Vor ihr stand ein wütender Blaise, in seiner Hand der Brief.
„Bist du schwachsinnig? Ich hab dir schon einmal gesagt, lass mich in Ruhe! Halt dich fern aus meinem Leben", schrie er und zerriss den Brief in kleine Stücke.
Leah liefen Tränen die Wange hinunter.
Sie wollte etwas sagen, doch sie brachte es einfach nicht über die Lippen.
Sie starrte ihn einfach nur an, unfähig das zu verarbeiten war er so eben gesagt hatte.
„Verschwinde endlich! Oder ich hetze dir wieder die Todesser auf den Hals."
Als er Leahs verängstigten Blick sah lachte er böse und sein Gesicht verwandelte sich in Dracos.
„Hast du Angst, kleine Leah? Brauchst du nicht, wir haben deinen Vater schon längst gefunden und ermordet. Der kommt so schnell nicht wieder. Tonks ist übrigens auch nicht mehr- du musst also jetzt bei mir und meinem Vater wohnen."
Leah zuckte zurück.
Sie wollte weglaufen, aber ihre Füße bewegten sich einfach nicht.
Draco kam näher und näher und Leah konnte einfach nichts dagegen tun.
Als sich sein Gesicht abermals verwandelte und sie plötzlich in das Gesicht der hämischen Bellatrix blickte, wollte sie einfach nur noch schreien und fort von hier.
Aber es ging nicht. Ihr Körper rührte sich nicht, als wäre er verzaubert.
Bellatrix hob den Zauberstab und Leah fühlte einen dumpfen Schmerz in ihren Kopf...
Unruhig schmiss Leah sich hin und her.
Sie schwitzte und als es plötzlich ein dumpfes „bumm" gab, wachte sie endlich auf.
Sie rieb sich die Augen.
Sie schienen geschwollen und ihre Wangen waren nass.
Stöhnend wischte Leah sich ihr Gesicht an ihrem Pullover ab.
Sie war gestern anscheinend so müde gewesen, dass sie sogar vergessen hatte ihre Klamotten auszuziehen.
Außerdem war sie mal wieder aus ihrem Bett gefallen.
Ihr Kopf schmerzte, sie musste sich irgendwo gestoßen haben...
Zögernd blinzelte sie und richtete sich auf, um zu sehen, weswegen ihr Kopf so wehtat.
Ihr Kopf war auf einer spitzen Ecke eines ziemlich dicken Buches gelandet...
Leicht taumelnd stand sie auf und warf einen Blick auf ihre Uhr.
Gerade mal zehn vor sechs war es.
Eigentlich noch viel zu früh um wach zu sein, aber in ihrem Bett wollte sie nun auch nicht mehr schlafen.
Schaudernd dachte Leah an den merkwürdigen Traum zurück. Irgendwie verrückt das ganze, aber so waren Träume ja meistens.
Das was sie jetzt brauchte war Ruhe und Entspannung.
„Lee. Leah!"
Ha, von wegen Ruhe und Entspannung, dachte sie bei sich, während sie den Zweiwegespiegel aus ihrer Tasche zog.
„Harry? Was gibt's", fragte sie in den Spiegel.
Der Spiegel zeigte einen in Wollmütze und Schal eingepackten Harry.
„Kommst du mit uns raus? Es hat heute Nacht wieder geschneit!"
Leah blickte aus dem Fenster und sah verzückt, dass das komplette Schlossgelände von einer weißen Schicht überzogen war.
Nun, für eine Runde draußen im Schnee verzichtete sie doch gerne auf Entspannung.
„Wir treffen uns unten", sprach sie in den Spiegel und lief hoch um sich ihre warmen Sachen zu suchen.
Draußen war es wirklich wunderschön!
Harry, Ron und Ginny bestanden darauf nach einer kurzen Schneeballschlacht mit allen, ihre Besen zum letzten Mal in diesem Jahr zu besteigen und Hermine beobachtete die drei von einer Bank aus.
Wie Leah, hatte sie nicht unbedingt den Drang zum fliegen, ihr genügte es unten auf dem Boden zu sitzen und alle zu betrachten.
Leah dagegen drängte es nach irgendeiner Aktivität und da kamen ihr die Creevey Brüder eben recht.
Dennis und Colin waren nämlich gerade auf dem Weg zum Schlittschuhlaufen auf dem zugefrorenen See und fragten, ob Leah sich ihnen anschließen wollte.
Sie war sofort Feuer und Flamme.
Es war ewig her, dass sie zuletzt Schlittschuh gelaufen war, doch schließlich verlernte man so was ja nicht, oder?
„Traust du dich auch alleine zu fahren oder müssen wir dir die ganze Zeit helfen", wollte Colin amüsiert wissen.
Leah die zwischen den beiden Jungs fuhr, streckte ihm die Zunge raus und befreite sich aus seinem Arm.
„Ich mach das schon", meinte sie mit einem grinsen.
Colin zog die Augenbrauen hoch, fuhr dann aber mit Schnellen Gleitbewegungen davon.
Fast wäre Leah gestolpert, als sie über einen winzigen Stock glitt.
Zum Glück war Dennis noch da, um sie aufzufangen.
Er grinste. „Ja ja, du machst das alleine."
Leah wurde rot.
„Wirklich, Dennis. Ich kann fahren. Fahr du nur mit deinem Bruder."
Sie konnte Dennis gerade zu ansehen, wie gern er ebenfalls mit seinem Bruder die schnellen Bahnen um den See gefahren wäre, doch er wollte Leah auch nicht allein lassen.
Leah brauchte wirklich einiges an Überredungskunst, bis Dennis sie schließlich los ließ.
Erst entfernte er sich immer nur ein paar Schritte von ihr und beobachtete sie rückwärts fahrend genau, aber als sie sicher zu sein schien, beschleunigte er ebenfalls.
Leah seufzte erleichtert.
Manchmal waren ihre Freunde einfach viel zu fürsorglich…
Sichtlich gutgelaunt fuhr sie ein Stück schnell, ließ sich wieder gleiten und fuhr dann wieder schneller.
Leise knackte es unter ihren Füßen.
Beunruhigt sah Leah nach unten.
Hatte sie nur so ein Gefühl oder war das Eis hier dünner?
Gerade eben hatte sie doch noch nicht die Unterseite des Eises erkennen können, oder?
Vorsichtig versuchte sie ihre Fahrt zu verlangsamen und zu stoppen, um nicht noch weiter auf das dünne Eis hinaus zu gleiten.
Doch vor ihr lag ein kleiner Stein und noch bevor sie ihn richtig registrieren konnte, war sie schon längst gestolpert.
Diesmal war keine helfende Hand da, die sie vor dem Fallen bewahren konnte und so schlug sie der Länge nach hin.
Sie spürte das Blut in ihrem Mund, das sich augenblicklich sammelte und die Kälte an Händen und Knien…
Dann, als wäre die Welt um sie herum verschwunden, war da für eine Millisekunde gar nichts- und in der nächsten Sekunde brach Wasser über sie herein.
Oder brach sie in das Wasser?
Sie konnte es nicht sagen.
Ihre Logik war vollkommen ausgeschaltet.
Sie hatte nicht einmal die Zeit einen Schrei auszustoßen, da war sie schon komplett untergetaucht.
Das Wasser war eiskalt und ihre Kleidung und besonders die Schlittschuhe waren so schwer und drohten sie auf den Grund zu ziehen.
Panik war das erste was sie nach der Kälte überfiel.
Sie konnte nicht atmen! Sie würde nicht nur erfrieren, sondern auch noch ertrinken!
Verlier nicht die Nerven, verlier jetzt bloß nicht die Nerven, versuchte sie sich zu beschwören.
Sie musste sich zwingen um einen mehr oder weniger klaren Kopf zu behalten.
Es war stockduster. Wo war oben und wo war unten? War bei ihrem Kopf oben? Oder hatte sie sich gedreht?
Verzweifelt versuchte sie Umhang und Schuhe los zu werden. Sie zappelte wild herum und irgendwann gelang es ihr wenigstens die Schuhe abzustreifen.
Wild umherfuchtelnd versuchte sie der Oberfläche näher zu kommen, doch da war nur Eis.
Ihre Hände tasteten, aber sie konnte nichts anderes als Eis spüren…
Sie versuchte das Loch wieder zu finden, durch das sie gefallen war, doch es war hoffnungslos.
Wie sollte sie je hier hinaus kommen?
Der Sauerstoffmangel verwirrte ihre Sinne.
Fast wäre sie sich sicher gewesen, dass von irgendwo oben Licht kam. Aber das konnte nicht sein, oder?
Doch! Da war es wieder! Helles gelbes Licht! Sie kniff die Augen zusammen und versuchte ihm mit schwachen Zügen entgegen zu schwimmen, doch es schien zu weit weg… entfernte es sich?
Vor ihren Augen begann es zu flimmern.
Oh nein… das kannte sie…
Das weiße Licht vor ihren Augen übermannte sie… nur noch ein paar Sekunden, dann würde alles schwarz werden und sie würde, wie schon öfters, Ohnmächtig werden.
Das durfte nicht passieren. Nicht jetzt!
Verzweifelt startete sie einen letzten Versuch und trat mit ihren Beinen nach unten, um sich weiter nach oben zu katapultieren.
Schmerz durchzuckte.
Ihr Kopf war gegen hartes Eis gestoßen.
Sie blinzelte.
Kam das Licht wieder näher?
Dann war es endgültig vorbei und die Schwärze vor ihren Augen übermannte ihren Körper…
Langsam flatterten ihre Lieder als sie die sanfte Wärme um ihren Körper spürte.
War sie ertrunken?
„Sie wacht auf", sagte eine Stimme. Sie klang erleichtert.
Andere Stimmen seufzten auf.
Träumte sie?
Leah blinzelte.
Nein, der Himmel über ihr war viel zu blau, um ein Traum zu sein.
Wieder spürte sie die Wärme um sich herum.
Wo war sie?
„Es ist alles in Ordnung, Kleines", murmelte die Stimme an ihrem Ohr.
Blaise!
Verwirrt blickte sie umher.
Eine Reihe besorgter Leute standen um sie herum und beobachteten jede ihrer Bewegungen.
Die Wärme, die sie wahrgenommen hatte, kam von Blaise, denn sie saß auf einer Bank in eine Decke gewickelt und seine Arme hielten sie fest umschlungen.
Sie waren also immer noch draußen.
Dann konnte sie nicht so lange bewusstlos gewesen sein.
War sie überhaupt bewusstlos gewesen? Aber ja, es musste so gewesen sein.
Sie konnte sich weder an eine Rettung, noch an die letzten Minuten zuvor erinnern…
„Dennis und Colin holen Madam Pomfrey, sie wird jede Minute hier sein." Ginny!
Leah schüttelte den Kopf. „Mir…", ihre Stimme war nur ein flüstern und sie musste husten.
„Lee, lass Madam Pomfrey dich untersuchen, bitte." Harry kniete sich vor sie und blickte ihr ernst in die Augen.
„Hör auf ihn, Kleines."
Langsam nickte Leah.
Wenn Harry und Blaise sich schon einmal einig waren, musste sie doch zustimmen oder?
Moment mal. Blaise?
„Was… was machst du-", weiter kam sie nicht, denn ein erneuter Hustenanfall schüttelte sie.
„Ist schon gut." Blaise hielt sie noch fester und streichelte ihr sanft über den Rücken.
Leah lehnte sich dankbar gegen ihn und schloss wieder die Augen.
Es war anstrengend sie offen zu lassen.
Er hatte ja Recht, die Fragen konnte sie auch später noch klären.
„Sie sind ja verrückt geworden", schimpfte Madam Pomfrey. „Auf dem See Schlittschuh zulaufen! Was für ein schwachsinniger Gedanke!"
Leahs Gesicht wurde heiß.
Eigentlich war es ihr ganz sicher vorgekommen, auf dem See zu fahren.
„Es ist meine Schuld", warf Dennis schnell ein. „Ich habe sie dazu überredet."
„Still", murrte die Krankenschwester und begutachtete Leah nun mindestens zum dritten Mal.
„Sie haben wirklich unglaubliches Glück gehabt, das Mr. Zabini hier so schnell geschaltet hat und einen Suchzauber gesprochen hat… wenn Sie so weiter machen, werde ich Ihrem Vormund bescheid sagen müssen!"
„Bitte nicht, Madam Pomfrey! Ich verspreche, ich erzähle es Tonks selber und ich werde nie wieder so eine Dummheit machen", versprach Leah schnell.
Tonks würde sich ja doch wieder nur unnötige Sorgen machen…
Madam Pomfrey seufzte.
„Na gut. In Ordnung. Aber das Sie Jungens", sie blickte bedeutungsvoll zu Harry, Dennis und Blaise, die mit ins Krankenzimmer gekommen waren, „hier schön auf Miss Light aufpassen! Ich will von keinen Vorfällen mehr hören, sonst werde ich Ihre Check-ups erhöhen oder sie am Wochenende zur Beobachtung hier behalten!"
Leah versprach ihr alles was sie wollte, Hauptsache sie musste den Rest der Ferien nicht im Krankenflügel verbringen.
Madam Pomfrey gab ihr einige Grippevorbeugende Mittel mit und befahl ihr sich auszuruhen und am nächsten Tag noch einmal zu einer Untersuchung vorbei zu kommen, dann durfte sie endlich gehen.
Leah war nur zu gespannt, was passiert war, denn die Jungen hatten ihr immer noch nicht richtig erzählt, wie sie Leah retten konnten bzw. woher Blaise plötzlich gekommen war…
