Hermine drehte sich rasch um, doch sie brauchte nichts zu sagen, Harrys bedrückter Blick sagten ihr alles. Langsam stiegen Tränen in ihr auf und wie in Trance hörte sie Harrys Worte: „Es tut mir so leid Hermine!"
14. Schmerz
„Wie geht es ihr?", fragte Harry George. Dieser zuckte nur mit den Schultern und antwortete: „Keine Ahnung. Sie ist in ihr Zimmer verschwunden und nicht wieder rausgekommen." George wandte sich ab. Er und Fred waren noch immer geschockt von der Nachricht, die Harry und Arthur aus dem Ministerium mitgebracht hatten. Keiner der Familie Weasley konnte so recht glauben, dass Ron tatsächlich tot sein sollte. Harry überlegte einen kurzen Moment, ging dann aber doch nach oben in die Wohnung der Zwillinge, die direkt über dem Laden war. Er klopfte vorsichtig an Hermines Tür und lauschte. Doch er hörte nichts. „Hermine? Geht es dir gut?" Er wusste, dass dies eine völlig bescheuerte Frage war und doch hoffte er, dass Hermine ihm öffnete. Doch er hörte immer noch nichts. „Ich muss nach Hogwarts…Ich…" Harry kam sich blöd vor mit einer Tür zu sprechen setzte aber doch ein letztes Mal an: „Wenn du irgendetwas brauchst…" Dann brach er ab und wandte sich ab, um zu gehen. „Bring ihn zurück!" Hermine stand in der geöffneten Tür. Tränen rannen über ihre Wange. „Bring ihn zurück!" Harry nickte, ging auf seine Freundin zu und umarmte sie. „Das verspreche ich dir Hermine. Ich verspreche es dir."
„Also Mr. Malfoy, sie können mir doch nicht erzählen, dass ein Besuch an Phoebe McGonagalls Grab alles ist, was sie wollen?" Malfoy saß stumm und regungslos vor Lucinda. Er hatte nicht die Absicht auch nur ein Wort zu sagen. Potter würde ihm bei dieser Sache helfen. Durch einen dummen Zufall hatte er Weasley getroffen, kurz nachdem er aus Askaban entlassen worden war. Aus einem Instinkt heraus war er ihm gefolgt, bis zu der einsamen Hütte im Wald. Er hatte mehrfach aus Askaban heraus versucht mit Prof. McGonagall Kontakt aufzunehmen. Hatte sie mehrfach gebeten ihr zu sagen, wo Phoebe begraben war, doch er hatte nie eine Antwort erhalten. Als er Ron getroffen hatte, wusste er, was er tun musste. Zum einen wollte er sich für all das rächen was ihm Weasley und seine Freunde angetan hatten und zum anderen wusste er, dass er nur mit ihrer Hilfe ein letztes Mal mit Phoebe sprechen konnte. Ihr endlich sagen konnte, was er fühlte, endlich abschließen konnte. Dieses eine Mal brauchte er Potter. Lucinda redete immer weiter auf ihn ein, doch Draco hatte in Askaban gelernt um sich eine Glocke zu errichten, an der alles abprallte, was er nicht hören, sehen oder fühlen wollte. Immer dann, wenn er in Gedanken bei Phoebe war, umgab ihn diese Glocke. Er hatte sich oft gefragt, wie er die Zeit in Askaban überlebt hätte, ohne die Erinnerung an Phoebe. Sie und der Wunsch sich von ihr zu verabschieden waren das einzige, was ihn durchhalten ließ. Ohne sie hätte er den Verrat seiner eigenen Familie wahrscheinlich nicht verkraften können.
„Deine Freunde werden es nicht mögen, wenn du hier bist", sagte Draco und betrachtete Phoebe, die neben ihm im Rasen lag und auf den See starrte. „Schließlich bist du hier mit einem bösen Slytherin."
„Was kümmert es mich", gab Phoebe zurück und setzte sich auf. Sie sah Draco an und lächelte: „Ich bin nicht mal eine Schülerin dieser Schule." Ihr Blick schweifte wieder über den See. „Kannst du glauben wie schön es hier ist?", fragte sie, doch Draco betrachtete nicht das Schloss, oder den See um ihn, sein Blick ruhte einzig auf Phoebe. „Ihr habt ein wahnsinniges Glück hier unterrichtet zu werden. Ich hasse meinen Privatunterricht! Es ist so schön euch alle hier kennen zu lernen und in der Klasse gemeinsam zu lernen." Sie begann zu plaudern, doch Draco hörte nicht zu. Er betrachtete sie geistesabwesend und fuhr erst zusammen als Phoebe ihn streng ansah: „Hörst du mir überhaupt zu?" „Klar!", gab Draco sofort zurück, obwohl er keine Ahnung hatte, was Phoebe gerade gesagt hatte. „Tust du gar nicht", gab Phoebe zurück und rollte mit den Augen. „Aber das ist auch egal." Sie erhob sich aus dem Gras und reichte Draco die Hand, „denn wir haben jetzt Verwandlung." Er lächelte sie an und ergriff ihre Hand.
„Hermine?" George klopfte erst zaghaft an und öffnete dann vorsichtig die Tür. Hermine lag zusammengerollt auf dem Bett, ihre Augen waren noch immer tränenerfüllt. „Ich habe einen Brief von Neville." Als Hermine nicht reagierte, legte er den Brief auf einen kleinen Tisch und wollte sich gerade umdrehen und gehen, als Hermine leise etwas sagte: „Er fehlt mir so." George ging auf Hermine zu und setzte sich neben sie aufs Bett. Langsam ergriff er ihre Hand. „Ich…ich denke dauernd, dass wir gestritten haben…es war das letzte was…wieso habe ich ihm nicht gesagt, dass ich ihn…" Sie brach ab und kämpfte mit den Tränen, die ihr wieder über das Gesicht liefen. George drückte ihr Hand etwas fester: „Er wusste es doch Hermine! Er wusste, dass du ihn liebst. Er wusste es immer."
„Professor", Neville hatte sich zu Prof. McGonagall an den Tisch gesetzt. „Neville, sie sind ein Kollege, nennen sich mich endlich Minerva." Neville lächelte verlegen: „Haben sie etwas von Hermine gehört?", fragte er. Er hatte Hermine nach ihrer Abreise zwei Briefe geschrieben, doch er hatte bis jetzt keine Antwort erhalten. Minerva schüttelte den Kopf: „Nein, Neville. Im Ministerium heißt es nur, dass die Lösung des Falles nicht mehr weit sein soll, aber mehr weiß ich auch nicht. Tut mir leid. Aber ihre Verlobte wird sich sicher bald melden." Neville nickte und stand auf, er musste seinen Unterricht vorbereiten. Er lief gedankenversunken durch das Schloss und bemerkte zunächst nicht, dass jemand seinen Namen rief. Als er dies endlich realisierte und aufsah, blickte er in das Gesicht von Harry. „Harry, was machst du denn hier?" „Bin gerade angekommen. Hab etwas mit Prof. McGonagall zu klären." „Wie geht es Hermine?" Harrys Blick verdunkelte sich, was auch Neville sofort bemerkte. „Weißt du es noch nicht?", fragte Harry erstaunt und als Neville ihn fragend anblickte sagte er leise: „Ron ist tot!"
