Kapitel 4 - Versuchung

Vernon Dursleys unzählige Kinne und Wänste schwabbelten heftig und unterstrichen die Gereiztheit des fetten Mannes, als er den unnatürlichen Jungen nach London fahren mußte. Selbstverständlich hatte er sich geweigert es zu tun so lange andere Leute sie sehen könnten.

Harry mußte mitten in der Nacht aufstehen, um der Neigung seines Onkels nachzugeben und ein letztes, völlig sinnloses Argument zu vermeiden. Entschlossen bewahrte Harry sein Schweigen, denn er durfte nicht ärgerlich werden und ungewollte Aufmerksamkeit auf sich lenken, oder gar die Kontrolle zu verlieren. Seine Wut im Zaum zu halten, war der dringenste Gedanke, der endlos durch seinen Verstand rollte. Bloß nicht die Kontrolle verlieren!

Mit einem erschöpften Grinsen beobachtete der Junge, wie sich Vernon Dursley hinter das Lenkrad seines sehr unauffälligen Muggelautos quetschte. Die Possen seines Onkels richtig deutend, konnte das flennende Stück Mastgans nicht schnell genug von seinem abnormen Neffen und seinen ebenso abnormen Freunden wegkommen, die sich in kurzer Zeit irgendwo an diesem Platz einfinden mußten.

Zu Dursleys Entschuldigung mußte hinzugefügt werden, daß es Harrys Verwandte während der letzten Wochen nicht leicht gehabt hatten. Besonders sein Onkel hatte schwere Zeiten hinter sich und benötigte jetzt wahrscheinlich eine gesunde Dosis Symphatie für seine bedauernswerte Existenz, aber das war Harry gleichgültig. Während der besagten letzten Wochen hatte er viel zu viel Spaß gehabt mit einem überraschend willigen Vernon zu trainieren.

Wann immer Harry nicht damit beschäftigt war mit Vernons Hilfe eine seiner neuentdeckten Fähigkeiten zu erforschen, war er den Dursleys so oft es ging aus dem Weg gegangen. War er praktisch zwischen seinen massigen Verwandten eingekeilt, biß er sich auf die Lippen und erduldete schweigsam. Harry konnte sie schließlich nicht unentwegt mit seiner Zauberkraft herumschubsen und sie hinterher mit einem Vergessenszauber belegen. Dennoch, die erste Gelegenheit beim Schopf packend, hatte er sich in seinem Zimmer eingeschlossen, um so viel wie möglich zu lernen.

Er war nicht mehr der arme, unschuldige Junge, freundlich und schüchtern und allen gegenüber aufgeschlossen. Das letzte Schuljahr hatte bewiesen, daß nicht immer das Gute über das Böse triumphierte, beziehungsweise das wenn es obsiegte, dann oft zu einem Preis der es nicht wert war zu zahlen. Cedrics Tod hatte Harry die Augen geöffnet, wohingegen Sirius' Tod einige Türen geschlossen hatte, unauffällig und unbemerkt selbst unter seinen Freunden, die noch nicht wußten, daß es überhaupt Türen in ihm gab die man abschließen konnte.

Einige Dinge waren noch im Ungewissen und Harry war sich nicht sicher wohin ihn sein eingeschlagener Kurs führen würde. Auf keinen Fall würde er so absolut bösartig enden und sich selbst als dunklen Lord bezeichnen, nicht so lange er darüber zu entscheiden hatte. Harry würde eher sterben als so weit die Kontrolle zu verlieren, falls er, wenn der Augenblick kam, noch fähig war einen klaren Gedanken zu fassen.

Harry hoffte einfach darauf, stärker zu werden. Um seinen Plan durchzuführen, mußte er soviel seiner Zauberkraft wie irgend möglich meistern. Er mußte Wege finden wie er sich weiter für seine Magie öffnen konnte, um noch mehr davon zu kanalisieren. Auf der Suche nach einer Gelegenheit die Energien zu nutzen, die in seinem innersten magischen Kern beinahe überfloßen, würde Harry genau das tun und froh sein, wenn der magische Rückschlag ihn nicht auf der Stelle tötete.

Bis jetzt hatte Harry nicht bewußt versucht die Energien zu nutzen. Erstens, weil Toms Gegenwart zu fest in seinem Geist verankert war, und zweitens, weil Harry nicht genug über die Stärke seiner sich rasch verändernden Zauberkraft wußte, um sie bereits einzusetzen. Wichtiger noch war, daß er das Ausmaß seiner Kräfte nicht abschätzen konnte. Harry wußte alles über Versuchungen. Selbst falls er jetzt noch nicht auf alle Reserven seiner Magie zugreifen konnte, würde er gewissenhaft daran arbeiten, diese Tatsache so bald wie möglich zu ändern.

Zudem mußte Harry seinem Unmensch von Onkel danken, daß er jetzt wenigstens eine ziemlich genaue Idee von dem hatte was er zu tun imstande war und welche Dinge er dringendst verbessern oder rigoros vermeiden sollte.

Harry hatte jemanden gebraucht, an dem er seine neuen Fähigkeiten testen konnte. Das er sie am Ende eines jeden Tages der letzten zwei Wochen mit Oblivio belegte, hinterließ wahrscheinlich auch eine gewisse Wirkung, denn Harry konnte beobachten, wie die kleinen Schweinsäuglein jedes Mal für ein paar Minuten wild hin und her rollten. Selbstverständlich hatte Harry seine verspieltere Hälfte unterdrückt und die leeren Stellen mit all dem langweiligen Alltagsmist gefühlt, in dem sein Onkel aufzublühen schien.

Wie es sein konnte, daß niemandem auffiel was in Dursleys viel gerühmtem Residenz vor sich ging, war ein Rätsel für Harry, das er noch immer nicht gelöst hatte. Es konnte einfach nicht sein, daß die Leute beim Ministerium für Zauberei es nicht bemerkten, wenn Harry ab und zu ohne seinen Zauberstab zu benutzen zauberte. Schließlich fanden sie muggelgeborene Zauberer und Hexen wenn sie versehentlich zauberten, und das taten sie ja ebenfalls ohne Zauberstab. Vielleicht hatten sie die Geräte, mit denen sie so etwas zurückverfolgten, einfach auf andere Viertel ausgerichtet, weil sie dachten er sei schon gut überwacht.

Ihre Ignoranz dem Schicksal der Muggel gegenüber war ebenso verstörend. Hätte nicht einer aus Arthur Weasleys Abteilung kommen müssen, um das Unrecht, welches Harry seinen Verwandten antat, zu richten?

Harry verzog das Gesicht, wenn Vernon das Auto mit brennenden Reifen aus der Parklücke lenkte, die Bremsen knirschten widerwillig, bevor er vom Bahnhof von King's Cross davonraste. Wenn alles so lief wie geplant, würde Harry ihn, seine pferdegesichte Frau und seinen wuchtigen Nachwuchs wenigstens für die nächsten fünfzig Jahre nicht mehr sehen müssen.

Das letzte, was Harry getan hatte, ehe er auf den Rücksitz von Dursleys Auto stieg, war es gewesen, die den Lingusterweg umgebenen Schutzzauber herunterzunehmen. Dumbledore hätte keinen Grund mehr, ihn jemals wieder zu diesem Ort zurückzuschicken, wenn sie fort waren.

Von den zwei möglichen Wegen die Schutzzauber zu entfernen, davon abgesehen sie einfach einzureißen und das Haus damit zu zerstören, war nur einer durchführbar. Harry hätte die Verzauberungen herumdrehen können, so daß seine Tante diejenige war, die sie beobachtete. Allerdings hätte das wegen Dumbledore nicht sehr gut funktioniert, denn damit der manipulierende Bastard sich der Veränderung innerhalb des komplexen Netzes von Zaubern nicht bewußt wurde, mußte Harry Potter der sein, auf den die Schutzzauber gerichtet waren. Aus diesem Grund hatte Harry die Aufmerksamkeit der Zauber in sich selbst zurückgerufen. Die Tatsache, daß die Schutzzauber sein Blut beschützten, verhinderte, es in irgendeiner anderen Weise zu händeln. Es hatte nur ein kleines Problem gewesen, dennoch benötigte er Stunden von Arbeit, bis er eine Lösung fand.

Grundsätzlich bedeutete es, daß Harry von nun an Wächter und Bewachter in einer Person war. Es war etwas schwierig die Magie dazu zu bringen, Harry als beides anzuerkennen, aber letztendlich hatte er den Drahtseilakt vollbracht. Harry würde die Schutzzauber um den Lingusterweg für einen Monat oder so aufrecht erhalten und sie dann langsam auflösen, denn bis dahin wäre er weit weg von hier und könnte in keinster Weise dafür verantwortlich gemacht werden, wenn hier irgendetwas schieflief.

Nun stand Harry ein wenig verloren mit seinem Koffer und dem Vogelkäfig an dem Bahnhof und sah sich um, um zu entscheiden, was er jetzt tun könnte, während er sich darauf vorbereitete mehr als fünf Stunden auf den Hogwarts' Express zu warten. Es war noch nicht einmal sechs Uhr morgens und die Sonne hatte ihren Weg an den Himmel noch nicht vollständig erkämpft.

Das Krächzen seiner Eule zog ihn aus seinem Schlummer und nach einem Augenblick schweren Nachdenkens, beschloß Harry, daß seine erste gute Tat für den Tag darin bestehen würde, den Käfig seiner Eule zu öffnen. Er beobachtete lächelnd wie der wunderschöne Vogel laut schreiend in den Himmel hinaufflog. Nach seinem Geburtstag hatte Harry gezögert Hedwig frei herumfliegen zu lassen, aber jetzt war er sicher, daß sie Hogwarts sicher allein erreichen würde und nicht in den Weg von Verrückten geriet – oder in den seines übergeschnappten, mit Gewehr bewaffneten Onkels. Als er sie aus dem Blick verlor, rieb Harry seine sich wie von allein schließenden Augen. Zwischen seinen unentwegt nervenden Verwandten, einem wutschnaubenden Tom Riddle und der Notwendigkeit alles zu lernen, was er konnte, hatte Harry während der letzten Tage nicht sonderlich viel Schlaf abbekommen.

Nachdenklich betrachtete Harry den leeren Käfig und seinen Koffer. Er weigerte sich absolut, die Sachen für die nächsten Stunden mit sich herumzuschleppen. Er hätte statt Muskeln nur noch Muskellen in seinem Arm, doch es brauchte nur einen kurzen Wink mit seinem Handgelenk und Harry hatte alles mit einem zufriedenen Grinsen geschrumpft und in seine Hand beschworen. Blinzelnd blickte Harry auf seine Handfläche. Der Gepäckwagen war nicht Teil seiner Utensilien für Hogwarts, oder?

Harrys Wangen röteten sich auf eine Weise, die der der Weasleys in nichts nachgestanden hätte und vergrößerte das Teil wieder. Es wäre peinlich gewesen, wenn jemand den er kannte, das gesehen hätte. Mit einem flüchtigen Blick auf die wenigen, eilig vorbei eilenden Menschen versichterte sich Harry, daß das nicht der Fall war und trat einen großen Schritt vorwärts, weg von Leuten, die bemerken könnten, wie lange er um den Bahnhof herumhing.

Mit den Gedanken ständig bei Voldemort, spazierte Harry im gemächlichen Tempo, das jemand einschlug, der keine Verpflichtungen hatte, durch Muggel-London. Harry hatte noch immer nicht herausgefunden, was tatsächlich während des Rituals geschehen war. Die einzige Erinnerung, die Harry aufrufen konnte, war das Gefühl, zum ersten Mal in seinem Leben wirklich lebendig zu sein. Als Voldemort versuchte hatte, Harrys Körper und Geist zu übertrumpfen, fühlte es sich – für nur einen Moment – so an, als ob er aus seinem eingeengten Dasein herausgerissen und auf etwas unkenntlich Großartiges und Energiegeladenes zuschwebte. Es war ein gutes Gefühl gewesen, bis er wieder zurückgezogen wurde, sich seiner Zauberkraft und der anderer Menschen im allgemeinen bewußter als je zuvor. Es war, als hätte ihm jemand einen neuen Sinn gegeben, mit dem er die Welt endlich so sah, wie sie zu sehen gedacht war, denn alles war einfach ... mehr da.

Während diesen kurzen Augenblicks, als Harry all das nahm um den Dunklen Lord zu binden und ihn festzuhalten, spürte Harry die Panik, die in Tom aufstieg. Dann brachte er es irgendwie fertig ein so starkes, mentales Schild zu errichten, bei dem jeder enorme Schwierigkeiten haben würde, es zu brechen.

Woher Harry wußte, das dies der einzige Weg war, aus ihrer Begegnung genauso lebendig und heil herauszukommen, wie er hineingegangen war, hätter er auch unter Folter nicht sagen können. Er sammelte einfach seine Magie und schlug zurück. Harry wäre unfähig es willentlich zu wiederholen. Magie war eine flüchtige Sache, war es immer gewesen, wenigstes wen es ihn betraf.

Harry war mit schrecklichen Kopfschmerzen zurückgeblieben und jedes Teil seines Körpers brannte vor Schmerzen, während Tom verzweifelt versuchte das Schild, mit dem Harry ihn umschlossen hatte, zu zerstören.

Harry grinste schadenfroh, als das Gefühl von Zorn seinen Geist flüchtig von innen berührte. Tom hatte es nicht gern, wenn man ihn an seinen Fehler erinnerte. Zu schade. Harry würde öfter darüber nachdenken müssen. Ein wütender Tom wäre kaum in der Lage Harrys Schilde zu zerstören.

Mit breitem Gähnen wanderte Harry weiter. Eigentlich wollte er sich bloß irgendwo hinsetzen und seine Augen schließen. Seine Füße fingen schon an weh zu tun, da sein Schuhe nicht gerade das waren, was man für ausgedehnte Spaziergänge trug; doch wie alles andere auch, würden sie es halt tun müssen.

Vor Langeweile laut aufseufzend, zog Harry seine oft zu Rate gezogene Liste voller Dinge die er nur tun wollte, weil er dachte, daß sie Spaß machen würden, aus der Hosentasche und studierte sie andächtig. Viele Dinge hatte er bereits ausgestrichen, aber einige Sachen waren noch offen. Jetzt, wo er den Luxus hatte, Dinge zu tun, die ihm Spaß machten, fand Harry es schwierig sich zu entscheiden, welches, auf seiner sehr langen Liste er zuerst tun sollte. Surrey hatte Touristen nicht sonderlich viel zu bieten, deshalb entschied sich Harry ohne weiteres Federlesen ins Herz der Stadt zu gehen, in der er seit seiner Geburt lebte, die er aber niemals zuvor gesehen hatte.

Während der letzten Wochen hatte Harry mehr von London gesehen als je zuvor. Jetzt konnte er wirklich sagen, daß er hier lebte. Trotz Toms Gegenwart hatte er es fertiggebracht, die Gedanken betreffend dunkler Lords und eines kurz vor dem Ausbruch stehenden Krieges in die hinterste Ecke seines Verstandes zu verbannen, wo sie dem schleimigen Ding einer verdorbenen Seele Gesellschaft leisten konnten. Zum ersten Mal in seinem Leben war Harry in ein Kino gegangen, im allgemeinen ein verhältnismäßig unterhaltsames Ereignis, aber für Harry ein zweifelhaftes Vergnügen. Es würde eine Menge Überredung kosten, ehe er bereit wäre, es noch einmal zu versuchen, falls überhaupt. Er war froh, daß die Erfahrung hinter ihm lag.

Nicht wirklich für seine Altersgruppe geeignet, gelangte Harry nichtsdestotrotz mit einem klein bißchen magischer Unterstützung ins Kino. Mit Leuten in der Dunkelheit zu sitzen, die hier und da aufschrien, während Tom gerade diesen Augenblick nutzte, sich bemerkbar zu machen, war keine Sache an die Harry sich gewöhnen wollte. Es hatte viel zu viel von Realität an sich, um selbst halbwegs unterhaltsam zu sein. Das total übergeschnappte Lachen, das fröstelnd durch seinen Körper ran, ließ Harry für den Rest des Films alarmiert und unfähig seine Konzentration der Leinwand zuzuwenden, wie gut die Vorführung auch sonst gewesen sein mochte. Die Muggel jedenfalls schienen ihren Spaß zu haben. Selbst jetzt ran ein Schauer über Harrys Rücken, wenn er an den dunklen Raum und die Schreie zurückdachte. Viel zuviel Realität.

Nach diesem abschreckenden Ereignis hatte Harry beschlossen nicht länger selbstsüchtig zu sein. Statt dessen hörte er auf seinen knurrenden Magen und hatte eine weitere Premiere, einen weit größeren Erfolg aus seiner Sicht. Direkt aus dem Kino hinaus war Harry zum ersten Mal zu McDonalds gegangen. Bis zum Rand hatte er sich mit Cheesburgern, Cola und Pommes vollgestopft, so daß er seinen Hosenknopf aufmachen mußte – eine Sache, die in der Tat Beachtung verlangte, da er noch immer ausschließlich Dudleys ausrangierte Sachen auftrug. Allein das er zum ersten Mal nicht den Hunger in seinem Magen rumoren spürte, gab ihm ein Gefühl reiner Freude, das kaum irgendetwas übertrumpfen konnte.

Harry schluckte. Er hatte heute noch immer nichts gegessen, aber da er kein Muggelgeld übrighatte, war das etwas, über das er in der Zukunft nachdenken würde. Seine letzte magere Mahlzeit hatte Harry am Tags zuvor zum Frühstück gehabt. Das Abendessen war kurzerhand ausgefallen, weil Vernon die Meinung vertrat, daß Harry ihn ohne den erforderlichen Respekt und die Bewunderung gemustert hatte, die ihm zustand.

Harry hatte Vernon nicht von dieser Überzeugung abgebracht, denn es war wohl das einzige, mit dem sein Onkel richtig lag.

Darin, den blöden Trampel auf die falsche Weise anzustarren – um mit Vernons Worten zu sprechen – hatte lange Harrys einziges Vergnügen bestanden. Sein Onkel war unfähig in seiner leeren Birne die Gelegenheiten zu zählen, in denen Harry ihn beobachtet hatte, nur um nicht der absoluten Langeweile zu verfallen.

Es war nicht, das die Dursleys ihm hätten verbieten können zu essen – Harry hätte sie einfach wieder auf ihre Zimmer geschickt. Nein, diese Mal hatte Harry einfach Vergessen den Bedürfnissen seines Körpers nachzukommen, weil er beschäftigt war gegen einen neuen Versuch Tom Riddles seine Seele zu befreien anzukämpfen.

Sein Magen knurrte und Harry schob die Liste zurück in seine Tasche. Er hätte nicht über Essen nachdenken sollen. Jetzt konnte er an nichts anderes denken. Er verfluchte seinen dummen Bauch. In ein paar Stunden würde er ihn mit Schokoladenfröschen, Kürbispasteten und Bertie Botts Bohnen vollstopfen damit er Ruhe gab.

Über Hogwarts nachzudenken, lenkte Harrys Aufmerksamkeit auf andere Dinge. Ein Besuch in der Winkelgasse war seit langem überfällig. Bis jetzt hatte er sich weit weg gehalten von bekannten magischen Plätzen, aber es waren noch immer Stunden bis zum Punkt ohne Wiederkehr und der Abfahrt des Hogwarts Expresses. Harry würde keine Zeit verlieren, denn er hatte Wege um von einem Ort zum anderen zu gelangen, die nicht in Hogwarts gelehrt wurden. Noch unentschlossen, wog Harry Pro und Contra seiner Idee, aber sein Magen hielt die entscheidende Stimme, denn er knurrte wie eines von Hagrids Monstern und er fühlte sich wirklich hungrig.

Ein paar Gallonen sollten noch irgendwo in seinem Koffer Staub ansetzen. Er würde den Koffer natürlich vergrößern müssen, aber er würde etwas zu Essen bekommen, bevor er das Bewußtsein verlor. Sicherlich könnte er lange genug außer Sicht bleiben, um einen flüchtigen Blick in die Gasse zu riskieren, außerdem brauchte er noch immer seine Schulbücher.

Harrys Brauen zogen sich zusammen. Das einzige beunruhigende war, daß er die Magie des Ortes spüren konnte, selbst hier. Harry wußte nicht, wieviel davon er aushalten würde. Er fühlte sich noch immer nicht komfortabel genug, um nicht über seine eigenen Füße zu stolpern, wann immer seine Magie nach Quellen gleichermaßen starker Kernenergie hinausgriff, um sich zu binden und zu stärken und ihren Spielraum zu vergrößern. Trotz allem jedoch war Harry ein heranwachsender Jugendlicher und er entschied sich, das Risiko auf sich zu nehmen und zu rennen wenn er begann sich schwindelig oder betäubt zu fühlen, oder besonders belebt. Er lachte lautlos. Es würdde ihn nicht verwundern, wenn es sich herausstellte, daß er tatsächlich abhängig war, denn er konnte sich der Magie nicht entziehen wo immer er hinging - und er hörte sich bereits wie einer an.

Langsam brachten ihn seine Schritte zurück zum Tropfenden Kessel. Wenn dieser Sommer nicht gewesen wäre, wäre Harry direkt hinein gegangen, aber heute fühlte er, daß etwas nicht stimmte. Konzentriert beobachtete Harry den Eingang zur Zaubererwelt.

Er lehnte sich an die Wand des Hauses gegenüber dem Tropfenden Kessel, sein Fuß hinter sich an die Wand gestützt und die Arme über der Brust verschränkt. Harry wartete bis sich die in ihm aufwallende Magie beruhigte oder ihm enthüllte, warum sie so außer Kontrolle war. Wie ein laues Lüftchen schien er aus der Sicht zu verschwinden, lautlos tiefer in die Dunkelheit sinkend, wachsam und völlig unsichtbar inmitten der Schatten.