„Ich komme mit dir nach London! Hermine braucht mich jetzt!" Harry nickte, stand ebenfalls auf und ging mit Neville zusammen auf das Schloss zu.
16. Seelenverwandte
Er wusste nicht, wieso er damals zu ihr gegangen war, aber tief drinnen wusste er, dass es nur diesen einen Ort gab. Es gab nur sie. Sie war die Einzige, der er jetzt noch vertrauen konnte. Er hielt sich hinter einem Baum versteckt und wartete darauf, dass die Klasse aus dem Gewächshaus kam. Als er Phoebe erblickte musste er sich zwingen, hinter dem Baum verborgen zu bleiben. Erst als der Rest der Klasse außer Sichtweite war, schnellte er hervor und fasste nach Phoebes Arm. Diese erschrak und wollte gerade schreien, als Draco seine Finger an die Lippen legte. Phoebe verstand und schwieg, als er sie mit sich zog, weg vom Schloss, weg von eventuellen Beobachtern.
„Was machst du hier?" fragte Phoebe und war geschockt, als sie ihn näher betrachtete. Er sah müde und abgemagert aus. „Alle Suchen nach dir, nachdem…"
„Ich war es nicht Phoebe! Das musst du mir glauben! Ich habe mit diesen Morden nichts zu tun."
„Warum sollte ich dir glauben, Draco? Alle sagen, dass du es warst, meine Tante, Harry und seine Freunde, einfach alle." Sie sah ihn eindringlich an.
„Ich liebe dich!" war alles was Draco auf diese Frage zu entgegnen hatte. Er wusste, dass es nicht die Amtwort auf ihre Frage war, aber in diesem einen Moment erschien es ihm so, als sei es die einzige Antwort, die er im Stande war zu geben. Er hatte lange mit sich gehadert, ob er nach Hogwarts zurückkehren sollte. Nach all dem was passiert war. „Meine Familie hat mir das alles angehängt, um selber davonzukommen. Ich…Glaubst du wirklich ich könnte so etwas tun?"
Für einen kurzen Moment hatte er Angst, doch dann schüttelte Phoebe energisch den Kopf, und umarmte Draco. „Ich hab dich so vermisst!"
„Ich dich auch", sagte Draco, zog Phoebe etwas näher an sich und küsste sie.
Schon als Harry und Neville bei den Zwillingen ankamen, wusste er, dass es keine gute Idee gewesen war Neville mitzunehmen. Hermine war völlig apathisch und wollte niemanden sehen. Harry konnte förmlich sehen wie ihre Ablehnung Neville schmerzte. Neville hatte viel durchgemacht, seit sich Hermine für ihn entschieden hatte und jetzt musste er mit ansehen, wie sich Hermine auch noch nach Rons Tod gegen ihn entschied. Harry konnte sich vorstellen, wie sehr das schmerzen musste. Doch er hatte keine Zeit, sich um Neville zu kümmern. Er musste zurück ins Ministerium und mit Lucinda reden.
„Ich lasse sie nicht alleine gehen, Potter!" Harry war von Anfang an klar gewesen, dass Lucinda dabei sein wollte. Doch er wusste auch, dass der Deal mit Malfoy dann nicht zustande kommen würde.
„Ich MUSS alleine gehen. Ich kenne Malfoy, er wird den Deal platzen lassen, wenn wir nicht nach seinen Regeln spielen."
Lucinda schnaubte verächtlich: „Dieses kleine…", doch sie sprach nicht weiter. Sie war es gewohnt in allem die Oberhand zu haben, doch jetzt musste sie erneut feststellen, dass es Malfoy war, der alle Trümpfe in der Hand hielt.
„Ich habe mit Prof. McGonagall gesprochen, sie ist einverstanden. Ich habe ihr mein Wort gegeben auf Malfoy aufzupassen und ich habe nicht vor das zu brechen. Vertrauen sie mir in dieser Sache!" Harry erkannte in Lucindas Augen, dass sie zwar erkannte, dass dies die einzige Möglichkeit war, es aber zutiefst verabscheute die Verantwortung abzugeben.
„Mir gefällt das alles nicht Potter und das wissen sie!" Und wie Harry das wusste. Ihm gefiel das selber nicht sonderlich, aber auch er sah schon lange keine andere Möglichkeit mehr.
„Es ist gut, dass du da bist", sagte George, als Neville aus Hermines Zimmer kam, wo diese sich immer noch nicht rührte, sondern einfach nur die Wand anstarrte.
„Bist du dir da sicher", Neville fühlte sich schlecht, seit er Hermine gesehen hatte. Er war darauf vorbereitet gewesen, dass die Nachricht von Rons
plötzlichem Tod sie mitnehmen würde, doch er war nicht darauf vorbereitet gewesen, dass sie sie so mitnahm. Sie hatte sich völlig zurückgezogen. Fast so, als wäre ein Teil von ihr mit Ron gestorben. Auch wenn er wusste, dass es falsch war, war er eifersüchtig. Eifersüchtig auf die Gefühle, die Ron auch nach seinem Tod noch in ihr auslöste. Er hatte gelernt mit der Angst zu leben, dass sie eines Tages aufwachen und erkennen würde, dass er, Neville, eben nicht Ron war, doch er war nicht auf diese Situation vorbereitet.
„Sie beruhigt sich und dann wird sie dankbar sein, dass du da bist und ihr hilfst", versuchte George Neville zu beruhigen.
„Ich hatte immer Angst, dass sie mich verlässt. Ich wusste, dass sie ihn immer geliebt hat, doch…" Neville brach ab und rieb sich die Augen, um seine Tränen zu verbergen. „Ich habe immer versucht ihr alles zu geben, aber…" Er brach erneut ab und sagte dann mit matter, belegter Stimme: „Sie waren Seelenverwandt."
Harry öffnete die Tür zu Malfoys Verlies, dieser sah ihn grinsend an: „Na, Potter, wie geht es dem dreckigen Schlammblut?" Harry war kurz davor seine Beherrschung zu verlieren, doch dann besann er sich darauf, dass er Malfoy noch brauchte.
„Morgen früh Malfoy. Wie du es willst, nur du und ich und das Grab von Phoebe. Das Ministerium wird dich mit einem Verwirrzauber belegen, damit du den Weg zu Phoebes Grab nicht noch einmal findest. Du wirst alle Zeit dort bekommen, die du brauchst und dann wirst du mir verraten wo Ron ist!" Harry wollte sich keine weiteren Kommentare von Malfoy anhören und verließ ohne auf eine Reaktion zu warten das Verlies.
„Und?" Lucinda wartete bereits auf ihn. „Morgen früh, belegen sie ihn vorher wie besprochen mit dem Verwirrzauber", entgegnete Harry. „Er wird keine Schwierigkeiten machen." Zumindest hoffe das Harry inständig.
„Der Verwirrzauber lässt sich arrangieren." Harry nickte dankend und massierte sich die Schläfen. Er war müde und erschöpft. Seit der Sache mit Ron hatte er nicht mehr richtig geschlafen. „Geht es ihnen gut Potter?" Harry nickte nur, auch wenn es ihm eigentlich alles andere als gut ging. „Gehen sie ins Bett, ich brauche sie morgen fit und ausgeschlafen." Harry nickte erneut und begab sich dann in Richtung der Fahrstühle. Alles was er heute noch wollte, war in sein Bett zu fallen.
