Liebe Leser!
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Triflorischer Dank an unsere Reviewer: Zuckerdrache, Hedril, Seraphin, Dark Fay und Miss Perenelle!
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Kaum sitzt Hermine zwei Tage auf dem Klodeckel herum, schon geht es weiter und Neville kommt.
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Ja, warten ist eine Kunst – und in der ist die gute Hermine nicht sonderlich bewandert. Dementsprechend schlecht drauf ist sie deshalb auch.
Und was jetzt kommt, wird auch nicht sonderlich dazu beitragen, sie wieder aufzuheitern.
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Euch wünsch ich trotzdem viel Spaß!
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Feuerbohne
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04. 11. 2005 15:00 Uhr
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Hermine
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Wie langsam die Zeit vergeht, wenn man einfach nur wartet!
Nach einer gefühlten halben Ewigkeit meldete sich Neville.
„Ich bin da!", meldete sich Nevilles Stimme aus dem Rufspiegel. „Kommst du zur Türe?"
Endlich! Hermine standen Tränen der Erleichterung in den Augen, als sie zur Schleuse ging.
Sie warf Malfoy nur einen kurzen Blick zu: Er lag noch immer auf dem Bett, seinen linken Unterarm über dem Gesicht und schien zu schlafen!
Neville dagegen erschien ihr wie die Verkündung der Frohen Botschaft! Er war so wunderbar, so - schön!
„Ich kann dir gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass du endlich da bist!"
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„Es gibt Neuigkeiten", sagte er jedoch nur knapp, ohne auf ihre deutlich zur Schau gestellte Erleichterung zu reagieren. „Die Leiche ist verschwunden!"
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Hermine verstand gar nichts. „Was sagst du da?" Wovon sprach Neville?
„Ginny", antwortete der nur und sah Hermine niedergeschlagen an.
„Ginny", wiederholte Hermine und überlegte tatsächlich einen Moment, was Ginny mit der ganzen Sache zu tun haben sollte. „Ja, weißt du, Malfoy hat endlich – GINNY?" Jetzt hatte Nevilles Satz sie erreicht, „DU MEINST, GINNYS LEICHE IST WEG?"
Neville nickt nur und Hermine fiel plötzlich auf, wie blass er aussah, müde, abgekämpft.
„Wie?"
Neville zuckte nur mit den Schultern: „Heute Morgen war sie aus der Pathologie verschwunden. Niemand weiß etwas!"
In Hermines Kopf begann es zu rattern: Heute Morgen bereits? Hatte Ginnys Mörder sie beiseite geschafft? Beiseite schaffen lassen, verbesserte sie sich hastig in Gedanken. Denn Malfoy hatte ja ein Alibi!
„Malfoy hat heute quasi zugegeben, dass er ..."
Sie wurde von Neville unterbrochen: „Hermine, Malfoy fällt aus! Er kann es nicht gewesen sein! Überleg doch mal! Was hätte er davon?"
„Beweise vernichten." DIE Antwort war einfach. „Oder war die Vaterschaft schon festgestellt worden? Immerhin ist es möglich, dass er doch ..."
„Er ist nicht der Vater! Glaub mir das! Das steht ohne jeden Zweifel fest!" Neville sah mehr als angespannt aus: „Malfoy hat keinen Grund gehabt, die Leiche verschwinden zu lassen. Keinen einzigen! Sein Interesse müsste das Gegenteil sein, nämlich, dass Ginnys Leiche bleibt. Beweist sie doch, dass er die Wahrheit gesagt hat!"
Er fuhr sich mit müder Geste über die Augen. „Und nein! Eine Vaterschaftsfeststellung war noch nicht gemacht worden!"
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Hermine schwindelte! Der Streit! Was hatte Malfoy gesagt? „Ginny Weasley hat bekommen, was sie verdient hat!"
Es war die Wut, die da gesprochen hat, wisperte die Stimme in ihrem Kopf, er ist ausgerastet und hat sich hinreißen lassen!
Wenngleich sie nichts zum Wahrheitsgehalt dieses Gedanken sagen konnte, das Ausrasten zumindest konnte sie zweifelsfrei bestätigen!
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„Ein Ablenkungsversuch? Kann er nicht, um uns in die Irre zu führen, Ginny ..." sie brach ab. Es war lächerlich! Sie hatte mit Malfoy vor etwa zwei Stunden gestritten, aber Ginny war schon seit heute Morgen verschwunden! Es KONNTE keine Reaktion auf seinen unbedacht gesagten Satz gewesen sein!
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„Wir suchen also nach dem unbekannten Vater, der wahrscheinlich der Mörder ist?"
Hermine versuchte sich zu sammeln. Malfoy war damit entlastet. Ein anderer war der Mörder und der war nicht hier!
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Es knackste. Hinter ihr! Hermine fuhr herum, machte die beiden benötigten Schritte, um ins Zimmer sehen zu können.
Sie hatte sich nicht verhört. Malfoy stand gleich hinter dem Eingang, die Haare immer noch in Aufruhr, seine Augen im ansonsten kalkweißen Gesicht dunkel umschattet und starrte sie an.
Himmel! Er hatte mitgehört! Hermine verharrte sprachlos. Verlegen senkte sie den Blick. Was jetzt?
Sie wollte gerade zu einer Erklärung ansetzen, da bemerkte sie seine Bewegung.
Eilig sah sie auf. Malfoy hatte sich ins Zimmer zurückgezogen, öffnete gerade die Badezimmertüre und verschwand darin.
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Sekunden später, in denen Hermine ihm nur stumm nachgeschaut hatte, hob sie ihren Rufspiegel und aktivierte die Mufliatotaste.
Dann erst wandte sie sich erneut zur Schleuse.
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Sie wurde sofort wieder von Neville abgelenkt:
„Es gibt noch ein Problem!" er kratzte sich am bartstoppeligen Kinn. „Ich war heute an Ginnys Arbeitsplatz und habe ihre Unterlagen gesichtet. Sie hat sehr ordentliche Tätigkeitsberichte geführt." Er sah Hermine eindringlich an: „Sie war doch in Bulgarien?"
Hermine nickte: „Sicher, einige Wochen lang. Ist noch gar nicht lange her!"
„Das ist das eigenartige" Neville sah auf seine Fingernägel, rieb diese dann an seinem Jackett: „Es gibt über diese Zeit keine Aufzeichnungen. Nur von vorher und nachher."
„Die werden halt woanders abgelegt sein." Hermine hatte keine Ahnung, worauf Neville hinaus wollte. „Vielleicht hat sie dafür einen eigenen Ordner angelegt."
Doch Neville schüttelte den Kopf: „Ich habe alles durchgesehen. Da ist nichts! Es gibt nur die Aufzeichnungen bis zu dieser Reise – und dann wieder, als sie zurück war. Nichts über die Zeit dort. Hat sie dir davon erzählt?"
„Von der Reise?" Hermine lachte leise auf. Was sich Neville vorstellte!
„Ginnys Arbeit unterlag nicht nur Sicherheitsvorkehrungen, weißt du. Sie war auch noch an eine Schweigepflicht gebunden. Sie hat mir nur erzählt, dass sie nach Bulgarien reisen wird. Nicht warum und auch nicht, wie lange. Dann war sie wochenlang verschwunden, bis sie sich wieder zurückgemeldet hat. Allerdings hatte ich damals den Eindruck, dass diese Reise erfolgreich verlaufen ist."
„Ja, den Eindruck hatte ich auch", Neville fuhr sich durch die Haare. „Es ist nur sehr merkwürdig, dass es keine Aufzeichnungen über diese Reise gibt! Könnte sie diese versteckt haben?"
„Gute Frage! Aber Warum? Warum sollte Ginny Aufzeichnungen verstecken?"
Hermine war plötzlich ganz froh, dass nicht sie den Fall übernommen hatte. Neville würde also nach verschollenen Unterlagen fahnden müssen, die schlicht überall sein konnten. Wenn es sie denn gab! Dieser lästige Kleinkram nahm bei Kapitalverbrechen fast die ganze Ermittlungszeit ein.
Ein wenig spitz setzte sie nach: „Da wirst du suchen müssen!"
Sein genervtes Gesicht sagte sehr deutlich, WIE toll er ihren Ratschlag fand.
„Ich muss los! Du weißt ja was es heißt, wenn Ermittlungen auf vollen Touren laufen?"
Er hatte es plötzlich sehr eilig.
„Wann kommst du wieder?" Hermine hätte nichts dagegen gehabt, noch eine Weile mit ihm weiterzureden.
„Irgendwann morgen, wahrscheinlich!"
Weg war er.
Einen Moment lang starrte sie noch auf das jetzt leere Schleusenfenster, dann ging sie ins Zimmer zurück.
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(Feuerbohne)
