Jedes einzelne der Gemälde früherer Direktoren blickte zur Tür, ehe einige von ihnen sich neugierig den Männern zuwandten, die die geschlossene Tür in stillem Nachsinnen musterten – der ältere nachdenklich mit einem traurigen Glitzern in seinen Augen, der jüngere mit einem wütenden Funkeln, seine linke Augenbraue erhoben als wolle er besonders hervorheben wie typisch Gryffindor der großmäulige Schwachkopf war, der gerade, ohne das kleinste Fünkchen Respekt gegenüber seinen Älteren zu zeigen, hinausgestürmt war.
Porter gleichgestellt? Gewiß nicht. Eine Gewalt, mit der man rechnen mußte? Möglicherweise. Nachdem wie das Gespräch lief, konnte Severus nichts anderes sagen ohne sich selbst anzulügen. Hier gingen Dinge vor, die sich nicht zusammenreimten. Einige Erinnerungen hätten nicht dort sein sollen. Selbst wenn wahr war, was Potter angedeutet hatte über seine Besessenheit in der Abteilung für Mysterien, sollte er nicht wissen, was er tat. Es gab keine Möglichkeit, daß diese Art von Information mittendrin rein zufällig auftauchte, wenn man durch die Gedanken des Dunklen Lords stöberte. Er ließ seinen linken Arm los. Der Schmerz war lediglich noch ein dumpf nachhallendes Pochen in seinen überstrapazierten Nerven.
„Nun, Severus, was denkst du von unserem Harry Potter?" Der Stolz in der Stimme des alten Mannes blieb nicht unbemerkt. „Er ist bedeutend reifer geworden, nicht wahr?"
Severus musterte den Direktor skeptisch. Harry Potter reifer geworden? Nein. Arroganter? Ja. Es schien als glaube Potter sich wertvoll genug, um sein eigenes Spiel in der Liga der Erwachsenen zu spielen. Dumm, wirklich, und wichtiger noch gefährlich nach der Art und Weise wie der Köter letztes Jahr geendet war, aber dennoch nicht außer Acht zu lassen.
„Severus?"
„Es kommt doch nicht darauf an, was ich denke; dieser Dummkopf ist immer noch ein Dummkopf." Er verzog das Gesicht.
„Ist er das, Severus?" Albus' Augen glitzeren noch heller. Er hielt Harry nicht für so naiv wie Severus glaubte. Er hatte ein paar Vermutungen, daß nicht nur Harrys Verstand gereift war, sondern auch seine Fähigkeiten. Es würde Sinn machen. Trotz dem, was Harry gesagt hatte, war Albus sicher, daß der Junge sich mitten in dem Zentrum von dem befand, was während des Sommers geschehen war.
Natürlich mußte Albus Dumbledore sich nicht nur um Harry Potter kümmern. Jetzt, da der Junge von der Prophezeiung wußte und die Gegenseite ihren ersten Zug gemacht hatte letztendlich vollkommen aus den Schatten zu treten, mußte der alte Direktor viele Geschehnisse im Auge behalten, die schiefgehen konnten und nur Finsternis über die ganze Welt brächten.
„Wenn Harry die Schule verläßt, wird er ein eindrucksvoller Gegner für Voldemort sein. Es scheint, daß der Tod seines Patenonkels Harry endlich dazu gebracht hat, erwachsen zu werden." Bedauerlicherweise ließ es das Vertrauen des Jungen ihm gegenüber nahezu ins Nichts verschwinden.
„Vielleicht ist das so." Severus hielt es für unwahrscheinlich, daß es der Tod des Köters war, der Potter glauben ließ, er käme durch mit was immer sein Gryffindorverstand sich ausdenken konnte. Der Mann zuckte unverbindlich mit den Achseln, konnte aber nicht davon absehen hinzuzufügen: „Falls der Bengel sein ungezügeltes Temperament unter Kontrolle bringt. Ansonsten wird der idiotische Junge das Licht nicht wiedersehen, wenn er das nächste Mal das Sichtfeld des Dunklen Lords betritt."
„Ah, ja. Das ist der Grund, aus dem wir hier sind, nicht wahr, Severus?" Erst als Severus sich umwandte, glitzerten Albus' Augen frohgemut, ganz seinem Charakter entsprechened. Albus beschwörte eine weitere Teetasse für Severus und wartete, bis der jüngere Mann es sich in dem Stuhl, den Harry zuvor beansprucht hatte, bequem machte.
„Wolltest du deshalb, daß ich Potter's Gedanken lese?" Selbst wenn Severus versuchte, höflich zu sein, von seinem Mund klang der Name immer wie ein Fluch. „Obwohl der Bengel ein verlorener Fall darin ist, seinen Verstand zu verschließen, ist er sehr schnell festzustellen, wenn man eindringt."
„Selbstverständlich, Seveus. Der Junge hat einen starken Willen, aber ich traue darauf, daß du deine gewöhnlich... aggressiveren Methoden Zugang zu erhalten nicht genutzt hast und ein wenig vorsichtiger mit deiner Stärke warst? Hast du getan, worum ich dich gebeten habe, Severus?"
„Selbstverständlich, Albus." Der Mann wiederholte seinen Mentor mit einem Knurren. „Ich bin nicht noch am Leben, weil ich sorglos darin bin meine Spuren zu verwischen." Er verzog das Gesicht, aber der bohrende Blick ließ ihn völlig unbeeindruckt. „Zugegeben, jemand, der über die Anfänge hinaus in Okklumentik ausgebildet ist, hätte meine Gegenwart durchaus bemerken können, aber Potter zuckte nicht einmal, als ich seinen Verstand betreten habe."
„Hm." Albus rührte gedankenverloren seinen Tee.
„Also warum hast du es getan?" Er ließ sich nicht ablenken.
„Um eine Frage zu beantworten, die während des Gesprächs aufkam." Dumbledore starrte mit gefurchter Stirn auf die Tür, hinter der der Junge verschwunden wwar. Er hatte es getan, um sich über Harry Potter Gewißheit zu verschaffen. Er mußte wissen, ob er tatsächlich mit dem Jungen rechnen mußte. Seine Reaktion war äußerst interessant gewesen, wenn auch ein bißchen seltsam.
„Und?" hakte der dunkelgekleidete Mann ungeduldig nach. Er war niemand, der, der nutzlos herumstand. „Deine Antwort?"
„Sehr aufschlußreich, mein lieber Severus." Diesmal war das Glitzern in seinen Augen voller Stärke zurück, doch der Tränkemeister erkannte daß es unterstreichende unnachgiebige Funkeln. „Sehr aufschlußreich." Für einen Augenblick saßen sie schweigend, dann blickte der Direktor fragend auf. „Also glaubst du, Harry weiß Bescheid, oder ist er wirklich ahnungslos? Sag mir, was du herausgefunden hast, Severus." Albus beobachtete jede Reaktion, die der jüngere Mann zeigte, mit Vorsicht. Severus Snape war einer der wenigen, die Albus nicht sehr gut lesen konnte, obwohl Severus selbst glaubte, daß Albus ein Meister auf diesem Gebiet war.
Die Wahrheit war, daß Severus ihn wahrscheinlich genauso oft manipulierte wie Albus es mit dem Tränkemeister getan hatte, aber Albus ging sicher, es Severus nicht wissen zu lassen. Bei ihm funktionierte alles bloß einmal. Natürlich schien er Severus noch zu mehr als ein paar Dingen zu überreden, aber dann geschah es nur bei Dingen, in denen er einen Vorteil für sich selbst sah – und manchmal fand sich Albus ausmanövriert. Mit diesem Mann mußte man jeden möglichen Vorteil für sich ausnutzen. Albus hatte vor langer Zeit gelernt, daß wann immer er glaubte zu wissen, wie der Verstand des Tränkemeisters arbeitete, der Mann es einmal mehr schaffte, ihn zu überraschen.
Die einzige Sache, bei der man sich bei Severus Snape sicher sein konnte, war sein absoluter Haß gegenüber James Potter, sein Abscheu gegenüber Voldemort und allem das sich um diese beiden Männer drehte; ein Mann bereits tot, der andere bald tot – hoffentlich. Alles andere, daß Severus betraf, war fraglich, aber Severus war nicht umsonst der erfolgreichste Spion auf dieser Seite des Krieges, und es polierte seine eigenen Fähigkeiten auf, wenn er versuchte, den Meister der Manipulation zu manipulieren.
Severus nutzte seine Gabe nicht oft, wenigstens nicht in Albus' Nähe, aber es erklärte wenigstens teilweise, wie er es schaffte für all diese Jahre am Leben zu bleiben – obwohl Severus vehement leugnete etwas Besonderes getan oder gewußt zu haben, um Voldemorts Vertrauen so leicht zurückzugewinnen, wie er es vollbracht hatte.
„Natürlich, Albus." Severus nahm sich einen Augenblick Zeit nachzudenken. „Soweit ich sehen konnte, erinnert sich Potter nicht, auch wenn er nicht so überzeugt ist im Ligusterweg gewesen zu sein, wie er uns glauben machen möchte. Er erinnert sich bloß von den Muggeln verhätschelt zu werden. Einige Dinge passen jedoch nicht zusammen, als wäre zu irgendeinem Zeitpunkt sein Gedächtnis gelöscht worden – aber es war nicht das trübe Weiß, daß man bei Opfern von kraftvollen Gedächtniszaubern erwarten würde. Wie auch immer, ich konnte keine nachklingenden Spuren irgendwelcher Gedächtniszauber, gedankenverändernder Zaubertränke oder etwas ähnlich Nützlichem finden. Ich habe niemals etwas gesehen, daß auf diese Weise auswirkt. Diese Symptome sind mir unbekannt. Du wirst es selbst sehen, wenn du die Erinnerung siehst." Wie immer würde Severus seine Erinnerungen von Potter für Dumbledore in ein Denkarium tun, damit er sie in aller Ruhe durchgehen konnte – nicht davon zu reden, daß er ihm alle Erinnerungen zur Verfügung stellen würde. Das tat er niemals, nicht die Erinnerungen eines Treffens der Todesser oder von irgendetwas anderem, über das er Informationen besaß.
„Hat er zu irgendeinem Zeitpunkt geradeheraus gelogen?"
„Während ich seine Gedanken gelesen habe?" Er verzog das Gesicht. „Nein." Nicht geradeheraus. „Seine Geschichte über unsere Begegnung in der Winkelgasse hat er jedoch an seinem Mopp von Haaren herbeigezogen." Was immer Potter vorhatte zu tun, der dumme Junge hatte sich nicht versteckt, als die Fremden in roten Roben ihn entdeckten. Potter spazierte ihnen entgegen, als ginge er zu einem Picknick.
„Selbstverständlich, Severus. Ich bin sicher, du würdest nicht so schnell rennen." Albus blickte ihn lächelnd an und gestattete sich einen weiteren Limonendrops als Severus knurrte.
Der Inhalt von Severus' eigenem Bericht betreffend der Geschehnisse in der Winkelgasse, den er direkt nach seiner Rückkehr zum Schloß gemacht hatte, unterschied sich nicht so sehr von der Geschichte, die Potter mit seinem dämlichen Grinsen auf dem Gesicht erzählt hatte, wie Severus wünschen würde. Der Junge war genau wie er bei den baren Fakten geblieben.
Severus war lang genug dort gewesen, um zu sehen, wie der Junge von diesem energiegeladenen Zauber getroffen wurde. Es mußte ein Form des Imperius sein, der Potter entscheiden ließ, sein schlecht gewähltes Versteck zu verlassen. Severus hatte die Magie am Wirken gesehen. Es war atemberaubend und gefährlich.
Er konnte Albus nichts davon sagen, weil er dem alten Mann niemals von seiner Fähigkeit erzählt hatte, die Magie im Augenblick des Zauberwirkens sehen zu können. Es war immer gut, etwas, daß nicht ausdrücklich notwendig war, für einen Notfall für sich zu behalten. Selbst damals im Sommer, als er dieses... Treffen in den Ruinen des Lagers des Dunklen Lords beobachtet hatte, hatte Severus nicht mehr gesagt, als daß sie in einem Kreis standen und... irgendetwas getan hatten. Es war in sich selbst besorgniserregend, daß diese Begegnung damals verdächtig nah an Potters Vision herankam.
Wie dem auch sei, von Rechts wegen sollte Potter etwas darüber gesagt haben, von einem Zauber getroffen worden zu sein, denn er mußte gespürt haben, wie er die Kontrolle über seinen Körper an einem bestimmten Punkt von ihm entschlüpfen fühlte. Also warum tat er es nicht? Es gab noch weitere Dinge. Die anscheinend ‚goldenen' Roben und die Attacke von Voldemort, die damit endete, daß beide von ihnen beinahe vor Schmerz zusammenbrachen – der Potterjunge mit glühenden Augen; zugegeben, über Letzteres konnte der Junge konnte unmöglich Bescheid wissen. Severus behielt dieses Detail aus selbstsüchtigen Gründen für sich. Es könnte sich später als nützlich erweisen, oder es könnte sich zu einer Katastrophe entwickeln. Gewiß war es eine Auswirkung, die er noch nie zuvor beobachtet hatte. Einige Fragen waren noch offen, aber keine, die der Direktor beantworten konnte. Severus musterte den alten Mann mit seinem gewöhnlichen Ausdruck von Desinteresse.
„Was hast DU in den Gedanken des Jungen gefunden, Albus?"
„Nichts." Albus lächelte, als wäre es genau das, was er zu finden glaubte.
„Wie bitte?" Die Augen des jüngeren Manns weiteten sich.
„Ich habe nicht das Geringste gefunden," wiederholte Albus fröhlich.
„Aber das ist nicht möglich!" Severus runzelte die Stirn und versuchte zu ergründen, welchem Manöver der große Albus Dumbledore jetzt folgte.
„Ich habe nicht versucht, unübersehbar zu sein. Ich war... sorgsam, seine Gedanken mit derselben Stärke zu lesen, die ich immer nutzte." Albus neigte seinen ergrauten Kopf. „Um ehrlich u sein, habe ich weit weniger Kraft eingesetzt, nur um sicherzugehen." Schweigend sann Albus darüber nach, wie es möglich war, daß sein Verstand immer wieder zu demselben Punkt gezogen wurde, während er nach einer Schwachstelle in der mentalen Verteidigung gesucht hat. Es war die einzige Bresche in Harry Potters mentalen Schilden, die er finden konnte, denselben Punkt, an dem Severus in den Verstand des Jungen eingedrungen hatte. Wo immer er versuchte den Verstand des Jungen zu betreten, er endete immer dort und Albus ging keinen Schritt weiter.
„Nun dann, es ist offensichtlich, daß du mehr Kraft hättest einsetzen sollen," sagte Severus.
„Denkst du, ich weiß nicht, auf welche Weise meine Magie arbeitet, Severus?" Albus schüttelte in stiller Belustigung seinen Kopf. „Ich glaube, ich bin nicht alt genug, um zu vergessen wieviel Magie ich brauche, um einen untrainierten Verstand zu lesen."
Severus furchte dunkel seine Brauen. „Ist es nicht möglich, daß er instinktiv absperrte? Das geschieht oft wenn Emotionen aufwühlt sind und seine schlugen hoch. Wenigstens ist das wahrscheinlicher, als das er in einem Zeitraum von Wochen plötzlich gelernt hat, seinen Verstand mit Okklumentik zu schützen. Noch mehr so, da du zu denken scheinst, daß er mich mit irgendeiner List angeführt hat." Severus wollte sich weigern zu glauben, daß Potter zu einem gewaltigen Kunststück wie dem in der Lage war. Es war einfach unmöglich, selbst für den Jungen-der-lebte – was für ein dämlicher Titel, wirklich. Weiterhin würde es nicht unbemerkt bleiben, sollte er etwas anderes von Potter sagen.
„Ich möchte wirklich glauben, daß Harry für sein eigenes Wohl Okklumentik bewältigt hat." Albus seufzte schwer. „Vielleicht hast du Recht. Einmal ist kein Beweis." Der alte Mann sah noch immer aus, als hielte er es für wahr. Waren zwei Mal der Beweis, daß Potter irgendwie gelernt hatte, nicht nur seinen Verstand zu schützen, sondern auch Irrezuführen und nach seinem Willen Erinnerungen abzuspielen? Er konnte sich nicht helfen, skeptisch zu sein über das, was er in Potters Gedanken gelesen hatte. Er erinnerte sich sehr gut daran, als er am Bahnhof versuchte, ein Blick in die Gedanken des Bengels zu werfen.
Bei seiner Ankunft war Potters Verstand gegen Legilimentik so zugeknöpft gewesen wie der Rockschoß einer alten Jungfer. Potter spürte nicht einmal, wie Severus versuchte seine Gedanken zu lesen. Seine Schilde waren so stark, daß er bewußt hinausgreifen mußte, um nach einer Attacke Ausschau zu halten – oder eine Art von Schutzzauber zu legen hatte (was der Junge offensichtlich vernachlässigt hatte zu tun) – um sich eines vorsichtigen Angreifers bewußt zu werden. Während des Gesprächs hatte der Bengel offenbar erwartet, daß jemand in seine Gedanken eindrangen würde und seine Schilde angemessen gesenkt, darauf vorbereitet, Dumbledore an der Nase herumzuführen. Aber war es überhaupt möglich so mit Erinnerungen und Gedanken zu spielen? Vor diesem Tag hätte Severus mit nein geantwortet; jetzt war er sich nicht mehr so gewiß.
Die Empfindungen, welche die Erinnerungen auslösten schienen wahr genug zu sein; der Ärger auf Moody und insbesondere Lupin (Potters Erinnerung beobachtend, hatten sie wirklich wie Narren gehandelt), die Verwirrung, wann immer der Junge darüber nachdachte, von den Dursleys weg zu sein, oder wenn der alte Mann ihn fragte, was geschehen war (das rief immer dieses leere, graue Nichts hervor, ehe die Erinnerungen der Dursleys in den Vordergrund traten). Alles davon fühlte sich echt an, nicht wie etwas, daß errichtet wurde, um einen eindringenden Verstand davon abzuhalten, weiter vorzudringen.
Die Fröhlichkeit, als der Junge für einen kurzen Augenblick glaubte, daß der Dunkle Lord tot sei und das Bild eines kleineren Potters, der auf einem Fenstersims saß und nur für eine Sekunde sichtbar war und nichts anderes sein konnte als Realität. Das Bild war von einem Gefühl äußerster Hoffnung und Friedens begleitet gewesen – und das alles geschah im Einklang mit der Konversation. Fabrizierte Erinnerungen enthielten nicht diese Emotionen, die mit Erinnerungen verbunden waren, die in wirklichem Leben durchlebt wurden. Es wäre möglich, etwas ähnliches zu kreiieren, aber es wäre nur eine Parodie der echten Empfindung.
Irgendwie in seinem Hinterkopf registrierte er, daß diese Erinnerung eine der wenigen guten war, die er aus Potters Kopf herausgeholt hatte. Natürlich tendierte Severus dazu, nach dem Schlimmsten zu graben, um den ignoranten Bengel aus dem Gleichgewicht zu bringen. Aber war Potter so ignorant? Severus würde sich diese Unterhaltung durch den Kopf gehen lassen müssen so bald er den neugierigen Augen des alten Mannes entkam. Es fühlte sich nicht so an, als hätte Dumbledore erhalten, was er wollte. Nicht wirklich. Es schien als wäre Potter cleverer als man ihm zustand. Natürlich mußte Severus herausfinden, was Potter versuchte zu verbergen; er würde den Jungen noch schärfer im Auge behalten müssen.
„Ich möchte, daß du den Jungen beobachtest." Severus blinzelte bei den Worten des Direktors. „Voldemort könnte ihn sehr gut wieder in Besitz nehmen." Dann verengten sich seine Augen.
„Willst du sagen, daß du den Humbug glaubst, den Potter uns aufgetischt hat?" Severus bezweifelte durchaus, daß Potter fähig war, etwas wie das für sich zu behalten.
„Harry scheint wirklich ahnungslos zu sein. Du sagtest es selbst, aber um deine Frage zu beantworten, ich glaube ihm. Die meisten Dinge, glaube ich, sind wahr," sagte Dumbledore nachdenklich und biß den Limonendrops, an dem er noch immer lutschte, mit einem geräuschvollen Knirschen in kleine Stücke. „Harry log niemals über wichtige Dinge. Bei seinen Visionen und allem betreffend Voldemort konnte man sich immer auf sein Wort verlassen, selbst wenn es ihm nicht gefiel, wie ich seine Informationen genutzt habe. Ich glaube nicht, daß er jetzt anfangen würde mit Lügen. Ich habe keinen Betrug in seinen Worten entdeckt. Er hat wirklich Wissen um Voldemorts Gedanken und vielleicht von einigen seiner Erinnerungen."
„Du mußt zugeben," Albus zwinkerte mit offensichtlicher Heiterkeit, „daß er endlich einen Weg gefunden hat, um in unsere Treffen einbezogen zu werden, falls wir jemals hoffen, irgendwelche Informationen von ihm zu bekommen. Ich würde sagen, das zu tun ist weit entfernt von Naivität, würdest du mir nicht zustimmen?" Albus lächelte, als er erkannte, wie sich Severus' Augen weiteten. „Sollte er lügen, würde er über seine Gefühle lügen, und Harry hat sein Temperament noch nicht so gemeistert, wie ich gern hätte. Oh ja, Harry war sehr ehrlich, doch leider nicht mehr so unschuldig, von der Frage abgesehen, bei wem sein Vertrauen liegt." Der alte Mann schnalzte mit der Zunge, als versuche er den Limonengeschmack zu genießen. „Dennoch, ich denke wirklich, daß ich etwas Wichtiges übersehen habe – und ich mag das Gefühl überhaupt nicht."
„Was ist mit seiner Narbe?" Severus grübelte über den Schmerz nach, den er durch das Dunkle Mal gespürt hatte, als Potter sie mit seinem dummen Geschwätz gelangweilt hatte. Blaß, seine Wangen vor Zorn gerötet, sah das Balg wirklich mitgenommen aus. Es gab keine Möglichkeit, daß der verärgerte Gryffindor die Kontrolle behalten hatte. Auch keine Chance, daß das, was Potter gefühlt hatte, nichts als normaler Kopfschmerz gewesen war. Nicht wenn er zuckend am Boden in der Winkelgasse lag, nicht wenn Severus' Arm so schmerzte, daß er dachte es wäre besser, das verletzte Glied einfach abzuschneiden. Und dieser verdammte Bengel hatte die Dreistigkeit seine Worte anzuzweifeln.
„Es könnte sein, daß er einen Rückstoß auf deinen Schmerz aufgefangen hat, da du in seinem Verstand warst, als das Mal zu brennen anfing."
„Das ist möglich," gab Severus bei, „aber unwahrscheinlich."
„Wir werden sehen, Severus, aber für jetzt glaube ich, haben wir andere Dinge, über die wir uns sorgen müssen. Mit diesen Roten Roben von dir," an diesem Punkt machte der Tränkemeister ein finsteres Gesicht, „werden die Zeiten noch finsterer werden, fürchte ich. Ich möchte, daß du mir berichtest, was Harry tut, was er denkt. Er wird mir nicht trauen, aber ich muß wissen, was in seinem Kopf vorgeht."
„Er wird es mir schwerlich erzählen." Severus konnte seinen Sarkasmus kaum zurückhalten.
„Ich weiß, Severus." Der alte Mann zwinkerte. „Darum möchte ich auch, daß du ihn wütend machst."
„Du willst was?"
„Ich kann ihm nicht erlauben, sich vor der Welt zu verschließen."
„Verstehe ich dich richtig, Albus? Du willst, daß ich den Bengel... beleidige?"
„Stell dich nicht dumm, Severus," mahnte der Direktor zwinkernd. „Natürlich sollst du Harry nicht beleidigen." Die Augen blitzten. „Ich möchte, daß er seine Gelassenheit verliert. Mit deiner charmanten Persönlichkeit schaffst du es recht einfach, selbst wenn du nicht darauf aus bist, es zu tun."
„Zum Besten meiner Möglichkeiten, Albus." Severus biß seine Zähne zusammen. Es war einfach nicht dasselbe, wenn ihm der Direktor seinen Segen gab, anstatt zu versuchen, ihn wie alle anderen dazu zu bringen, das Balg zu verherrlichen. Es nahm dem ganzen irgendwie die Zufriedenheit, die er fühlte. Er hasste dieses elende Kind und hatte kein Problem, mit vernichtenden Bermerkungen aufzuwarten. Es würde trotzdem nicht dasselbe sein. Dieser verdammte, manipulierende alte Kauz nahm ihm die einzige positive Sache auf die er sich freuen konnte. Aber dann, da war die Sache mit Potter selbst. Der Junge hatte Wissen angedeutet, daß er einzig vom Dunklen Lord selbst hätte bekommen können. Die Besessenheit erklärte es, aber was bezweckte der Junge damit, es ihn wissen zu lassen, anstatt den Direktor über alles zu informieren? Und was wußte er sonst noch? Severus würde den Bengel mit Sicherheit im Auge behalten. Er blinzelte. „Ist das der Grund, warum du ihn in meinen Unterricht steckst?"
"Nur für eine Zeit, Severus. Ich brauche Zeit, um nachzudenken. Er hat mich überrascht."
„Hat er?"
„Harry ist während des Sommers reifer geworden." Snape hob fragend eine Braue und Albus seufzte. „Ich hoffte, du hättest zugehört, Severus. Er ist reifer. Sein Verstand ist gewaltig gewachsen. Ich bin nicht sicher, daß ich ihn noch erreichen kann." Harry würde seinen eigenen Weg gehen, darin war sich der Direktor sicher, und er mußte noch immer versuchen, den Jungen in die richtige Richtung zu lenken. Albus sah zu, als Severus endlich einen vorsichtigen Schluck von seinem Tee nahm. Da war noch etwas anderes, das ihn innerlich juckte. Harry hatte einige mehr oder weniger harmlose Dinge gesagt, die auf ein tiefes Wissen hindeuteten. Gewiß, Severus hatte wirklich... emotional reagiert – wenigstens für ihn – wenn Harry seinem Temperament freie Bahn ließ. Etwas wurde gesagt, daß ihn definitiv alarmierte.
Vertrauensschwüre, insbesondere Eide, waren keine leichtzunehmende Sache. Es mußte ein von Voldemorts Erinnerungen sein, die Harry im Ministerium aufgeschnappt hatte. Albus schimpfte auf sich selbst. Wenn er dem Jungen bloß die Prophezeiung nicht erzählt hätte. Nicht das es auf lange Hinsicht etwas bedeutete. Es gab Hunderte uralter Weissagungen, die darauf warteten, erfüllt zu werden – und mit ein bißchen Vorstellungskraft, trafen Dutzende von ihnen auf den Jungen zu. Falls Albus die Prophezeiung für sich behalten hätte, so wie er es ursprünglich geplant hatte, würde Harry ihm wahrscheinlich noch genug vertraut haben, um zu enthüllen, welche Echos die kurze Zeit seiner Besessenheit durch Voldemort in seinen Gedanken hinterlassen hatte. Jetzt war es zu spät. Mit einem Seufzer lehnte sich Albus zurück.
„Nun sage mir, Severus, was meinte Harry mit seinen letzten... ausgewählten Worten an dich? Wärest du mein Sohn, wüßte ich es bestimmt, und meines Wissens nach ist deine Mutter tot, nicht wahr?" Der jüngere Mann nickte schweigend, seine Miene vollkommen ausdruckslos. „Also dann, gibt es noch irgendjemanden, dem du angeschworen bist?"
„Tatsächlich ja, Albus." Der Tränkemeister verzog das Gesicht, nach außen hin völlig unbeeindruckt und nahm den eisigen Ausdruck für die Warnung, der er war. Für einen Moment genoß Severus die erwartungsvolle Miene unterdrückten Erstaunens. „Ich bin dir angeschworen, falls du dich korrekt erinnerst; und das ist ein Meister mehr, als ein Zauberer gewöhnlich hat." Der alte Mann verlor wirklich seinen Biß, wenn er glaubte, er könne mit seinem Gehabe vom allmächtigen Direktor bei ihm irgendwo landen. „Potter hat einen schlechten Sinn für Humor; ich bin sicher, du findest es amüsant," knurrte Severus, seine Miene regunglos.
„Hast du bemerkt, Severus, daß Harry, während der gesamten Unterredung, nicht viel ohne Bedeutung sagte?"
„Hat er nicht?" Severus hob seine Braue. „Was interessiert es mich, was Potter daherredet?" Für ihn sah es aus wie ein Trick, um Rache zu nehmen, um dem alten Mann für all die Zeiten eins auszuwischen, bei denen er den Jungen angeführt hatte. Sein Verhältnis zu Dumbledore war selbst nach Monaten, in denen sie sich nicht gesehen hatten – oder vielleicht auch deshalb – noch frostig, sogar mehr noch, wenn man die Emotionen, die der Junge gezeigt hatte, als Indikator nahm. Er würde den Bengel wirklich zur Seite nehmen müssen und eine nette kleine Unterhaltung mit ihm führen, denn was immer für ein Spiel er dachte mit dem Direktor zu spielen, Severus weigerte sich, ein Teil davon zu sein. Und der alte Mann konnte auch alleine spielen.
„Wenn du mich nicht länger benötigst?" Severus nahm große Schritt zur Tür. Er mußte die Dinge durchdenken und einige Entscheidungen treffen.
„Severus, bleib einen Moment länger, bitte." Die Worten waren scharf und auf den Punkt. Schweigend wandte sich der jüngere Mann sofort um und erduldete wiederholte Musterung mit steinerner Miene, die nichts preisgab, während der Direktor in seiner lustiger-alter-Mann-Rolle blieb, einen Limonendrops nach dem anderen mampfend.
„Was gibt es sonst noch über den Jungen, daß du mich jetzt wissen lassen mußt, anstelle von morgen?" Er stöhnte, sein Widerwillen offensichtlich. „Ich bin wirklich nicht an weiteren Geschichten darüber interessiert, wie bemerkenswert das Balg sein wird. Ich würde lieber den Zaubertrank brauen, den ich diesen Morgen vorbereitet habe."
„Das ist wirklich bedauerlich, Severus." Albus zwinkerte. „Aber du hast Glück, daß Mr. Potters… Fähigkeiten nicht der Grund sind, aus dem ich dich zurückrief. Ich brauche deine eigenen Fähigkeiten für einen meiner Informanten." Sein Ausdruck wurde ernst. „Finde Hinweise, was mit ihm geschehen ist, einfach alles würde helfen. Falls du einen deiner eigenen schicken mußt, um weiterzukommen, tue es, aber finde ihn."
Interessiert trat Severus einen Schritt zurück in den Raum hinein. Es war bisher noch nicht vorgekommen, daß Albus zu solchem Aufwand griff, wenn einer seiner vielen Spione verschwand. Normalerweise lebte der alte Mann für den Spruch, daß, ein Leben, gegeben für das Gute, ein Leben ist, das nicht nutzlos gegeben wurde. Diesmal jedoch, schien es anders zu sein.
„Wann ist er verschwunden?"
„Während des Sommers. Ich hatte zwei, die eng in... etwas involviert waren. Einer von ihnen ist jetzt tot, der andere wird vermisst." Albus wog ab, was er preisgeben konnte und was dem Tränkemeister zu viel Informationen gab, die sein brillianter Verstand zu eigenen Zwecken nutzte.
Es war nicht das Vertrauen in Severus, das er hinterfragte (nicht wirklich), sondern seine Fähigkeit für den Rest seines Lebens die Oberhand zu behalten. Selbst ein Mann mit Severus' Möglichkeiten würde eines Tages jemanden finden, der besser war. Severus Snape erinnerte Albus an die Tatsache, daß sein eigener Nachfolger sicher kommen würde. Es würde sich nicht auszahlen, seinem Tränkemeister mehr Informationen zukommen zu lassen, als unbedingt notwendig war für ihn, um seine Aufgabe zu erfüllen.
„Irgendwelche erkennbaren Charakteristika, die du mir mitteilen kannst?" Albus Lippen zuckten. Severus fragte nicht nach beliebigen Merkmalen, nur nach denen, die er bekommen konnte. Severus kannte die Wichtigkeit von Spionen und den Sinn ihre Identität so lang wie irgend möglich geheimzuhalten. So wie es war, würde Albus ihm etwas sagen müssen.
„Ja. Du suchst nach einem alten Mann mit losem Mundwerk und einem etwas kranken Sinn für Humor." Severus' Brauen hoben sich in selten gezeigtem Erstaunen. Wäre es irgendetwas anderes gewesen, über das sie sprächen, Albus' Zwinkern hatte sich verstärkt.
„Ich werde dich wissen lassen, falls es jemanden gibt, der deine Beschreibung trifft." Severus, ganz geschäftlich, lenkte seine Aufmerksamkeit einen Moment nach innen. „Irgendetwas Besonderes, auf das ich achten muß?"
Keiner von ihnen gab irgendwann alle Information oder Munition preis; beide ware gegenüber dem anderen vorsichtig, aber ihr Verständnis war groß genug, um die Schwierigkeit zweier Zauberer zu überwinden, deren Gedanken zu ähnlich arbeiteten für des anderen Seelenfriedens. Wie auch immer, bis zu einem gewissen Punkt, den sich noch nicht erreicht hatten, arbeiteten beide Männer gut miteinander, obwohl sie selbst nicht genau wußten, wie sie ihre Beziehung zueinander definieren sollten.
Es war nicht die erste Person, der er Severus hinterherschickte. Es würde auch nicht die letzte sein. Der Tränkemeister wußte, worauf es ankam. Es hatte Zwischenfälle geben, bei denen eine Warnung geschätzt wurde – wie das eine Mal, als er Severus nach jemandem geschickt hatte, der ein Pack von Cerberi unter seinem Befehl hatte und sie Haustiere nannte, oder als er ihn auf einen jungen, aber völlig ausgewachsenen Vampir ansetzte, der durch das Land tobte.
Dieses Mal würde es keine Warnung geben. Sollte Severus jemanden finden, würde er auf sich allein gestellt sein. Albus konnte nicht riskieren, die falschen Leute über die Suche zu alarmieren. Aber vielleicht konnte er es ein wenig einfacher machen, den richtigen alten Mann zu finden. Es würde so oder so schon gefährlich genug sein. Albus seufzte.
„Ich sagen dir unseren Erkennungscode für Fälle wie diesen. Du darfst ihn nur benutzen, wenn du sicher bist, daß du den richtigen hast, verstanden?"
„Natürlich." Die Augen des Tränkemeisters verengten sich.
„Der Code lautete ‚Dunkles Kind'. Du sagst nichts, bis auf diese beiden Worte. Dunkles Kind. Wenn die Antwort ‚das auserwählte Kind' lautet, dann bist du richtig. Bring ihn hierher in dieses Büro so schnell wie möglich. Sagt er irgendetwas anderes, dann bist du an den Falschen geraten und er ist für dich von keinem Interesse." Albus rieb seine Brillengläser und blickte vorsichtig auf. „Sollte er antworten ‚Herr der Blitze', dann nimmst du deine Magie und apparierst, oder falls das nicht möglich ist, sammelst du deinen Atem und rennst. Klar?"
Severus nickte. Er konnte ein gewisses Risiko darin sehen, die Schlüsselwörter zu benutzen, wenn er sich nicht hundertprozentig sicher war. „Dunkles Kind. Das auserwählte Kind ist der Freund. Ist es der Herr der Blitze, dann spreche ich mit dem Feund und trete sofort den Rückzug an." Severus runzelte die Stirn. Warum benutzten sie eine so gefährliche Art, miteinander in Verbindung zu treten?
„Habe ich Recht, wenn ich sage, daß diese Sache meine Wochenende besetzt halten wird?" Er würde wirklich all die Kontakte nutzen müssen, die er noch hatte. Einige von ihnen würden vielleicht sogar von dort zurückgekehrt sein, wohin immer sie gegangen waren.
„Ich brauche dich, um eine Auge auf Harry zu haben; das ist wichtiger. Du wirst deine Männer senden wenn möglich, aber teile ihnen nicht die Codewörter mit. Wenn du die Identität des Mannes bestätigen mußt, tue es selbst; hole mich, falls nötig." Albus lehnte sich zurück. „Und Severus, bitte schau noch einmal nach, ob du etwas in Nemas Schloß findest."
„Ich werde es tun, aber ich bezweifle, daß dort noch irgendwelche Hinweise zu finden sind. Es gab dort schon direkt nach der Zerstörung rein gar nichts; und es ist durchaus möglich, daß diese Fremden mitgenommen haben, was übrigblieb, nachdem sie mit dem fertig waren, wofür sie dorthin gegangen sind." Severus hob die Schultern. Er hatte den Kernpunkt der Zerstörung untersucht, die Stelle, von wo aus die Woge aus Magie das ganze Land überrollte, mehr als einmal nach dem ersten Treffen, hatte er die Roten Roben beobachtet. Es würde nicht das letzte Mal sein. Verständlicherweise tat er es nicht sonderlich gern, immerhin konnte der Dunkle Lord jeden Augenblick zurückkommen. Severus hatte keinen Todeswunsch, aber er würde tun, was Albus von ihm... erbat. Der alte Mann schien irgendwie sicher, daß der Dunkle Lord in naher Zukunft nicht zurückkommen würde, wenigstens nicht zu seinem alten Versteck. Natürlich ging es Severus gehörig auf die Nerven, nicht zu wissen, warum er wiederholt dorthin geschickt wurde, ebenso verhielt es sich mit der Gewißheit, die der Direktor zur Schau stellte. Warum sandte Dumbledore einen seiner besseren Spione an den Ort, an dem Voldemort versteckt halten sollte?
„Es wäre einfacher, falls du mir sagen würdest, was du glaubst, daß ich dort finden könnte."
„Es ist möglicherweise noch verborgen und wird zu einer späteren Zeit enthüllt werden, oder es ist noch überhaupt nicht da oder bereits wieder weg und wird später zurückgebracht. Du wirst wissen warum und was, wenn du es findest, Severus." Es war dieselbe Antwort wie immer. Wenigstens war der Ort mit Magie versteckt. Nur sehr starke Zauberer waren in der Lage gewesen, die Quelle der Kraft zu erkennen. Die Umgebung, von dem der magische Ausbruch entsprang, war den meisten bekannt, aber wenige kannten den direkten Ursprung der magischen Explosion.
„Ich vertraue darauf, daß du Harry beschäftigt hältst. Es gibt viele Dinge, die jetzt getan werden müssen, deshalb habe ich in nächster Zeit nicht vor, zu sehr in sein Tun einzugreifen. Gehe einfach sicher, daß du mich wissen läßt, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert. Behalte auch deine Slytherins im Auge. Ich glaube auch da braut sich nach diesem Sommer etwas zusammen." Albus überlegte, ob ihm noch etwas anderes einfiel. „Hast du Fragen?"
„Nein."Severus schüttelte seinen Kopf. Er hat schon vor langem aufgehört Fragen zu stellen, da die meisten von ihnen nicht oder nur zu halber Zufriedenheit beantwortet würden. „Ich lasse dich wissen, wenn ich mehr Informationen bekomme. Albus." Severus stand, nickte einmal zur Verabschiedung und schloß hinter sich leise die Tür. Als erstes würde er die Unterhaltung in sein Denkarium tun, und nachdem er seine Erinnerungen durchgesehen hatte, würde er nur die drinnen lassen, von denen er glaubte, daß sie Albus nutzen konnte... einige der Erinnerungen, die er aus Potters Kopf herausgeholt hatte. Ehe er dem alten Mann noch mehr Informationen gab, mußte Severus mehr über den Jungen wissen – obwohl er mit dieser Aufgabe im Rücken für die erste Zeit wichtigere Dinge zu tun hatte, als herauszufinden, was mit seiner Hoheit Harry Potter vor sich ging. Doch den Jungen zur Weißglut treiben, konnte er. Dann würde er sehen, was geschah. Seine erste Priorität galt diesem verdammten Spion, der es geschafft hatte, verloren zu gehen, dann würde er sich um den Bengel kümmern. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Schweigend machte er seine Pläne, wen zu kontaktieren und wie seine Suche zu starten, ohne ungewollte Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
Erst als der Tränkemeister den Wasserspeier passierte, erlaubte sich Albus Dumbledore, sich zu entspannen. Angewidert spuckte er den Limonendrops aus und spülte seinen von der nachklingenden Süße mit dem letzten bißchen seines lauwarmen Tees. Er wußte, daß Harry ein Problem werden würde, und so wie Severus' Verstand arbeitete, würde er sich mit ihm auch beschäftigen müssen.
