Kapitel 24 – Frühstück

Nach einem abwägenden Blick auf die anderen geschrumpften Sachen hielt Harry es für ratsam wenn er die Praxis, die er für seinen Zauberstab brauchte, sich gleich hier und jetzt verschaffte – solange er noch Zeit hatte und, wichtiger, ehe der erste Schultag nun tatsächlich begann.

Es war nicht viel später, als man Harry, mit einem zufriedenen Grinsen auf seinem Gesicht, sehen konnte wie er gemächlich durch die Korridore in Richtung der großen Halle bummelte. Seine Augen waren viel strahlender und er war wach genug, um sie lang genug auflassen zu können, damit man sie auch sah. Sein Schritt schien zuversichtlicher und glücklich. Es war die Art, an die sich jeder vom letzten Jahr an den Gryffindor erinnerte, obwohl ihm der Mangel seiner Einstellung auf jeden und alles ärgerlich zu sein ein oder zwei unsichere Blicke zu bescheren schien.

Wie auch immer, diejenigen, die glaubten das Harry Potter ein bißchen zu fröhlich daherkam für die kommenden dunklen Zeiten, konnten sich ein wenig entspannen, denn es dauerte nicht lange bis seine Zufriedenheit auf dem Weg zu dem großen Problem ein kleines gelöst zu haben sich verlor. Bald genug war Harry mit seinem gewöhnlichen unvergnügten Selbst forschen Schrittes unterwegs, um seine Freunde einzuholen.

Seine Gedanken waren bereits mit der Abteilung der Bibliothek beschäftigt, die er als erstes aufsuchen würde. Zuallererst jedoch mußte Harry einen Weg finden, um das aufgeschobene Treffen mit Dumbledore zu überleben, ohne allzuviel preiszugeben. Er wußte, daß es nicht funktionieren würde, wollte er alles für sich behalten – es sei denn, er wollte, daß der Direktor etwas Veritaserum durch seine Kehle zwang oder die Tradition Schüler an die Wand zu ketten, von der Filch so besessen war, wiederbelebte.

Kurz bevor Harry in die Halle trat, holte er tief Luft, plazierte ein Lächeln auf seinem Gesicht und drückte kraftvoll die Türen auf ohne einen flüchtigen Blick auf die anderen Schüler zu verschwenden, die rein und raus schlenderten. Die meisten von ihnen beobachteten ihn achtsam, als ob ihm Hörner wachsen würden und ein Huf… oder als würde er sie zusammenschlagen wie das arme Gemälde gerade gestern. Harry verzog das Gesicht auf die versteckten und offen starrenden Blicke hin und ließ sich mit einem neugierigen Blick in die Runde neben seine Freunde nieder.

„Was haben die alle?" fragte er mit großen Augen und schob seine Brille die Nase hoch.

„Naja, siehst du, es gibt da dieses unglaublich dumme Gerücht, daß du gesehen wurdest, wie du die Fette Lady verprügelt und bedroht hast," stellte Dean sachlich fest, während ein grinsender Seamus eifrig nickte.

„Wirklich?" Harry nickte gedankenvoll und blickte hinunter wo die Fünftklässler saßen, ihre Köpfe zusammengesteckt wie in tiefer Verschwörung. Es schien als hätte sich Harry richtig erinnert. Der Drittklässler – wie immer sein Name war – hatte es dem jüngeren Creevey erzählt, der sich darauf hin an den älteren Creevey wandte. Der ältere Creevey nahm es natürlich auf sich eine Nachricht an das Schwarze Brett zu nageln, damit jeder es lesen konnte.

„Die Gerüchte sind bereits in der Runde?" Harry kratzte sich mit verlegenem Grinsen den Hinterkopf.

„Logisch sind sie. Das ist immerhin Hogwarts, weißt du?"

„Danke, Seamus. Ich hätte das sicher vergessen." Sie grinsten sich gutgelaunt an. Harry glaubte, daß der Junge vielleicht den schweren Start im letzten Jahr wettmachen wollte (nicht das Harry ihn daran erinnern wollte, wenn es bereits aus dem Weg geräumt war). Es war schön, daß wenigstens die Jungs aus seinem Schlafsaal für einige Zeit freundlich mit ihm sprachen.

Sich umsehend entschied Harry schnell, sich etwas zu greifen, um seinen Magen zu beruhigen – immerhin hatte er gestern nicht viel bekommen – und war dabei in ein saftiges Stück Speck zu beißen, als er aufsah und zu seinem Entsetzen ein schmerzhaft bunten Kopf neugierig zwischen Ron und Hermine hindurchspähen sah, die beide zu Seite gerutscht waren, um dieser Störung hin Platz zu machen oder, falls ihre Mienen einen Anhalt gaben, genügend Abstand zu halten.

Mit angestrengtem Lächeln legte Harry seine Gabel nieder und nickte eine höfliche Begrüßung, selbst wenn alles was er zurückbekam eine durchdringende Musterung aus verengten und irgendwie zweifelnden Augen war.

„Hast du wirklich das Portrait verhauen?" Der Sohn des Pfaus klang amüsiert und in seinen Augen war ein merkwürdiges Funkeln. Harry dachte sich mit vom Lächeln schmerzenden Gesichtsmuskeln, daß er naseweiße Leute überhaupt nicht ausstehen konnte – nicht wenn sie Freunde oder Direktoren waren und am allerwenigsten wenn er zuvorgenannte Leute nicht länger als einen Tag kannte.

„Im Grunde ja," sagte Harry mit stolz lächelndem Ausdruck, ignorierte die Blicke, die er von seinen Freunden bekam und konzentrierte sich auf Herrn Neugier. „Willst du wissen warum?"

Der andere Junge zuckte die Schultern, seine Augen noch weiter verengt, aber Harry wartete geduldig bis der pinkfarbene Kopf auf und ab nickte und der Junge ein tiefes „Warum?" hervorpresste.

„Sie war neugierig." Harry grinste und biß endlich in seinen Speck. Er genoß den ersten Geschmack von seinem Frühstück und den verletzten Blick von dem Grimasse schneidenden, aber sich glücklicherweise ohne weitere Fragen zurückziehenden Fünftklässler. Dann brach das Kichern aus seinen Freunden und den anderen Gryffindors hervor, die nah genug waren, um dem ganzen zuzuhören.

„Ich mag es nicht, wenn Leute von denen ich nicht einmal den Namen anständig aussprechen kann, ihre Nasen in meine Angelegenheiten stecken." Entschuldigend zuckte Harry auf Hermines tadelnden Blick die Achseln. „Er könnte wirklich verletzt werden, wenn er sowas wie das bei jemandem tun würde, der mehr darauf bedacht seine Sachen für sich zu behalten, weißt du? Ich habe ihm ein Gefallen getan." Harry nahm einen weiteren Bissen. „Und er war eindeutig zu direkt."

Junas Bradarowicz in Sicht behaltend, schüttelte Harry seinen Kopf und lud seinen Teller mit mehr Essen als er möglicherweise hinunterbringen konnte. Manchmal erinnerte ihn sein Leben an einen dieser Trickfilme, die er ein paar Mal über den Bildschirm hatte flimmern sehen, wenn Dudley seinem vielgeliebten Lebensstil nachging nichts Nützlicheres zu tun als auf einem Sofa zu sitzen und sich mit Süßigkeiten vollzustopfen.

„Manchmal fühle ich mich wie Jerry," philosophierte Harry mit grübelndem Blick.

„Jerry?" Ron schien jetzt wacher zu sein. Bestimmt hatte ihm Hermine geholfen, seinen Kater zu überwinden.

„Ja. Jerry die Trickmaus." Harry nickte mit einem schwermütigen Lächeln und biß in ein Stück Toast.

„Die was?"

„Es ist ein Muggelding, Ron," informierte ihn Hermine altklug ohne ihre Aufmerksamkeit von Harry abzuwenden, ihre Miene deutlich nach einer Erklärung fragend.

„Ja." Harry grinste. „Der arme Jerry wird ständig von einer Katze namens Tom gejagt." Harry legte besondere Betonung auf den Namen. „Aber er schafft es immer ihn an der Nase herumzuführen und entwischt im letztmöglichen Moment." Harry hob die Schultern in dem Versuch zu erklären. „Mein Leben ist nur manchmal so grotesk, daß es sich anfühlt wie etwas, das eher in einem Trickfilm passiert als im wirklichen Leben."

„Der Brado-Typ?" fragte Dean neugierig.

„Der auch, aber ich denke mehr an den großen bösen als an den kleinen verrückten…" Harry warf einen Blick zu den Fünftklässlern, „pinkköpfigen Typen." Er kniff seine Augen zusammen und zuckte zurück. „Oder ist das orange heute?"

Das gab den Weg frei für eine Runde aufgerissener Augen und ließ sie ins Schweigen abdriften. Sie waren mitten beim Essen, als Harry schließlich seine Hausleiterin mit Donner in ihren kraftvollen Schritten und einem Blick, der Gefahr für denjenigen am anderen Ende versprach – höchstwahrscheinlich Harry selbst – zu ihnen hinüberschreiten sah. Die Pergemente in den Händen der Professorin sahen gefährlich zerknittert aus.

Mit einem tiefen Atemzug schob Harry seinen Teller zurück. Sein Magen war sowieso ruhig gestellt, selbst wenn er gern noch ein paar von diesen Pfannkuchen gehabt hätte. Die Professorin schien heute Morgen nicht in guter Laune zu sein. Er ließ sie besser nicht warten, bis er fertig war.

„Mr. Potter!" McGonagalls Lippen waren zu einer dünnen Linie zusammengepresst und in ihren Augen loderten verborgene Feuer. Sie türmte direkt neben ihm auf als wäre er nicht mehr als ein Käfer den sie in einem Augenblick zertreten würde. Ja, Harry lag richtig. Sie verbreitete bestimmt keine gute Laune. Ihre Stimme würde den Stein über ihren Köpfen zum Bröckeln bringen wenn sie noch viel länger so weitermachte. Sie schein bereit zu sein, ihn für den Stunt den er am Tag zuvor abgezogen hatte, ungespitzt in den Boden zu rammen.

„Professor McGonagall?" Mit unschuldigem Blinzeln hinterfragte Harry den wütenden Auftritt der Frau mit aufgerissenen Augen, als wäre er unsicher ob sie gerechtfertigt war, alle ihre schlechte Laune auf ihn zu richten. „Ist etwas geschehen? Ist alles in Ordnung?" Sein Gryffindorherz mußte das wissen, bereit sofort zur Tat zu schreiten. „Ist es Voldemort?" Harry ignorierte das Aufkeuchen bei dem Namen und merkte, daß die einzige Reaktion, die seine Hausleiterin zeigte, ein leichtes Zucken am linken Auge war. „Gab es eine Attacke von den Todessern? Soll ich helfen? Kann ich helfen?"

„Nein, Mr. Potter." Sie starrte ihn für eine lange Minute an, dann schien die Luft aus ihr zu entweichen und sie wirkte nur noch müde und überarbeitet als ihren Kopf schüttelte und deutlich ihre Emotionen in den Griff bekam. Es wäre nicht gut eine Halle mit hunderten von Schülern – jeder einzelne von ihnen beobachtete sie mehr oder weniger aufmerksam – in eine Panik ausbrechen zu haben. „Halten Sie sich zurück, Mr. Potter. Es gab keine Attacke."

„Ich verstehe nicht, Professor McGonagall?" Harry runzelte die Stirn und blickte fragend zu seinen Freunden, denn vielleicht konnte einer von ihnen das Rätsel lösen, ehe er seine Aufmerksamkeit wieder seiner Professorin zuwandte. „Ich möchte nicht respektlos sein, aber so wie Sie hierhergekommen sind, war ich mir sicher, daß etwas wirklich Schlimmes geschehen sein müßte." Mit breitem Lächeln und offensichtlicher Erleichterung schüttelte Harry seine Mähne. „Für einen Moment war ich wirklich besorgt, Professor." Jetzt sah seine Hausleiterin wirklich betroffen aus. Harry war sich ziemlich sicher, daß sie ihre Schüler nicht unnötig erschrecken wollte. Sie schien ganz schön beschämt. Den Kopf in den Nacken legend blickte Harry zu ihr auf.

„Kann ich Ihnen helfen, Professor? Ich meine, Sie sind doch hierhergekommen, um mit mir zu reden?" fragte er zweifelnd und beobachtete, wie sich seine Hausleiterin zusammenraffte. Jetzt war ihre Laune wenigstens erträglicher für einen frühen Morgen.

„Mr. Longbottom," sie fand ihre Rolle wieder und gab dem überraschten Jungen direkt neben ihr den kleinen Pergamentstapel, „sehen Sie zu, daß ihre Kameraden diese erhalten, bevor sie sich vom Tisch entfernen."

„Ähm… jawohl… Ma'am, Professor," stotterte der Junge und umklammerte fest ihrer aller künftigen Stundenpläne, sich der Blick, die er von überall am Tisch zugeworfen bekam, durchaus bewußt. Harry unterdrückte ein Grinsen. Jeder war verzweifelt zu erfahren, wie das Schicksal dieses Jahr die Karten verteilt hatte. Im Besitz der Stundenpläne zu sein war gerade jetzt eine gefährliche Sache.

Glücklicherweise für Neville griff Hermine über den Tisch, lächelte süß zu der Professorin, ihr Blick leicht zweifelnd, denn sicher wußte Professor McGonagall, daß Neville aus der Halle wegrennen würde, noch bevor er die Pläne ihren rechtmäßigen Eignern übergeben hätte. Die Gryffindors würden den Jungen in einer Sache von Minuten überrennen, um an ihre Stundenpläne zu kommen.

„Ich werde es tun, Professor McGonagall," sagte sie. Neville schien viel glücklicher so kurz nachdem er sie bekommen hatte, von seiner plötzlichen Bürde befreit zu sein.

„Ms. Granger." Die Frau nahm sie mit einem knappen Nicken zur Kenntnis und wandte sich an Harry. „Der Direktor gibt Ihnen Ihren Stundenplan persönlich, Mr. Potter, direkt nach dem Frühstück." McGonagall schien ihn ihm Augenblick nicht allzu sehr zu mögen, wie ihre verkniffenen Augen schließen ließen, aber dennoch, für nur eiinen Moment schien etwas wie Bedauern in ihnen aufzuglimmen.

„Jawohl, Professor." Harry blinzelte und beobachtete, um den bösen Blick zu vermeiden, den die Professorin in seine Richtung sandte, wie Hermine die Stundenpläne an ihrem Tisch verteilte.

„Er erwartet Sie in seinem Büro, Mr. Potter." Sie sah streng aus, nicht bereit ihn einfach in Ruhe zu lassen. „Glauben Sie, daß Sie es heute finden können?"

„Natürlich, Professor." Harry lächelte entwaffnend in ihre skeptische und sehr mißbilligende Miene, als wäre er unschuldig erwischt worden. Nachdenklich blickte er auf die Stundenpläne seiner Freunde. Irgendwie bezweifelte Harry, daß seine mangelnde Antwort auf den Brief mit seinen OWL-Ergebnissen, in dem er die NEWT-Kurse hätte mitteilen sollen, alles war, worüber der Direktor sprechen wollte.

„Sind Sie sicher, daß ich gleich nach dem Frühstück gehen soll, Professor? Ich möchte nicht zu spät kommen oder gar meine erste Stunde im neuen Jahr versäumen."

„Sie sind für diesen Tag von ihren Vormittagsstunden entschuldigt, Mr. Potter. Sie können die Hausaufgaben hinterher von einem ihrer Klassenkameraden holen."

Harry grinste charmant. "Das ist was ich dachte, Professor. Danke." Zu fröhlich für die Stimmung der Professorin, erhielt er nur einen festen Blick, der von vielen Strafarbeiten kündete, sollte er die Kreuzung zum Büro des Direktors heute wieder verpassen. Nichtsdestotrotz hatte es Harry geschafft, etwas von dem Wind aus ihren Segeln zu nehmen und verwandelte einen schweren Sturm in eine milde Brise.

„Ich hoffe es ist wirklich alles in Ordnung," sagte Harry im Interesse seiner Freunde während er den steifen Abgang der Professorin beobachtete. Er lenkte seine Aufmerksamkeit auf den Tisch zurück, als sie ihren Platz am Haupttisch einnahm. Es war lediglich Hermine vom anderen Ende des Gryffindortischs, wo sie noch immer die letzten Pläne austeilte, die ihn mit einem ihrer forschenden Blicke maß. Alle anderen seiner Freunde waren im ganzen noch immer damit beschäftigt, auf Hermine zu warten, um ihre eigenen Stundenpläne zu kriegen, oder sie zu studieren und ihre eigenen Pläne mit denen zu vergleichen, die bereits verteilt waren. Harry sah zu, wie seine Freunde jeder Bewegung Hermines folgten. Harry langweilte sich. Wahrscheinlich war es nur die Ruhe bevor alles zum Teufel ging (besser bekannt als das Büro des Direktors), aber nichtsdestotrotz, hätte er bereits seinen eigenen Stundenplan, hätte Harry wenigstens etwas zu tun gehabt.

Harry hatte nicht wirklich über seine OWLs nachgedacht. Zur Hölle, er wußte nicht einmal wieviel er bekommen hatte. Den Ellenbogen aufstützend, um seinen Kopf in die Hand zu legen, blickte sich Harry gemächlich um und ließ den Gedanken in seinem Kopf herumwandern. Er kümmerte sich im Augenblick nicht sonderlich um OWLs, für den größten Teil des Sommers waren sie ihm egal gewesen. Es wäre anders, wenn er möglicherweise einen oder zwei OWLs dafür bekommen könnte, daß er einen selbsternannten, ehemaligen Lord in seinem Kopf festhielt, ansonsten glaubte Harry eher, daß an desto weniger Klassen er teilnahm, umso besser wäre es für ihn und seine in Kürze beginnende Forschung nach einem Weg, der Voldemort ein für alle Mal aus dem Weg räumte.

Harry wurde aus seinen Gedanken gerissen, als Seamus, der direkt neben ihm saß, sich über den Tisch beugte, in seine Seite stieß und Harry aus seiner bequemen Position herausriß, während er interessiert auf Hermine eng beschriebenen Plan hinabspähte. Neugierig folgte Harry seinem Blick und seine Brauen stiegen fragend in die Höhe.

„Ich sehe gar keine Freiräume in deinem Stundenplan, Hermine. Solltest du dich nicht ausschließlich auf deine NEWTs konzentrieren?" fragte Harry mit einem Blick auf des Mädchens Pergament.

„Man muß mindestens drei NEWT-Kurse belegen – obwohl die meisten Schüler sowieso dazu tendieren vier zu nehmen, für den Fall, daß sie in einem danebenhauen – und natürlich Geschichte und Verteidigung gegen die Dunklen Künste als normale Pflichtkurse, falls man nicht eins oder beide für die NEWTs auswählt. Ansonsten hat man ziemlich freie Wahl, obwohl mehr als sechs NEWTs-Kurse nicht im Stundenplan unterzubringen sind. Ich hab es versucht." Hermine verzog traurig das Gesicht.

„Wie auch immer, ich glaube nicht, daß ich es diesmal übertrieben habe," meine sie mit einem nachdenklichen aber zufriedenen Blick auf das Pergament, das sie fest im Griff hielt. „Es gibt noch genügend Raum, um mich auf Hausaufgaben und zusätzliche Arbeiten konzentrieren zu können. Ich wollte wirklich nicht einige Fächer völlig aufgeben, wisst ihr. Meine Eltern haben mir allerdings verboten mehr als insgesamt sechs Kurse zu nehmen." Bedauernd schüttelte Hermine ihren Kopf mit einem betrübten Blick auf ihren eng gefüllten Plan und lächelte.

„Meine Eltern wollten nicht, daß ich Grundkurse besuche, aber ich habe sie überzeugt, weil wir ja verpflichtet sind Verteidigung und Geschichte zu nehmen, und deshalb sollten sie sie nicht mitzählen, weil ich sie ja nicht ausgesucht habe." Ihr Lächeln wurde strahlender. Hermine und jeder andere, der ihr Lerngewohnheiten kannte, war sich genau bewußt, daß sie Verteidigung gegen die Dunklen Künste und Geschichte belegt hätte, selbst wenn sie die Fächer dazu selbst hätte unterrichten müssen. Immerhin war es Geschichte, selbst wenn Binns es unterrichtete; und in diesen Zeiten war Verteidigung einfach eine Notwendigkeit.

„Ich hätte auch gern Herbologie und Pflege magischer Geschöpfe auf NEWTs Level belegt, aber es hat einfach nicht mehr in den Stundenplan gepasst. Professor McGonagall hat mir aber versichert, daß, falls ich gut arbeite, sie mit Professor Sprout reden würde, so daß ich zusätzliche Stunden auf NEWTs Level kriegen könnte, obwohl ich nur den Grundkurs besuche. Nun ja, Pflege magischer Geschöpfe ist nicht wirklich wichtig, aber es ist trotzdem interessant und es ist mit Hagrid." Sie zuckte die Achseln und Harry hoffte, daß Hermine über die NEWTs nicht alles andere vergessen würde, hauptsächlich nicht ihre außerschulischen Nachforschungen.

Sie brauchten einen Moment um sich mit Hermines Idee anzufreunden. Ron stöhnte auf. Wie jeder andere auch hatte er Geschichte auf seinem Stundenplan, obwohl seiner genug Lücken hatte, um zweischen den Stunden mit dem Riesenkraken zu spielen oder nach London und zurück zu laufen. Es gab keinen Mangel an Freiraum in Rons Stundenplan.

„Ich verstehe nicht, warum wir Geschichte nehmen müssen. Es ist langweilig," murrte der Rotschopf.

"Vielleicht wollen sie nicht, daß noch mehr ignorante Zauberer und Hexen herumlaufen und nach der Ausrottung von Muggeln schreien." Hermine richtete sich auf und ihre Augen verengten sich bedrohlich. „Solche Dinge sind in der Geschichte der Zaubererwelt mehr als einmal passiert, Ron, selbst wenn es meistens andere Rassen waren, die beinahe komplett vom Angesicht der Erde getilgt wurden. Nimm die Goblinkriege oder die Schlacht von Rihidio, die Grovianrebellion und die Todesmärsche der Klevian – sogar die Kriege der Uralten zu einem gewissen Anteil. Die Geschichte ist voll von solchen Dingen und die meisten von ihnen hätten verhindert werden können, wenn die Menschen nicht immer wieder die Fehler ihrer Vorfahren wiederholen würden." Hermines Augen wurden glasig, ihr Verstand tief in irgendeinem obskuren Buch versunken, daß sie höchstwahrscheinlich Seite für Seite auswendig gelernt hatte. Das Mädchen bemerkte nicht einmal die Blicke, die die Jungs miteinander tauschten. Sie hatten direkt nach „Goblin" den Anschluß verloren.

„Wie auch immer," unterbrach Ron ihren Vortrag. „Wir haben viel mehr Hausaufgaben und selbst ohne Geschichte nicht sehr viel Freizeit." Er schnaubte. „Ich wette niemand hat freiwillig Geschichte der Zauberei genommen. Es würde sowieso niemand der noch ganz beisammen ist Binns für die NEWTs auswählen, oder?"

„Ich würde… hab." Neville schluckte.

„Ich habe, Ron," sagte Hermine beleidigt zur gleichen Zeit und blickte überrascht zu Neville, wie jeder andere in ihrer kleinen Gruppe.

„Hä?" Ron blinzelte dümmlich. Das Hermine so etwas tat, konnte er glauben, schließlich würde sie glatt alle Fächer auf NEWT-Level nehmen wenn sie nur ein paar Fächer hinzufügen könnte – selbst wenn es nach dem Zapfenstreich war.

„Naja," Neville sah unwohl aus und versuchte es abzuschütteln. „In Geschichte muß ich keine Magie benutzen. Dort muß ich hauptsächlich Bücher lesen und auswendig lernen. Wie man das macht, weiß ich tatsächlich – und ich finde es nicht so sehr langweilig," murmelte er nachträglich.

„Hm, naja," Ron schien das für einen Moment fraglich. „Es ist trotzdem langweilig." Zufrieden nickte Ron als Neville ohne etwas gegen diese vielbewiesene Feststellung zu sagen die Schultern zuckte. Nur Hermine runzelte unbeeindruckt die Stirn. Es passte ihr überhaupt nicht anerkannten, daß Wissen Macht war. Sie könnten soviel aus Büchern lernen. Es war eine Schande, daß sie nicht einmal wußten – und es niemals erfahren würden – was sie vermissten, besonders in Geschichte der Zauberei.

Seinem eigenen Stundenplan einen näheren Blick gönnend, zog Ron seine Brauen zusammen und wandte sich Harry zu. „Was denkst du, ist das Problem mit deinem, Harry?"

„Vielleicht wollen sie, daß ich Nachhilfe in Kräuterkunde nehme, wie letztes Jahr." Hermine und Ron wußte worüber er sprach. Sie blickten beide viel ernsthafter in die Runde als einen Augenblick zuvor.

„Vielleicht," meinte Hermine vorsichtig, „aber diese Privatstunden sind nicht so gut gelaufen. Bist du sicher, daß es darum geht?"

„Ich weiß nicht." Harry hoffte wirklich, daß es nicht das war. Es war nicht sehr wahrscheinlich, so kurz nach Schulbeginn. „Es ist nicht, als ob ich dieses Jahr irgendwas verbockt habe," stellte Harry gleichgültig fest. Er würde es sowieso bald genug erfahren.

„Professor McGonagall war schrecklich… streng," bohrte Hermine weiter nach Informationen, als wäre das eine gute Eröffnung gewesen für ein Thema, das sie wirklich interessierte. Harry grinste.

„Vielleicht hat sie schlecht geträumt oder so. Oder der Zwischenfall mit der Treppe letzten Abend war ernster als wir dachten." Harry zuckte die Achseln. Er wußte wirklich nicht, was der Frau durch den Kopf gegangen war, obwohl er wahrscheinlich eine ganz gute Vermutung abgeben könnte. Hermine musterte ihn neugierig, aber sie verfolgte das Thema nicht weiter, sich durchaus bewußt, daß sie nicht allein waren.

„Es ist aber zu schade, daß sie dir nicht wenigstens einen Hinweis geben konnte, wie dein Stundenplan aussieht," grummelte Ron. Er wollte ihre Pläne vergleichen, um zu sehen welche Kurse sie zusammen hatten, da es schien das die meisten oder sogar alle Klassen gemischt mit Mitgliedern aus allen vier Häusern waren. Dennoch schien es in manchen Fächern mehr als eine Klasse zu geben, denn hinter Verteidigung gegen dunkle Künste stand eine kleine eins und hinter seinem Geschichtskurs eine kleine zwei – um die Dinge noch komplizierter zu machen.

„Ich hoffe wir haben nicht zu viele Klassen mit Malfoy und so," stöhnte Ron und blickte finster zum Tisch der Slytherins hinüber.

„Ron!" Hermine schüttelte ihren Kopf. "Es ist Zeit, die Leute dazu zu kriegen, daß sie merken, daß die Häuser von Hogwarts eine viel zu große Lappalie sind, um über eine Person zu urteilen," sagte sie ernsthaft und meinte es. „Immerhin werden wir alle in knapp zwei Jahren zusammenarbeiten müssen, wo auch immer wir einen Arbeit kriegen."

„Yeah," stimmte Ron zu und warf ein bedeutungsvollen Blick dahin, wo

Malfoy mit seinen Kumpanen saß, „aber mit einigen mehr als mit anderen, schätze ich."

„Fang jetzt nicht damit an, Ron," Hermine krauste die Stirn. „Es ist sowieso fast Zeit zum Unterricht zu gehen. Laß es einfach bleiben." Eindeutig verließ der Großteil der Schüler langsam aber stetig die Halle.

„Was habt ihr als erstes?" fragte Harry, um zu wissen was er möglicherweise verpasste. Er blinzelte, als er fünf verschiedene Antworten erhielt. Er schien, als hätte man wirklich alle Sechstklässler zusammengeworfen, nur um sie wieder planlos auseinanderzureißen. Neville schien jedoch mit zwei Freistunden bis zum Mittagessen und bis jetzt noch ohne Hausaufgaben, die er zwischendurch zu tun hätte, den Jackpot geknackt zu haben. Mit Kräuterkunde hatte Hermine die absolute Niete gezogen. Die Jungs gaben ihr eine Runde Mitleid, das sie mit relativ kalter Schulter akzeptierte – immerhin mochte sie Kräuterkunde und hatte es freiwillig für die NEWTs ausgewählt. Harry hoffte bloß, daß sie inmitten einer Horde von Slytherins nicht die einzigste war, da sie höchstwahrscheinlich während ihrer Zeit in der Klasse keinen anderen Gryffindor zu sehen bekommen würde.

„Egal," Ron zwinkerte. „Ich mag es jedenfalls, wenn die Schule mit einem Wochenende beginnt… oder fast. Es ist eine schöne kurze Woche, gerade richtig, um sich wieder an das ganze Zeug zu gewöhnen." Ron grinste.

„Und meine ist sogar noch kürzer als deine," konnte Harry sich nicht helfen verschmitzt hinzuzufügen. Seine Augen blitzten in Richtung Neville, der sicherlich ratlos war, was er bis zum Mittag mit seiner neugewonnen Freiheit anfangen sollte.

Die große Halle leerte sich nun schneller als noch wenige Minuten zuvor. Das Frühstück war endlich vorbei und Harry würde jetzt den Weg zum Büro des Direktors suchen müssen. Innerlich wurde er von Minute zu Minute nervöser. Er zweifelte, daß er es so durchziehen konnte wie er wollte. Er hatte sich keinen Plan ausgearbeitet. Harry wußte, daß Pläne viel zu leicht dazu neigten, über den Haufen gerannt zu werden. Es würde besser sein, wenn er von Anfang an improvisierte, statt mit in ihrem Gespräch plötzlich dazustehen, ohne zu wissen was er tun sollte. Er mußte ja lediglich bestimmte Punkte anschneiden ohne allzu offensichtlich zu sein.

Zusammen mit seinen Freunden aufstehend, ging Harry mit ihnen zur Tür. Er grinste sie an, sagte die obligatorischen Goodbyes und beobachtete, wie Seamus und Dean zusammen abmarschierten, bevor sie sich trennten – einer auf den Weg zu gen Gewächshäusern, der andere in Richtung des Klassenraums für Verteidigung gegen die dunklen Künste. Harry würde Dean später über den Professor aushorchen. Es wäre interessant zu sehen, ob Brado wirklich in allem so dämlich war wie er jeden glauben machte.

„Ich seh dich beim Mittagessen, Harry," grunzte Ron. „Du läßt uns wissen, worüber der Direktor mit dir quatschen wollte, oder?"

„Jepp, bestimmt." Und mit einem Blick auf Hermine fügte er hinzu: „Ihr wisst, daß ich es euch sagen werde. Immerhin," Harry blinzelte, „habe ich dir erzählt, was ich gestern getan habe, oder nicht?" Leider glaubte ihm Hermine noch immer nicht. Ihre einzige Antwort war ein tiefes Stirnrunzeln, und Ron sah verwirrt drein.

„Was hast du getan?" fragte der Rotschopf und hielt auf seinem Weg inne, sich wundernd was er verpasst hatte.

„Meine Roben geschrumpft," gab Harry unumwunden zu. „Nichts Außergewöhnliches, Ron, mach dir keine Sorgen. Ich würde dir vorher Bescheid sagen."

„Oh. Dann ist ja gut." Ron schien es nicht wirklich zu kümmern, „Ich seh dich," und tigerte weiter auf Hagrids Hütte zu. Drei fertig, zwei noch offen. Harry wandte sich Hermine zu. Es war ein seltenes Ereignis, daß sie die letzte war, die zum Unterricht ging.

„Viel Glück mit Dumbledore, Harry. Er will wahrscheinlich über deinen Sommer reden," flüsterte Hermine geheimnisvoll, so daß Neville sie nicht genau hören konnte.

„Denkst du?" Harry schaffte es verblüfft auszusehen.

„Ja," nickte sie nachdrücklich, sich ihrer Schlußfolgerung sicher. „Es ist am wahrscheinlichsten, nachdem all diese Gerüchten herumgingen und nach dem Bericht, den Professor Lupin und Moody ihm gegeben zu haben scheinen – selbst wenn du glaubst, daß du die ganze Zeit bei den Dursleys warst."

„Ich werde es bald wissen," mit einem Achselzucken wischte Harry ihren besorgten Blick beiseite und lächelte beruhigend. „Wenn ich du wäre würde ich mich beeilen oder du kommst zu spät zu Kräutertränke." Er grinste. Nach einem hastigen Wink rannte Hermine ohne weitere Worte davon. Schmunzelnd beobachtete Harry ihre rennende Gestalt, bis sie in dem Korridor verschwand, der zu den Kerkern führte. Bis jetzt war der erste Schultag nicht so übel. Nachdenklich wandte sich Harry Neville zu, dem Jungen mit zu viel freier Zeit, der ihn im Moment wohl nicht so einfach in Ruhe lassen würden.