Als der Junge sich nicht darum scherte, irgendetwas zu sagen, starrte Snape ihn für den Augenblick nur gleichmütig an, bevor er sich abwandte, um die kleinen Grüppchen dümmlich krähender Kinder zu beobachten, die ihnen in der überfüllten Straße, die sie gerade betreten hatten am nähesten standen.
Keiner von beiden wollte mit dem anderen sprechen, also hasteten sie mit gespannten Nerven die Winkelgasse hinter, Snape mit weitausgreifenden Schritten, hin und wieder vor sich hin murrend. Harry trottete in grüblerischem Schweigen hinterher. Er seufzte tief als sie Madam Maulkins passierten. Harry hätter sich gern neue Roben gekauft, um seine Lumpen zu verstecken. Die bunten Roben im Schaufenster betrachtend, blickte er abrupt ab, als ein Gedanke durch seinen Kopf blitzte. Vorsichtig abwägend linste er zu Snape hinüber.
„Sie haben mir immer noch nicht die Farbe gesagt, Sir." Sich um Höflichkeit bemühend Harry neigte seinen Kopf. „Die Roben von diesen Zauberern. Welche Farbe hatten die, falls Sie noch sicher sind, daß es nicht doch gold war?" Ein leicht höhnischer Unterton begleitete seine Frage.
„Wenn du so blind bist wie ein Maulwurf, Potter, solltest du erwägen, eine neue Brille zu kaufen," schlug Snape kalt vor. „Sie waren nicht gold. Nicht jeder muß diese närrische Verrücktheit nach Gryffindor so zur Schau stellen wie du." Snape schien überraschend ... höflich, obwohl der Mann Harrys abgetragenen roten Jumper in offensichtlicher Verachtung musterte. Harry biß sich auf die Lippen und unterdrückte eine Antwort, denn er hätte nichts beisteuern können, daß den Bastard nicht noch ärgerlicher gemacht hätte. Schweigend gingen sie weiter und versuchten die Gegenwart des anderen nicht wahrzunehmen; aber Harry mußte es wissen.
„Sir?"
„Was läßt dich glauben, daß ich es dir sage?" Snapes Robe bauschte sich auf, als er seine Geschwindigkeit erhöhte. Harry verbannte alle Gefühle aus seiner Stimme.
„Warum sollten Sie nicht, Sir?"
„Hast du deine Nase nicht schon in genug Dinge verwickelt, die für dich vollkommen ohne Belang sind?" sagte Snape, aber antwortete zu seiner eigenen und des Jungen Überraschung dennoch. „Die Roben sind rot. Purpurrot, um genau zu sein." Harry runzelte die Stirn.
Rot waren sie? Purpurn? Wie war das möglich? Für ihn sahen sie aus wie golden, als ob sie in goldenem Einhornblut schwimmen würden. Er schimmerte beständig, als ob Tropfen der Flüssigkeit ihre Roben hinunterströmten. Es sah atemberaubend aus. Was für eine Schande, daß sie die bösen Jungs waren. Was würde ein Phänomen wie dieses auslösen? Konnte es sein, daß seine Magie sein Sehvermögen störte? Hoffentlich nicht, denn seine Augen waren die einzigen Dinge, auf die Harry sich verlassen konnte, ihm die Wahrheit zu zeigen – bis jetzt wenigstens. Vielleicht war es etwas, daß diese Zauberer selbst herbeigeführt hatten. Aber Snape hatte keine goldenen Roben gesehen. Harry knabberte nachdenklich auf seiner Unterlippe. Vielleicht waren die golden-... rotgerobten Freunde Toms nach allem doch sein Problem. Nur ein anderes Rätsel, daß zu seinen Füßen abgeladen wurde.
Harry fühlte ein leises Grummeln in seinem Magen. Nun, da die Aufregung vorüber war, war der Hunger mit aller Kraft zurück. Außerdem wurde Harry nicht munterer je mehr Zeit verging. Seine Erschöpfung machte sich bemerkbar. Das ständige Gemurmel der Magie, die ununterbrochen gegen seine Schilde schlug, tat den Rest. Harry fühlte sich überladen mit Impressionen, mit Magie aufgefüllt bis zum äußersten Rand und darüber hinaus schien er sie kontinuierlich durch ... was auch immer aufzusaugen. Es machte ihn wirklich müde.
Flüchtig blickte Harry zu Snape, der ihm voraus mit weit ausgreifenden Schritten voranschritt, seine ganze Haltung unbewegt und imposant. Der Mann strahlte für jeden, der wagte seinen Weg zu kreuzen, Gefahr aus. Was für ein Mistkerl. Harry würde eher sich selbst zu einem blutigen Klumpen prügeln, als zu rennen, um mit dieser Kesselkacke mitzuhalten. Sicher war der Bastard fähig langsamer zu gehen, falls er wollte, daß Harry in seiner Nähe blieb. Vielleicht könnte Harry nur ein kleines bißchen langsamer gehen, sich die Schaufenster ansehen und ein bißchen Zeit schinden. Er vertraute darauf, daß Snape weiterging ohne sich umzusehen, denn sicher mußte jeder Schüler so eingeschüchtert von ihm sein, daß er einfach folgte wohin er führte. Vielleicht hatte Harry Glück und Snape würde nicht realisieren, daß er verschwunden war, bis er die Barriere auf dem Bahnhof von King's Cross passiert hatte. Es geschähe dem griesgrämigen Fiesling nur recht. Nun ja, die Zeit würde zeigen, wie Snape mit der Tatsache zurechtkam, daß nicht jeder ihn so sehr fürchtete, um gleich jegliches unabhängiges Denken abzuschalten, nur weil er seine große, häßliche Nase in die Luft reckte.
Harry kicherte leise, als er dem Mann die Winkelgasse hinunter folgte. Er war sorgsam darauf bedacht in den dunkleren Teilen der Straße zu bleiben und vergrößerte die Entfernung zwischen ihnen beständig, bis die Menschenmenge ihm die Sicht auf den hageren, dunklen Schatten nahm.
Großartige Spionagearbeit, dachte Harry mit einem Kopfschütteln. Der Mann hatte nur eine Aufgabe und er verlor sie aus den Augen, weil er so sehr mit sich selbst beansprucht war. Harry schnaubte. Wer war nun derjenige, der zu sehr von seiner eigenen Wichtigkeit überzeugt war? Von ihm wegzukommen war beinahe zu einfach. Harry wartete noch eine weitere Minute und starrte uninteressiert in eines der Schaufenster. Erst als sein Magen ein weiteres Mal knurrte und Snape noch immer nicht zurückkam, um ihn zu beschuldigen ein achtloser Idiot zu sein, trat Harry mit einem weiten Blick in die Runde aus dem Strom der Menschen heraus.
Bevor er daran denken konnte, irgendetwas zu essen, brauchte Harry eine ruhige Ecke, um seinen Koffer zu vergrößern. Ein Gähnen unterdrückend griff er in seine Hosentasche und fischte inmitten einiger Kleinigkeiten, die er über den Sommer angesammelt hatte, nach seinem Koffer. Was er in seiner Hosentasche aufbewahrte, waren einige Dinge, die ihn daran erinnerten, was er zurückgelassen hatte. Ein kleiner Stein, den Vernon nach ihm geworfen hatte; ein Knopf von Dudleys Hosen, den Harry in seine Hand beschworen hatte als Dudley sich mit seiner neuesten Flamme unterhielt – es war lustig gewesen. Dann waren da noch ein paar andere Dinge, aber alle von ihnen hielten eine Erinnerung, die ihm half, seine Verwandten zu ertragen. Grummelnd zog Harry alle diese Sachen heraus, da sich sein Koffer dazu entschlossen hatte, sich unter ihnen zu verstecken.
Selbstbewußt auf die anvisierte Ecke zuhaltend blickte Harry auf seine Hand. Sicherheitsnadel, Büroklammer, Knopf, Sein und eine keine Plastikfigur, ein Haarnetz von Tante Petunia und der Dorn von einem Rosenstiel. Harry furchte die Stirn. Wo waren sein verdammter Koffer und Hedwigs Käfig? Er wäre verdammt, wenn er ihn unterwegs verloren hätte. Der Koffer enthielt sein Fotoalbum und seinen Unsichtbarkeitsumhang. Mit wachsender Unmut durchsuchte Harry seine anderen Taschen. Er stieß einen Seufzer der Erleichterung aus, als er den Koffer schließlich in der Hintertasche seiner Hose fand. Es sicher in seiner Hand haltend, hielt Harry auf seinem Weg inne, um ihn anzuschauen ...
... und fühlte sich prompt mit jemand größerem und standfesterem kollodieren als er es war, denn Harry fand sich wieder auf dem Boden. Er stöhnte wenn sein Hinterteil die Steine traf und fluchte schweigend. Es würde einen netten Bluterguß zum Herumzeigen hinterlassen und sein Koffer war weg. Natürlich mußte er es sein, dem alles passierte.
Es als traurige Tatsache betrachtend, daß Snape sein Abschweifen endlich bemerkt hatte, blickte Harry, in Erwartung wütende, schwarze Augen zu treffen, auf und fand sich selbst mit großen Augen in besorgte hellblaue starrend, die ein Funkeln ähnlich dem des Direktors besaßen, andererseits aber kalt und distanziert schienen, als wögen sie Harry nach einem Maß, dessen Maßeinheit Harry unmöglicherweise ergründen könnte.
Der Blick ließ Schauer über Harrys Rücken laufen, als er sich selbst von Grund aufsammelte und währenddessen nach seinem verlorenen Koffer und seinem einzigen Besitz suchte. Harry versteifte seine schwachen Beine und irgendwie schaffte er es ein entschuldigendes Lächeln aufzusetzen, während er einen vorsichtigen Schritt zurücktrat.
„Es tut mir wirklich leid, Sir," sagte Harry in leiser, ausdrucksloser Stimme. Er versuchte all die Informationen, die ihm seine Magie lieferte, zu unterdrücken, instinktiv seine Kraft zu einem durchschnittlichen Level hinunterschraubend, um so wenig seiner Stärke wie möglich zu offenbaren.
„Oh nein, mein Junge," beruhigte der Mann mit breitem, freundlichem Grinsen. „Es war völlig mein Fehler." Seine Stimme war überraschend sanft und beruhigend, aber tiefergehende Emotionen waren rar. „Ich war damit beschäftigt, alles anzusehen. Es ist einmalig hier, weißt du." Obwohl sich das ganze Gesicht des Mannes unglaublich erhellte, blieben seine Augen abschätzend, suchend.
„Ja, Sir," grummelte Harry und versuchte unverdächtig auszusehen. Etwas stimmte nicht mit diesem Kerl. Selbst in seinem abgekämpften Zustand spürte wie die Warnglocke seiner Magie schrillte. Es war gruselig, aber Harry dankte der Fügung, daß er nur wenige Schritte von der Menge entfernt war. Langsam aber sicher hatte Harry genug von merkwürdigen Zauberern, deren Magie Purzelbäume schlug. Dennoch, die Magie des Mannes schien unterdrückt, als ob er einige Level abgeschaltet hatte, um so normal zu erscheinen wie jemand es konnte, der eine so lächerliche Kleidung trug wie er.
Die hellblaue Robe war mit Sternen, Monden und eigenartigen, gewellten Linien in unzähligen Farben bedeckt. Es glitzerte und schimmerte im Sonnenlicht, als ob ein paar verrückt gewordene Insekten in Kreisen flogen; und es sah schlimmer aus als Dumbledore und Lockhart zusammen. Die einzige Sache, die noch fehlte, war, daß der Mann Flüche auf ihn abfeuerte, wie die Rotgerobten es getan hatten, nach nur einem kurzen Blick auf ihn.
Allerdings blieb Tom erstaunlich schweigsam. Harry lauschte in sich hinein, aber er konnte nicht das Geringste auffangen. Höchstwahrscheinlich war Tom noch damit beschäftigt seine Wunden zu lecken und im Selbstmitleid zu zerfließen und plante gleichzeitig seine Rache. Harry grinste. Für eine Weile wäre Tom nicht dazu in der Lage irgendetwas zu tun. Seine Magiereserven mußten so niedrig sein wie Harrys, wenn nicht niedriger. Harry fühlte sich leergefegt bis zum Staub und fühlte sich von Minute zu Minute müder. Es war schon erschöpfend einfach die Augen offen zu halten.
„Mein Junge?" Der Zauberer griff Harry an der Schulter und ignorierte das leichte Versteifen der Muskeln und den harten Blick des Jungen. „Ist alles in Ordnung mit dir?"
„Ja," biß Harry heraus und trat, weit wach von einem Augenblick zum nächsten, einige Schritte zurück. „Danke, Sir." So sicher wie es in der Hölle heiß war, plante Harry so schnell wie möglich hier herauszukommen. Er sollte nach seinem Koffer suchen, aber er mochte es wirklich nicht, wie der Mann ihn beobachtete. Harry würde erst zurückkommen, wenn er sicher war, daß diese Kreuzung von Kuckuck und Pfau ein für alle Mal verschwunden war.
Auf den Boden blickend, daß es aussah als suche er, vergrößerte Harry bestätig die Entfernung zwischen ihnen. Er versuchte seinen Rückzug nicht zu offensichtlich zu machen; darüber brauchte er sich jedoch keine Sorgen zu machen. Lebhaft redend folgte ihm der Narr von einem Zauberer.
Harry wollte sich gerade umdrehen und rennen, als ein Gewicht auf seine Schulter drückte. Finger gruben sich schmerzhaft in sein Fleisch – schon wieder; und dieses Mal wirbelte Harry nach Luft schnappend herum. Merlin! Warum mußte ihn jeder anfassen? Es war zum Verrücktwerden. Sandte er irgendein Signal aus auf dem Bitte herze mich!´ stand? Harry stieß einen hörbaren Seufzer aus. Er war sich nicht sicher, ob er erleichtert sein sollte über die Gegenwart eines verantwortungsbewußten Erwachsenen, der den verrückten zurückhalten konnte, oder ob er verärgert sein sollte, daß Snape ihn bereits gefunden hatte – und daß sein Magen ein sehr großes bißchen länger warten müßte, bevor er gefüttert würde.
„Potter." Snapes Stimme klang, als würde er sich schrecklich zurückhalten.
„Sir." würdigte Harry mit geballten Fäusten, aber er blieb wo er war. Snape schien die Idee nicht zu gefallen, daß Harry sich wieder verirren könnte. Hätte Harry einen Blick nach hinten riskiert, hätte er gesehen, daß die Reserviertheit in der Stimme des Mannes für den anderen Zauberer vorbehalten war, der gegenüber dem nachtschwarzen Aussehen des Tränkemeisters eigenartig aus dem Rahmen fiel. Der Zauberer schien sich nicht an der neuen Ergänzung ihrer kleinen Gruppe zu stören. Tatsächlich leuchteten seine Augen beachtlich auf, als er den Namen hörte.
„Oh!" rief er bedeutungsvoll aus, als ob der eine Laut alles erklärte. „Harry Potter!" Harrys Augen sprühten Feuer, aber er weigerte sich irgendetwas zu sagen, als der Zauberer ihn durchdringend von oben bis unten musterte. Harry konnte beinahe sehen, wie Snape seine Augen rollte, denn der Mann schnaubte mißbilligend, als der Zauberer übermäßig enthusiastisch vorwärts stürzte und beide von Harrys Händen ergriff.
„Ich habe so gehofft dich zu treffen, mein Junge, bevor die Schule beginnt," plapperte der Mann in einem fort, während Harry seine Hände zurückzog und sich dichter an Snape drückte, denn der war der einzige, der den Mann dazu bringen konnte, sich zu beruhigen.
„Krieg dich wieder ein, Bradarowicz!" bellte Snape und schob Harry hinter seinen Rücken und außerhalb der Reichweite des Zauberers.
„Was?" Harry stotterte mit aufgerissenen Augen. "Sie kennen sich?"
„Oh, aber sicher tun wir das," krähte der Mann energiegeladen gleichzeitig als Snape etwas vor sich hin brummte, daß fast so klang wie: „Unglücklicherweise ja." Harry blinzelte. Kannten sie sich von einem Todessertreffen? Es würde erklären, warum Harry so auf die Magie des Mannes reagiert hatte.
„Das, Potter," knirschte Snape, die offensichtliche Frage von seinem Gesicht ablesend, „ist dein neuer Professor für Verteidigung gegen die Dunklen Künste." Es hörte sich an, als hätte er den Mund voll extra sauerer Limonendrops.
„Das –." Harry konnte sich kaum davon abhalten ‚Ding' zu sagen und mußte sich räuspern, unfähig etwas anderes zu tun, als offenen Mundes zu starren.
„Oh, ja." Bradarowiczs Lächeln weitete sich beachtlich und Harry verzog unwillkürlich das Gesicht bei solch einer Schau von ... äußerster Blödheit. „Ich freue mich darauf, dich zu unterrichten," fuhr der Typ fort, als ob Harry der einzige Schüler wäre, dem er irgendetwas beibringen würde.
„Übrigens, mein Name ist Bradarowicz. Jashonek Bradarowicz." Sein Lächeln bekam etwas Schleimiges, als er sich verschwörerisch vorbeugte. „Du, natürlich," bot der schrill gekleidete Zauberer an, „darfst mich Professor Brado nennen oder Nik, wenn du möchtest." Harry wußte es nicht, aber der Blick, den er Snape zuwarf, war beinahe ein Flehen. Es konnte unmöglich noch schlimmer werden – oder lächerlicher.
„Sie wollen Verteidigung unterrichten?" Harry war noch immer unter Schock. Dieser psychotische Pfau war tatsächlich ihr neuer DADA-Professor? Sah sich Dumbledore die Leute überhaupt an, bevor er sie für einen Job anheuerte? Harry starrte auf die Kreuzung von Lockhart und Dumbledore und Umbridge und sah aus dem Augenwinkel Snapes linke Augenbraue in unglaubliche Höhen klettern. Beide Männer musterten ihn ausdruckslos, als ob sie sich nicht sicher waren, richtig gehört zu haben. Harry blinzelte. Hoffentlich hatte er seine Gedanken nicht laut ausgesprochen, obwohl, wenn er die Art und Weise wie ihn die Erwachsenen ansahen in die Rechnung einbezog, schien es durchaus möglich. Harry fluchte und starrte auf seine Füße. Er war Hackfleisch, sollte er jemals zur Schule zurückkommen. Gute Noten in Verteidigung konnte er vergessen bevor das Jahr angefangen hatte. Harry seufzte schwer, als er spürte, daß sich die Erschöpfung mit Nachdruck zurückmeldete. Innerlich schloß Harry diese Schublade. Dieser Typ konnte kaum schlimmer sein als die Kuh Umbridge. Harry wandt sich unruhig. Wann immer Harry wegblickte, fühlte er... – Brabados? Brabidis? – Augen auf sich
So mißtrauisch wie Snape war, hatte er es auch bemerkt, denn seine Arme waren vor der Brust verschränkt und er starrte den Zauberer zu Boden, als ob er irgendein Teil eines Kuriositätenkabinetts wäre. Snape stieß den Jungen grob zur Seite und positionierte siich selbst direkt zwischen ihn und den noch immer unverblümt glotzenden Mann.
„Geh weiter, Potter. Wir haben nicht den ganzen Tag, um nach King's Cross zu kommen." Benommen ging Harry ein paar Schritte, bevor er sich an etwas Wichtiges erinnerte.
„Mein Koffer, Sir!" rief Harry aus. Snape blickte gereizt auf ihn hinunter.
„Was jetzt, Potter?" Jedes Wort tröpfelte wie Gift aus seiner Kehle.
„Ich hab ihn verloren, als Bronto ... er," Harry hatte den verrückten Namen des verrückt plappernden Mannes schon wieder vergessen, „in mich reingerannt ist."
„Und du kannst ihn nicht nehmen weil?"
„Er ist geschrumpft." Seufzte Harry säuerlich und entschied sich Snapes Gesichtsausdruck zu ignorieren. Das eisige Starren erzählte zweifelsfrei, was er von Harrys fraglichem Geisteszustand hielt.
„Und wie, Potter, hast du das vollbracht?" fragte Snape in einer Stimme, die Stahl schneiden konnte.
„Ich hab gar nichts vollbracht, Professor." Harry lächelte hell, Respekt tropfte von seinen Worten, und er dachte schnell. „Ich hab es mit mir geschleppt, bis eine Hexe mich sah, wie ich mich damit abmühte. Sie half mir aus." Sein Lächeln weitete sich. „Sie war wirklich nett, die Hexe, war sie wirklich." Es blieb fraglich, ob der Tränkemeister ihm glaubte oder einfach nur genug hatte mit Harry Potter Trivialitäten auszutauschen. Was immer der Grund, Harry war es recht, und wenn nur der neue DADA-Professor ihn nicht so anstarren würde, ob nun aus Ehrfurcht, Bewunderung, Haß oder irgendetwas anderem, wäre Harry beinahe zufrieden gewesen, ruhig mit Snape mit zu gehen.
Gähnend beobachtete Harry, wie Snape seinen Koffer mit einem einfachen Zauber zu sich rief, und er hätte sich für seine Dummheit schlagen mögen. Er hätte das ohne Zauberstab tun können und niemand hätte irgendetwas erfahren. Harry riskierte einen flüchtigen Blick zu seinem neuen Professor. Sollte der Pfau wirklich Magie sehen können – und Harry glaubte es – dann hatte er möglicherweise gut darin getan, den Herbeirufungszauber tatsächlich zu vergessen. Er schnaubte und ließ seine Gedanken wandern. Mit dem großartigen Ausmaß an Kontrolle, daß Harry über seine Magie hatte, würde er wahrscheinlich jeden einzelnen Koffer in der Winkelgasse zu sich gerufen haben. Für die nächste Zeit war Harry besser beraten, wie ein Muggel zu leben.
Harry dachte an die kurze Zeit zurück, die er den Zauberer beobachtet hatte. Er war sich sicher, daß der Mann versucht hatte, sein Magielevel zu verstecken, um weniger gefährlich und seltsam zu erscheinen als er wirklich war. Das führte zu Nummer eins in Harrys Überlegungen. Als erstes mußte man fähig sein, magische Energie zu sehen, bevor man versuchen konnte, sie zu verstecken; was zu Nummer zwei führte. Um die Magie zu verstecken, mußte man sich ihrer gewahr sein, so viel hatte Harry bereits aus Erfahrung gelernt; was zu Nummer drei führte. Der Mann mußte – allerwenigstens – den Roten Roben ähnlich sein. Vielleicht kannten sie sich tatsächlich. Aber was spielte er für ein Spiel, zu starren wie ein liebeskranker Mad-Eye Moody, zu lächeln wie ein von Limonendrops high gewordener Dumbledore, und zu sprechen wie dieser Trottel mit Namen Lockhart? Er machte einen totalen Narren aus sich selbst und er schien es noch nicht einmal zu bemerken. Konnte es noch lächerlicher werden? Es gab nichts Unglaubwürdigeres als die Geschichte, mit der der Typ versucht hatte, sie abzufüttern.
Harry grübelte ob Brenderi, Bradawi oder wie immer sein Name war ein gefährlicher Narr oder eher eine närrische Gefahr darstellte. Er konnte den Mann nicht in seine Nähe lassen. Harry würde nicht riskieren, seinen Plan zu gefährden, selbst wenn er gegenüber seinem DADA-Professor ein wenig mit Vorurteilen belastet war. Wen scherte es? Seine vergangenen Erfahrungen gaben ihm sicherlich genug Gründe jedem zu mißtrauen, der die Bildfläche so merkwürdig betrat wie er. Harry fand ihn seltsam noch bevor er wußte, daß er die neue Ergänzung des Personals von Hogwarts war. Er würde beide Augen offen halten müssen, wenn der grinsende Tölpel in seiner Nähe war.
Müde blinzelnd zwang Harry seine Augen auf und folgte dem Tränkemeister auf der sicheren Seite – weg von dem Kerl Branowici. Harry stolperte hin und wieder auf wackligen Beinen und behielt keinen Gedanken für seinen leeren Magen.
