Chapter 27 – Das Spiel beginnt

Es war der erste gute Blick, den Harry auf seine OWL-Resultate erhielt. Alles in allem waren sie nicht so schlecht, trotz Schlafens und was immer sonst zu der Zeit passiert war. Was jedoch in sein Blickfeld viel war die wirklich niedrige Note in Kräuterkunde; und der erste Gedanke der durch seinen Kopf flog, war, daß er nun doch nicht die fünf Seiten voll mit dämlichen Kräutertränken auswendig lernen mußte. Trotzdem hatte Harry gedacht, daß er wenigstens ein bißchen besser abgeschnitten hätte. Stirnrunzelnd versuchte er sich daran zu erinnern ob ihn während der Prüfung auch etwas unterbrochen hatte. So viel war seitdem geschehen und Harry konnte sich nicht einmal erinnern, ob er wirklich versucht hatte, die erforderliche Note zu kriegen oder nicht. Letztlich jedoch tat es nichts zur Sache. Er zweifelte, daß irgendjemand ihn jetzt in Snapes NEWTs-Klasse bringen konnte, nicht mit diesem häßlichen P in seiner Akte. Das erklärte wahrscheinlich warum McGongall mit ihm hatte sprechen wollen. Sie mußte sich wirklich schuldig fühlen, ihn im Stich zu lassen, nachdem sie ihm schon fest versprochen hatte, ihn in diese Klasse zu helfen.

Es schien, als würde er nach allem doch nicht Kräuterkunde besuchen. Glückspilz. Das schaffte zwei Probleme gleichzeitig aus der Welt (eines, von dem er nichts geahnt hatte bis der Steinkasten sich einmischte). Erstens würde Harry nicht übermäßig ertragen müssen, wie Snape ihn köderte; zweitens konnte Harry sich von Snape fernhalten bis er dieses Band unter Kontrolle hatte und diese rasend machenden Gefühle, die durch die Verbindung ständig in seinen Kopf schossen, stoppen konnte.

Das verdammte Band zwischen ihnen war alles andere als bequem, jetzt wo ihn fast beständig irgendetwas hindurch erreichte. Es war ausgesprochen irritierend wenn Harry in der Nähe des Mannes war, und während des Unterrichts würde er mit Sicherheit in Hörweite bleiben müssen; obwohl Harry nicht mit Bestimmtheit sagen konnte, daß es immer Snape war, der diesen gefühlsgeladenen Ballast sandte. Er fand die unkontrollierbare Magie, die ihm das Schloß genommen hatte, beinahe das bessere Ende des Handels. Sich vorzustellen, daß er Emotionen von allen Todessern bekam, die über diese Erde krauchten, war... kein netter Gedanke. Er war jedoch wirklich dankbar, daß sein Glück diesmal zu seinen Gunsten arbeitete. Zu wissen, daß das Band einseitig war, half gewaltig sein Gleichgewicht zu halten. Natürlich war da der kleine Zwischenfall mit Tom in der Winkelgasse – den Snape beobachtet hatte; und der Zeitpunkt, an dem Hogwarts an seiner Magie herumgefummelt hatte und Tom in eine Panik versetzte – was Snape auch mitangesehen hatte. Dämlicher, neugieriger Bastard. Dummes Schloß. Dummer Harry, sich selbst immer wieder in solche Situationen zu bugsieren.

Noch immer der verärgerte Gryffindor, zuckte Harry patzig mit den Schultern, wenn ihn der alte Mann über seine Zensur in Kräuterkunde befragte. „Ich hatte noch einen schlechten Tag, Sir," biß er hervor und erinnerte sich klar daran, wann er zuletzt in diesem Büro gewesen war. „Ich hatte viele von diesen im letzten Jahr." Als sich Dumbledores Gesicht verdunkelte und sich das Funkeln in den Augen trübte, seufzte Harry und blickte schuldbewußt zu seinem Direktor auf.

„Ich schätze, ich war einfach zu nervös, um während des Examens einen klaren Kopf zu behalten," murmelte Harry entschuldigend. „So viel hing davon ab." Niedergeschlagen ließ er seine Schultern hängen und zerknitterte die Ecke des Pergaments. „Ich habe wirklich geglaubt, daß ich es besser gemacht hätte." Es mochte gegen seinen Stolz gehen, ein P in einem Test zu bekommen, für das er wirklich gelernt hatte (falls er gelernt hatte), aber soetwas passierte eben im wirklichen Leben. Er konnte nicht immer Glück haben.

„Es tut mir wirklich leid, Harry," Dumbledores Funkeln war mit ganzer Kraft zurückgekehrt. Harry ignorierte das Schnauben aus der Ecke und die gehässige Freude, die ihn durch das Band erreichte, „aber du wirst nicht in der Lage sein, Kräuterkunde auf NEWT-Level zu besuchen."

„Ja, Sir. Ich verstehe." Harry klang bedrückt und er runzelte die Stirn. Die Wortwahl des alten Manns in dieser Sache gefiel ihm überhaupt nicht. „Es wäre nicht fair den anderen Schülern gegenüber." Er hob die Achseln und war ganz der tapfere Gryffindor. „Ich bin sicher, daß ich andere Dinge finde, die ich nach der Schule machen kann. Ich muß mich nur umschauen, jetzt wo ich kein Auror mehr bekommen kann." Harry hatte sowieso kein Zeit für den schmierigen Bastard – wenigstens nicht, um sich anschreien zu lassen. Bis auf einige wenige vorbereitete Treffen wäre Harry weit besser dran, so weit wie möglich Abstand von dem Mann zu halten – natürlich erst, nachdem er den Kerl dazu gebracht hatte, die Dinge auszuschnüffeln mit denen Harry komfortabel war, jedoch nichts das eine Bewandtnis für die Zukunft hatte.

Harry schüttelte seinen Kopf. Er durfte seine Gedanken nicht wandern lassen. Innerlich gab er sich einen Klaps auf den Schädel. Zurück zum Besuch von Kräuterkunde – oder ‚Nichtbesuch'. Es war kein wirkliches Drama. Vielleicht wäre es im letzten Jahr eins gewesen, aber jetzt? Wenigstens würde Harry weiter weniger Strafarbeiten aufgebrummt kriegen als zuvor. Mehr Zeit zum Lernen war immer willkommen. Harry hatte darüber während der letzten Nacht gegrübelt. Was sollte er tun, wenn – entgegen allem – er es tatsächlich in die Klasse schaffte? Das hier löste das Problem natürlich ziemlich einfach, denn er hatte noch immer keine angemessene Lösung gefunden gehabt.

„Ah!" Dumbledore strahlte ihn an und schüttelte seinen Kopf. „Das ist nicht notwendigerweise richtig, Harry."

„Was?" hakte der Junge zögerlich nach. Es sollte gegessen sein. Dumbledore sollte sich dem nächsten Thema zuwenden.

„Du kannst noch immer ein Auror werden." Dumbledore lächelte munter, offensichtlich zufrieden damit, wie sich die Dinge entwickelten. „Du kannst die erforderlichen NEWTs in einer Studiengruppe – oder einem Kurs – an der Universität für Magie nehmen. Wenn du den normalen Unterricht besuchst, solltest du ausreichend dafür vorbereitet sein. Es wird nicht länger als ein halbes Jahr dauern, um im Stoff aufzuschließen, wenn du dich anstrengst."

Harry wagte es nicht aufzusehen und hielt seinen Blick fest fixiert auf seine OWL-Resultate. Er war sich sicher, daß Dumbledore sich für ein Genie hielt; Snape hatte das nicht kommen sehen – er konnte es vorher nicht gewußt haben, denn Harry wußte, er entzifferte das Band ganz richtig. Der Bastard schien jetzt nicht mehr so schadenfroh, eher noch boshafter. Normale Klasse? Harry brodelte lautlos. Wohl kaum!

Im einfachen Kräuterkundeunterricht zu sitzen war bei weitem schlimmer, als die Klasse auf NEWT-Level zu besuchen. Snape würde jede Chance nutzen, um das P in Harrys Gesicht zu schleudern. Er konnte damit leben – es war erwartet, daß Snape ihn, jedesmal wenn sie sich über den Weg liefen, verspottete (dafür, daß er die NEWT-Klasse verfehlt hatte und – schlimmer – dafür, daß er den normalen Unterricht besuchte). Obwohl Harry sich bewußt entschieden hatte, sich nicht ködern zu lassen, wußte er, daß seine Entschlossenheit nicht endloss währte. Er war noch immer ein Mensch und für jeden Menschen gab es einen Punkt, an dem man keine Wahl hatte als zu reagieren. Wenn die Entschlossenheit nicht länger den Hügel hinaufrollen konnte, begann unweigerlich der Weg bergab, um zu zerschmettern, wenn es den Grund erreichte. Sollte Snape seinen Mund einmal zu oft öffnen, würde Harry diesen Punkt sehr schnell erreichen.

Ihre Vergangenheit war nicht für eine friedfertige Zukunft ausgelegt. Selbst in der Winkelgasse war Harry nahe dran gewesen etwas zu sagen oder zu tun – irgendetwas, wenn der Mistkerl seine Zunge freiließ. Harry hatte seine Gefühle nicht so unter Kontrolle wie er es gerne hätte. Die Tatsache war nichts Neues für ihn. Seine Angst, die Kontrolle zu verlieren und den Mann und seine Klassenkameraden in kleine Stücke zu sprengen war sehr real. Obwohl im Fall seine leidenschaftlichere Seite zu kontrollieren Hogwarts geholfen zu haben schien. Es war nicht leicht seinen Gefühlen objektiv gegenüber zu sein, aber Harry fühlte sich jetzt verärgerter als er sich seit dieser schicksalshaften Nacht im Sommer erlaubt hatte. Es schien einfacher zu werden, als für sich zu behalten. Vielleicht konnte er sich öfter mit Snape auseinandersetzen, aber das war nichts, das er im Unterricht testen wollte.

„Normaler Unterricht, Sir?" Dieses Mal kümmerte sich Harry nicht darum seine Grimasse zu verstecken. Er war sicher es war erwartet. Ja. Dumbledores Augen strahlten jetzt sogar noch stärker. Dämlicher alter Sack. Harry verzog die Lippen. „Ich will nicht respektlos sein, Sir, aber ich würde lieber ein ganzes Jahr zu dieser Universität gehen und Kräuterkunde in Hogwarts völlig aufgeben." Harry lächelte leicht. Dumbledore mochte das nicht besonders, aber Snape mochte es.

„Nun, ich glaube Kräuterkunde würde ein Vorteil sein. Immerhin, falls du ein Auror werden möchtest –"

„Natürlich, Direktor. Ich bin mir dessen durchaus bewußt," sagte der verärgerte Harry vom letzten Jahr aufgestachelt. „Kräuterkunde ist kein Pflichtfach, oder, Sir?"

„Nein, Harry. Der Unterricht ist nicht kein Erfordernis." Dumbledore seufzte. Er hatte offenbar erkannt, daß es weit schwieriger wäre, Harry dazu zu kriegen, das zu tun was er wollte. „Möchtest du denn nicht zu Kräuterkunde?"

Harry unterdrückte seine Wut mit aller Kraft. Es war in Ordnung wenn der alte Knacker versuchte seinem Bild als verrückter Greis gerecht zu werden, aber niemand würde ihm dieses Schauspiel an Dummheit abkaufen.

„Nein, Sir." Harry atmete tief durch, seine Augen blitzten. "Tatsächlich möchte ich diese Klasse überhaupt nicht nehmen," sagte er mit leichter Erschütterung in der Stimme.

„Ich denke, du solltest es trotz alledem dennoch tun."

„Ich will diese Klasse nicht nehmen, Sir!" Harry weigerte sich rundheraus und warf nicht einmal einen flüchtigen Blick auf den Meister der Kräuterkunde, dessen Gesicht einmal mehr – oder immer noch – eine ausdruckslose Maske war. Wenn Harry jedoch durch das Band linste, war es eindeutig, daß er, für dieses eine Mal, vollkommen – selbst mit Potter – übereinstimmen würde (wäre der Junge nicht dabei gewesen, um zuzuhören).

„Es wird dir dennoch helfen, ein Auror zu werden, Harry." Der Mann steckte einen weiteren Drops in seinen Mund und Harry knirschte mit den Zähnen.

„Sir, ich –"

„Für einen Monat, Harry." Dumbledore bewegte schroff seine Hand, um Harrys Einwand zu stoppen. „Falls du nach einem Monat noch immer die Klasse aufgeben möchtest, werde ich dich nicht stoppen."

Harrys Augen verengten sich argwöhnisch. Was jetzt? Verhandlung? Eine andere Herangehensweise, um dieselbe Sache zu bekommen) Ein Monat konnte keinen so großen Unterschied machen, oder? Hinter was war Dumbledore her? Harry überlegte rasch, ignorierte die Wut, die ihn durch das Band erreichte, ebenso wie das allwissende Funkeln. Er unterdrückte ein Knurren. Der alte Narr. Was dachte er, daß er tat?

„In Ordnung, Sir. Einen Monat in Kräuterkunde, dann höre ich auf."

„Wenn du dann noch möchtest, Harry."

„Natürlich, Sir." Harry lächelte süßlich. "Nur wenn ich dann noch möchte." Bastard. Was war das mit Dumbledore, daß der alte Kauz ihn immer mit dem ölig glatten Mistkerl von einem Professor zusammensteckte? Was glaubte er zu erreichen, wenn er es wieder und wieder tat? Aber es waren nur vier Unterrichtsstunden, eine pro Woche. Harry würde seine Emotionen zusammennehmen und hoffen ohne schweren Schaden durchzukommen – wie zum Beispiel einen gewissen Schmierschädel in Stücke zu blasen, zusammen mit einem sich ständig einmischenden alten Sack.

„Ich habe nur eine Bedingung, Sir."

„Hast du?" Dumbledore verschluckte beinahe seinen dämlichen Drops.

„Ja, Sir." Harrys Ausdruck war unnachgiebig. Er wartete einen Augenblick das der Trommelwirbel verstummte – bis die Spannung greifbar war. „Ich werde dieses Jahr auf keinen Fall Nachhilfe in Kräuterkunde nehmen, welche Gründe für oder gegen es auch gibt." Das sollte die Dinge ordentlich in Bewegung setzen. Überraschung und Verwirrung drang durch das Band. Harry unterdrückte ein leises Lächeln. „Es hat letztes Jahr nicht wirklich geholfen. Ich brauche es nicht mehr."

Harry rückte auf seinem Sitz in eine bequemere Position und sprach sobald der Direktor seinen Mund öffnete. „Ich werde nicht zur... Nachhilfe gehen, Sir." Immerhin konnte Harry nicht tatsächlich Unterricht in Occlumency haben wollen, zu dem Dumbledore ihn versuchen würde zu überreden. Eine Finte für Snape, eine andere für Dumbledore, so daß sie beide beschäftigt waren; und es gab noch immer seine Hausleiterin, die ihm aushelfen konnte, sollte alles andere fehlschlagen.

„Können wir jetzt über meine NEWTs sprechen, Sir? Das ist schließlich, warum Sie mich kommen ließen," verlangte Harry und wedelte ungeduldig mit dem Pergament in seiner Hand. Für einen Moment schien es, als wolle der alte Mann das Thema über Harry und Nachhilfe weiterverfolgen, aber dann gab er nach. Harry zweifelte nicht, daß sie später noch einmal darauf zurückkommen würden, bevor er das Büro verließ.

„Natürlich, Harry." Dumbledore war scheinbar völlig einverstanden.

„Ich würde gern Verzauberungen, Verteidigung gegen die Dunklen Künste, Pflanzenkunde und Verwandlungen für meine NEWTs-Level Kurse nehmen," listete Harry auf und blickte währenddessen kein einziges Mal vom Pergament auf. „Pflege magischer Geschöpfe und Geschichte als normale Kurse." Es war sein Glück, daß Harry Hermine zugehört hatte, als sie sich endlos darüber ausgelassen hatte, welche Kurse zu den Pflichtfächern gehörten (Verteidigung und Geschichte) und wieviele NEWTs-Kurse (drei) ein Schüler in Hogwarts mindestens wählen mußte. Harry hätte wirklich gern Verteidigung gegen die Dunklen Künste abgewählt. Erstens brauchte er es nicht mehr wirklich (Tom hatte ihn mit einem weitgefächerten Wissen in diesem Fach versorgt); und zweitens ließ der Gedanke an den Pfau einen Schauder über den Rücken laufen, der nicht nur mit seiner Art sich zu kleiden zu tun hatte; außerdem konnte Harry nicht weniger Kurse nehmen als die meisten seiner Klassenkameraden. Er wählte lediglich die Kurse, bei denen er die geringsten Probleme haben würde, mit dem Stoff mitzuhalten, ohne Zeit ins Lernen investieren zu müssen.

„Ich werde sehen, ob ich dich in diesen Klassen unterbringen kann, Harry. Es ist immerhin ein bißchen spät, um deine Kurse zu wählen." Er blickte durchdringend über seine Brille hinweg, als er das Pergament aus Harrys Hand nahm. „Warum hast du deine Briefe nicht gelesen, Harry? Ich nehme an, du hast sie erhalten."

„Ähm... ja, Sir. Ich hab sie bekommen." Unbehaglich zuckte der Junge die Achseln und begann ein Loch in die Armlehne seines Sitzes zu bohren. „Mir ist nur so viel durch den Kopf gegangen, Sir." Harry blickte den alten Mann an, seine Augen voller Leid. „Ich schätze, ich war nicht wirklich in der Stimmung dafür."

„Das ist verständlich, Harry." Dumbledore nickte, ein trauriges Etwas vermischte sich mit dem Funkeln in seinen Augen, daß schnell zu etwas Bedrohlichem anstieg. Harry wartete mit schmalen Augen.

„Da ist etwas, daß ich dir sagen muß, Harry." Seine Augen jetzt weit geöffnet, versuchte Harry zu erahnen, was jetzt kam. Er hätte jetzt wirklich gern die Aura des alten Kauzes gelesen. Snapes Emotionen waren nur nebensächlich. Harry wußte bereits, daß der Mann ihn bis ins Innerste haßte.

„Es tut mir leid sagen zu müssen, daß du noch immer von Quidditch gebannt bist." Dieses Mal schien es Dumbledore wirklich leid zu tun – die Zufriedenheit, die Harry jedoch durch das Band erreichte, kletterte zu neuen Höhen. Bösartige, gefühllose alte Fledermaus!

Erblassend zögerte Harry nur einen Moment, Schmerz verdrängt von Zorn, ehe er von seinem Stuhl aufsprang, direkt gegen den Schreibtisch des Direktors stoßend, so daß der Tee auf die Papiere verschüttet wurde; aber den Gryffindor kümmerte das nicht.

„Was?! Das Biest kann damit nicht durchkommen! Das ist verrückt! Ich hab nicht das geringste getan! Fliegen ist das einzige, das..." Mit einem schweren Seufzer hielt Harry in seinem Wortschwall inne und blinzelte die Gefühle, die in seinen Augen aufstiegen zurück, entschlossen und mit geballten Fäusten.

„Es tut mir sehr leid, Harry, aber ein lebenslanger Bann oder eine Aburteilung nach Askaban – alle solchen Dinge eben – können nur durch den Minister selbst aufgehoben oder geändert werden." Er versuchte entschuldigend auszusehen, aber Harry glaubte nicht, daß irgendetwas, daß der alte Zwinkerer tat (oder unterließ zu tun) ohne Grund geschah... und ohne sein Einverständnis.

Es war das Schnauben des Kräuterkundemeisters im Hintergrund, daß Harry in Bewegung versetzte. Harry starrte mit erstaunlich bissiger Miene zurück und ließ sich zurück in seinen gepolsterten Sitz fallen, holte tief Atem und versuchte ruhig zu bleiben. Er konnte seinen Besen immer noch reiten. In der Mannschaft zu sein, würde sowieso viel zu viel Zeit kosten. Es paßte ihm ganz gut, daß er nicht mehr spielen würde. Wirklich, aber ein lebenslanger Bann... nur wegen dieser dummen Kuh Umbridge und einem Narren von einem Minister. Scheiße!

„Du darfst deinen Feuerblitz natürlich behalten und während der dafür veranschlagten Stunden während der Wochenenden fliegen, wie alle anderen Schüler, die nicht Teil der Quidditch-Mannschaften sind.

Harry sagte nichts, aber sein Kiefer war so fest zusammengepresst, daß seine Zähne anfingen zu schmerzen. Er wurde jetzt wirklich wütend – und versuchte es nicht zu sein. Er konnte seinen Feuerblitz behalten? Hatter der Mann vollständig den Verstand verloren? Natürlich würde er seinen Feuerblitz behalten, er würde ihn behalten, selbst wenn es das einzige war, daß Voldemort töten konnte. Er verzog das Gesicht. Wahrscheinlich würde Harry es in diesem Fall weggeben. Aber wirklich! Ihm war erlaubt seinen Feuerblitz zu behalten!

„Vielen Dank, Sir," presste Harry höflich hervor, versuchte aber nicht das Blitzen seiner Augen zu verbergen. Er wünschte wirklich, daß er das Büro einmal mehr zerstören konnte. Dummer alter Mann. „Ich würde meinen Besen wirklich gern behalten. Es ist das erste, was Si... Sirius mir... jemals geschenkt hat." Der Stotterer beim Namen seines Patenonkel war nicht sehr falsch, als er dem alten Zwinkerer den Köder hinwarf, auf den er gewartet hatte, seit Snape ihn so zuvorkommend zu seinem Büro begleitet hatte. Es war Zeit zum Kern der Sache zu kommen. Der Mann ging ihm auf die Nerven und Harry wußte nicht, wie lange er sein Denken ruhig und ihnen ein Schritt halten konnte – selbst wenn es nur ein oder zwei Zentimeter waren.

Dumbledore schien für einen Moment nachzudenken, dann musterte er Harry mit offener Sorge.

„Wie fühlst du über deine Patenonkel? Über Sirius?" fragte er leise und Harry dachte, daß die Männer hören mußten, wie seine Zähne knirschten. War der alte Mann nicht ein neugieriger alter Mann? Eckte er nie bei jemandem an, um zu wissen wann es unhöflich war, jemanden weiter auszufragen? Er sollte etwas Verständnis dafür haben zu wissen wenn er aufhören sollte. Harry lächelte schief, versteckt vor neugierigen Augen, während er zu Boden blickte. Dem alten Mann zu sagen, daß er von ihm aus in den See springen konnte, trieb die Dinge für Harry ein bißchen zu weit, obwohl er eher mochte, wie die Dinge in seinem Kopf ausspielten. Er würde sich damit zufrieden geben, sich schuldig zu fühlen und wütend auf Dumbledore zu sein, dafür, daß er sein schlechtes Gewissen ausnutzen wollte – sehr wütend.

„Halten Sie mich für blöd?" Harry ballte seine Fäuste. „Ich weiß sehr gut, daß es mein Fehler ist." Teilweise, dachte Harry und seine Augen verengten sich. Nur für einen Teil und nicht einmal den größten Teil, den schwerwiegensten Fehler hatte der alte Mann selbst zu verantworten. „Sie müssen es mir nicht noch unter die Nase reiben, Sie alter Bastard!" Harry erlaubte sich diesen kleinen Ausrutscher. Er wollte ihm das schon immer aufs Gesicht zu sagen. Sein Gesicht rot vor Wut ließ Harry seinen Gefühlen freien Lauf. „Können Sie sich nicht aus meinem Leben raushalten? Ich brauche Sie nicht, um noch mehr darin herumzupfuschen! Sie haben genug getan, daß es mir für alle Lebzeiten reicht! Sehr vielen Dank, Sir, aber ich glaube wirklich nicht, daß es Sie irgendetwas angeht!" Die Bilder an der Wand begannen zu scheppern. Etwas so ähnlich wie Bedenken trieb durch das Band.

Plötzlich wich die Luft aus Harry und er sackte völlig in sich zusammen und blickte zu dem alten Mann auf, der gelassen an seinem Limonendrops lutschte und ihn beobachtete. „Es tut mir leid, Direktor," sagte Harry so sanftmütig wie er es zustande brachte. „Das war unabgebracht." Er verzog das Gesicht, aber nicht wegen dem, was er gesagt hatte. „Ich entschuldige mich, daß ich beinahe die Kontrolle verlor – schon wieder. Es tut mir leid, Sir." Es war schwer – wirklich schwer – Gefühle vorzuspielen, die zum größten Teil wirklich vorhanden waren. Harry weigerte sich jedoch, sich für irgendetwas, das geschehen war, schuldig zu fühlen. Es gab kein Schuldgefühl. Nur Entscheidungen und deren Konsequenzen. Schuldgefühl war ein Traum. Harry seufzte.

Er mochte ein Gryffindor sein und – nur vielleicht – sogar eine etwas längere Leitung haben, einige Dinge klar zu sehen, aber eine Tatsache war ihm bewußt – es gab keine Schuld, die er zu tragen hätte. Sirius war ein erwachsener Mann mit schnell aufloderndem Temperament gewesen – ein gutes Stück wie Ron. Er sollte sich der Konsequenzen bewußt sein, die damit einhergingen wenn man sich kopfüber in etwas hineinstürzte. Gewiß hatte Harry teilgehabt an einigen nicht sonderlich gut durchdachten Dingen, die ziemlich schlimm endeten, aber das würde nicht noch einmal passieren. So lang wie Harry sicherging, daß er weiterleben konnte und würde

mit seinem Patenonkel als ständige Mahnung, daß für manche Entscheidungen – ob richtig oder falsch – man einen Preis zahlen mußte, der nicht die Mittel rechtfertigte, seine Entscheidung überhaupt in die Tat umzusetzen; obwohl einige andere ihren Preis wert waren – egal wie hoch. Harry wollte nicht wirklich über Sirius nachdenken – oder über seinen Tod! Nicht jetzt, und nicht bis er irgendwo war, wo es sicher war. Harry, der den Tod seines Patenonkels betrauerte, war echt; und der echte Harry hatte keinen Platz in dieser Unterhaltung. Irgendwo tief in ihm drinnenwollte er noch immer um seinen Verlust weinen, auch wenn seine Gefühle wie ein doppelschneidiges Schwert waren und es bis zu seinem eigenen Tod auch bleiben würden. Er schüttelte seinen Kopf.

„Ich möchte Ihr Büro wirklich nicht wieder zerstören." Harry schnitt eine Grimasse. „Ich meine, ich wollte es schon beim ersten Mal nicht tun. Ich war einfach nur... Es tut mir leid." Er wrang seine Hände in seinem Schoß. Genau wie er etwas brauchte, womit er sich beschäftigen konnte, würde der alte Mann ein paar Reaktionen von Harry brauchen, falls er sein... Vertrauen – oder was auch immer – zurückerlangen wollte.

Harry glaubte, daß er den kleinen, schuldbewußten Gryffindor, abhängig von Dumbledore's Gunst (trotz allem) ganz gut rüberbrachte. Dennoch konnte er nicht sagen, wie der Direktor seinen kleinen Ausbruch aufnahm, da der alte Mann noch immer fröhlich vor sich hin strahlte. Vielleicht hatte er ihm jedoch seinen Akt abgekauft. Harry konnte wenigestens hoffen, selbst als er fachgerecht die ungläubige und ganz und gar angeekelte Miene auf des Professors verhärmtem Gesicht ignorierte, als Harry ihn aus dem Augenwinkel musterte. Das Band gab nur Mißtrauen preis; aber das hier war im Interesse des Direktors, Snape würde zu gegebener Zeit sein eigenes Schauspiel bekommen.

„Es ist in Ordnung, Harry. Du hast eine schwere Zeit gehabt." Der Junge betrachtete seine Hände. „Du mußt nicht darüber sprechen." Harry blickte auf. Mußte er nicht? Das wäre mal was neues; aber irgendwo in seinem Hinterkopf registrierte er, daß Dumbledore ihn nicht von der Idee abbrachte, daß der Tod seines Patenonkels in der Tat nicht sein Fehler war. Harrys Augen verengten sich unwillkürlich.

Also das war seine Strategie! Als erstes bring den dummen Jungen dazu, seine Gelassenheit zu verlieren, dann bring ihn dazu, wütend auf dich zu sein; wandle seine Wut in Schuldbewußtsein – laß ihn sich schuldig fühlen, überhaupt auf dich wütend zu sein – und danach, wenn der ignorante kleine Kerl beginnt dankbar zu sein, nicht weiter über sein schlechtes Gewissen befragt zu werden, fang damit an, ihn über die Dinge zu befragen die für dich von wirklichem Interesse sind. Letztlich, wenn der emotional unausgeglichene Teenager sich selbst mit Vorwürfen auffrißt, seinen Patenonkel in den Tod geführt zu haben (es mußte wahr sein, wenn selbst Dumbledore so zu denken schien), laß des Jungen eigenes Bewußtsein zu deinem Vorteil arbeiten, um seine Zurückhaltung über jegliches Thema zu reden (das dich interessiert) zunichte zu machen, solange er das Thema seines Patenonkels vermeiden konnte. Herzloser Mistkerl! Selbst Snape schien ein wenig abgestoßen wenn das Band zwischen ihnen ein wahres Anzeichen gab, obwohl Harry bezweifelte, daß er eine echte Reaktion sehen würde, sollte er sich umdrehen, um den Mann anzusehen. Nichtsdestotrotz gab es Harry ein bißchen seiner Gelassenheit zurück.

„Ich danke Ihnen, Sir." Harry nickte mit einem schmerzerfüllten Lächeln. „Ich weiß das wirklich zu schätzen." Aus dem Fenster direkt hinter dem alten Mann blickend, nahm Harry einen tiefen Atemzug und lehnte sich zurück. Sollte der Sturm draußen wüten, Harry würde es nicht tun.