Kapitel 29 – Niemals Aufgeben

Mit gefurchter Stirn und vor Ärger zusammengepressten Kiefer blickte Harry absichtlich am Direktor vorbei und beobachtete wie der Sturm draußen mehr und mehr Kraft ansammelte, darauf wartend den Turm auseinander zu reißen. Es wäre nicht einfach den Schnatz in einem Unwetter wie diesem zu fangen, aber nichtsdestotrotz würde Harry sie ihren Schnatz weiterjagen lassen. Es würde ihm genug Zeit geben seinen eigenen zu fangen wenn niemand hinsah, obwohl er sie zuerst freisetzen mußte.

Sich etwas entspannend ohne es sichtbar zu machen, war Harry niemand, der einen Augenblick der Ruhe an sich vorbeiziehen ließ. Achtsam nutzte er die Zeit, um seine Gedanken zu ordnen und – während er einen tiefen und beruhigenden Atemzug nahm als eine Sturmböe nach der anderen das Schloß mit einem wütenden Heulen traf – um die Barriere um den winzigen und versteckten Bereich in seinem Kopf, der die Seele und Essenz dessen hielt was einmal Voldemort gewesen war, zu verstärken.

Harry mußte kontinuierlich von seinen Energiereserven zehren, um Toms Gefängnis intakt zu halten. Er tat es jetzt beinahe unbewußt, aber Harry wurde sich dessen wieder gewahr, als Tom gegen die magischen Wände rannte. Er spürte die Energie durch seinen Körper strömen; und er wußte, daß er nicht genug Kraft hatte, um für immer die Magie auf diese Weise einzusetzen. Es zehrte an seinen Reserven und die Erschöpfung wurde mit der Zeit nur schlimmer. Der unaufhörliche Strom von Magie, den Harry durch sich fließen ließ, um Tom dort festzuhalten wo er war, hatte nur einen – nun ja, zwei – Vorteile. Erstens, den offensichtlichen – Tom war sicher verwahrt; zweitens, Harry wußte sofort wenn Tom sich aufmachte, etwas neues im Schilde führte. Harry wußte immer, was Tom gerade tat. Nicht, daß er wirklich mit ihm reden konnte oder seine Gedanken las, aber wann immer Tom... entschlossener wurde, spürte Harry es und wußte, daß Tom wieder versuchte ihn zu überrumpeln. Es schien ähnlich zu funktionieren wie die Verbindung, die er über das Dunkle Mal hatte, seit Hogwarts den größten Teil von Harrys Magie genommen hatte. Harry musterte den alten Mann nachdenklich. Er hätte gern gewußt, was Dumbledore dachte das das Schloß tat, oder ob er sich des Schlosses überhaupt bewußt war.

„Sie werden mir nie glauben, oder?" Harry wartete mit fest geballten Fäusten. Mit ein wenig Mühe kam sein Atem in kurzen und abgehackten Zügen. Niemals den alten Mann aus seinem wütenden Blick freigebend, versuchte er in Gedanken zu behalten – sei zornig, aber nicht zu sehr; unverfroren, aber nicht über die Maßen; schuldbewußt, aber nicht übertrieben; neugierig, aber nicht aufdringlich – einen Höllenjob hatte er sich da auf die Schultern geladen. Nur als der alte Mann ihn erwartungsvoll anblickte, den Gryffindor dazu drängte, etwas zu sagen, sich zu erklären, sprang Harry Kopf voran in den Abgrund und atmete tief durch während er fiel. Er rief sich den ganzen Groll ins Gedächtnis, der direkt unter der Oberfläche schwelte.

„Warum muß ich immer derjenige sein, der Ihnen alles zu erzählen hat? Warum bin ich hier, wenn Sie mir sowieso nicht glauben was ich sage?" platzte aus Harry hervor, was er schon vor Monaten hatte loswerden wollen (wenn auch leicht abgewandelt), doch nicht ein einziges Mal verlor er die Kontrolle. Er wußte noch immer, was er tat. Es war Zeit für die zweite Runde. „Sie nehmen, was Sie brauchen und nützlich finden; zu allem anderen nicken Sie bloß, eh Sie es wegwerfen ohne auch nur einen Blick drauf geworfen zu haben. Ich habe Ihnen gesagt, daß ich, bis auf diese eine, keine Vision hat." Harry hielt die Tasse so fest umklammert, daß das kleine Stück Porzellan in seiner Hand bebte.

„Sie sagen, daß ich vielleicht Recht habe und Sie danken mir dafür, daß ich es ihnen erzählt habe – und im selben Satz noch zweifeln Sie alles an und lassen es klingen als wäre ich halb verrückt, ihnen so etwas zu erzählen. Nur weil Sie wollen, daß ich diese dämlichen Stunden in Okklumentik nehme, die schon beim ersten Mal nicht geholfen haben!" Harry zwang sich, den Griff um die winzige Tasse zu lösen. „Ehrlich, sie haben alles schlimmer gemacht! Aber kümmert es Sie? Nein! Nicht einmal jetzt! Sie nicken und sagen alles ist in Ordnung und dann machen Sie, was Sie immer tun." Harry mußte mit sich kämpfen, um seine Teetasse zu balancieren, ohne zu plämpern. Er atmete tief durch.

"Ich will nicht – und werde nicht – von einem voreingenommenen, arroganten kleinen... Professor Unterricht in Okklumentik nehmen, wenn er nicht einmal seinen Kopf lang genug aus dem Gulli ziehen kann, um zu erkennen, daß es niemanden einen Dreck kümmert was er denkt oder tut oder nicht tut!"

Aus reinem Instinkt presste Harry seine Magie nach außen, als die Verbindung zum Dunklen Mal zu einem flüssigen Feuer aus Zorn anschwoll. Harry hatte keine Ahnung, wie er das schaffte, aber was auch immer es war, es ließ das Gefühl, das seine Haut in Flammen stand, zurückgehen; und es zog die mentalen Barrieren, die er errichtet hatte, enger zusammen als je zuvor. Harry fühlte Tom gegen sie vor Wut toben, als die Wände ihn in die Enge trieben. Mit jedem Herzschlag wurde das Atmen schwieriger.

Harry drehte sich nicht zum Professor um, aber eine scharfe Geste und ein bedeutungsvoller Blick von Dumbledore zu dem Punkt direkt hinter Harry, an dem sich all die Wut zentrierte, ließ ihn glauben, daß er einen Moment länger leben würde. Vielleicht war er ein wenig zu unverfroren gewesen. Er sollte den Mann nicht allzu sehr reizen. Zeit für einen Themenwechsel. Harry hoffte, daß der alte Mann und sein... Schoßhund aufnahmefähig genug waren, um zu verstehen, was Harry gleich zum besten gab, ohne zu viel nachzufragen.

„Ich sage es wieder, Sir. Ich hoffe Sie hören zu. Ich hatte keine andere Vision." Schmale Augen funkelten wütend und vorwurfsvoll. Dumbledore sagte nichts. Seine Miene war unleserlich und gab nichts preis, nicht einmal ein Zwinkern. Wenn Wut nicht funktionier, dann würden vielleicht Traurigkeit und Enttäuschung die Nachricht rüberbringen.

„Warum glauben Sie nichts was ich sage?" Mit einer Aura des Bedauerns zog Harry seiner Tasse näher zu sich heran und musterte sie für einen ruhigen Augenblick. Als er wieder aufsah, waren Kummer und ein leichter Ausdruck der Akkzeptanz gegen das Unvermeidbare klar erkennbar auf seinem Gesicht abzulesen. „Ist Voldemort alles das Sie interessiert? Geht es Ihnen nur darum, was ich in den Gedanken der Schlangenfresse gesehen habe?" Harry ließ es wie eine Frage klingen – aber auch nicht. Der Tee in seiner Tasse schwappte auf seine Robe und ließ ihn vor Schmerz scharf einatmen, als die heiße Flüssigkeit durch seine Hose drang.

Mit so viel Vorsicht wie Harry in seiner gegenwärtigen Lage aufbringen konnte, stellte er die Tasse sicher auf Dumbledores Schreibtisch ab; und so bald seine Hände frei waren, ballten sie sich zu Fäusten bis die Knöchel weiß hervortraten – nicht um seine Emotionen auszudrücken, sondern um den Schmerz, der seinen Schädel spaltete zu unterdrücken. Ein ungelegenes Echo von Toms neuestem Versuch jetzt zu bkommen was er wollte, wenn es wirklich nicht hätte unwillkommener sein können; oder vielleicht war der ehemalige Lord einfach nur klaustrophobisch.

„Können Sie mich nicht einmal ernstnehmen?" Harry seufzte schwer und sein Blick floß über mit tief empfundenem Verrat. „Ist es zu viel verlangt?" Dumbledore musterte ihn schweigend, abschätzend; und das brachte die Wut mit voller Kraft zum Gryffindor zurück, jetzt, wo die Teetasse nicht mehr in Gefahr war aus Versehen in Stücke zu brechen.

„Es geht hier um mein Leben!" Harrys Blick sprühte Funken, als der alte Mann letztlich Worte fand und seinen Mund öffnete, doch Harry war schneller. „Ich habe Ihre blöde Prophezeiung nicht vergessen! Ich werde schon nicht weglaufen! Wohin sollte ich denn rennen? Hä?" Harry hob herausfordernd das Kinn, ehe er seinen Standpunkt klarmachte. „Aber es ist mein Leben! Und ich mag es wirklich nicht, wenn Sie damit herumspielen, als würde es Ihnen gehören! Es ist meins!" fuhr Harry den Direktor in all seiner feurigen Gryffindor-Glorie an. Er nahm die Empfindungen durch das Dunkle Mal nicht einmal mehr war – Schmerz überlagerte alles meisterhaft.

Harrys Aufmerksamkeit war gleichmäßig aufgeteilt, um seinen Verstand und Mund bei der Unterhaltung zu halten und Tom mit seiner Magie festzuhalten; obwohl letzteres nicht so schwer zu erreichen war wie zuvor. Dennoch tat es höllisch weh. Entweder versuchte Tom nicht mit aller Kraft auszubrechen, oder Harrys Kontrolle über das bißchen Magie, das er zu seinem Gebrauch übrighatte, war besser als er vorab geglaubt hatte. Die Einmischung des Schlosses hatte ihm genug Magie gelassen, um zu tun was notwendig war (für jetzt), aber nicht genug, um abgelenkt zu werden und die Kontrolle zu verlieren.

Wie auch immer, vielleicht war es genug, daß Harry beinahe darauf gewartet hatte, daß Tom sich meldete. Vorbereitet zu sein und darauf zu warten, daß etwas Bestimmtes passierte, war vollkommen anders, als vor Überraschung in den Boden getrampelt zu werden. Trotz seiner Kopfschmerzen fühlte sich Harry nicht halb so schlimm wie in der Winkelgasse. Der Schmerz war auszuhalten – gerade so; und er mußte sich um wichtigere Dinge kümmern. Vielleicht war das ein weiterer Grund, warum er seine Schilde so viel leichter als am letzten Tag aufrecht halten konnte, grübelte Harry, während er seinen Atem für die nächste Runde sammelte; den Schmerz ignorierend, der durch seinen Körper wogte. Er hielt seine Magie in Habacht, bereit sie wie einen Hammer auf Tom niederfahren zu lassen, sollte es notwendig werden. Jetzt jedoch ließ er erst einmal einen Hammer auf den alten Kauz fallen.

„Ich dachte, Sie hätten gesehen, was passiert wenn ich die Dinge allein machen muß. Ich dachte, jetzt würden Sie mir sagen, was los ist." Harry lief mit offener Wut vor dem Schreibtisch auf und ab. Drei Schritte in eine Richtung und drei Schritte zurück, während er zu sich selbst murmelte. „Es ist ja nicht so, als ob ich nicht weiß, was los ist." Harry hielt abrupt direkt vor dem Rektor, starrte in die matt funkelnden Augen so gekränkt und schuldbewußt und vorwurfsvoll wie er konnte. „Wenn ich gewußt hätte, daß die Vision wichtig ist, hätte ich sie Ihnen erzählt. Ich hätte Ihnen gleich nach... letztem Jahr gesagt, das Voldemort die Absicht hatte, seine... Bekanntschaft von einigen seiner alten... Freunde zu erneuern." Harry verzog schmerzhaft das Gesicht und startete seinen rastlosen Weg – hin und her – erneut.

„Sie sagen mir nichts von dem was wichtig ist. Ich dachte, Sie wüßten es. Ich habe es wirklich geglaubt." Aus dem Augenwinkel sah Harry wie sich Snapes Augen weiteten; und Dumbledore saß ein wenig aufrechter gegen die Rückenlehne seines Stuhls. „Ich dachte, der Orden weiß bereits, daß Voldemort geplant hatte, sich für einige Zeit still zu verhalten, daß er das Ministerium von innen heraus unterwandern wollte, ehe die Panik in der Zaubererwelt zu neuen Höhen aufsteigt und er seinen... Krieg beginnt. Ich dachte, ihr alle wüßtet das bereits. Woher sollte ich wissen, daß Sie es nicht wußten?"

„Was hast du gerade gesagt, Potter?!" Das Band grellte mit äußerstem Zorn ins Bewußtsein. Es war der Tränkemeister, völlig entgeistert von dem, was der Junge gerade in einem Augenblick der... Rage enthüllt hatte, der Harrys konstantes Gemurmel unterbrach. Mit offenem Mund stoppte der Junge inmitten etwas das schien wie totaler Kontrollverlust – nicht von Zauberkraft, sondern von seinem Mund; obwohl Harry sorgsam darauf achtete, nicht in Armreichweite des Professors zu kommen, während der Mann seine Worte verarbeitete.

„Haben Sie nicht zugehört, Professor?" Harry spuckte den Titel förmlich. Er kümmerte sich nicht darum seine Gefühle zu verstecken. Seine Stimme klang nicht annähernd so freundlich wie die Leute außerhalb des Büros es gewohnt waren. Es hatte nichts damit zu tun, daß er ein Gryffindor war, aber alles damit, unfähig zu sein, alle Emotionen die er fühlte zu unterbinden. Jetzt, seit dem Augenblick, in dem er sich auf Snape konzentrierte, war die Verbindung zum Dunklen Mal wieder spürbar und Harry konnte sie nicht wieder verschwinden lassen. Es gab nichts, was Harry gegen seine eigene Reaktion auf den weiß glühenden, heiß brennenden Zorn tun konnte, der von zwei Seiten gleichzeitig auf ihn einstürmte – Snape und Tom; und alles auf ihn gerichtet. Mit jedem von ihnen allein kam Harry zurecht, aber gegen beide auf einmal mußte er kämpfen, um die Kontrolle zu behalten. Dennoch, unter solchen Umständen war es nicht schwer ein emotionell unausgeglichener Jugendlicher zu sein. Harry versuchte etwas Positives in all dem zu sehen was geschah, aber irgendwie funktionierte das auch nicht richtig.

Das dumme Schloß nahm das meiste seiner Kraft aber ließ ihn, um sich mit Tom zu befassen. Als ob Snape und Dumbledore nicht genug wären, um ihn geschäftig zu halten. Harrys Augen verengten sich in Konzentration. Seine eigene Wut von Snapes Zorn und Toms Rage getrennt zu halten, kostete ihn das meiste seiner Energie; während sein Kopf hämmerte, als kenne es kein Morgen. Sein Sichtfeld schien mit jedem Atemzug zu schrumpfen und das Blut dröhnte wie Donner in seinen Ohren direkt im Einklang mit dem pulsierenden Band des Mals, das er nicht davon abbringen konnte, mehr und mehr Emotionen zu schicken, jetzt, wo Snape nicht mehr über ihn nachzudenken schien sonder über die Information und was es für die Sache bedeutete. Sorge war da und Unglauben, und etwas daß sich anfühlte wie fest unterdrücktes Erstaunen gemischt mit... wissendem Respekt, obwohl Harry nicht sagen konnte wofür. Er war sich jedoch sicher, daß der Mann alles vermasseln konnte. Harry starrte den Professor düster an. Er konnte sich nicht erlauben, sich von Dingen ablenken zu lassen, die sein könnten.

„Ich wiederhole gern alles," stieß Harry mit einem spöttischen Grinsen hervor. „Voldemort hat geplant diese Zauberer zu benutzen. Er braucht sie... und ich dachte Sie wüßten es." Das Band fühlte sich an wie ein Loch in seinem Kopf und der bohrende Blick den er so trotzig erwiderte war wie gefrorenes Feuer. Harry zuckte zusammen, als Dumbledore sich räusperte.

„Und woher weißt du das, Harry?" Dumbledores Augen schienen an ihm festgeklebt, seine Stimme verdächtig frei von Gefühl. Der Limonendrops war seit langem schon in Stücke gebissen – schon wieder.

„Aus der Abteilung für Mysterien," sagte Harry, sein Ärger wie weggeblasen. Die letzten Worte nur geflüstert, weil es zu schmerzhaft war, sie laut auszusprechen. Harry beschäftigte sich mit einem losen Faden am Ärmel seiner Robe, während die Männer weiterverfolgten, was er angedeutet hatte. „Als... als Voldemort..." Harry holte tief Luft und hetzte vorwärts: „Als Voldemort mich in der Abteilung für Mysterien besessen hat..." Harrys Stimme brach und er schüttelte den Kopf als zu verjagen was auch immer an Gedanken durch seinen Kopf ging.

„Ich werden nicht den ganzen Tag herumsitzen und Ihnen von Folterungen und Treffen und... diesen anderen Dingen erzählen, die ich in seinem dämlichen Kopf sah, als er von mir Besitz ergriffen hat. Selbst jetzt glaubt die halbe Zaubererwelt schon, daß ich verrückt bin." Seine Augen funkelten vor unterdrückten Emotionen, als Harry weiterhin energisch seinen Kopf schüttelte. „Falls ich etwas gewußt hätte, daß von Bedeutung ist, hätte ich es Ihnen erzählt – sogar letztes Jahr, glauben Sie mir, Sir, aber ich bin nicht so wild darauf, mich daran zu erinnern, was in Voldemorts Kopf vorgeht, um alles wieder und wieder durchzukauen, nur weil es möglich ist. Ich kann nicht, Sir!" Harry seufzte, ein leichtes Beben in seiner Stimme. „Ich weiß, Sie denken, daß es wichtig sein könnte, aber das meiste war einfach nur... blutig, Sir, wirklich blutig." Harry gab Dumbledore nicht die Wahl, seiner Gedanken Stimme zu verleihen.

„Was immer Sie sagen, es sind meine Erinnerungen. Ich werde nicht zulassen, daß irgendjemand sie ansieht, und ich mag keine Denkarien." Dabei blickte Harry direkt zum Tränkemeister, der tief in seiner Kehle knurrte und die Fäuste ballte – das erste sichtbare Zeichen, daß der eingebildete Bastard überhaupt etwas fühlte. „Ich werde die Erinnerungen dort behalten wo sie sind, bis sie gebraucht werden." Harry versuchte glaubhaft dreinzuschauen. „Ich schwöre, ich werden Ihnen erzählen, was immer nötig ist, wenn es wichtig für... für die Sache ist."

Es blieb unausgesprochen, daß Dumbledore selbst Harry über alles auf dem Laufenden halten müßte, da der Junge andererseits kaum in der Lage wäre zu entscheiden, ob seine Informationen tatsächlich wichtig sein könnten; und selbst dann könnte Harry einfach sagen, daß sie es nicht waren und Dumbledore könnte nichts anderes behaupten, wollte er Harry Potter nicht aufs Gesicht zu einen Lügner nennen. Information für Information, daß war das Spiel, wie sie es dieses Jahr spielen würden. Nicht alles für nichts, nicht mehr.

Jetzt waren sie sich gewahr, daß Harry mehr Informationen hatte als er ihnen jemals erzählt hatte. Sie wußten, daß er keinem von ihnen traute, oder er würde etwas wie das viel früher zur Sprache gebracht haben – und nicht nur wenn er auf der Höhe seiner Wut ausholte. Sie würden glauben, es wäre ein Schritt zurück in ihrem Kampf gegen den Dunklen Lord – das Vertrauen ihres prophezeiten Retters zu verlieren war in der Tat besorgniserregend; aber es war richtig, daß sie zu Harry Potter kommen sollten, nicht andersherum. Wenigstens würden sie jetzt anfangen sich zu fragen was er sonst noch aus Voldemorts Kopf herausgeholt hatte, als dieser schlangengesichtige Mistkerl versuchte seinen Körper zu übernehmen – oder was Voldemort aus Harry herausgeholt hatte. Außerdem würde es jegliche kleineren Fehler abdecken, die ihm möglicherweise in Zukunft unterlaufen würden. Für den Rest mußte Harry einfach sichergehen, daß er nicht einen schwerwiegenden Lapsus beging.

Beide Männer schienen damit beschäftigt, über Harrys Enthüllung nachzudenken. Niemand war gewillt das Schweigen zu durchbrechen, daß so plötzlich über den Raum gesunken war.

„Es tut mir wirklich leid, Harry, daß du denkst, ich dir so Unrecht zugefügt habe." Dumbledore nickte traurig und musterte den Gryffindor ernsthaft. „Es war niemals meine Absicht, daß du dein Vertrauen in mich anzweifelst. Ich wollte nicht, daß du die Hoffnung verlierst und die letzte Zeit für dich ein Kind zu sein. Ich versuchte zu tun, was ich glaubte, wäre das Beste für dich." Der alte Mann sprach langsam in einer tragenden Stimmer, als wolle er sichergehen, daß Harry auch verstand, was er sagte. Wo der Junge doch in seinen aufgewühlten Emotionen regelrecht unterging.

„Mein Vertrauen in dich ist vorbehaltlos, Harry, obwohl ich nicht immer in der Lage bin es so zu zeigen wie du dir erhoffst." Es war offensichtlich, daß der Mann auf Harrys Reaktion wartete, aber der Gryffindor sagte nichts. Es starrte nur geradewegs zurück, Trotz glitzernd in seinen Augen. Dumbledore seufzte.

„Du bist dir bewußt, daß der Krieg erbitterter wird. Die sich gegenüberstehenden Kräfte sammeln sich sogar jetzt während wir hier sprechen und werden stärker als sie es vor Jahren waren. Das Schicksal der ganzen Welt wird in den folgenden Monaten und vielleicht Jahren entschieden werden. Das du in der Mitte der Schlacht um den Frieden stehst, den unsere Leute so ersehnen, ist weder deine noch meine Wahl, aber es ist prophezeit, daß du dort sein mußt und ich werde dich dort sehen, Harry, unter allen Umständen." Das Funkeln in seinen Augen war wie eine Klinge so hart wie ein Diamant und tödlich. „Aber ich vertraue darauf, daß du das Beste für unsere Welt willst und mit all deinen Fähigkeiten dafür eintrittst. Bezweifle niemals meinen Glauben in dich, Harry."

„Ja, Sir. Danke." Harry schluckte und nickte schwach. Er hatte seine Zweifel und ‚unter allen Umständen' klang in seinen Ohren nicht gut. Es wäre nett, hätte er endlich das Vertrauen, das er wollte und brauchte. Die einzige Kehrseite war, daß Harry keine Möglichkeit hatte zu entscheiden ob dieser sogenannte Glaube aus echtem Gefühl gegeben war oder nicht nur ein Versuch ihn zu verlocken, sich sicher zu fühlen. Es konnte genauso gut eine List sein. Spielten sie ihn aus gegen... was? Der alte Kauz würde sein Vertrauen nicht so einfach zurückbekommen, falls überhaupt. Es war Zeit für ein paar Antworten, selbst wenn Harry die meisten bereits kannte – und dem Direktor nicht traute zu sagen, was er wirklich hören mußte. Gab es einen besseren Zeitpunkt diesen scheinbar unbedingten Glauben in Harry Potter zu testen?

„Sir, ich habe einige Fragen." Mit vorsichtigem Stirnrunzeln blickte Harry zu dem alten Mann auf.

„Schieß los, Harry." Der Mann zwinkerte und lutschte an einem seiner zahllosen Limonendrops. „Ich bin sicher, wir können Licht in deine dunkle Halle bringen."

„Ähm... ja, Sir." Harry rutschte unruhig hin und her, ungewiss womit er starten sollte. „Ich habe Schüler über einige... seltsame Dinge reden gehört, die mit ihrer Magie geschehen sind." Harry neigte zweifelhaft seinen Kopf. „Können Sie mir sagen was das war?" Er hörte sich unsicher an, ob er den Worte des Direktors glauben sollte und nun versuchsweise das Vertrauen austestete, daß ihm angeblich gegeben wurde.

„Ich glaube, du meinst diese magische Explosion," sagte Dumbledore nach einem Augenblick des Nachdenkens und einem verstohlenen Nicken zu seinem Tränkemeister. „Es war ein wirklich unglaubliches Ding, da solche Geschehnisse selten vorkommen und nur wenn sehr viel magische Kraft vorhanden ist, sie anzuheizen. Ich glaube," Dumbledore blinzelte, „das Der Tagesprophet eine komplette Ausgabe voll von... interessanten Möglichkeiten bot, warum und wie etwas wie dieser Ausbruch aus dem Nichts heraus geschehen konnte. Immerhin spürte es jede Hexe und jeder Zauberer in der Umgebung."

„Ich hab gar nix gespürt." Dumbledore musterte ihn abschätzend, sagte aber nicht das offensichtliche: ‚Es geschah während du verschwunden warst.'

„Wo wir dabei sind, Sir, was ist eine... magische Explosion? Ich habe niemals zuvor etwas wie das erwähnt gehört." Harry traf den Blick mit fragender Miene, doch er versteckte nicht den anhaltenden Mangel an Vertrauen.

„Diese Frage ist einfach zu beantworten, Harry." Der alte Mann sandte einen weiteren verstohlenen Blick zu seinem Tränkemeister; und dieses Mal war Harry weit genug umgewandt, um aus dem Augenwinkel die erhobene Braue zu sehene, die der Direktor als Antwort erhielt. Das Band gab überhaupt nicht viel Informationen her. Haß war da und Besorgnis. Harry runzelte die Stirn; nicht Besorgnis, sonder wirklich extremer Widerwillen, obwohl Snape nicht hinterfragte was immer Dumbledore von ihm verlangte – wenigstens nicht vor einem Schüler und niemals vor einem Potter. Harry wandte seine Aufmerksamkeit wieder dem Direktor zu.

„Eine magische Explosion ist genau das, was der Name besagt." Harry rollte mit den Augen. „Es ist ein Ausbruch von Magie, der auftritt wenn zu viel Energie innerhalb eines zu geringen Zeitraums freigesetzt wird. Es geschieht meistens aufgrund der Einmischung allzu ehrgeiziger Zauberer in das natürliche Gleichgewicht der Energie, aber es kann ebenso geschehen, wenn sich zu viel Energie an Plätzen ansammelt, die besonders empfänglich für Magie sind." Dumbledore lächelte großväterlich als er Harrys verwirrten Blick sah. „Es ist ganz einfach, Harry. Nimm zum Beispiel die Winkelgasse. Es ist ein wirklich magischer Ort. Jedes Geschäft ist gefüllt mit Maige, jede Person, die durch die Straßen läuft ist erfüllt mit Magie. Laß uns annehmen, daß alle Zauberer und Hexen der Welt zur gleichen Zeit dorthin apparieren würden – ganz außer Acht lassend, daß sie alle dort niemals hineinpassen würden – es würde den Platz mit zu viel Energie überladen und die Magie würde... explodieren. Ganz ähnlich zu der, die während des Sommers ihre Wellen über das Land geschickt hat."

„Dann war es aber nicht genauso?" Das war nun wirklich neue Information für Harry.

„Wie ich sagte, Harry, die meisten dieser Ausbrüche finden statt, wenn ein Zauberer dort eingreift, wo er nichts zu suchen hat."

„Oh, Sie meinen... Voldemort?" Harry Augen weiteten sich. "Aber wie hat er das getan?" Gryffindors waren natürlich neugierig. Er mußte Fragen stellen, unschuldig, wenn er gerade darüber redete, worin er am meisten interessiert war – und es war weit genug weg von dieser Vision, die er niemals gehabt hatte oder von den Geschehnissen in der Abteilung für Mysterien. Er mußte sie nicht auf den Gedanken bringen, daß er mehr zu verbergen hatte, als sie bereits vermuteten.

„Wir wissen es noch nicht, Harry." Er blickte hart auf Harry hinab, als entscheide er, was er ihm sagen konnte. „Es könnte gut sein, daß Voldemort ein Ritual durchgeführt hat, gewiß eines der dunkelsten. Es mag gut sein, daß es lediglich der Rückstoß war, den wir spürten als was immer er ins Leben rief, erwachte."

Harry blickte zweifelnd. „Also gibt es ein... Monster oder so, daß jetzt irgendwo herumläuft?" Er konnte den Spott fühlen, mit dem Snape seinen Rücken durchbohrte. Was er durch das Dunkle Mal empfing schien anzudeuten, daß Snape sich kaum davon abhalten konnte, Harrys naive Stupidität zu kommentieren. Dank Merlin für großväterliche Direktoren. Harry blinzelte fragend.

„Nicht notwendigerweise ein Monster, Harry." Dumbledore lächelte nachsichtig. „Manchmal ist es genug ein Ding in etwas anderes zu verwandeln." Harry wunderte sich, was jetzt kam. Tom hatte sich beruhigt und der Schmerz in seinem Kopf war etwas Erträglicherem gewichen. Er konnte sich endlich auf das konzentrieren, was Dumbledore zu sagen versuchte.

„Letztes Jahr glaube ich, stimmten wir darin überein, Geheimnisse zu... vermeiden." Der alte Mann blickte Harry an, wartete auf eine Reaktion und Harry lächelte stolz und nickte eifrig. Der Wahrheit hörte sich gut an, aber Harry wußte, daß Dumbledore den Leuten erzählen konnte, daß der Himmel in Wirklichkeit grün mit lila Streifen sei – und jeder würde glauben es wäre tatsächlich so. Es gab keine Möglichkeit herauszufinden womit der hinterhältige, verrückte Zwinkerer diesmal aufwartete. Mit einem extra Zwinkern für seinen Spion und Professor, deutete der Direktor den Tränkemeister vorwärts zu kommen.

Für einen Augenblick schien es, als würde Snape lieber in seiner Ecke bleiben, die Unterhaltung beobachten aber nicht teilnehmen. Dann schien er beinahe das Gesicht zu verziehen und Harry bekam das Gefühl von Verstimmung und... Belustigung. Harrys Stirn furchte sich. Was könnte möglicherweise belustigend sein?

Blinzelnd beobachtete Harry wie der Mann seine Robe zurückzog und den Ärmel aufrollte, um das Dunkle Mal preiszugeben, von dem Harry bereits wußte, daß es dort war. Er mußte jedoch nicht sein Erstaunen vortäuschen. Verschwommen war er sich bewußt, daß Snape es nicht viel mehr mochte als Harry, wenn man ihn so offen anstarrte. Doch Harry konnte nicht aufhören zu starren. Auf dem bleiche, hageren Arm schien das Dunkle Mal ausgesprochen häßlich; doch es war nicht mehr das Dunkle Mal. Harry warf dem Direktor einen Blick zu, der eine selten gesehene Miene von Ernst und... Ungewissheit zur Schau stellte, als auch er mit verengten Augen auf den matten Schädel hinabstarrte, durchbohrt von einem blassen, violetten Blitz. Harry hatte niemals angenommen, daß sich das Dunkle Mal bei jedem einzelnen Todesser im Erscheinen verwandeln würde. Harry wußte nicht, was das bedeutete.

„Das...! Es...! Ist es...?" Seine Sprachlosigkeit war offensichtlich. Die Emotion, die er durch das Mal auffing, enthielt eine Unze von Zufriedenheit. Es fühlte sich an, als hätte Snape eben die Bestätigung für etwas erhalten. Bastard. Harrys Augen wurden schmal.

„Das Mal hat sich verändert!" rief er letztlich aus, als niemand schien irgendetwas sagen zu wollen; aber seine Stimme schien ungebührlich laut.

„Wie ist das passiert?" fragte Harry in einer moderateren Tonlage. Er wollte es wirklich wissen. Einen Blick auf Snapes Gesicht riskierend, hätte Harry genauso gut ein Stück Stein anstarren können. Er bekam rein gar nichts durch das Band zurück. Es mochte ebenso gar nicht vorhanden sein.

Harry musterte das Mal mit gemischten Gefühlen. In dem Moment, in dem sich das Dunkle Mal begann zu verwandeln, mußte sich Snape die Kehle wund geschrien haben. Harry hatte sich mit Sicherheit heiser geschrien, obwohl er nicht sagen konnte, wann er das dämliche Tattoo bekommen hatte. Über Stunden hinweg stand sein ganzer Körper in quälenden Flammen. Es hatte nichts gegeben, daß nicht wehtat, nichts als Schmerz. Das Mal hatte er erst bemerkt, als er zurück bei den Dursleys war, lange nachdem Snape gefühlt haben mußte, wie sein Arm sprichwörtlich in Stücke geschnitten wurde.

Harry schluckte und stoppte den Weg, den seine Gedanken nahmen. Tom testete noch immer wahllos die Barriere nach Schwachstellen. Es würde Harry nichts Gutes tun, wenn er Tom daran erinnerte, was am Tag des Rituals passiert war. Es machte keinen Sinn, ihn dazu zu bringen, noch gewalttätiger zu reagieren. Harry brauchte das nicht, nicht wenn er im selben Raum war wie Albus Dumbledore, Rektor von Hogwarts und Anführer des Orden des Phönix, und der schleimige Bastard.

„Wir wissen es wirklich nicht, Harry," sagte Dumbledore nach einem Augenblick und deutete Snape seinen Arm zu bedecken. „Wir wissen, daß es zur selben Zeit geschah wie die magische Explosion, deshalb ist es sehr wahrscheinlich, daß beide Dinge miteinander zusammenhängen." An dieser Stelle wurde sein Blick bohrender, als er beobachtete, wie Harry sich zurücklehnte; und Harry wartete geduldig darauf, das der andere Schuh fiel.

„All das ist geschehen, während du aus dem Ligusterweg vermisst wurdest." Da war der andere Schuh! Gewiß, wenn diese Explosion und Snape's Mal zusammenhingen, dann tat das sein Verschwinden auch.

Nicht einen Atemzug später spannte sich Harry unwillkürlich, obwohl er heftig versuchte seinen Körper entspannt zu halten und seine Augen davon sich mißtrauisch zu verengen. Gerade als Dumbledore das letzte Wort sprach, fühlte Harry jemanden in seine Gedanken schlüpfen, gerade dort, wo er die kleine Öffnung gelassen hatte für jemanden, der glaubte er wäre ahnungslos und ein leichtes Opfer für einen Legilimens.