Leah starrte Tonks ungläubig an.

Innerlich wiederholte sie das eben gehörte ein paar Mal bis sie tatsächlich Begriff was Tonks ihr damit sagen wollte.

„Ich bin nicht verliebt! Ich meine… ich", sie begann zu stottern.

Die rosahaarige Frau sah sie mit einem wissenden Gesicht an.

„WEASLEYS! Harry, Leah, Tonks! ABENDESSEN!" Die Stimme von Mr. Weasley ließ kein weiteres Gespräch mehr zu, doch das war Leah auch nur ganz recht.

Was sollte denn diese ganze Überlegung?

Sie und verliebt, sehr witzig! Und das auch noch gerade in… ja in Blaise…

Es war richtig sie vermisste ihn und sie dachte eben oft an ihn, aber doch auch nur, weil sie Angst hatte, er könnte sie verraten. Er könnte Voldemort so ohne weiteres ihren Aufenthaltsort verraten, da war es doch kein Wunder, dass sie darüber nachdachte- oder?

Das winzige „oder", dass in ihrem Kopf herum wirbelte, störte sie ungemein.

Sie mochte Blaise, natürlich, aber dass war doch auch alles…

„Aufstehen! Aufstehen! Es ist Weihnachten!"

„Leute, wacht schon auf! Wir haben Weihnachten!"

Sich aufsetzend hörte Leah die Zwillinge munter die Treppe hinunter poltern und rufen.

Mit ihrem Geschrei hatten sie wahrscheinlich schon das ganze Haus aufgeweckt, abgesehen von Leah, die schon eine ganze Weile wach war.

Sie hatte einfach nicht schlafen können. Mal wieder schossen ihr zu viele Gedanken durch den Kopf. Besonders das Gespräch mit Tonks vor zwei Tagen ließ sie nicht mehr los…

Während sie sich anzog, klopfte es laut an der Tür.

Schnell steckte sie ihren Kopf durch das T-Shirt, dass sie noch eben in der Hand gehalten hatte und rief „Ja?".

Es war Harry der sie fröhlich angrinste.

„Fröhliche Weihnachten, Lee!" Er umarmte sie und sie lächelte zurück.

„Fröhliche Weihnachten, Harry!"

„Los komm, Molly hat den Zwillingen verboten ihre Geschenke zu öffnen, bevor nicht alle unten sind und ich glaube sie halten es nicht mehr lange aus."

Leah grinste. Wie die kleinen Kinder…

„Geschenke", hörte sie die Stimme von einem schlaftrunkenen Ron, der an ihrem Zimmer vorbei zur Treppe nach unten hastete.

Während Leah sich die Haare zu einem Zopf zusammen band, erschien Ginny neben Harry im Türrahmen und umarmte ihn stürmisch.

„Fröhliche Weihnachten, Harry."

Harry wurde tief rot im Gesicht und murmelte irgendetwas von wegen „Frühstück" und „Mrs. Weasley helfen".

Ein wenig verwirrt blickte Ginny Harry hinterher, aber dann drehte sie sich um und umarmte Leah ebenso fest.

„Dir auch ein fröhliches Weihnachten, Leah!"

„Ich wünsche dir auch fröhliche Weihnachten, Ginny", gab Leah zurück und lächelte leicht.

Der arme Harry, dachte sie bei sich.

Ginny war immer so stürmisch und frech, fast wie ihre Brüder, kein Wunder, das Harry sich nicht richtig traute ihr zu sagen, wie verknallt er in sie war. Abgesehen davon dass sie vergeben und sein bester Freund ihr Bruder war…

„Na endlich", riefen die Zwillinge und Ron, als Leah und Ginny die Treppe hinunter kamen.

Die beiden Mädchen sahen sich nur grinsend an. ‚Wie die kleinen Kinder', schoss es ihnen durch den Kopf.

Nicht nur Fred, George und Ron saßen wir auf heißen Kohlen am Küchentisch, auch Bill, Charlie und selbst Arthur waren nicht besser.

Nur Harry, Tonks und Remus belächelten das Verhalten der Weasley Männer wie Leah und Ginny.

Molly wirbelte in der Küche um die vielen Leute herum, als wäre niemand anwesend. Sie war vollkommen in ihrem Element und hatte ein wundervolles Frühstück mit Eiern, Speck, Tomaten und allerlei mehr gezaubert.

Es war den Jungs sichtlich anzusehen, dass sie sich nur schwer zwischen den Geschenken unter dem Weihnachtsbaum, der neben dem Kamin in der Küche stand, und dem leckeren Frühstück entscheiden konnten.

Molly nahm ihnen schließlich die Entscheidung ab, in dem sie sie mit ihrem nachdrücklichen Blick an den Anstand erinnerte.

„Wann hab ich euch je bei gebracht, dass Geschenke wichtiger sind, als das beisammen sein mit der Familie? Habt ihr alle vergessen euch anständig und wie Gentlemen zu benehmen?"

Gespannt beobachtete Leah das geschäftige Treiben, als plötzlich alle Söhne Mollys aufsprangen und ihre Hilfe anbieten wollten.

Ginny kicherte, was ihr einen strengen Blick von Fleur einfing, die irgendwie hochnäsig wirkte und versuchte Bill von dem kindischen Gehabe seiner Brüder zu trennen.

Seufzend schickte Molly die Jungs wieder zu Tisch und richtete mit einem Schwenker ihres Zauberstabs das Frühstück an.

Es war schön einfach so entspannt zu plaudern und das üppige Essen zu genießen zu können.

Leah genoss es zwischen Ginny und Harry zu sitzen und mit beiden einfach mal nur so zu quatschen, ohne sich irgendwie schuldig zu fühlen oder auf ihr Verhalten acht geben zu müssen.

Als das Frühstück vorbei war, zwang Molly alle mit ihr eine seltsame Zauberradioshow zuhören, die einfach nur abscheuliche Musik spielte.

Fleur quietschte die ganze Zeit genervt und machte die Radiostunde damit nur noch unerträglicher für jeden.

Trotzdem, wenn man Fleur, die schlafenden (und leise schnarchenden) Weasleyzwillinge und das Gejaule aus dem Radio ignorierte, war es der schönste Weihnachtsmorgen, den Leah je erlebt hatte.

Nach einer Warterei von fast 2,5 Stunden erlöste Molly die Jungen endlich und erlaubte ihnen ihre Geschenke zu öffnen.

Harry hatte Leah erzählt, dass diese normalerweise immer alle am Bettende eines jeden gesammelt wurden, doch dieses Jahr hatte sich Kreacher, der Hauself, einen Streich erlaubt und alle Geschenke vertauscht, weswegen jetzt alles durcheinander unter dem großen Baum lag.

Mit Tee und vom Vortag selbstgebackenen Keksen machten sie sich nun alle ans lustige Geschenke raten.

Die Geschenke von Fred und George waren leicht zu erkennen, sie hatten für jeden einige Spielereien aus ihrem Scherzladen zusammengestellt.

Molly hätte sie am liebsten gleich konfisziert, aber da es sich nun mal um Weihnachtsgeschenke handelte, war es ihr unmöglich.

Besonders Remus schien von seinem kichernden Stetoskob ziemlich fasziniert zu sein, genauso wie Arthur dem die Weasley Kinder einen Toaster geschenkt hatten.

Molly verschenkte an alle selbst gestrickte Pullover, die es anscheinend regelmäßig gab, denn Leah hatte sie schon oft bei Ginny und Harry gesehen.

Bei Ron allerdings noch nie und auch dieses Jahr schien er mit der Farbe seines Pullovers nicht ganz einverstanden zu sein. Trotzdem strahlte er, seiner Mutter zu liebe und bedankte sich brav.

Leahs Pulli war in Syltheringrün mit einem silbernen Stern darauf und es zeigte ihr, dass zu mindest Molly die Tatsache, dass Leah eine Slytherin geworden war, akzeptiert hatte.

Ron verschenkte ausschließlich Süßigkeiten und von Ginny bekam Leah einen Gutschein für einen gemeinsamen Frauenabend, über den Leah sich sehr freute.

Sie verbrachte viel zu wenig Zeit mit ihrer Freundin und sie hatte das Gefühl, dass es genau das richtige für sie wäre, einmal einen richtigen Mädchenabend mit all diesen Albernheiten, wie Fingernägel lackieren und Zöpfe flechten zu machen.

Leah selbst verschenkte nur Bücher, sie hatte sich in den Kopf gesetzt sogar Ron zum lesen zu bewegen. Dafür hatte sie einen Quidditschband über seine Lieblingsmannschaft, den Chudley Canons, ausgewählt.

Tonks schenkte ihr ebenfalls ein Buch, allerdings war es ein besonderes Buch. Sie hatte es von ihrer Mutter bekommen und es handelte über die Familiengeschichte der Blacks.

Remus machte ihr ein ähnliches Geschenk, mit einem Buch, über alte Zaubererfamilien und ihre Wandlung in den letzten Generationen.

Leah freute sich über beide sehr und nahm sich vor, sie noch an diesem Abend anzufangen. Endlich hatte sie die Chance mehr über ihre Abstammung zu erfahren!

Als Leah und Harry schließlich als letztes ihre Geschenke tauschten, waren die anderen alle nur noch mit ihren eigenen Geschenken beschäftigt (abgesehen von Molly, die ihre Radioshow wieder angestellt hatte).

Eine kurze Weile starrten sie sich beide an, dann lachten sie und fingen beide an gleichzeitig das Geschenkpapier zu öffnen.

Leah drehte ihr Handtellergroßes Geschenk fragend herum.

Es sah aus wie ein normaler Spiegel…

Hatte Harry ihr etwa einen Spiegel geschenkt?

Sie blickte irritiert zu Harry, der grinsend einen ähnlichen Spiegel aus seiner Hosentasche hervor zog.

„Das ist ein Zweiwegespiegel. Du musst nur meinen Namen hineinsprechen und dein Gesicht erscheint auf meinem Spiegel und wir können uns unterhalten."

Erstaunt und fasziniert betrachtete Leah den kleinen Spiegel.

„Sie haben unseren Vätern gehört", fügte Harry leise hinzu und blickte sie bedeutend an.

Einer Eingebung folgend beugte Leah sich vor und umarmte Harry.

„Danke", flüsterte sie in sein Ohr.

Er lächelte. „Fröhliche Weihnachten, Lee."

Es war nach zwölf als Leah endlich in ihr Bett fiel.

Sie war todmüde, der Tag hatte sie ganz schön geschafft, jetzt wollte sie nur noch schlafen…

Gähnend drehte sie sich ein wenig, um ihre Decke unter ihr selbst weg zuziehen, als sie etwas in ihren Rücken piekste.

Müde setzte sie sich auf und fühlte im Dunkeln mit den Fingern nach dem Gegenstand, der sie nicht schlafen lassen wollte.

Irgendwie klein und eckig…

Mit einem Seufzer tastete sie auf dem Nachttisch nach ihrem Zauberstab und entflammte seine spitze mit einem geflüsterten „Lumos".

Der Gegenstand auf ihrer Bettdecke war ein kleines, in silbernes Papier mit einer grünen Schleife umwickeltes Geschenk.

Hatte Kreacher doch eines vergessen oder war es einfach erst später am Tag eingetroffen?

Hinter einem Weihnachtsgeschenk würde sich doch sicher keine Gefahr verbergen, oder?
Schließlich wusste ja eigentlich niemand wo sie war…

Leise schuhute es neben ihr und Leah machte erschreckt einen Satz in die Luft.

Ihr Herz klopfte wie wild, als sie vorsichtig von ihrem Bett aufstand, mit dem leuchtenden Zauberstab in der Hand und ihr Zimmer ableuchtete.

Etwas flatterte an ihr vorbei und rasch folgte sie dem Geräusch mit ihrem Zauberstab.

Oben auf dem Schrank schließlich fand sie Harrys Eule Hedwig die weiter leise vor sich hin schuhute.

Leah starrte sie an, bevor sie Begriff was das zu bedeuten hatte.

Jemand hatte Hedwig zu Harry geschickt und von daher war es wahrscheinlich Harrys Geschenk, das aus irgendeinem Grund in ihrem Zimmer gelandet war.

Vielleicht war Harrys Fenster nicht offen gewesen und Hedwig war deswegen in ihres geflogen?

Auf jeden Fall wirkte die Schneeeule hungrig und Leah beschloss Harry aufzusuchen.

Langsam, um die Eule nicht zu erschrecken, schlüpfte Leah in ihren Bademantel und band ihn über ihren Pyjama zusammen.

Gerade wollte sie sich ihre Hausschuhe anziehen, um zu Harry hinüber zu gehen, als ihr sein Weihnachtsgeschenk einfiel.

Dies hier war eine perfekte Gelegenheit um ihn auszuprobieren und außerdem die Chance nicht gleich das ganze Haus aufzuwecken, wenn sie mit einer hungrigen Eule über den Flur lief.

„Harry Potter", sagte sie laut und deutlich und hielt sich den Spiegel vor die Nase.

Es dauerte einige Sekunden bis das Gesicht eines schlaftrunkenen Harrys erschien.

Er nuschelte ein „Ja" und rieb sich dabei gähnend die Augen.

„Hier ist Besuch für dich, Harry", sagte Leah leise. „Ich denke es wäre besser, wenn du kurz rüber kommen könntest."

Sie sah Harry noch leicht nicken, dann verschwand sein Gesicht aus dem Spiegel und einen Moment später hörte Leah leise, knarrende Schritte auf dem Korridor.

Dann öffnete sich ihre leise Tür und Harrys Kopf erschien. Eine weitere Sekunde später war ihre Tür ebenso leise wieder geschlossen und Harry saß neben ihr auf dem Bett.

Lächelnd hielt er Hedwig ein paar Sonnenblumenkerne hin, die er aus der Tasche seines Bademantels geholt hatte.

„Woher wusstest du, dass sie hier ist", fragte Leah verwirrt.

„Weil er mich gefragt hat", erklärte Harry schlicht.

„Er", hakte Leah irritiert nach.

„Warum machst du nicht einfach dein Geschenk auf, Lee?" Er lächelte sie noch einmal an, dann verschwand er, gefolgt von Hedwig, wieder auf den Korridor und in sein Zimmer.

Leah starrte das kleine Päckchen in ihrer Hand an.

Er?

Ein leichter Schauer durchfuhr sie.

Es war nicht möglich oder?

Sie hatte gedacht sein Weihnachtsgruß an sie, wäre schon das höchste dessen gewesen, was sie sich hatte erhoffen können, doch wie es aussah…

Zaghaft zog sie an dem grünen Geschenkband und das Papier viel sanft in ihren Schoß.

Hervor kam ein samtenes, schwarzes Kästchen.

Ehrfürchtig öffnete Leah es und starrte auf das wunderschöne silberne Armband, das ihren Namen eingraviert trug.

Der Text auf der beiliegenden Karte war kurz und schlicht.

„Besinnliche Weihnachten, mein Kleines".