Kapitel 17 – Gedanken

Ein Paar schwarzer Augen verengten sich mißtrauisch, als der Potter-Junge die Eingangshalle mit unsicheren Schritten verließ. Der Jugendliche vermied mit aller Kraft, mit den Wänden des Schlosses in Kontakt zu kommen. Die Fähigkeit des Tränkemeisters bewußt ausgeführte Magie im Augenblick des Wirkens zu sehen und zu identifizieren, hatte ihm in einer Menge gefährlicher Situationen geholfen. Doch was er nur Momente zuvor gesehen hatte, konnte er nicht sagen. Für nur einen Augenblick schien es, als ob Potter von Magie eingeschlossen war, aber er kannte die magische Signatur des Jungen. Er hatte ihn während der letzten Jahre etliche Zauber wirken sehen.

Der versteckte Mann war sich hundertprozentig sicher, daß Potter keinen Zauber auf irgendjemanden gerichtet hatte. Vielleicht war das so von sich eingenommene Balg das Ziel? Obwohl es nicht so schien, als wäre jemand da gewesen, der das vermaleidete Kind verzaubern könnte – bis die Brut des DADA-Professors vorbeigetrottet war. Es sah schmerzhaft aus für einen Augenblick, bis Potter seine Hand von der Mauer genommen hatte, gegen die er gestolpert war. Prüfend legte der Tränkemeister seine Handfläche gegen den kühlen Stein, während er aus den Schatten hinaustrat. Nichts. Alles war wie es sein sollte; und der pinkköpfige Idiot stand noch immer da und starrte. Der Junge zuckte zurück, als er sich seiner bewußt wurde.

„Professor." Ernst und Überraschung lag in der Stimme des Jungen. Aus irgendeinem Grund war der kleine Bradarowicz so sehr in seinen Gedanken versunken, daß er nicht gehört hatte, wie der Tränkemeister neben ihm hielt. Obwohl der Mann nicht einmal versucht hatte, sich an das Kind anzuschleichen – nicht wirklich – Snape würde sich später mit ihm befassen wenn das Rätsel um Potter gelöst war.

„Warum stehen Sie hier und starren Löcher in die Luft?" schnappte Snape giftig. „Müssen Sie nicht irgendwo sein oder soll ich Punkte von Ihrem Haus abziehen, um Sie auf den Weg zu bringen?" Der Junge biß sich auf die Lippen und blinzelte, dann neigte er nur seinen Kopf, grinste dümlich und marschierte gemächlich zum Seiteneingang wo er warten würde bis die Erstklässler in ihre Häuser sortiert waren. Severus Snape beobachtete ihn durchdringend. Er mochte den Jungen nicht mehr als den Vater, und der Vater ließ die Galle in seiner Kehle aufsteigen. Aus irgendeinem Grund schien der Junge noch schlimmer, obwohl Severus nicht hätte sagen können warum. Er wollte bloß ihre Gesichter gegen die nächste Wand schmettern. Severus blickte finster dem pinkköpfigen Jungen hinterher und erst als er verschwunden war, ging er weiter. Schließlich hatte der Junge nichts getan, das seine Talente auffangen konnten, obwohl seine Fähigkeit keinesfalls unfehlbar war. Nur haargenau in dem Augenblick, in dem der Zauber gesprochen wurde, war Severus in der Lage die Kräfte am Wirken zu erkennen. Die meisten Zauber benötigten nicht einmal Sekunden, um richtig ausgeführt zu werden. Es war selten und erforderte sehr viel Stärke Zaubersprüche auszuführen, deren Inkrafttreten Minuten dauerte – wie der, bei dem er die in blutrote Roben gehüllten Zauberer beobachtet hatte.

Potter hatte eine Verbindung zu ihnen. Der Welpe war irgendwie immer in der Mitte wenn sich Ärger zusammenbraute, und niemals sagte er Bescheid. In dieser Eigenschaft glich Potter einfach zu sehr wie sein Vater, als das er über die Konsequenzen seiner Handlungen nachdenken würde. Es gab Severus zu denken. Was heckte der Junge jetzt aus? Es gingen hier Dinge vor, die alles andere als normal waren. Es war nicht nur Potter, der irgendwie wieder mittendrin von allem geendet zu haben schien und sich jetzt entschieden hatte, mit allen ein Spiel zu spielen. Dumbledore zufolge hingen ihrer aller Leben von diesem unverantwortlichen Kind ab. Es war eine Katastrophe. Severus wählte die kürzeste Route zum Tisch. Er kam gerade rechtzeitig an, um zu sehen wie sich Potter schwerfällig auf die Bank zwischen seine beiden Kumpanen fallenließ, die verdächtig erleichtert aussahen, ihn zu sehen. Elendes Balg!

Blöder Mistkerl! Nach einem letzten Blick auf seine Freunde sah Harry zum Tisch der Erwachsenen herüber, wo die dunkle Gestalt des Tränkemeisters zu seinem Platz glitt, einen mißtrauischen Blick direkt zu ihm zurückwerfend. Es kümmerte Harry nicht, ob Snape ihm glaubte oder nicht – solange alle anderen davon überzeugt waren, daß er die Wahrheit erzählte. Nur Dumbledore würde Snape bei irgendetwas Glauben schenken, daß er über Harry Potter zu sagen hatte. Nichtsdestotrotz würde sich Harry einzeln mit Dumbledore befassen müssen, weil der alte Mann ihm nichts was er zu sagen hatte abkaufen würde, ohne seine Gedanken zu lesen, um die Wahrheit zu bestätigen.

Harry unterdrückte die bitteren Gedanken und ließ unwillkürlich seine Schultern fallen. Er bekam einige neugierige Blicke von Freunden und Feinden gleichermaßen, aber er hatte gelernt nicht viel auf anderer Leute Meinungen zu geben. Nun ja, wenigstens die Gryffindors schienen ihn betreffend zu einer Entscheidung gekommen zu sein. Was immer sie beschlossen hatten, war für ihn in Ordnung. Harry würde nicht herumlaufen und fragen was während der letzten Ferien in den Zeitungen über ihn geschrieben wurde und ob die Mutter von irgendjemand anderem überzeugt war, daß er sie alle ins Verderben führte.

„Tut mir leid, daß ich zu spät bin." Mühsam setzte Harry ein wirklich freundliches Gryffindorgesicht auf, lächelte fröhlich in die Runde und blinzelte beruhigend auf die durchdringenden Blicke seiner Freunde hin. Nichts ging über eine gute Maske, hinter der man sich verstecken konnte.

„Du bist nicht zu spät." warf Seamus nach einem ungemütlichen Moment des Schweigens ein. „Ron und Hermine waren zu spät. Du bist viel zu spät."

„Sehr witzig, Seamus." Halbherzig grinste Harry zurück und nahm die Worte seines Freundes für das Willkommen, als das sie gedacht waren. Er ignorierte die forschenden Blicke seiner Freunde und Blicke, die ihm seine Professoren zuwarfen, wann immer sie dachten, er würde es nicht bemerken. So weit er sehen konnte, schienen die meisten wirklich besorgt um ihn zu sein. Sie sollten es nicht sein. Es machte die Dinge nicht leichter für ihn, und er mußte überlegen, wie er mit Dumbledore umgehen sollte. Sicherlich würder der Direktor in bald zu Limonendrops und Tee einladen. Alles andere würde sich mit der Zeit von selbst aufklären.

Harry bewegte seine Hände unter dem Tiisch, damit sich das Prickeln der Magie auflöste oder weiterzog oder was auch immer. Er wollte nicht gern Hermine fragen ihn zu füttern, weil er seine Finger nicht mehr spüren konnte. Es wurde noch immer durch das Schloß hervorgerufen und Harry konnte sich nicht vorstellen zu welchem Zweck. Es war ein beängstigender Gedanke. Zu denken, daß das Schloß alles beobachtet hatte was er über die Jahre hinweg getan hatte ohne das er davon wußte. Hatte irgendjemand von den anderen eine Ahnung, daß das Schloß ... da war, in viel mehr als das Wort besagte? Wußte Dumbledore es? Snape? An seinem Platz zu sitzen und darauf zu wartend, daß die Erstklässler in ihre Häuser einsortiert wurden, konzentrierte sich Harry auf seine Gedanken, um die Informationen, die er bist zu diesem Punkt gesammelt hatte, zu überprüfen.

Als erstes versuchte Voldemort ihn zu übertreffen – wieder einmal. Seine Magie änderte sich zu etwas, das er die meiste Zeit Schwierigkeiten hatte zu kontrollieren. Tom saß irgendwie in seinem Geist fest. Rot- oder goldgerobte Männer, von denen Tom aus irgendeinem Grund annahm, daß sie ihm halfen, sprangen plötzlich überall aus dem Boden hervor. Und ja, die Art und Weise auf die sie in der Winkelgasse über ihn gekommen waren, vertiefte den Eindruck, daß sie offensichtlich nicht aufgetaucht waren, um ihm zu helfen, seinen unwillkommenen Gast loszuwerden. Harry vergaß alles um ihn herum total und sammelte weitere Fakten.

Voldemort war seinem Tod näher als jemals zuvor. Dennoch zögerte Harry den letzten, endgültigen Schritt zu tun, den Schritt, der die Welt vollständig und für immer vom Dunklen Lord befreien würde. Harry wußte nicht, ob er es schaffen konnte. Er wußte, welches Opfer notwendig war. Er war sich nicht sicher, ob er es tun konnte oder nicht. Als er zu seinen lebhaft flüsternden Freunden aufblickte, fragte er sich kurz selbst, ob er jemals dazu bereit sein würde, oder er es überhaupt sein konnte... Trotz all der Ereignisse im letzten Jahren, Sirius' Tod und der verdammten Prophezeiung, hing Harry an seinem Leben – genauso wie alle anderen um ihn herum.

Schwermütig wandte Harry seine Aufmerksamkeit dem Hut zu. Obwohl er den Anfang verpasst hatte, mußten noch immer ziemlich viele neue Schüler einsortiert werden. Einer von ihnen – er versteckte sich weit hinten – trug unter seinen dunklen Hogwartsroben die leuchtend orangen Stiefel, die ihr möglicher DADA-Professor unverblümt zur Schau stellte. Harry spottete innerlich. Der Junge würde offensichtlich nach Gryffindor kommen, denn man mußte schon außergewöhnlich mutig sein, um sich so ausstaffiert wie er in die Öffentlichkeit zu wagen. Eine laute Stimme unterbrach seinen Gedankengang.

Harry drehte sich zu Seamus, der sie schrill informierte, daß jetzt seine Cousins sortiert würden. Yeah! Harry versuchte aufgeregt auszusehen und folgte dem ausgestreckten Finger nach vorn. Ein rotblondes Mädchen mit leuchtenden, blauen Augen stand zappelig zwischen den Schülern. Sie klatschte wie verrückt in die Hände während der Kopf einer anderen Erstklässlerin unter dem Hut verschwand. Sie sahen wie Zwillinge aus, doch wenn man Seamus, der wissen sollte worüber er sprach, Glauben schenkte, war Oonagh bereits zwölf. Sie hätte letztes Jahr nach Hogwarts kommen sollen, war aber ernsthaft krank geworden und mußte deshalb ein Jahr warten; wohingegen Para rechtmäßig in die erste Klasse kam. Harry versuchte mitfühlend zu scheinen, als ein niedergeschlagener Seamus die Schultern fallen ließ, nachdem der Hut beide zu Mitgliedern von Hufflepuff gemacht hatte.

Harry beschäftigte sich, indem er die Erstklässler beobachtete. Sie waren klein und so voller Hoffnung. Es schmerzte ihn zu wissen, daß er ganz genau wie sie gewesen war, bevor alles zum Teufel ging. Überraschenderweise gab es viele neue Schüler. Es war nicht mehr viel Platz an den Tischen und erst die Hälfte wa bereits in Häuser eingeteilt worden. Entweder glaubten die Eltern keine der Geschichten, die mit Sicherheit ihren Weg durch die Zeitungen gefunden hatten, oder sie wollten, daß ihre Kinder sicher waren. Aber es war nicht sicher in Hogwarts! Harrys Augen funkelten, als er sich diese nicht weit bekannte Tatsache ins Gedächtnis rief. Für jetzt – allerwenigstens – war jeder vor Tom sicher. Hogwarts war stark, also war es hier vielleicht wirklich sicherer als anderswo. Doch das Schloß hatte nichts getan, um ihm in der Vergangenheit zu helfen, warum sollte es jetzt? Warum hatte es nicht geholfen?

Harry versuchte den Gedanken an Hogwarts zu senden. Es antwortete nicht. Er war nicht sicher, ob es überhaupt antworten konnte. Die Magie prickelte nur ein klein bißchen mehr, als ob die Frage es ... amüsierte. Was war dieses Schloß?

„Was?" Harry knurrte vor Erstaunen, als ihn jemand in die Rippen piekte.

„Du wirkst ein bißchen distanziert, Harry." Hermine war diejenige, die ihm eine Antwort lieferte, obwohl es Rons Finger in seiner Seite war.

„Ich denke nur nach."

„Über was, Kumpel? Du hast nichts von dem gehört, was ich gesagt habe." Ron sollte es besser wissen, als solche Fragen zu stellen. Harry grinste bloß und kratzte verlegen seinen Kopf.

„Voldemort," sagte er und war besonders schadenfroh, als er jeden in Hörweite zusammenzucken sah. „Ich habe mich nur gefragt, ob er Lutscher mag." Harry hatte bis zu diesem Sommer niemals einen Lutscher in den Händen gehalten. Die Wetten standen gut, daß Tommy Riddle in seiner Kindheit sie ebensowenig gehabt hatte. Nur eine andere Ähnlichkeit, die sie miteinander teilten, wenn auch eine kleine. Ron starrte mit offenem Mund und Hermine zog nachdenklich ihre Brauen zusammen. Alle anderen sahen ihn an, als wäre er schließlich durchgeknallt.

„Tut mir leid, Freunde." Harry blickte sich kichernd um. „Aber ihr hättet eure Gesichter sehen sollen." Es war nicht so lustig, aber Harry lachte trotzdem noch ein bißchen länger. Wenn er lachte würde er nicht reden müssen. Nachdem er sich scheinbar beruhigt hatte, holte Harry tief Atem. „Was wolltest du übrigens?" Harry bemerkte, daß viele Gryffindors erwartungsvoll zu ihnen hinübersahen. Ron und Hermine musterten sich gegenseitig. Schließlich war es Hermine, die anscheinend das kurze Ende gezogen hatte und das Reden übernehmen mußte.

„Nun ja," sie versuchte so auszusehen, als hätten sie die anderen bedrängt, ihn zu fragen. Harry konnte sehen, daß Hermine es genauso sehr wissen wollte. „Viele von uns fragen sich, ob du planst, die DA weiterzuführen." Harry überlegte schnell und entschied noch schneller.

„Nein," sagte er. „Werde ich nicht." Er schüttelte den Kopf und ignorierte die ungläubigen Blicke. „Laß uns einfach sehen, was uns der neue DADA-Professor beizubringen hat. Wie Hermine vorhin gesagt hat," Harry musterte sie grinsend, „könnte er ja tatsächlich wissen, was er tut." Selbst wenn dieser Brado-Typ es nicht wußte, Harry würde mit der DA nicht weitermachen. Er brauchte und wollte nicht so viele Leute, die in einem fort über seine Schulter guckten. Sie brauchten auch wirklich nicht mehr länger gegen Voldemort kämpfen, selbst wenn sie es noch nicht wußten.

„Er könnte es wirklich wissen," war alles, was Hermine zu ihrer Verteidigung sagen konnte, als sie ihre Arme kreuzte. Entschuldigend die Achseln zuckend, blinzelte sie, als sich alle Augen auf sie richteten. Harry sagte nichts. Es war nur gut, daß Dumbledore die Aufmerksamkeit von ihm ablenkte und aufstand, nachdem der letzte Erstklässler in ein Haus eingewiesen war.

„Ah, ja. Bevor Professor McGonagall unseren Hut zurück zu seinem Platz bringt, möchte ich euch einen anderen feinen jungen Mann vorstellen." In die dunkle Ecke blickend, winkte der Direktor den Jungen nach vorne. „Er ist – offensichtlich," seine Augen funkelten, „nicht in der ersten Klasse. Dennoch möchte ich euch bitten, Junas Bradarowicz in eurer Mitte willkommen zu heißen."

Harry stützte seinen Kopf auf die Hände, die Ellenbogen auf auf dem Tisch. Er ignorierte das weitere Gerede über Zusammenarbeit und der Notwendigkeit zu lernen anderen zu vertrauen und sich völlig andere Menschen verlassen zu können. Mit seinen Händen über den Ohren war es interessant zu sehen, was sonst für Dinge in sein Bewußtsein krochen, als er nichts hören konnte bis auf das leise Summen der Magie von Hogwarts.

Harry fragte sich, was geschehen würde. Würde das Schloß dasselbe tun wie zuvor, so daß er alle wahrnehmen konnte? Er konnte nicht einmal den Unterschied zwischen den magischen Auren der Schüler neben ihm erkennen. Obwohl er wußte wie Hermines und Rons Aura aussehen würde, wenn sie allein wären, jetzt schien die gesamte Magie in der Halle zu einem großen Eintopf zusammengeworfen, dennoch fühlte sich Harry noch immer nicht, als müsse er auseinanderfallen. Es war schwierig die Kontrolle aufrecht zu erhalten, aber nicht übermäßig.

Harry beobachtete den Vorgang, als der letzte Schüler einsortiert wurde, mit schmalen Augen. Dumbledore schien es zu lieben, seine eigene Stimme zu hören. War es die Jahre zuvor genauso langweilig gewesen? Harry konnte sich nicht erinnern. Er nahm bloß seine Hand hinunter, als der Hut seinen Job erledigte und dem letzten Schüler ein Haus zuwies.

„Hast du seine Stiefel gesehen?" Dean und Seamus waren nicht die einzigen, die ihre Aufmerksamkeit zu der Kleidung des Jungen wandern ließen.

„Wenigstens hat er jetzt Schulroben an." Ron schauderte und Harry wußte, was sein Freund dachte. „Du hättest ihn in seinen eigenen sehen müssen."

Bevor irgendjemand etwas anderes sagen konnte, verkündete der Hut mit widerlich gutgelaunter Stimme das Haus. Selbst der Applaus von ihrem eigenen Tisch war verhalten, als Junas Bradarowicz sich auf den Weg zu den Gryffindors machte. Der neue Fünftklässler in Gryffindor lachte nicht und rief nicht. Er spazierte einfach gelassen zu seinem Platz, seine Augen fest auf den Teil des Tisches gerichtet, wo Harry und seine Freunde saßen. Harry stellte fest, daß er den Blick, den ihm der Junge zuwarf, nicht mochte – nicht im geringsten. Es erinnerte ihn an Snape, wenn der ihn inspizierte als ob seine Existenz allein ein Fehler war, den Harry auf der Stelle beheben müßte. Überraschenderweise war Harry nicht der einzige; im Augenblick sah Ron auch nicht zu glücklich aus.

„Kann er uns nicht einfach schon essen lassen?" Niemand beantwortete diese Frage bs auf einige gerollte Augen. Ron war Ron.

Harry stützte sein Kinn in die Hände und blickte den Direktor mit genauso viel Ausdruck an wie ein Stein. Er gähnte müde und ließ die Worte über ihn hinwegwaschen wie Regen. Es würde nichts gesagt werden, daß Harry nicht schon wußte. Obwohl einige seiner Freunde anderer Meinung sein dürften, so wie ihre Augen fest nach vorne geklebt waren, um einen guten Blick auf die Ablösung der guten Delores zu erhaschen. Es war schade, daß die Frau nicht in nächster Zeit zurückkam. Ein gefährliches Glitzern flammte in seinen Augen auf. Dieses Jahr hätte Harry Spaß mit ihr gehabt. Er biß sich auf die Lippe, um seine Maske unverrückbar aufrecht zu erhalten. Wieviele Dinge wären anders, wenn dieses Weib niemals nach Hogwarts gekommen wäre. Die Magie in ihm loderte auf. Harry schüttelte seinen Kopf und streckte sich. Er würde nicht über die Vergangenheit nachdenken. Er würden sich um die Zukunft kümmern, nicht mehr und nicht weniger.

Mit einem Seufzer wandte sich Harry zum Tisch der Professoren zurück. Trelawney war wieder da und würde Dumbledore zufolge gemeinsam mit Firenze unterrichten. Harry fragte sich wie das ablaufen sollte, wenn beide so viel Respekt vor der Arbeit des anderen hatten wie Tom für Muggel. Die Klasse würde bestimmt interessant werden – wenigstens in dieser Hinsicht. Harry hatte seine OWLs noch nicht gesehen, aber wie immer er abgeschnitten hatte, Wahrsagen würde er nicht mehr nehmen, ob nun mit dem in die Sterne starrenden Zentauren oder mit einem nicht ernstzunehmenden Schwarzseher. Keiner von beiden war für ihn eine große Hilfe. Harry blinzelte, als es nach der langen Rede endlich Zeit war für den DADA-Professor sich vorzustellen. Anstatt jedoch nach vorne zu sehen, wo der Pfau seine Federn aufplusterte, blickte Harry in die Gesichter seiner Klassenkameraden und konnte sich nicht helfen. Er brach in einer völlig stillen Halle laut in Lachen aus.

„Ist etwas nicht in Ordnung, mein Junge?" Blaue Augen fanden ihn zwischen seinen Freunden und blitzten auf. Harry verzog das Gesicht, grinste aber nichtsdestotrotz.

„Nein, Sir. Nichts." Er lächelte furchterregend fröhlich und ignorierte das vereinzelten Kichern, das von Dean und Seamus kam.

„Bist du sicher, mein Junge?" Die leuchtend blauen Augen funkelten als sich Harrys verengten. Um Gottes Willen, er hatte einen Namen! Doch wenn der Pfau mit miesen Tricks spielen wollte, dann konnten zwei das auch tun. Es war jedenfalls eine Sache, die Gryffindors taten, oder nicht? Wenn der Idiot wollte, daß er vor der ganzen Schule antwortete, dann würde Harry ihm das Vergnügen tun.

„Ich dachte nur, daß ich Ihre Roben wirklich mag, Professor." Ein leises Kichern bahnte sich den Weg durch die gesammelten Schüler.

„Ah, ja. Ich weiß." Das Kichern wurde lauter. "Hab vielen Dank." Er lächelte nachsichtig auf Harry hinab und wandte sich an die anderen Schüler. Der Mann lächelte beängstigend ähnlich wie ein gewisser Gilderoy Lockhart, den wiederzutreffen Harry nicht sehr eilig hatte.

„Wie Direktor Dumbledore bereits sagte, mein Name ist Jashonek Bradarowicz. Aber ihr dürft mich Professor Brado nennen oder Nik, wenn ihr mögt." Blinzelnd drehte sich Brado zu einerm streng blickenden Hausleiterin von Gryffindor um, die sich bedeutungsvoll räusperte. „Natürlich nur außerhalb des Unterrichts," gab er mit einem leichten Nicken in ihre Richtung bei.

Merlin! Warum waren es immer die DADA-Professoren, die seine Jahre in Hogwarts zu einer Gratwanderung zwischen Leben und Tod werden ließen? Harry legte seinen Kopf in die Hände. Er würde die Tage bis zu dem Augenblick zählen, an dem er vom höchsten Turm springen würde.