Alle Charaktere und sämtliche Rechte an ‚NCIS: Los Angeles' gehören CBS und Shane Brennan Productions. Die folgende Geschichte dient keinerlei kommerziellen Zwecken, sondern wurde nur zum Vergnügen für Fans geschrieben. Eine Verletzung des Copyrights ist nicht beabsichtigt. Alle weiteren Personen gehören der Autorin.
Viel Spaß beim Lesen und ich freue mich auf Eure Rückmeldungen.
Kapitel 6 - Erste Siege
Joann trat weiterhin Wasser, während Kensi immer noch Deeks beatmete.
„Komm schon, Marty, atme endlich!" Joann keuchte vor Anstrengung. Verzweifelt begann sie, wieder an der Ankerkette zu zerren. Dann hörte sie das typische Geräusch eines Helikopters und sah in den Himmel. Die Küstenwache näherte sich ihnen. „Nun mach schon, Marty, streng Dich an! Hilfe ist gleich da! Gib nicht auf!" Joann merkte nicht einmal, dass ihr Tränen über die bereits vom Salzwasser nassen Wangen liefen.
Stur, wie sie war, ließ Kensi sich nicht aus dem Konzept bringen. Und hatte endlich Erfolg. Deeks hustete und atmete danach endlich wieder selbstständig. Allerdings blieb er bewusstlos.
Der Rettungshubschrauber hatte Position bezogen und einer der Männer sprang ab.
„Wie sieht es aus, Ma'am?"
„Kurz vor Ihrer Ankunft hat er wieder begonnen, zu atmen, ist aber noch nicht zu sich gekommen." Kensi keuchte leicht von der Anstrengung.
„Ich habe gesehen, wie die Entführer seinen Kopf hart auf das Deck geschlagen haben. Außerdem wurde er vorher zusammengeschlagen. Er könnte also eine Kopf- und innere Verletzungen haben." Joann hatte sich wieder im Griff.
Der Rettungsschwimmer der Küstenwache gab die Informationen an den Hubschrauber weiter. Sofort wurde der Rettungskorb hinuntergelassen. Deeks dort hineinzubekommen, war schwierig, die Ankerkette erwies sie als nicht unerhebliches Hindernis. Als Deeks schließlich im Rettungskorb lag, bekamen sie ihn nicht ins Gleichgewicht.
„Du musst mit hinein, Kensi. Los, mach schon!" Joann gab ihrer Freundin einen kleinen Schubs, dann wurde der Korb nach oben gezogen.
„Jetzt Sie, Ma'am!" Der Rettungsschwimmer hielt Joann den Gurt hin.
Sie schüttelte den Kopf und deutete auf einen Punkt hinter dem Rettungsschwimmer. „Da vorne kommt mein Taxi! Sehen Sie zu, dass Sie meinen Kollegen ins Krankenhaus bringen!" Joann nickte dem Mann kurz zu und schwamm dann auf das sich nähernde Powerboot zu.
…
Erschöpft, mit schmerzverzerrtem Gesicht, lehnte sich Callen an die Felswand. Der nächtliche Kampf war ziemlich heftig gewesen. Sie hatten ihn fast erwischt. Gerettet hatte ihn ein Glückstreffer. Eine seiner Handgranaten hatte das Haus mit dem Munitionslager getroffen. Die Explosion war heftig gewesen. Ihre Wucht hatte Callen hart gegen eine der Hausruinen geschleudert. Außerdem war er von einem Querschläger getroffen worden. Sein Kopf dröhnte, sein Rücken tat höllisch weh und seine Schulter fühlte sich an, als wäre darin ein Feuer ausgebrochen.
Mühsam raffte Callen sich auf und entzündete ein kleines Feuer. Dann sichtete er seine Beute. Den größten Teil seiner Handgranaten hatte Callen bei seiner Flucht verbraucht. Aber der Sprengstoff mit Zubehör und fast die komplette Munition waren vorhanden. Mit Erleichterung stellte Callen fest, dass das Funkgerät unbeschädigt geblieben war.
Während er seine Sachen wieder zusammenräumte, wurde er nachdenklich. Zum ersten Mal, seit er auf der Flucht war, hatten Callen das Gefühl, seine Verfolger abgeschüttelt zu haben. Er hatte keine Ahnung, was die Ursache dafür war, aber Callen war dankbar. Was er jetzt brauchte, war eine Atempause, und die hatte er bekommen.
…
„Miss Jones?"
„Ich habe die neusten Sattelitenaufnahmen weitergeleitet, Hetty. Agent Hanna dürfte jeden Moment darüber verfügen."
Hetty nickte. Nell bewies wieder, dass ihr Platz in dieser Einheit berechtigt war. Auf dem einen Monitor beobachtete sie den Rettungseinsatz für Deeks. Bei Bedarf unterstützte sie Eric. Auf dem anderen Monitor hatte sie ständig aktuelle Sattelitenaufnahmen und Information zu dem Gebiet, in dem die Rettungsoperation für Callen ablief. Diese Informationen leitete sie an Sam weiter. Außerdem lief im Hintergrund immer noch die Suche nach der Quelle für diesen ganzen Schlamassel.
„Deeks ist auf dem Weg ins Krankenhaus, Kensi begleitet ihn. Die Entführer wurden von der Küstenwache festgenommen. Die anderen machen sich jetzt auf den Rückweg zu den Autos."
Erleichtert gab Eric diese Informationen weiter. Er war ebenfalls Multitasking fähig. Eric dirigierte das Schiff der Küstenwache und den Rettungshubschrauber, hatte die Polizei in den Hafen beordert und gab alle Informationen an Renko weiter. Auch bei ihm lief im Hintergrund die Suche nach ihrem Gegenspieler weiter. In diesem Moment klingelte Hettys Handy.
„Lange." Konzentriert lausche Hetty. „Danke, dass sind gute Nachrichten."
Neugierig drehten sich Eric und Nell zu ihrer Chefin um.
„Das FBI hat den Sklavenhändlerring gesprengt. Alle Verdächtigen konnten festgenommen werden."
Die Neugier der beiden Computertechniker wurde von Verblüffung abgelöst.
„Hetty, wann wurde das FBI eingeschaltet?"
„Als Mr. Deeks das Notsignal gesendet hat. Das L.A.P.D. hat erstaunlich bereitwillig seine Informationen mit dem FBI geteilt."
Ein zufriedenes Lächeln umspielte Hettys Lippen.
…
Müde schlugen Sam und seine Leute ihr Lager auf. Sie waren scharf geritten, hatten nur wegen der Pferde zwischendurch Rast gemacht. Es würde auch nur eine kurze Nachruhe werden. Sie wollten noch vor Sonnenaufgang weiter. Während Sam sich um sein Bergpony kümmerte, trat einer der Seals an ihn heran.
„Sir, eine Nachricht für Sie."
„Danke."
Sam nahm den kleinen Computer entgegen. Hetty hatte dafür gesorgt, dass sie zusätzlich zu der üblichen Ausrüstung mit modernster Kommunikationstechnik im Stil des OSP ausgestattet waren. Sam öffnete die verschlüsselte Nachricht. Anschließend ging er zum Teamleader.
„Sieht aus, als hätten wir die richtige Entscheidung getroffen." Sam zeigte ihm die Sattelitenaufnahmen, die an die Nachricht angehängt waren. „An unserem Ziel hat es eine Menge Explosionen gegeben."
„Ein heftiges Gefecht." Aufmerksam sah der Teamleader sich die Aufnahmen an. „Wie sicher sind Sie, dass es sich um Ihren Agenten handelt?"
Sam zuckte mit den Achseln. „Unter den gegebenen Umständen? Absolut sicher. Er hat das getan, was Ihr Mann vermutet hat: sich mit allem versorgt, was er braucht."
„Und wie sicher sind Sie, Agent Hanna, dass Ihr Agent das Gefecht überlebt hat?"
Sam durchbohrte den Seal beinahe mit seinem Blick. „Solange mir niemand das Gegenteil beweist, ist G am Leben. Er hat schon ganz andere Sachen überlebt. Wir sind auf einer Rettungs- und nicht auf einer Bergungsmission."
Die beiden Männer maßen sich mit ihren Blicken, dann nickte der Teamleader.
„In Ordnung. Wir müssen unseren Plan anpassen. Nach diesem Gefecht wird Agent Callen sicher nicht in der Nähe dieses Dorfes bleiben."
Mit Hilfe der aktuellen Sattelitenfotos wurde der bestehende Plan überarbeitet.
…
Mit klappernden Zähnen und blauen Lippen saß Joann im Powerboot und dachte an Deeks. Dank Kensi lebte er noch, aber noch wussten niemand, ob sie schnell genug gewesen waren. Sie schüttelte den Kopf. Der Mann hatte mehr Leben als eine Katze.
„Joann?"
Sie hob den Kopf und sah in Nates besorgte Augen. Trotz der klappernden Zähne versuchte Joann, zu lächeln.
„Mir geht es gut, Nate."
„Klar." Nate seufzte. „Hier." Besorgt legte er Joann seine Jacke um die Schultern.
„Danke." Joann zögerte kurz, sprach dann aber weiter. „Ich hoffe, wir haben Marty schnell genug aus dem Wasser gezogen…Es hat so schrecklich lange gedauert, bis er wieder geatmet hat…"
Nate nickte verstehend. „Du und Kensi, Ihr seid viel schneller gewesen, als es Dir jetzt vorkommt. Deeks ist verdammt zäh und hat einen harten Schädel. Er wird bald wieder auf den Beinen sein."
Joann nickte nur. Langsam verschwand das Adrenalin aus ihrem Blut und ließ Erschöpfung zurück. Zudem war das Wasser sehr kalt gewesen und sie fror erbärmlich. Nates Jacke war eine liebe Geste, wärmte sie aber nicht. Joann biss die Zähne zusammen, damit das Klappern aufhörte. Gegen das Zittern half es aber nicht.
…
Nachdenklich sah Callen das Funkgerät an. Es war genügend Zeit vergangen, dass ein Rettungsteam für ihn in der Nähe sein konnte. Gleichzeitig konnte ein Funkspruch seine Position verraten. Callen runzelte die Stirn. Die ganze Zeit waren ihm seine Verfolger dicht auf den Fersen gewesen. Seit seinem ‚Besuch' in dem Dorf hatte sich keiner mehr blicken lassen. Was hatte sich geändert? Callen hatte keine Ahnung. Er war sich auch nicht sicher, ob das im Moment wichtig war. Nachdenklich lehnte sich Callen an die Felswand. Ein heftiger Schmerz schoss durch seine Schulter, Callen keuchte auf. Damit war die Sache entschieden. Er brauchte dringend medizinische Hilfe.
Mit gerunzelter Stirn überlegte Callen, was er senden sollte. Er war sich sicher, dass Sam beim Rettungsteam war. Davon hätte sich sein Partner von nichts und niemandem abhalten lassen. Also sollte er einen Code wählen, den nur Sam verstand. Callen versuchte, nachzudenken, aber es fiel ihm schwerer und schwerer. Er hatte leichtes Fieber, das sicher noch schlimmer werden würde, also sollte er sich besser beeilen.
Ein schwaches Grinsen erschien auf seinem Gesicht. Callen war gerade der richtige Code eingefallen. Er griff zu dem Funkgerät und gab den Code durch.
…
Der Rettungshubschrauber war direkt ins Krankenhaus geflogen. Kensi ging unruhig auf und ab. Eine freundliche Krankenschwester hatte sie mit trockenen Sachen versorgt. Jetzt wartete Kensi auf einen Arzt, der sie über Deeks' Zustand in Kenntnis setzen würde.
Er hatte auf dem Flug sein Bewusstsein nicht wieder erlangt. Kensi unterdrückte ihre Angst, denn der Rettungssanitäter hatte einen optimistischen Eindruck gemacht. Deeks' Vitalwerte waren gut, hatte der Mann immer wieder beruhigend erklärt.
Kensi blieb vor dem Fenster stehen und starrte ins Leere. Es war nicht das erste Mal, dass sie sich Sorgen um einen Kollegen machte. Immer wieder kam jemand von ihnen in eine gefährliche Situation oder wurde verletzt. Oder getötet. Wie Dom. Energisch verdrängte Kensi diesen Gedanken.
…
„Sir, da ist ein merkwürdiger Funkspruch. Ihr Name wird genannte und dann folgt eine Zahlenreihe." Der Mann hielt Sam einen Zettel hin. „Der Funkspruch wurde dreimal wiederholt. Jetzt empfangen wir nichts mehr. Könnte das Agent Callen sein?"
„Sehr wahrscheinlich." Sam war erleichtert. Sein Partner lebte noch! Dann sah er sich die Zahlen an, die der Funker ihm gegeben hatte. „Was soll das sein?" Sam war verwirrt. „Das sind keine Koordinaten."
„Nein, Sir, das habe ich schon geprüft. Es muss ein Code sein. Falls jemand den Funkspruch abfängt, kann er so Agent Callen nicht orten. Ich hatte gehofft, dass Sie den Code entschlüsseln können, Sir."
„Ich kümmere mich darum." Sam sah sich um und winkte dann Ray heran. „G hat seinen Koordinaten verschlüsselt geschickt. Wir müssen den Code knacken."
„Okay, zeig mal her." Ray warf einen Blick auf den Zettel. „Er hat Dich angesprochen, Sam, also solltest Du wissen, was für ein Code das ist. Callen wird nur einen nehmen, den Ihr beide kennt. Gab es viele Fälle, bei denen Ihr Zahlencodes verwendet habt?"
…
Joann fror inzwischen so sehr, dass sie Nates Hilfe brauchte, um aus dem Boot zu steigen. Renko öffnete den Wagen und gab Joann eine Decke aus dem Kofferraum. Während sie sich in den Wagen setzte, stellte Renko die Heizung voll an. Bevor er jedoch losfahren konnte, klopfte Nate an die Seitenscheibe.
„Ich habe ein Problem." Nate deutete auf Kensis Cadillac SRX. „Kensi hat den Schlüssel."
Renko grinste. „Nein, hat sie nicht. Genau wie Jo hat sie ihre Taschen geleert, bevor sie ins Meer gesprungen ist." Er reichte Nate den Schlüssel. „Ich habe mich schon gefragt, wann es Dir auffällt."
Trotz des Zitterns und der klappernden Zähne, musste Joann grinsen. Nate hatte eine Menge gelernt und war ein guter Agent geworden. Aber manchmal war er immer noch der etwas unpraktische, hilflos wirkende Psychologe.
Im Hauptquartier ging Joann direkt zu den Duschen. Sie überließ es Renko und Nate, Hetty zu informieren. Es dauerte eine Weile, bis Joann nicht mehr fror. Nachdem ihre Zähne nicht mehr aufeinander schlugen, konnte sie auch wieder klar denken. Bis zu ihrem Eintreffen im Hauptquartier hatte es keine neuen Informationen über Deeks gegeben.
„Wie sieht's aus?" Ebenso lautlos wie Hetty, hatte sich Joann dem Bürobereich genähert.
Nate wurde durch sie überrascht, während Renko nur schmunzelte. Es war nicht zum ersten Mal, dass Joann das machte.
„Wir warten nur auf Dich, um ins Krankenhaus zu fahren. Kensi hat vorhin angerufen. Es gibt noch nichts Neues." Renko stand auf. „Alles klar?"
„Sicher, mir geht es gut." Joann ging zu ihrem Platz. Renko hatte ihre Sachen dort abgelegt. Schnell verstaute Joann ihre Waffe, ihren Ausweis und den übrigen Kleinkram wieder an und in ihrer Jeans. „Ich bin so weit, wir können los." Auffordernd hielt Joann Renko ihre Hand hin.
„Du und Kensi, Ihr seid Euch manchmal erschreckend ähnlich." Lachend schüttelte Renko den Kopf und gab Joann die Autoschlüssel.
…
Mit zusammengebissenen Zähnen wechselte Callen seinen provisorischen Schulterverband. Die Verletzung durch den Querschläger sah übel aus. Er brauchte dringend einen Arzt. Oder zumindest einen Sanitäter.
„Verdammt, Sam, melde Dich!"
Frustriert sah Callen das Funkgerät an. Vielleicht hatte es doch nicht funktioniert. Seufzend entschloss er sich, den Funkspruch noch einmal zu senden.
…
„Kensi?"
Erleichtert drehte sich die Agentin zu ihrer Freundin um. „Noch immer keine Neuigkeiten. Sie machen alle möglichen Untersuchungen mit Deeks, aber niemand hat mir bisher etwas gesagt, außer, dass ich Geduld haben muss."
„Na, dann hole ich uns mal Kaffee." Joann macht sich auf die Suche nach dem nächsten Automaten.
„Es ist bestimmt alles nicht so schlimm, Kensi. Die Ärzte wollen nur gründlich sein." Nate legte beruhigend einen Arm um seine Kollegin. „Ich habe es schon zu Joann gesagt. Deeks ist ein viel zu großer Dickschädel, um lange krank zu sein. Er ist bald wieder auf den Beinen."
Kensi lächelte schwach.
„Es sei denn, irgendeine der Schwestern verspricht ihm ein Schwammbad." Renko grinste Kensi an. „Dann bleibt er bestimmt noch ein bisschen länger."
Diese Bemerkung entlockte sogar Kensi ein Grinsen. „Deeks und seine Schwammbäder!" Dann sah sie ihre beiden Kollegen an. „Was finden Männer eigentlich so toll daran?"
Bevor die zwei antworten und sich damit in Schwierigkeiten bringen konnten, erschien Joann mit dem Kaffee. Außerdem hatte sie auch noch den Süßigkeitenautomaten geplündert.
„Wow, was ist das?" Ziemlich entgeistert sah Renko seine derzeitige Partnerin an. „Ist der Automat jetzt leer?"
„Nein!" Empört sah Joann ihn an. „Ich konnte mich bloß nicht entscheiden, was ich haben wollte…"
Alle drei mussten lachen, während Joann rot wurde. Bevor jemand weiter auf dem Thema herumreiten konnte, verteilte sie schnell den Kaffee.
…
„Hetty, wir bekommen gerade eine Nachricht von Sam. Callen hat einen verschlüsselten Funkspruch gesendet. Im Moment versuchen Sam und Ray, ihn zu entschlüsseln. Zumindest wissen wir jetzt, dass er noch lebt."
„Danke, Miss Jones. Haben Sie schon mit den Kollegen im Krankenhaus gesprochen?"
„Eric macht das gerade. Immer noch keine Neuigkeiten über Deeks."
„In Ordnung. Kontaktieren Sie Agent Hanna und fragen Sie ihn, ob er Hilfe durch Sie oder Mr. Beale beim Entschlüsseln braucht."
„Schon erledigt, Hetty. Sam meint, es muss ein Code sein, den er und Callen schon mal verwendet haben. Eric und ich arbeiten bereits daran."
Hetty nickte. „Was macht unser anderes ‚Projekt'?"
„Da kommen wir nur langsam voran." Nell zögerte kurz. „Ich habe den Verdacht, dass wir auf eine falsche Fährte geschickt werden."
„Warum?"
„Am Anfang hatten Eric und ich Schwierigkeiten, überhaupt eine Spur zu finden. Sie war sehr gut getarnt. Aber als wir sie einmal hatten, konnten wir ihr gut folgen. Das war zu einfach. Ich denke, jemand will uns glauben machen, dass das Büro des SECNAV darin hängt, obwohl das nicht der Fall ist."
„Haben Sie Beweise?"
Nell schüttelte den Kopf. „Bisher noch nicht, aber Eric und ich arbeiten auch daran. Es ist alles sehr zeitaufwendig." Einen Moment sah Nell sehr müde aus, doch dann hatte sie sich wieder im Griff. „Wenigstens haben wir den Sklavenhändlerring ausgeschaltet. Und wir wissen, dass Callen lebt."
„Ja, zumindest ein paar gute Nachrichten." Auch Hetty wirkte einen Moment müde. „Gut, Miss Jones. Priorität hat jetzt das Entschlüsseln des Codes. Wir müssen Mr. Callen finden."
…
„Natürlich, da hätte ich auch eher drauf kommen können!" Gleichzeitig erleichtert und frustriert schrieb Sam den entschlüsselten Code auf. „Hier sind die Koordinaten."
Ray trug sie auf der Karte ein. „Wenn wir morgen wieder so scharf reiten wie heute, können wir übermorgen gegen Mittag dort sein." Nachdenklich sah er sich das Gebiet an. „Besteht die Möglichkeit, einen Hubschrauber dorthin zu schicken?"
Inzwischen war auch der Teamleader dazugekommen. „Nein, keine Chance. Überall in diesem Gebiet sind Taliban, die mit Luftabwehrwaffen ausgerüstet sind. Sie würden den Helikopter abschießen. Wir sind die einzige Chance, die Agent Callen hat."
„Gut, dann antworten wir jetzt." Sam gab dem Funker eine Zahlenreihe. „Senden Sie das auf der Frequenz, die G verwendet hat. Dreimal hintereinander."
„Ja, Sir."
„Und was jetzt?" Ray sah Sam fragend an.
„Wir warten auf eine Antwort."
…
Callen brauchte einen Augenblick, um zu begreifen, dass die Stimme, die er plötzlich hörte, nicht aus einem Traum kam, sondern aus dem Funkgerät. Als Callen sich bewegte, brachte der Schmerz in seiner Schulter ihn dazu, laut zu stöhnen. Mit schmerzverzerrtem Gesicht schrieb er die Zahlen in den Sand. Das klare Denken fiel ihm schwer. Seine Schulterverletzung hatte sich entzündet und für Fieber gesorgt. Callen biss die Zähne zusammen und konzentrierte sich. Nachdem er Sams Nachricht entschlüsselt hatte, sandte er sofort seine Antwort. Jetzt konnte er nur abwarten und hoffen, dass Sam und die Seals ihn schneller erreichten als seine Verfolger. Um weiterhin erfolgreich zu flüchten, war er zu krank.
…
„Doktor?" Kensi stand auf und trat einen Schritt auf den Arzt zu. „Wie geht es meinem Partner?"
„Er hat Glück gehabt. Wir konnten keine inneren Verletzungen feststellen. Allerdings ist er immer noch nicht zu Bewusstsein gekommen. Die Ursache ist wahrscheinlich eine schwere Gehirnerschütterung, da unsere Untersuchungen keine Hirnblutungen gezeigt haben." Der Arzt sah die vier Agenten an. „Wir können nur abwarten."
Ein beklemmendes Schweigen breitete sich aus.
Nate fasste sich als erster wieder. „Danke, Doktor. Können wir zu ihm?"
„Ja, natürlich. Es ist wichtig, dass Sie mit ihm reden. Wenn Detective Deeks bekannte Stimmen hört, hilft ihm das vielleicht, aufzuwachen."
„Ja, danke, wir wissen Bescheid."
Der Arzt war eindeutig überrascht von Nates Antwort, sagte aber nichts weiter dazu und schickte sie zu Deeks Zimmer.
Renko rief im Hauptquartier an und gab die Auskunft des Arztes durch. Dann lauschte er aufmerksam Hetty. Nachdem er das Gespräch beendet hatte, sah Renko seine Kollegen an.
„Sam hat Callen lokalisiert. Sie brauchen aber anderthalb Tage, um ihn zu erreichen."
…
Langsam goss sich Hetty eine Tasse Tee ein. Sie schwankte zwischen Erleichterung und Sorge. Erleichterung darüber, dass Deeks und Callen nicht mehr verschwunden waren. Sorge über den Gesundheitszustand ihrer Mitarbeiter. Mit gerunzelter Stirn nippte Hetty am Tee. Sie dachte über Nells Vermutung nach. Falls die Analystin Recht hatte, würde das eine Menge erklären. Nach Nates Vortrag hatte Hetty sich eine Menge Gedanken gemacht, aber ihr war niemand im Büro des SECNAV eingefallen, der auf Nates Beschreibung passte. Natürlich bedeutete es nicht, dass es dort niemand entsprechendes gab. Hetty runzelte die Stirn. Wer könnte so ein Versteckspiel aufziehen?
…
„Was ist los, Nell?" Eric musterte seine Kollegin. Irgendetwas machte ihr Sorgen.
Nell zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, Eric." Sie zögerte kurz, bevor sie schließlich eine Datei aufrief. „Was hältst Du hier von?"
Aufmerksam sah Eric die Daten durch. „Da will uns jemand an der Nase herumführen. Das erklärt auch, warum so viele unserer Nachforschungen im Sande verlaufen sind." Nachdenklich sah Eric von den Daten hoch. „Weiß Hetty schon Bescheid?"
„Ja, ich habe ihr vorhin meine Vermutung mitgeteilt." Nell seufzte. „Wir müssen anders an die Suche heran gehen."
„Wir müssen ganz von vorne anfangen." Eric sah ziemlich müde aus.
Nell, nicht weniger müde als ihr Kollege, nickte nur. „Legen wir los."
…
Nate, Joann und Renko hielten sich im Wartebereich auf, während Kensi an Deeks' Bett saß und mit ihm sprach. Joann wurde plötzlich klar, wie sich ihre Freunde gefühlt hatten, als sie damals so im Bett gelegen hatte.
„Danke, dass Ihr damals alle für mich da gewesen seid, obwohl Ihr mich doch gar nicht kanntet." Joann sah Nate an.
Er lächelte nachdenklich vor sich hin. „Das war schon eine merkwürdige Zeit."
Renko räusperte sich und sah Joann besorgt an. „Du solltest Dich auch untersuchen lassen, Jo. Du bist ganz schön unterkühlt gewesen."
„Mir geht es gut, Mike." Joann lächelte ihren derzeitigen Partner beruhigend an. „Die Dusche hat mich wieder aufgewärmt." Renkos Blick war immer noch skeptisch. „Ganz ehrlich, Mike, ich bin in Ordnung. Mir ist nicht mehr kalt und ich bin erleichtert, dass Marty nicht ernsthaft verletzt ist. Obwohl ich mir schon Sorgen mache wegen der Kopfverletzung."
„Na gut." Renko war nicht überzeugt, aber er wusste auch, dass er bei Joann nicht mehr erreichen konnte.
Die drei machten sich auf eine längere Wartezeit gefasst.
…
Sam biss die Zähne zusammen, während Ray unverhohlen fluchte. Das Wetter war noch schlechter geworden. Es goss in Strömen und die Temperatur war weiterhin gesunken. Dadurch hatte sich ihr Tempo drastisch verlangsamt. Frustriert hatte Sam eine entsprechend Nachricht an Callen gesendet. Dessen ziemlich kurze Antwort ‚Beeil Dich!' war kein gutes Zeichen.
„Ich glaube das einfach nicht! Wie kann man nur so viel Pech haben!" Gefrustet sattelte Ray sein Pony ab. Dann wandte er sich besorgt an Sam. „Uns läuft die Zeit davon. Besteht keine Möglichkeit, dass Callen uns entgegenkommt?"
Sam seufzte ungeduldig. „Wenn er das könnte, hätte G uns das mitgeteilt, Ray. Ich weiß auch, dass wir uns beeilen müssen." Sam runzelte die Stirn. „Entweder hängen ihm seine Verfolger an den Fersen oder ihm ist etwas passiert."
Das Bergpony spürte Rays Nervosität und stampfte unruhig mit den Hufen. Sam sah seinen jungen Kollegen scharf an, woraufhin Ray sich zusammenriss. Beruhigend sprach er auf das Tier ein und versorgte es anschließend weiter.
„Morgen früh lassen wir uns von Nell die aktuellen Sattelitenfotos geben. Vielleicht können wir etwas direkter als geplant zu G reiten." Sam sah zum dunklen Himmel hinauf. „Möglicherweise bessert sich ja auch das Wetter."
Darauf wusste Ray nichts mehr zu sagen.
…
„Nell, hast Du das hier gesehen?" Eric zeigte auf einen Abschnitt in einem der Programme, die sie schon die ganze Nacht durcharbeiteten.
„Zeig mal…" Aufmerksam sah Nell sich die Daten an. „Wieso habe ich das beim ersten mal nicht gesehen! Das ist verdammt clever." Sofort tippte Nell wie ein Wirbelwind auf ihrer Tastatur.
Eric warf einen kurzen Blick auf die Daten, die auf Nells Monitor erschienen, dann arbeitete er weiter seine Daten durch.
„Haben Sie etwas gefunden?" Lautlos tauchte Hetty hinter den beiden auf.
„Da ist eine Sequenz in einem der Programme, die wir bisher nicht entdeckt haben. Ich denke, die wird uns weiter bringen." Eric sah zu Hetty hoch. „Neuigkeiten aus dem Krankenhaus?"
„Nein, leider nicht, Mr. Beale." Hetty warf einen Blick auf den zweiten Monitor neben Nell. „Wie sieht es bei Mr. Hanna aus?"
„Extrem schlechtes Wetter behindert unsere Sicht und das Vorankommen der Rettungseinheit. Ich bereite die Aufnahmen so gut wie möglich auf. Aber wenn sich das Wetter nicht verbessert, erreichen sie Callen zwölf bis vierundzwanzig Stunden später als geplant."
Hetty nickte nur wortlos.
…
Kensi saß seit einer gefühlten Ewigkeit an Deeks' Bett und hielt seine Hand. Sie fühlte sich total ausgelaugt. Die letzten Wochen waren körperlich und seelisch anstrengend gewesen. Und nun saß sie zum zweiten Mal, seit Deeks ihr Partner war, an seinem Bett und wartete darauf, dass er aufwachte. So also hatte sich Callen gefühlt, als Joann damals im Koma lag. Im Moment kam es Kensi vor, als wäre das in einem anderen Leben gewesen. Müde lehnte sie sich in dem unbequemen Stuhl zurück und betrachtete Deeks' Gesicht. Blutergüsse, ein Veilchen und verschorfte Lippen waren Spuren für die Schläge, die er bekommen hatte.
„Warum musst Du auch immer so eine große Klappe haben, Deeks? Wirst Du irgendwann lernen, Dich mal zurückzuhalten? Oder hast Du weiter vor, Dein Gesicht allen als Punchingball zur Verfügung zu stellen?"
„Das ist nur eine liebgewonnene Gewohnheit."
„Deeks!" Erleichtert sprang Kensi auf und gab ihrem Freund einen überschwänglichen Kuss.
„Autsch!"
„Oh, Marty, tut mir leid!" Kensi hatte nicht mehr an seine verletzten Lippen gedacht. Zärtlich und vorsichtig strich sie mit ihrem Finger hinüber.
„Schon viel besser." Deeks versuchte, Kensi anzugrinsen, gab aber schnell auf. Es tat zu weh.
„Ich sag schnell den anderen Bescheid." Kensi ging zur Tür, drehte sich aber noch mal zu ihrem Freund um. „Lauf bloß nicht weg!"
Deeks' Lachen klang etwas gequält.
Vor der Tür musste Kensi schmunzeln. Nate hatte seinen Kopf an die Wand gelehnt und schnarchte leise vor sich hin. Joann und Renko teilten sich die durchgesessene Couch. Joann hatte die Beine angezogen und ihr Kopf lag auf Renkos Oberschenkel. Der hatte seine Jacke zu einem Kissen gefaltet und sein Kopf auf die Rückenlehne gebettet. Ein friedliches Bild. Kensi räusperte sich.
„Kensi? Ist was mit Marty?" Entgegen ihrer üblichen Gewohnheit war Joann nach dem Erwachen sofort voll da.
Auch die beiden Männer regten sich und sahen Kensi besorgt an.
„Deeks ist gerade aufgewacht. Ich sage jetzt dem Arzt Bescheid. Aber ich dachte, es ist besser, Ihr habt ein Auge auf ihn, damit er nichts Unüberlegtes anstellt."
Erleichtert lachten alle.
…
Es regnete immer noch, als Sam und sein Trupp wieder aufbrachen. Allerdings hatten Nells Infrarotsattelitenaufnahmen ihnen gezeigt, wo sich ihre Gegner derzeit aufhielten. Dementsprechend hatten sie ihre Route angepasst.
Abgesehen vom Klappern der Hufe und dem Prasseln des Regens war nichts zu hören. Jeder Mann beobachtete aufmerksam die Umgebung. Die Sattelitenaufnahmen waren eine Hilfe, aber keine Garantie für ihre Sicherheit. Jederzeit konnte ein feindlich gesonnener Einheimischer auftauchen. In regelmäßigen Abständen kontrollierte Sam per GPS, ob sie auf dem richtigen Weg waren. Callen hatte sich zu seiner Sicherheit eine schwierig zu erreichende Ecke als Versteck ausgesucht.
Ray wurde sein mulmiges Gefühl nicht los. Er fühlte sich beobachtet, obwohl es keine Hinweise darauf gab. Ray seufzte. Sam hatte beim ersten Halt Sättel, Zaumzeug und die Tiere nach versteckten Sendern durchsuchen lassen. Es war nichts gefunden worden. Das hieß aber nicht, dass ihnen niemand folgte oder nicht doch irgendwo ein Sender war.
Der Teamleader ritt an Sam heran. „Wie weit kommen wir noch zu Pferd?"
Sam sah auf sein elektronisches Spielzeug. „Etwa noch zwei Stunden."
Der Mann sah sich besorgt um. „Keine gute Gegend. Noch mehr Verstecke und Gelegenheiten für einen Hinterhalt als bisher."
„Ich weiß." Auch Sam sah sich um. „Aber auch eine gute Gegend, um Verfolger abzuhängen und ein sicheres Versteck zu finden." Sam wandte sich wieder an den Seal. „Sobald wir zu Fuß unterwegs sind, werde ich G informieren. Dann soll er uns entgegen kommen. Unsere Zeit wird knapp."
…
„Danke für die Infos." Eric beendete das Gespräch und sah hoch. Hetty musste übersinnliche Fähigkeiten besitzen. Sie tauchte immer dann auf, wenn er Neuigkeiten hatte. „Das war Kensi. Deeks ist aufgewacht und es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Er bleibt trotzdem zu Beobachtung im Krankenhaus. Kensi bleibt auch dort, damit er keinen Unsinn anstellt."
Hetty schmunzelte. „Das sind gute Nachrichten. Was ist mit dem restlichen Team?"
„Die wollen alle nach Hause und etwas schlafen. Sie sind in ein paar Stunden wieder hier."
„In Ordnung. Das sollten Sie beide auch machen." Hetty sah die verständnislosen Blicke von Nell und Eric. „Ein paar Stunden schlafen."
Eric schüttelte den Kopf. „Wir verfolgen neue Spuren, Hetty. Sobald der Verursacher das merkt, könnte er sie verschwinden lassen."
„Außerdem wartet Sam auf meine Updates. Ich muss noch einige Sattelitenfotos und Geheimdienstnachrichten aufbereiten." Auch Nell schüttelte den Kopf. „Kein guter Zeitpunkt für ein Nickerchen."
„Das verstehe ich. Aber wenn Sie übermüdet arbeiten, könnten Ihnen weitere Spuren entgehen. Oder Sie machen Fehler, die nicht wieder gut zu machen sind." Ein freundliches Lächeln erschien auf Hettys Gesicht. „Ich weiß sehr gut, was Sie beide hier leisten. Deswegen brauche ich Sie ausgeruht."
Eric und Nell sahen sich kurz an. Dann zuckte Eric mit den Schultern. „Wir können abwechselnd schlafen. Ich lege mich unten auf die Couch. Weck mich in…" Eric sah auf seine Uhr. „In zwei Stunden. Oder wenn etwas passiert."
Fragend sahen die zwei Hetty an. Die nickte. „Einverstanden. Schlafen Sie gut, Mr. Beale." Hetty wartete, bis Eric die Ops verlassen hatte. „Wie sieht es bei Mr. Hanna aus, Nell?"
Die junge Frau ließ sich ihre Überraschung nicht anmerken. Es kam nicht oft vor, dass Hetty ihre Leute mit Vornamen ansprach. Schnell rief Nell die aktuellen GPS-Daten von Sam auf. „Sie sind nicht mehr weit weg von Callen. Trotzdem läuft ihnen die Zeit davon."
„Informieren Sie mich, Nell, sobald sie Callen erreicht haben."
„Natürlich, Hetty."
…
Drei Mann kümmerten sich um die Pferde, alle anderen machten sich an den Aufstieg zu Callens Versteck. Der Regen war noch stärker geworden und die Temperatur gefallen. Sam legte ein scharfes Tempo vor.
„Was ist los, Sam? Was hat Callen geantwortet?" Ray ging direkt hinter Sam und hielt bisher problemlos das Tempo mit.
Sam knurrte etwas vor sich hin, gab Ray aber keine klare Antwort.
„Sam?"
Schließlich gab er nach. „Ich glaube, dass G verletzt oder krank ist. Die Antwort kam stark verzögert und war sehr…unklar." Sam fiel kein besseres Wort ein, um Callens seltsamen Funkspruch zu beschreiben.
„Das würde auch erklären, warum er uns nicht entgegen kommt." Ray dachte kurz nach. „Wir bekommen Probleme, falls wir Callen auch noch tragen müssen."
„Ich weiß. Von seinem Zustand hängt es ab, welchen Weg wir nehmen können."
„Deswegen hast Du die Pferde nicht weggeschickt."
Sam nickte nur und konzentrierte sich dann wieder auf den Aufstieg. Wie, zum Teufel, war Callen hier hinauf gekommen, wenn er so krank war, dass er keinen klaren Funkspruch senden konnte? Sam erhöhte sein Tempo noch ein wenig.
…
Deeks betrachtete Kensi, die schlafend halb auf ihrem Stuhl und halb auf seinem Bett lag. Er konnte sein Glück kaum fassen, wieder bei ihr zu sein. Zwischendurch war er absolut sicher gewesen, den Einsatz nicht zu überleben. Kensi hatte ihm kurz erzählt, was geschehen war, nachdem die Sklavenhändler ihn ausgeknockt hatten. Deeks runzelte die Stirn und stöhnte leicht. Sein Gesicht hatte es übel erwischt. Sobald er darin einen Muskel bewegte, tat es weh.
„Was ist?" Müde sah Kensi ihn an. Das Stöhnen hatte sie geweckt.
„Alles in Ordnung, Kensi. Ich suche immer noch nach der Stelle an meinem Körper, die nichts abbekommen hat." Deeks versuchte, sie anzugrinsen, aber das misslang.
„Wenn Du sie gefunden hast, Deeks, sag mir Bescheid. Dann weiß ich wenigstens, wohin ich Dir ein paar verpassen kann."
Deeks war sich nicht sicher, wie ernst Kensi das meinte. Schließlich ging er das Risiko ein und stellte seine Frage. „Warum willst Du mir ein paar verpassen? Habe ich noch nicht genug Schläge bekommen?"
„Anscheinend nicht. Wie konntest Du nur so blöd sein und diesen Einsatz annehmen? Dir muss doch klar gewesen sein, dass es sich dabei um eine Falle handelt. Warum hast Du ihn nicht abgebrochen? Oder uns früher um Hilfe gerufen?" Kensi war jetzt richtig wach und ließ ihrem Frust und ihrer Wut freien Lauf. „Du hast versprochen, Dich zu melden, wenn Du in Schwierigkeiten steckst! Warum hast Du das nicht getan? Wieso hast Du Dein Wort gebrochen?"
„Das habe ich nicht. Als es riskant wurde, habe ich das Notsignal geschickt." Deeks schluckte. „Kensi, ich bin ein Cop und Sklavenhändler festzunehmen ist mein Job. Ob der Einsatz nun eine Falle war oder nicht, solche Mistkerle hochzunehmen ist niemals ungefährlich." Deeks klang auf einmal sehr entschlossen. „Ich habe nur meinen Job gemacht. Und Ihr Euren. Ihr habt mich rausgeholt, als es eng wurde."
…
Callen setzte sich auf und stöhnte leise. Er war sich sicher, Geräusche gehört zu haben, die von sich nähernde Personen stammten. Mit zusammengebissenen Zähne kroch er näher an den Ausgang der kleinen Höhle, die ihm die letzten Tage als Versteck gedient hatte. In diesem Moment erwachte das Funkgerät zum Leben.
„Hanna an Callen, bitte kommen!"
„Hier Callen. Kommen."
„Laut meinem GPS sind wir knapp vor Deinem Versteck. Also schieß nicht auf uns."
Callen schob seinen Kopf noch ein Stück weiter vor. „Ich kann Euch sehen. Ihr seid etwas unterhalb von mir, ungefähr fünfzig Meter süd-westlich. Ich komme Euch entgegen."
Sam sah hoch. Wegen des Regens brauchte er einen Moment, doch dann konnte er seinen Partner sehen. Nachdem er kurz verschwunden war, kam er schließlich mit einem Bündel wieder und begann den Abstieg. Mit Besorgnis nahm Sam Callens langsame, schwerfällige Bewegungen zur Kenntnis. Auf einem kleinen Absatz trafen sie sich.
Sam kam direkt zur Sache. „Du bist verletzt, G."
Sein Partner nickte. „Ein Querschläger hat meine Schulter getroffen. Die Verletzung hat sich infiziert. Außerdem hat mich eine Explosion gegen eine Hauswand geschleudert. Könnte sein, dass mein Rücken etwas abbekommen hat. Vielleicht habe ich auch ein Gehirnerschütterung."
Sam war verblüfft. Eigentlich hatte er erwartet, dass G mit seinem üblichen ‚Mir geht es gut.' antworten würde. Es musste Callen wirklich schlecht gehen, wenn er freiwillig zugab, krank und verletzt zu sein.
„Wir haben einen Sanitäter bei uns. Er wird sich um Dich kümmern. Aber wir müssen uns beeilen, damit wir unser Taxi bekommen." Für einen kurzen Moment wurde die Besorgnis in seinem Gesicht von einem leichten Schmunzeln abgelöst. „Wenn wir es verpassen, müssen wir bis L.A. laufen."
Callen sah ihn leicht verwundert an, dann rang er sich ein Schmunzeln ab. „Hetty."
…
Joann erwachte aus einem viel zu kurzen Schlaf. Sie brauchte einen Moment, dann war ihr klar, was sie geweckt hatte. Eilig griff sie nach ihrem Handy. ‚Callen gefunden, es geht ihm gut.' lautete die SMS.
