Alle Charaktere und sämtliche Rechte an ‚NCIS: Los Angeles' gehören CBS und Shane Brennan Productions. Die folgende Geschichte dient keinerlei kommerziellen Zwecken, sondern wurde nur zum Vergnügen für Fans geschrieben. Eine Verletzung des Copyrights ist nicht beabsichtigt. Alle weiteren Personen gehören der Autorin.

Viel Spaß beim Lesen und ich freue mich auf Eure Rückmeldungen.

Kapitel 2 - Erste Hilfe

Müde schloss Joann die Tür auf. Das Team hatte noch lange mit Hetty zusammengesessen und die ersten Schritte geplant. Den Großteil der Arbeit würden erst einmal Eric und Nell haben. Sie mussten extrem vorsichtige Recherchen betreiben. Alle anderen würden sich in den nächsten Tagen mit ihren Informanten in Verbindung setzen.

Jetzt stand Joann in der Küche und starrte mit leicht leerem Blick ihren Herd an. Eigentlich kochte sie gerne. Joann liebte es, abends zusammen mit G zu essen, den Tag noch einmal Revue passieren zu lassen, Pläne für den nächsten Tag oder das Wochenende zu machen. Das war ihre gemeinsame Zeit. Seit G weg war, kochte sie kaum noch. Joann ertrug es einfach nicht, alleine am Tisch zu sitzen. Außerdem war sie meistens zu müde zum Kochen. Auch jetzt entschied sie sich dagegen. Nach einem Blick in den fast leeren Kühlschrank gab sie den Gedanken an Essen ganz auf. Stattdessen zog sie sich eine Flasche Wein aus dem Regal, schlich regelrecht ins Wohnzimmer und machte es sich auf der Couch bequem.

Sam lief. Gleichmäßig folgte Schritt auf Schritt. Sein Körper handelte automatisch, während sein Geist noch einmal durchging, was Hetty ihnen heute erzählt hatte. Diese Frau hatte Unmengen von Verbindungen und Beziehungen, aber ein großer Teil davon war anscheinend kaltgestellt worden. Oder fand es klüger, sich von Hetty zu distanzieren. Wer auch immer dahinter steckte, es war jemand sehr Mächtiges.

Erschrocken fuhr Joann auf der Couch hoch, ihr Weinglas fiel zu Boden und zerbrach. Erst als die Türklingel regelrecht Sturm schellte, wusste sie, was sie geweckt hatte. Joann war lange genug Profi, um sofort aufmerksam und vorsichtig zu sein. Ihre Waffe in der Hand ging sie zur Tür und warf durchs Fenster einen Blick nach draußen.

Heftig warf Kensi ihre Schlüssel auf die Kommode. Sie war wütend auf Hetty. Die ganze Zeit hatten sie und ihre Kollegen sich Sorgen um Callen und Deeks gemacht, während Hetty zumindest gewusst hatte, dass beide am Leben waren. Wieso hatte Hetty kein Wort gesagt? Wieso hatte Hetty sie drei nicht um Hilfe gebeten? Wieso betonte Hetty immer die hervorragenden Leistungen ihres Teams, wenn sie diese dann nicht in Anspruch nahm? Jetzt, nach drei Wochen, bezog sie endlich ihr Team mit ein. Hoffentlich hatte Hetty nicht zu lange gewartet.

Müde fiel Kensi auf ihr Sofa, schaltete den Fernseher ein und packte ihr mitgebrachtes Abendessen aus: Hamburger, Pommes Frites und Milchshake. Sie vermisste Deeks so sehr, dass es ihr regelrecht unheimlich war. Manchmal hatte Kensi dass Gefühl, dass Deeks jeden Moment hinter ihr auftauchen würde, einen dummen Spruch auf den Lippen, ein freches Grinsen auf dem Gesicht. In der Zentrale ging sie immer wieder auf den Bürobereich zu und erwartete, Sam und Callen dort sitzen zu sehen, kräftig am Frotzeln. Es waren erst drei Wochen, aber für Kensi hätten es auch drei Jahre sein können. Sie seufzte laut und konzentrierte sich dann auf die Show.

Als sie erkannte, wer vor der Tür stand, sicherte Joann ihre Waffe und steckte sie ein.

„Pops! Was ist passiert? Geht es allen gut?" Joann war besorgt. Für einen Spontanbesuch durch ihren Vater war es viel zu spät.

Scott nahm seine Tochter feste in die Arme. Sofort registrierte er die Waffe in ihrem Rücken. „Jason und seiner Familie geht es gut, Kleine, mach Dir keine Sorge. Ich bin Deinetwegen hier."

Joann war gleichzeitig erleichtert und besorgt. „Komm erst mal rein, Pops."

Besorgt registrierte Scott Joanns Zustand. Nur weil er sie so gut kannte, fiel ihm auf, dass sie leicht unsicher ging und minimal lallte. Dann sah Scott das zerbrochene Weinglas auf dem Boden und die leere Flasche auf dem Tisch. Ein weiterer Blick in Joanns Gesicht steigerte seine Besorgnis noch.

Joann ließ sich wieder auf der Couch nieder. „Also, Pops, was ist los? Wieso bist Du meinetwegen hier?"

„Weil ich mir Sorgen um Dich mache, Kleine. Seit G so plötzlich abgezogen wurde, haben wir Dich nur einmal gesehen und Du rufst auch nicht mehr an. Daher habe ich beschlossen, herzukommen. Das scheint auch richtig gewesen zu sein." Scott schüttelte den Kopf. „Joann, Du siehst schlimm aus. Was ist los?"

„Mir geht es gut, Pops. Ich bin nur müde, weil wir ohne Ende Überstunden machen. Ich denke aber, dass es bald besser wird. Hetty hat uns Verstärkung besorgt."

„Kleine, ich kenne Dich Dein ganzes Leben. Daher weiß ich auch, dass Du mir etwas verschweigst. Außerdem bin ich nicht blind. Du bist angetrunken. Wahrscheinlich isst Du schon seit einer Weile nicht mehr richtig. Und ich denke, dass Du schlecht oder gar nicht schläfst. Jetzt sag mir noch einmal, dass es Dir gut geht und sieh mir dabei direkt in die Augen."

Erschöpft lag Kensi im Bett, konnte aber nicht einschlafen. Jedes Mal, wenn sie die Augen schloss, gaukelte ihr Verstand ihr grauenvolle Bilder vor: Deeks, in seinem Blut auf dem Boden liegend, erschossen; Deeks als Wasserleiche, ganz aufgequollen, von Fischen angefressen; Deeks mit gequält verzerrtem Gesicht, zu Tode gefoltert.

Kensi schüttelte über sich selbst den Kopf. Deeks hatte viele Jahre erfolgreich als Cop gearbeitet und konnte auf sich selbst aufpassen. Trotzdem konnte sie diese Gedanken nicht abschütteln. Sie waren so hartnäckig, dass sie davon sogar in ihren Träumen verfolgt wurde.

Laut seufzend machte Kensi ihr Nachttischleuchte an und setzte sich im Bett auf. Mit gerunzelter Stirn sah sie vor sich hin. So ging das nicht weiter. Sie brauchte ihren Schlaf. Übermüdet wurde sie ein Risiko für sich und ihre Kollegen. Schließlich beschloss Kensi, dass es Zeit für ein Gespräch mit Nate war. Nachdem sie diese Entscheidung getroffen hatte, startete sie einen erneuten Versuch, zu schlafen.

Joann schloss die Augen. Sie fühlte sich total ausgelaugt und das lag nicht nur an der vielen Arbeit. Nach einem leisen Seufzer öffnete Joann ihre Augen wieder und sah Scott direkt an.

„Du hast Recht, mir geht es ziemlich schlecht. Ich vermisse G und Deeks und ich mache mir um beide wahnsinnige Sorgen. Außerdem fehlt mir mein Partner. Ich kann auch mit Kensi und Sam arbeiten, aber Ray und ich waren ein eingespieltes Team. Schon wieder bricht meine Welt zusammen. Ich versuche damit umzugehen, aber es fällt mir schwer." Joann schluckte. „Als ich vorhin in das leere Haus zurückkam, wollte ich nur eines: Abschalten. Also habe ich eine Flasche Wein aufgemacht. Okay, mir war nicht bewusst, dass ich sie ganz getrunken habe. Aber es hat funktioniert, ich bin eingeschlafen."

Langsam schüttelte Scott den Kopf. „Kleine, ich verstehe Dich ja, wirklich. Aber das ist nicht der richtige Weg. Warum kommst Du nicht zu mir, bis G wieder zurück ist? Dann musst Du Dich um nichts kümmern und bekommst die notwendige Ruhe, wenn Du Feierabend hast."

„Pops, ich bin eine erwachsene Frau, ich kann doch nicht wieder bei meinem Vater einziehen!"

„Jo, nüchtern würdest Du dass nicht sagen. Wenn Du jetzt krank wärst, bettlägerig, hättest Du dann ein Problem, wenn ich Dich zu mir holen würde, solange Du alleine bist? Damit ich Dich gesund pflegen kann?"

Joann fiel das Denken schwer. Müdigkeit, Erschöpfung und der Alkohol schienen ihr Gehirn in undurchdringliche Watte gepackt zu haben. Aber bevor Joann eine Entscheidung treffen konnte, stand Scott auf.

„Kleine, Du kommst jetzt sofort mit zu mir. Ich lasse Dich auf keinen Fall alleine hier mit Deinen Gedanken und Deinen Sorgen. Du schläfst im Gästezimmer und morgen, wenn Du nüchtern und ausgeschlafen bist, besprechen wir das in Ruhe. Bist Du in der Lage, Dir ein paar Sachen zusammen zu packen oder soll ich das machen?"

Joann runzelte die Stirn, gab dann aber nach. „Im Schrank steht meine Notfalltasche, da ist alles drin, was ich brauche. Aber was ist mit meinem Wagen? Den brauche ich morgen."

„Ich fahre Dich vor der Arbeit her, kein Problem."

Als Kensi ins Hauptquartier kam, saß Nate bereits auf der Couch und las in einem Comic. Sie lächelte. Der Anblick war vertraut, auch wenn Kensi ihn lange nicht gesehen hatte.

„Guten Morgen, Nate."

Der große Mann lächelte sie über das Heft hinweg an.

„Hallo, Kensi!" Dann musterte Nate seine Kollegin genauer. „Wann hast du das letzte Mal richtig geschlafen?"

Sie seufzte. „Darüber muss ich dringend mit Dir reden. Hast du Zeit?"

„Natürlich, Kensi." Nate stand auf. „Lass uns in mein Büro gehen."

Als Joann in die Küche kam, wartete ein großes Frühstück auf sie. Scott stand am Herd und briet Eier. Kopfschüttelnd nahm Joann sich einen Becher Kaffee.

„Pops, was machst Du da? So umfangreich frühstücke ich nie!"

„Das mag sein, aber Du isst zur Zeit nicht richtig. Also sorge ich für eine gute Grundlage, damit Du genug Energie für Deinen anstrengenden Tag hast." Scott grinste seine Tochter an. „Und ich bringe Dich erst zu Deinem Wagen, wenn Du ordentlich gegessen hast!"

Joann rollte mit den Augen, setzte sich dann aber doch an den Tisch und langte zu. Nachdem Scott die Eier fertig hatte, setzte er sich zu ihr.

„Okay, Kleine, jetzt sag mir was los ist. Es ist nicht das erste Mal, dass G undercover ist. Warum hast Du diesmal Probleme damit?"

Joann zögerte mir ihrer Antwort. Sie hatte ihrem Vater während eines knappen Telefonats nur gesagt, dass G und Deeks für eine Weile undercover sein würde und dass man Ray zu Schulungsmaßnahmen geschickt hatte. Er wusste nicht, was wirklich geschehen war und Joann war sich unsicher, was sie ihm erzählen durfte. Schließlich traf sie eine Entscheidung.

„Weil es diesmal etwas anderes ist. Ich habe Dir vor drei Wochen nicht alles gesagt." Knapp schilderte sie Scott, was tatsächlich los war.

„Morgen, Hetty." Sam trat an den Schreibtisch seiner Chefin.

„Guten Morgen, Mr. Hanna." Abwartend sah Hetty ihren Agenten an.

„Ich habe noch mal gründlich über unsere Pläne nachgedacht. Sie sind gut, aber ich glaube nicht, dass wir genug Zeit dafür haben." Sam setzte sich und sah Hetty mit gerunzelter Stirn an. „Das ist kein Angriff gegen unser Team, sondern gegen Sie persönlich. Zuerst werden Ihnen die Mitarbeiter ihres besten Teams weggenommen, dann werden Sie von Ihren Kontakten getrennt. Was kommt als nächstes? Kürzt man Ihre Mittel? Werden weitere Mitarbeiter abgezogen? Was geschieht mit unseren Leuten, die weg sind? Wie sicher sind sie, dort wo sie sind? Was auch immer die vorhaben, sie werden sich nicht viel Zeit für ihren nächsten Schritt lassen." Sam beugte sich nach vorne und sah Hetty ernst in die Augen. „Wir müssen schneller handeln und dazu brauchen wir Hilfe. Renko und Nate reichen da nicht aus."

Aufmerksam hatte Hetty den Ausführungen von Sam zugehört. Er sagte ihr nichts, woran sie nicht schon selber gedacht hatte.

„Und was schwebt Ihnen vor, Mr. Hanna? Wen sollen wir um Hilfe bitten? Jeder, den wir fragen, könnte in Gefahr geraten. Oder wir gefährden Mr. Callen und Mr. Deeks."

„Ich weiß, aber ich denke nicht, dass wir eine andere Wahl haben. Wir könnten sie auch durch zu langes Abwarten in Gefahr bringen. Hetty, ich bin mir ziemlich sicher, dass die beiden ganz schnell zurück wollen. Und mein Bauchgefühl sagt mir, dass sie in Schwierigkeiten stecken oder bald stecken werden."

Hetty sah Sam nachdenklich an. Er war derjenige in ihrem Team, der sich immer die meisten Sorgen machte. Aber sie wusste auch, wie wichtig das Bauchgefühl bei einem Agenten war. Sie selbst verließ sich oft genug darauf.

„An wen haben Sie gedacht, Mr. Hanna? Wen sollen wir um Hilfe bitten?"

„Detective Bernhardt und Special Agent Gibbs. Außerdem haben Eric und Nell zu jemandem Beziehungen, der Zugriff auf Satteliten und geheime Informationen hat. Vielleicht kann der uns auch helfen. Ich bin sicher, die anderen haben auch noch ein paar Ideen."

„Ich werde darüber nachdenken, Mr. Hanna."

Konzentriert hatte Scott Joanns Ausführungen gelauscht. Jetzt verstand er seine Tochter besser.

„Okay, Kleine, und was nun?"

„Keine Ahnung, Pops." Joann warf einen Blick auf ihre Uhr. „Ich denke, erst einmal ab zur Arbeit. Dort sollte ich noch mal mit den Kollegen sprechen. Gestern klangen die Ideen und Pläne gut, aber heute…" Joann schüttelte ihren Kopf. „Ich habe so ein ungutes Gefühl, als ob wir uns beeilen müssten. Und ich werde mit Nate sprechen. Er hat mir schon öfter geholfen, mit meinen Sorgen und Gedanken klar zu kommen."

Scott nickte ernst. „Das klingt nach einem guten Plan." Dann stand er auf. „Na komm, ich bring Dich zu Deinem Auto."

Wie schon am Tag zuvor, warf Hetty alle aus der Ops, die nicht zum Team gehörten. Anschließend gab sie Sams Bedenken an die Anwesenden weiter.

„Ich bin zum selben Schluss gekommen, Hetty. Wir müssen sehr vorsichtig sein, aber wir haben keine Zeit zu verschwenden. Wer auch immer gegen Sie und uns vorgeht, hat das alles gut geplant. Er ist uns ein paar Schritte voraus. Die müssen wir einholen."

Kensi nickte. „Sam und Jo haben Recht. Unsere Ideen von gestern sind gut, aber wir müssen sie schneller umsetzen." Kensi schluckte. „Wir wissen alle, was passiert ist, als Deeks seinen letzten Einsatz für das L.A.P.D. hatte."

Sam wandte sich an Eric und Nell. „Als wir Kensi aus Mexiko zurückgeholt haben, hat Euch jemand die notwendigen Zugriffe auf die Satteliten und den OSP-Computer verschafft. Wer war das und kann dieser jemand Euch vielleicht wieder helfen? Zum Beispiel, um herauszufinden, wo G ist oder wer die Fortbildung für Ray ausgelöst hat?"

Die beiden sahen sich an. Es fand ein wortloser Austausch statt, an dessen Ende Eric das Wort ergriff. „Ich frage meine…Quelle, aber ich werde nicht sagen, wer es ist. Nicht ohne das okay meiner Quelle."

Hetty nickte verstehend. „Gut, Mr. Beale, machen Sie das. Was ist mit Detective Bernhardt?"

„Ich spreche mit ihm. Er war mit in Mexiko und bei unseren Serienmörderinnen hat er auch geholfen. Ich denke, er wird uns helfen, so gut er kann." Kensi hatte sich von Anfang an gut mit Matt Bernhardt verstanden. Von ihr würde der Detective sich nicht lange bitten lassen. „Außerdem möchte ich noch jemanden um Hilfe bitten. Detective Marcus Peterson."

„Der Polizist, dem Fisher die Suchanfrage geklaut hat?" Sam war verblüfft, als Kensi nickte. „Wieso?"

Kensi zögerte kurz, bevor sie antwortete. „Der Mann hat viel Erfahrung und lässt sich nicht so leicht abwimmeln. In vierzig Jahren Polizeidienst hat er bestimmt auch eine Menge Kontakte aufgebaut. Außerdem mag er Deeks. Meiner Meinung nach können wir ihm vertrauen."

Neugierig sahen alle Kensi an, doch sie gab keine weitere Erklärung ab. Schließlich ergriff Hetty das Wort.

„Das klingt nach einem guten Vorschlag. Aber bevor Sie sich an ihn wenden, Miss Blye, sollen Miss Jones und Mr. Beale Detective Peterson überprüfen. Wenn das Ergebnis Ihre Einschätzung bestätigt, bin ich einverstanden."

„Dann werde ich mit Gibbs sprechen. Eric, kannst Du eine Videokonferenz arrangieren?"

Doch sofort wurde Sam von Hetty gestoppt.

„Das ist keine gute Idee, Mr. Hanna. Eine Videokonferenz ist sehr offiziell und hat möglicherweise Zeugen. Ein gesicherter Anruf ist die bessere Alternative."

„Die beste Alternative ist ein Vier-Augen-Gespräch."

„Miss MacKenzie, das hatten wir doch gerade." Hetty sah Joann durchdringend an. Hatte die Agentin nicht zugehört?

„Das habe ich nicht gemeint, Hetty. Ein Flug nach Washington, D.C., dauert ungefähr sechs Stunden, dann das Gespräch mit Agent Gibbs an einem unauffälligen Ort und wieder sechs Stunden zurück. Eric kann die Flüge buchen und Sam reist bei beiden Flügen unter einem Alias." Ein kurzes Schmunzeln erschien auf Joanns Gesicht. „Falsche Papiere dürften bei uns wohl kein Problem sein." Dann wurde sie wieder ernst.

„Warum so einen Aufwand, Jo? In einem gesicherten Anruf kann ich Gibbs auch alles erklären."

Doch Joann schüttelte den Kopf. „Ich weiß, es ist anstrengend und Du fehlst uns einen Tag hier, aber ich halte es für besser. Wenn Agent Gibbs uns helfen will, kannst Du gleich alles Notwendige mit ihm besprechen. Fehlende Informationen können Dir Nell und Eric per Telefon zukommen lassen." Joann versuchte, die richtigen Worte zu finden. „Ich glaube einfach nicht, dass ein Anruf klar macht, wie groß unsere Probleme sind. Oder dass G in echten Schwierigkeiten steckt."

„Joann könnte Recht haben. Agent Gibbs kennt Callen schon sehr lange. Er geht, sicher nicht zu Unrecht, davon aus, dass Callen auf sich selbst aufpassen kann. Wir haben keine Beweise dafür, dass Callen in Schwierigkeiten steckt, aber Sam und Joann glauben das. Für uns ist das genug, aber auch für Agent Gibbs? Ein persönliches Gespräch könnte ihn davon überzeugen." Nate sah in die Runde, an Hetty blieb sein Blick hängen. „Solange wir nicht wissen, wer es auf uns abgesehen hat, brauchen wir jede Unterstützung, die wir kriegen können. Mit jedem Mittel, dass wir einsetzen können."

Hetty hielt seinem Blick stand. „Gut, dann wird Mr. Hanna fliegen. Arrangieren Sie alles, was dazu notwendig ist."

Nate räusperte sich. „Ich halte es für besser, wenn Joann fliegt."

Verblüffte Stille breitete sich aus.

„Ich kenne Agent Gibbs nicht mal, Nate, im Gegensatz zu Sam. Und da ist noch etwas, Nate. G hat mir erzählt, dass Gibbs eine Menge Regeln hat. Eine davon ist, dass Kollegen nichts miteinander haben dürfen. Demnach dürfte ich für ihn eher ein rotes Tuch sein."

Nate schmunzelte. „Vielleicht. Aber es ist eine Tatsache, dass unser Team extrem erfolgreich ist, obwohl wir gegen diese spezielle Regel verstoßen." Dann wurde Nate wieder ernst. „Es liegt an Dir, die richtige Seite in Agent Gibbs zum Klingen zu bringen. Ich bin überzeugt, dass Du das kannst."

Hilflos sah Joan zu Sam hinüber. Agent Gibbs einzuschalten, war seine Idee, daher sollte auch Sam mit ihm sprechen.

„Nate hat Recht, Jo. Du kannst diese Aufgabe besser erfüllen. Du wirst fliegen."

„Sam, das ist nicht Dein Ernst!"

„Keine weiteren Diskussionen, Miss MacKenzie. Mr. Beale, arrangieren Sie die notwendigen Flüge, um die Papiere kümmere ich mich. Miss Jones, sorgen Sie dafür, dass Miss MacKenzie ein sicheres Gespräch mit Agent Gibbs führen kann."

„Hetty, was ist mit Ray?" Callen und Deeks in Sicherheit zu bringen, war wichtig, aber Joann wollte auch ihren Partner wieder haben.

„Er sollte unbedingt informiert werden. Mr. Hanna, das übernehmen Sie."

Joann schüttelte den Kopf. Das war doch eine verkehrte Welt. Sam kümmerte sich um ihren Partner und sie sich um seinen.

„Mr. Renko, Sie machen weiter, wie gestern besprochen. Aktivieren Sie alle Ihre Kontakte. Wir brauchen unbedingt Informationen über Mr. Deeks."

Mike nickte. Jedes Mal, wenn er bei diesem Team einsprang, wurde sein aufregendes Leben noch ein bisschen aufregender.

Kensi musterte unauffällig ihre Umgebung. Dann entdeckte sie die gesuchten Personen. Langsam schlenderte Kensi auf die zwei Männer zu. Erst als einer von ihnen eine unauffällige Geste machte, steuerte Kensi den Tisch direkt an.

„Alles sicher, Matt. Eric behält uns im Blick. Danke, Detective Peterson, dass Sie gekommen sind."

„Sie klangen so geheimnisvoll, Agent Blye, dass meine Neugier gesiegt hat. Was kann ich für Sie tun?"

„Wir glauben, dass Deeks in Schwierigkeiten steckt." Knapp und präzise schilderte Kensi die aktuelle Situation, ohne zu viele Geheimnisse preiszugeben. „Mir ist klar, in welche prekäre Situation ich Sie bringe, und Dich natürlich auch, Matt. Aber ohne Hilfe werden wir Deeks nicht finden. Und Hilfe erbitten können wir nur von Menschen, denen wir vertrauen." Offen blickte Kensi die beiden Männer an und wartete auf ihre Reaktion.

Mit Nells Hilfe hatte Sam Ray eine verschlüsselte Nachricht geschickt. Jetzt wartete er darauf, dass Ray sich von einem sicheren Telefon bei ihm meldete. Während Sam versuchte, etwas Papierkram zu erledigen, sah er immer wieder zu seinem Handy hin. Endlich klingelte es. Das Display zeigte ihm ‚unbekannter Anrufer'.

„Hallo?"

„Sam? Hier ist Ray. Was ist passiert? Geht es Jo gut? Oder ist Deeks oder Callen etwas passiert?"

„Ganz ruhig, Ray. Joann ist in Ordnung. Bei Deeks und Callen sind wir nicht sicher, aber die mageren Informationen, die wir haben, sagen, dass beide leben." Dann brachte Sam seinen Kollegen auf den neusten Stand.

„Gut, und wie kann ich Euch von hier aus helfen?" Ray war, wie immer, voller Tatendrang.

Sam ließ seinem Lächeln freien Lauf, versuchte aber, es aus seiner Stimme herauszuhalten. „Gar nicht. Ich rufe Dich an, damit Du extrem vorsichtig bist. Keiner von uns ist in Deiner Nähe, um Dir Rückendeckung zu geben. Was auch immer Du tust, lass niemanden merken, dass wir beide Kontakt hatten. Wenn es Neuigkeiten gibt, schickt Nell Dir wieder eine verschlüsselte Nachricht."

„Jo und ich haben einmal die Woche telefoniert, seitdem ich hier bin. Das sollten wir beibehalten, sonst falle ich auf."

„In Ordnung, das richte ich ihr aus."

Ray zögerte, er war sich nicht sicher, ob er Sam von seinem Verdacht erzählen sollte.

„Ray, da ist doch noch etwas." Sam wartete ab.

„Ich bin mir nicht sicher, Sam, aber ich glaube, ich werde beobachtet. Meine Sachen wurden durchsucht und es könnte sein, dass mein Handy abgehört wird. Außerdem scheint jemand an meinem Laptop gewesen zu sein."

„Hast Du dafür Beweise, Ray?"

„Nur Indizien. Meine Sachen lagen nicht mehr so im Schrank, wie ich sie eingeräumt hatte. Wenn ich mit meinem Handy telefoniere, habe ich neuerdings so merkwürdige Nebengeräusche. Und bei meinem Laptop war eine Datei geöffnet, die ich nicht benutzt habe."

„Okay, ich spreche mit Eric darüber. Bis Du wieder von uns hörst, sei einfach vorsichtig."

„Geht klar, Sam."

„Agent Gibbs?" Joann war ein wenig nervös. G hatte ihr nur wenig über diesen Mann erzählt. Sie wusste, dass sich die beiden schon lange kannten. Bei mehreren Einsätzen im Ausland hatten sie zusammengearbeitet und sich wohl auch gegenseitig das Leben gerettet. Der Mann ihr gegenüber musterte sie kühl, fast ein wenig ablehnend. Das hatte genau den gegenteiligen Effekt auf Joann. Es machte sie um so entschlossener.

„Ja. Was kann ich für Sie tun, Agent MacKenzie?"

„Für mich gar nichts, Agent Gibbs. Aber für G." Joann hatte sich spontan entschlossen, direkt auf den Punkt zu kommen. „G hat mir von Ihren Regeln erzählt. Daher weiß ich auch, dass meine Beziehung zu ihm für Sie ein No-go ist. Ehrlich gesagt, sind mir Ihre Regeln gleichgültig, Sir. Aber G ist mir nicht gleichgültig. Und deswegen bin ich hier."

Ruhig und professionell schilderte Joann die aktuelle Situation. Während ihres Berichtes behielt Gibbs seine ausdruckslose Miene bei. Schließlich kam sie zum Ende.

„Und deswegen bin ich hier, Agent Gibbs. Ich bitte Sie darum, mir zu helfen, herauszufinden, wo G ist."

„Und wenn Sie wissen, wo ist, was dann? Er ist schließlich auf einer offiziellen Mission."

„Wenn G entgegen meiner Überzeugung nicht in Schwierigkeiten steckt, werde ich gar nichts tun. Dann soll er in Ruhe seine Operation zu Ende führen. Aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass diese Mission nur dazu dient, G endgültig aus dem Verkehr zu ziehen." Joann sah Gibbs direkt und offen an. „Sir, ich bin keine verliebte dumme Pute, die ihren Freund vermisst. Ich bin eine qualifizierte Agentin, die schon viele Jahre erfolgreich arbeitet, Sir, und sich sorgen um ihren Kollegen macht. Meine Gefühle für G haben mich nie bei meiner Arbeit behindert. Oder ihn bei seiner. Da Sie ihn kennen, sollte Ihnen das auch klar sein, Sir."

„Nennen Sie mich nicht ‚Sir', Agent MacKenzie, ich arbeite für mein Geld." Scharf musterte Gibbs die Frau, die ihm furchtlos gegenüber stand. Sie hatte eine gehörige Portion Mut bewiesen, sich direkt an ihn zu wenden und aus ihrer Einstellung kein Geheimnis zu machen. Er war vielleicht nicht damit einverstanden, dass Callen mit seiner Arbeitskollegin zusammen war. Aber Gibbs musste zugeben, dass Callen mit der Frau an seiner Seite eine kluge Wahl getroffen hatte. Das würde er ihr aber nicht sagen.

„Ich sehe, was ich für Callen tun kann, Agent MacKenzie. Wie kann ich Sie erreichen?"

Joann gab ihm ein Handy. „Meine Nummer ist einprogrammiert und unser Computertechniker hat das Handy gesichert." Nach dem Gibbs das Telefon eingesteckt hatte, sah Joann ihn wieder direkt an. „Danke, Agent Gibbs. Nicht für mich, aber für G."

Gibbs nickte knapp. „Sie hören von mir."

Matt musste nicht lange überlegen. „Natürlich helfe ich Euch, Kensi. Was genau soll ich tun?"

Aber Kensi gab ihm keine Antwort und sah stattdessen Detective Peterson an. „Ich weiß, dass wir, dass ich viel von Ihnen verlange. Ganz besonders, da Sie so kurz vor der Rente stehen. Aber ich habe die Hoffnung, dass Ihre lange Berufserfahrung Ihnen etwas an Wissen und Kontakten verschafft hat, was uns weiterhelfen kann. Detective, ich würde Sie nicht bitten, wenn ich nicht sicher wäre, dass Deeks in Gefahr ist." Dann wartete sie ab.

„Ich helfe Ihnen, Agent Blye, aber ich stelle eine Bedingung." Abwartend sah Detective Peterson Kensi an.

Nach einem kurzen Zögern nickte Kensi. „Welche Bedingung?"

Jetzt lächelte Peterson leicht. „Sie nennen mich ab sofort Marcus, Agent Blye, und nicht mehr Detective Peterson."

Ein warmes Lächeln erschien auf Kensis Gesicht. „Nur wenn Sie Kensi zu mir sagen!"

Erleichtert sah Joann, dass Renko vor dem Flughafen auf sie wartete. Müde stieg sie in den Wagen. Bevor sie ein Wort sagen konnte, musste sie erst einmal herzhaft gähnen.

„Tut mir leid, Mike. Hi, danke, dass Du mich abholst."

„Kein Problem, Joann. Konntest Du im Flieger nicht schlafen?"

„Ich war zu nervös, Mike."

„Seit wann hast Du Flugangst?" Renko war erstaunt. Bisher hatte Joann nie Probleme gehabt, wenn es darum ging, in ein Flugzeug zu steigen.

„Ich habe keine Flugangst!" Empört sah Joann zu Renko hinüber. „Normalerweise schlafe ich wie ein Baby beim Fliegen." Jetzt seufzte sie. „Ich habe mich nur die ganze Zeit gefragt, ob einer der Passagiere auf mich angesetzt sein könnte. Wahrscheinlich hatte ich einen kleinen Anflug von Paranoia."

Renko grinste. Joann und Paranoia waren zwei Worte, die er nie zusammengebracht hätte. „Nun, wie wäre es, wenn Du jetzt ein Nickerchen machst. Wir müssen durch den Feierabendverkehr, da brauchen wir 'ne Weile, bis wir am Hauptquartier sind."

„Gute Idee!" Joann machte es sich auf dem Beifahrersitz bequem, gähnte noch mal kräftig und war auch schon entschlummert.

Eine Gruppe müder Krieger saß um die Schreibtische. Joann war nicht die einzige, die in den vergangenen vierundzwanzig Stunden nicht geschlafen hatte. Das Hauptquartier war mehr oder weniger verweist. Außer dem Team gab es nur die übliche kleine Nachtbesetzung und ein paar Kollegen, die sich um liegen gebliebenen Papierkram kümmerten.

„Gut, wo stehen wir?" Sam sah in die Runde.

„Matt und Marcus hören sich bei ihren Kontakten um. Matt wäre außerdem bereit, uns Zugang zu L.A.P.D.-Daten zu beschaffen, auf die wir bisher nicht zugreifen können. Wir sollten das aber nur als letzten Ausweg sehen, weil er sonst seinen Job los ist."

Irritiert sah Joann ihre Freundin an. „Wer ist Marcus?"

„Detective Marcus Peterson." Kensi grinste, als sie die fragenden Blicke ihrer Kollegen sah, sagte aber nichts dazu.

„Joann?" Sam nickte ihr auffordern zu.

„Agent Gibbs war sehr zurückhaltend, will aber sehen, was er für G tun kann. Ich habe ihm das gesicherte Handy gegeben, jetzt müssen wir abwarten."

„Okay. Und bei Euch?" Sam wandte sich an Nell und Eric.

Eric zögerte ein wenig, bevor er antwortete. „Ich habe mich mit meiner Quelle in Verbindung gesetzt. Sie wird uns im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen."

Sam zog sachte eine Augenbraue hoch, aber Eric wollte nicht mehr dazu sagen. Sam beließ es erst einmal dabei.

„Wir versuchen gerade, herauszufinden, wer die Befehle für Callen und Ray veranlasst hat. Jemand hat sich bemüht, die elektronischen Spuren zu verwischen. Aber wir haben ein paar gefunden und folgen ihnen. Es dauert leider seine Zeit, da wir vorsichtig sein müssen. Schließlich wollen wir nicht erwischt werden."

„Parallel dazu nehmen wir auch den umgekehrten Weg. Wer hat genügend Macht, die entsprechenden Befehle zu erteilen und seine Spuren zu verwischen? Wer von denen ist mal mit Hetty aneinander geraten? Oder wem davon ist Hetty mal auf die Füße getreten?" Vorsichtig sah sich Eric um, aber Hetty war nicht zu sehen. „Hetty ist sehr sparsam mit Informationen. Außerdem ist ein Großteil ihrer Vergangenheit streng geheim. Das macht es uns nicht leichter, aber wir geben nicht auf."

„Gut. Ich habe Ray erreicht. Es gibt eine Menge Indizien, dass er überwacht wird. Ray vermutet, dass sein Handy abgehört wird und dass jemand an seinem Laptop war. Er braucht da Eure Unterstützung. Setzt Euch bitte unauffällig mit ihm in Verbindung." Sam sah die beiden Computertechniker an, die knapp nickten. „Joann, Du sollst ihn wie gewohnt anrufen, damit niemand Verdacht schöpft."

„Mach ich, Sam." Joann unterdrückte ihr Gähnen nur sehr mühsam. Der Beruf sorgte oft für Schlafmangel, aber die letzten Wochen waren mehr als anstrengend gewesen. Ein Blick in die Runde verriet ihr, dass es ihren Kollegen nicht anders ging.

„Nate?"

„Ich arbeite noch an einem Profil. Außerdem versuche ich, Hetty dazu zu bringen, uns mehr Informationen zu geben."

„Renko?"

„Ich habe meine Kontakte aktiviert. Aber es wird sicher ein paar Tage dauern, bis ich Informationen bekomme."

„Na gut, dann haben wir soweit alles am Laufen. Jetzt müssen wir uns in Geduld üben." Sam sah seine Kollegen an. „Wir haben harte Zeiten vor uns. Niemand soll merken, dass wir heimlich ermitteln. Also müssen wir außerdem noch unsere normale Arbeit erledigen. Dass heißt, esst und schlaft, wann immer Ihr die Gelegenheit dazu habt. Bis wir G und Deeks gefunden haben, werden wir rund um die Uhr arbeiten. Haben mich alle verstanden?"

„Ja, Sir!"

Nur ein leichtes Zucken um Sams Mundwinkel verriet, dass er amüsiert war. „Dann raus mit Euch. Wir sehen uns morgen früh."

„Sam?" Joann hatte abgewartet, bis alle weg waren, bevor sie sich an ihn wandte. Ihr Kollege sah hoch. „Da ist etwas, dass Du wissen solltest. Scott weiß Bescheid." Sams Erstaunen war nahezu greifbar. „Ich weiß, Sam, keine Vorhaltungen." Knapp schilderte Joann die Ereignisse.

Langsam nickte Sam. „Okay, dass verstehe ich. Aber Jo…" Er wusste nicht weiter. Joann nahm die Verpflichtung zur Geheimhaltung sehr genau. Abgesehen von ihren gelegentlichen Wutausbrüchen, hatte sie auch ihr Temperament gut im Griff. Und Joann trank nur sehr mäßig, daher war sie meistens diejenige, die fuhr, wenn das Team ausging. „Muss ich mir jetzt auch um Dich Sorgen machen?"

„Nein, Sam. Ich werde das Angebot von meinem Vater annehmen und erst mal bei ihm wohnen. Dann muss ich mich um nichts kümmern, bin versorgt und kann mich ganz auf die Arbeit konzentrieren. Und ich werde nichts mehr trinken, bis unser Team wieder vollständig ist." Joann sah Sam feste in die Augen. „Versprochen."

Sam konnte einen erleichterten Seufzer nicht unterdrücken. „In Ordnung. Zum Glück ist es Scott. Ich weiß, dass wir ihm vertrauen können. Aber Jo, wenn Du Sorgen und Probleme hast, komm zu uns. Zu mir. Die Situation ist für uns drei schwierig. Wenn wir nicht zusammenhalten und uns um uns kümmern…" Sam schüttelte den Kopf.

Joann stand auf und ging zu Sam hinüber. „Ich weiß, Sam. Ich war so versessen darauf, mich gut zu benehmen, dass ich vergessen habe, auf mich Acht zu geben. Oder auf Euch." Dann gab sie Sam einen Kuss auf die Wange. „Wir bekommen sie zurück. G wird wieder unser Team leiten, Deeks unsere Nerven strapazieren und Ray noch all die Dinge lernen, die er braucht, um vielleicht eines Tages selbst mal ein Team zu leiten. Wir sind die Besten und das werden wir allen zeigen."

Verblüfft sah Sam Joann hinterher. Sie schaffte es doch immer wieder, ihn zu überraschen.