45. In Anbetracht der aktuellen Situation…
Daria entwischte ein aufgebrachtes Quietschen, während sie hektisch vor dem Bett auf und ab sprang. Auf diesem schimmerten die verschiedensten Gründe schlicht und edel und in allen möglichen Farben. Oder eher in den Farben, die ihr stehen könnten: zartgrün, feuerrot, schwarz aber auch olive…
Mione seufzte, öffnete das Briefchen, das die fünf Vogel starke Eulenpost vor einigen Minuten mitsamt den zwölf Kleidern geliefert hatte, die Daria nun andächtig auf dem Bett betastete und aus der Nähe begutachtete.
„Das ist von Chanel", flüsterte sie und zog das olivefarbene Kleid aus dem Stapel, das dem Lockenschopf bereits bei der Ankunft ins Auge gefallen war.
„Und das hier von MagicMont." Andächtig zog ihre Freundin ein lindgrünes Trägerkleidchen aus dem Stapel, dessen lange Form entsetzlich weich zu fallen schien. „Merlin, ist das weich. Das fühlt sich an als wäre da nichts."
„So sieht es auch aus." Seufzend konzentrierte Hermione sich auf das Briefchen in ihrer Hand und ließ ihre Freundin mit den Kleidern hantieren, während sie es entfaltete und langsam zu lesen begann.
Sehr geehrte Miss Granger,
aufgrund von Dracos Bitte habe ich Ihnen ein paar in Frage kommende Kleider zur Verfügung gestellt, die Sie am kommenden Freitag bei der Eröffnung der zehnten englischen Huxleys-Filiale tragen können.
Wie Sie sehen haben sich einige Modelabel bereiterklärt, Sie auszustatten. Wählen Sie Ihren Favoriten und schicken Sie mir die anderen Kleider bitte am Montag zurück. Beachten Sie jedoch, dass edel und schlicht besser in ein gehobenes Öffentlichkeitsbild passen als schillernd und auffallend.
Bei der Veranstaltung selber ist es wichtig, dass Sie nur auf Anfragen der Presse hin den Designer erwähnen, da diese Fragen meistens bereits über unser Management abgeklärt werden. Drängen Sie diese Info also niemandem auf. Preisnachfragen ignorieren Sie bitte wortlos.
Falls noch Fragen oder Unsicherheiten bestehen sollten, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Wir können natürlich auch mit passendem Schuhwerk aushelfen. Erst heute haben wir ein wundervolles schwarzes Paar Manolo Blahniks erhalten.
Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend,
Shanice Leblanc
MakeOver und Styling Department
SMC – SportsMagicConsulting Group
PS: Das ausgewählte Kleid dürfen Sie natürlich behalten.
Sie ließ den Brief wortlos sinken und starrte benommen auf das, mit den Kleidern überhäufte, Bett. Daria ließ ein weiteres Quietschen ertönen und flüsterte etwas, was verdächtig nach einem „Vera Wang" klang.
„Himmel, wie groß ist diese Gala-Sache eigentlich?", fragte sie schließlich leise.
Die Schwarzhaarige richtete sich langsam auf und blickte sie fragend an. Dabei wechselte ihr Blick immer wieder zwischen Hermiones Gesicht und ihrer Hand hin und her.
„Die Witch weekly hat davon berichtet. Die Überschrift lautete Rätselraten um Malfoys Begleitung", sagte sie dann.
Mione zog eine Augenbraue hoch. „Sie haben über die Gala berichtet und Malfoy dabei zwangsläufig erwähnt, oder über Malfoy geschrieben und die Gala beiläufig fallen lassen?"
Daria sah sie an, kam langsam und bedenklich grinsend auf sie zu, nahm den Brief schließlich langsam an sich.
„Im Grunde haben sie beides erwähnt. Malfoy und die Gala. Beides verkauft sich gerade ausgesprochen gut." Fast schon nervend ruhig entfaltete sie das Papier. „Dir ist klar, dass man das als eine Beziehungszusage auffassen könnte?", murmelte sie dabei und begann schließlich zu lesen.
Mione lachte bitter, wandte sich dem Bett zu. „Wir führen keine Beziehung."
Ja, was auch immer das was sie hatten sein mochte, es war wohl am aller wenigsten so etwas wie eine Beziehung…
„Das wird denen egal sein", riss Daria sie aus den Gedanken.
„Denen?"
„Den Hyänen."
„Hyänen? Die Rede war nie von Hyänen", gab sie brüchig zurück und stemmte die Hände in die Hüften.
Natürlich war hier nicht wahrhaftig von den blutrünstigen Tieren aus der Savanne die Rede. Sondern viel eher von den noch blutrünstigeren Tieren der Presse- und Klatschwelt.
Die Schwarzhaarige sah sie von der Seite forschend an. „Mione, du weißt dass die Hyänen ihm immer und überall auflauern. Das hast du erst vor kurzem selber schmerzlich erlebt."
Sie seufzte lautstark. „Ich dachte das wird eine kleine Eröffnung. Mit etwas lokaler Presse, mit…"
„Käsehäppchen, gepantschtem Sekt und quengelnden Kids? Wie bei Weasleys?", unterbrach Daria sie.
Mione sah diese schweigend an, atmete bei der Erwähnung der Weasleys tief und lautstark durch.
Ja, sie musste zugeben, irgendwie hatte sie dies scheinbar unterbewusst tatsächlich erwartet. Was natürlich lächerlich gewesen war. Allein die Tatsache, dass Naomi Reed, ihres Zeichens Topmodel ebenfalls erscheinen sollte. Mit Malfoy… seines Zeichens ein Sportstar…
Und hier stand sie… Ahnungslos… Unvorbereitet…
Auf ihrem Bett lagen Kleider, von denen sie sich sicher kein einziges leisten konnte. Kleider, wie sie die Mugelstars bei den Oskarpremieren trugen: Nur wahrscheinlich in etwas schlichterer Ausführung. Denn keines der Kleider schien länger als knöchellang zu sein.
Passende Schuhe hatte sie natürlich keine, aber sie wollte und konnte sich keine Manolos anziehen. Das war einfach zuviel des Guten. Sicherlich würde es sich anfühlen, als würden ihre Füße verbrennen.
„Du gehst nicht mit Ron zur Weasleys Eröffnung, Süße", setzte Daria auch noch leise einen drauf.
Sie sah ihre Freundin lange an, während das Zimmer sich etwas zu drehen begann.
„Sag mal…", begann die Andere leise. „Hast du Ron informiert, dass du ebenfalls dort sein wirst? In Begleitung von Malfoy?"
Hermione schluckte, blickte zu Boden.
Nein, offensichtlich hatte sie das nicht getan. Er ahnte es ja eh und… Daher hatte sie es einfach bis hierher und so weit und gut wie möglich verdrängt. Merlin, sie war eine Närrin…
Ihr wurde schlecht. Diese sündhaft teuren Kleider schienen sie zu verspotten.
„Ich kann nicht", presste sie schließlich hervor.
Ihre Freundin ließ das dunkelblaue Kleid von Vera Wang sinken und sah sie besorgt an.
„Ich habe es ihm nicht gesagt und ich…"
Daria war mit wenigen Schritten bei ihr. „Es ist okay, ihr zwei seid kein Paar mehr. Er wird wahrscheinlich auch nicht alleine dort auftauchen. Du schuldest ihm nichts und du kannst dein Leben nicht nach seinen Vorstellungen gestallten. Ihr zwei habt euch eh nichts mehr zu sagen", versuchte sie sie zu beruhigen.
Natürlich war dies in anbetracht der Tatsachen ein kläglicher Versuch. Wahrscheinlich sah man es ihr an.
„Damit muss er jetzt -wohl oder übel- leben."
„Ich kann nicht", setzte Mione erneut an. „Ich habe… keine Schuhe… Und ich werde keine Blahniks tragen. Das kann ich nicht. Mit…", stammelte sie, spürte wie ihr Herz zu rasen begann. Unbeholfen deutete sie auf ihre nackten Beine. „… unsauber rasierten Beinen."
Daria umfasste sie an den Schultern, drängte sie schließlich inmitten der Kleider zum Sitzen. „Durchatmen, Süße. Das wird wieder…"
„Das glaube ich kaum", japste sie und holte ein paar Mal tief Luft. Doch es wirkte tatsächlich. Langsam hörte das Zimmer auf, sich zu drehen.
Natürlich hatte ihre Freundin zu großen Teilen Recht. Dennoch hätte sie es ihm irgendwie sagen sollen. Was an der Gesamtsituation rein gar nichts geändert hätte. Sie blickte unsicher auf den Stapel unbeantworteter Briefe, die auf ihrem Schreibtisch lagen.
„Geht es wieder?", fragte die Andere schließlich. Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass Darias Hände immer noch auf ihren nackten Schultern ruhten.
„Was soll ich denn jetzt machen? Wenn ich nicht gehe, werden all diese Designer sicher stinksauer sein."
„Mione, bitte. Jeder, dessen Kleid du nicht trägst wird stinksauer sein. Und Ron ist eh sauer. Ob du jetzt gehst oder nicht."
„Ja…", murmelte sie und starrte benommen ins Leere.
Die Schwarzhaarige ließ von ihr ab und ging herüber zum Schreibtisch, zog ein Stückchen Pergament aus der Schublade und begann zu schreiben. „Aber, wenigstens einen solltest du glücklich machen. Oder halt zwei…"
Mione zog eine Augenbraue hoch. „Was tust du da?"
„Ich schreibe dieser Frau, dass sie dir die Blahniks schicken soll."
-v-
Ungläubig und fassungslos verließ sie anderthalb Stunden später tatsächlich ihr Zimmer: Gekleidet in einem olivegrünen Traum aus feinster Seide. Trägerlos umspielte es ihren Körper und endete nur wenige Zentimeter über die ebenfalls traumhaften schwarzen Schühchen, in denen ihre feinsäuberlich pedikürten Füße steckten.
Ihr Haar hatte Daria verspielt und locker hochgesteckt. Hier und da hatte sich eine große Locke beabsichtigt wieder freigekämpft und kitzelte ihr Gesicht, ihre Schulter und ihr Gesicht. Der Rest ihrer störrischen Haarpracht wurde von Flexis magischem Glanzspray an Ort und Stelle gehalten. Ihr Gesicht war für ihre Verhältnisse ungewöhnlich stark geschminkt, ohne zu auffallend zur wirken. Daria hatte ihre Augen ebenfalls olivegrün betont und nur auf dezent getönten Lippgloss zurückgegriffen.
Schmuck trug sie nicht, da die Schnalle des Kleides, welche den Stoff mittig ihrer - via Magie gestützten - Brüste an Ort und Stelle hielt, bereits ein Schmuckstück an sich war. Sie schien in mehrere Goldtönen zu schimmern und ihre Mitte zierte ein ebenfalls olivegrüner Stein. Sie hatte das ungute Gefühl, dass diese ebenso echt war, wie die Seide in der sie gerade steckte.
Also trat sie in ihrem sündhaft teuren Outfit erwartungsvoll in den Gemeinschaftsraum. Ihr Herz raste dabei in ihrer Brust, als hätte sie gerade eben einen 500 Meter Lauf bestritten.
Malfoy hockte natürlich -bereits mit genervter Miene- auf dem Sofa, balancierte eine alte Zeitschrift auf seinem Schoss und biss gerade beherzt in einen Apfel, als sie eintrat. Seine Miene erhellte sich etwas, als er sie erblickte; jedoch nicht ohne einen Hauch von Strafe zu verlieren.
Er steckte in einem schwarzen Anzug und einem hellgrauen Hemd; die oberen zwei Knöpfe waren lässig geöffnet. Jedoch konnte man nichts was darunter lag erahnen. Wie immer sah er gut aus. Viel zu gut… Geradezu fantastisch…
Mione schluckte. Er sah tatsächlich aus wie einer diese lässigen Schönlinge, die sie aus der Zeitung kannte. Die, die aussahen, als würde sie genau so aus dem Bett steigen, da ihr Haar trotz aller Stylingbrillanz tatsächlich gleichzeitig etwas von Wildheit beinhaltete.
„Merlin, das hat ja ewig gedauert", fluchte er schließlich. Oder auch zeitgleich mit ihrem Gedankenausrutscher. Ertappt katapultierte sie es zurück ins hier und jetzt. Blitzschnell legte er Zeitschrift und Apfel beiseite und richtete sich auf.
„Wir haben so schnell gemacht, wie wir konnten", schnaubte sie und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Schnell", lachte er bitter und trat an sie heran. „Ihr habt da die ganze Zeit Gegackert wie die Hühner."
„Das war Daria. Ich habe ganz sicher nicht gegackert."
Malfoy sah sie aus eisgrauen Augen an. Sie schienen beinahe perfekt zu seinem Hemd zu passen. Und er roch wie immer fantastisch.
„Wie auch immer. Wir sollten los."
Hermione holte tief Luft, blickte einen Moment auf den Boden. „Bist du wirklich sicher, dass-", begann sie leise.
Sie wollte es in jedem Fall einmal angesprochen haben. Vielleicht würde es wenigstens einen Teil der Zweifel, die gerade in ihr umherwirbelten, zum Schweigen bringen. Doch er fiel ihr grob ins Wort.
„Denk nicht einmal daran, mich jetzt auflaufen zu lassen. Du wolltest mich unbedingt begleiten, also wirst du mich nun auch begleiten", knurrte er schneidend und zog ein kleines, silbernes Ding aus seiner Hosentasche hervor.
Gebannt starrte sie auf den Schlüssel, als den es sich auf den zweiten Blick entpuppte.
„Was ist das?", fragte sie.
Er funkelte sie belustigt an. „Ein Portschlüssel. Oder dachtest du, wir reisen in dem Aufzug via Flohnetzwerk?"
Ihr entwischte ein schwaches Schnauben. Im Grunde hatte sie an das Reisen heute am wenigsten Gedankenkraft verschwendet. Doch leider blieb sie stumm. Ihr wollte einfach nichts Passendes einfallen.
„Also. Können wir?"
Sie biss sich unsicher auf die Unterlippe.
Er seufzte genervt. „Was immer es ist, rück jetzt damit raus. Bevor wir von Fremden umzingelt sein werden."
„Es wird so aussehen, als ob wir… zusammen wären."
Malfoy lachte leise auf.
Sie funkelte ihn an.
„Granger, ich weiß nicht ob es dich beruhigt, aber ich bin bei solchen Veranstaltungen so oft mit verschiedenen Frauen aufgekreuzt. Teilweise sogar innerhalb einer Woche. Die werden also erst einmal alles vermuten, nur nicht gleich, dass wir ein Paar sind."
Die Klammer in ihr packte hart und erbarmungslos zu, vertrieb für einen Moment sogar die Zweifel, die sie quälten.
„Das beruhigt mich kein Bisschen", fauchte sie dann.
In seinen Augen blitzte es amüsiert auf, während er den Schlüssel in seiner Hand grinsend herumdrehte. „Das habe ich mir gedacht", hauchte er und fasste sie blitzschnell an der Hand.
Augenblicklich riss es sie herum, schleuderte sie hart gegen seinen sehnigen Körper und schließlich hinaus an die kühle Abendluft.
Eine gefühlte Ewigkeit, die letztendlich aber in Wirklichkeit nur ein paar Sekunden angedauert haben konnte, war sie verwirrt. Dann dämmerte es ihr: Sie war inmitten von London.
„Mister Malfoy", brüllte jemand hinter ihnen und das erste Blitzlichtgewitter fing sie ein. Riss sie aus jeglicher Starre, nur um sie in die nächste zu katapultieren.
„Ist das das Mädchen", mischten sich einige Stimmen dazu und es brach ein regelrechtes Stimm- und Rufchaos auf.
„Miss Granger?", hallte es aus der Ferne auf sie zu.
Mione holte tief Luft, warf Malfoy über ihre Schulter hinweg einen wütenden Blick zu. „Danke für nichts", flüsterte sie dann.
Sein Grinsen wurde noch breiter, als er sie von hinten umfasste und einen Moment von den Kameras abschirmte, die erbarmungslos auf sie abfeuerten.
„Du siehst übrigens toll aus", wisperte er ihr rau ins Ohr, fasste nach ihrer Hand. „Und jetzt immer schön überhaben Lächeln." Mit diesen Worten zog sie durch das Blitzlichtgewitter über den royalblauen Teppich auf die großen Glastüren zu.
Die Zeit schien mit jedem, unbeholfenen Schritt den sie machte, langsamer zu vergehen. Sie fürchtete, dass sie jeden Moment stoppen würde; sie in dieser Hölle aus Blitzlicht und Rufen zurücklassen würde.
„Draco… Hermione…", quietschte es von weiter hinten. „Schauen Sie bitte her…" aus der ersten Reihe und von links brüllte jemand: „Bleiben Sie stehen."
Als Mione den Kopf drehte, blendete sie ein extrem starkes Blitzlicht hart und frontal. Gleich drei Kameras flogen herrenlos über den Teppich. Von Sternen getrübt folgte sie Malfoy, der hier und da einen Moment stehen blieb, so dass sie gegen ihn prallte. Weitaus mehr als einmal…
„Sind sie liiert?", fragte eine junge Frau mit flinker Feder, als sie gemeinsam durch den Eingang taumelten.
Malfoy ignorierte sie, also tat der Lockenschopf es auch. Taub und mit rasendem Herzen stolperte sie ihm die ersten Meter hinter dem Blitzlichtgewitter wenig edel und erhaben hinterher. Doch umso weiter sie den royalblauen Teppich hinter sich ließen, umso ruhiger wurde sie.
„Das war echt…", stammelte sie, griff fester nach seiner Hand und bremste ihn leicht mit ihrem Körpergewicht aus.
Er drehte sich schleichend langsam zu ihr um. „Mies? Erbarmungslos? Erbärmlich?"
Sie schüttelte mit großen, strafenden Augen den Kopf. „Ich war alles andere als vorbereitet. Du hättest mich vorwarnen müssen."
Er lachte leise. „Granger, so oder so wärst du nicht vorbereitet gewesen. Augen zu und durch ist die beste Devise."
Seufzend machte sie sich von seiner Hand los, richtete ihr leicht verrutschtes Kleid. Gott sei Dank, oder auch natürlich, war es nicht weit genug verrutscht um gefährliche Einblicke zu gewähren. Dennoch war sie sich sicher, dass sie keines der gerade entstandenen Bilder vorteilhaft zeigen würde…
„Nichts desto trotz war es mies", flüsterte sie und sah ihn schließlich vorwurfsvoll an.
Ein schwaches Nicken, er leckte sich über die Lippen als sie ein erschreckend bekanntes Pärchen passierte.
„Himmel, sind das Mary und Hunter de Solei?", entwischte es ihr und das in der Zauberwelt mehr als nur bekannte Naturwissenschaftlerpärchen drehte sich lächelnd zu ihnen um. Jedoch ohne stehen zu bleiben.
Malfoy nickte schwach. „Ja, ganz ohne Zweifel."
Mione erwiderte das Nicken schwach, blickte vorsichtig auf das Ende des Eingangsbereiches. Dort wartete ein dicht gefüllter und edel ausgestatteter Raum auf sie.
Doch wenigstens schien es Sekt zu geben. An den Eingangstüren schwebten zwei gut gefüllte Tabletts. Vielleicht sollte sie sich eines davon schnappen und sich in der erstbesten Ecke verkriechen.
„Bist du bereit weiter zugehen?"
Sie strich sich unsicher eine Strähne aus dem Gesicht. Nein, nicht im Geringsten.
Und sie war sich sicher, dass ihr Blick auch genau das aussagte.
Trotzdem griff er erneut nach ihrer Hand, begann sie wieder erbarmungslos voran zu ziehen. Dieses Mal jedoch etwas sanfter, so dass sie -mehr oder weniger erhaben- neben ihm in den Saal schreiten konnte…
-v-
Im Inneren des Saals waren Gott sei Dank weniger Hyänen anwesend, als draußen vor dem Teppich gelauert hatten. Auch wenn sie überrascht war, dass, wenn man die Masse draußen bedachte, überhaupt noch wer übrig war, der hier drinnen lauern konnte.
Jedoch fanden sich auch hier zwei Fotografen. Beide waren äußerst jung, sprachen ohne jeglichen englischen Akzent und waren zu ihrer Erleichterung höflich genug, um sie vor dem Blitzlichtgewitter um Erlaubnis zu bitten. So konnte sie sich wenigstens zwei Sekunden darauf vorbereiten, was es aber letztendlich sicher nicht besser machte.
Sie bewegte sich nicht so sicher wie das britische Model Ivanna Helios oder die Quidditchschönheit Elia McFinn, die sich ebenfalls im Getümmel befanden. Während nicht zuletzt Helios ein paar beneidenswerte Posen in Peto hatte, versuchte Mione sich im Moment des Ablichtens davon abzuhalten, sich eine Locke hinters Ohr zu klemmen, sich die Lippen zu lecken oder die Augen zu schließen.
Am Geschicktesten schien es jedoch Malfoy zu halten. Der nahm sich einfach das Recht sich nicht ablichten zu lassen, indem er auf die Frage der Fotografen von vorne herein „Nein" gepatzt hatte.
„Möchten Sie etwas trinken?", riss sie ein gestriegelter Kellner aus den Gedanken und hielt ihr ein Tablett mit Sekt entgegen.
Mione blickte die dreiviertel gefüllten Gläser unsicher an.
Um ehrlich zu sein war die Antwort nach wie vor „Ja." Eindeutig hätte sie ihm am liebsten alle zwölf Gläser entrissen. Doch der Gedanke daran sich, Chanel und Manolo Blahnik zu blamieren, weil sie am Ende des Abends betrunken rausgetragen werden musste, war ihr ein Gräul.
Also verneinte sie höflich lächelnd und strich sich nervös eine Haarsträhne aus dem Gesicht; die natürlich direkt zurückfiel, da sie mittels Zauber und Spray darauf getrimmt worden war, genau so zu fallen.
Doch Malfoy fiel ihr eiskalt in den Rücken. Er griff sich nickend zwei Gläser und reichte ihr eines ohne sie anzusehen. Mione schüttelte schwach mit dem Kopf, nahm es jedoch schließlich gezwungener Maßen an sich und schenkte dem jungen Mann ein beschämtes Lächeln.
„Laurent-Perrier oder doch Moet et Chandon?", fragte der Blonde, nachdem er einen Schluck genommen hatte.
Der Kellner lächelte zufrieden. „Sehr geschickt. Es ist der erlesene Dom Perignon Rosé aus dem Jahre 1947."
Malfoy nickte anerkennend und der junge Mann zog weiter zur nächsten Gästetraube.
„Das sind auch die einzigen, die ich kenne", flüsterte der Blonde neben ihr grinsend, als er außer Reichweite war. „Ich mochte das Zeug nie."
Mione lächelte, nahm ebenfalls einen kleinen Schluck. Es schmeckte wirklich… unbeschreiblich…
„Der ist sehr gut", sagte sie und nahm einen weiteren Schluck. „Meine Eltern bringen aus ihrem jährlichen Österreichurlaub immer Schlummberger mit. Der ist auch sehr gut."
Malfoy zog eine Augenbraue hoch. „Schlummberger? Nie gehört."
Der Lockenschopf nickte schwach. „Das ist eine nur in Österreich bekannte Sektkellerei."
Ein breites Grinsen zog sich über sein Gesicht und er nahm einen großen Schluck, sah sich mit amüsierter Mine im Saal um, der sich langsam aber sicher mit Leben füllte.
„Was ist?", fragte sie leise.
„Das hier ist Champagner, Granger. Eine der ältesten und teuersten Marken", wisperte er ihr zu, während er sich ganz nah zu ihr herüberbeugte.
Blut schoss ihr in die Wangen und ihr Griff um das Glas verfestigte sich etwas. „Sehr witzig", knurrte sie.
Er lachte leise, legte ihr die Hand um die Hüfte und zog sie an sich. „Komm runter, das erlebe ich nicht zum ersten Mal."
Wütend macht sie sich los, funkelte ihn fassungslos an. „Willst du damit sagen, dass ich ebenso doof und ungebildet bin, wie alle anderen deiner Fickhäschen?", fauchte sie.
Einige der Umstehenden drehten sich langsam zu ihnen um, sahen sie skeptisch an, was sie noch mehr erröten lies.
Der Blonde schenkte der starrenden Gruppe ein herablassendes Lächeln und zog sie erneut an sich. „Granger, wenn du es wagst mir hier eine Szene zu machen, müssen sie dich nachher in den blauen Teppich da draußen einrollen."
Sie nickte schwach, legte einen Arm um seine Hüfte und vergrub einen Moment ihr erhitztes Gesicht in seinem Nacken. Seinen Duft einatmend schloss sie alles aus, konzentrierte sich nur-
Klack…
Hektisch fuhr sie wieder hoch, stieß sich von ihm ab: Blickte direkt in die auf sie gerichtete Linse das jüngeren und dickeren Jungfotografs, der sie bereits seit sie gekommen waren nicht aus den Augen ließ.
So schnell wie er an sie herangekommen sein musste, verschwand er auch wieder in der Menge. Als sie Malfoys Gesichtsausdruck neben sich sah, wusste sie augenblicklich warum.
„Arschloch", murmelte er.
Mione öffnete den Mund, wollte gerade etwas erwidern, doch wieder – wie so oft an diesem Abend – kam ihr jemand zuvor.
„Reg dich nicht auf, mein Hübscher", schnarrte die dunkelhäutige Schönheit, die sich aus dem Hinterhalt an sie herangeschlichen haben musste, lächelnd und trat, gertenschlank und strahlend schön, an ihnen vorbei. Schließlich kam sie neben dem Blonden zum Stehen. Auch in ihrer Hand befand sich ein Glas des Champagners.
Und Mione war sich sicher, dass sie ganz genau wusste, dass es welcher war.
„Naomi", sagte Malfoy leise und höflich lächelnd.
„Willst du uns nicht vorstellen?", fragte das hochgewachsene Model an seiner Seite.
Der Blonde nickte schwach. „Hermione Granger, Naomi Reed."
‚Ich weiß', knarrte Miones innere Stimme wütend und gehässig.
„Sehr erfreut", brachte sie so ruhig wie möglich hervor.
Das Model nickte lächelnd. „Ebenfalls. Ihr Kleid ist toll. Ist es von Chanel?"
Der Lockenschopf nickte zustimmend. „Ja."
Malfoy stöhnte zwischen ihnen genervt auf und setzte sich langsam in Bewegung. „Geht ihr eurem Frauengesprächen nach, ich werde mich in der Zwischenzeit in die Sport und Politikecke zurückziehen", murmelte er und schlenderte los, ließ sie einfach mit dieser Fremden… dieser Frau… dieser…
Was auch immer, er ließ sie zurück.
Entsetzt starrte sie ihm hinterher, war nicht sicher ob sie ihm folgen sollte oder nicht.
„Aus welcher Kollektion? Der Farbe nach, würde ich tippen aus der kommenden Herbstkollektion. Die Vergangene war es jedenfalls nicht", holte Naomi Reed sie zurück ins Gespräch und zwang sie ihren Blick von Malfoy abzuwenden, der gerade komplett in der Menge verschwand.
Mione starrte ihr Gegenüber einen Moment mit offenem Mund an. „Ich weiß nicht genau", antwortete sie schließlich errötend, warf eine weiteren, panischen Blick in die Menge.
Mary und Hunter de Solei gingen lächelnd an ihnen vorbei, dabei musterte sie Hunter einen Augenblick zu intensiv. Anschließend begangen er und seine intelligente Frau zu tuscheln und dem Lockenschopf schoss weiteres Blut in den Kopf.
Himmel, was mochten diese begnaden Forscher, deren Bücher sie verschlungen hatte, nur von ihr denken?
Dass sie eine von Malfoys billigen Schlampen war? Dass sie nicht in der Lage war Champagner von Sekt zu unterscheiden?
Als sie ihren Blick vom davon schreitenden Forscherduo abwandte, sah sie Reed fragend an, nippte zögernd und unbehaglich an ihrem Glas.
„Entschuldigen Sie bitte?", flüsterte sie, starrte jedoch augenblicklich am Model vorbei auf den Eingang. Ron, Fred, Angelina und die liebliche Carla traten gerade durch diesen in den Saal. Und sie sahen ebenso unbehaglich aus, wie sie sich gerade fühlte.
Carla, dachte Mione einen Moment bitter. Wäre die ganze Situation nicht gerade so erdenklich tragisch, würde sie nun schallend lachen.
Da bombardierte er sie die ganze Woche mit Briefen, nur um dann mit dieser blonden Elfe hier aufzutauchen.
„Ich sagte, dass Sie fantastisch aussehen", riss sie Naomi aus den Gedanken.
Mione sah sie an, nickte benommen. Ron´s Blick traf sie hart und sie zuckte zusammen.
„Entschuldigen Sie mich bitte, ich muss…", sie starrte hektisch in den Saal, suchte nach einer Fluchtmöglichkeit.
Naomi Reed nickte. „Die Waschräume sind dort hinten, hinter dem Buffet."
Erleichterung machte sich in ihr breit. Mit einem Nicken stürmte sie durch die Menge rüber zum Buffet, floh schließlich durch die erste weiße Tür – die eine kleine Hexe mit großem Hut zierte – in die Damenwaschräume.
Keuchend trat sie herüber zu den Waschbecken, stützte sich auf einem ab und starrte schließlich in die Spiegelwand. Gehetzt und entsetzt blickte ihr die Fremde, die sich ihr dort zeigte, entgegen.
„Ganz ruhig. Das wird sich alles regeln", flüsterte sie und senkte schließlich den Blick. Einen Moment verharrte sie einfach dort, versuchte möglichst ruhig zu atmen.
Das Knarren der Tür ließ sie schließlich wieder hochschrecken. Zwei kleine und edel gekleidete Blondinen traten schnatternd in den glänzend gefliesten Raum, verstummten aber, als sie sie erblickten. Mione war sich sicher Malfoys Namen gehört zu haben, bevor sich die Tür geöffnet hatte.
Ohne die zwei Frauen anzusehen, stieß sie sich vom Waschbecken ab und verschwand durch die Tür wieder zurück in den Saal. Ihre Blicke folgten ihr deutlich spürbar durch die Tür. Noch bevor sich diese geschlossen hatte, hörte sie die beiden gehässig lachen.
Doch sie zwang sich zur Ruhe. Suchte draußen hektisch den Saal nach ihrem Begleiter ab. Doch der war ebenso wenig auffindbar, wie dieses dürre Model, was sie vor wenigen Minuten nach mit ihrem albernen Fachwissen über ihr Kleid getriezt hatte.
Ein bitteres Lachen entwischte ihr, als sie erneut am Forscherpärchen vorbei schlich, die sie wieder so eigenwillig ansahen. Hunter de Solei trat sogar einen Schritt vor, doch er blieb irritiert stehen, als sie die Stirn runzelte und sich hektisch abwandte.
Es interessierte sie nicht. Sollten sie doch starren. Sollten sie doch denken, was sie wollten.
Gerade jetzt interessierte sie nur, was dieses miese Arschloch gerade trieb, dass sie hier wie bestellt und nicht abgeholt zurückgelassen hatte. Wahrscheinlich um sich im Anschluss, gleich nachdem sie auf die Toiletten geflüchtet war, mit dieser Frau in irgendeine dunkle Ecke zu verkriechen…
Hektisch suchte sie den Saal ab, trat einige Schritte vor und sah sich in alle Richtungen um. Nur um schließlich direkt in Ron´s zu blicken.
Aus eiskalten Augen sah er sie an, schoss schließlich unvermittelt auf sie zu. Der Lockenschopf leckte sich die Lippen, blickte zu Boden. Der Drang zu fliehen stieg wieder in ihr auf, doch sie hielt sich zurück. Verharrte.
„Du bist echt das Letzte", knurrte er leise, als er sie erreicht hatte. Seine Hand, die in der er ein Glas des Champagners hielt, zitterte dabei leicht. „Wie kannst du es wagen hier mit ihm aufzukreuzen? Weißt du, was die Leute sagen werden?"
Mione blickte auf, lachte bitter. „Das sagst du mir, Ron?", flüsterte sie mit einem Seitenblick auf die Blonde, die sie aus sicherem Abstand beobachtete. „Sie werden über mich und Malfoy reden. Es wird wahrscheinlich unzählige Gerüchte und angebliche Fakten geben. Ich bezweifele jedoch, dass du darin besonders oft vorkommen wirst."
Seine Miene entgleiste, er trat einen Schritt zurück. „Du verstehst nichts", fauchte er. „Gar nichts."
Sie schüttelte den Kopf. „Ich will es gerade auch gar nicht verstehen", gab sie zurück. „Ron, wir können gerne über alles reden. Aber, nicht hier und-"
„Können wir nicht", fluchte er und trat erneut einen Schritt auf sie zu. „Weil du dich weigerst mit mir zu sprechen."
Sie wich zurück. „Natürlich tue ich das. Weil ich weiß, worauf es hinauslaufen wird. Aber, wenn du mir ver-"
„Worauf denn?"
Sie schüttelte einlenkend den Kopf. Soviel zum „Es wird kein Drama geben". Doch hatte sie es wirklich anders erwartet?
Nein, hatte sie nicht. Sie hatte es nur verdrängt, weil sie den Gedanken nicht ertragen konnte, Malfoy alleine zu dieser Party gehen zu lassen. Oder mit der graziösen Alibifreundin, die sich gerade zu der schönen Helios an die Saftbar gesellt hatte.
„Ron, was soll der Blödsinn. Da haben schon welche den Sicherheitsdienst alarmiert", kam George dazwischen. Er legte seine Hände auf die Schultern seines Bruders und zog ihn etwas zurück. Hinter ihm erschienen auch Carla und Angelina auf der Bildfläche.
„Mione, alles klar?", fragte er sie. Auch Angelina sah sie besorgt an.
Der Lockenschopf nickte schwach, blickte benommen in die Runde. Und erst jetzt wurde ihr bewusst, dass auch weitere Gäste sie anstarrten. Unverblümt und entsetzt…
„Weasley, was soll das?", ertönte nun auch Malfoys schneidende Stimme hinter ihr.
Miones Herz begann zu rasen, sie wollte sich umdrehen und ihm andeuten zu verschwinden, doch bevor sie überhaupt reagieren konnte, war er neben ihr und hatte einen Arm um sie gelegt.
Ron zuckte in Georges Griff zusammen, ruckt vor. Sein Gesicht wurde zornesrot.
„Miss, belästigt dieser Mann Sie?", trat ein groß gewachsener Mann im Smoking in die Runde. In seinem Ohr steckte ein Muggelohrhörer: Ganz eindeutig handelte es sich hier um den Sicherheitsdienst.
Mione öffnete den Mund um etwas zu antworten, doch Ron brüllte unverwandt dazwischen.
„Ich? Fragen Sie sie das lieber im Bezug auf ihn. Dieses miese Arschloch hat mir die Frau ausgespannt", brüllte er und deute auf Malfoy, der neben ihr eine Augenbraue hochzog.
Der Blonde wandte sich an den Sicherheitsmann. „Alles bestens, wir werden das zivilisiert klären. Weasley, lass uns kurz-"
„Mit dir werde ich nichts zivilisiert klären. Wir waren glücklich Malfoy!", fiel ihm der aufgebrachte Rotschopf ins Wort.
Malfoy holte tief Luft. „Glücklich? Jetzt mach dich nicht lächerlich."
„Ich zeige dir gleich, was sich lächerlich machen bedeutet, du mieses Stück Dreck. Natürlich war sie glücklich", zeterte der Rotschopf weiter.
George hatte zunehmend Mühe seinen Bruder zurück zuhalten, so dass ihm auch Angelina zur Hilfe kommen musste. Gemeinsam murmelten sie auf Ron ein und hielten ihn zurück.
„Mister, ich muss Sie bitten sich zu beruhigen. Ansonsten verlassen Sie bitte die Feierlichkeit", tadelte der Mann in schwarz.
Ron schnaubte wütend auf, riss sich los und kam auf sie zu.
„Ron bitte", rief Hermione, machte sich langsam aus Malfoys Umarmung los und trat einen Schritt auf ihren Ex-Verlobten zu. „Wir treffen uns und klären das. Aber, nicht hier und jetzt", wisperte sie nur für die nächsten Umstehenden hörbar.
Ihr Gegenüber lachte bitter, warf dem Blonden, der nach wie vor dicht hinter ihr stand, einen schneidenden Blick zu. Dann musterte er sie abfällig von oben bis unten.
„Was hat dich das alles gekostet?", fragte er dann herablassend. „Sex? Nen Blowjob? Beides?"
Einige der Umstehenden holten schneidend Luft, Mione wich mit gerunzelter Stirn zurück.
„Mister, ich möchte Sie bitten zu gehen. Sofort", drängte der Mann in schwarz augenblicklich und trat zwischen sie und Ron.
Bevor überhaupt jemand es realisieren konnte, hatten sich zwei weitere Männer in schwarz zu ihm und dem anderen Sicherheitsmann gesellt. Gemeinsam begleiteten sie den protestierenden Burschen hinaus.
George, Angelina und Carla blieben sichtlich beklommen und verwirrt zurück.
„Immer für eine gute Show zu haben, Weasley?", tönte es hinter ihnen und als sie sich umdrehte, erblickte sie jemanden, der verdächtig wie Will Huxley aussah. An seiner Seite befand sich eine dunkelhaarige Schönheit, die Angelina in ihrem schlichten Sommerkleid ebenso unscheinbar aussehen ließ, wie der Rest im Saal: Einschließlich Hermione selbst.
Mit einem schiefen Lächeln, und ohne sie und auch Malfoy nur noch einmal anzusehen, verließen auch sie schließlich den Saal. Ließen sie und den Blonden mit der wild tuschelnden Masse zurück. Unbehaglichkeit machte sich in ihr breit.
„Mister Weasley, haben Sie einen Augenblick für mich?", hörte sie die junge Frau mit der flinken Feder rufen. Mit Entsetzten stellte sie fest, dass diese die ganze Zeit im Tumult um sie herum verharrt haben musste.
Als George und co. sie stehen ließen, kam sie zurück zu ihr und Malfoy. Doch der Blonde hielt sie mit einem einzigen Blick auf halber Strecke von jeglichem Vorhaben sie auf den Vorfall anzusprechen ab.
„Granger, auf ein Wort", flüsterte der Blonde schließlich und zog sie bestimmt durch die frisch gebildeten und nach wie vor tuschelnden Träubchen etwas abseits.
Sie taumelte ihm hinterher, kam nur wenige Millimeter vor ihm zum Stehen.
Schließlich ließ er sie los, blickte zu Boden.
„Du wusstest, dass er hier sein würde", wisperte sie wütend.
„Ja, das ist wohl wahr. Ich dachte allerdings, dass du diese Sache etwas besser unter Kontrolle haben würdest. Oder dass er es mittlerweile gelernt haben würde, sich zivilisierter zu benehmen. Wir sind immerhin keine Kinder mehr."
Sie lachte bitter. „Natürlich. Weil du Ron ja auch so gut kennst."
Er sah sie mit geweiteten Augen an. „Ganz genau, Granger. Ich kenne ihn nicht. Ich konnte aber für meinen Teil sagen, dass ich ihm aus dem Weg gehen würde."
„Ich habe dir gesagt, dass ich Bedenken hatte. Mehr als einmal."
„Du hast mir nicht gesagt warum genau du Bedenken hast. Und du hast auch nicht erwähnt, wie berechtigt diese Bedenken waren. Und du hast gesagt, du hättest alles im Griff."
„Ja, jetzt ist es meine Schuld", fauchte sie und verschränkte die Arme vor der Brust.
Er schüttelte den Kopf, blickte über ihre Schulter hinweg auf den Tumult, der sich gebildet hatte. Also umfasste er ihre Hand erneut, zog sie hinauf auf den Balkon, dessen Existenz ihr bisher gar nicht bewusst gewesen war.
„Das hat mit Schuld nichts zu tun. Und wahrscheinlich hast du Recht, ich hätte es besser wissen müssen. Aber, ich dachte du weißt was du tust. Ich habe mir meine Gedanken darüber gemacht, ob es von meiner Warte aus gut ist, dich mit hierher zu nehmen. Ich kann mir nicht noch Gedanken um deine Warte machen", setzte er die Diskussion schließlich fort, als sie die neugierigen Blicke der anderen Gäste hinter sich gelassen hatten.
Wieder entwischte ihr ein bitteres Lachen und sie starrte hinaus auf den sternenklaren Nachthimmel. „Also bereust du es jetzt?"
Er stimmte in das Lachen ein. „Was würde das jetzt ändern?"
Sie wirbelte wütend und verletzt zu ihm herum. „Du hast mich wie ein aufgescheuchtes Reh wirken lassen, als du mich vollkommen unvorbereitet durch die Schar Hyänen geschleift hast. Und du hast mich mit dieser dürren Schlampe zurückgelassen. Allein und mit all diesen Menschen, die denken ich wäre nur eine weitere Kerbe an deinem sündhaft teuren Bettpfosten."
„Es geht nicht um das aufgescheuchte Reh, was du in den ersten Stunden dargestellt hast. Es geht um die hochnäsige, hektische Schnepfe, die du allen im Anschluss präsentiert hast."
Mione erstarrte, sah ihn fassungslos an. „Hochnäsige Schnepfe?"
„Genau Granger. Als du Naomi hast links liegen gelassen. Oder diese Sache mit den Soleis."
„Ich habe…", sie schüttelte hektisch den Kopf. „Das habe ich nicht getan. Das erzählt sie dir doch nur, weil sie eifersüchtig ist."
Malfoy lachte laut auf. „Granger, ich sagte bereits, dass diese Sache ein Pressegag war. Und ich habe es gesehen. Mit meinen eigenen Augen."
„Pressegag. Wer´s glaubt wird selig", schnappte sie ungläubig.
Mit wenigen Schritten war er bei ihr, lehnte sich weit zu ihr herüber. „Naomi ist lesbisch, Granger. Und dir dürfte bekannt sein, dass Homosexualität in unseren Kreisen nach wie vor nicht besonders oft auf Toleranz trifft."
Hermione entgleisten sämtliche Gesichtszüge. Sie sah ihn verdattert und sprachlos an.
Er schüttelte gehässig lachend den Kopf.
„Aber, ich… das wusste ich nicht… Und das wissen diese Leute da draußen auch nicht", verteidigte sie sich.
„Welche Leute da draußen, Granger? Das interessiert diese Leute doch gar nicht. Glaubst du wirklich, die haben keine eigenen Sorgen?"
„Die de Soleis. Sie haben mich jedes Mal belächelt, wenn ich sie passiert habe."
„Weil sie sich für deine Geschichte interessieren, Granger. Voldemort, Harry Potter und die Horkruxe! Bereits vergessen?", zischte er.
Und wieder wurde sie ganz still. Alles schien ihr wie Schuppen von den Augen zu fallen.
Einen Moment starrte er neben ihr hinauf in den Himmel. Dann öffnete sich die Balkontür und sie meinte ein junges Pärchen tuscheln zu hören. Doch zum ersten Mal war sie entspannt. Viel zu entspannt.
„Es tut mir leid. Ich habe dich blamiert", flüsterte sie schließlich.
„Granger, spar dir das", gab er zurück und nestelte an seiner Tasche herum.
Schließlich sah sie ihn an, blickte hinab auf seine Hand, die er ihr entgegenhielt. Der kleine Portschlüssel lag glänzend und unscheinbar darin.
„Allerdings denke ich, dass wir für heute genug Trubel hatten."
-v-
Als sie sich eine Stunde später fahrig aus den sündhaft teuren Schuhen und dem viel zu weichen Kleid pellte und sich ihre Schlafanzughose und das Shirt überwarf, welche so viel besser zu ihr passten als teure Seide und edler Samt, schien die Welt sich tatsächlich langsamer zu drehen.
Malfoy hatte sie alleine zurück zum Schloss geschickt. Um diese Sache wenigstens halbwegs aus dem Weg zu schaffen. Er würde den Anwesenden – jedenfalls denen, die es wirklich interessierte – sagen dass sie aufgrund des peinlichen Zusammenstoßes für den weiteren Abend unpässlich war.
Seufzend legte sie das grüne Kleid sorgfältig zusammen, verstaute es beinahe liebevoll sanft auf dem Stuhl neben dem Fenster. Sie hoffte die Hauselfen würden es zu reinigen wissen. Die Schuhe stellte sie ebenfalls dort ab und trat dann einen Schritt zurück, riskierte einen minutenlangen, gedankenversunkenen Blick auf diese Überbleibsel aus einer anderen Welt. Eine Welt, die sie heute zu Gesicht bekommen hatte.
Seine Welt… Eine Welt, in die sie irgendwie nicht passen wollte…
Langsam drehte sie sich um, drehte den fremden Dingen aus der fremdartigen Welt den Rücken zu und ließ sich schließlich unter die einladende Bettdecke gleiten.
Doch der Schlaf wollte sie nicht erhaschen. Wollte sie nicht hinfort in Morpheus starken und rettenden Arme ziehen. Gefühlte Ewigkeiten lauschte sie in die Dunkelheit hinein und ließ jeden einzelnen Moment Revue passieren.
Bis es schließlich leise und kaum hörbar an ihrer Tür klopfte…
Mione war schneller wieder auf den Beinen, als sie es erwartet hatte und ging beinahe zu Boden, als sie auf die Zimmertür zustürmte und diese hastig öffnete.
Er blickte zu Boden, als sie die Tür öffnete und sie atmete erleichtert aus, während sie sich an die Tür klammerte.
„Es tut mir wirklich leid", wisperte sie dabei.
Malfoy atmete tief durch, blickte auf und in seiner Miene lag etwas, das wie eine Erwiderung aussah.
Ein großer Teil der Klammer in ihr löste sich, schien in tausend Stücke zu zerfallen, als er mit einem schiefen Grinsen die Flasche anhob, die er bisher unbedacht neben seinem Körper gehalten hatte.
Schlummberger…
Mione lachte heiser und ungläubig, trat mit der Tür zurück und ließ ihn eintreten.
„Wahrscheinlich haben wir uns, in Anbetracht der gesamten Situation, sehr gut geschlagen", spottete er schief grinsend, und kam langsam herein.
„Sehr gut." Sie rieb sich benommen über das Gesicht. Wenn das ein Friedensangebot sein sollte, war es wohl das verrückteste, was sie jemals bekommen hatte. „Das dürfte die Übertreibung des Jahrhunderts sein."
Er lehnte sich lässig gegen ihren Schreibtisch, das graue Hemd hatte seine bedachte Position verlassen und zeigte ein minimales Bisschen nackter Haut.
„Kommt drauf an, wie man es sieht. Vielleicht war es auch die Untertreibung des Jahrhunderts", sagte er schelmisch.
Sie leckte sich über die Lippen, als sie ihm dabei zusah, wie er die Flasche österreichischen Sekt mit einem Wink seines Zauberstabes öffnete und schließlich einen Schluck aus der Flasche nahm.
„Ich bin etwas enttäuscht, dass du das Kleid und die tollen Treter nicht mehr an hast", wisperte er schließlich grinsend.
Der Lockenschopf schnaubte leise und warf ihm einen gespielt strafenden Blick zu. „Du bist unmöglich. Nach alle dem, was gerade passiert ist?"
Er lachte, blickte nach rechts. Oder auch, er erblickte die feinsäuberlich zusammengelegten Sachen, die einige Meter neben ihm auf dem Stuhl lagen. Dann sah er sie wieder an. „Was ändert es? Rückgängig machen können wir es jetzt eh nicht mehr."
Mione nickte, trat einen Schritt näher an ihn heran. „Wohl war."
„Ohne Zweifel", sagte er selbstgefällig und nahm noch einen weiteren Schluck.
„Sie werden uns zerreißen, richtig?"
Er lachte bitter. „Eindeutig."
Sie machte einen weiteren Schritt auf ihn zu, presste ihr Gesicht gegen seine Brust und ließ ihre Hände schließlich unter seinem Jackett um seine Hüften wandern. Obwohl irgendein Teil von ihr es besser wusste, erwartete sie einen Moment, dass er sie zurückstoßen würde. Dass er Abstand zwischen sie bringen würde.
Doch stattdessen legte er einen Arm um sie. Sehr locker, aber er tat es. Also schloss sie die Augen, lauschte seinem Herzschlag und dem ihren, der im Gleichschritt mit seinem in ihren Ohren zu rauschen schien.
Ruhe trat ein. Neben seinen Armen schienen sich langsam und merklich auch Morpheus' um sie zu legen. Und zum ersten Mal seit langem hatte sie wirklich das Gefühl, zu Hause zu sein.
„Besteht die Chance, dass du vielleicht wenigstens noch einmal die Schuhe anziehen könntest?", raunte er ihr hörbar grinsend ins Ohr.
Sie machte sich nicht einmal die Mühe, ihren Kopf von seiner Brust zu heben. Sie schnaubte einfach knurrend gegen ihn und kniff ihm grob in die Seite, was ihm jedoch nur ein leises Lachen entlockte…
Vorschau:
Wieder knirschte sie mit den Zähnen. "Und ja, vielleicht kann ich so nicht mit dir zusammen sein. So wie du ja scheinbar nicht mit jemandem zusammen sein kannst, der etwas mehr Emotionen erwartet, als die eines eingebildeten und selbstherrlichen Eisklotzes."
Einen Moment starrte er sie mit starrer Miene an. Sie sah seinen Kiefer arbeiten. Dann blickte er zur Wand. „Du erwartest zuviel, Granger. Weißt du, was du bist? Du bist nicht nur eine Besserwisserin und entsetzlich altklug. Du bist auch eine Drama Queen. Ich frage mich ernsthaft, wie es Potter und Co. mit dir aushalten."
Huhu Leutchen und danke fürs Lesen… :)
Besonderer Dank geht an Fränzi (Beta hoch 2, hihihi), Mean und India für den kreativen Beistand, und natürlich an alle Reviewer… Und ihr habt noch einen weiteren Posteintervall, um euren ersten Favoriten der drei Sonderszenen zu wählen. Ziert euch nicht (auch wenn ihr bisher nichts öffentlich geschrieben habt.) Bisher ist Szene 1. Mione sexy im Kamin der angehende Gewinner. Weitere Infos findet ihr im vorherigen Chapter… :)
Da ich das ganze Wochenende mal wieder arbeiten musste, gibt es heute eine kurze Reviewtime: Danke an Fränzi (Einfach nur doppel-ditsch Süße), Anna (Ich hoffe die Gala hat dir trotz allem gefallen… Und ich würde mich freuen, wenn du mir auch deinen Szenenfavo mitteilen würdest…), Cara (Ich würde mich sehr freuen, wenn du dich in Zukunft öfter zu einer Rev durchringen würdest… ;)), CoRi (Vielen Dank… Und magst du mir vielleicht auch deinen Szenenfavo verraten? Hihi) und HexenLady (Na, das geht leider nicht… ;) Das würde ja gegen mein schönes Voring-System sprechen... Ich bräuchte schon nen Favo der Favos... *lach*)
