Hurra, hurra, der Auror mit dem kurzen Haar, hurra, hurra, der Neville ist wieder da!
Ähäm, räusper, sorry, ich vergaß. Außerhalb Bayerns kennt vielleicht nicht jeder das Pumuckl-Lied.
Es tut mir auch irgenwie leid, die beiden „Turteltäubchen" Lucius und Hermine hier unterbrechen zu müssen, aber vielleicht sind die ja sowieso gerade mit Kämmen, Augenbrauenzupfen oder Nägellackieren beschäftigt. Was Hermine gerade treibt, weiß ich nicht….. grins
Bevor es zu albern wird, hier die ernsthaften Dinge: vielen Dank für Eure kreativen reviews Shaunee, Dark Fay, Hedril, Seraphin, Miss Perenelle, Lufa und Zuckerdrache!
Als wir noch am Anfang von Ramo standen, ging es mal um das Thema „Ginnys Forschungsarbeit".
„Naja", sagte Feuerbohne da, „dann schreib ich da mal ein bisschen was zusammen" und schwupps saßen Runa und ich staunend vor mehreren Seiten feinster wissenschaftlicher Berichte.
Selbstverständlich wollen wir Euch diese nicht vorenthalten.
Und es wäre Neville gegenüber auch ungerecht, wenn er die Dinger nicht sehen dürfte, immerhin arbeitet er sehr gewissenhaft an seinem Fall.
Also rein ins Getümmel, besser gesagt ins Gemeinschaftskapitel von Feuerbohne und Legilimens!
Viel Spaß
Legi
.
.
.
51 .Kapitel
4.11.2005 11.00 Uhr
.
.
.
Neville ging die eineinhalb Meilen zum Seucheninstitut zu Fuß.
Ein eisiger Wind wirbelte seine dunklen Haare durcheinander, doch er war viel zu sehr in Gedanken versunken, als dass ihn dies gestört hätte.
Sein alter Freund Harry sollte in diesen Fall verwickelt sein? Diese Vorstellung erschien ihm immer noch mehr als absurd. Heute Nachmittag würde er sich endlich Klarheit über diesen Punkt verschaffen können.
Aber jetzt hieß es erst einmal, allen anderen Spuren nachzugehen.
Aus diesem Grund marschierte er nun mit hochgeklapptem Kragen und gegen aufbrausende Böen ankämpfend auf direktem Weg zu Ginnys Arbeitsstelle.
`Magisch-Staatliches Institut zur Vorbeugung und Bekämpfung von infektiösen Krankheiten` stand auf dem Schild neben der Sprechanlage, durch die er sich gerade angemeldet hatte.
Neville hatte erwartet, auf weiß-bekittelte, graumelierte Wissenschaftler zu stoßen, und war entsprechend überrascht, als er von einer jüngeren Frau mit schulterlangen Ringellocken und farbenfrohem Outfit begrüßt wurde. Ein Paar intelligente, hellbraune Augen hinter einer runden Brille schienen ihn kurz zu musterten, dann stellte die Dame sich vor: „Mein Name ist Georgia Germs, ich war Dr. Weasleys Assistentin. Kommen Sie doch herein."
Bereitwillig folgte ihr Neville in den warmen Flur, während er vergeblich versuchte, mit den Händen seine Sturmfrisur etwas zu glätten.
Er zog einen Stift und sein abgewetztes schwarzes Notizbuch aus der Umhängetasche. „Hatte Miss Weasley noch andere Mitarbeiter außer Ihnen?", wollte er wissen.
„Nur ein paar Lieferanten oder wissenschaftliche Hilfskräfte, die ihr Material besorgten. Aber ich war ihre einzige fest zugeordnete Kraft. Wissen Sie, unser Institut ist eher eine kleine Nummer im Gesundheitsressort des Ministeriums."
Sie waren am Ende des Gangs angekommen. Georgia öffnete eine unauffällige Tür. „Das ist Ginnys Büro. Sie können hier ihren Mantel aufhängen." Sie deutete auf eine Garderobenstange.
Neville zog seinen dunkelbrauen Trenchcoat aus und warf ihn schwungvoll über einen der drei Haken. Dann nahm er auf dem Bürostuhl vor Ginnys leerem Schreibtisch Platz. „Ich würde gerne alle Aufzeichnungen von Dr. Weasleys Forschungs-Arbeit sehen, wenn das möglich wäre."
Die Assistentin nickte. „Sicher. Sie hat alles hier in ihrem Schreibtisch aufbewahrt. Der ist abgeschlossen, aber das dürfte für einen Auror kein größeres Problem darstellen, oder?"
Sie sah ihn fragend an.
Neville bemühte sich um eine abgeklärte Miene und zog statt einer Antwort seinen Zauberstab aus der Tasche: „Apertuto!".
Die Schubladen sprangen mit lautem Knacken auf. Er steckte den Stab wieder ein und erklärte: „Der Vorteil unserer Spezialstäbe!"
Georgia schien nicht sonderlich beeindruckt zu sein. Sie trat näher, bückte sich und zog einen dicken Ordner aus dem untersten Fach des Schreibtisches.
Ihr Arm streifte für einen kurzen Moment seinen Oberschenkel.
Dann legte sie den Ordner vor ihn auf die breite Tischplatte. „Hier finden Sie alle Aufzeichnungen, Mister Longbottom. Soll ich Ihnen noch ein Tasse Tee bringen lassen?"
„Das wäre wirklich nett!"
Neville sah ihr lächelnd nach, als sie mit wippenden Locken den Raum verließ.
Dann wandte er sich den Aufzeichnungen zu.
***
Arbeitsunterlagen Ginevra Weasley
Habe heute (27. April) den Auftrag bekommen, mich mit Pestilentia magica vulgaris vertraut zu machen.
Auch wenn mich das sehr freut! Ein wenig wundere ich mich schon: Warum soll ausgerechnet über die Rattenpest geforscht werden? Es hat hier seit vielen Jahren keinen einzigen Pestfall mehr gegeben. Aber jetzt sagt das Ministerium, dass die magische Welt dringend ein Impfserum dagegen benötigt.
Aber warum soll jemand gegen eine Krankheit geimpft werden, die offiziell für ausgerottet gehalten wird? Georgia Germs, die mir als Assistentin zugeteilt worden ist, hat die Vermutung geäußert, dass hier wirtschaftliche Interessen im Spiel sein könnten. Weltweit tritt die Seuche wohl immer wieder einmal auf. Vor allem in den ärmeren Ländern.
28. April
Georgia hatte recht!
Ich werde mein möglichstes tun, damit diese bedrohliche Seuche endgültig ausgerottet werden kann!
Offiziell heißt es, dass das Ministerium die Forschungen auf den neuesten Stand bringen wolle, inoffiziell aber habe ich Wind davon bekommen, dass hier ein Konkurrenzkampf entbrannt ist zwischen Bulgarien und Großbritannien. Beide wollen in dieser Hinsicht die Nase vorn haben.
Mir kann's recht sein, ich habe meinen Auftrag und bin begeistert!
29. April
Die bisherigen Forschungsunterlagen sind mehr als dürftig. Man ging bereits vor Jahren davon aus, dass Squibs die Nachkommen von Überlebenden der Pest sein könnten. Ob sie eine vererbte Resistenz in sich tragen ist mehr als fraglich und laut Unterlagen noch nie untersucht worden.
Da es sich um eine rein magische Erkrankung handelt,wäre eine Resistenz nicht in physischer Hinsicht nachzuweisen.
Ein Jammer, dass der letzte (und auch nur einzelne) Pestfall vor 30 Jahren verzeichnet ist – und ausgerechnet in Bulgarien.
Habe heute Eulenkontakt mit dem bulgarischen Ministerium aufgenommen. Will doch mal sehen, ob wir nicht produktiv zusammenarbeiten können.
18. Mai
Die Bulgaren haben sich wirklich Zeit gelassen, aber heute kam die Eule mit einer Einladung: Ich darf kommen und Einsicht in ihre Unterlagen nehmen. Man ist anscheinend sehr an einem Austausch mit unserem Know-How interessiert.
Muss gleich mal den Reiseantrag stellen.
30. Mai
Nachher geht es los! Meine Assistentin Georgia ist leider erkrankt, ich muss also alleine reisen. Das fällt mir nicht leicht, aber was solls!
Das da in Bulgarien wird ein wissenschaftliches Meeting. Ich will dabei keine Konkurrenz aufkommen lassen, es geht doch um das Wohl der magischen Gemeinde! Und ob die englisch oder bulgarisch spricht, spielt schließlich keine Rolle!
***
27. Juni
Neville las das Datum noch einmal. Dann blätterte er ein paar Seiten vor und zurück.
Seltsam, dass da so eine große zeitliche Lücke in den Unterlagen ist!
Naja, vielleicht klärt sich das später noch auf. Wahrscheinlich hat Ginny die Bulgarien-Aufzeichnungen separat abgelegt. Jetzt lese ich erst einmal hier fertig, immer eins nach dem anderen!
Er beugte sich wieder über den Ordner.
***
Inzwischen ist viel geschehen!
Ich bin aus Bulgarien zurückgekehrt und habe meine Ergebnisse vorgelegt. Das Interesse war auch hier nicht sonderlich groß, obwohl ich nachweisen konnte, dass ungeeichte Zauberstäbe in der Lage sind, Abweichungen in der magischen Schwingungsamplitude bei infizierten Patienten nachzuweisen. Wenn hier die Kalibrierung noch feiner eingestellt werden könnte, wäre das unter Umständen eine neuartige Möglichkeit zur Früherkennung der Erkrankung! Leider gibt es im Moment noch keine Möglichkeit, den tödlichen Verlauf der Krankheit aufzuhalten.
Aus Bulgarien erreichte uns heute die Meldung, dass dort infizierte Ratten außerhalb der Labors aufgetaucht sind. Noch ist es aber nur ein Verdacht!
15. Juli
Der Verdacht wurde zur Gewissheit: Bulgarien hat ein Pest-Problem. Es ist ungeklärt, wie es die infizierten Ratten aus den Labors heraus geschafft haben (das sind bis jetzt aber nur inoffizielle Meldungen, die ich von Dr. Slawitz bekommen habe). Er hat Interesse angemeldet, mit mir zusammen die Stab-Experimente weiter zu entwickeln.
***
„Normalerweise gehört das Servieren von Tee nicht zu meinen Aufgaben, aber ich dachte, Sie hätten vielleicht noch Fragen." Georgia hatte das Büro fast lautlos betreten und stellte eine Tasse mit dampfendem Inhalt vorsichtig auf dem Schreibtisch ab.
Neville bedankte sich mit einem freundlichen Nicken und nahm den Faden gerne auf. „Setzen Sie sich doch, Mrs. Germs!"
Mit einer flinken Bewegung nahm sie auf dem Stuhl vor ihm Platz.
In sachlichem Ton fuhr er fort. „Es sind hier einige zeitliche Lücken in den Aufzeichnungen."
Georgia schlug die Beine übereinander. „Das ist ganz normal", erklärte sie, „Ginny hat anfangs auch noch an Gemeinschafts-Projekten mit anderen Instituten gearbeitet, zum Beispiel an der längst fälligen Optimierung von verschiedenen Standard-Zaubertränken wie Vielsafttrank, Trank der lebenden Toten und Skele-Wachs. Außerdem stagniert die Forschung oft einmal für ein paar Wochen, das ist bei allen Wissenschaftlern so."
Neville nahm den Blick von ihrem knielangen grünen Rock, der ein kleines Stück hochgerutscht war, und sah ihr in die Augen.
„Seit wann sind arbeiten Sie hier im Institut?"
„Schon seit sechs Jahren. Gleich nach meinem Abschluss an der Akademie hatte ich mich hier für das Seucheninstitut beworben und war froh, dass ich sofort genommen wurde. Schließlich drehte sich sogar meine Diplomarbeit um das Thema `Pandemie und ihre Eindämmung`."
Neville hob langsam die Tasse zum Mund und trank einen Schluck Tee.
„Haben Sie sich denn nicht übergangen gefühlt, als Dr. Weasley dann am Jahresanfang zur Abteilungsleiterin befördert worden war?"
Georgia zuckte mit den Schultern. „Das ist kein Problem für mich. Das Ministerium trifft immer wieder Entscheidungen, die nicht für alle Betroffenen nachvollziehbar sind. Vielleicht hat Ginnys Vater seine Kontakte spielen lassen."
Er zog die Augenbrauen erstaunt hoch. Arthur Weasley und Vitamin B?
Die Wissenschaftlerin sah anscheinend, dass der Auror Zweifel hatte. „Ich habe wirklich gerne mit Ginny zusammen gearbeitet, wir waren eher Freundinnen als Konkurrentinnen."
Nachdenklich blickte er die junge Frau an:
„War Ginny hier im Institut beliebt?"
Georgia riss verwundert die Augen auf. „Ist das die berühmte Frage, ob die Tote Feinde hatte?" Ihr Lachen klang etwas schrill.
Neville beobachtete sie aufmerksam und fragte noch einmal nach: „Hatte sie denn welche?"
„NEIN! Wer soll Ginny denn nicht gemocht haben. Kannten Sie sie?"
Er nickte. „Wir waren zusammen auf Hogwarts. Gleiches Haus. Sie war die Schwester eines guten Freundes."
Die Wissenschaftlerin rückte die Brille auf ihrer schmalen Nase zurecht. „Na dann wissen Sie ja, wie sie war. Energisch und zielstrebig, aber auf keinen Fall war sie jemand, der sich Feinde gemacht hätte!"
Um ein Haar hätte Neville seine Gedanken laut ausgesprochen: Wenn das stimmen würde, wäre sie jetzt allerdings noch am Leben!
Er beugte sich wieder über die Unterlagen. „Ich bin noch nicht ganz durch. Später möchte ich noch das Labor sehen."
Flink stand Georgia von ihrem Stuhl auf. „Natürlich. Rufen Sie mich, ich bin nebenan."
Sie schenkte ihm noch ein kurzes Lächeln und machte sich auf den Weg zur Bürotür.
„Ach, Mrs. Germs!"
„Ja" Sie drehte sich herum, eine Ringellocke fiel ihr vorwitzig in die Stirn.
„Welche Nummer hat die Personalabteilung?"
Neville deutete auf den internen Phone-Spiegel auf dem Schreibtisch.
Georgia strich sich die Locke mit zwei Fingern aus dem Gesicht. „Drücken Sie die Einundzwanzig." Dann verließ sie den Raum.
Er klappte den flachen Spiegel-Monitor nach oben und drückte die beiden Tasten.
Das Gesicht einer älteren Dame mit strengem Mund und straff nach hinten gekämmtem Zopf erschien auf dem Bildschirm. „Abteilung Human Resources, , was kann ich für Sie tun?"
„Mein Name ist Longbottom, Auror, ich ermittle im Todesfall Ginevra Weasley. Ich hätte gerne Einsicht in die Personalunterlagen. Können Sie mir die Akten hier ins Seucheninstitut schicken?"
Die eintönige Stimme klang wenig begeistert. „Die Akten enthalten vertrauliche Informationen."
Neville bemühte sich um einen ganz selbstverständlichen Ton: „Das ist genau der Grund, warum ich sie einsehen will. In meiner Eigenschaft als AUROR."
Das schien zu ziehen.
Die Dame im Spiegel kniff den Mund noch ein wenig weiter zusammen und presste dann hervor: „Also gut, ich schicke die Akte von Ginevra Weasley zu Ihnen."
„UND die von Georgia Germs. Vielen Dank!"
Er klappte den Spiegel schnell ein, bevor noch ein Protest daraus ertönen konnte.
Gut, das war schon mal am Laufen, weiter mit den Forschungsaufzeichnungen. So ganz schlau war er noch nicht daraus geworden…
.
.
.
(legilimens und Feuerbohne)
.
.
.
