Kapitel 14: "Krieg"

Mr Tiny starrte in die Grube, in der das Mädchen sich in Luft aufgelöst hatte.

Sein Gesicht war zu einer zornigen Grimasse verzogen.

Wo war sie hin?

Wo war der Lord der Schatten?

Da begann die Luft neben ihm zu flirren und aus dem Nichts materialisierte sich Gillian.

„Da bist du ja!", sagte Tiny und versuchte seine Überraschung zu verbergen.

„Hast du Fragen?"

Gillian sah ihn einfach nur an.

Sie sah anders aus.

Da war kein Blut mehr an ihren Beinen, ihre Haut war makellos weiß, das Haar umfloss sie wie Wasser.

Sie trug nicht mehr den Umhang, sondern ein Kleid und andere Stiefel.

Das Kleid war jenes, welches Steve ihr geschenkt hatte, und die Stiefel waren ein Geschenk Lartens. Sie hatte sie gewählt, ohne nachzudenken, als sie ihre Erscheinung wählte.

Und die Wunde an der Schulter von dem Wurfstern war auch fort.

Des Tiny wurde nervös. „Willst du nicht in den Kampf eingreifen? Willst du nicht entscheiden, wer überlebt? Ich verstehe das. Du möchtest, dass Larten Crepsley wieder lebt, nicht wahr? Und wenn du einen der beiden tötest, macht ihn das auch nicht wieder lebendig."

Er verzog traurig das Gesicht.

„Aber wie wäre es, wenn ich Crepsley für dich zurückbringe? Na, soll ich das für dich tun?"

Er zog die Taschenuhr hervor.

„Ich kann das, weißt du."

Er leckte sich über die Lippen.

„Du irrst dich, Tiny, du kannst ihn nicht zurückbringen, er ist bereits ins Licht gegangen."

Tiny blinzelte.

„Woher willst du das wissen?". Er kniff die Augen zusammen.

Gillian beugte sich vor. „Ich selbst habe ihn auf die andere Seite geleitet", knurrte sie.

„Und ich werde auch Darren Shan herübergeleiten. Du kannst sie nicht als einer der kleinen Leute hierher zurückholen, deine necromantischen Kräfte nützen dir nichts. Ihre Seelen sind vor dir sicher. Du wirst sie nicht in die Finger kriegen!"

Des Tiny lächelte böse. „Du willst also Darrens Seele retten? Was ist, wenn er den Kampf gewinnt, und den kleinen Stevie tötet? Kannst du das ertragen, dass Shan deinen geliebten Steve umbringt? Kannst du dabei zusehen?"

Er hob eine Hand und drohte mit den Fingern zu schnipsen, um die Zeit weiterlaufen zu lassen.

„Ich kann dabei zusehen. Ich muß. Ich werde mich nicht einmischen."

Des Tinys Grinsen wurde böser. „Wir werden sehen. Aber zunächst sag mir: Wo ist der Lord der Schatten?"

Jetzt war es an Gillian, böse zu grinsen.

„Weißt du das nicht? Weißt du nicht, wer ich bin?"

Tinys Lächeln gefror. „Nur eine Schattentänzerin im Körper eines Vampirs, die zu starke Kräfte entwickelt hat."

Gillian schüttelte den Kopf. „Nein Tiny."

Sie beugte sich vor.

„Mach schon. Schnipp mit den Fingern. Bringen wir es hinter uns. Wenn Darren stirbt, werde ich ihn ins Licht geleiten. Und wenn Steve stirbt ebenso. Ich werde sie erwarten. Jeden einzelnen von ihnen. Jeder, egal ob Vampir oder Vampaneze, ob guter oder schlechter Mensch, jeden der im Krieg der Narben sterben wird, werde ich erwarten und hinüber ins Licht geleiten. Und du wirst sie nicht einfangen und wiederbeleben können. Ihre Seelen werden sich nicht in die Reihen deiner Armee einfügen. Und wenn der Tag des Jüngsten Gerichts kommt, wird deine Schlachtreihe dünn sein.

Ich bin Cailleach, die Königin von Licht und Dunkelheit!

Hiermit erkläre ich dir den Krieg, Des Tiny!", knurrte sie und fletschte die Zähne.

Desmond Tiny taumelte erschrocken zurück.

Cailleach? Das konnte, das durfte nicht sein!

Angst zeigte sich auf seinem Gesicht.

Er wich vor ihr zurück.

„Du willst den Lord der Schatten?", fragte Gillian. „Hier ist er!"

Und hinter ihr, zu ihren Füßen und um sie herum, zog sich die Dunkelheit zusammen zu einer großen, mächtigen Gestalt, die drohend hinter ihr aufragte.

Der Lord der Schatten knurrte, und seine Stimme war Donnergrollen.

Desmond Tiny versuchte seine Furcht zu verbergen.

„Du kannst mich nicht töten, Cailleach", lächelte er.

„Wir werden sehen…", sagte sie und hetzte den Lord der Schatten auf ihn.

Der Lord stürzte sich auf Desmond Tiny, und seine Augen waren schwarze Löcher, seine Hände Klauen aus Rauch und seine Stimme das Knurren eines Ungeheuers, begleitet von fernem Donnergrollen.

…to be continued

The Vampires Student IX „Die Königin von Luft und Dunkelheit"

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