Hallöchen!

Heute geht es weiter mit Neville.

Ja, ich weiß, Ihr wartet alle ganz sehnsüchtig auf Hermine und Lucius, vor allem auf Kapitel 64, aber heute müsst Ihr erst mal hier durch.

Die Rattenmordleser waren ja bisher auf der sicheren Seite, was meine musikalischen Ergüsse betrifft, heute bleibt Euch auch das nicht erspart. Und die armen Seelen, die gleichzeitig meine „silberne Saite" lesen, werden sicher denken „Ach du liebe Zeit, jetzt fängt sie hier auch noch an mit ihrem Gedudel!"

Es bleibt die Ausnahme, ich versprech es. Neville fängt nicht an, Euphonium zu spielen und Harry mausert sich auch nicht zum Countertenor.

Ich mach jetzt erst mal Pause und freue mich auf die geistigen Ergüsse (grins) der beiden anderen Triflorifer-Turteltäubchen.

Und damit niemand den Krimi aus den Augen verliert: für alle Reviewer gibt es dieses Mal wieder einen Extra-Tipp!

Legi

04.11.2005 22.00 Uhr

Es war ungewöhnlich spät, als Neville endlich die Wohnungstüre hinter sich zuzog und seine Schuhe von den Füßen streifte. Lange Stunden war er noch im Büro über den Akten gesessen und hatte nach einem bisher übersehenen Hinweis gesucht – leider vergeblich.

Schließlich hatte er die Weasley-Akte beiseite gelegt und einen Teil des längst überfälligen Schreibkrams für die anderen Fällen erledigt, die in seine Zuständigkeit fielen.

Sein Kopf war noch zu voll von den vielen Details, als dass er bereits hätte schlafen wollen. Er betrat sein Schlafzimmer deshalb nur kurz, um sich seine Joggingsachen für den nächsten Morgen bereit zu legen. Vielleicht würde ihm bei seiner üblichen frühen Runde durch den Park noch der rettende Geistesblitz zu `seinem` Fall kommen.

Bewaffnet mit einem Glas kühlen Weißweins ließ er sich schließlich in den altmodischen Sessel im Wohnzimmer fallen. Das gemusterte Möbelstück war ein Geschenk seiner Großmutter zu seinem Einzug gewesen. Obwohl es sicher nicht der neusten Mode entsprach, war es Nevilles erklärter Lieblingsplatz in seiner kleinen Junggesellenwohnung.

Er zielte mit dem Zauberstab auf den Jukebator im Regal: „Akustiko!"

Als die ersten Töne der souligen Ballade erklangen, lehnte er seinen Kopf gegen den hohen Sesselrücken und schloss die Augen. Man konnte sagen, was man wollte: Muggel-Songwriter waren den Zauberei-Komponisten einfach überlegen. Wenn er nur an die schmalzigen Liebeslieder einer magischen Bellindia Bluntia dachte – grauenvoll!

Da waren die Commodores doch ein ganz anderes Niveau. Und der Song von der „Nachtschicht" war ja nach diesem überlangen Arbeitstag durchaus passend.

Marvin, he was a friend of mine. And he could sing a song, his heart in every line....

Eigentlich hätte er noch ein wenig aufräumen müssen. Zeitungen lagen auf dem den Couchtisch verteilt, dazwischen noch ein Teller mit Brotkrümeln von gestern Abend.

Mantel und Aktentasche hatte er aus Bequemlichkeit nur aufs Sofa geworfen und zwei Paar Schuhe waren weitläufig über den Fußboden verstreut. Er seufzte. Und blieb sitzen. Der Song lief mittlerweile auf Endlosschleife.

...gonna be a long night, it`s gonna be all right on the nightshift

Das schrille Klingeln der Türglocke ließ ihn zusammenzucken. Wer konnte so spät noch zu ihm kommen? Seamus schaute manchmal unangemeldet vorbei, doch die Zeit, in der sie beide nachts um die Häuser gezogen waren, war schon lange vorbei.

Neugierig sprang er auf und öffnete die Wohnungstüre.

„Oh! Mrs. Malfoy!"

Mit diesem Besuch hatte er allerdings nicht gerechnet.

Narzissa machte einen verlegenen Eindruck, als sie die Kapuze ihres Samtumhangs vom Kopf streifte und ihm dann einen Ordner entgegenstreckte. „Ich habe diese Unterlagen im Büro meines Mannes gefunden und dachte, sie würden Ihnen vielleicht von Nutzen sein können."

Verwirrt warf Neville einen Blick auf die Beschriftung. `G. Weasley` stand in handschriftlichen Lettern auf dem Rücken.

Weshalb hatte Malfoy einen Ordner über Ginny angelegt?

Er wollte die Unterlagen gerade aufschlagen, als ihm bewusst wurde, dass er samt seiner Besucherin immer noch in der Tür stand.

„Kommen Sie doch herein!"

Er öffnete die Türe ganz und nahm ihr den Umhang ab, während er heimlich versuchte, mit dem Fuß seine mitten im Weg liegenden Joggingschuhe zur Seite zu schieben.

Narzissa folgte ihm ins Wohnzimmer, wo er seinen Mantel und Aktenmappe schnell wegpackte und ihr einen Platz auf dem Sofa anbot.

Erfreut nahm er zur Kenntnis, dass sie ihre Haare immer noch offen trug. Auch das Make-up schien deutlich reduziert zu sein.

„Möchten Sie etwas trinken? Einen trockenen Weißwein?", fragte er.

Sie lächelte leicht. „Eigentlich wollte ich Sie nicht belästigen. Ich habe nur heute mitbekommen, dass Sie Informationen über Miss Weasleys Karriere suchen und als ich dann den Ordner fand…."

Sie ließ den Rest des Satzes unvollendet.

Neville, der die ersten Seiten der zahlreichen Dokumente mit großem Interesse überflogen hatte, blickte auf. „Haben Sie ihn gelesen?"

Sie nickte. „Den Anfang. Wenn ich die Quittungen und Dankesbriefe richtig interpretiere, hat mein Mann mit seinen großzügigen Geldspenden an das Seucheninstitut für Miss Weasleys kometenhaften Aufstieg zur Leiterin gesorgt."

„So seh ich es auch. Das hier", er wies auf die vor ihm liegenden Unterlagen, „erklärt natürlich die schnelle Beförderung."

Er legte den Ordner auf den Couchtisch und holte Narzissa ein Glas Wein aus der Küche. Dann setzte er sich neben sie auf das Sofa und reichte es an sie weiter. Ihre Fingerspitzen berührten seine Hand.

You found another home, I know your`re not alone, on the nightshift

Ernst sah er sie an. „Warum haben Sie das getan? Sie belasten unter Umständen ihren eigenen Mann!"

Sie hielt seinem Blick stand. „Ich bezweifle noch immer, dass Lucius der Mörder ist. Außerdem…" sie zögerte kurz und strich sich eine Strähne aus dem Gesicht „..wollte ich mich entschuldigen."

Neville zog die Augenbrauen fragend zusammen. „Entschuldigen?"

„Für meine unsensible Bemerkung bezüglich Ihrer Reinblütigkeit! Es ist nicht so, dass ich persönlich in diesem Punkt Unterscheidungen mache, aber die Stiftung von Lucius hat in ihren Statuten eben sehr strikte Bedingungen verankert…"

Er unterbrach sie. „Ist schon gut, Narzissa – äh, ich meine, Mrs. Malfoy!"

Wie hatte ihm das nur so herausrutschen können! Er spürte deutlich, wie das Blut in sein Gesicht schoss. Er hatte wirklich ein Händchen für peinliche Situa….

„Ich habe nichts dagegen, wenn Sie mich beim Vornamen nennen – unter einer Bedingung!"

Immer noch mit dem sicheren Gefühl, bis zu den Haarwurzeln rot angelaufen zu sein, erwiderte er ein belegtes „Und die wäre?"

Sie lächelte freundlich: „Erzählen Sie mir etwas über sich, Neville!"

Nachdenklich trank er einen Schluck Wein.

„Da gibt es nicht viel zu erzählen. Ich lebe hier…" er deutete mit dem Arm in einem Bogen durchs Zimmer „…alleine und etwas chaotisch, wie Sie sehen. Ich mag meinen Job als Auror, auch wenn es oft anstrengend ist und die Verantwortung mir hin und wieder Angst macht. Am Wochenende lade ich manchmal ein paar Freunde ein. Außerdem besitze ich eine Dauerkarte für den Botanischen Garten und für die Spiele der `Red Rockets`." Er lächelte ein wenig verlegen: „In der Küche bin ich ein Totalausfall, deshalb lade ich mich ständig bei meiner Großmutter zum Essen ein. Dass ich gern Weißwein trinke und lieber Muggelmusik höre, haben Sie auch schon bemerkt."

Sie schenkte ihm einen intensiven Blick. „Gefällt mir sehr gut!"

„Die Musik?"

Ja was denn sonst? Himmel, warum musste er nur immer so dämliche Fragen stellen!

Narzissa lächelte. „Die auch."

Dann schienen sich ihre Gesichtszüge plötzlich zu verändern. Sie wirkte mit einem Mal angespannt und ernst. Entschlossen stellte sie ihr Weinglas ab und stand auf. "Ich sollte lieber gehen!"

Auch Neville erhob sich vom Sofa. "Das ist unfair. Ich habe Ihnen alle meine strengst gehüteten Geheimnisse offenbart und Sie wollen mir gar nichts erzählen?"

Sie war bereits auf dem Weg zum Flur gewesen, schien nun aber etwas zu zögern. Schließlich trat sie ans nahe Fenster und fuhr mit dem Zeigefinger vorsichtig über die weichen Blätter der Velvetoletta, die dort auf dem Fensterbrett einen Platz gefunden hatte. „Wie ich wohne, wissen Sie bereits. Und der Rest der Familie dürfte Ihnen auch bestens bekannt sein."

Er trat ein paar Schritte näher an sie heran, bis er fast direkt hinter ihr stand. „Was ist mit Ihren Träumen und Wünschen? Wie stellen Sie sich die Zukunft vor?", fragte er weich.

Sie lachte bitter auf. „Ich weiß es nicht. Eigentlich weiß ich gar nichts. Ich will nicht mehr in Malfoy Manor bleiben, aber ich will auch nicht ständig unterwegs sein." Ihre Stimme wurde leiser. „Irgendwie komme ich mir vor wie eine Versagerin. Was habe ich schon aus meinem Leben gemacht? Draco ist aus dem Haus, mein Mann treibt sich ständig in fremden Betten herum und ich verbringe meine Tage damit, mit meinen Orchideen zu sprechen. Soll ich darauf etwa stolz sein?"

Ihre Schultern schienen zu beben. Ihr Blick war nach draußen in die undurchdringliche Dunkelheit gerichtet.

Sanft legte Neville eine Hand auf ihren Oberarm. "Aber Sie tun doch viel Gutes!"

Narzissa antwortete nicht, aber da sie seine Hand gewähren ließ, trat er noch näher an sie heran. Er stand nun unmittelbar hinter ihr und sprach ihr beruhigend zu, sein Mund knapp hinter ihrem linken Ohr: „Und bei der Schlacht um Hogwarts haben Sie Harrys Leben gerettet. Sie haben Voldemort belogen! Wer kann denn noch mutiger sein?"

Ihre seidigen Haare verströmten einen zarten Jasmin-Duft. Neville konnte nicht anders, als mit den Fingern seiner anderen Hand langsam darüberzustreichen.

Narzissa entgegnete flüsternd: „Vielleicht derjenige, der die fürchterliche Schlange des dunklen Lords erlegt hat?"

Sie lehnte sich an ihn. Nur ein kleines Stück. Nur ein leichtes Aufeinandertreffen.

Doch als er die Wärme ihres Körpers fühlte, schien alles um ihn herum in weite Ferne zu rücken. Er versenkte sein Gesicht in ihre blonden Haare, atmete ihren wunderbaren Geruch ein. Sein Herz schlug schneller und schneller.

Ihre weichen Finger legten sich auf seine Hand, die noch immer auf ihrer Schulter ruhte. Diese kleine vertraute Berührung ließ Nevilles Atem für ein paar Sekunden aussetzen. Gerade wollte er Narzissa mit dem anderen Arm sanft umschlingen und noch näher an sich ziehen, als ihm schlagartig klar wurde, dass sie gerade dabei war, seine Hand von ihrer Schulter zu lösen.

Er zuckte zusammen. Fühlte sich ertappt. Als hätte er etwas Unerlaubtes getan.

Narzissa drehte sich von ihm weg, den Blick starr auf den Boden gerichtet. „Ich muss jetzt wirklich gehen."

Das Blut rauschte in seinen Ohren, während er hilflos zusehen musste, wie sie mit eiligen Schritten in den Gang lief und ihren Umhang vom Haken nahm. Sie zog ihn nicht an, sondern legte ihn nur schnell über den Arm, öffnete die Wohnungstüre und trat hinaus. Ohne weiteren Abschiedsgruß disapparierte sie direkt von dort.

Als die Türe mit einem leisen Klick zurück ins Schloß fiel, erwachte Neville aus seiner Starre.

Hatte er sie nun verschreckt?

War sie nur zu ihm gekommen, weil sie ihm den Ordner bringen wollte? Hatte er die Situation völlig falsch ausgelegt?

Aber sie hatte sich an ihn gelehnt! Er konnte ihren zierlichen Körper förmlich noch spüren, den Duft ihres Haares noch riechen, hatte ihre helle Stimme noch im Ohr.

....gonna miss your sweet voice, that soulful voice on the nightshift

Warum musste nur alles immer so schwierig sein!

Er stellte die Musik ab.

Ging zum Fenster und starrte eine Zeit lang in die stumme Dunkelheit, so wie sie es getan hatte.

Schließlich wandte er sich ab und nahm wieder im großen Sessel Platz. Er leerte das Glas mit dem inzwischen zu warmen Wein, hob den Ordner vom Tisch auf und begann, diesen nun genauer durchzulesen.

Eine Stunde später klappte er die Unterlagen nachdenklich zu.

So war es also gelaufen! Malfoy hatte erst dafür gesorgt, dass Ginny den Job als Leiterin des Seucheninstitutes erhalten hatte. Bei dem hohen Betrag, den er dem Institut „gespendet" hatte, war dem Ministerium ja kaum eine andere Wahl geblieben, als Lucius` Lieblingskandidatin auf den Chefsessel zu setzen.

Zugegeben, Ginny verfügte schließlich auch über die entsprechenden Qualifikationen.

Dennoch wäre ohne Malfoys Intervenieren sicher Georgia die erste Wahl für diesen Posten gewesen. Was diese mit Sicherheit wusste. Hatte sie den offensichtlichen Fehler des Ministeriums im Nachhinein korrigiert? Und Ginny beiseite geschafft – sogar im wortwörtlichen Sinne?

Neville rieb sich die müden Augen.

Er konnte sich kaum vorstellen, dass Georgia in diesem Fall einen inszenierten Selbstmord arrangiert hätte. Sie als Biochemikerin verfügte doch sicher über ganz andere Methoden!

Er schlug den Ordner noch einmal auf und blätterte den hinteren Teil durch:

Schriftverkehr mit dem bulgarischen Ministerium, ein Kaufbeleg für eine sündhaft teure Männeruhr, die Kopie von Ginnys Reisebewilligung nach Bulgarien.

So wie es aussah, war es Malfoy sehr wichtig gewesen, dass Ginny diese Forschungsreise unternehmen konnte.

Wieso? Welchen Vorteil versprach sich Lucius davon?

Und wo, zum Teufel, waren Ginnys wissenschaftlichen Aufzeichnungen zu dieser Reise?

Lag darin der Schlüssel zu diesem Fall?

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(legilimens)