Kapitel 6 – Magisches Allerlei

Als sich Snape sicher war, daß sich das unmögliche Kind beruhigt hatte und still bleiben würde, nahm er die Hand von seinem Mund und wischte sie an seiner Robe ab, während ihn der Junge fragend und merkwürdig schweigsam anstarrte.

Seit sie zuletzt miteinander gesprochen hatten – oder besser gegeneinander, abhängig vom Gesichtspunkt – war genug Zeit vergangen, um abzukühlen und jegliche mitgeschleppten Gefühle, die sie letztes Jahr gehabt hatten, zu konservieren. Was jetzt durch Severus Snapes Venen floß, war kalte Wut und Verlangen.

Verlangen, den unvorsichtigen Jungen zu töten, ihn zu ertränken und auseinander zu reißen. Der Tränkemeister knirschte mit den Zähnen und atmete tief durch seine Nase, die Nasenflügel bebten vor unterdrücktem Begehren das Balg zu erwürgen. Das Schuljahr hatte noch nicht einmal begonnen und schon wieder mußte er den Potterwelpen retten. Was hatte der Narr eigentlich um diese Tageszeit in diesem Teil der Winkelgasse zu suchen? Er wollte es wissen, also fragte er auf eine leicht abgewandelte Art, seine Stimme erfüllt von Verachtung und Wut.

„Was hat dich schwachsinnigen Gryffindor beseelt hier herumzuschnüffeln, während sich alle anderen daran arbeiten, deine Sicherheit zu garantieren? Legst du es darauf an, dem verlausten Köter von einem Patenonkel auf den Fuß zu folgen? Was, Potter, bringt dich dazu zu glauben, daß du über den Regeln stehst und in einem Gebiet herumzustolzieren kannst, dessen Betreten für Kinder und hirnlose Holzköpfe wie dich eindeutig untersagt ist?" wütete der Mann ruhig mit leiser Stimme, doch seine Augen waren wie Stahl.

„Warte bis wir hier raus sind, Potter!" versprach Snape ungemütlich knurrend, niemals seine Augen abwendend von dem kleinen Spalt in der Wand, von wo aus er einen guten Blick auf den schmalen und düsteren Weg vor ihnen hatte. Seine verengten Augen huschten herum, beobachteten den Jungen, der sich auf die Zunge bis, um herunter zu schlucken was immer für eine Obsönität durch seinen leeren Schädel zog.

Harry sah einfach nur zu, seine Zähne zusammengebissen, wenn sein Verstand endlich verarbeitete was der gehässige Bastard andeutete. Es war eigenartig, wie jemand so viel Haß rüberbrachte und gleichzeitig so leise sprach, daß man ihn kaum noch verstand.

Größtenteils noch immer mit drängenderen Problemen beschäftigt, wie den Zauber unter dem er gestanden hatte und Toms neue Aggressivität, war Harry nicht übermäßig aufmerksam gegenüber dem Gezetere des Spions, der so viele negative Gefühle entfachte wie andere Haare auf dem Kopf hatten.

Was hatte der Depp hier überhaupt verloren, wo sie gerade bei der Tatsache des Herumsschnüffelns waren? Das Schild, das Leute von diesem Areal fernhalten sollte, war nicht für Kinder an den Torbogen genagelt worden – Harry hatte es aus dem Augenwinkel gesehen – sondern für Erwachsene, die in Versuchung geführt wurden ein Abenteuer zu suchen oder merkwürdigen Zauberern zu folgen – wie Snape es offensichtlich auch getan hatte.

Hatte der Mann sie ausspioniert? Woher wußte er von ihnen? Vielleicht von einem Treffen der Todesser? Harry wagte es nicht nachzufragen, der Blödmann könnte auf die Idee kommen, ihn ernsthafter zu befragen. Harry musterte ihn still. Er würde dreimal nachdenken müssen, ehe er in Hörweite des schmierigen Bastards irgendetwas von Wichtigkeit ausplauderte.

„Heb deinen Kopf aus dem Abfluß und hör auf zu starren, Potter!" Die unumwundene Antwort wurde ihm bösartig entgegen geschleudert und ein forschender Blick folgte einen Moment später, als Snape im aufmerksamen Observieren der Umgebung eine Pause machte. „Bist du tatsächlich von allen guten Geistern verlassen oder einfach nur blöd, Potter?"

Harry biß die Zähne zusammen. Er versuchte verzweifelt seinem Weg treu zu bleiben und Wut und Abneigung nicht zu offensichtlich werden zu lassen, und nicht zuletzt um solch gefährliche Vorfälle zu vermeiden, bei denen er wie ein kleines Kind, das versuchte sich der wachsenden Kraft in seinem zu kleinen Körper anzupassen, die Kontrolle über seine Magie verlor.

Außerdem mußte sich Harry in kurzer Zeit um Tom kümmern. Hätte er nicht so starke Schilder errichtet, wäre Tom bereits ausgebrochen als Harry versuchte von den goldgerobten Männern zu fliehen, bevor Snape zu seiner Rettung gekommen war. Harry dankte seinem Glück, Voraussicht oder Schicksal – zur Hölle, allen zusammen – zuvor die Schilder verstärkt zu haben. Er holte tief und sorgsam auf Schweigen bedacht Atem, um nicht unnötigerweise die Aufmerksamkeit des Tränkemeisters auf sich zu lenken.

„Kannst nicht mal eine einfache Frage beantworten, oder?"

Harry biß sich auf die Lippen. Er durfte nicht wütend werden. Er durfte es nicht! Beharrte Harry beschwörend zu sich selbst. Er fühlte eine Sturzflut voller Wut durch seinen Körper wogen. Es fand einen Weg durch sein eigenes Dunkles Mal und wurde nur noch verfielfacht durch seine verbindende Magie. Doch schon im ersten Augenblick war klar, daß es nicht seine eigenen Gefühle waren. Es waren die Gefühle von Snape zu ihm, zu seiner Dummheit, seinem Regelbrechen, zu seinem leichten Leben und seinem unverdienten Ruhm. Harry hätte gelacht, wäre die Situation nicht so verzweifelt.

Harry war noch immer nicht völlig an die Veränderung seines Körpers gewöhnt. Sein Zauberstab reichte nicht aus um so viel magischer Energie zu kanalisieren. Wann immer er ihn benutzte, ging einfach alles schief. Es wäre wirklich übel, sollte er jetzt die Kontrolle verlieren ... oder überhaupt irgendwann.

„Ich hab nur ...," biß Harry zwischen zusammengepressten Kiefern hervor, während er versuchte ihre in verschlungene Magie aufzuknüpfen, „diese merkwürdigen ... goldenen Roben ... beobachtet ..., Sir." Harry erinnerte sich selbst mit wem er hier sprach, als er einen Kopf herumwirbeln sah, und verstummte. Harry hätte nicht einmal so viel gesagt, wenn er sich nicht so fühlen würde, als atme er zähe Flüssigkeit statt Luft. Er mußte vorsichtig sein. Er wollte nicht sein eigenes Grab schaufeln. Entschlossen wandte sich Harry seiner Aufgabe zu.

Was war es, daß er es nicht kontrollieren konnte? Oder war es schon immer da gewesen und Harry war einfach nur unfähig gewesen es zu spüren? Wenn er es wenigstens unterbrechen könnte, so daß er nicht länger die Emotionen, die Snape neben ihm durchlebte, wahrnehmen mußte. Die Nähe zu dem Mann half auch nicht gerade. Es war schwer seinen eigenen Zorn von dem Snapes getrennt zu halten. Zur Hölle, falls dem Mann das je zu Ohren kommen sollte, würde Harry nie wieder das Tageslicht erblicken.

Harry versuchte Snapes durchdringenden Blick zu ignorieren, niemals nachlassend die Magie zu entwirren, die hier am Werke war. Möglicherweise würde Snape auch sein eigenes Grab schaufeln und Harry verschonen, falls er erfuhr, daß Harry Potter seine Verärgerung spürte.

Der Tränkemeister musterte ihn, als würde er ernsthaft in Erwägung ziehen, ihn aufzuschneiden, um zu sehen ob irgendwo ein Hirn zu finden war. Es war erstaunlich, daß der Mann nicht direkt aus der Haut fuhr und an Harrys Kehle als er ihn fand wo er nicht hätte sein sollen. Diese goldgerobten Zauberer waren also wenigstens gut für etwas.

Die halbwegs ... vernünftige Art zu reden ließ Harry wachsam bleiben. Obwohl ihr Gespräch weit entfernt von normal war, war es einfach nicht richtig, nach der Art und Weise auf die Snape Harry während der letzten Monate des letzten Schuljahres angegiftet hatte. Harry biß sich entschlossen in die Lippen. Er plante nicht sich bei Snape zu entschuldigen, daß er in seine Privatsphäre eingedrungen war, indem er die Chance ergriff einen Blick in seine Erinnerungen zu riskieren. Warum zur Hölle hatte Snape das Ding an einer Stelle zurückgelassen, wo jeder es finden konnte? Wie jemand, der an einer Schule voll mit heranwachsenden und äußerst neugierigen Kindern unterrichtete, die dachten, daß er des Teufels Advokat wäre, hätte Snape sich bewußt sein müssen, was geschehen würde wenn eines der Kinder die Hände an sein Denkarium legte. Es war Snapes eigener Fehler, daß er nicht scharfsichtiger war, mit seinem Kopf ständig vergraben in irgendeinem stinkenden Kessel.

Der Mann war ein Spion um Merlins Willen. Er sollte einen Weg finden, um zu verstecken was ein Geheimnis bleiben sollte, obwohl Harry zugeben mußte, daß es Snape wohl ein wenig in Velegenheit brachte zu wissen, genau welche Erinnerung Harry beobachtet hatte. Aber Velegenheit war nicht Entschuldigung genug um Snapes Reaktion zu rechtfertigen. Wenn Harry ehrlich war, dachte er daß es Snape nur recht geschah wenn er einmal zurecht gestutzt wurde. Jetzt konnte er sich wenigstens über etwas aufregen, daß Harry wirklich getan hatte. Sicher, Harry hatte unverantwortlich gehandelt, aber er würde einen Besen fressen, wenn Snape nicht dasselbe getan hätte, wäre er über Harrys Denkarium gestolpert, nicht daß Harry eins hatte oder es benutzen würde wenn. Seine Erinnerungen war nicht für die Augen anderer Leute bestimmt. Sie blieben am besten genau da wo sie waren, vorzugsweise in seinem Kopf.

Snape hatte sowieso viel mehr auf seinem Buckel wofür er sich entschuldigen müßte. Und entschuldigte er sich? Harry schüttelte seinen Kopf. Sie würden niemals Gespräche in gemütlicher Umgebung führen. Harry schnaubte und ignorierte die bedrohliche Haltung die der Mann zur Schau stellte, wenn er sich hinkauerte. Als ob er jemals wollen würde.

Dumbledore hatte gehofft, daß sie ihre Abneigung füreinander überwinden würden, daß sie ihre Ähnlichkeiten sahen und später vielleicht sogar Freunde bekommen würden. Ha, als ob! Vielleicht sollte Harry diesem sprechenden Limonendrops zeigen, was geschah wenn er seine Nase in Dinge hineinsteckte, die ihn nicht betrafen selbst mit beiden Augen zugedrückt.

Harry wurde aus seinen Gedanken gerissen, einen Plan gegen den Direktor auszutüfteln, durch Snape geflüstertes, aber nichtsdestotrotz weniger sarkastischem Kommentar: „Da war niemand in goldenen Roben, Potter. Halt deine Nase aus den Wolken raus."

„Natürlich waren sie da, Sir!" Harry konnte sich nicht anders helfen als lebhaft zu widersprechen. Waren die Männer nicht der Grund dafür, daß sie sich hier in diesem widerlich stinkenden Loch versteckten?

So plötzlich wie Harry unterbrochen wurde, vergaß er seine Entscheidung schweigend zu schlucken, was Snape austeilte. Harry musterte ihn aus verengten Augen. Er würde gern einmal seinen Tränkemeister so aufblasen wie er es mit seiner Tante getan hatte. Es konnte niemanden geben, der möglicherweise nach Snape Ausschau halten würde, um ihn einzufangen, wenn er mit rudernden Armen über den Himmel schwebte und er mit kreischender Stimme Punkte von Gryffindor abzog. Unbewußt grinste Harry schadenfroh, ohne zu bemerken wie unheimlich er mit einem Ausdruck wie diesem aussah.

„Versuch deine Unverschämtheiten nicht mit mir, Potter!" knurrte Snape kalt. Jedes Sir´ aus dem Mund dieses Balgs trug ein Echo von Unverfrorenheit mit sich und Severus Snape wurde von Minute zu Minute wütender. Wenn ihre Lage nicht ganz so prekär wäre, hätte er das übermütige Kind schon auf den Boden zurückgeholt. „Es wird dir nicht gut bekommen ... und fünfzig Punkte von Gryffindor, dafür daß du laut aussprichst, worüber du dir nicht einmal bewußt sein solltesst, Welpe."

Harry unterdrückte den plötzlichen Drang zu kichern. Mit Snape, der Punkte abzog, war ein Teil bereits wahr geworden. Nun mußte er ihn nur noch aufblasen. Echt schade, daß es damals unabsichtlich geschehen war und falls Harry es jetzt versuchte, würde Snape wahrscheinlich an Ort und Stelle explodieren mit der Menge an Zauberkraft, die Harry besaß, ohne viel Kontrolle darüber zu haben.

„Ich glaube nicht, daß es angebracht ist, Punkte zu nehmen wenn das Schuljahr noch nicht einmal offiziell gestartet hat ... Sir." warf Harry hitzig ein und blieb damit seiner Rolle treu für seinen Professor, der immerhin erwartete, daß Harry ihm widersprach. Nicht das Harry sich in diesem Moment oder später sonderlich über Hauspunkte sorgte, so beschäftigt wie er dann mit Nachforschungen in der Bibliothek über Bücher über Male, Rituale und seine merkwürdig veränderte Magie sein würde. Es würde keine Abenteuer geben.

Harry hatte sich entschlossen seinem Charakter so treu wie möglich zu bleiben, was bedeutete, daß er ein paar Regeln brechen mußte, um das Gemüt seiner Professoren zu erleichtern. Es bedeutete, daß er ärgerlich sein mußte, wenn Snape drohte Hauspunkte abzuziehen und besonders wütend, wenn er seine Eltern lächerlich machte. Selbstverständlich wäre Harry dann wirklich unter Druck gelassen zu bleiben, aber Tom würde da sein, um ihn an die Folgen eines Versagens zu erinnern.

Harry fing einen auf ihn gerichteten neugieren Blick auf und zauberte ein unschuldigen Lächeln auf sein Gesicht. Vielleicht war seine Gelassenheit in einer Lage wie dieser nicht so Harry-Potter-gleich wie Harry es gern glauben würde. Aber was wußte der Mann wirklich darüber, wie Harry in Situationen um Leben und Tod tatsächlich handelte, oder Harry allgemein? Dennoch, Harry würde etwas mehr Arbeit darein stecken müssen, wenn er zurück in Hogwarts war. Bis dahin jedoch, könnte er vielleicht nur ein kleines bißchen Spaß mit dem häßlichen Tränkebastard haben. Er grinste spielerisch und schob ihre gegenwärtige Situation zurück um klarer nachdenken zu können.

Seit ihrem kleinen Argument über das dämliche Denkarium hatte Harry nicht ein wirklich schlimmes Wort zu dem elenden Mann gesagt. Dieses Jahr mußte er ihm noch immer etwas Beleidigendes an den Kopf werfen. Bis jetzt hatte Harry wahrheitsgemäß geantwortet, wenn auch ein bißchen gleichmütig und kühl im Benehmen. Vielleicht war es das, was den Tränkemeister entgeisterte. Egal, Harry kümmerte es nicht. Für heute hatte er bereits genug von dem Mann.

„Wollten Sie hier nicht raus, Sir?" fragte Harry mit aufgesetzter Höflichkeit.

„Versuchst du, dich um die Ecke zu bringen, Potter?" zischte der Tränkemeister erzürnt, doch noch immer leise, denn man vergaß nicht einfach jahrelanges Spionieren nur weil man von Idioten umgeben war. „Oder gehe ich recht mit meiner Vermutung, daß du das Ding, das gewöhnlicherweise Kopf genannt wird, nur auf deinen Schultern sitzen hast, um diesen Mop von Haaren herumzuschleppen?" Was für eine Verschwendung, mokierte sich der Mann verächtlich, aber sein Ausdruck war umsonst, denn niemand warf auch nur einen flüchtigen Blick auf ihn.

So leise wie Harry konnte, stemmte er sich vorwärts. Wenn der Bastard gehen wollte, dann würden sie auch gehen. Resolut bewegte sich Harry in die dunkle Gasse hinaus und folgte dem flüchtigen Schimmer von Magie, den er hier und da greifen konnte. Er wollte Beweise. Was Snape über die Roben sagte, ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. Harry würde nah genug an sie herankommen, um zu sehen, ob seine Augen ihm einen Streich gespielt hatten. Er mußte einfach nur vorsichtig sein. Gleichmäßig durchatmend konzentrierte sich Harry hart auf seine Aufgabe, den schwachen Resten ihrer Gegenwart zu folgen. Die Auren aller anderen hätten sich schon längst aufgelöst.

Die Versuche des Tränkemeisters ihn zurück und hinunter zu ziehen abwehrend, kroch Harry aus dem kleinen Raum und kletterte schweigend über zerbrochene Bretter und Schutt. Er folge der Straße zu dem Punkt, wo die goldgerobten Zauberer sich fern der oh so wachsamen Augen des Ministeriums versammelt hatten. Sie waren jetzt natürlich nicht dort, aber die Spuren ihrer Magie waren schon viel stärker und Harry fühlte das unbehagliche Ziehen in seinen Eingeweiden von weither widerhallen. Außerdem schien Tom wieder lebendig zu werden, er mühte sich heftig ab seine gebundene Seele zu befreien.

Harry biß sich vor Schmerz in die Lippen, aber ignorierte Tom für jetzt und wunk den Tränkemeister heran. Selbst ohne Hilfe von seinem Dunklen Mal oder seiner Magie wußte Harry, daß der Mann ihm gefolgt war. Offensichtlich wußte Snape wann er seine weniger als schmeichelhaften Gefühle hinter sich lassen mußte. Pech war nur, daß er nicht genauso schlau war wie jetzt, wenn sie in Hogwarts waren.

„Da, sehen Sie," flüsterte Harry mit einiger Zufriedenheit in einem ich hab es ja gesagt Ton und deutete für Snape ersterhand in die Richtung, damit er sah was Harry meinte. „Die goldenen Roben."

Diese Zauberer schienen keine Masken zu tragen, wie diejenigen bei Voldemorts Versteck. Nichtsdestotrotz waren ihre Gesichter unsichtbar, denn die Kapuzen waren tief hinuntergezogen und verbargen jegliche Gesichtszüge, die sonst erkennbar gewesen wären. Die wenigen Schemen, die Harry in den dämmrigen Schatten ausmachen konnte, versuchte er ergebnislos aus seinem Gedächtnis hervorzurufen. Harry fand sich selbst von einer grauen Wand denkend, als wenn sie sich selbst verzaubert hätten, um unkenntlich zu bleiben für diejenigen, die sie beobachteten. Diesen Zauberspruch wäre es wert zu lernen, falls Harry irgendwie herausfinden konnte, wie sie es taten.

Sie waren nicht so nah an den Zauberern dran wie Harry es zuvor gewesen war, dennoch, jetzt versuchte er sich selbst und Snape von ihren Sinnen verborgen zu halten. Selbstverständlich hatte Harry nicht wirklich eine Ahnung was er tat, aber da die in roben gehüllten Männer noch immer nicht hinter ihnen her waren, um ihn und seinen Professor beim Herumschnüffeln einzufangen, tat er wohl passablen Job. Oder vielleicht waren sie einfach nicht so scharfsichtig wie er zuerst geglaubt hatte. Harry fand es ein wenig dumm, ständig dieselben Worte zu denken, wieder und wieder, wiederholte er es wie ein Mantra in seinem Kopf: „Findet uns nicht! Seht uns nicht! Wir sind nicht hier! Findet uns nicht!" Da es aber zu funktionieren schien, fuhr er damit fort und hielt sich an das Sprichwort Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Harry beobachtete sie neugierig. Er fühlte sich nicht so überwältigt wie zuvor. Jetzt wußte er, was er von ihnen zu erwarten hatte und er würde sich nicht mehr überraschen lassen, selbst wenn sie wieder etwas versuchten. Vielleicht war es die Gegenwart des Tränkemeisters, die ihn gewahr werden ließ, daß so lange der Spion schweigsam aber gelassen blieb sie nicht in Gefahr waren im nächsten Moment ihre Leben zu verlieren. Trotzdem, auf welche Weise er sie auch betrachtete, die Roben, die sie trugen, während sie so stoisch durch die Gasse patrouilllierten, als wären sie die Herren der Welt, schimmerten in einer leuchtend goldenen Farbe.

Harry schüttelte sich mit Gewalt, als Snape verhalten in sein Ohr murrte. Selbst während er flüsterte, kriegte der garstige Mann es irgendwie zustande, daß sich seine Stimme genauso emotionsgeladen anhörte wie eine Ziegelwand.

"Bist du genauso blind wie blöd?" Snape wandte lautlos seinen Kopf. „Schau nochmal, Potter. Dort ist nicht einer in einer goldenen Robe." Der Spion, der noch immer nicht wußte, daß er keiner mehr sein brauchte, hörte sich seltsam nachdenklich an, während er den Jungen musterte.

Warum schlichen diese Zauberer hier wirklich herum? Harry drehte den Gedanken in seinem Kopf herum. Irgendetwas passte nicht zusammen. Falls sie ihn gewollt hätten, wären sie weit beharrlicher ihn zu verfolgen. Harry wußte, daß sie seine Magie sehen konnte, also würden sie keine Probleme haben ihn zu finden. Warum taten sie es nicht? Oder konnten sie es nicht mehr? Und was das mit den Roben?

"Sind Sie sicher?" Harry musterte die Roben voller Neugier und ignorierte den Ton mit dem der Tränkemeister ihn bedachte. „Es ist nicht golden?" Harry war wirklich ratlos.

"Habe ich das nicht gerade gesagt, Junge?" Der Tränkemeister hielt ein Auge ständig auf den Zauberer gerichtet.

„Nun, welche Farbe haben die Roben dann wenn nicht gold, ... Sir?" Harry wurde wütend, trotz seiner Bemühungen und er verengte die Augen, Toms Aufregung spührend, und unterdrückte was er dem Bastard sagen wollte, um seine Stärke zu nutzen um Tom zum Schweigen zu bringen und ein Zusammenzucken zu verbergen, als sein Kopf in Flammen explodierte.