Das 60. Kapitel!
So ist das mit den Wochen – man zählt sie und erlebt sie, und plötzlich sind sie doch vorüber…
NOCH VIER KAPITEL!! Bis…
Aber zuerst haben unsere beiden Hübschen noch einiges an Beziehungsarbeit zu absolvieren.
Viel Spaß dabei wünschen Feuerbohne und Runa
Triflorische Dänke an Miss Perenelle, lufa, Zuckerdrache, Seraphin, Hedril und Darf Fay für ihre lieben Reviews!
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04. 11. 2005, 15:15 Uhr
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Lucius
Er hatte es bis ins Bad geschafft, hatte geschafft, die Tür hinter sich zu schließen, war jedoch nicht in der Lage, seine die Zarge umschließende Hand zu lösen, um die zwei nötigen Schritte zum Waschbecken in Angriff zu nehmen. Ermattet verharrte er, bewegungslos, nicht fähig, frei zu stehen.
Schwer lehnte er sich an den Holzrahmen, dessen Kühle an seiner heißen Wange spürend. Drehte den Kopf so, daß stattdessen seine Stirn in diesen Genuß kam. Tief atmete er ein weiteres Mal ein. Was für ein Tag!
Selten war er so erschöpft gewesen. Und selten so unsicher. Auch jetzt noch, nachdem sich die Sache doch eigentlich geklärt hatte.
Ich bin entlastet, dachte er bewußt. Die Leiche ist verschwunden, und daran kann nur der Mörder Interesse haben. Aber ich habe ein Alibi.
Selbst die Staraurorin hatte das zugegeben! Daß sie einen unbekannten Mörder suchten, den, der Ginny geschwängert hatte.
Warum konnte er sich dann nicht freuen? Erleichtert in den Spiegel lächeln und sein verschwitztes Gesicht wieder herrichten? Seine Haare waschen? Souverän aus dem Bad treten, sich zu seinem Platz begeben und sich in seinem Sessel entspannt zurücklehnen?
Warum stand er noch immer hier, unfähig zu allem sonst, und fühlte er sich dann noch immer so… schwach? So… ausgeliefert?
Er hörte gedämpft, wie Hermine Granger die direkt an diesen Raum grenzende Schleuse verließ. Sah sie noch vor sich in ihrem sich eng an ihre schmale Silhouette schmiegenden Pulli, er fühlte sie noch, er ROCH sie noch, ihre wunderschönen Haare, die er in der viel zu kurzen Zeit der Umarmung nicht wirklich hatte berühren können.
Er hatte sie wirklich gewollt, und sie hatte ihn an der Nase herumgeführt, nur um ihm das zu entlocken, was er ihr letzten Endes dann auch treudoof an den Kopf geschmissen hatte. Ein blödsinniges Geständnis, das wahrhaftig nicht nötig gewesen wäre! Für nichts und wieder nichts!
Das war es. Was ihm, der Himmel wußte es, wirklich selten passierte! Daß eine Frau, die er in sein Bett holen wollte, ihm einen Korb gab.
DAS PASSIERTE IHM NIE!
Und erst recht nicht mit einer, die so wunderschönes Haar…
Abrupt stieß Lucius sich vom Türrahmen ab, um diesen überflüssigen Gedanken zu beenden, und erreichte endlich das Waschbecken. Hatte sich bereits daran gewöhnt, seine Hand auszustrecken, um am Wasserhahn zu drehen. Vermied den Blick in den Spiegel, während er seine Hände benutzte, um sein noch immer glühendes Gesicht mit kaltem Wasser zu benetzen. Das tat gut! Und er würde es überleben!
Das würdest Du zumindest, wenn Du NICHT die Pest hättest!
Na, sein Verstand schien sich ja allmählich zurückzumelden!
Aber seine gegenwärtige Situation war bei weitem nicht so schrecklich, daß er es wirklich nötig hätte, den Kopf in den Sand zu stecken.
Hermine Granger hatte ihn gelinkt, aber der Verdacht gegen ihn schien vorerst ausgeräumt. Er könnte mit der Pest infiziert sein, aber sicher war das keinesfalls. Die Frau, die er umworben hatte, weil sie ihm vorgegaukelt hatte, daß sie ihn umgarne, verschmähte ihn.
All das war schlecht, schlimm sogar zweifellos, aber nicht das Ende.
Er würde nicht aufgeben. Würde so lange am Leben festhalten, wie er die Chance dazu hatte. Vielleicht würde er gesund bleiben und als freier Mann nach Hause zurückkehren. Das nervige Schlammblut und seine mit ihr verbundene Schmach vergessen. Vielleicht sogar vorher hier die Möglichkeit haben, sich später mit Rosalie ein wenig abzulenken. Die wollte ihn wenigstens!
Lucius Malfoy richtete sich auf und sah seinem Spiegelbild geradewegs in die Augen. Dem erfrischenden Wasser war es nicht gelungen, die dunklen Ringe darunter verschwinden zu lassen. Auch seine Haare schrieen nach einer intensiven Wäsche. Er würde also duschen. Sich wirklich frisch machen, bevor er der ablehnenden Frau dort draußen wieder vor die Augen trat.
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Hermine
Malfoy hatte mitgehört, dass Ginnys Leiche verschwunden war!
Nun ja, allzu leise waren Neville und sie schließlich nicht gewesen, dort an der Türe.
Malfoy wusste jetzt also auch, dass er entlastet war.
Gut soweit! Nur, was hatte sie, Hermine, getan?
Ihn gereizt und provoziert, bis er in Rage einen Fehler gemacht hatte, der alles hätte entscheiden können!
Wieviele Menschen wohl unschuldig im Gefängnis sitzen, nur weil sie in äußerster Wut etwas Falsches gesagt haben? 'Ich bring dich um', etwa! Ohne es zu TUN!
DIESEN Fehler wollte sie nicht begehen. Nicht SCHULD daran haben, dass ein Unschuldiger nach Askaban müsste!
Es war richtig, Hermine war davon überzeugt - gewesen - , dass Malfoy Ginny umgebracht hatte. Zuerst, weil Ginny von ihm schwanger geworden war. Vierlinge! Hermine konnte sich lebhaft ausmalen, WIE begeistert Malfoy auf eine solche Nachricht reagiert haben würde!
Doch als sich herausgestellt hatte, dass er keineswegs der Vater dieser Kinder sein konnte, war sie sofort umgeschwenkt: Ein Malfoy würde nicht dulden, dass SEINE Geliebte einen anderen Mann liebte! Eher würde er sie umbringen!
Das war logisch und schlüssig und hatte sie dazu veranlasst, Malfoy in die Enge zu treiben, um die Wahrheit endlich aus ihm herauszukitzeln.
Was sie versucht hatte! Erfolgreich! Aber eben doch falsch.
Wie es nur manchmal ging! Kaum hatte sie sein ersehntes 'Geständnis', stellte sich heraus, dass sie es aus ihm herausgepresst hatte. Mit unlauteren Mitteln!
Sie hatte einen eklatanten Fehler gemacht! Sie, die immer stolz auf ihre saubere Arbeit gewesen war. Sie, die stets andere dafür verurteilt hatte, wenn diese Verdächtige unter Druck gesetzt hatten!
Sie war keinen Deut besser! Sie war – unfähig, krank!
Ja, krank! Waren das die ersten Anzeichen der Pest? Hatte sie aggressive Ausfälle?
Oder Malfoy?
Ging es so los?
So hatte Hermine ihn noch nie gesehen! So ausfällig und später dann, als er gelauscht hatte, so – fertig! Seine Haare waren wild zerzaust gewesen, dunkle Schatten um seine Augen im ansonsten kalkweisen Gesicht.
So sieht man aus, wenn man sich vor Askaban fürchten muss, weil man unbedacht etwas sehr Belastendes gesagt hat!
Gut, aus Malfoy hatte die Wut geschrien, nicht die Wahrheit! Sie würde sich also entschuldigen müssen! Dafür, ihn so weit getrieben zu haben. Dafür, ihn vorverurteilt zu haben!
Sie würde sich entschuldigen! Ja, das würde sie! SIE würde nicht voller Stolz schweigen und so tun, als habe sie keinen Fehler gemacht! Denn genau das hatte sie: Einen schweren Fehler gemacht!
Aber sie konnte ihn wieder gut machen! Wenn sie sich entschuldigte. Wenn sie sagte: Es tut mir leid!
Hermine atmete tief durch. Das, was sie vorhatte, würde ihr ALLES abverlangen. Sich bei Malfoy entschuldigen zu müssen war keine schöne Aussicht!
Aber zunächst einmal hatte sie eine Gnadenfrist! Noch war er im Bad. Hatte sich dorthin zurückgezogen. Wie sie das an seiner Stelle auch getan hätte!
Sie stellte den Mufliato am Rufspiegel wieder ab, dann ging sie zum Sessel, setzte sich hinein und wartete. Mit Herzklopfen! Auf ihre schwere Stunde!
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Lucius
Unwillkürlich hatte Lucius die Badezimmertür so leise wie möglich geöffnet (Bemitleidenswerte Muggel, die immer ohne Verschleierungszauber auskommen mußten!), um zuerst einmal in Erfahrung zu bringen, wo sich der Feind aufhielt.
Da war sie.
Seine Augen auf sie geheftet, verharrte Lucius regungslos. Sie bemerkte ihn nicht. Regelrecht in ihren Sessel gekuschelt, saß sie da; die Beine an die Brust gezogen, ihren Kopf auf die Knie gelegt, so daß ihre kraftvollen braunen Locken sich über ihre Beine bis über die darunter hervorlugenden Fußspitzen ergossen. Das diffuse Licht im Raum setzte dezente Glanzlichter darin, welche sich im Rhythmus ihres tiefen Atems sacht bewegten. Ihr Haar war wirklich wunderschön...
Diese Schönheit prickelte in Lucius' Fingern, und auch er atmete tiefer ein angesichts der Macht, mit der seine Fingerspitzen angezogen wurden von ihrer Pracht, die berührt werden mußte, diese wunderbar fließende Fülle, die gespürt werden mußte, die er in seine Hand bekommen mußte, sie besitzen…
Haare hin oder her, Du verwirrter Idiot! Diese Frau ist Dein FEIND! Und zu allem Überfluß WILL sie Dich nicht!
Ohne es zu wollen, hatte er eine Bewegung gemacht. Hermine schreckte auf und sprang hoch. Verwundert registrierte Lucius in ihren hellbraun schimmernden Augen dieselbe Unsicherheit, die ihn selbst erfüllte.
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(Lucius von Astrid-Runa, Hermine von Feuerbohne)
