Alle Charaktere und sämtliche Rechte an ‚NCIS: Los Angeles' gehören CBS und Shane Brennan Productions. Die folgende Geschichte dient keinerlei kommerziellen Zwecken, sondern wurde nur zum Vergnügen für Fans geschrieben. Eine Verletzung des Copyrights ist nicht beabsichtigt. Alle weiteren Personen gehören der Autorin.

Viel Spaß beim Lesen und ich freue mich auf Eure Rückmeldungen.

Kapitel 9 - Zugriff Teil 1

Mit Helikoptern waren die NCIS-Agenten in die Nähe der Ranch gebracht worden. Jetzt fand eine letzte, kurze, Einsatzbesprechung statt. Von diesem Treffpunkt aus würden die Agenten ihre jeweiligen Positionen zu Fuß erreichen müssen.

„Denkt daran, was wir besprochen haben. Flynn Mason ist unser erstes Ziel. Dann erst die Sicherung der Daten. Vergesst dabei nicht, auf Euch und Eure Partner zu achten. Unser Gegner ist nicht zu unterschätzen."

Callen sah aufmerksam in die Gesichter der ihn umgebenden Männer und Frauen. Hetty hatte ihm die Einsatzleitung übertragen und den Bericht des Arztes ignoriert. Bei diesem definitiv gefährlichem Einsatz war nicht nur sein Team dabei, sondern mehrere Einheiten des NCIS. Er hatte das Kommando, dass bedeutete, er war für mehr als nur sechs Leben verantwortlich. Callen konnte nur darauf vertrauen, dass alles gut ging.

„Alle bereit?" Ein allgemeines Nicken war die Antwort. „Gut, dann auf Eure Positionen."

Lautlos schlich sich Sam an einen der Wachtposten heran. Wie ein Geist erschien er hinter dem Mann, nahm ihn in den Würgegriff und innerhalb von nur wenigen Sekunden war der Mann ausgeschaltet. Gut verschnürt, seiner Waffen und Kommunikationsmittel entledigt, ließ Sam ihn zurück.

„Alles klar, wir können weiter."

Sam tauchte zwischen den Bäumen auf. Wortlos verständigte er sich mit Callen, bevor er wieder in der Vegetation verschwand. Callen machte seinen Kollegen ein Zeichen und folgte seinem Partner.

„Stampf nicht so durch die Gegend! Du klingst wie eine Herde Nashörner!" Kensi zischte ihren Partner böse an.

„Ich gehe so leise, wie es mir möglich ist! Für den Dschungelkampf bin ich nicht ausgebildet worden! Ich lebe und arbeite in der Stadt!"

Langsam hatte Deeks es satt, dass Kensi ihn ständig anmoserte. Nach diesem Einsatz würde er Kensi dazu zwingen, mit ihm zu reden. Deeks schüttelte den Kopf. Er bat seine Freundin, mit ihm zusammenzuleben, und sie stieß ihn weg.

„Haltet die Klappe, alle beide!" Callen funkelte seine beiden Kollegen an. „Klärt Eure Probleme nach diesem Einsatz, verstanden?"

Den Rest des Weges gaben die beiden Streithähne keinen Laut mehr von sich.

Nach und nach trafen die Meldungen der einzelnen Teams ein, dass sie ihre Stellungen erreicht hatten. Schließlich waren alle an den zugewiesenen Positionen und Callen gab den Befehl zum Zugriff.

Joann kauerte sich hinter die Ecke eines der kleineren Wohngebäude, Ray ging hinter einem davor geparkten Wagen in Deckung. Und dann ging alles ganz schnell. Aus allen möglichen und unmöglichen Ecken wurde auf sie gefeuert. Die Kugeln flogen so dicht, als wäre es ein Hagelsturm. Joann hatte keine Chance, das Feuer zu erwidern. Jeder Versuch, aus der Deckung aufzutauchen, war lebensgefährlich. Über ihr Ohrmikro konnte Joann hören, dass es bei allen Agenten hart zur Sache ging. Die Sattelitenaufnahmen hatten eindeutig nicht alle anwesenden Personen gezeigt.

„Ray?…Ray, melde Dich! Was ist passiert?" Joann hatte den Schrei ihres Partners gehört. Als er nicht reagierte, lief sie trotz des Beschuss zu dem Wagen, hinter dem er sich versteckt hatte. Joann fühlte zwei Schläge im Rücken und stürzte zu Boden. Ihr blieb die Luft weg. Sehr langsam erhob Joann sich auf die Knie und kroch keuchend und nach Luft schnappend hinter den Wagen. Ray war nicht dort. „Verdammt! Verdammt! Verdammt! Ray, zum Teufel, was ist passiert? Wo bist Du?" Doch es kam keine Antwort von ihrem Partner.

Stattdessen tauchte einer der schwer bewaffneten Gegner hinter der Gebäudeecke auf, wo Joann sich vor wenigen Augenblicken noch befunden hatte, und legte auf sie an. Von diesem Moment an handelte Joann nur noch automatisch, ihr bewusstes Denken war wie ausgeschaltet. Sie ließ sich auf den Rücken fallen, riss ihr Gewehr hoch und schoss. Dann rollte Joann ein Stück weiter und verhinderte so, dass der Tote auf sie drauf fiel. Das Adrenalin floss durch Joanns Körper und ermöglichte ihr körperliche Höchstleistungen und blitzschnelle Reaktionen. Mit einem Ruck sprang sie auf und nahm den nächsten Angreifer unter Beschuss. Ohne darüber nachzudenken, ließ Joann das Magazin aus dem Gewehr fallen und schob das nächste hinein. Sie rannte über den Hof in Richtung des Pferdestalls. Das war ihr und Rays nächstes Ziel gewesen.

„Ray, kannst Du mich hören? Ich bin auf dem Weg zu Dir! Halte durch!" Noch immer kam keine Antwort. Vage nahm Joann die Stimmen ihrer Teamkollegen in dem ganzen Durcheinander wahr. Sie hätte aber nicht sagen können, ob die Stimmen über ihr Ohrmikro kamen oder so zu hören waren.

„Wir brauchen hier sofort Verstärkung! Eric, Nell, habt Ihr mich gehört?" Während Callen seinem Partner den Rücken deckte, versuchte er, das Hauptquartier zu erreichen.

„Verstanden, Callen, die Verstärkung ist bereits unterwegs! Ihr müsst durchhalten!" Erics Stimme überschlug sich vor Sorge und Hektik.

„Deeks, hinter Dir!" Kensi wirbelte herum und schaffte es gerade noch, den Schützen auszuschalten.

Augenblicklich bekam Deeks die Gelegenheit, sich zu revanchieren. „Runter, Kensi!"

Ohne zu zögern kam sie der Aufforderung nach.

Als Joann am Pferdestall ankam, warf sie sich hinter einem Stapel Strohballen in Deckung. Sie hatte gehofft, dort Ray zu finden. Stattdessen fand Joann ein Ohrmikro auf dem Boden und hob es auf. Bevor sich Joann weiter nach Ray umsehen konnte, wurde sie schon wieder unter Beschuss genommen. Sie fühlte ein Zupfen am Bein, ließ sich davon aber nicht aus dem Konzept bringen. In den nächsten Minuten rannte sie von Deckung zu Deckung und schaltete dabei mehrere gegnerische Schützen aus. Immer wieder rief sie nach Ray. Als sie keine Munition mehr für ihr Gewehr hatte, schob Joann es auf ihren Rücken, griff zur Pistole und machte weiter. Sie war jetzt in einem absoluten Adrenalinrausch. Joann sprang über Hindernisse, rollte unter Beschuss hinweg und näherte sich dabei immer mehr der Scheune. Sie sah alles nur noch wie durch einen Tunnel, rief ständig nach Ray. Unablässig erwiderte sie das gegnerische Feuer.

„Jo, ich bin hier! Joann!"

Endlich entdeckte sie Ray. Er kauerte hinter einem Pferdeanhänger in der Nähe des großen Scheunentores. Durch eine Tür neben dem Tor wurde er von innen heraus beschossen. Joann spurtete zu ihm und ging dann ebenfalls in Deckung. „Was zum Teufel machst Du hier?"

„Ich habe hinter dem Wagen wie auf dem Präsentierteller gesessen und gemacht, dass ich da wegkam. Irgendwo unterwegs habe ich mein Ohrmikro verloren, deswegen konnte ich mich nicht melden!" Dann entdeckte er die beschädigte Weste. „Joann, Du wurdest getroffen! Bist Du verletzt?"

„Nein, die Weste hat gehalten. Hier!" Joann reichte ihm sein Ohrmikro. „Funktioniert es noch?"

„Ja, ich kann die anderen hören."

„Wir müssen da rein! Hast Du noch Gewehrmunition?"

Ray sah nach. „Ein volles Magazin und noch fünf Schuss in diesem." Er reichte Joann das volle Magazin, doch sie schüttelte den Kopf.

„Behalte es." Joann warf einen Blick zum Tor. „Bist Du soweit?" Ray nickte. „Dann los!"

In gebückter Haltung rannten sie auf die Tür zu.

Callen und Sam spurteten hinter einem der Fahrzeuge in Deckung. Sie wurden gleichzeitig aus drei Richtungen unter Feuer genommen.

„Eric, wo ist unsere Verstärkung! Wir gehen hier unter!" Callen verlor die Geduld. Seine Leute wurden hinter unzureichender Deckung vom Gegner festgenagelt. Immer öfter hörte er Meldungen über Verletzungen oder ausgehende Munition. Eigentlich sollte der NCIS dem Gegner überlegen sein, aber das war eindeutig nicht der Fall.

„Wir sind in sechzig Sekunden bei Ihnen, Agent Callen."

Die ruhige Stimme erkannte Callen sofort. „Agent Quinlan! Ich hoffe, Sie kommen mit genügend Leuten und Munitionsnachschub!"

„Wir haben alles, was Sie brauchen, Agent Callen. Halten Sie nur durch."

„Das werden wir." Callen sah kurz zu Sam hinüber. „Eric, wir brauchen auch Krankenwagen, sobald die Situation unter Kontrolle ist."

„Schon veranlasst, Callen."

Vorsichtig, sich ständig absichernd, traten Ray und Joann ein. Die Schützen waren spurlos verschwunden.

„Das ist eindeutig keine Scheune." Joann sah sich um.

Von außen hatte das Gebäude wie eine normale Scheune gewirkt. Von innen waren jedoch weder hölzerne Wände noch Stroh- oder Heuballen zu sehen. Stattdessen standen dort Doppelstockbetten, Spinde, Tische und Stühle. Es gab außerdem eine kleine Küchenzeile und eine Waffenkammer. Am gegenüberliegenden Ende waren Duschen und Toiletten und es gab eine mit einem Codeschloss gesicherte Tür. Dieser Bereich machte etwa drei Viertel der gesamten ‚Scheune' aus.

„Wenn die Anzahl der Betten den Männern auf diesem Grundstück entspricht, sind sie uns reichlich überlegen." Ray war ernsthaft besorgt.

„Und sie sind bestens bewaffnet." Ziemlich beeindruckt betrachtete Joann die Waffen. Es fehlten genug, um ihre Gegner nicht nur zahlenmäßig überlegen zu machen.

Mit Erleichterung hörte Callen das typische Flap-Flap der sich nähernden Helikopter. Agent Quinlan als Verstärkung war immer eine sichere Bank. Er und sein Team wussten genau, was sie taten. Obwohl Callens eigenes Team inzwischen mehrfach durch Quinlans Einheit unterstützt worden war, hatte er immer noch keine Ahnung, zu welchen Sicherheitskräften sie gehörten. Hetty gab dazu keine Auskunft, sondern lächelte lediglich geheimnisvoll. Und Agent Quinlan wechselte immer geschickt das Thema. Nicht, dass es wichtig gewesen wäre. Callen wusste, dass er sich auf Quinlan und sein Team genauso verlassen konnte, wie auf sein eigenes.

„Da kommt unsere Verstärkung." Auch Sam hatte die Helikopter bemerkt. „Wird auch Zeit. Unsere Leute sind festgenagelt hinter ihrer Deckung und ihnen geht die Munition aus." Sam schüttelte den Kopf. „Keine Ahnung, ob wir jemals so schlecht vorbereitet in einen Einsatz gegangen sind."

Obwohl ihm die Kugeln um die Ohren flogen, grinste Callen. „Noch schlechter, Sam!"

Aus ihrer Deckung heraus beobachteten die beiden Agent die Ankunft ihrer Verstärkung. Als der Gegner begann, auf Quinlans Team zu schießen, gaben Sam und Callen ihre Deckung auf und lenkten das Feuer auf sich. So konnte die Verstärkung sicher landen.

Wenige Augenblicke später liefen die Männer in Zweierteams zu den in Bedrängnis geratenen NCIS-Agenten, unterstützen sie und verteilten Munition. Agent Quinlan tauchte in Begleitung von Agent Pratt bei Callen und Sam auf.

„Ich glaube, darauf warten Sie, Agent Callen." Quinlan reichte den beiden Munition. „Wo ist der Rest Ihres Teams?"

„Irgendwo in diesem Chaos, Agent Quinlan." Callen sah sich besorgt um. „Wir müssen die Situation schnell unter Kontrolle bekommen. Die Verletzen brauchen dringend Hilfe."

Gemeinsam besprachen sie das weitere Vorgehen.

Joann kontrollierte ihren Munitionsvorrat und warf dann einen überlegenden Blick auf die Waffenkammer. Sorgfältig betrachtete sie die Sicherheitsvorkehrungen. Dann grinste sie.

„Eric, kannst Du mich hören?" Joann hörte lediglich ein Rauschen in ihrem Ohrmikro. „Verdammt, die Isolierung!" Joann ging zur Tür zurück. „Eric, kannst Du mich hören?"

„Du klingst verzerrt, aber es geht."

„Eric, ich brauche den Mastercode zu einem elektronischen Schloss." Joann gab ihm die Daten. Während sie auf Erics Antwort wartete, warf sie einen Blick nach draußen. „Ray, unsere Verstärkung ist da. Anscheinend wendet sich das Blatt zu unseren Gunsten."

„Wurde auch Zeit. Jo, wir müssen durch diese Tür."

Joann drehte sich zu ihrem Partner um. Ray stand vor der gesicherten Tür, die sich im hinteren Bereich befand. „Gib mir die Daten, Eric soll den Mastercode heraussuchen."

„Hier sind keine Daten. Dass Schloss ist absolut neutral. Ich könnte es knacken, aber ich habe keine Ahnung, was ich damit vielleicht auslöse."

„Mach ein Foto. Vielleicht kann Eric damit etwas anfangen. Ach, und Du musst es von hier vorne schicken. Da drüben schirmt die Isolierung alles ab."

„Joann, ich habe Deine Daten." Eric rasselte den Mastercode herunter.

„Danke, Eric. Ray schickt Dir gleich ein Foto von einem weiterem Schloss. Wir brauchen entweder den Mastercode oder eine Möglichkeit, es zu knacken, ohne irgendwelche Fallen auszulösen."

„Ja, verstanden."

Während Ray auf Erics Antwort wartete, öffnete Joann das Schloss zur Waffenkammer. Schnell fand sie die richtige Munition und deckte sich ausgiebig damit ein. Sie nahm noch welche für Ray mit. Der stand inzwischen wieder an der einzigen Tür, die in den hinteren Teil der falschen Scheune.

„Hier." Joann reichte ihm die Munition. „Was sagt Eric?"

„Das es zu lange dauert, dieses Schloss zu identifizieren. Ich gehe das Risiko ein und knack es." Ray steckte die Munition ein, kniete sich hin und öffnete die Abdeckung. Ein kurzer Blick auf Joann bestätigte ihm, dass sie bereit war, dann machte er weiter. Die Tür ging auf und gab den Blick auf einen kleinen Raum frei, der an drei Seiten von Glaswänden begrenzt war. Durch sie konnte man in einen Serverraum sehen. Ihre Umgebung sichernd, trat Joann ein. Ray folgte ihr umgehend. Mit einem leisen Zischen schloss sich die Tür hinter den beiden.

„Eric?…G?…Kensi?…Hört mich irgendjemand da draußen?" Joann bekam keine Antwort, sie hatte auch nicht wirklich mit einer gerechnet. „Wir sind auf uns allein gestellt, Ray."

„Das ist nicht gut, Jo." Misstrauisch sah Ray durch die Scheiben. Mehrere Reihen von Servern standen in dem klimatisierten Raum. Was zwischen ihnen war, konnten die beiden Agenten nicht erkennen. Der einzige Zugang war eine Tür, direkt gegenüber von der, durch die sie gerade hereingekommen waren. Auch hier gab es ein Codeschloss.

„Ich weiß." Joann drehte sich zu der Tür um, die sich soeben geschlossen hatte. „Wie kommen wir hier wieder raus?"

„Auf die gleiche Weise wie rein. Ich knacke das Schloss auf dieser Seite." Ray drehte sich zur Glastür um. „Hier wird mir auch nichts anderes übrigbleiben. Allerdings sieht es ziemlich kompliziert aus."

Joann seufzte. Es würde Ärger geben, wenn sie und Ray ohne Verstärkung weitermachen würden. Verstärkung holen konnte aber bedeuten, dass vielleicht Mason entkommen und alle Daten vernichten würde. Bevor sie jedoch eine Entscheidung treffen konnte, hörte sie Geräusche auf der anderen Seite der Tür. Sofort zogen sich Joann und Ray soweit wie möglich zurück.

Das Feuergefecht war immer noch sehr heftig, aber inzwischen war der NCIS im Vorteil. Die Agenten drängten Masons Männer Stück für Stück zurück. Während Callen, Sam und Quinlan die Übersicht bewahrten und ihre Leute dirigierten, waren Kensi, Deeks und zwei weitere Agenten zum großen Ranchhaus vorgedrungen.

Deeks und Kensi warteten am Vordereingang, während die Kollegen sich zur Hintertür begaben.

„Bereit!" Die beiden Agenten hatten ihr Ziel erreicht.

„Auf mein Zeichen. Drei, zwei, eins!"

Kensi betrat das Haus als erste, Deeks direkt hinter ihr. Nach einem Moment hatten sich ihre Augen an das dort herrschende Dämmerlicht gewöhnt. Kensi machte Deeks Zeichen, der zur Antwort nickte. Sie hatten etwa die Hälfte der großen Eingangshalle durchquert, als das Feuer wieder auf sie eröffnet wurde. Hastig gingen sie in Deckung.

„Hast Du gesehen, wo der Schütze ist, Kensi?"

„Nein, keine Ahnung!" Kensi tauchte noch ein Stück tiefer in die Deckung, als die Kugeln nur knapp an ihr vorbeiflogen.

Dieser Moment reichte Deeks. Er hatte den Schützen ausgemacht und schaffte es, ihn auszuschalten.

„Los, Deeks, weiter!" Ohne sich nach ihrem Partner umzudrehen, drang Kensi weiter in das Ranchhaus vor.

Vollkommen unerwartet waren Explosionen zu hören. Aufgeschreckt sahen sich Callen und Sam um.

„Dort!"

Agent Pratt hatte den Ort als erster entdeckt. Mehrere kleine Gebäude waren in die Luft geflogen.

Wieder gab es eine Explosion, diesmal ganz in ihrer Nähe. Sofort gingen die vier Männer in Deckung. Sie hörten Schreie und rochen dann Rauch. Einen Teil der Schreie nahmen sie über die Ohrmikros wahr.

„Das sind Leute von uns!" Sam hatte die Stimmen erkannt.

„Habe ich mitbekommen. Los, aber seid um Himmelswillen vorsichtig!" Callen gab den Männern ein Zeichen und die vier Agenten liefen los.

Auf dem Gelände war die Hölle los: Flammen, Rauch, schreiende Menschen. Die Agenten sahen sich um, versuchten herauszufinden, wo ihre Kollegen waren.

„Da drüben!" Pratt lief los, er hatte eine leblose Person mit NCIS-Schutzweste entdeckt.

Die anderen folgten ihm sofort. Während Agent Pratt sich um den Mann kümmerte, sicherten Callen und Quinlan die Umgebung. Sam sah sich nach weiteren Opfern um.

„Wie geht es ihm, Pratt?"

„Er ist bewusstlos, Agent Callen. Ich sehe keine gravierenden Verletzungen, aber er hat eine Platzwunde am Kopf."

„Okay, bringen Sie ihn in Sicherheit. Wir sehen uns weiter um. Irgendwo muss sein Partner sein."

„Sir?" Pratt sah seinen Vorgesetzten fragend an. Quinlan nickte kurz und Pratt verschwand.

Callen, Sam und Quinlan machten sich auf die Suche. Nach einigen Metern entdeckte sie den vermissten Kollegen. Er war bei Bewusstsein, klemmte aber unter den Trümmern eines der Gebäude fest.

„Bleiben Sie ruhig liegen, wir holen Sie jetzt hier raus."

„Mein Partner, was ist mit Paul?" Der Mann hustete heftig.

„Wir haben ihn gefunden. Er wird gerade in Sicherheit gebracht. Können Sie sich bewegen?"

„Ich kann meine Beine fühlen. Eines kann ich bewegen, das andere schmerzt höllisch. Aber ich stecke feste. Die Trümmer sind zu schwer, alleine komme ich nicht raus."

„In Ordnung." Callen sah sich um und entdeckte den Rest eines Balkens. Er und Sam setzten ihn als Hebel an. Nach mehreren Versuchen konnte die beiden die Trümmer so weit anheben, dass Agent Quinlan den Verletzten herausziehen konnte. Sie halfen ihm hoch. „Können Sie laufen?"

Ihr Kollege versuchte vergeblich, ein paar Schritte zu gehen. Er konnte das verletzte Bein nicht belasten. „Nicht ohne Hilfe."

„Wo haben Sie Ihre Waffe?" Sam hatte entdeckt, dass sein Holster leer war.

Der Agent sah an sich hinunter. „Ich muss sie bei der Explosion verloren haben."

Alle sahen sich um. Sam fand die Waffe bei den Trümmern, überprüfte sie und reichte sie anschließend seinem Kollegen.

„Quinlan, bringen Sie ihn in Sicherheit? Wir sehen uns nach weiteren Verletzten um."

„Schon unterwegs. Passen Sie auf sich auf."

Angespannt sah Joann auf die Tür, die sich mit einem leisen Zischen öffnete.

„Mike! Nate!" Für einen kurzen Moment gestattete sich Joann, erleichtert zu sein. Dann funkelte sie die beiden Agenten an. „Ihr spinnt wohl, Euch so an uns heranzuschleichen! Wir hätten Euch erschießen können! Was mach Ihr überhaupt hier?"

Renko grinste. Ihm war klar, dass Joann ihre Erleichterung hinter den grantigen Worten verbarg. „Eric hat uns gesagt, wohin Ihr beide gegangen seid. Er dachte, Ihr könntet Unterstützung brauchen."

Nate stellte einen Stuhl in die Tür, damit sich diese nicht wieder schließen konnte. „Wir können später diskutieren." Nate deutete auf den Serverraum. „Habt Ihr das Schloss schon geknackt?"

„Nein, soweit sind wir noch nicht gekommen." Ray sah seine Kollegen an. „Es ist deutlich komplizierter. Das macht die Sache mühsam und zeitraubend."

„Da kann ich Abhilfe schaffen." Renko trug einen Rucksack bei sich, in dem er jetzt kramte. „Quinlans Leute hatten ein paar nette kleine Spielereien dabei." Er hielt Sprengstoff und Sprengkapseln in der Hand. „Wir sprengen die Tür auf."

„Ray, was denkst Du?" Joann war sich nicht sicher, wie sich eine Sprengladung auf die Server auswirken würde.

„Kannst Du sie so klein machen, dass wirklich nur die Tür geöffnet wird?"

Renko nicke. „Sicher."

Schnell bereitete er die kleine Sprengung vor und präparierte die Tür. Dann gingen alle in Deckung.

Kensi ging vorsichtig um die Ecke, das zweietagige Haus war ziemlich groß. Sie war extrem angespannt. Man versuchte mit allen Mitteln, sie und ihre Kollegen aufzuhalten. Anscheinend sollte sie einen bestimmten Teil des Hauses nicht erreichen. Ihre Gegner gingen dafür jedes Risiko ein. Bisher hatten sie den Grund dafür noch nicht finden können.

„Kensi!" Deeks deutete auf die Tür direkt vor ihm. „In Erics Gebäudeplan war hier keine Tür." Seine Stimme war leise.

„Bist Du sicher?"

Deeks nickte. Er hielt sein Smartphone in der Hand und ließ Kensi einen Blick darauf werfen.

Sie musterte den Gebäudeplan. „Okay, und wohin führt die Tür?"

„Keine Ahnung, sie ist schließlich nicht da!" Deeks innere Anspannung bahnte sich ihren Weg nach außen.

„Gut gemacht!" Anerkennend nickte Joann ihrem Kollegen zu. Die Tür zum Serverraum stand offen und der einzige Kollateralschaden war eine gesprungene Scheibe.

Vorsichtig aber zügig kontrollierten die vier Agenten die Gänge zwischen den Servern. Bevor sie die letzte Reihe erreichten, wurde auf sie geschossen. Hastig gingen sie zwischen den Servern in Deckung. Joann gab ihren Kollegen Zeichen, die bestätigend nickten. Die Agenten verteilen sich und bewegten sich zielstrebig auf die Rückseite des Raumes zu. Sie wurden aus zwei Richtungen beschossen.

„Ray, jetzt!"

Joann warf sich nach vorne, rutschte ein Stück über den Boden und hatte freie Sicht auf einen der Schützen. Ihre Treffer schleuderten den Mann gegen die Wand, an der er herunterrutschte. Ray hatte mit einem ähnlichen Manöver den zweiten Mann ausgeschaltet. Sofort tauchten Nate und Renko auf und entwaffneten ihre Gegner. Beide waren nicht tot, dafür hatten deren Westen gesorgt.

„Du siehst eindeutig zu viele schlechte Actionfilme." Nate sah Joann kopfschüttelnd an. Dann wandte er sich an Ray. „Du hast eine Menge von Jo gelernt, aber Du musst Dir wirklich nicht alles, was sie sagt und macht, zum Vorbild nehmen."

Ray grinste bloß. „Es hat funktioniert, nur das zählt."

Renko und Nate sahen sich an und stöhnten unisono auf. Bevor einer von beiden dazu noch etwas sagen konnte, gab Joann Anweisungen.

„Nate, Renko, geht zum Ausgang und kontaktiert Eric. Ich will wissen, was wir machen müssen, um die Daten zu sichern. Ray, wir beide sehen uns hier mal näher um. Oh und Jungs, nehmt doch bitte diese beiden ‚Herren' mit, ja? Danke."

„Eric, Nell, hat irgendjemand Mason entdeckt?"

„Nein, Callen, bisher nicht."

„Wie sicher seid Ihr, dass er hier ist?"

„Sam, es hat sich nichts an unserem Informationsstand geändert. Wir haben weiterhin nur starke Indizien dafür, dass er sich auf der Ranch befindet."

„Danke, Nell."

Sam zog den Kopf ein, als es weitere Explosionen gab.

„Wir müssen uns beeilen, G, die werden das gesamte Gelände in die Luft jagen."

„Und Flynn wird sicher nicht in der Nähe einer der Explosionen sein. Nell, gibt es einen Bereich auf dem Gelände, wo es zu keinen Explosionen gekommen ist?"

„Es sind sogar zwei, Callen. Das Ranchhaus und die Scheune. Joann, Ray, Nate und Renko sind in der Scheune. Nate spricht gerade mit Eric, sie haben in der Scheune einen Serverraum gefunden. Kensi und Deeks sind mit zwei Kollegen im Ranchhaus. Sie sind starkem Beschuss ausgesetzt und kommen kaum voran."

„Verstanden. Danke, Nell."

Einen Moment sahen sich die beiden Agenten wortlos an. Schließlich nickte Sam.

„Gehen wir, G. Jo kommt schon klar. Kensi und Deeks wahrscheinlich nicht."

„Ich weiß, Sam."

Gemeinsam liefen die beiden zum Ranchhaus.

Nachdem Ray und Joann den Serverraum gründlich durchsucht hatten, ohne etwas ungewöhnliches zu finden, gingen sie zu ihren Kollegen. Renko hatte ein paar Strohballen zur Deckung vor den Eingang gezogen, so dass Nate in Ruhe mit Eric telefonieren konnte.

„Okay, verstanden, Eric." Nate beendete das Gespräch und reichte anschließend sein Handy an Ray weiter. „Eric hat Dir Daten und Anweisungen geschickt. Er meint, Du wüsstest, was zu tun ist."

„Danke." Ray zog sich in den Serverraum zurück, um Eric den Zugang zu den Daten zu ermöglichen. Auf eine Geste von Joann hin, folgte Nate seinem Kollegen.

„Wie sieht es aus?" Joann warf einen Blick durch die Tür. Sie sah Feuer und Rauch, hörte Schüsse, die Schreie und Rufe der Menschen.

„Ziemlich übel. Quinlan und seine Leute haben das Blatt zu unseren Gunsten gewendet, aber wir haben auf jeden Fall Verletzte." Renko machte eine kurze Pause. „Möglicherweise auch Tote."

Joann nickte. „Warum greifen sie die Scheune nicht an, Mike? Sie sprengen die kleineren Gebäude und einige der Wagen. Aber sie lassen die Scheune und das Ranchhaus in Ruhe. Da stimmt doch etwas nicht."

Renko warf einen Blick in das Gelände. „Ich habe keine Ahnung, aber es hat mit Sicherheit etwas zu bedeuten. Und ich glaube, das ist nichts Gutes."

Schweigend beobachtenden die beiden Agenten das Geschehen.

„Kensi? Deeks? Wo seid Ihr?" Callen betrat das Ranchhaus, Sam direkt auf seinen Fersen. „Nun meldet Euch schon!"

„Wo stecken die beiden?" Sam klang ein wenig ungeduldig. Zur Antwort erhielt er nur ein Schulterzucken.

Genauso vorsichtig wie Kensi und Deeks gingen die beiden Männer durch die Räume.

„Eric, wo sind Kensi und Deeks?"

„Hier ist Nell. Eric hilft gerade Joann. Die Signale von Kensi und Deeks kommen aus dem Ranchhaus, Callen, aber sie sind etwas schwach. Ich führe Euch hin."

„Verstanden, Nell."

Bevor Callen um die Ecke in den nächsten Raum gehen konnte, wurde er von Sam zurückgehalten. Fragend blickte er seinen Partner an und folgte dann Sams Zeichen. Kaum sichtbar hinter einer Couch schauten die Spitzen von einem Paar Schuhe hervor. Vorsichtig näherten sich die beiden Männer. Nach einem Blick hinter die Couch entspannten sie sich etwas. Die Schuhe gehörten zu einer Leiche mit zwei Einschüssen in die Brust. Keiner von ihren Leuten.

„Kensi." Sam war sich absolut sicher.

Callens Mundwinkel zuckten leicht. „Würde zu unserer Kleinen passen. Aber auch Deeks war nicht untätig."

Callen hatte bereits einen Blick in den nächsten Raum geworfen und dabei eine weitere Leiche entdeckt. Während die beiden Agenten weiter Nells Anweisungen folgten, fanden sie noch weitere Spuren von Schusswechseln.

„Sie müssen direkt vor Euch sein, Callen."

„Nein, hier ist niemand, Nell." Besorgt sahen sich Callen und sein Partner um. „Hier ist lediglich eine Tür, die in einen Keller führt."

„Da ist kein Keller, Callen. Ihr müsst falsch gegangen sein."

„Nell, wir sind genau so gegangen, wie Du es uns gesagt hast. Deine Anweisungen haben uns direkt vor diese Tür geführt. G und ich sehen die Stufen, die nach unten führen."

Rasch rief Nell Baupläne auf, Daten von Arbeiten auf dem Gelände der Ranch und einiges mehr. Schließlich meldete sie sich wieder bei den Agenten.

„Offiziell gibt es keinen Keller unter dem Haupthaus oder einem der anderen Gebäude. Allerdings fanden eine Menge Bauarbeiten auf dem Gelände statt. Die verbrauchten Materialien stehen nicht unbedingt im richtigen Verhältnis zu den erfolgten Arbeiten."

„Und das heißt was, Nell?" Sam war leicht ungeduldig.

„Es könnte einen Keller geben, Sam, und das erklärt auch die Ausstattung der Scheune."

„Was ist mit der Scheune?"

„Joann hat darin ein Soldatenquartier, eine Waffenkammer und einen Serverraum entdeckt, Callen. Außerdem ist sie ein massives Gebäude. Die äußere Optik ist nur Tarnung."

„In Ordnung, Nell. Würde der Keller erklären, warum Du Kensis und Deeks' Signale nicht klar empfängst?"

„Ja, auf jeden Fall, Callen."

„Wir gehen jetzt runter. Eventuell verlieren wir den Funkkontakt."

„Verstanden, Callen. Ich versuche, Eure Signale im Auge zu behalten."

„Immer ist es der Keller! Können die sich kein anderes Ziel aussuchen?" Deeks schimpfte vor sich hin.

Kensi rollte mit den Augen, was Deeks aber nicht sehen konnte. Der Gang, dem sie vom Keller aus gefolgt waren, wurde nur durch ihre Taschenlampen beleuchtet.

„Hör auf zu meckern, Deeks. Wenn das hier vorbei ist, solltest Du Jo fragen, ob sie mit Dir tauscht. Ihre Verdächtigen rennen immer aufs Dach."

Mit diesem Vorschlag hatte Kensi es geschafft, ihren Partner zumindest kurzzeitig zum Verstummen zu bringen. Eine Weile gingen die beiden schweigend durch den Gang. Aber Deeks war niemand, der lange still sein konnte.

„Wo wollen die bloß hin? Wir sind schon eine Ewigkeit hier unten."

„Wir gehen nach Norden. Da wir keinen Funkkontakt zum Hauptquartier haben, kann ich Dir nicht sagen, wohin genau."

Kensi blieb gelassen. Es musste jemand wichtiges sein, der sich durch den Keller absetzen wollte. Nicht umsonst hatte man den Kellerbereich aus den Bauplänen herausgelassen. Kensi vermutete, dass sie Flynn Mason folgten. Die Frage war nur, wohin. Sie rief sich die Sattelitenaufnahmen der Umgebung in Erinnerung, aber darauf war nichts Ungewöhnliches zu sehen gewesen.

„Deeks, wir müssen das Hauptquartier kontaktieren. Wo immer dieser Gang auch hinführen mag, an seinem Ende gibt es mit Sicherheit eine Fluchtmöglichkeit. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Bereich von uns nicht überwacht wird."

„Das bedeutet, dass einer von uns beiden zurück gehen muss." Unsichtbar für Kensi schüttelte Deeks den Kopf. „Kommt gar nicht in Frage."

„Das vor uns könnte Mason sein, Deeks. Wer sonst braucht einen unterirdischen Fluchtweg?"

„Gerade deswegen müssen wir zusammen bleiben. Mason ist bestimmt nicht alleine unterwegs. Er braucht nur einen Mann, um uns in diesem Gang festzunageln. Einer alleine hat da keine Chance. Außerdem bin ich sicher, dass wir das Hauptquartier erreichen, sobald wir uns dem Ende des Ganges nähern. Dann rufen wir Verstärkung."

Kensi seufzte. Sie war anderer Meinung als ihr Partner, wusste aber auch, dass sie seine nicht ändern konnte.

„Ich hoffe, Du hast Recht."

„Wenn nicht, wird Dir schon eine passende Bestrafung einfallen."

Anstatt Humor hörte Kensi ziemlichen Frust aus Deeks' Worten. Sie seufzte noch einmal.

„Joann? Kannst Du mich hören?"

„Ja, Eric. Was ist los?"

„Ihr müsst ganz schnell aus der Scheune raus! Sie ist voller Sprengstoff!"