„Ein Schließfach. Malfoy hat mich zu einem Schließfach in Kings Cross geschickt und dort habe ich das hier gefunden." Harry hielt zwei Fläschchen hoch in denen Fred, George und Neville sofort Erinnerungen erkennen konnten.
18. Dracos Vermächtnis
Hermine hatte darauf bestanden sich die Erinnerungen mit Harry zusammen anzusehen, auch wenn Harry das für keine gute Idee hielt. Sie waren beide zum Ministerium appariert um dort das Denkarium eines hohen Beamten zu nutzen.
„Bist du dir sicher, dass du das schaffst Hermine?" Harry war besorgt, Hermine war seit Rons Tod in sehr schlechter Verfassung und er wollte nicht riskieren, dass sie sich zu viel zumutete. Dafür war sie ihm viel zu wichtig.
„Gieß endlich diese verdammte Erinnerung ins Denkarium. Ich will endlich wissen, was mit Ron passiert ist!" Harry tat wie ihm geheißen, goss Malfoys Erinnerung in das Denkarium und tauchte mit Hermine zusammen tief ein.
Draco war Ron nun schon eine beachtliche Zeit gefolgt und fragte sich langsam aber sicher zu welcher Einöde er wohl wollte. Als er von weitem eine sehr heruntergekommene Hütte sah, lächelte er süffisant: Das passte zu Weasley. Eine schier endlose Zeit verbrachte Malfoy damit in der Hütte auf Ron zu warten, der sich anscheinend nicht von dem Anblick der Bäume loslösen konnte. Doch dann war er plötzlich da, machte Feuer im Kamin und hatte wenig später auch schon entdeckt, dass er nicht alleine war.
Harry bemerkte wie sich Hermine bei dem Anblick, der sich ihr bot verspannte und ergriff ihre Hand. Er hatte gewusst, dass es keine gute Idee war, sie mitzunehmen, die Erinnerungen von Malfoy gemeinsam anzusehen. Er hätte das alleine machen sollen, um ihr diesen Schmerz zu ersparen. Wie gelähmt sah Hermine nun, wie Draco Ron erst mit einem Klammerzauber und schließlich mit dem Cruciatus-Fluch belegte.
„Der war für Phoebe!", sagte Malfoy gehässig und betrachtete Ron, der vor ihm lag und sich nicht gegen das wehren konnte, was ihm angetan wurde. „Damit du niemals vergisst, dass du auch Schuld an ihrem Tod trägst!" Draco ging langsam vor Rons bewegungslosem Körper hin und her: „Ich hatte in Askaban viel Zeit, um mir zu überlegen, wie ich dich am besten für das bestrafen kann, was du ihr und mir angetan hast und du weißt genauso gut wie ich, dass ich die Macht hätte, dich mit einem einzigen Zauber umzubringen. Doch das werde ich nicht tun. Vielmehr wirst du mir helfen Phoebe ein letztes Mal zu sehen. Du und deine Freunde werdet mir helfen und nebenbei wird das dreckige Schlammblut erfahren wie es ist den Menschen zu verlieren, den man am meisten liebt. Ich werde diese Hütte mit einem Bann belegen und sobald das geschehen ist, wird sich der Klammerzauber lösen und du wirst dich hier frei bewegen können. Wenn deine Freunde mir geholfen haben Phoebes Grab zu finden, wirst du frei sein. Sobald ich tot bin, ist der Bannzauber gelöst."
„Er lebt noch?" Hermine drehte sich energisch zu Harry um, „Er lebt noch! Wir…wir müssen sofort…" Harry ließ sie nicht ausreden, vielmehr zog er Hermine an der Hand hinter sich her und folgte Malfoy aus der Hütte. Dieser begann sogleich den angekündigten Bann auf die Hütte zu legen.
„Ich hätte dich lieber umgebracht Wealsey! Dich und deine dreckige Schlammblutfreundin. Aber ich habe es Phoebe versprochen."
Und dann standen Hermine und Harry wieder im Ministerium. Nachdenklich starrte Harry auf das Denkarium. Er hatte nicht erwartet so etwas zu sehen. Malfoy, der sich menschlich verhielt. „Harry! Harry!" Hermine riss ihn aus seinen Gedanken. „Harry, wir müssen sofort zu dieser Hütte! Er lebt noch! Verstehst du!" Harry nickte. „Geh und hole Mr. Weasley. Führe ihn zu der Hütte und hole Ron, ich hab hier noch was zu erledigen." Kaum hatte Harry diese Worte ausgesprochen, war Hermine verschwunden. Beseelt von der Hoffnung, dass Ron noch lebte. Harry aber wollte erst die zweite Erinnerung ansehen, die Malfoy hinterlassen hatte. Er war sich sicher, dass er sie brauchte, um das alles verstehen zu können. Langsam entkorkte er das kleine Gefäß und ließ dann die Erinnerung in das Denkarium gleiten.
Harry kannte diese Szene. Er war dabei gewesen. Es war der Tag von Phoebe McGonagalls Tod. Er sah, wie Draco und Phoebe sich im Schutz eines Baumes unterhielten.
„Du musst dich stellen! Du musst ihnen die Wahrheit sagen! Sag es Dumbledore!" Phoebe redete heftig auf Draco ein, doch der blockte sogleich ab.
„Glaubst du im Ernst mir würde irgendjemand glauben. Es war meine Familie. Verstehst du, die Menschen, von denen ich immer dachte ich könnte ihnen vertrauen haben mir diese Morde angehängt. Keiner würde mir glauben, nicht nach all dem was passiert ist. Nicht nach all dem…"
„Ich habe dir geglaubt!" Phoebe ergriff seine Hand. „Ich habe dir geglaubt!" Draco wollte gerade etwas erwidern, als Ron, Hermine und Harry dazukamen.
„Was macht der hier?" Ron hatte bereits seinen Zauberstab gezückt. „Wie kommt dieser Mörder auf das Gelände?" Hermine legte ihm eine Hand auf die Schulter, um ihn zu beruhigen, während Phoebe sich schützend vor Draco stellte.
„Er hat nichts getan. Er ist unschuldig. Bitte Ron, steck deinen Zauberstab wieder ein."
„Na Malfoy, zu schwach dich selbst zu verteidigen?", fragte Ron höhnisch und erreichte damit genau das, was er erreichen wollte. Draco zog seinen Zauberstab und trat hinter Phoebe hervor. Die beiden fixierten sich lange, dann sprach Ron den ersten Zauberspruch, der Draco jedoch verfehlte. Draco schubste in einem Reflex Phoebe von sich weg: „Verschwinde!" schrie er sie an. „Bring dich in Sicherheit." Harry versuchte unterdessen Ron davon zu überzeugen seinen Zauberstab fallen zu lassen, doch es nutzte nichts. Sowohl Ron, als auch Draco machten sich bereit für den nächsten Angriff.
Harry, der etwas Abseits neben Phoebe stand, die auf dem Boden kauerte hörte wie sie verzweifelt schrie um die beiden Streithähne zu trennen. Dann sah er wie sie aufstand und nach vorne stürmte, um sich zwischen Ron und Draco zu stellen. Sie erreichte die beiden gerade, als beide erneute Flüche abgegeben hatten. Harry hatte bis heute den Gesichtsausdruck von Phoebe nicht vergessen, als beide Flüche sie trafen und sie zusammenbrach. Doch heute, betrachtete er auch Malfoy und mit einem Mal wurde ihm klar, wieso er unbedingt Abschied nehmen wollte.
„Phoebe!" Draco ließ sofort seinen Zauberstab sinken und rannte zu Phoebe, die ein paar Meter von ihm entfernt zusammengebrochen war. „Geht es dir gut?" Er hatte ihre Hand ergriffen. „Es ist OK", flüsterte Phoebe. „Es ist OK. Ich liebe dich, Draco." Draco beugte sich vor und flüsterte leise: „Ich dich auch, Phoebe. Ich dich auch."
„Versprich mir, dass du verzeihst. Versprich es mir, OK? Keine Rache. Du musst es versprechen…" Draco nickte nur.
Was nun kam, kannte Harry bereits. Draco versuchte trotz seines Versprechens Ron zu stellen, verschwand dann aber, als die ersten Lehrer auftauchten. Er tauchte erst wieder beim Kampf gegen Voldemort auf. Damit endete die Erinnerung und Harry stand wieder im Ministerium. Jetzt verstand er. Er wollte das letzte Versprechen, dass er Phoebe gegeben hatte nicht brechen. Er musste sie wirklich geliebt haben.
