43. Ja oder nein.. Oder so…

Am nächsten Tag trugen ihre Füße sie nur widerwillig durch die Schule. Zum einen, weil die Blicke kaum mehr auszuhalten waren; zum anderen weil sie selber sich selbst nicht mehr aushalten konnte.

Sie hatte die ganze Nacht wach gelegen, versucht sich über ihre Gefühle klar zu werden und diese wirklich zu ordnen sowie zu deuten. Natürlich war dies nicht das erste Mal gewesen, doch dieses Mal hatte sie sich gezwungen weiterzudenken. Auch wenn ein Schutzschalter in ihr sich immer wieder umlegen wollte.

Mione war alt genug um zu wissen, dass man nicht einfach sagen konnte „ich liebe ihn." Die Gefühle, die dieser Worte würdig waren, brauchten Zeit. Jede Menge Zeit. Und auch wenn sie viele Wochen damit verbracht hatte sämtliche Gefühle für ihn zu ignorieren, konnten sie bisher noch nicht auf das Maß von Liebe angewachsen sein.

Fakt war jedoch, dass er ihr mehr bedeutete, als sie sich tatsächlich eingestanden hatte. Wie viel mehr musste sie jedoch erst herausfinden.

Wie es um seine Gefühle stand, konnte sie natürlich nicht sagen. Aber, irgendetwas Wahnwitziges in ihr, ließ immer wieder verlauten, dass es ihm vielleicht ähnlich ging. Soweit sie gelernt hatte ihn zu lesen, sprach es jedenfalls dafür.

Die Blicke, die er ihr zuwarf. Das kleine Bisschen Zuwendung, welches er ihr ab und an gegeben hatte. Etwa als sie aufgelöst und auch verletzt nach dem Zusammenstoß mit Ron gewesen war. Oder als Alain ihr zu nahe gekommen war.

Seine Taten sprangen ihr nicht entgegen, aber sie waren da gewesen. Vielleicht war da also sogar auch mehr…

Auch das würde sie wohl herausfinden müssen.

Und diesen Schritt zu gehen war schwer. Jetzt, wo sie sich selber wirklich eingestanden hatte etwas für ihn zu empfinden, war die Angst abgewiesen zu werden plötzlich da. Angst, die ihr die absurdesten Gedanken ins Hirn pflanzte.

Etwa: Was, wenn er nur mit ihr gespielt hatte? Was, wenn sie wirklich nur eines seiner billigen Betthäschen gewesen war?

Ein Teil von ihr sagte, das konnte nicht sein. Sagte ihr, dass viele seiner Aktionen und Reaktionen nicht zu dieser Vermutung passen wollten. Doch was wenn dieser Teil bereits durch die Emotionen verblendet war, die sie so lange verdrängt hatte?

Eventualitäten, die sie jetzt hier allen Ernstes schon rund eine Stunde vor seiner Tür herumlungern ließen. Unzählige Male hatte sie versucht anzuklopfen, doch jedes Mal war sie im entscheidenden Moment zurückgewichen.

Gott, sie klopfte an diese Tür, um mit ihm nackt und erhitzt durch dieses elendige Zimmer zu rutschen. Und dennoch wagte sie es nicht anzuklopfen, um mit ihm zu sprechen?

Sie lehnte sich erneut gegen die Wand gegenüber seiner Tür, starrte einen Moment dagegen. Mittlerweile schien sie jede Maserung im Holz auswendig zu kennen.

Nein, ganz offensichtlich konnte sie es nicht…

Allerdings konnte sie nicht wirklich sagen, ob es nun eher daran lag, dass sie nicht wusste was sie sagen konnte oder würde, oder ob es daran lag, was gerade in ihr vorging.

Ein Klacken, dann öffnete sich seine Zimmertür geräuschvoll. Mione stieß sich von der Wand ab. Ganz offensichtlich hatte das Schicksal nun das Ruder übernommen.

„Hallo", hauchte sie leise.

Er zog ungläubig eine Augenbraue hoch, hielt die Tür mit der einen Hand fest umklammert; in der anderen hielt er seinen neuen Besen.

„Lauerst du mir jetzt schon auf?", fragte er schnippisch.

Mione hustete. „Ich war zufällig hier", log sie und vergrub ihre Hände in den Hosentaschen.

Seine Augenbraue schoss noch höher.

„Naja. Jedenfalls…", fuhr sie fort. „Ich wollte dir etwas sagen."

Ein bitteres Lachen. „Dass es dir leid tut? Das kannst du dir sparen. Ich hatte in meinem Leben genug Drama. Meine Lust darauf ist also bereits erschöpft."

„Nein, ich habe nachgedacht. Ich meine, natürlich wollte ich dir sagen, dass es mir leid tut", begann sie. Doch er wandte sich augenrollend ab, schien zu überlegen, ob er ihr die Tür vor der Nase schließen, oder sich an ihr vorbeidrängen sollte.

„Und ich wollte dir sagen, dass ich dich…", rief sie hektisch aus, wurde sich über ihre Worte bewusst, als ihm das Gesicht entgleiste. „Ich meine… Ich bin wohl… verliebt oder so was…" Ein schrilles Lachen entwischte ihr und sie musste gegen den Drang ankämpfen sich nicht kräftig gegen die Stirn zu schlagen.

Seine Augen weiten sich etwas, er stellt den Besen auf dem Boden ab, atmete lautstark aus und schwieg.

Also schien irgendetwas in ihr die Meinung zu fassen, weitersprechen zu müssen. „Das dürfte mein erbärmliches Verhalten erklären", lachte sie seltendämlich. Ihre Hände zitterten. Ihre Lippen scheinbar auch. Himmel, sie hatte sich gerade emotional bis auf die Knochen vor ihm ausgezogen. „Ich weiß, das ist jetzt nicht weniger dramatisch, als ein: Es tut mir leid."

Er legte die Stirn kraus, starrte an ihr vorbei ins Leere und leckte sich über die Lippen.

„Das ist jetzt wahrscheinlich etwas viel. Es tut mir leid, dass ich dich mit meinen Gefühlen überrolle. Aber, ich hab die ganze Nacht darüber nachgedacht und…", sie schluckte schwer. „… ich musste es einfach sagen, weil ich…" Sie holte tief Luft und sah ihn an. Seine Miene war ein einziges Fragezeichen. „Es einfach sagen musste", japste sie.

Schweigen trat ein…

Ließ ihr scheinbar 15-jähriges Selbst mit einer erwachsenen Version des Teufels zurück.

Himmel, wo war sie hin? Diese erwachsene Frau, die sie bis vor einigen Stunden noch gewesen war? Die ältere Version von dem nervösen Mädchen, was jetzt auf dem Flur vor seiner Tür stand und alles vergessen hatte, was sich die Frau zurechtgelegt hatte.

„Gott, das ist so lächerlich", lachte sie heiser.

Die Stille brach und mit ihr auch seine Starre.

„Ja, das ist es", flüsterte er und sie zuckte leicht zusammen.

Doch sie fasste sich so schnell wie möglich wieder. Darauf war sie gefasst gewesen. Jedenfalls sollte sie es sein. Gefühle ließen sich nicht erzwingen. Welch weisen Worte, die ihre Mutter ihr so oft zugeflüstert hatte…

„Das ist okay", hauchte sie also, starrte ins Leere. „Ich wollte dich damit auch gar nicht unter Zugzwang oder Druck setzen."

„Zugzwang?", lachte er heiser und stützte sich so stark gegen die Tür, dass sie zurückfiel und er ins Taumeln geriet.

„Ja", flüsterte sie und wandte den Blick ab.

Erneutes Schweigen. Er starrte erneut matt und leer zu Boden. Oder nein. Gerade jetzt starrte er den Besen in seiner Hand an. Drehte ihn scheinbar prüfend um die eigene Achse und schluckte hart.

„Möchtest du nicht irgendetwas sagen?", fragte sie und sah ihn auffordernd an.

Er zog die Augenbrauen hoch, ließ den Besen weiter in seiner Hand rotieren. Er sah sie nicht einmal an, als er sprach. „Kein Zugzwang, richtig?"

Sie holte geräuschvoll Luft und lachte bitter. „Du wirst aber doch irgendwas dazu sagen können. Meinetwegen auch was typisch Höhnisches."

Der Besen stoppte, der Blonde begann bitter zu lachen. „Was willst du denn hören? Dass es mir genauso geht? Dass ich ebenfalls zwischen den Stühlen taumele? Meinen Stolz, der mich schallend auslacht in der einen Ecke und…", er stockte, schüttelte den Kopf. „Die Angst, dass ich mich drauf einlasse und du zurück zu Wiesel gehst in der anderen?"

Sie lachte bitter. „Nein, natürlich nicht", hauchte sie dann und sah zu Boden.

Ein genervtes Seufzen. „Granger, bist du echt so blöd wie du aussiehst?", fauchte er. Seine Stimme überschlug sich fast. Sie konnte die Emotion, die in ihr schwang jedoch nicht deuten.

Mione erstarrte mitten in jeglichem Tun. Sie hörte für einen Augenblick sogar auf zu atmen. Sie starrte ihn einfach nur fassungslos an, ließ jedes seiner Worte Revue passieren.

Dann machte es Klick. So laut, dass es in ihren rauschenden Ohren wehtat…

„Was?", hauchte sie dann.

Die Klammer schien sich für einen Augenblick in ihrer Brust in tausend Schmetterlinge aufzulösen. Ein noch absurderer Gedanke, als der, was hier eigentlich gerade zwischen ihnen auf dem Flur vorging.

„Was?", blaffte er. „Willst du mich jetzt verarschen, oder was? Das ist doch nicht erst seit gestern klar."

„So klar war das nicht", zischte sie zurück.

Heiser lachend und kopfschüttelnd machte er sich daran die Tür zu schließen. Doch sie stemmte sich mit aller Kraft gegen das Holz.

„Untersteh dich jetzt wegzulaufen. Wir werden das ausdiskutieren."

Er schnaubte, ließ von der Tür ab. „Was zur Hölle willst du denn bitte diskutieren?"

Mione stieß sich ebenfalls vom Holz ab, räusperte sich leise. „Naja. Das hier", hauchte sie dann und deutete zwischen ihm und sich hin und her.

Das hier?", fragte er mit hochgezogener Augenbraue.

Mione zuckte schwach mit den Schultern. „Ja. Uns… Malfoy, wir können das doch nicht so in der Luft liegen lassen. Ausgesprochen."

Er lehnte sich in den Türrahmen. „Granger, das liegt doch schon seit Wochen in der Luft. Unausgesprochen."

„Ja, eben. Jetzt haben wir es aber ausgesprochen."

„Und? Was ändert das?"

Seufzend wandte sie sich von der Tür ab. „Woher soll ich das wissen? Genau das will ich doch klären", fauchte sie. Vielmehr noch, sie war kurz davor sich die Haare zu raufen.

„Du willst es nicht klären, sondern ausdiskutieren", gab er überheblich zurück.

„Was das Selbe ist", wisperte sie und verschränkte die Arme vor der Brust.

Er leckte sich grinsend über die Lippen.

„Malfoy, jetzt untersteh dich mir so zu kommen. Wir haben uns gerade eben unsere Gefühle gestanden. Wir…", sie stockte, machte eine ausladende Geste in der Luft.

Oder so-en uns?", hauchte er und zuckte mit den Augenbrauen.

„Was?"

„Deine Worte: Ich bin verliebt oder so was", erklärte er augenrollend.

Sie nickte irritiert. „Ja, genau… Also…"

„Also", sagte er und stieß sich von der Tür ab, verschwand ins Zimmerinnere.

Mione blieb stirnrunzelnd zurück, folgte ihm mit ihrem Blick. Viel schneller als erwartet erschien er jedoch wieder auf ihrer Bildfläche, drückte ihr einen Besen in die Hand. Nein, es war sogar ein Dragonheart. Wahrscheinlich der seine.

„Was soll ich denn damit?", fragte sie und schürzte ungläubig die Lippen. Sie war seit der ersten Magierklasse nicht mehr geflogen.

„Diskutieren", flüsterte er grinsend, drängte sie aus der Tür und schloss diese. „Denn ich muss jetzt trainieren."

-v-

Unglücklich folgte sie ihm über die Ländereien. Jawohl, tatsächlich unglücklich. Denn er ignorierte sie. Sie und all die Dinge, die sie ihm sagen wollte. Oder eher, die Dinge, die sie ihm sagen wollte, wen sie sich bewusst werden würde, was sie sagen wollte…

Mione war verwirrt. Und da war Malfoy vor ihr. Kalt, ignorant und mit wehendem Umhang. Und hinter ihnen war ein Dutzend Schüler: Dumm tuschelnd und noch dümmer glotzend.

Es war zum Mäuse melken.

„Habt ihr hier was zu suchen?", bellte sie nach hinten, als sie das Spielfeld betraten. Seit Minuten zermattete sie sich das Hirn darüber, für welches Verbrechen sie ihnen unmengen Punkte streitig machen konnte. Leider fiel ihr einfach nichts ein.

Für das Herumlungern auf den Ländereien gab es jedenfalls keinen Punkteabzug…

Der kleine Tumult blieb jedoch auch ohne diesen irritiert stehen und fiel endlich hinter ihnen zurück. Und für einen Moment besänftigte es sie; auch wenn es sie nicht wirklich befriedigte.

„Malfoy, jetzt warte doch", rief sie und lief etwas schneller, um ihn einzuholen. „Warum musst du so…", begann sie, schüttelte jedoch nach den passenden Worten suchend den Kopf.

„Was?" Er blieb neben ihr stehen; oder auch mitten auf dem Feld.

Leise protestierend tat sie es ihm gleich.

„Was?", wiederholte er sich.

„So sein, wie… wie…"

„Wie ich nun einmal bin?", entgegnete er grinsend und brachte den Besen in die Waagerechte. Sekunden später schwebte er unter seiner geöffneten Handfläche in der Luft.

Mione versuchte ihm auch dies gleichzumachen. Sie drehte den Besen, öffnete die Hand… und er fiel zu Boden…

Malfoy schnalzte mit der Zunge, blickte neben ihr in den Staub. Seine Miene blieb zu seinem Glück jedoch matt.

„Auf", hauchte sie. Nichts…

Die ersten Anzeichen eines Grinsens.

Mione funkelte ihn strafend an, leckte sich über die Lippen.

„Auf." Neuer Versuch, jedoch erneut kein Glück. Das dumme Ding zuckte noch nicht einmal im Dreck zu ihren Füßen.

Seine Schultern zuckten jedoch langsam aber sicher gewaltig.

„Er ist verzaubert, richtig?", fauchte sie leise.

Er hob abwehrend und lachend zugleich die Arme. „Granger, er fliegt. Natürlich ist er verzaubert."

„Das meinte ich nicht. Du hast ihn gesondert verhext, damit ich mich hier zum Affen mache."

Seufzend griff er an ihr vorbei und der blöde Besen schoss hoch, ohne dass er auch nur den Ansatz einer Aufforderung gesprochen hatte.

„Nein", fluchte sie, riss ihm den Besen aus der Hand und drückte ihn wieder zurück in den Dreck. Doch das Holz zuckte immer wieder, um zurück in seine, nach wie vor ausgestreckte, Hand zu gelangen.

Mit dem Fuß hielt sie ihn schließlich unten, richtete sich schnaubend wieder auf. Unter ihrer Schuhsohle spürte sie den Besen nach wie vor wenige Millimeter hochschießen. Erst als er zurücktrat kam das Holz unter ihrem Fuß zur Ruhe.

„Was tust du da?", fragte er skeptisch, trat noch einen Schritt weiter zurück. Dabei hatte er seinen Besen wieder in die Senkrechte gebracht und ihn in die Hand genommen. Er sah verwirrt und amüsiert zugleich aus, als er sie beobachtete.

„Ich will das alleine machen", murmelte sie und versuchte es erneut.

„Auf." Es war nicht mehr als ein Flüstern. Wieder zitterte das Ding kein Bisschen.

Malfoy leckte sich ihr gegenüber amüsiert über die Lippen, blieb jedoch mucksmäuschenstill.

„Auf", knurrte sie erneut, sah ihn strafend und errötend an. „Schön, dass wenigstens einer hier seinen Spaß hat", bellte sie dann.

Er hob eine Augenbraue. „Es wird nicht funktionieren, wenn du mich dabei fixierst."

„Du hast mich auch gerade fixiert", blaffte sie und musste stark gegen den Drang ankämpfen das blöde Ding zu ihren Füßen fortzutreten.

„Ich habe aber an den Besen gedacht", sagte er vielsagend.

Mione runzelte die Stirn.

„Denk an den Besen, Granger. Nicht an mich und was du noch alles diskutieren willst."

„Ich denke überhaupt nicht an dich", fauchte sie. „Und es würde es mir leichter machen, wenn ich darüber sprechen könnte."

Ein Seufzen, sein Blick sprach tausend Worte. Mione blickte zu Boden, drückte den Besen unter ihrem Fuß mit ihrem Gewicht noch etwas tiefer in den Sand. Sie wusste, wie widersprüchlich ihre Worte gerade gewesen waren. Aber, das war ihr egal.

Sie konnten doch nicht einfach so tun, als wäre das Gesagte gerade eben niemals gesagt worden. Das war doch vollkommen…

Er trat einen Schritt näher an sie heran, räusperte sich. „Dann sprich."

Sie zögerte. Suchte weiterhin nach Worten.

Er sah sie weiterhin auffordernd an.

„Also…"

„Also."

„Ich weiß nicht, so recht. Aber, sollten wir nicht über…"

Wieder einmal rollte er genervt mit den Augen, wich ihrem Blick aus.

„Malfoy, bitte. Hör auf damit. Nicht jetzt."

„Granger, was willst du denn? Über dich und mich und das oder so sprechen? Es tot quatschen?"

Mione zögerte, starrte an ihm vorbei in die Ferne. Ja, was wollte sie?

Über das Gesagte sprechen? Über das, was es bedeutete? Was es verändern würde?

„Wie geht es jetzt weiter?", flüsterte sie schließlich.

Er zuckte mit den Schultern, machte mit den Händen eine ausladende Geste. „Es geht doch schon weiter."

„Ja, aber. Das kann es doch nicht gewesen sein. Da sind so viele Dinge und Fragen…"

„…auf die wir hier und jetzt doch noch keine Antwort haben."

Kapitulierend hob sie die Arme, sah ihn fragend an. „Was schlägst du dann vor?"

„Es nicht kaputt zu quatschen." Sein Gesicht verzog sich zu einem schelmischen Grinsen. „Und jetzt flieg endlich."

Einen Moment zögerte sie. Sah ihn einfach nur an. Wahrscheinlich hatte er Recht. Es hatte keinen Sinn es hier und jetzt auszudiskutieren, wenn keiner von ihnen sagen konnte, wo es enden würde.

„Okay", flüsterte sie dann, streckte den Arm wieder aus. „Fliegen wir."

-v-

Mehr schlecht als recht eierte sie eine gefühlte Ewigkeit später unsicher auf dem Besen hockend neben ihm durch die Luft. Eigentlich hockte sie noch nicht einmal, sie hing auf dem elenden Stück Holz, wie ein Schluck Wasser in der Kurve.

Und unter ihr war es tief. Verdammt tief.

Himmel, hier und jetzt verfluchte sie sich dafür, dass sie niemals den Nachfragen ihrer Freunde, sich am Spaßquidditch im Garten der Weasleys zu beteiligen, nachgekommen war. Denn sie machte sich gerade wirklich nach allen Regeln der Kunst zum Affen.

„Granger, jetzt lass die Füße in den Bügeln", sagte er schneidend und etwa zum einhundertsten Mal und streckte den Arm nach ihr aus.

Langsam und zögernd gehorchte sie, zog den Fuß zurück in den Bügel und richtete sich etwas auf. Sofort begann der Besen entsetzlich zu wackeln. Ein leises Kreischen entwischte ihr, als sie seine Hand ergriff und sich so fest sie konnte daran festklammerte.

„Bleib unten. So kannst du besser das Gleichgewicht halten."

Sie gehorchte erneut, entspannte sich etwas, als der Besen unter ihr aufhörte zu taumeln. Schließlich wagte sie sogar seine Hand loszulassen und beide Hände an den Stiel zu legen.

„Es funktioniert", lachte sie leise, während sie im Schneckentempo neben ihm her trudelte.

Er sagte nichts, schwieg und grinste unverschämt in die Dämmerung hinein.

„Ja, mach dich nur lustig über mich. Ich bin hellauf begeistert", kicherte sie abwertend und legte noch einen Zahn zu.

Malfoy lachte neben ihr amüsiert auf. „Du machst dich sehr gut…"

Sie blickte strahlend auf.

„… für jemanden, der so untalentiert ist." Er sah sie neckisch an, leckte sich grinsend über die Lippen.

Lachend, fluchend und zischend zugleich schlug sie nach ihm, doch er wich ihrem Schlag mit einer geschickten Rolle aus. Dummerweise riss es sie dabei ebenfalls herum. Schreiend überschlug sie sich selbst, blieb mit dem Kopf nach unten in der Luft hängen.

„Oh mein Gott", japste sie und versuchte sich krampfhaft wieder hoch zu ziehen. Doch sie kam nicht einmal annähernd an ihr Ziel. Immer wieder kippte sie zurück, brachte den Besen mit jedem missglückten Mal mehr ins Trudeln.

Er ließ sich neben ihr ebenfalls über Kopf fallen, umfasste ihren Besen mit der Hand und lachte leise.

„Beruhig dich, du gehst das viel zu hektisch an. Du verschwendest deine Kraft."

„Du hast gut reden, Mister Sportsuperstar. Ich sitze nicht jeden Tag auf diesen Dingern", blaffte sie panisch zurück, versuchte es erneut und rutschte mit der rechten Hand ab. Langsam aber sicher machte der Schweiß ihren Griff schwach und ihre Arme begannen zu zittern. „Malfoy, ich kann mich nicht mehr lange festhalten."

Er ließ ihren Besen los, drehte sich mit einer fließenden und kinderleicht aussehenden Bewegung zurück auf die Oberseite. Ihre Arme begannen zu schmerzen…

„Du musst dich mit Schwung zurückdrehen", sagte er und umfasste den Besen erneut.

Zimmernd setzte sie zum Schwung an, doch natürlich brachte es nichts, da er den Stiel festhielt. Der Besen ruckte in seiner Hand kurz auf und sie fiel zurück. Wieder rutschten ihre Hände weg und sie schrie erneut.

„Doch nicht wenn ich dich festhalte, Granger. Bei drei."

„Ich kann nicht mehr", jammerte sie kraftlos, spürte Tränen in ihre Augen schießen. Ein unbändigender Mix aus Wut und Panik durchflutete sie. Sie versuchte sie zurückzuhalten, doch bevor sie es überhaupt registriert hatte, liefen ihr die ersten Tränen in den Haaransatz. „Verdammt", fluchte sie mit zitternder Stimme.

„Tief durchatmen. Ich zähle bis drei", sagte er mit einem Tonfall, der fast schon etwas Beruhigendes hatte. Würde er nicht nach wie vor irgendwie amüsiert klingen.

„Grins nicht so blöd. Du könntest mir helfen", patzte sie.

„Granger, du hängst da wie ein dicker, zappelnder Käfer, der versehentlich auf dem Rücken gelandet ist. Und was glaubst du was ich hier mache. Also, bei dr-"

„Du könntest mich hochziehen, du Mistkerl."

„Damit du uns beide vom Besen reißt und wir acht Meter tief fallen?"

„Jetzt sag nicht, dass du Angst hast. Du bist weiß Gott schon tiefer gefallen." Eine weitere, nasse Spur fand ihren Weg von ihren Augenwinkeln in ihren Haaransatz. Sie kochte fast über vor Wut.

„Nein, habe ich auch nicht. Ich möchte aber in der Lage sein dich in den Krankenflügel zu bringen, wenn du fällst", sagte er und umklammerte wieder ihren Besen. „Also, bei-"

„Malfoy", brüllte sie ihn an.

„Ich sagte nicht, ich will dass du fällst. Aber, wenn du weiterhin rumzickst, anstatt mir zuzuhören, wirst du fallen", blaffte er zurück, sah sie von oben herab ernst an.

Sie atmete tief durch, sah ihn am Besenstiel vorbei an. „Okay. Ich höre zu."

Ein Nicken. „Du wirst eine ganze Rolle jetzt wahrscheinlich nicht mehr schaffen. Die beste Variante ist in deinem Fall also eine verkeilte Seilrolle-"

„Was ist eine verkeilte Seilrolle, verdammt?", krähte sie und knirschte vor Anstrengung mit den Zähnen.

Der Blonde holte genervt und äußerst tief Luft. „Ich kann es dir erklären, oder auch zeigen. Letzteres wäre einfacher, aber dazu muss ich den Besen loslassen."

Ihre Hand rutschte erneut ab. „Zeig es mir", entschied sie instinktiv und schloss tief ein- und ausatmend die Augen.

Der Besen wurde losgelassen und sie trudelte wackelig durch die Luft. Der Abendwind zerrte spielerisch an ihren Haaren, streifte beinahe sanft ihr feuchtes Gesicht. Es wäre vielleicht sogar ein schönes Gefühl, würde sie nicht kopfüber und kraftlos an diesem blöden Besen hängen.

„Sieh mich an."

Seufzend öffnete sie die Augen, ihr linker Arm begann zu kribbeln. Mione versuchte es zu ignorieren, sah ihn an.

Er nickte zustimmend, als er sich ihrer Aufmerksamkeit sicher war. „Du stemmst den rechten Ellenbogen so gegen den Stiel. Mit diesem stützt du dich führend ab und gleichzeitig…", er machte genau das Gesagte, legte das linke Bein über den Stiel und schwang sich selber um den Besen herum. „…schiebst du dich mit dem Bein rüber."

Der Lockenschopf nickte, presste den Ellenbogen gegen den Stiel und versuchte sich über den Besen zu schieben. Doch sie rutschte mit dem linken Bein aus dem Bügel und sah sich schon fallen. Jedoch hielten ihr linker Arm und das rechte Bein sie oben. Der Besen geriet allerdings extrem ins Trudeln und fiel mehrere Meter hinab.

Schreiend kam sie gefühlte fünf Meter tiefer zum Stehen; Malfoy war über ihr, hatte den Stiel erneut umfasst.

„Das war gut. Gleich noch mal."

Mione knirschte erneut mit den Zähnen. Nun kribbelten beide Arme. Jetzt oder nie…

‚Rechten Ellenbogen gegen den Stiel pressen, linkes Bein hoch und herum", flüsterte ihre innere Stimme…

Und sie tat, wie sie sich selber geheißen hatte. Ohne wirklich nachzudenken und mit dem Einsatz ihrer letzten Kraft. Danach würde es wahrscheinlich bergab gehen. In Windeseile…

Sie rutschte tatsächlich hoch, drohte jedoch auf den letzten Zentimetern wieder zurück zu fallen. Doch Malfoy packte sie hart am Sweater und zog sie grob die fehlenden Zentimeter zurück auf den Besen.

„Ja", sie lachte lauthals auf, klammerte sich an den Besenstiel fest und wagte nicht ihn loszulassen, um sich über das klamme Gesicht zu wischen. „Geschafft."

„Geschafft", wiederholte er sie grinsend.

„Ich denke, für mich ist das Training für heute beendet", flüsterte sie schließlich, wagte es loszulassen und sich beschämt die Tränenspuren fortzuwischen.

Er nickte und ließ ihren Besen los. Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass er ihn nach wie vor festgehalten hatte. „Das war gut", sagte er dann überraschend.

„Mach dich nicht lustig über mich", lachte sie leise, machte sich mit ihm gemeinsam daran den sicheren und einladenden Boden anzusteuern.

„Du weißt genau dass es anders klingt, wenn ich mich über dich lustig mache", spottete er und beschleunigte etwas, schoss an ihr vorbei und beängstigend schnell auf den Boden zu.

Mione konnte sich ein zufriedenes Lachen nicht verkneifen, als sie die Erde endlich wieder hatte. Sie hatte eine verkeilte Seilrolle gemeistert. Das musste sie Harry erzählen…

-v-

„War das eigentlich eine schwere Übung?", fragte sie ihn, als sie gemeinsam zurück zum Schloss gingen.

Er lachte amüsiert auf. „Nein."

Mione schnaubte leise, sah ihn einen Moment forschend an. „Würdest du mir... Vielleicht… Also, hättest du…", stammelte sie seltendämlich vor sich hin. „Dürfte ich dich beim nächsten Mal begleiten? Das hat echt Spaß gemacht und…"

Malfoy sah sie grinsend jedoch schweigend an, während sie nebeneinander hergingen. Hier und da streifte der neue Besen in seiner Hand – der sagenumwobene Prototyp – das Gras.

„Ist das ein Ja?", fragte sie grinsend.

„Es ist jedenfalls kein Nein", wisperte er.

Zeitgleich tauchten sie wieder in die Schulmauern ein, ließen das in der Dunkelheit liegende Schlossgelände hinter sich. Sofort lagen wieder zahlreiche Blicke auf ihnen. Schülerinnen, aber auch Schüler starrten sie unverschämt und unverblümt an.

Zum ersten Mal hatte sie das Gefühl, sich in ihn herein versetzten zu können. Zu verstehen, warum er ihren Blicken auswich, sich beim Stadtbesuch vermute oder sich gar in der hintersten Ecke der Bücherei verkroch…

„Mister Malfoy? Begleitet Miss Granger Sie wirklich zur Huxley Eröffnung?", fragte plötzlich eine kleine, blonde Slytherin, die vollkommen unerwartet aus einer starrenden Traube herausgetreten war. Einige der anderen Mädchen kicherten, jedoch lagen alle Blicke sofort gierig und fragend auf ihr und dem Blonden.

„Warum? Möchtest du ihn begleiten, Kendra?", spottete ein dunkelhaariger Slytherin vom gegenüberlegenden Hofende und das Mädchen zuckte errötend zusammen.

„Nein, ich wollte nur…", sie sah sie immer noch errötend an.

Malfoy und auch Mione waren etwas langsamer geworden, was aber wohl überwiegend daran lag, dass sie sich gegenseitig ausbremsten. Um zu sehen, was der andere tat.

„Tust du das, Granger? Begleitest du mich?", fragte der Blonde plötzlich spöttisch grinsend. Dabei beschleunigte er seine Schritte wieder, bewegte sich aber rückwärts fort, so dass er sie ansehen konnte.

Alle Blicke schossen in ihre Richtung; selbst die der Schüler, die das ganze Malfoy-Prozedere bisher nicht interessiert hatte. Mione runzelte wütend die Stirn, funkelte ihn vielsagend und strafend an.

Malfoy amüsierte sich hingegen gerade scheinbar köstlich. Breit grinsend blieb er stehen, vergrub gespielt gespannt die freie Hand in der Hosentasche.

„Ist das eine Einladung?", fragte sie und neben ihr schnappten einige der Mädchen lautstark nach Luft.

Der Blonde schien einen Moment überrumpelt zu sein, setzte dann jedoch erneut grinsend zum Gegenschlag an. „Ist das ein Ja?"

Ein viel zu breites Grinsen stahl sich auf ihr Gesicht. „Es ist jedenfalls kein Nein."


Vorschau:

Seufzend blickte sie ebenfalls hinauf, zählte die Sterne über sich. Fragte sich einen Moment, ob sie ein Sternenbild bildeten. Sie kannte sich nicht gut genug aus, um sicher zu sein. Außerdem war der Himmel zu vernebelt, um alle Sterne klar sehen zu können.

Schließlich beugte sie sich wieder zum ihm runter, begann peinlich ihr Gesicht an seinem Nacken zu reiben. Gott, sie spürte ihn regelrecht die Stirn runzeln, doch es war ihr egal. Sie brauchte diese Nähe und sie würde sie sich holen.

„Granger", grummelte er und richtete sich etwas auf. „Was zur Hölle machst du da?"

„Nichts", fluchte sie und drehte ihr Gesicht wieder etwas weg.


Huhu… Ich mal wieder… Faul wie nix, weil ich mal eben den Dark-Text geklaut habe… ;)

Um es kurz zu fassen: Danke an Fränzi fürs Betalesen und Danke an India und Mean für den kreativen Beistand. :) Und natürlich habe ich mich mal wieder über die lieben Reviews und die Favos gefreut. Ich möchte allerdings an dieser Stelle, wie immer, an die vielen Stillleser appellieren: Wenn es euch gefallen hat, lasst mir doch ein kleines Kommentar da. Das spornt wirklich ungemein an. :)

Reviewtime:

Fränzi: Hihihi… Wer ist Blair? *laut lach* Ja, ich mag sie auch nicht. Obwohl sie eigentlich nix dafür kann, dass wir sie nicht mögen… *ditsch* Und ich bin nach wie vor der Meinung, ihn zu werfen wäre schwer. Schubsen dürfte funktionieren, obwohl seine Rache furchtbar wäre. Wie wäre es mit anbinden? An nen Tretboot vielleicht… *hihi* Wie du siehst, bin ich nach wie vor ditsch… ;)

Anna: Ja… Allerdings fürchte ich, folgen noch nen paar Höhen aber auch Tiefen… ;) Ich hoffe, du bleibst dabei…

Die-Na: Lebenselexier könnte passen… Wie eure Tränen…. *buahahaha* *hust* Freudentränen natürlich… Nicht wundern übrigens, ich fürcht, ich habe einen Sonnenstich. Mal wieder… Und nen Sonnenbrand habe ich auch… Und, wie ist die Behandlung gelaufen? Hoffe doch mal gut… :)

HexenLady: Joah, alles klar… Tschöö… ;) *hihi*