Herzlichen Dank an die lieben Reviewerinnen Hedril und Felina, Minikissgirl und Drachentochter!
Willkommen zurück, liebe Lufa – wie ich hoffe – und heute hoffentlich viel Spaß mit unserem Schwerenöter!
Ach ja, was vielleicht noch interessant ist: Jetzt beginnt der zweite Tag in der Geschichte: der 2. November!
Runa
2.11. 8 Uhr
ICH BIN TOT! Dahingerafft! Mausetot! RATTENTOD!
Hatte er es nicht gewußt?!
Und jetzt wird mein Körper von Außerirdischen abgeholt! Ich hätte doch den Klitterer aufkaufen sollen!
Erschrocken hatte Lucius sich aufgesetzt und starrte das unförmige, plumpe Wesen an, das an seinem Bett stand und mit irritierend gütiger Körperhaltung auf ihn herunterschaute. Tapfer erwiderte er dessen Blick.
Nein, ich will nicht klagen! So habe ich es wenigstens hinter mir!
Erst dann erkannte er SIE.
„Sie haben gestern Abend so selig geschlafen, Mr. Malfoy. Ich habe es nicht übers Herz gebracht, Sie zu wecken! Und der Test läuft ja nicht weg…"
Rosalie!
Er ließ sich in die Kissen zurücksinken. Wie gestern schon umgab ihn ihre liebreizende Stimme vollkommen unmittelbar; der war nicht anzumerken, daß sich zwischen ihm und ihr unüberwindbare Barrieren des Infektionsschutzes befanden.
Und wie sie das gesagt hatte…! Daß sie IHN mit ihrem HERZEN in Verbindung brachte…! (Auch wenn er lieber an die attraktive Ausformung ihrer Oberfläche dachte, an das was ÜBER ihrem Herzen zu fühlen wäre… Weich und prall….
Lucius seufzte.
Andererseits befanden diese ersehnenswerten Körperteile unter diesem fürchterlich klobigen und furchteinflößenden Schutzanzug – den sie trug, weil er, Lucius, LEBENSGEFÄHRLICH war! Giftig! TODBRINGEND!
Und gut, sie hatte an seinem Bett gestanden, ihn angesehen und bestimmt sogar gelächelt…
Aber eben, während ER geschlafen hatte. HILFLOS und SCHWACH und KRANK und vor allem STABLOS!
Wie strahlend die Kleine ihn jetzt anlächelte, hätte ihn all das glatt vergessen lassen können – doch sie tat das eben lediglich durch ein kleines Fenster in dem sackförmigen Gebilde, das sie über dem Kopf trug. Gab es in der magischen Welt keine dezenteren Möglichkeiten für einen wirksamen Infektionsschutz? Was war los mit dem Berufsstand des magisch-technischen Designs? Oder war das Absicht? Um mit Hilfe dieser geschmacklosen Häßlichkeit die Quarantäneopfer in Schach zu halten? Sie am Ausbrechen zu hindern?
Leise aufstöhnend, fuhr Lucius sich mit dem Handrücken über die heiße Stirn.
„Ich fühle es schon!" Das innere Zittern hatte er einigermaßen aus seinem Ton heraushalten können.
„Warten Sie doch erst einmal ab, Mr. Malfoy…"
„LUCIUS!" Trotz seiner Mattigkeit lag noch immer ein Hauch ihres alten Wohlklanges in seiner Stimme. „Wir waren doch schon beim Vornamen angekommen! ROSALIE!"
Daß sie ihn nicht in seine Schranken wies, indem sie ihren Titel Schwester davor setzte, daß sie ihn stattdessen warmherzig anlächelte, erfüllte ihn inmitten der Pest mit der Erinnerung an seine gewohnte Männlichkeit. Was die hübsche junge Frau verstärkte, indem sie ihre Hand auf seine Schulter legte.
Überrascht atmete Lucius ein.
SO schnell suchte sie Körperkontakt?! Das war… Lucius verzog das Gesicht. Das WÄRE überaus vielversprechend gewesen! WENN ihre Hand sich zu der Zeit nicht in einem kalten, formlosen Handschuh befunden hätte. Dieser furchtbare Umstand allerdings führte den Begriff des Körperkontakts ad absurdum.
Wie hoffnungslos! Wie TROSTLOS! Man stelle sich vor! Wir beide im Bett – und ich darf sie nur durch diese harte, abweisende SCHUTZHAUT berühren!
Erneut traf ihn der verheerende Schlag:
ER WÜRDE NIE WIEDER SEX HABEN!
Entkräftet schloß er die Augen, um endlich zu sterben.
Rosalie streichelte seine Schulter durch sämtliche Schichten hindurch. Auch daß sein Geschlechtsorgan darauf NICHT IM MINDESTEN reagierte, bewies ihm, daß er es in den folgenden Minuten tun würde. STERBEN.
„Jetzt machen wir erst einmal den Test. Sie werden sehen, Lucius! Wenn der jetzt negativ ist…"
„Ich fühle es schon…"
„Liegen Sie ganz ruhig! Ich werde jetzt diesen Spezialstab über Sie halten, und dann werden wir es gleich wissen!"
Er sah nicht hin. Lag nur da. Ohne zu atmen. Sterben würde er sowieso.
„Und entspannen Sie sich! Der Testzauber tut nicht weh!"
Entspannen? In seinen Muskeln war ohnehin keine Kraft mehr! Er hustete. War auch das…?
Erneut tätschelte sie seine Schulter.
Er fühlte nur die Barriere zwischen ihnen.
ER WÜRDE NIE WIEDER SEX HABEN!
Nicht mit ihr und nicht mit irgendeiner anderen Frau auf dieser Welt!
Das war seine Strafe! So ließ DIE EINE Frau ihn büßen, mit der er sich nie hätte einlassen dürfen!
„Sei ganz ruhig, Lucius!" Aber wie wunderbar sich DAS anhörte! „Ich werde jetzt den Zauber sprechen."
Deshabilus! DAS wäre ein passenderer Zauber! Würde der auch gegen dieses Ungetüm von Schutzanzug wirken…?
Sein resignierendes Nicken unterdrückend, schloß er lediglich wieder die Augen. In Erwartung der Bestätigung seines Todesurteils. Ihrer sanften, kummervollen Stimme. Die verkünden würde, daß…
„NEIN, LUCIUS!"
WAS?
NICHT kummervoll?
Er war…?
Aufgeregt war sie! ERFREUT! Sie freute sich ehrlich!
Er war NICHT…?
ER WAR NICHT…!
Welch ein wundervolles Geschöpf sie war!
„Haben Sie es gesehen? DAS ist doch schon mal wunderbar! Sie sind zu DIESEM Zeitpunkt absolut gesund!"
JETZT!
Jetzt noch. NOCH. Aber NOCH war er… sozusagen gesund. GESUND!
Rosalie strahlte ihn an, so herzlich, daß er den Rahmen des Fensters, hinter dem sich ihr Gesicht befand, beinahe vergessen konnte.
„Jetzt können Sie sich erst einmal beruhigt zurücklehnen!"
Lucius hatte gar nicht bemerkt, daß er sich aufgesetzt hatte. Wollte ihren Worten folgen – als er registrierte, daß er nicht länger im Bett bleiben wollte! Nein! Er fühlte sich viel zu… GUT! Stark! Energiegeladen!
Nun gut, das galt JETZT, für diesen Augenblick. Die heutige Entwarnung sagte nichts darüber aus, ob sich in seinem Körper diese magische Zeitbombe befand oder nicht.
ABER jetzt war es so!
Seine Krankenschwester schickte sich an zu gehen. Ihre Hand auf seiner Schulter erzeugte eine wohlige Wärme in seinem gesamten Körper.
„Ihr Frühstück wartet in der Schleuse. Sie werden sehen: Danach werden Sie sich richtig gestärkt fühlen!" Noch in der Tür drehte sie sich zu ihm um. „Wenn Sie etwas brauchen, klingeln Sie ruhig. Und wir beide sehen uns dann spätestens übermorgen früh wieder!"
Ja, sie würden sich wiedersehen! Dagegen hatte er nicht das geringste einzuwenden!
Die Herbstsonne fiel durch das Fenster. Es war heller Morgen! UND ER AM LEBEN! Er fühlte sich ausgeschlafen und erfrischt wie selten! Und das, obwohl er in seiner Kleidung genächtigt hatte!
Nun ja, er hatte lange schon nicht mehr so viele Stunden am Stück geschlafen. Und auch nicht so traumlos, seit… Dabei hatte er seinen Anti-Albtraumtrank gar nicht genommen gestern Abend. Er würde Dr. Leid anweisen, die Dosierung zu überprüfen…
ER FÜHLTE SICH EINFACH GROßARTIG, UND ER HATTE HUNGER!
Was hatte Rosalie von der Schleuse gesagt? Die würde er sich zuerst einmal ansehen! Und FRÜHSTÜCKEN!
Wie ein junger Gott sprang Lucius Malfoy aus dem Bett und streckte sich genüßlich. Wie lautete es doch gleich?
Carpe diem! Ergreife den Tag! Als ob es Dein letzter wäre!
Sein letzter. Das war nicht ausgeschlossen.
ABER ER WÜRDE ES TROTZDEM TUN! Den Tag nutzen! Und sich nicht länger so hängen lassen! Sondern sich seinem Schicksal stellen wie ein MANN!
Ja, vor allem diese Tatsache wollte er noch nicht vergessen!
Gerade WEIL der Verlust seiner Männlichkeit gewiß Ginevra Weasleys letzter Wille wäre!
