Liebe Rattenmord-Leser!
So viele Reviews voller Spekulationen, voller Überlegungen und Schlussfolgerungen! Ihr seid der Wahnsinn!
Unser besonderer Dank geht heute an Miss Perenelle, die sich weder von Urlaub noch von widerwilligen Hotelcomputern vom Rattenmord-Lesen und Reviewen abhalten lässt!
Außerdem an die treuen Reviewer Talea, Hedril, Seraphin, Felina, Dark Fay und Shaunee.
Heute – und eine ganze Woche lang, geht es ausschließlich mit Lucius und Hermine weiter. Für Krimifans also eine laaaaange Durststrecke!
Aber: Lehnt euch doch einfach entspannt zurück und genießt ein wenig, wie unsere Diva und die ihr auf den Hals gehetzte Aurorin sich gegenseitig in die Mangel nehmen. Wie sie sich übereinander ärgern – und dabei doch annähern. Ob sie wollen oder nicht!
Wobei – gibt es da nicht jemanden, dem eine Annäherung gar nicht so furchtbar unrecht wäre? So als kleiner Zeitvertreib in der langweiligen Quarantäne!
Wie auch immer – allen Lesern viel Spaß mit dem neuen (langen) Kapitel und dem Zusatzdrabbelchen hinterher!!
Feuerbohne
03. 11. 2005, 19:00 Uhr
Lucius:
„Dieser Test macht doch überhaupt keinen Sinn."
Lucius hatte sich konzentrieren wollen. Hatte versuchen wollen, nur das Wesentliche an der Situation zu sehen.
Daß sie nämlich ANGENEHM ist! Strenggenommen IST sie angenehm!
Er, Lucius Malfoy, frischgebackener Besitzer des Portraits, das er schon seit Monaten jagte, geduscht, rasiert…
(Er fuhr sich über die Gesichtswunden, die gewiß häßliche Narben zurücklassen würden, und bemühte sich, sich vorzustellen, daß er seine gewohnte Designerkleidung trüge statt dieses Muggeltagespyjamas.
Außerdem hatte er sich doch konzentrieren wollen!)
… zwischen zwei attraktiven Frauen auf einem Bett – einer blutjungen, gemütvollen Krankenschwester, die ihn anbetete – und einer knallharten Aurorin, die tagsüber die abweisende Kratzbürste mimte, um sich dann des Nachts mit ihrem wundervollen Hintern gegen ihn zu pressen…
Nicht einmal DAS funktionierte!
„Der Test basiert doch auf der signifikant geringer werdenden Magieausstrahlung des Infizierten."
ES FUNKTIONIERTE NICHT!
„Wie passt das auf die Magieentziehung durch das Ministerium?"
Und es war NICHT die Schmach, daß er von der Inhaberin jenes Hinterns aufs Bitterste AUSGELACHT worden war.
ES WAR DIE DROHENDE WAHRHEIT!
„Wie können Sie da so sicher sein?"
Kann sie nicht endlich mal RUHIG sein! Zuerst liegt sie stundenlang weinend unter der Bettdecke, und dann verwandelt sie sich in ein Informationen fressendes Fragezeichen! Und es ÄNDERT doch nichts! ES ÄNDERT NICHTS!
„Entspannen Sie sich, Lucius!" Nicht einmal Rosalies sanfte, mitfühlende Stimme erreichte ihn wirklich – und das lag NICHT daran, daß der Rest der jungen Frau wieder nahezu unauffindbar hinter diesem grauenhaften Schutzanzug verborgen war.
Ich sterbe. Diesmal sterbe ich. Jetzt. Hier. In diesem Schlafanzug. Und auch diese zwei wundervollen Frauen können mich nicht davor bewahren! Nicht einmal Grangers Po an meinem… ICH WERDE NIE WIEDER SEX HABEN!
„Oder soll Miss Granger zuerst?"
WAS?
NEIN!
Das ging gar nicht! ER war der Mann! Und ER wollte es zuerst hinter sich haben!
Hermine:
„Dieser Test macht doch überhaupt keinen Sinn!"
Hermine schüttelte den Kopf. Dass ihr DAS nicht früher aufgefallen war! Und warum hatte sie mit Ginny niemals darüber gesprochen? Mit der Test-Entwicklerin persönlich!
Du meine Güte! Hermine war monatelang an der Quelle allen Wissens über diesen Test gewesen und erst als diese versiegt war ....
Nein!
Sie musste sich diesen Gedanken mit einer energischen Handbewegung verbieten. Zu groß die Gefahr, wieder losweinen zu müssen. Sie blinzelte ein paar Mal gegen die frecherweise bereits aufsteigenden Tränen an – sie hatte zur Zeit wirklich nah am Wasser gebaut – und sah dann zu Rosalie Medeor, die den Teststab bereits in der Hand hielt.
Ein wenig irritiert blickte die zu Hermine: „Was meinen Sie?
„Der Test basiert doch auf der signifikant geringer werdenden Magieausstrahlung des Infizierten." Hermines Herz raste. Wenn stimmte, was ihr aufgefallen war, war die Gefahr, in der sie schwebte, viel größer als gedacht.
„Genau", antwortete Medeor munter, „er zeigt jede kleinste Veränderung im magischen Energiehaushalt an."
„Aber wie passt das auf die Magieentziehung durch das Ministerium?"
Das genau war doch der Punkt! Man hatte ihr die Magie entzogen. Was bitte sollte davon jetzt noch messbar sein?
Am liebsten hätte Hermine die Augen geschlossen. Zugemacht, nicht hingesehen. Sie hatte wirklich Angst! Aber wie ein hypnotisiertes Kaninchen starrte sie in die hellblauen Augen der jungen Frau, die sie hinter dem Sichtfeld des Seuchenschutzhelmes gerade noch erkennen konnte.
Nicht, dass sie überrascht gewesen wäre, wenn diese jetzt rat- und hilflos mit dem Kopf geschüttelt hätte!
Doch sie blieb, im Gegenteil, unverdrossen heiter und gelassen.
Berufserfahrung oder eine Wesenseigenheit?, fragte sich Hermine, während sie mit aufgeregter Faszination an den Lippen der jungen Frau hing. Die Antwort konnte auf keinen Fall desaströs sein. Niemals würde Medeor sich in derartiger Weise verstellen.
Ihr Gesicht müsste also im Negativfall Bestürzung zeigen, womöglich Angst, urplötzlich vor der Aufgabe zu stehen, eine entsetzliche Antwort geben zu müssen. Aber so war es ganz und gar nicht.
„Der ministerielle Magieentzug ist niemals ganz vollständig und der Test sehr empfindlich", antwortete sie lächelnd. „Das heißt, er zeigt die allerkleinsten Veränderungen an, die auch bei Ihnen vorhanden wären. WENN Sie infiziert wären!"
„Wie können Sie da so sicher sein?"
Das war Hermine nur herausgerutscht. Eine Berufskrankheit sozusagen: Immer noch ein 'Aber' hinterhersetzen. Immer Zweifel anmelden. Dabei WAR sie bereits beruhigt.
Medeor schien das nicht zu stören. Entweder war sie so ein Gemütsmensch oder sie hatte sich bereits jetzt ein dickes Fell zugelegt, was die Ängste von Quarantäne-Patienten anbelangte. Mit denen sie sicherlich oft konfrontiert war. Ständig, sozusagen!
„Der magische Kern in Ihnen bleibt natürlich vom Entzug unbetroffen", erklärte sie geduldig. „Bei Ihnen beiden", sie deutet auf Malfoy und Hermine, „brennt er im Moment nur auf ganz kleiner Flamme. Sie können nicht zaubern, aber unser Teststab", sie schwenkte den gebogenen Stock, „misst die Schwingung dieser Sparflamme äußerst zuverlässig."
Medeor sah noch einen Moment zu Hermine, dann wandte sie sich an Malfoy:
„Entspannen Sie sich, Lucius!"
Hermine warf ihm einen schnellen Blick zu: Er wirkte wie einer der nervösen Patienten in der Zahnarzt-Praxis ihres Vaters, dem eine üble Wurzelbehandlung unmittelbar bevorstand. Er sah völlig verkrampft aus!
„Oder soll Miss Granger zuerst?"
Malfoy schüttelte den Kopf.
Natürlich! Das war ja klar. Malfoys first. Nix Gentleman.
Naja, Hermine seufzte, dann sollte Rosalie den Zauberstab, der streng genommen gar keiner war, zuerst einmal über den Herrn halten. Sie würde die Spannung noch ein paar Minuten länger ertragen. Sie war ja schließlich stark! Und davon überzeugt, gesund zu sein!
Aber wenn nicht? Die zweifelnde Stimme in ihr wisperte unüberhörbar: Wenn du angesteckt bist? Das KÖNNTE doch sein!
Sie atmete gegen das Gefühl der aufsteigenden Panik an. Auf keinen Fall würde sie sich gehen lassen. So wie ER!
Tapfer, wenn auch unglücklich über die verlängerte Wartezeit, blieb sie neben dem Bett stehen.
Lucius:
„Sie müssen ruhig liegen, Lucius! Sonst funktioniert der Zauber nicht."
„Welchen Sinn macht der Entzug denn dann? Ich dachte, er soll verhindern, dass diese - Krankheit ausbricht. Aber wenn der magische Kern davon unberührt bleibt ...!"
Laßt mich in Ruhe! Laßt mich alle in Ruhe! Ich will nicht mehr. Ich will es hinter mir haben! Ich will sterben!
„Sehen Sie, Lucius! Es ist alles in Ordnung! Sie können aufstehen, Lucius!"
Oh Merlin, was denn jetzt? Leben – Tod – Angst – Erleichterung…Ich halte das nicht aus! Wenn das jetzt jeden Abend so gehen soll...!
Vollkommen erschöpft rollte er sich auf Grangers Seite des Bettes hinüber. Aufzustehen wäre er noch nicht in der Lage gewesen. Aber er war gesund. Er würde noch nicht sterben.
NOCH NICHT. Vielleicht morgen. Heute noch nicht…
Die Matratze zitterte regelrecht, als die junge Frau sich auf seine Seite neben Rosalie legte.
„Seien Sie ganz ruhig, Miss Granger! Sie fühlen sich doch gut! Das ist bestimmt ein gutes Zeichen!"
Hermine:
Medeor hielt den Stab über Malfoy.
„Welchen Sinn macht der Entzug denn dann? Ich dachte, er soll verhindern, dass diese Krankheit ausbricht. Aber wenn der magische Kern davon unberührt bleibt ...!"
Hermine zitterte wieder. Dieser Magie-Entzug hatte also einen ganz entscheidenden Haken. Aber hatte er auch einen Nutzen?
Rosalie ließ den Stab sinken und wandte ihren behelmten Kopf zu ihr:
„Diese Maßnahme ist in der Tat ein wenig umstritten. Sie ist weder eindeutig bewiesen, noch widerlegt."
Sie hob den Stab, wandte sich wieder zu Malfoy.
Der lag mit fest zusammengepressten Augen auf dem Bett, als erwarte er den Todesstoß.
Rosalies Stimme war leiser, aber noch ebenso deutlich zu hören, auch wenn Hermine ihr Gesicht nicht mehr sehen konnte.
„Da Quarantäne-Patienten aus Sicherheitsgründen ihre Zauberstäbe abgeben müssen, ihnen ihre Magie also gar nichts nutzt, wird diese Maßnahme im Verdachtsfall bei Rattenpest einfach weitergeführt."
Sie hob den Kopf, beobachtete wohl, ob der Stab ausschlagen würde. Auch Hermine starrte ihn an, atemlos.
„Es ist lediglich eine Vorsichtsmaßnahme, die auf der Hoffnung beruht, das
Schlimmste damit abwenden zu können. Mehr nicht."
Sie nahm ihren Zauberstabarm wieder herunter: „Sehen Sie, Lucius! Es ist alles in Ordnung! Sie können aufstehen, Lucius!"
Negativ! Dieser Glückspilz! Neidvoll starrte Hermine auf den unbeweglichen Stab. Das Ergebnis war wirklich eindeutig.
Der Kerl wälzt sich einfach auf meine Seite!
Empört sah sie, wie Malfoy sich drüben auf der anderen Bettseite erhob, um jetzt seinerseits zu beobachten, wie sie getestet wurde.
Sie zitterte vor Anspannung. Was, wenn es bei ihr einen Ausschlag geben würde? Wenn sie positiv wäre?
Langsam und vorsichtig ließ sie sich auf Malfoys Bettseite gleiten, streckte sich aus, schloss die Augen und versuchte zu entspannen.
„Seien Sie ganz ruhig, Miss Granger! Sie fühlen sich doch gut! Das ist bestimmt ein gutes Zeichen!"
Medeor! Die hielt bestimmt schon den Stab über sie.
Die Zeit schien stillzustehen.
Hermine wusste einiges über die Pest. Von Ginny. Natürlich! Wie oft hatten sie sich über diese Krankheit unterhalten! Und wie oft hatte die Freundin von den neuesten Ergebnissen der Forschung erzählt.
Natürlich hatte Hermine auch darüber nachgelesen. Dabei aber festgestellt, dass sie bereits bestens informiert war.
Die Pest machte sich durch langsamen und dann immer rapideren Magieverlust bemerkbar. War erst mal die Magie weg, wurde der Infizierte schnell schwächer und schwächer. Weil die Magie an die Lebensenergie gekoppelt war!
Was vielleicht tatsächlich den Unterschied zwischen Zauberer und Muggel ausmacht, überlegte sie. Aber da Muggel eben keine Magie hatten, die sich infizieren könnte, waren sie vor dieser Form der Pest sicher.
Ginny hatte erzählt, dass die Forschung sehr an Squibs interessiert war. Nichtmagische, aber magiestämmige Menschen. Hermine hatte das Thema nie interessiert.
Weil ich ein Schlammblut bin!
Magische Menschen aus den Reihen der Muggel wurden von gewissen Kreisen ja ebenso als Randgruppe angesehen, wie die bedauernswerten Squibs.
Ob die auch die Pest bekommen können?
Rein logisch gesehen sollte das nicht möglich sein, denn sie waren schließlich nicht magisch, sozusagen Muggel. Wenn auch mit magischen Vorfahren.
Dennoch, sie wusste, dass selbst die Wissenschaft eher der Chaostheorie folgte, denn sturer Logik. Wahrscheinlich hatten Squibs, wie alle Zauberer und Hexen, einen magischen Kern, der nur zu klein war, um Magie wirken zu können. Der aber immerhin vorhanden war, so dass magische Krankheiten auch für sie eine Gefahr darstellten.
„Negativ!"
Hermine riss die Augen auf.
Medeor strahlte sie an. „Sehen Sie, keine Infektion nachweisbar."
Hermines Herzschlag, der vorsorglich ausgesetzt hatte, holte nun jeden einzelnen Schlag nach.
Bumm, bumm, bumm!
Sie fühlte sich ganz matt, wäre am liebsten liegen geblieben.
Das ging natürlich nicht. Sie lag ja auf SEINER Seite! Rasch erhob sie sich.
„Danke!"
Sie ist hübsch, schoss es ihr durch den Kopf. Dabei hatte Hermine die jungen Frau bisher nur in ihrem Seuchenanzug gesehen.
„Wie lange arbeiten Sie schon hier?" Medeor sollte bitte noch nicht gehen! Die Erleichterung war einfach zu schön!
Medeor, die sich bereits abgewandt hatte, drehte sich mit einer gewissen, anzugbedingten Behäbigkeit zu ihr zurück.
„Hm!" Hermine erkannte, dass sie die Stirn nachdenklich gekraust hatte.
„Mein Abschluss war 2002, danach hab ich studiert und bin jetzt seit etwa vier Monaten hier!"
„Äh!" Malfoy hatte sein Gesicht verzogen, als würde er gerade in eine Zitrone beißen, „was haben Sie denn studiert?"
„Heilwesen natürlich!" Medeor lachte auf.
Hell klang es, heiter und unbeschwert „und ich bin noch nicht fertig damit." Sie streckte sich leicht: „Heilerin im Praktikum! Neun Monate noch, dann endlich EaZ-Prüfung (für alle, die es nicht wissen: Endlich ausgebildeter Zauberer!)."
„Und danach?" Wie gut Smalltalk tat! Hermine genoss das Gespräch. „Wollen Sie sich spezialisieren?"
„Oh ja!", Medeor nickte eifrig, Begeisterung lag auf ihrem Gesicht. „Ich will Seuchenspezialistin werden. Deswegen wurde ich auch hier eingesetzt!"
„Wenn Sie später eine gute Stelle in diesem Bereich suchen, könnte ich Ihnen unter Umständen behilflich sein!"
Malfoy natürlich!
Hermine warf ihm einen unwilligen Blick zu. Er grinste süffisant.
Dieser - dieser Mistkerl. Rutschte der nicht schon genug auf seiner Schleimspur herum?
„Oh, danke", Medeor schüttelte den Kopf, „aber das wird nicht nötig sein. Ich werde nach meinem Abschluss zu 'Heilern ohne Grenzen' gehen. Ich will Zauberern und Hexen in den ärmsten Gegenden der Welt helfen!"
Auf Malfoys Schnauben hin hätte Hermine am liebsten gekichert. Wenn das keine Absage war! Soviel also zu seinem Geld, seinem Einfluss! Naja, nicht jeder Mensch war käuflich!
(Lucius von Astrid-Runa, Hermine von Feuerbohne)
03. 11. 2005, 20:00 Uhr
„Mr. Malfoy! Bitte zur Schleuse!"
Selbst über den quäkenden Lautsprecher klang die Stimme der Heilerin noch freundlich und angenehm.
Hermine reckte den Kopf, doch sie konnte von ihrem Platz aus nicht erkennen, wer hinter der Glasscheibe stand.
„Das wurde aber Zeit!" Malfoy war schon zur Stelle.
Hermine hörte die Klappe. Ihm wurde anscheinend etwas gebracht!
Gleich darauf sah sie ihn mit ausgesprochen glücklichem Gesicht und zwei dicken Reisetaschen aus der Schleuse in Richtung Bad eilen.
Aus, vorbei! Sie machte sich nichts vor: Jetzt hat er seine eigene Kleidung wieder. Malfoy in Jogginghose und Sweatshirt gehörte damit unwiderruflich der Vergangenheit an!
(Feuerbohne)
