Das Schloß von Hogwarts war eine der Errungenschaften der Menschheit, die es verdienten antikes Wunder genannt zu werden. Erbaut zu einer Zeit, in der die Ausbildung der Kinder zum größten Teil in der Verantwortung ihrer Eltern lag, und als ein Messer in den Rücken eine geläufige Todesursache war, war es Zeuge für den Aufstieg und Fall von Nationen in und vor seinen Mauern. In Kriegs- genauso wie zu Friedenszeiten war Hogwarts Zuflucht für die verschiedensten Zauberer gewesen und gab deren Nachfahren ein besseres Verständnis ihres Lebens, falls sie genug Bewußtsein hatten, um auf sein Flüstern zu hören.
Unglücklicherweise, oder vielleicht glücklicherweise, gab es niemals viele aufgeschlossene Menschen, deren Verstand wach genug war zu erkennen, daß Hogwarts mehr war als ein Gebäude aus Stein, weil selbst das kleinste Sandkorn, das seine Verwendung beim Errichten dieses Meisterwerks der Architektur für zukünftige Generationen gefunden hatte, durchdrungen war mit in sich verwobener Magie um einer Sache zu dienen, von der nicht einmal mehr die Legenden berichteten.
Das Schloß war keineswegs ein lebendes Wesen wie die Menschheit und jede andere intelligente Spezies es definieren würden, aber man könnte sagen, daß es eine Persönlichkeit hatte - sich immer bewußt wer und was seine Hallen kreuzte, immer beobachtend, immer auf die Zeit wartend, zu der es seine Kräfte wieder benutzen würde. Lediglich auf einem ausschließlich gutturalen, fast instinktiven Level der Magie funktionierend, kannte Hogwarts keine Gesichter oder Stimmen. Es war sich nicht bewußt, daß Dinge wie Menschen überhaupt existierten, da etwas entweder Magie besaß und das Schloß wußte es, oder es besaß keine und hatte deshalb keinerlei Bedeutung für seine Existenz. Das Schloß unterschied nicht zwischen einem magischen Kern und einem anderen, obwohl es einzelne Personen und ihre Absichten lesen konnte wie Buchstaben auf Papier, genauso wie es jede Veränderung in der Magie wahrnahm und sie zu deuten wußte.
Die Welt von Hogwarts bestand aus Magie, einzig aus Magie. Menschen und Tiere gleichermaßen waren nicht mehr als sich bewegende Zentren magischer Anhäufungen, auseinandergehalten durch ihre reine Stärke und den kleinen, regelmäßig wiederkehrenden Wellen aus Energie oder, weniger oft, durch kurzzeitige Ausbrüche gewaltiger Kraft. Ein weniger analysierender menschlicher Verstand würde solche Ausbrüche wohl Emotionen nennen, obwohl nur die stärksten Emotionen Ausbrüche verursachen konnten, die groß genug waren, um die Aufmerksamkeit von Hogwarts auf sich zu ziehen und zu halten.
Hogwarts kannte nicht den Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen, aber es wußte das mit der Zeit einige der unzähligen Ansammlungen von Magie mehr und wildere Energie ansammelten, um viel stärkere Zentren zu errichten als andere; und von diesen ließ Hogwarts nie völlig los – immer beobachtete es, wartete, ob sie zurückkommen würden, wartete zu sehen, was sie tun würden, wenn sie seine Macht erkannten.
Einige von denen, die zurückkamen, hatten versucht Hogwarts gegen ihre Feinde zu benutzen, und manchmal, wenn ihre Absichten rein waren, half ihnen das Schloß, um sie selbst die Zeit zu vertreiben. Einige andere waren geflohen, fanden sie sich Angesicht zu Angesicht mit seiner Macht und ihren eigenen Schwächen; und einige wenige waren umgekommen, weil sie zu gefährlich waren, um sie woanders hingehen zu lassen. Sie waren qualvoll langsam in den Kerkern gestorben oder aus Mangel an Wasser und Nahrung in einem ungenutzten Teil des Schlosses. Sie waren gestorben, ohne je zu wissen, daß sie starben, weil ihre Lebensenergie – oder ihr Herzstück, wie man es neuerdings nannte – so schnell ausgesaugt wurde wie eine Flamme ein Stück Papier verschlang. (Auf dieses Weise erschaffte Hogwarts seinen eigenen Geist, eine verhärmte Lady in ihren Mitvierzigern, seit langem schon von den Ländereien verbannt und jetzt einen alten Wald heimsuchend, den niemals jemand betreten würde.) Ein oder zwei Mal waren ein paar durchgeknallte Narren durch Hogwarts gelaufen und fühlten reinste Glückseligkeit, während sie langsam Identität und Leben an das Schloß verloren, daß sie begehrt hatten zu besitzen und für ihre eigenen Bedürfnisse zu benutzen, sich nicht ein einiziges Mal fragend, worauf die Erbauer mit solch einem atemberaubenden Stück menschlicher Kreativität beabsichtigt hatten. Ein paar von ihnen verschwanden einfach durch die Wände und wurden nie wieder gesehen.
Es klang rücksichtlos und vielleicht war es das in menschlichen Augen, aber Hogwarts hatte kein Gewissen für gut und böse, obwohl, selbst wenn seine Erbauer ihr Vermächtnis an die Menschheit mit einem Gewissen ausgestattet hätten, Hogwarts wäre noch immer der Meinung, daß ein Dutzend oder zwanzig Tode in mehr als eintausend Jahren nicht zuviel waren, um zu bewahren, für was es geschaffen war. Alles war von den Erbauern legitimiert worden und Hogwarts fragte nicht warum oder was – es tat es einfach und es tat es gut. Das Schloß hatte niemals versagt, wenn es darum ging zu wissen, was gut für seines Existenz war. Es wußte, wie es sich selbst erhalten konnte. Jede Bedrohung für seine Zukunft mußte beseitigt werden.
Die Steine zählen weder Jahre noch Jahrhunderte. Zeit hatte keine Bedeutung für das Schloß, weil es niemals mit dem was es tat aufhörte solange Magie in dieser Welt existierte und nur ein Stein seiner Mauern mit dem magischen Puls der Erde selbst schlug. Hogwarts wußte jedoch immer was in seinen Mauern vorging, obwohl durch die Jahrhunderte hinweg der Großteil seines Seins wie ein Drache aus Stein geschlafen hatte, um zu erwachen wenn ein Glimmer von Magie seine Lider wärmte und ein Geruch der Gefahr um seine Nüstern strich.
Ein Teil von Hogwarts – ein wichtiger Teil – der nicht benötigt wurde, um den gewaltigen Strom aus Magie in Bewegung zu halten, was ständig damit beschäftigt, nach dem zu suchen, das die Erbauer so verzweifelt zu finden hofften – selbst jenseits der Grenzen der Zeit, wenn sie selbst längst nicht mehr als Staub im Wind waren und nur das Schloß noch blieb, um dem treu zu bleiben, wofür sie ihre Leben gegeben hatten, in dem Versuch es zu erreichen. Hogwarts suchte nur nach einem einzigen, um die Bedürfnisse seiner Erbauer zu erfüllen und mit Hogwarts' Unterstützung ihre Aufgabe zu übernehmen – ob gewollt oder nicht. Das Schloß wußte nichts von Kompromissen, um durch vergangene Zeiten und Zeiten, die erst noch kommen würden, das zu finden, was seinen Auftrag auf die nächste Stufe bringen würde.
Hogwarts schlief seit einer langen Zeit – länger als eines Menschen Nachfahren sich an dessen Namen erinnern würden – als etwas so unvorstellbar Altes wie das Schloß selbst – und älter noch – seinen Boden berührte und zu ihm hinausrief, unwissentlich, und auf diese Weise, was seit Jahren nicht geschehen war, die ganze Entität, die Hogwarts war, erweckte. Mit einem tiefen Grummeln und einem kaum spürbaren Beben aus Stein lenkte das Schloß all seine Aufmerksamkeit auf denjenigen, der es gerufen hatte.
Es war ein Ruf, über den Harry nichts wußte, als er in einen Wirbel aus Magie trat, der seine Zähne zum Schmerzen brachte. Alles, dessen er sich bewußt war, war die Tatsache, daß er die Magie an diesem Ort meistern mußte. Er atmete tief durch. Etwas an der Magie des Schlosses war so fremd wie ein Kolibri in Alaska. Sie schien reichhaltiger in ihrer Substanz, ihrem Wesen. Es war die Magie von Hogwarts, die ihn beinahe überlud mit Energie und ihn schwindlig vor nie gekanntem Glück zurückließ; aber es war auch die Magie des Schlosses, die das Herzen des Jungen zum Rasen brachte und verursachte, das er kaum in der Lage war, auf den Beinen zu bleiben. Flach atmend schaffte es Harry im letztmöglichen Augenblick, benommen gegen die nächste Wand zu stolpern um einen plötzlichen Sturz zu vermeiden, vollkommen ahnungslos von der Geschichte einer bestimmten Schule und ihrer wichtigsten Aufgabe.
Vor langer Zeit hatte Hogwarts begonnen, nach alter Magie zu suchen, und jetzt wo sie gekommen war und dem Flüstern des Schlosses lauschte, vibrierte das Gewölbe mit seit langem angesammelter Energie. Es war eine Möglichkeit, die dem Schloß jetzt wieder offenstellte, eine der wichtigsten Aufgaben zu erfüllen, auf deren Verwirklichung es nach der Magie, mit der seine Steine durchwirkt waren, unabwendbar hinarbeiten mußte. Was durch sein Tor getreten war, war stark, rein und das einzige Wesen, das Hogwarts als etwas Großartigeres erkannte als ein Gebäude.
Langsam die unglaublich starke, aber überwiegend wilde Anhäufung von Magie abschätzend, wußte Hogwarts, das es gefunden hatte, wozu es gebaut war zu suchen; aber während seiner ganzen Existenz hatte nichts seinen Weg gekreuzt, dessen Absichten es nicht lesen konnte. Das Schloß war bereit, bestimmte Bedingungen zu erfüllen, ehe es mit seiner wirkliche Aufgabe begann, nichtsdestotrotz kamen beide zu einem abrupten Halt, als der Eine durch seine Türen trat und – als ob die Zeit stillstand – eine Hand in Kontakt mit seinen Wänden kam und Hogwarts endlich lesen konnte, was diese erstaunliche Ballung von Energie zusammenhielt.
Als Harry die Steine zum ersten Mal berührte nachdem er durch die Tore getreten war, war es als ob ein Bulldozer aus Magie über ihn hinwegrollte und sein Inneres nach außen kehrte. Harrys Hand war wie an der Wand festgeklebt. Das Empfindung fühlte sich an als würde jemand seine Finger in eine Steckdose stecken und anstelle einiger hundert Volt bekam er tausend davon durch den Körper gejagt. Es war ein schlimmer Schock und seine körperliche Nähe zu dem Schloß vervielfachte alles nur.
Die Magie, die Harry die ganze Zeit so sehr versucht hatte zu kontrollieren, entschlüpfte beinahe seinem Verstand und seinen Fähigkeiten und ließ ihn keuchend nach Luft schnappend zurück. Er war unfähig irgendetwas zu tun. Es brauchte seine ganze Kraft, einfach nur festzuhalten und zu ertragen was immer das Schloß gerade tat. Er hoffte, daß es damit eher jetzt als später aufhörte. Harry presste seine Augen fest zusammen, als sich ein unbewußter Schrei seine Kehle hinaufarbeitete und sich ihm in einem schmerzhaft unterdrückten Stöhnen entrang. Die stumme Präsenz von Tom rannte verzweifelt gegen die Schilde, die Harry mit äußerster Sorgfalt errichtet hatte, um zu verhindern, daß er durchbrach. Sein halbherziger Versuch, das fremde Eindringen in seine Gedanken zu verhindern, wurde mit Leichtigkeit abgeschmettert.
Hogwarts nahm sich Zeit zu analysieren, was es nicht überrascht aber doch neugierig gemacht hatte. Es war ein neues Rätsel, das seine ganze Konzentration verdiente. Versteckt hinter einer Schicht aus Magie so stark wie kaum etwas anderes, das das Schloß beobachtet hatte, fand es Falschheit und Haß gemischt mit totaler Verwirrung, die rapide in Angst umschwang. Genauso plötzlich verschwand all das davon wieder und nur ein vager Eindruck von ehrfurchtsvoller Verwunderung blieb inmitten von etwas das nur als Vergnügen beschrieben werden konnte, und das Schloß hatte nicht viel davon je auf sich gerichtet gehabt.
Dennoch, wichtiger war Hogwarts' Erkenntnis über etwas anderes. Trotz der Wut auf dieses oder jenes tief im Inneren dieses so anderen magischen Kerns und einer Unsicherheit über die Richtigkeit seiner Handlungen, sog er immer weiter Magie in sich auf und folgte seinem gewählten Pfad mit Entschlossenheit, und falls nicht immer aus den richtigen Gründen, seine Absichten waren ehrlich und kamen aus dem Innersten seines Selbst, der Kraft, die an sich zu binden Hogwarts erschaffen worden war; aber es gab dort trotzdem noch Falschheit und Haß. Es gab nur eine Möglichkeit, die einen magischen Kern auf diese Weise zweiteilte: Wenn es eigentlich zwei Kerne waren, deren Magie sich für nur einen kleinen aber entscheidenen Teil miteinander verwoben hatte. Das Schloß konnte sich nicht an etwas binden, daß größtenteils genau das war, was es suchte, aber manchmal das genaue Gegenteil war.
Hogwarts ließ sich davon nicht beunruhigen, während es weiter analysierte, was unter seinen Türmen leben wollte. Beinahe von der gleichen Stärke lag die wirkliche Kraft der Kerne in unterschiedlichen Gebieten und nur einer von ihnen war in der Lage die alte Magie zu nutzen. Hogwarts mußte nicht lange prüfen, um zu wissen, daß sie einen ständigen Kampf um die Herrschaft führten den Hogwarts nicht das Recht hatte für seine eigenen Bedürfnisse zu entscheiden, denn bis jetzt hatte diese Ansammlung von Magie nichts getan, was das Einschreiten des Schlosses rechtfertigte; aber all das komplizierte die Dinge.
Wie konnten zwei magische Herzstücke auf diese Weise existieren ohne sich gegenseitig zu verschlingen und in etwas Großartigeres, Gefährlicheres zu verschmelzen? Magie funktionierte auf ihre eigene Weise, und solche Dinge waren in der Vergangenheit mehr als einmal passiert. Das der Prozeß des Verschmelzens begonnen hatte ohne beendet zu werden, war noch nie vorgekommen. Magie versuchte fortwährend sich in sich selbst zusammen zu ziehen. Es gab einen Grund dafür, das ein magischer Kern niemals weit weg von einem anderen war. Hogwarts drängte seine Magie vorwärts bis sich das dunklere Herzstück unter seinem wachsamen Blick wandt, beinahe die Barrieren brechend, welche den versteckten Kern so sehr zurückhielten, daß selbst Hogwarts seine Existenz nicht erkannt hatte, bis der Eine die Steine des Schlosses selbst berührt hatte. Hogwarts hatte nicht den Vorsatz einzugreifen, aber es wollte nicht, daß der Verborgene übernahm, und es wollte nicht, daß der magische, obwohl natürliche Vorgang der Verschmelzung sich im Laufe der Zeit vervollständigte und befleckte was sein zu nehmen war.
Das Schloß suchte nach etwas in seiner Magie. Harry fühlte das Bohren und Stoßen, Dutzende von Tausendfüßlern krochen auf ihrem Weg wie magische Finger über seinen Körper um einen Weg hinein zu finden, wo sie begannen gegen seine Schilde zu hämmern, als wollten sie ihn brechen.
Harry hatte mit Tom gerechnet. Wenn eine Sache sicher war, dann Toms Angewohnheit Harrys Aufmerksamkeit zu beanspruchen wenn er seine gesamte Konzentration andernorts aufrecht erhalten mußte. Harry hatte auch mit dem Schloß und dessen Magie gerechnet, aber nichts hätte ihn auf das hier vorbereiten können. Sich auf seinen Knien abstützend brauchte es Harrys ganzer Kraft, sich auf das Schloß zu konzentrieren und dessen Angriff mit heilen Gliedern und Verstand zu überleben. Harry hätte seit langem bewußtlos dagelegen, wüßte er nicht wenigstens andeutungsweise was vorging, aber vielleicht hätte ihn das Schloß in Ruhe gelassen, wäre er völlig ahnungslos gewesen.
Schweißttropfen standen auf seiner Stirn als Harry versuchte dieses beunruhigende Gefühle von nicht wirklich harmloser Magie, die über ihn und durch ihn hindurch schwemmte, dazu zu bringen, sich zurückzuziehen. Es war nicht angenehm oder freundlich – es war fordernd und kompromißlos. Dann ließ der Schmerz leicht nach, gerade als Harry glaubte sein Kopf würde in Stücke bersten. Er bildete sich nicht nur ein, daß Hogwarts' Magie weniger rücksichtslos als nur Augenblicke zuvor war, oder? Harry blinzelte und blickte sich mit aufgerissenen Augen um, noch immer in einem Traum gefangen, denn er konnte seine Freunde und all die anderen Schüler hören, als ständen sie nur Zentimeter entfernt. Für einen Augenblick war es allem bewußt was hinter den Wänden von Hogwarts vor sich ging, und er sah die Menschen aus dem Blickwinkel des Schlosses als bunte, flackernde Bälle aus Energie.
„Siehst du, du bist noch rechtzeitig. Sie haben gerade mit B angefangen. Renne!" Harry konnte fühlen, wie Hermine dem ängstlichen Mädchen einen sanften Stoß in die richtige Richtung gab, als sie die Kleine vorwärtsdrängte. Er beobachtete praktisch das Kind wie es kurz voll Zweifel zurückblickte, bevor es durch die große Halle rannte, rot vor Verlegenheit als sie schließlich ihre zukünftigen Klassenkameraden erreichte. Waren sie gerade erst in die Halle gelaufen? War nicht mehr Zeit vergangen als ein paar Augenblicke?
Harry wußte genau wo jedes Lebewesen in Hogwarts war. Er fühlte ihre Herzschläge und ihre Magie. Er kannte ihre Ängste und Hoffnungen. Das Leben, welches durch seine Venen pulsierte, war wie ein leise gesummtes Lied; aber all das ging unter durch das Schloß selbst. Es sondierte, suchte, beobachtete und war so erfüllt von Magie, daß es Tränen der Freude in seine Augen zwang, denn Hogwarts sprudelte über vor eigenem Leben. Es war einfach und wahrhaftig und warm und unglaublich mächtig, und nur das letzte war, was den Schmerz brachte.
Inmitten der Wunder, die Harry erlebte, vergaß er beinahe den heftigen Schmerz in seinem Kopf und das Brennen seines ganzen Körpers – bis er darüber nachdachte. Er wußte, daß Hogwarts eindringlich alles was er tat – und dachte? – beobachtete. Mit der ganzen Kraft, die er noch aufbringen konnte, zog Harry seine Hand von der Mauer weg. Stränge von Magie folgten seiner Hand, wogten träge in einer leichten Brise von etwas, das Harry nicht spüren konnte. Die Eindrücke, die er durch Hogwarts' Magie bekommen hatte, verschwanden abrupt. Harry stolperte, versuchte sich mit ausgestreckten Armen irgendwo abzufangen und fand seinen Oberarm fest umklammert. Er wußte ohne hinzusehen, wem die Hand gehörte, denn selbst so ausgelaugt wie er war, konnte er noch immer Auren wiedererkennen, die er zuvor gesehen hatte; und mit Hogwarts' Magie hatte er einen guten Blick bekommen.
„Danke," presste Harry hervor und runzelte die Stirn. „Solltest du dich nicht von dem Hut in eines der Häuser schicken lassen?" Er blinzelte und ignorierte den forschenden Blick des anderen. Harry befreite seinen Arm und versuchte sich auf den Jungen zu konzentrieren, als dieser lebhaft den Kopf schüttelte und sein Gesicht vor Harrys Augen in einem blendenden, orange-pinken Heiligenschein verschwamm.
„Oh. Ich bin der letzte, der einsortiert wird," erklärte er fröhlich. „Professor McGonagall hat mich zum Klo gehen lassen." Der Sohn des DADA-Professor, jetzt in einer einfachen schwarzen Robe, grinste verlegen. „Ich war gerade auf meinem Rückweg, als ich dich sah. Ist alles in Ordnung mit dir?" Junas sah tatsächlich besorgt aus, aber Harry war weit von vertrauensvoll. Seine Gedanken waren überwältigt von einem Schloß, das weit aggressiver war, als er angenommen hatte. Harry schüttelte mit einer nichtssagenden Geste seinen Kopf und riß sich zusammen.
„Ich bin nur ... über die Schwelle gestolpert." Harrys Stimme klang selbst in seinen eigenen Ohren kraftlos. Er konnte nicht einen Schritt machen, richtete sich aber nichtsdestotrotz auf. Merlin, es war überwältigend gewesen, die Gegenwart des Schlosses war es noch immer, aber Harry hätte nie über die Möglichkeit nachgedacht, daß Hogwarts' Magie so ... aggressiv war. Es hatte keineswegs damit aufgehört, seine Magie auszusenden. Es hatte gerade genug zurücknommen das Harry fähig war, seiner Umgebung genügend Aufmerksamkeit zu geben, um nicht wie ein voll Drogen gepumpter Trottel zu wirken. Nun ja, das und der Schmerz, der mit jeder Sekunde mehr und mehr abflaute zu einem fast erträglichen Level. Harry fühlte sich noch immer, als würden seine Füße jeden Moment den Boden verlieren. Hätte er eine Warnung gehabt, dann hätte Harry sich mehr vorbereitet – falls das überhaupt möglich war. Nicht ein einziges Mal hatte er irgendjemanden Hogwarts' ... Identität erwähnen hören.
Die Magie, die jetzt durch seinen Körper brandete, bis jede Zelle mit ihr vibrierte, war zurückhaltender als zuvor. Dennoch schien sich alles hinter einem Schleier aus Farben zu verbergen. Die Magie des Schlosses wirbelte beinahe faul um ihn herum, aber es war die stärkste Magie, die Harry je gesehen hatte. Natürlich, jetzt wo das Schloß – aus welchen Gründen auch immer – seine eigene reine magische Kraft einige Level hinuntergefahren hatte, waren die Farben vermutlich ein Zusatz von Harrys eigener Magie. Nur als Hintergedanke griff Harry die Idee auf, daß Hogwarts sehr viel Zeit gehabt hatte, um Magie in seinen Mauern und um sich herum aufzubauen – es war uralt – aber warum ging es ihn auf diese Weise an? Konnte es Tom sein? Der ehemalige dunkle Lord war entsetzt gewesen, ehe er panisch wurde. Jetzt fand Harry keine Spur von ihm, doch er wußte, daß Tom noch dort sein mußte, denn Harrys Schilde waren nicht geborsten. Harry atmete tief durch.
Die Tür zur großen Halle war nicht so weit weg, und er sagte sich, daß er es schaffen konnte. Er würde herausfinden, was hier vorgegangen war, wenn er wacher war und in der Lage die richtigen Folgerungen zu ziehen. Er mußte nur durch das Festessen kommen und konnte ins Bett fallen.
Einen letzten Blick in die Richtung von Junas Bradarowicz werfend, deutete ihm Harry weiterzugehen und machte sich ohne ein weiteres Wort, einen Schritt nach dem anderen, auf den Weg zur großen Halle. Harry war froh, daß er es schaffte, die Tatsache bedenkend, daß zwei Augenpaare jeder seiner Bewegungen folgten und Hogwarts' Magie noch immer durch seinen Körper wogte.
