Alle Charaktere und sämtliche Rechte an ‚NCIS: Los Angeles' gehören CBS und Shane Brennan Productions. Die folgende Geschichte dient keinerlei kommerziellen Zwecken, sondern wurde nur zum Vergnügen für Fans geschrieben. Eine Verletzung des Copyrights ist nicht beabsichtigt. Alle weiteren Personen gehören der Autorin.

Viel Spaß beim Lesen und ich freue mich auf Eure Rückmeldungen.

Kapitel 5 - Erste Erfolge

Sam und Ray arbeiteten mit dem Seal-Team einen Plan aus. Ray war von ihnen prüfend betrachtet worden. Da Sam aber ein Ex-Seal war, vertrauten sie seinem Urteil. Allen war klar, dass dies ein gefährlicher Einsatz werden würden. Aber wann hatten Seals schon mal ungefährliche Einsätze? Trotzdem gingen die Männer immer wieder intensiv ihr Vorgehen durch. Fehler wollten sie tunlichst vermeiden.

Während das Seal-Team das Besprechungszimmer verließen, starrte Ray die Karte an. Schweigend stellte sich Sam neben seinen Kollegen und wartete ab.

„Wir brauchen ziemlich lange, um in diese Gegend zu kommen. Wird Callen so lange durchhalten? Ich meine, er weiß ja nicht, dass wir kommen."

„G kann so lange durchhalten, wie es notwendig ist. Wir können ihn zwar im Moment nicht informieren, aber sobald wir dort sind, werden wir einen Weg finden." Sam klang zuversichtlicher, als er sich fühlte. Aber er wollte nicht, dass Ray sich zu viele Sorgen machte. Tatsache war aber auch, dass G schon ganz andere Sachen durchgestanden hatte.

Kreidebleich klammerte sich Nate an seinem Sitz fest. Kensis Fahrstil war immer grenzwertig. Aber jetzt fuhr sie wie ein Formel-Eins-Rennfahrer, nur dass sie sich auf den Straßen von Los Angeles befand und nicht auf einer Rennstrecke. Joann, die den zweiten Wagen fuhr, hatte trotzdem keine Mühe, Kensi zu folgen. Im Gegensatz zu Nate, saß Mike ziemlich entspann neben Joann. Er schmunzelte angesichts Nates entsetzter Ausrufe, die alle über ihre Ohrmikros mithören konnten.

„Hör endlich auf, Nate, ich werde ja noch taub! Ich bau schon keinen Unfall. Nimm Dir ein Beispiel an Mike, der sagt kein Wort."

„Wahrscheinlich, weil er vor Angst völlig erstarrt ist!" Nate keuchte entsetzt auf, als Kensi nur sehr knapp einem stehenden Fahrzeug auswich. „Kensi!"

„Ach, halt die Klappe, Nate!" Kensi trat das Gaspedal durch.

Joann seufzte leise. Kensi war wahrscheinlich die beste Fahrerin von ihnen, aber jetzt ging sie eindeutig zu hohe Risiken ein.

„Kensi, fahr etwas langsamer. Wir können Marty nicht helfen, wenn wir in einen Unfall verwickelt werden."

Kensi gab keine Antwort, reduzierte aber das Tempo. Joann nickte zufrieden und rief dann Eric.

„Habt Ihr inzwischen feststellen können, was deren Ziel ist?"

„Nein, Joann, Nell sucht immer noch."

„Sie soll sich beeilen." Joann zögerte kurz, entschied sich dann aber, ihrem Bauchgefühl zu vertrauen. „Ich glaube, uns läuft die Zeit davon."

Callen war erschöpft. Das Wetter hatte sich stark verschlechtert, es regnete andauernd. Außerdem war es kalt. Da er kein Feuer anzünden konnte, fror Callen die meiste Zeit erbärmlich. Weil er, außer in den Nächten, praktisch ununterbrochen unterwegs war, hatte Callen kaum Gelegenheit zur Nahrungssuche. Alles zusammen brachte ihn langsam an den Rand seiner Kräfte. Callen konnte nur hoffen, dass seine Nachricht die gewünschten Empfänger erreicht hatte und jetzt Hilfe unterwegs war. Da war allerdings immer noch das Problem, wie die Hilfe ihn finden sollte. Darüber würde sich Callen später Gedanken machen. Jetzt wollte er erst einmal die Nacht überstehen. Zitternd zog er die Decke enger um sich. Morgen würde er sich um trockene Kleidung und Nahrung kümmern.

Deeks versuchte, nicht die Nerven zu verlieren. Er hatte gehofft, mit dem Ohrmikro und der Knopfkamera Signale ins Hauptquartier senden zu können. Doch der Sack über seinem Kopf machte das unmöglich. Sobald er auf dem Boot war, würde er tot sein. Seine Entführer hatten zu diesem Thema keinen Zweifel aufkommen lassen. Deeks wünschte sich, er hätte schon früher Unterstützung angefordert. Jetzt würde Kensi wieder einen Partner verlieren.

„Hey, Leute, ich habe da was gefunden. Einen Fischtrawler, der auf eine der Scheinfirmen der Organisation eingetragen ist. Das Signal von Deeks ist noch ungefähr eine halbe Stunde von dem kleinen Hafen, in dem er liegen, entfernt." Nell klang sehr aufgeregt.

„Können wir sie einholen oder vielleicht auch überholen, Nell?" Renko sah auf seinen Tablet-PC, auf dem Deeks' Signal blinkte und jetzt ein weiterer Punkt erschien.

„Nicht mit dem Auto, Mike."

Renko und Joann tauschten einen kurzen Blick auf, bevor sich Joann wieder auf den Verkehr konzentrierte.

„Und wie dann, Nell? Wir können mit unseren Autos nicht fliegen, auch wenn Kensi das gerade versucht."

Hetty schmunzelte, während sie ihren Leuten zuhörte. Dank Kensis Fahrstil waren die vier Agenten schon viel weiter, als sie vermutet hatte.

„Fliegen bringt Euch nichts, Ihr müsst schwimmen."

„Was?" Selbst Nate vergaß für einen Moment, dass ihm schlecht war. „Hast Du ‚schwimmen' gesagt, Nell?"

Eric sah zu seiner Kollegin hinüber. Die kleine Analystin grinste breit, bevor sie sich zu einer Antwort herab ließ.

„Ihr müsst ein Boot nehmen, ein ziemlich schnelles. Dann könnt Ihr den Bogen, den die Küste macht, abkürzen und sie direkt am Hafen abfangen."

„Okay, und wo bekommen wir das schnelle Boot her? Die liegen nicht so einfach am Strand herum." Renko war ziemlich skeptisch. In diesem Moment erschien ein weiterer Punkt auf seiner Karte.

„Da liegt genau das richtige Boot für Euch. Damit könnt Ihr schneller sein." Nell ließ ein paar Daten erscheinen.

Renko nickte, nachdem er sie gelesen hatte. „Ja, Du hast Recht, damit können wir es schaffen. Kensi, Du hast Nell gehört. Wir folgen nicht länger Deeks. Fahr in die neue Richtung."

Dicht an den Boden gepresst, sah Callen auf das Lager hinunter. Dort würde er finden, was er brauchte: trockene Kleidung, Nahrung und vielleicht auch noch einen Schlafsack oder eine wärmere Decke. Damit würde er einige weitere Tage über die Runden kommen.

Die Männer hatten das Lager verlassen und die Kinder kümmerten sich um die kleine Herde. Die Frauen gingen ihren üblichen Tätigkeiten nach.

Callen näherte sich dem Lager vorsichtig von der Rückseite. Er konnte sich nicht vorstellen, dass die Männer das Lager komplett unbewacht ließen. Je näher er den Zelten kam, desto vorsichtiger wurde Callen. Schließlich entdeckte er auch zwei Wachen. Ältere Männer, die nicht mehr mit zu längeren Touren in die Berge gingen. Aber sie konnten immer noch ihre Waffen benutzen und waren als Gegner nicht zu unterschätzen.

Lange Erfahrung kombiniert mit etwas Glück brachten Callen in eines der Zelte, ohne bemerkt zu werden. Lautlos packte er alles zusammen, was ihm irgendwie nützlich sein konnte. Leider waren nicht so viele Nahrungsmittel im Zelt, wie Callen es sich gewünscht hatte. Aber dafür gab es reichlich trockene Kleidung und tatsächlich einen Schlafsack. Als besonderes Bonbon fand er ein Fernglas, uralt, aber einwandfrei. Callen verschnürte alles gut zu einem Bündel und verließ das Zelt wieder.

Diesmal hatte er nicht so viel Glück. Eine der Frauen sah ihn und fing sofort an, zu schreien. Die Männer eröffneten umgehend das Feuer auf ihn. Haken schlagend wie ein Hase rannte Callen aus dem Lager weg. Die Kugeln pfiffen extrem knapp an ihm vorbei. Splitter von Felsen, in denen die Kugeln landeten, trafen sein Gesicht. Callen duckte sich etwas tiefer, lief aber unbeirrt weiter und entkam schließlich.

Ray und Sam standen kurz vor ihrem Aufbruch. Noch einmal überprüften sie ihre Ausrüstung. Die erste Etappe würden sie fahren, unterstützt durch einen Trupp Marines. Ihr Ziel war ein kleines Dorf. Dort bekamen sie Pferde, kleine, kräftige Bergponys, da das Gelände nicht für Fahrzeuge geeignet war.

„Alles klar?" Fragend sah Sam seinen jungen Kollegen an.

Ray nickte. „Sicher. Es ist…" Er schüttelte den Kopf. „Alles in Ordnung, Sam, keine Sorge."

Sam war nicht zufrieden. „Bist Du sicher, Ray? Jetzt kannst Du noch zurück. Sobald wir unterwegs sind, musst Du durchhalten."

„Ich bin dabei, Sam, hundertprozentig. Ich habe nur darüber nachdenken müssen, dass ich wieder hier bin. Als ich Afghanistan das letzte Mal verließ, dachte ich, dass es für immer wäre." Ray schluckte kurz. „Ich habe hier ein paar gute Freunde verloren. Ich will nicht noch jemanden verlieren."

Ausdruckslos musterte Sam den jungen Mann. Manchmal vergaß er, dass Ray ein Marine im Einsatz gewesen war. Man musste kein Seal sein, um harte Einsätze zu haben und schlimme Dinge zu sehen. Ruhig nickte Sam.

„Wir sind hier, Ray, damit genau das nicht passiert. Wir holen Callen zurück und kommen alle nach Hause. Lebend."

Ray hielt Sams Blick stand. Er spürte, dass sich irgendetwas in seinem Verhältnis zu Sam geändert hatte. Der Seal schien ihn plötzlich als gleichwertigen Partner zu sehen und nicht mehr als Anfänger. Ray wusste zwar nicht, womit er das verdient hatte, aber er war dankbar dafür.

„Ja." Energisch schloss Ray seinen Rucksack. „Gehen wir."

Mit quietschenden Reifen bog Kensi in das kleine Hafengelände ein. Nate war inzwischen vollkommen verstummt und bemühte sich nur noch darum, sich nicht zu übergeben. Als Kensi aus ihrem Wagen sprang, folgte Nate deutlich langsamer auf ziemlich wackeligen Beinen. Er atmete ein paar mal tief durch.

„Kensi, Du bist total durchgeknallt! Es ist ein Wunder, dass wir keinen Unfall hatten!" Joann schäumte vor Wut. „Ich habe echt keinen Bock darauf, Marty zu erzählen, dass Dich die Polizei vom Straßenpflaster kratzt und Du ihn deswegen nicht befreien konntest!"

Kensi grinste bloß und ignorierte Joanns Geschimpfe. „Renko, welcher Liegeplatz?"

Nach einem kurzen Blick über das Gelände, deutete Renko in eine Richtung. „Der vorletzte Platz an diesem Steg."

Einen Moment sahen die vier Agenten den Zaun an, der das Gelände umgab. Dann zuckte Kensi mit den Schultern, lief los und kletterte auch schon drüber. Seufzend folgten ihr die anderen.

„Wow, heißes Boot!" Joann vergaß ihren Ärger auf Kensi und warf dem Powerboot einen begeisterten Blick zu. Doch dann runzelte sie die Stirn. „Und wer von Euch kann damit umgehen? Ich nicht."

Renko stieg ins Boot und sah sich kurz alles an. „Nell, dass Ding ist mit einem elektronischen Schloss gesichert." Er gab Marke und Bezeichnung durch. „Hast Du eine Idee?"

Die Antwort kam von Eric. „Wir arbeiten bereits daran. Nur noch einen Moment." Gespannt warteten alle ab. „Okay, Renko, versuch es mit folgendem Code." Eric gab eine Zahlenfolge durch.

Renko tippte sie ein und grinste, als der Sicherheitsriegel aufsprang. „Alle Mann einsteigen, wir legen sofort ab. Kensi, mach die Leinen vorne los, Joann, nimm die hinteren. Nate, setzt Dich, schnall Dich an und versuch, nicht zu kotzen."

Renko startete die Maschinen. Kensi setzte sich schnell neben Nate, während Joann sich auf dem Platz neben Renko anschnallte. Diesmal hielt sie den Tablet-PC in der Hand und verfolgte Deeks' Signal. Sicher steuerte Renko das Boot aus dem Hafen und gab dann Gas.

Callen seufzte erleichtert. Endlich wurde ihm wieder warm und sein Magen knurrte nicht mehr. Eine Mahlzeit, trockene Kleidung und der warme Schafsack sorgten dafür, dass Callen sich nicht mehr so erschöpft fühlte. Jetzt würde er so lange durchhalten, wie es notwendig war.

Während er im Schlafsack lag, überlegte er, wie er mit seinen Leuten in Kontakt treten konnte. Wo würde er anfangen, wenn er sich suchen müsste? Das Lager, von dem aus er seinen Notruf gesendet hatte, wäre ein guter Anfang. Nur das er inzwischen ziemlich weit von dort weg war. Vor seinem inneren Auge erschien die Karte dieses Gebiets. Er würde auf sich aufmerksam machen müssen. Plötzlich wusste Callen, was er tun musste. Das Risiko war enorm, aber das Gebiet war zu groß, als dass ihn jemand einfach so finden würde. Langsam arbeitete Callen seinen Plan aus.

Die Fahrt zum Dorf war eine holprige Angelegenheit. Es gab keine richtige Straße, nur einen ausgefahrenen Feldweg. Dazu waren alle sehr angespannt, weil es überall Heckenschützen geben konnte.

Ray hatte das alles schon erlebt und dabei zusehen müssen, wie gute Marines, die seine Freunde waren, verletzt und getötet wurden. Er wollte das auf keinen Fall noch einmal erleben. Ray warf einen Blick zu Sam. Seitdem sie unterwegs waren, hatte der große Seal keine Miene verzogen.

Sam konnte seine Gedanken nicht abstellen. Er hatte schon so ein ungutes Gefühl gehabt, als G ging. Aber jetzt machte ihn die Sorge um seinen Freund fast wahnsinnig. Er hoffte, dass G einen Weg finden würde, ihm mitzuteilen, wo er war.

„Hetty, wir haben ein Problem. Die fahren einen kleinen privaten Yachthafen an, nicht den Fischerhafen, wo der Trawler liegt." Eric hatte keine Erklärung dafür parat.

Hetty musterte die Karte mit den Signalen. „Miss Jones, haben Sie sonst noch Einträge über Boote gefunden?"

„Nein, Hetty, der Fischtrawler war das einzige. Ich überprüfe die Liste, der in dem Yachthafen gemeldeten Boote." In Lichtgeschwindigkeit flogen Nells Finger über die Tastatur. „Keine offensichtliche Verbindung zum Sklavenhändlerring. Ich habe keine Ahnung, was sie dort wollen."

„Mr. Beale?"

„Ich habe ein paar Kameras gefunden, Hetty." Eric ließ die Bilder auf dem großen Monitor erscheinen. „Wir sollten sehen können, welches Boot sie nehmen werden."

„Du musst schneller werden, Mike, sonst schaffen wir es nicht, sie abzufangen." Joann sah zu Renko hinüber, bevor sie sich wieder auf den Tablet-PC konzentrierte. „Wir müssen sie erreichen, bevor sie den Hafen verlassen. Dort haben sie zu viele Zeugen, um Marty aus dem Weg zu räumen."

„Festhalten!" Renko schob den Gashebel weiter nach vorne.

Die Fahrt wurde unruhiger. Nate versuchte, sich auf etwas anderes zu konzentrierten, damit er sich nicht übergeben musste.

Kensi biss vor Anspannung die Zähne so feste zusammen, dass ihr schon der Kiefer weh tat. Sie warf Joann einen kurzen Blick zu. Kensi hatte keine Ahnung, woher Joann immer wusste, wenn die Zeit für etwas ablief. Dann machte ihr Bauchgefühl anscheinend Überstunden. Sie arbeitete jetzt lange genug mit Joann zusammen, um ihr da zu vertrauen. Gleichzeitig bereitete dieses Wissen Kensi noch mehr Sorgen.

Deeks wurde unsanft aus dem Wagen gezerrt. Jemand stieß ihn so heftig vorwärts, dass er stürzte. Mit auf dem Rücken gefesselten Händen konnte Deeks sein Gleichgewicht nicht halten. Die Männer lachten. Brutal wurde er hochgerissen und wieder nach vorne gestoßen, wenn auch weniger heftig als zuvor. Deeks konnte zwar nichts sehen, aber seine anderen Sinne funktionierten. Er hörte das Quietschen eines Tores und fühlte, dass sich der Bodenbelag veränderte. Außerdem roch es nach Meer, allerdings nicht so frisch wie auf dem Ozean, wenn er surfte. Deeks wurde klar, dass er auf einem Steg ging, also musste er sich in einem Hafen befinden. Ihm wurde mulmig. Schließlich wurde Deeks ein paar Stufen hochgeschubst. Das Schwanken unter seinen Füßen verriet ihm, dass er auf einem Schiff gelandet war. Diesmal wurde Deeks absichtlich zu Boden gestoßen. Er hörte, wie der Motor angelassen wurde, dann setzte sich das Boot in Bewegung.

Nach ein paar Minuten wurde ihm endlich der Sack vom Kopf genommen. Erleichtert atmete Deeks einige Male tief ein und aus.

Etwas oberhalb der verfallenen Häuser lag Callen im Schutz einiger Felsen und beobachtete mit dem gestohlenen Feldstecher das Geschehen unter sich. Er war schon einmal hier gewesen, bevor seine Tarnung aufgeflogen war. In einem der Häuser wurden Waffen und Munition gelagert. Callen hatte beschlossen, davon etwas zu stehlen. Außerdem gab es dort einen starken, transportablen Sender. So würde er mit seinen Leuten Kontakt aufnehmen können. Aber es war ein enormes Risiko, denn dieser Stützpunkt wurde gut bewacht. Deutlich besser als das Lager, von dem aus Callen den Notruf abgesetzt hatte.

Während er sich den Rhythmus der Wachen einprägte, passte Callen seinen Plan den Gegebenheiten an. Er beschloss, bis fast zur Morgendämmerung zu warten. Dann war es hell genug, dass er etwas sehen konnte und dunkel genug, um nicht entdeckt zu werden. Außerdem war die letzte Schicht immer besonders anstrengend. An ihrem Ende waren die Wachen schon mal unaufmerksamer. Das alles würde seine Chancen erhöhen. Trotzdem waren da noch eine Menge Möglichkeiten, warum er scheitern konnte.

„Wir haben ein Bild, Leute, und Ton! Deeks sendet endlich!" Eric konnte seine Erleichterung kaum bremsen. „Er ist auf einer Motoryacht. Ihr habt die Übertragung…jetzt!"

Kensi war erleichtert, bis sie die Übertragung sah. Da waren wenigstens vier Männer bei Deeks. Dazu kam noch der Bootsführer und eventuell weitere Männer, die nicht zu sehen oder zu hören waren.

„Deeks, wir sind auf dem Weg zu Dir. Halte durch." Kensi wartete auf eine Reaktion und war erleichtert, als Deeks hustete. „Wir kommen von der Meeresseite in einem Powerboot. Es dauert nicht mehr lange."

Joann nahm ihren Blick nicht mehr vom Tablet-PC. Langsam schüttelte sie den Kopf. „Mike, wir sind nicht schnell genug. Die sind jeden Moment aus dem Hafen raus."

Renko warf einen kurzen Blick auf die Anzeige, als Joann ihm das Gerät hinhielt.

„Okay, haltet Euch bloß gut fest. Es wird holprig." Dann schob er den Gashebel bis zum Anschlag vor.

Selbst Kensi schnappte nach Luft, als das Boot nach vorne schoss. Joann hielt sich mit einer Hand am Sitz fest, während sie versuchte, die Anzeige auf dem Tablet-PC in ihrer anderen Hand abzulesen. Nate schloss nur, sich seinem Schicksal ergebend, die Augen.

„Nell, Eric, schickt das L.A.P.D. zum Hafen und informiert die Küstenwache. Wir werden sie erst außerhalb des Hafens abfangen. Da wir nicht wissen, wie viele Leute an Bord sind, brauchen wir wahrscheinlich Verstärkung."

„Das wurde bereits veranlasst, Miss MacKenzie. Die Küstenwache schickt sowohl einen Helikopter als auch ein Boot."

„Danke, Hetty." Joann gab den Kampf mit dem Computer auf. Die Fahrt war zu unruhig. Außerdem sollte die Yacht bald in Sicht kommen.

Die Nacht in dem kleinen Dorf war kurz gewesen. Noch vor Morgengrauen waren Sam, Ray und die Seals auf den Pferden aufgebrochen. Die Marines würden sich nach Sonnenaufgang auf den Rückweg machen. Nach ausgiebiger Diskussion hatten sie beschlossen, dass der Ort, von dem Callen seinen Notruf gesendet hatte, ihr erstes Ziel sein würde.

„Du bist mit dieser Entscheidung nicht einverstanden." Ray stellte keine Frage.

„Nein. G wird nicht mehr dort in der Nähe sein. Wahrscheinlich ist er sogar ziemlich weit weg. Aber so lange ‚ziemlich weit weg' keine genaue Ortsangabe ist, ist es eigentlich egal, wo wir mit der Suche anfangen."

Ray verstand Sam. Von den Einheimischen hatte es keine Informationen gegeben. Angeblich war Callen nirgendwo gesichtet worden. Die Wahrscheinlichkeit war groß, dass einige der Dorfbewohner mit Callens Verfolgern unter einer Decke steckten. Oder sich zumindest aus Gründen der eigenen Sicherheit aus der ganzen Sache heraushalten wollten. Immerhin waren sie bereit gewesen, eine ungefähre Ortsangabe für das Lager mit der Sendeanlage zu machen. Die Daten entsprachen Hettys Informationen über die Quelle des Notrufsignals.

Sam seufzte leise. „Ich hoffe immer noch, dass G einen Weg findet, sich bei uns zu melden. Hetty lässt die Frequenzen überwachen, auf denen er sein Notsignal gesendet hat. Und ein paar andere auch noch." Jetzt runzelte Sam die Stirn. „Es sind wirklich ungewöhnliche Frequenzen. Könnte sein, dass die CIA sie nutzt." Er schüttelte den Kopf. „Wie auch immer, wir müssen uns gedulden und das Beste hoffen."

Ray nickte. „Wenn es jemand schaffen kann, dann Callen."

Schweigend ritten sie weiter.

Aufmerksam beobachtete Deeks die Männer. Irgendetwas lag in der Luft. Unauffällig versuchte er, seine Position zu verändern, um der Knopfkamera einen neuen Blickwinkel zu bieten. Deeks war entschlossen, seinem Team jede Information zukommen zu lassen, die möglich war. Wenn er draufgehen sollte, brauchten sie möglichst viele Beweise, um die Kerle festzunageln.

Einer der Männer hing schon die ganze Zeit an seinem Handy. Immer wieder warf er Deeks kurze Blicke zu. Kein gutes Zeichen.

„Hey, Leute, wenn das eine Kreuzfahrt sein soll, ist der Service echt schlecht. Wo bleibt mein Cocktail? Und eine Kleinigkeit zu essen wäre auch nicht schlecht." Deeks grinste die Männer an. „Im übrigen habe ich ganz bestimmt nicht Holzklasse gebucht." Er deutete mit dem Kinn auf die Sitzbank direkt neben ihm. „Ich lege Wert auf Komfort."

Deeks konnte nicht verstehen, was der Mann mit dem Handy seinem Kumpan sagte. Aber der kam tatsächlich zu ihm und riss ihn von den Planken hoch.

„Danke, Kumpel."

Deeks wollte es sich auf der Bank bequem machen, doch der Mann stieß ihn unsanft zum Heck des Bootes. Dort wurde er wieder zu Boden gestoßen.

„Hey, muss das sein? Geht das nicht ein bisschen freundlicher?"

Zur Antwort erhielt Deeks einen kräftigen Schlag ins Gesicht.

„Halt die Klappe, Cop. Oder willst Du Deine letzten paar Minuten unter den Lebenden noch eine Tracht Prügel beziehen?"

Das Grinsen in Deeks' Gesicht wirkte gequält. „Jetzt will ich erst Recht einen Cocktail. Oder vielleicht besser ein Bier. Und eine Zigarette. Zum Tode Verurteilten wird immer eine letzte Zigarette gewährt."

Diesmal blieb es nicht bei einem Schlag. Zielsicher wurden Deeks' Magen, Nieren, Leber und Rippen getroffen. Keuchend und mit einem Würgereiz kämpfend, krümmte sich Deeks auf dem Deck zusammen.

Entsetzt waren alle dem Gespräch gefolgt. Deeks' Ohrmikro übertrug klar und deutlich.

Joann warf Renko einen kurzen Blick zu.

„Ich hole aus dem Ding alles raus, was geht, Joann. Wir können froh sein, dass das Meer heute so ruhig ist, sonst hätten wir uns schon längst überschlagen."

„Dort!"

Drei Augenpaar folgten Kensis ausgestrecktem Arm. Sie hatte die Yacht entdeckt.

„Verdammt, ist die schnell!" Ungläubig sah Joann dem Motorboot nach, dass sich mit hoher Geschwindigkeit entfernte. „Was ist das? Ein getarntes Powerboot?"

„So ungefähr. Ich konnte die Yacht identifizieren. Ihre Motorleistung liegt knapp unter der des Powerboots."

Nell rasselte ein paar technische Informationen herunter, die nur Renko verstand. Auf die fragenden Blicke seiner Kollegin gab er nur eine kurze Antwort.

„Die Yacht ist schnell, wir sind schneller."

So lautlos wie möglich kletterte Callen zu dem verfallenen Dorf hinunter. Von Schatten zu Schatten schleichend, bewegte er sich auf das Haus mit den Waffen zu. Durch eine rückwärtige Fensteröffnung kletterte Callen hinein. Die Wachen an der Türöffnung hatten ihn nicht bemerkt. Ihr Feuer warf einen schwachen Lichtschein hinein. Callen schüttelte den Kopf. Die Männer waren leichtsinnig, immerhin lagerten hier Waffen und Munition. Von beidem bediente er sich und packte alles in seine Decke. Callen verschnürte diese zu einem Bündel und kletterte schließlich auf dem selben Weg raus, auf dem er hineingekommen war.

Callens nächstes Ziel war das einzige noch komplett erhaltene Gebäude. Darin waren das Hauptquartier mit dem tragbaren Sender und das Sprengstofflager. Mit Sicherheit würde er dort nicht so einfach hineinkommen. Aber Callen hatte keine Wahl. Er brauchte den Sender.

In Parterre gab es bei diesem Gebäude keine Fenster. Sie waren alle zugemauert. Aber im ersten Stock hatte Callen bei seinen Beobachtungen ein offenes entdeckt. Darin flatterte ein Stück Stoff als Sichtschutz, so dass er nicht wusste, was dahinter war. Aber Callen war entschlossen, das Risiko einzugehen.

Über ein paar Felsen und Trümmer kletterte er auf das benachbarte Gebäude. Vom Dach aus konnte er das Fenster gut sehen. Es war vielleicht zwei Meter entfernt und ungefähr anderthalb Meter tiefer. Callen überprüfte das Bündel, hängte sich die Waffe um und sprang.

Die Seals beobachteten von verschiedenen Standorten aus das Zeltlager. Dort war alles ruhig und friedlich. Anscheinend hatte niemand gemerkt, dass Callen dort vor ein paar Tagen ein Notsignal gesendet hatte. Wie Sam es erwartet hatte, gab es keine Spuren von seinem Partner. Dafür war er einfach zu geschickt und zu clever.

„Wir ziehen uns zum Treffpunkt zurück. Lautlos."

Der Teamleader wartete die Bestätigung ab, bevor er seiner eigenen Anweisung folgte. Ein wenig später trafen alle am vereinbarten Ort ein.

„Und was jetzt?" Ray sah Sam fragend an.

Der Ex-Seal sah sich mit gerunzelter Stirn die Karte und die Luftaufnahmen des Gebietes an. Er hatte das schon mehr als einmal getan, ohne jedoch zu einem Ergebnis zu kommen. Leise sprach er vor sich hin.

„G braucht ein Funkgerät, damit er uns kontaktieren kann. Er braucht Waffen, um sich gegen seine Verfolger zur Wehr setzen zu können. Nahrung, wetterfeste Kleidung. Die Nachricht von G besagte, dass er seine Verfolger nicht abschütteln kann, dass sie ihm immer dicht auf den Fersen sind. Also kann er kein festes Lager beziehen, muss immer in Bewegung bleiben. Was G braucht, muss er sich unterwegs besorgen. Die meisten Einheimischen sind Nomaden. Aber es gibt auch ein paar Dörfer, wie das, in dem wir waren. Die einzigen standortsicheren Quellen für alles, was G braucht."

Aufmerksam war Ray Sams Selbstgespräch gefolgt. Jetzt nahm er einen Marker zu Hand, sah auf die Karte und Fotos und kennzeichnete die wenigen Dörfer. Dann stutzte er.

„Sam, was ist das? Ein Dorf?"

In der Zwischenzeit hatten sich die Seals um Sam versammelt.

„Ein verlassenes Dorf, wahrscheinlich nur noch Ruinen." Einer der Seals gab die Antwort. „Die vielen Kriege hier haben dafür gesorgt, dass es überall solche Orte gibt."

„Häufig verstecken sich Taliban dort. Nicht ungefährlich." Der Teamleader sah Sam nachdenklich an. „Wie risikofreudig ist Ihr Agent?"

„Ziemlich." Sam sah den Teamleader ausdruckslos an. „Warum?"

„Wenn sich da Taliban verstecken, gibt es dort alles, was Ihr Mann braucht."

Sam und Ray tauschten eine kurzen Blick aus.

„Dann sollten wir uns auf den Weg dorthin machen."

Langsam bekam Deeks wieder Luft und richtete sich vorsichtig auf. Leicht stöhnend lehnte er sich an die Reling. Was er zu sehen bekam, gefiel ihm gar nicht. Einer der Gangster kam von unter Deck hoch. Er trug eine alte, rostige, ziemlich schwer aussehende Ankerkette. Bevor Deeks sich versah, lag er auf dem Rücken, zwei Mann hielten ihn fest und zwei weitere wickelten die Kette um seine Beine.

„Hey, Leute, lasst den Blödsinn! Wir können uns bestimmt einig werden!"

Deeks versuchte, sich hin und her zu werfen und mit den Beinen zu strampeln, aber vergeblich. Als sein Gestrampel den Männern zu viel wurde, schlug einer seinen Kopf brutal gegen das Deck. Deeks verlor das Bewusstsein.

Joann hatte ihren Sicherheitsgurt gelöst und stand jetzt neben Renko. Mit einer Hand hielt sie sich krampfhaft an der Scheibe fest, während sie mit der anderen ein Fernglas umklammerte und angestrengt nach vorne sah.

„Ich kann es nicht genau erkennen, aber die scheinen irgendetwas um Martys Beine zu wickeln…Was machen die da?" Abrupt ließ Joann das Fernglas auf ihren Sitz fallen. „Mike, halt genau auf sie zu, ich glaube, die wollen Marty über Bord werfen! Kensi, mach Dich fertig!"

Kensi ließ sich nicht zweimal bitten. Hastig zogen die beiden Frauen ihre Schuhe aus und legten die Waffen ab. Im letzten Moment dachte Joann daran, ihren Autoschlüssel aus der Hosentasche zu nehmen und legte Renko den Tablet-PC auf die Steuerkonsole.

„Kensi?"

„Ich bin so weit."

Behände, trotz der hohen Geschwindigkeit, kletterten die Frauen auf die Umrandung des Bootes und hielten sich an der Halterung für das Sonnensegel fest. Etwas weniger geschickt als die Frauen hatte Nate seinen Platz gewechselt und stand jetzt neben Renko. Angespannt sahen alle nach vorne.

Für einen Moment hielt Callen den Atem an, als Teile des Hauses auf den Boden fielen, doch niemand hatte ihn bemerkt. Mit einem kräftigen Ruck zog er sich hoch und kletterte durch das Fenster. Wieder rührte Callen sich nicht und lauschte den Geräuschen im Gebäude. Da er lediglich Schlafgeräusche hörte, bewegte er sich vorsichtig durch den Raum. Seine Augen hatten sich an die Dunkelheit im Inneren angepasst. Erst als Callen an der Treppe nach unten ankam, hörte er die Schritte eines Menschen. Der Rhythmus war gleichmäßig, als ging jemand auf und ab. Wahrscheinlich eine Wache. Vorsichtig warf Callen einen Blick die Treppe hinunter. Ja, dort war der Mann, direkt vor der offenen Tür. Dicht an der Wand ging Callen Stufe für Stufe die Treppe hinunter. Immer wieder warf er kurze Blicke nach oben, schließlich wollte er nicht von einem erwachten Schläfer überrascht werden.

In dem Moment, als die Wache sich von der Tür entfernte, spurtete Callen nach hinten ins Haus. Er erinnerte sich noch genau an den Lagerort des Sprengstoffes. Mit Erleichterung stellte Callen fest, dass sich seit seinem Besuch hier nichts verändert hatte. Im schwachen Licht einer Sturmlampe, die im Flur des Gebäudes an der Wand hing, öffnete Callen sein Bündel und packte in Windeseile ein, was er benötigte: Sprengstoff, Zündkabel, Zünder. Außerdem entdeckte er noch eine Kiste mit Handgranaten. Vorsichtig sein inzwischen recht schweres Bündel tragend ging er in den nächsten Raum. Dort fand er das altmodische, aber noch voll funktionsfähige tragbare Funkgerät. Sorgfältig verstaute Callen es zwischen seiner restlichen Beute und hing sich dann sein Bündel wieder um. Jetzt musste er nur noch ungesehen hier herauskommen.

Mit Entsetzten sahen Hetty, Nell und Eric zu, wie Deeks über Bord geworfen wurde. Dann gab die Knopfkamera ihren Geist auf und das Bild wurde schwarz.

„Kensi? Joann?"

Doch die beiden Agentinnen reagierten nicht auf Erics Ruf. Beide versuchte, den Ort, an dem Deeks untergegangen war, nicht aus den Augen zu verlieren.

Als sich das Powerboot dem Punkt näherte, wurde Renko etwas langsamer. „Jetzt!"

Gleichzeitig sprangen Kensi und Joann ins Wasser, während Renko wieder Gas gab und die Verfolgung aufnahm.

Die Sicht unter Wasser war nicht gut, trotzdem konnten sie Deeks schnell entdecken. Er sank stetig tiefer und machte keine Anstalten, etwas dagegen zu tun. Mit kräftigen Zügen tauchten Joann und Kensi ihm nach und hatten Mühe, ihn zu erreichen. Als sie endlich in Reichweite waren, fackelten sie nicht lange. Trotz der Fesseln griffen beide sich einen Arm und schwammen auf die Wasseroberfläche zu.

Joann merkte den Luftmangel. Deeks war schon ziemlich tief gewesen und dank der Ankerkette auch verdammt schwer. Das Bedürfnis, zu atmen, wurde immer größer. Bunte Punkte erschienen vor Joanns Augen, ihre Schwimmbewegungen wurden unkoordinierter. Mit letzter Kraft durchstieß Joann die Wasseroberfläche und sog gierig die frische Luft ein.

Kensi erging es nicht besser. Keuchend rang sie nach Luft.

„Deeks! Deeks? Wenn Du mich auf den Arm nimmst, bekommst Du echt Ärger!…Deeks?"

Panik stieg in Kensi auf, nur mühsam drängte sie diese zurück.

„Jo, ich fühle seinen Puls, aber er atmet nicht!"

„Sind seine Atemwege frei?"

Kensi überprüfte das und nickte.

„Dann fang an, ihn zu beatmen. Ich versuche, ihn oben zu halten."

Die Ankerkette zog Deeks' Beine immer wieder nach unten. Während Kensi Mund zu Mund Beatmung machte, versuchte Joann gleichzeitig, Deeks an der Wasseroberfläche zu halten und die Ankerkette zu lösen. Doch die Sklavenhändler hatten ganze Arbeit geleistet. Die Kette war nicht nur ziemlich eng und durcheinander um die Beine gewickelt, sie war auch noch durch zwei Schlössern mit Deeks' Handfesseln fest verbunden. Joann gab den Befreiungsversuch auf und konzentrierte sich nur noch darauf, dass Deeks nicht unterging.

Die Rettungsmannschaft war wieder vor Sonnenaufgang aufgebrochen. Mit Hilfe der Nachtsichtgeräte und dank der trittsicheren Pferde, fanden sie ihren Weg auch in der Dunkelheit.

„Das werden zwei verdammt lange Tage, Sam."

„Ich weiß, Ray."

Sam war ziemlich schweigsam geworden, nach dem sie sich entschlossen hatten, das verlassene Dorf anzusteuern. Zwei weitere Tage, die G durchhalten musste. Und das auch nur, wenn er wirklich dort in der Nähe war und bis dahin nicht geschnappt wurde. Eine Menge Unwägbarkeiten.

Ray musterte seinen Kollegen. Er machte sich nicht weniger Sorgen, aber keiner von beiden konnte an der Situation etwas ändern. Ohne Kontakt mit Callen, waren sie nun mal auf Vermutungen angewiesen. Ray seufzte leise.

„Siehst Du irgendeine Möglichkeit, Callen zu informieren, dass wir hier sind?"

Sam schüttelte den Kopf. „Wir können hier niemandem vertrauen. Wenn wir die Einheimischen bitten, nach ihm Ausschau zu halten, ist er tot. Wenn wir zu sehr auf uns aufmerksam machen, ist G tot. Oder wir. Die Kontaktaufnahme müssen wir G überlassen. Wir können nur geduldig abwarten, Ray."

„Und uns beeilen."

Renko hielt direkt auf die Yacht zu. Nate hatte seine Handfeuerwaffe gegen das Gewehr getauscht, dass Renko mitgenommen hatte. Als sie in Reichweite waren, begann Nate, auf die Yacht zu schießen. Er hatte wirklich eine Menge gelernt. Auch wenn nicht jeder Schuss ein Treffer war, so zwang Nate die Männer, schnell in Deckung zu gehen.

„Renko, das Schiff der Küstenwache ist in wenigen Minuten bei Euch, der Helikopter muss jeden Moment auftauchen."

„Verstanden, Eric. Schick den Helikopter zu den Frauen. Sie versuchen, Deeks vor dem Ertrinken zu retten."

„Okay, bin schon dabei."

Renko warf einen kurzen Blick zu Nate, der die Männer vom Sklavenhändlerring mit seinen Schüssen beschäftigt hielt.

„Eric, gib mir die Position der Küstenwache auf den Tablet-PC."

„Erledigt."

Renko beobachtete die drei blinkenden Punkte, dann änderte er leicht den Kurs. Verblüfft hörte Nate auf, zu schießen.

„Was machst Du da? Die sind direkt vor uns!"

„Ich will sie auf die Küstenwache zu treiben, damit sie nicht entkommen können." Renko deutete auf den kleinen Computer.

Nate sah sich das Display an, nickte dann. „In Ordnung."

Mit Hilfe von Nates Schüssen zwangen sie die Yacht, ebenfalls den Kurs zu ändern. Zufrieden nickte Renko. Sie fuhren jetzt genau auf das Küstenwachschiff zu.

Callen schlich sich an die Wache heran und wartete geduldig. Im richtigen Moment griff er den Mann an und zog ihn in das Haus. Nach einem kurzen Kampf war der Wächter außer Gefecht. Callen nahm sich seine Kleidung und ging dann dessen Runde nach. Auf diesem Weg wollte er das verfallene Dorf verlassen.

Nach ein paar Schritten wurde er angerufen. Damit hatte Callen nicht gerechnet. Er grummelte eine Antwort. Leider ließ sich der Rufende davon nicht abwimmeln. Der Mann trat aus dem Schatten und sprach Callen erneut an. Er war eindeutig misstrauisch. Callen seufzte leise und antwortete diesmal deutlich verständlich. Der Mann musterte Callen, riss dann die Augen auf und stieß er einen Warnruf aus, bevor Callen es verhindern konnte.

In kürzester Zeit tauchten überall bewaffnete Männer auf und eröffneten das Feuer auf Callen. Der spurtete hinter die Reste einer Mauer und warf sich dort in Deckung. Hastig sah er sich um. Callen entdeckte nur einen potentiellen Fluchtweg. Entschlossen machte er seine Waffen und ein paar Handgranaten bereit. Alles andere ausblendend, konzentrierte er sich und warf dann die erste Handgranate.