Liebe Leser!
ähäm, räusper, es tut mir wirklich leid, hüstel.
Ich weiß ja, Ihr liegt alle noch quasi mit Lucius und Hermine in den Federn und träumt von weiteren Spielchen.
Und ich hab jetzt die undankbare Aufgabe, Euch ganz dezent darauf hinzuweisen, dass es hier auch noch einen Krimi gibt. Grins.
Also
HAAAALOOOO! AUFGEWACHT aus den süßen Träumen!
Weiterrätseln ist angesagt!
Mir persönlich kommt Neville nach diesen intensiven Quarantäne-Kapiteln etwas farblos vor. Deshalb bin ich auch heilfroh über die von Feuerbohne aufgeschriebenen Einträge hier. Das ist doch wieder Futter für die Krimifreunde.
Nicht traurig sein, Hermine und Lucius sind im nächsten Kapitel schon wieder dran. Meine beiden Mit-Blüten haben sich ja inzwischen bei den beiden richtig in Fahrt geschrieben! Hihihi. Ich hab immer jede Menge Spaß beim lesen!
Eigentlich gemein für Neville, dass er mit mir ausgerechnet die Kurzschreiberin des Trios verpasst bekommen hat.
Vielleicht wäre es gerechter gewesen, zwei Handlungsstränge auch von insgesamt vier Personen schreiben zu lassen.
Aber dass sich DREI Frauen so gut verstehen wie wir ist schon selten genug!
Viel Spaß!
Legi
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05.11.2005 9.00 Uhr
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„Dann mußt du eben nochmal suchen!" hatte sie gesagt. Toller Tipp! Als ob er das nicht selbst gewusst hätte. Sie hatte ja leicht reden, saß gemütlich im Krankenzimmer von St. Mungos, drehte wahrscheinlich den ganzen Tag nur Däumchen und langweilte sich fürchterlich. SIE musste sich auch nicht vor Harry, den Auroren-Kollegen oder vielleicht sogar vor Ginnys Eltern verteidigen, warum der Fall immer noch ungelöst vor sich hin dümpelte.
Nun stand Neville also wieder am Tatort. Sämtliche Schränke und Schubläden hatte er gründlich durchsucht – wie schon die Spurensicherung vor ihm - und ebenso erfolglos.
Weit und breit keine Spur von irgendwelchen Forschungs-Aufzeichnungen.
So würde er nicht weiter kommen.
Wenn Ginny die Unterlagen hier in ihrer Wohnung versteckt haben sollte, dann sicher an einem magischen Platz.
Langsam schlenderte er durch die Räume. Auf dem Regal im Wohnzimmer stand eine ganze Armee von Fotos. Familienaufnahmen, das hatte er nicht anders erwartet. Er musste lachen, als er Ron aus mehreren Bildern eifrig winken oder auch mal grimmig zu Boden starren sah.
Aufnahmen von Ginnys mit ihren Arbeitskollegen vom Institut oder sogar von Malfoy waren nicht vorhanden. Dafür zahlreiche Fotos aus der Schulzeit. Viele bekannte Gesichter grinsten Neville vom Regal entgegen.
Er selbst war allerdings auf keinem der Bilder zu sehen.
Dabei waren damals auf dem Weihnachtsball doch viele Aufnahmen gemacht worden!
Er konnte sich noch an jede Minute dieses Abends erinnern. Schließlich war das eine der seltenen Gelegenheiten in seiner Schulzeit auf Hogwarts gewesen, in denen andere Schüler bewundernd zu ihm aufgesehen hatten.
Das Tanzen war ihm von der ersten Stunde bei McGonagall an leicht gefallen. Er hatte nicht erst mühsam zählen müssen, welcher Takt gerade gespielt wurde, sondern Walzer, Foxtrott oder Quickstep sofort auseinander halten können. Und seine Füße hatten seltsamerweise die Bewegungen auch wie von alleine aufgeschnappt. Ganz mühelos.
Wenn er nur an das angestrengte Gesicht von Harry bei dessen pflichtmäßigem Eröffnungstanz dachte!
Neville musste schmunzeln angesichts dieser Erinnerung.
Ginny – seine Tanzpartnerin.
Ein glänzendes, enges Kleid hatte sie getragen, das sich unangenehm rau und kalt unter seinen Händen angefühlt hatte. Erst war es seltsam gewesen, sie so nah an sich heranzuziehen. Doch anders waren die schnellen Drehungen nun mal nicht zu bewältigen gewesen. Im Gegensatz zu ihm hatte sie zu keinem Moment nervös gewirkt. Logisch eigentlich, schließlich war es für SIE nicht der erste nähere Kontakt mit dem anderen Geschlecht gewesen!
Doch im Laufe des Abends waren sie zu einem eingespielten Team zusammengewachsen. Er hatte noch ihr Lachen bei den flinken Rumba-Drehfiguren im Ohr, sah ihr langes, rotes Haar bei der Tango-Beugung nach unten fallen.
Sie hatten wirklich ein harmonisches Paar abgegeben!
Hatte er gedacht.
Bis sie ihm am nächsten Tag unmissverständlich klar gemacht hatte, dass er da einem Irrtum aufgesessen war. Und sie sich wieder den offenbar „cooleren" Typen zugewandt hatte.
Neville hatte seine Wanderung durch Ginnys Wohnung fortgesetzt. Inzwischen war er im Schlafzimmer angekommen. Er setzte sich vorsichtig auf das breite Bett, welches sofort ein gluckerndes Geräusch von sich gab. Ein Wasserbett? Sollte das am Ende sogar eins von Malfoys geschmacklosen Geschenken sein? Und Ginny hatte hier mit ihm…..?
Schluss!
Er war hier, weil er die Aufzeichnungen suchte!
Neville zwang sich zur Konzentration. „In die Person hineinfühlen!", das hatten die Dozenten an der Akademie doch immer gepredigt. Und hier hatte er den Vorteil, diese Person sogar zu kennen. Also – wie würde Ginny etwas magisch verstecken?
Die Enthüllungszauber der Spurensicherung hatten nichts gefunden.
Gab es irgendetwas, das Ginny besonders gut gekonnt hatte?
Natürlich!
Ärgerlich schlug er sich mit der Hand auf das rechte Knie.
Warum war er da nicht gleich draufgekommen?
Der Flederwicht-Zauber! Den hatte Ginny während ihrer Schulzeit perfektioniert. Sogar noch mehr: Sie hatte ihn so abgewandelt, dass die Flederwichte nur noch die Größe von Zwergen hatten und sie ihnen sogar Befehle erteilen konnte. War das nicht sogar einer der Gründe gewesen, warum sie in den Slug-Club aufgenommen worden war?
Er richtete seinen Zauberstab aufs Geratewohl in den Raum und hoffte, den Spruch auch nach so langer Zeit noch richtig hinzubekommen. „Alliodwarfa!"
Ein lautes Knacken, dann erschien tatsächlich ein kleines, geflügeltes Wesen an der Zimmerdecke und stieß sofort einen ohrenbetäubenden Schrei aus. Neville legte den Kopf in den Nacken, um es besser beobachten zu können. Der Flederwicht fletschte seine spitzen Zähne und schien ihm aus schmalen, roten Augen böse Blicke zuzuwerfen, während er ihn schrill kreischend in der Luft umkreiste.
Schließlich wurde es Neville zu bunt. Er richtete den Zauberstab auf die magische Kreatur und befahl mit lauter Stimme: „Zeig mir das Versteck!"
Noch ein gellender Schrei, ein unwilliger Blick, doch dann flatterte das Wesen in eine Zimmerecke und vollführte mit den Armen kreisförmige Bewegungen vor der Wand. Staunend sah Neville mit an, wie sich genau dort ein Loch in der Mauer auftat. Der Flederwicht flog näher an die Öffnung, griff hinein und zog eine Mappe heraus, die er mit einer blitzschnellen Bewegung in Nevilles Richtung schleuderte. Dann stellte er seine Flügeln schräg nach oben, segelte im Sturzflug knapp über Nevilles Kopf hinweg und auf das Fenster zu. Kurz bevor er es erreicht hatte, verwandelte sich seine Gestalt in grauen Nebel, der sich in Sekundenschnelle auflöste.
Neville, der das Schauspiel fasziniert beobachtet hatte, wandte sich nun der Mappe zu, die er instinktiv aufgefangen hatte.
Gespannt schlug er die erste Seite auf.
Es waren handschriftliche Aufzeichnungen, die wie hingeworfen wirkten. Auch die Art und Weise, wie sie geschrieben waren, deuteten darauf hin, dass es sich eher um eine Art Tagebuch handelte.
18. Mai
Ich fass es nicht! Die haben hier Pesterkrankte!!! Streng isoliert – und wenn ich den Assistenten richtig verstanden habe, der mir die Unterlagen dieser bedauernswerten Patienten gebracht hat, mit Absicht infiziert! Aber sie haben Forschungsobjekte!
Obwohl es mich als Wissenschaftlerin ungemein reizt, am lebenden Objekt zu forschen: Man kann doch nicht einfach gegen alle ethischen Grundsätze der Medizin verstoßen!
***
Neville riss den Kopf hoch.
Das hier waren die Aufzeichnungen von Ginnys Reise nach Bulgarien! Die im offiziellen Ordner fehlten! ER hatte sie gefunden!
Aber warum wirkten die so inoffiziell? So emotional? So, als wären sie noch nicht ins Reine geschrieben worden?
***
19. Mai
Ich bin entsetzt! Über die Tatsache an sich, über die Zustände im Allgemeinen!
Das bulgarische Zaubereiministerium sammelt Freiwillige für Forschungszwecke, die sich gegen ein geringes Entgelt infizieren lassen!
Und entgegen sämtlicher Richtlinien für Forschungen werden die Probanden nicht über die Art der zu testenden Krankheit aufgeklärt! Dabei ist es Rattenblut, welches ihnen injiziert wird!
Die Labors hier verfügen über einen Vorrat an infizierten Ratten!
Dann kommen die infizierten Menschen in Isolierung und werden beobachtet. Bis zum Tod. Es wird definitiv nichts gemacht! Keine Behandlung oder Linderung wie Stärkungstränke. Sie werden nur beobachtet und ein Blutbild nach dem anderen erstellt, um den Erreger zu isolieren.
Es ist mehr als zweifelhaft, dass mit diesen Methoden aussagekräftige Ergebnisse erzielt werden. Eine Erkrankung, die per Blutuntersuchung nachgewiesen werden kann, würde sich mit größter Wahrscheinlichkeit auch auf Muggel ausbreiten. Das Problem scheint mir jedoch, wie schon lange vermutet und in der Literatur betont, rein magischer Natur zu sein.
Dr. Slawitz hat mir heute gesagt, sie hofften, dass einer der Erkrankten die Seuche überlebe, damit man Antikörper gegen Pest erhalte, um endlich einen Impfstoff entwickeln zu können. Bis jetzt seien aber alle Infizierten gestorben.
Wie können die hier dabei völlig ungerührt zusehen, wie diese armen Menschen langsam aber sicher sterben?
***
Neville musste sich hinsetzten. Er konnte sehr gut verstehen, warum Ginny diese Aufzeichnungen nicht offiziell bei ihren Unterlagen aufgehoben hatte.
Er ließ sich auf Ginnys Bett sinken, legte den Ordner auf die Oberschenkel und las mit Entsetzen weiter.
***
21. Mai
Heute gab man mir die Gelegenheit, einen der Infizierten, einen etwa vierzigjährigen Mann, zu untersuchen. Seine Erkrankung ist schon weit fortgeschritten, sein Allgemeinzustand sehr schlecht. Erwartungsgemäß war er nicht mehr magisch. Sein Exitus wird bereits in den nächsten Stunden erwartet.
Ich sah keinen Sinn darin, ihm schon wieder Blut abzunehmen, deshalb habe ich lieber ein ausführliches Anamnese-Gespräch geführt.
Er sprach von seinem Leben, erzählte von dem tragischen Verlust seiner Familie vor acht Jahren und dass ihn das völlig aus der Bahn geworfen habe.
Als ich ihn zu seinen Lebens- und Wohnverhältnissen näher befragte, sagte er etwas sehr Interessantes:
„Ich habe nachts seltsame Träume. Irgendetwas kreist über mir. Aber wenn ich näher hinschauen will, verschwindet es." Als ich nachhakte, sagte er, dass sich dieser Traum wiederhole. Nacht für Nacht, seit er krank geworden sei.
Danach war er so erschöpft, dass ich das Gespräch beenden musste. Wenn er morgen noch lebt, will ich mich nochmals mit ihm unterhalten.
22. Mai
Der Mann war tot, als ich heute nach ihm fragte.
25. Mai
Mein Antrag, mit anderen Infizierten sprechen zu dürfen, wurde bewilligt. Man registriert mit Verwunderung und Misstrauen, dass ich keine Untersuchungen vornehmen will. Aber ich scheine hier als harmlos zu gelten, deswegen habe ich freien Zugang zu den Erkrankten. Zur Zeit sind das vierunddreißig (von ehemals fünfzig Infizierten), überwiegend Männer, mit denen ich sprechen darf.
29. Mai
Heute ist mein letzter Tag hier. Es gibt auch fast nichts mehr zu erforschen. Bei der Hälfte der vor ein paar Tagen noch lebenden Infizierten hat die Krankheit einen letalen Verlauf genommen. Und der Rest ist so krank, dass man den Gedanken, auch nur einen einzigen Überlebenden zu haben, aufgegeben hat. Die Forschungen hier wurden inzwischen eingestellt. Man ist ratlos.
Für die Bulgaren, die sich durch mich neue Erkenntnisse aus dem modernen Ausland versprochen haben, scheine ich eine Enttäuschung zu sein. Man beachtet mich kaum mehr.
Soll mir recht sein, ich habe nämlich eine interessante Feststellung gemacht: Alle Infizierten berichten von den gleichen Träumen, die sich häufen, je schwächer sie werden. Mein Verdacht geht in die Richtung, dass diese Träume mit dem Verlust ihrer Energie zu tun haben. Erst die magische, dann die Lebensenergie.
Ich habe diese Beobachtung mit Dr. Slawitz besprochen, der hier mein betreuender Wissenschaftler ist, aber der wusste es natürlich besser: „Halluzinationen im Delirium. Typisch für den Verlauf."
Typisch für den Verlauf? Ja, das meine ich auch. Ich will jetzt, ehe ich abreise, einen letzten Besuch machen. Mister Horotzki befindet sich im Endstadium, kann kaum mehr sprechen. Aber er hat mir mit seinen Händen gezeigt, in welcher Bewegung sich die 'Kreise' über ihm drehen.
Als ich meinen Zauberstab in diese 'Kreise' hineinhielt, konnte ich etwas spüren: ein leichtes Vibrieren.
Jetzt habe ich mir einen ungeeichten Stab besorgt, wie man sie hier früher für Squib-Experimente benutzt hat. Mit diesem Stab möchte ich eingehende Tests durchführen. Wenn der auch reagiert, obwohl er mit meiner Magie nichts zu tun hat, dann reagiert er wohl auf die Magie des Mannes, die doch eigentlich gar nicht mehr vorhanden ist. Diese 'Kreise' - ich habe den Verdacht, dass die Patienten sehen können, wie ihre Energie sie verlässt!
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Neville ließ das Blatt sinken: Auf diese Art hat Ginny den Schnelltest entwickelt? Er warf einen Blick auf das Datum: Mai – zumindest der Zeitpunkt kam hin!
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23. Oktober
Es wird an eine Ausweitung der Quarantäne gedacht. Geht es nämlich weiter wie bisher, ist die Isolierstation in St. Mungos demnächst heillos überfüllt. Man hat jetzt bereits begonnen, mehrere Patienten in ein Zimmer zu stecken.
Bisher sind jedoch alle Ausbaupläne noch unklar und werden nur in Insiderkreisen diskutiert.
Ich habe mit Recherche begonnen, auf der Suche nach einem Heilmittel.
Die Geschichtsbücher sind voll davon. Im Laufe der Zeit wurden die verrücktesten Sachen ausprobiert in der Hoffnung, sich von der Pest befreien zu können. Das Witzigste, was ich bisher finden konnte, war die Annahme, dass Jungfrauenspeichel heilend sein könnte. Na, das wird ein Gespucke gewesen sein!
Ich jedoch bin inzwischen bei ernsthaften Recherchen angelangt. Es gibt da eine Substanz, der nachgesagt wird, magische Verletzungen heilen zu können: Custoda Venefica. Ich habe leider bisher weder eine Zeichnung noch eine Beschreibung dieser Substanz finden können. Ist es ein pflanzlicher Stoff, künstlich hergestellt ...? Alles ist möglich.
Meine Hoffnung liegt nun darin, im Universitätsarchiv diesbezüglich fündig zu werden.
24. Oktober
Heute Nacht ist – wahrscheinlich - in mein Büro eingebrochen worden. 'Wahrscheinlich' deswegen, weil der Schließzauber heute Morgen anders funktioniert hat als an den Tagen zuvor. Ich meine, ich weiß doch, wie ich meine Türe sichere. Heute war es anders. Allerdings war meinem Büro nichts anzumerken.
Ich habe es nicht gemeldet, weil ich mir komisch dabei vorkommen würde. Was soll ich auch sagen: „Ich weiß nicht, ob bei mir eingebrochen wurde?" Die erklären mich doch alle für durchgedreht. Wäre auch kein Wunder, so viel, wie ich dieser Tage arbeite!
30. Oktober
Meine Forschungen stagnieren, weil ich diese Substanz nicht auftreiben kann.
In der einschlägigen Literatur habe ich leider nichts finden können, und der Spezialist für diese Stoffe, ausgerechnet Snape! ist zurzeit in Urlaub. Ich bin vom Pech verfolgt!
Ich muss weiter fahnden. Vielleicht kann mir Slawitz helfen!
Abend
Hier ist Merkwürdiges im Gange! Ich weiß nicht recht, wie ich das einschätzen soll, aber die Zeit läuft mit weg!
Ich muss weiter arbeiten! Wenn sich nur endlich Slawitz melden würde!
31. Oktober
Es ist schon wieder eingebrochen worden! Diesmal in meine Privatwohnung!
Ich habe heute Nacht Stimmen und Schritte gehört. Zuerst dachte ich, das wären die Nachbarn, aber dann hat eine Türe geknarzt. (Meine Arbeitszimmertüre hat neulich einen unwilligen Tritt von mir bekommen. Seitdem macht sie dieses Geräusch. Ich habe es augenblicklich erkannt.)
Mit meinem Zauberstab bin ich sofort laut rufend dorthin gelaufen. Aber ich habe nur noch das typische Apparier-Geräusch gehört.
Wieder hat nichts gefehlt!
Allerdings habe ich einen Hinweis bekommen, denn ich habe ein paar Stimmfetzen verstehen können. Das heißt, ich habe sie nicht verstanden, nur die Sprache, in der sie gesprochen worden sind. Es war bulgarisch!
Jetzt bin ich mir sicher: Sie sind mir auf den Fersen!
Ich brauche Dr. Slawitz!
1. November, Malfoy! Ganz genau anschauen!
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Neville blickte vom Ordner auf. Ein zufriedenes Lächeln breitete sich über sein Gesicht aus.
ER HATTE IHN!
Dieser fahrige, handschriftliche Eintrag von Ginny an ihrem Todestag – offensichtlich in großer Hektik oder Panik ergänzt - war das fehlende Indiz! Ginny hatte Malfoys Machenschaften durchschaut und diese Aufforderung hier versteckt! Für den Fall, dass sie diese Erkenntnis mit dem Leben bezahlen würde!
Das war Hinweis genug für eine Verhaftung. Endlich!
Er sprang auf, riss seinen Rufspiegel hervor - hielt dann plötzlich in der Bewegung inne.
Seine Mundwinkel rutschten wieder nach unten.
Malfoy als Mörder? Sicher, die Indizien belasteten Lucius und er würde diesen auf jeden Fall in Haft nehmen, sobald die Inkubationszeit um war.
Aber es gab noch viel zu viele Unklarheiten.
Dieser letzte Satz: Hatte Ginny damit gerechnet, dass jemand von ihren Freunden nach den Unterlagen suchen und den Hinweis entdecken würde? Sicher hatte sie auf ihre Freundin Hermine gebaut. Doch warum hatte sie dieser ihren Verdacht gegenüber Malfoy nicht schon eher und auf direktem Wege mitgeteilt?
Unwillig runzelte Neville die Stirn, als ihm ein neuer Gedanke kam. Harry war doch auch hier am Tatort gewesen, wieso hatte der nicht das Flederwicht-Versteck gefunden? Immerhin war er Ginny doch sehr nahe gestanden und musste diesen Spruch kennen! Oder hatte er sich einfach auf die gründlichen Kollegen von der Spurensicherung verlassen?
Noch einmal setzte Neville sich hin und blätterte den schmalen Ordner durch, doch da war sonst nichts. Nur diese tagebuchartigen Aufzeichnungen.
Aber kein Hinweis auf den Verbleib der richtigen, sachlichen, wissenschaftlichen Forschungsergebnisse. Es mussten doch noch viel mehr Unterlagen vorhanden sein! Tabellen, Diagramme, Versuchsbeschreibungen und die detaillierten Aufzeichnungen dazu.
Neville nickte langsam, er hatte eine Ahnung, wo diese waren. Bei der verschwundenen Leiche! Nur das machte Sinn!
Ginnys Leiche barg offensichtlich ein Geheimnis, und das war für den Täter wohl ebenso interessant wie ihre Ergebnisse.
Er klappte den Ordner zu, steckte ihn in seine Aktentasche und fuhr sich mit der Hand übers Gesicht.
So viele offene Fragen gab es noch, so viele Ungereimtheiten, so viele fehlende Steinchen im Mosaik dieses Falles!
Er würde weiterhin in alle Richtungen ermitteln müssen. Das stand fest.
Aber jetzt galt es erst einmal, Kontakt mit den Heilern im aufzunehmen. Malfoy hatte auf jeden Fall seine Hände mit im Spiel gehabt, er durfte nach der Quarantäne nicht einfach auf freien Fuß kommen.
Neville atmete tief durch und klappte dann entschlossen den Rufspiegel auf….
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(Neville von Legilimens, Tagebuch von Feuerbohne)
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