doch es hatte etwas Gutes. Es ersparte ihr halbherzig eingeworfene Phrasen wie „Hauptsache ist, dass es dir gut geht." oder „Du weißt schon, was du tust."
Obwohl sie sich ziemlich sicher war, dass sie es in Anbetracht der Umstände eh nicht einwerfen würden. Immerhin sprachen sie hier nicht von irgendeinem beliebigen Mann. Sie sprachen von Malfoy…
Und mit ihm hatte jeder hier am Tisch eine gewisse Vorgeschichte.
Mione holte geräuschvoll Luft und nahm einen weiteren Schluck Wein, als es an der Tür klopfte. Nein, eigentlich donnerte es daran.
„Harry, lass mich rein. Ich weiß, dass sie bei euch ist." Ron…
Der Lockenschopf setzte das Weinglas klirrend ab. Harry blickte matt zum Türrahmen, Ginny schaute sie verunsichert an.
„Willst du es ihm sagen?", flüsterte sie dabei kaum hörbar.
„Nein", entwischte es Mione augenblicklich. „Denke ich…", fügte sie dann errötend hinzu.
Doch Gott sei Dank schien Ginny der gleichen Meinung zu sein. „Das solltest du nicht. Nicht jetzt jedenfalls."
Mione nickte fahrig. „Ich werde es… später tun…"
Ginny nickte zustimmend, stand langsam auf. „Harry und ich werden versuchen ihn abzuwimmeln. Natürlich hat er es gelesen. Aber wir haben ihm eingebläut nicht hier aufzukreuzen."
Wieder nickte sie einfach nur, nahm einen weiteren Schluck Wein, als der Schwarzhaarige sich ebenfalls aufrichtete.
„Bleib du hier im Zimmer", sagte er und folgte Ginny in den Flur.
Mione goss sich Wein nach. Dabei zitterte ihre Hand bedenklich. Und es wurde für einen Augenblick noch heftiger, als sie die Tür aufschnacken hörte.
„Ist sie hier? Ich will sofort mit ihr reden. Sofort!", bellte Ron aufgebracht.
„Ron, komm runter", sagte Harry.
„Ist sie hier?", fragte ihr Exverlobter ein weiteres Mal. Dieses Mal schneidend.
„Ron, sie ist hier, aber sie wird jetzt nicht mit dir reden. Nicht heute. Klärt das unter euch, aber nicht, wenn sie hier bei uns ist. Als unsere Freundin und unser Gast", hörte sie nun Ginny.
„Das ist lächerlich. Ich will und werde jetzt mit ihr reden."
„Nein, wirst du nicht." Harry…
Einen Moment herrschte Schweigen. Dann bellte Ron erneut los.
„Habt ihr das gelesen? Es steht in jeder scheiß Zeitung in ganz London und England. Sie hat mich lächerlich gemacht. Konnte sie nicht einmal damit warten, bis wir es allen sagen konnten?"
„Ron bitte", warf Ginny erneut ein.
„Sie ist eine scheiß Hure. Wie konnte ich mich all die Jahre nur so in ihr irren. Wer weiß, was sie noch so alles hinter meinem Rücken getrieben hat."
„Ron", sagte Harry scharf.
Doch Hermiones Beine hatten sich bereits selbstständig gemacht. Wie von selbst war sie so heftig aufgesprungen, dass der Stuhl ins Taumeln geriet und gegen die Rückenlehne des Sofas krachte.
„Jetzt auf einmal glaubst du es sofort?", fauchte sie, als sie in den Flur trat. „Bis vor einer Woche hast du mich noch schallend ausgelacht und jetzt bin ich eine Hure, die es mit jedem treibt?"
Rons Augen weiteten sich, als er sie sah. Er versuchte sich an Ginny und Harry vorbei zuschieben, doch der Schwarzhaarige hielt ihn zurück. Über seine Schulter hinweg lachte Ron verbittert auf.
„Was glaubst du eigentlich, was du für ihn bist? Du bist doch nichts weiter als eine seiner billigen Nutten."
Sie schüttelte den Kopf, funkelte ihn so herablassend wie möglich an. „Vielleicht ist er nicht mehr für mich als ein Spielgefährte."
Ron ruckte erneut vor, doch Harry schubste ihn hart gegen die Tür.
Mione trat kopfschüttelnd zurück ins Wohnzimmer, fluchte leise auf und griff sich erneut das Glas.
„Mit wem spricht sie? Ist er auch hier?", brüllte Ron und schien Harry von sich zu stoßen.
Sekunden später kam er ins Wohnzimmer gestürmt, sah sich gehetzt in diesem um. Ginny folgte ihm dicht auf den Fersen.
„Ron, ich bitte dich", flüsterte sie kopfschüttelnd und nahm einen Schluck Wein.
Der Rothaarige schien sich zu entspannen, als er den leeren Raum erblickte. „Was ist bloß aus dir geworden", knurrte er dann und richtete sich die verrutschte Jacke; an der Harry ihn Sekunden später wieder packte und zurück in den Flur zerrte.
„Das war ich schon immer, Ron. Du hast es nur nie gesehen", warf sie zurück und folgte ihren beiden Freunden in den Flur.
„Ron, du solltest jetzt gehen", mischte sich Harry ein und drängte den Rothaarigen durch die geöffnete Tür. Auf dem Flur standen bereits die ersten neugierigen Nachbarn.
„Das Schlammblut und der ehemalige Todesser", lachte Ron gehässig. „Wie amüsant."
„Ron", bellte Ginny wütend.
Doch ihr Bruder ignorierte sie, trat jedoch auch zeitgleich von der Tür zurück.
„Glaub ja nicht, dass du zu mir zurück gekrochen kommen kannst, wenn dein Superstar dich abgelegt hat", fauchte er dabei an den Lockenschopf gewandt und stieg schließlich die Stufen hinab.
„Das werde ich auch nicht. Ganz sicher nicht", brüllte sie ihm in den Flur hinaus hinterher.
Erst als Harry die Tür vor ihr schloss und Ruhe einkehrte, wurde ihr bewusst, wie sehr ihr Herz raste.
„Also, jetzt brauche ich ganz dringend etwas Stärkeres als Wein", flüsterte der Schwarzhaarige und ging langsam zurück ins Wohnzimmer.
-v-
„Wie war dein Abend?", säuselte der Blonde amüsiert, als sie Stunden später dezent angeheitert in den Gemeinschaftsraum trat.
Er hockte entspannt in einem der Sessel vor dem Feuer und las in einem entsetzlich dicken Wälzer. Mione sah sich einen Moment im Raum um. Zu ihrer Erleichterung war er leer, von Daria fehlte jede Spur.
Irgendetwas in ihr sagte ihr, dass sie ihn gezielt gesucht hatte, als sie um diese Zeit in den Gemeinschaftsraum gekommen war.
„Entsetzlich", gab sie leise zurück und zog sich die Schuhe aus. Ließ sie achtlos neben dem Eingang zurück und trat rüber zu seinem Sessel. Malfoy beobachtete sie dabei mit einer hochgezogenen Augenbraue.
„Kein Wunder, wo du doch den Abend mit Potter verbringen musstest. Freiwillig…", neckte er herablassend und grinsend.
Sie taumelte um den Sessel herum, sparte sich jegliche weiteren Kommentare und ließ sich zu ihm in diesen fallen. Protestierend schnappte er nach Luft, der Wälzer rutschte ihm beinahe vom Schoß, als sie ihn hart hochschob um sich zwischen seine Beine zu zwängen.
„Granger, was zur Hölle machst du da", knurrte er und fing das Buch in halbem Fall ab.
Mione ließ sich wohlig seufzend zwischen seine Beine gleiten, legte ihren Kopf auf seine Brust. „Halte einfach den Mund", flüsterte sie dabei und schloss die Augen.
Genüsslich zog sie seinen Geruch ein, lauschte seinem Herzschlag. „Du riechst gut", sagte sie dann viel zu ehrlich.
Doch es war ihr egal.
Hier und jetzt schien alles wieder gut zu sein.
Irgendwie jedenfalls…
„Ich weiß", entgegnete er und ließ den Wälzer geräuschvoll neben dem Sessel auf den Boden fallen. „Was soll das werden? Willst du etwa so bleiben?"
Mione lachte leise gegen seine Brust. „Ja, ich denke schon."
Ein genervtes Seufzen streifte ihr Haar. Doch zu ihrer Überraschung legte er die Arme um sie…
Vorschau:
Dann öffnete sie erst Harrys, überflog lächelnd seine Zeilen. Sie waren locker und belanglos. Das übliche „ich denke an dich"-Gefasel. Doch es munterte sie gerade ungemein auf.
Etwas anders gestaltete sich die Lage mit Rons Brief. Der Inhalt überraschte sie nicht; oder wenigsten nur teilweise. Ron verlangte mal wieder eine Aussprache. Doch da sprach kein Gefühl und keine Freundschaft aus seinen Zeilen, sondern nach wie vor nur gekränkter Stolz.
Seufzend verstaute sie Harrys Brief in ihrer Morgenmanteltasche und schlenderte rüber zum Kamin. Übergab Rons, ohne auch nur einen Moment zu zögern, den Flammen.
Da bin ich mal wieder… :)
Ohne Große Worte: Danke an Fränzi, India und Mean für´s Rumspinnen, Erstlesen und Meinung geigen. Und natürlich danke an Fränzi fürs Betalesen… :)
Und natürlich auch vielen lieben Dank an alle Reviewer, für die erheiternden Rückmeldungen. Ihr habt keinen Schimmer, wie sehr das aufbaut. :) Oder vielleicht doch.. *lach*
Reviewtime:
Dracos CoffeeGirl: Ojee, na das glaube ich dir… *knuddel* Da solltest du dir aber Gedanken machen, warum du ausgerechnet von einem anderen träumst. Ist meistens ein unschönes Zeichen… Und notiert… Übrigens hast du recht, das ließe sich tatsächlich bombig verbinden… ;) Und deine Idee werde ich später verwenden, wenn es recht ist… Hier passte es leider nicht mehr… *hihi* ;)
Die-na: Jaja, ich habe dich ja vorgewarnt, was die rosa Brille auf Rufbereitschaft angeht… ;) Und danke fürs Daumendrücken… Seht ja gerade nicht so rosig aus… *schmoll* Naja, dann kann ich mich mit meinem Laptop ins Vorzelt setzten und schreiben… *lach*
HexenLady: Ja, im Grunde ist sie mir das auch… ;) *hihi*
Ika: Pfui, schämen solltest du dich… Nee, besser spät als nie, gel? ;) *kicher* Ich bin froh, dass es dir noch gefällt… Und ich strenge mich weiterhin an… Keine Sorge… *lach*
Fränzi: Ja, das flinke Frettchen.. ;) *hihi* Und danke für das Lob Sweety… :) *rotwerd* Und apropos diene Story: Ohne jetzt eventuelle Leser zu spoilen… Da gerate ich ja auch ständig ins Schwärmen…. *kicher*
Mohnblume: Huhu und schön, dass du (wieder) da bist… ;) *lach* Ja, das mit dem Hauchen ist mir und meiner Beta auch schon aufgefallen. Wir arbeiten daran, aber ich hab halt einfach ein Talent dafür, dass bei mir alles und jeder in jeder noch so unpassensten Situation haucht… *hust* Aber, danke für den ehrlichen Hinweis… :)
Hattu: Ja, ich denke vor allem diese Hell-Dunkel-Sache ist an Finnland (oder halt bei den Nordlichtern) der Knackpunkt… Ich drücke dir mal die Daumen, dass du dich hier schnell wieder einlebst… ;) *knuddel* Und ja… Die Balkontür-Szene wäre natürlich das absolute Non-Plus-Ultra gewesen… *laut lach*
