Liebe Leser!
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Ein bisschen plagt mich das schlechte Gewissen ja schon! Da müsst ihr EWIG warten, bis Neville mal wieder in Erscheinung tritt, nur um ihn gleich wieder abtreten zu sehen. Dabei hat er doch so aufschlussreiche Aufzeichnungen gefunden.
Wie schön könntet ihr jetzt noch immer spekulieren, wenn sich nicht schon wieder Lucius und Hermine vordrängeln würden. Die beiden haben zwar schon eine Menge 'Beziehungsarbeit' *lach* geleistet, fertig sind sie damit aber noch lange nicht.
Allerdings, für die heutige Lektion dürfen beide angezogen bleiben!
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Aber noch ein Krimi-Wort: Wir legen hier Fäden aus, die, würden wir sie alle weiter verfolgen, eine SEHR lange und SEHR breite Geschichte ergäben. Aber wir wollen ja auch irgendwann einmal zu einem Ende kommen. Aus diesem Grund haben wir uns auf zwei Handlungsstränge festgelegt: Den Krimiteil mit Neville und den Romanzenteil mit Lucius und Hermine. Beide Stränge werden ordentlich zu Ende geführt (und miteinander verquickt und verbunden und wieder auseinander gezerrt und ...).
Das heißt, es wird, für alle Detektive hier, auch Handlungsfäden geben, die eben nicht weitergesponnen werden. Die offen herumliegen und darauf warten, dass sich jemand ihrer erbarmt.
So wie Zuckerdrache, die uns bereits gezeigt hat, wie Lucius damals dazu gekommen ist, sich einer Sterilisation zu unterziehen. Oder wie Hedril und Dark Fay alias Neem, die alternative Mordauflösungen ersinnen.
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Wir halten es mit Michael Ende, wenn wir einen Faden einfach fallen lassen: Dies ist eine andere Geschichte und die soll auch ein anderes Mal erzählt werden!
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Vielen Dank den Revierwern: Dark Fay, Zuckerdrache, Neem, Hedril, Seraphin, Lufa, Gipsy, Miss Perenelle und ClariFari, die sich zur Zeit noch bemüht, hier aufzurücken!
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Euch und allen anderen Lesern viel Spaß
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Feuerbohne
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05. 11. 2005 11:00 Uhr
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Hermine
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Im ersten Moment hatte sie gedacht, er führe Selbstgespräche. Doch dann hörte sie eine zweite Stimme. Lucius sprach. Nur - mit wem?
Hermine verhielt beim Haare bürsten und reckte den Kopf zur Badezimmertüre. War jemand ins Zimmer gekommen?
Das war sehr unwahrscheinlich! Bis auf Clementia oder Rosalie kam NIE jemand zu ihnen. Und diese beiden auch nur zur abendlichen Untersuchung im Schutzanzug.
Nein, Lucius musste sein Magsermo-Hologramm eingeschaltet haben.
Wie gestern. Und Vorgestern. Wie eigentlich immer, wenn sie im Bad war!
Nun ja, er nahm ständig an Versteigerungen teil. Ersteigerte magische Portraits! Das schien sein Hobby zu sein.
Was er wohl mit all den plappernden Leuten tat? Wohin hängte er diese Bilder? Hängte er sie überhaupt auf oder verstaubten diese 'Wertobjekte' irgendwo, verstaut in einer Kammer?
Sie seufzte. Sein Haus war schließlich groß genug, um eine Galerie für die Portraits einzurichten. Dort mochten die gemalten Menschen sich miteinander unterhalten.
Es war also nicht eigenartig, dass er das Magsermo-Hologramm benutzte. Das eigentlich Auffällige war lediglich, dass er es stets dann tat, wenn sie selbst nicht im Zimmer war.
Falsch! Das Hologramm war immer an, wenn er an einer Versteigerung teilnahm. Da störte es Lucius auch nicht, wenn sie direkt daneben saß.
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Bereits vorgestern hatte sie im Bad Stimmen aus dem Zimmer gehört – und vermutet, dass Lucius wieder steigerte. Doch sein zu diesem Anlass an den Tag gelegter Enthusiasmus, verbunden mit einer ordentlichen Steigerung seiner Stimmband-Phonzahl, war ausgeblieben. Ganz im Gegenteil! Wenn sie ein Adjektiv nennen sollte, wie seine Stimme klang, wenn er sprach, während sie scheinbar nicht mithören konnte, so war das: heimlich!
Was sie aber sicher machte, dass sie sich nicht täuschte war die Tatsache, dass er stets untätig im Zimmer saß und unschuldig durch die Gegend schaute, wenn sie aus dem Bad zurückkam. Ohne das Sermo! Und so, als habe er gar nichts gemacht in der Zwischenzeit.
Es war sonnenklar: Er betrieb irgendwelche krummen Geschäfte, während er sich unbeobachtet und unbelauscht wähnte!
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Ihr Bauch verhärtete sich. Das kommt doch nicht überraschend!
Nein, überraschend war es nicht. Dennoch enttäuschend.
Lucius Malfoy, der Mann, mit dem sie eine ausgesprochen heiße Nacht verbracht hatte, betrieb illegale Geschäfte!
Was hast du erwartet? Dass er dich sieht und schnurstracks geläutert ist?
Nein! Das natürlich nicht! Aber auch nicht, dass er in ihrer Anwesenheit einfach weiter machen würde mit ... Womit auch immer!
Aber das tut er doch gar nicht! Er tut es eben NICHT in deiner Anwesenheit! Er wartet, bis du WEG bist!
Oh nein! Soweit war es also schon mit ihr gekommen, dass sie nach Entschuldigungen für ihn suchte.
Okay! Dann werd ich dem werten Herrn jetzt mal ein bisschen auf den Zahn fühlen!
Entschlossen legte Hermine die Bürste zur Seite und machte den notwendigen Schritt zur Türe. Blieb davor stehen. Sie würde ihn jetzt überraschen und dann zur Rede stellen.
Mit einem Ruck riss sie die Türe auf.
Lucius saß am Tisch – vor sich das eingeschaltete Hologramm. Ein grauer Mann stand davor. Mit dem Rücken zu ihr. Dennoch, sie sah es sofort, es war ein anderer als bei den Versteigerungen. Größer, mit langen, dunklen, zusammengebundenen Haaren.
Lucius sah auf. War da Unruhe in seinen Augen? Sie konnte es nicht genau erkennen. Er lächelte nämlich. Zu ihr!
Du dämliche Kuh schalt sie sich, du dämliche, verliebte Kuh! Eine Nacht – und es ist um dich geschehen. Das vor dir ist Lucius Malfoy. Mister Krumme Geschäfte leibhaftig!
Ohne es verhindern zu können, doch zumindest innerlich widerstrebend, lächelte sie zurück.
„Sie wissen Bescheid!" Seine Stimme arrogant und laut. Ganz anders als noch Sekunden zuvor. „Und jetzt gehen Sie, ich habe hier zu tun!"
Der graue Mann mit dem Pferdeschwanz verschwand augenblicklich.
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„Aus dem Bad zurück, Prinzessin?"
Irritiert sah sie ihn an. Was meinte er?
Er lächelte. Bezaubernd, charmant – falsch!
Prinzessin? Er meint - mich? Sie schnappte nach Luft. „Nenn mich nicht Prinzessin! Nenn mich NIE wieder Prinzessin!"
Sein Gesicht verdüsterte sich schlagartig.
Egal! SO durfte er sie nicht nennen. Er mochte alle 'seine' Frauen mit dem gleichen Kosenamen bedacht haben. SIE nicht! Sie war keine Prinzessin und würde auch seine nicht sein! Niemals! Sie war schlicht, ergreifend und einfach nur Hermine!
Sie schüttelte sich. Musste sich zusammenreißen, um wieder zum eigentlichen Punkt zu kommen.
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Sein Kinn war nach oben geschossen. Er saß zwar, dennoch wirkte es, als sähe er auf sie herab.
So machst du das also? Versteckst deine Unsicherheit hinter einer arroganten Fassade!
„Wer war das?" Sie deutete auf den Sermokasten, der jetzt grau und unauffällig auf dem Tisch stand.
Oh, ihr Ton war falsch. Viel zu heftig.
Genauso sah er auch aus: Ganz überheblich, ganz von oben. „DAS, meine Liebe, geht dich ÜBERHAUPT nichts an."
Oh, SO durfte er ihr aber nicht kommen! „Deine krummen Geschäfte? Die gehen mich sehr wohl was an!"
„Krumme Geschäfte?" Seine Augen wurden hart. „Wie kommst du denn auf DIE Idee?"
„Mach mir doch nichts vor! Du hast irgendwas Illegales am Laufen. Aber da mach ich nicht mit!" Hermine schüttelte verwirrt den Kopf. Was tat sie da? Sie hatte mit ihm geschlafen – und sie wollte das wieder tun. Warum also musste sie jetzt derart auf ihn einprügeln?
Seine Arroganz war Empörung gewichen. Überheblicher Empörung allerdings. Er deutete seinerseits auf den grauen Kasten: „Werte Frau Aurorin, wenn ich mir erlauben darf, das war PRIVAT!"
„Heimlich!", zischte sie ihm entgegen.
Er neigte den Kopf: „Heimlicher als dein Rufspiegel?"
WUSCH! Da war wieder die Schüssel kalten Wassers: Natürlich! Sie sprach ständig 'Privat'. Gut, nur mit Neville, dennoch – ohne Lucius. Sie schaltete sogar die Muffliato-Funktion ein, um garantiert ungestört reden zu können. Eine Möglichkeit, die das Magsermo-Hologramm wohl nicht bot.
Betrieb er womöglich gar keine krummen Geschäfte, sondern wollte wirklich nur mal ungestört sein? Das lag zumindest im Bereich des Möglichen!
„Oh!" Mehr fiel ihr im ersten Moment nicht ein.
Du musst dich entschuldigen! „Tut mir leid!"
Sie sah ihn an. Er schien immer noch böse. Sein Kinn oben, seine Augen zusammengekniffen. Aber zumindest holte er zu keinem Gegenschlag aus!
Sacht schüttelte sie den Kopf: „Ich hab nur gedacht, weil du immer, wenn ich im Bad bin ... - naja. Viel Privatsphäre bleibt dir hier wohl nicht!"
Warum schaut er noch immer so – unbestimmt? Reicht es noch nicht?
„Du hast natürlich das gleich Recht wie ich auch!" Sie versuchte ein Lächeln, das aber nur verrutscht gelang. „In jeder Hinsicht und natürlich auch in Bezug auf Privatsphäre. Das nächste Mal schick mich doch einfach raus, ja?"
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„Komm her!"
Überrascht riss Hermine die Augen auf. War es wieder gut?
Zumindest lächelte er plötzlich und reckte ihr den Arm hin. „Komm!"
Seine Stimme klang auch nicht mehr böse, nein, fast zärtlich.
Sie machte einen Schritt auf ihn zu.
Er fasste ihren Arm und zog sie zu sich. „Prin... - Hermine!"
Jetzt lächelte sie auch, ließ sich ziehen, auf seinen Schoß.
Er legte seine Arme um sie. „Hermine!"
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Lucius
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„Oh!... Tut mir leid!"
Das war die Wahrheit. Hermine sagte die Wahrheit. Lucius unterdrückte den Reflex zu schlucken, indem er sein Kinn noch ein Stück weiter hochreckte.
Was war mit ihm los?
Gar nichts ist los!
Er hatte eine indiskrete Aurorin – mit der er zufälligerweise schlief, aber das hatte es doch umso leichter gemacht - davon überzeugt, daß bei ihm alles mit legalen Dingen zuging! Ganz einfach und gewohnt effektiv. UND NOTWENDIG!
Man nehme ein verliebtes Lächeln, streue ein kleines Kosewort ein, füge eine Prise arroganter Verletzlichkeit hinzu… Damit überzeugt man jede Frau von allem und jedem!
Ein Leben lang erprobt. Ohne je zuvor…
„Du hast natürlich das gleich Recht wie ich auch!"
Sie versuchte ein Lächeln, das aber nur verrutscht gelang. Seine Hand zuckte in ihre Richtung.
„In jeder Hinsicht und natürlich auch in Bezug auf Privatsphäre. Das nächste Mal schick mich doch einfach raus, ja?"
Nein… Nein, das sollte sie nicht sagen. Nicht so… schuldbewußt… so als ob…
Unsinn! Den Kopf schüttelnd, um dieses seltsame Gefühl zu vertreiben, veränderte Lucius seine Sitzposition. Es ist doch wunderbar gelaufen!
Äußerst praktisch, wie Hermine ihn quasi vor sich selbst entschuldigte. Und daß sie ihm in ihrer Reumütigkeit sogar noch mehr Raum für Privatsphäre zu geben bereit war! Von jetzt an würde er den Zeitpunkt des Miller-Kontaktes endlich wieder selbst bestimmen können, anstatt wie ein ungehorsames Kind warten zu müssen, bis die Aufseherin das Zimmer verließ! Nur jetzt…
Jetzt…
Wiederum schüttelte er den Kopf. Er wollte Hermine nicht wegschicken.
„Komm her!"
Überrascht riss Hermine die Augen auf.
Jetzt wollte er sie hier! Auf seinem Schoß! Er bedeutete es ihr erneut.
„Komm!"
Sie machte einen Schritt auf ihn zu. Zögerte. Rasch faßte er ihren Arm und zog sie zu sich.
„Prin...", Stop! Das ist sie nicht. Sie ist… „…Hermine!"
Endlich lächelte auch sie, gab ihr Zaudern auf, so daß er sie in seine Arme ziehen konnte. Sie festhalten.
„Hermine!"
Das schien zu ihr zu gehören. Daß er sich auf eine geheimnisvolle Weise genötigt fühlte, ihrer habhaft zu werden, sie mit Macht festzuhalten.
Jetzt hatte sie sich ihm ergeben. Doch etwas hielt ihn ab, über sie zu triumphieren. Er wühlte seine Nase in ihre Locken. Löste eine Hand von ihrem Rücken und griff mitten hinein. Fühlte sie. Hermine. Fühlte sie sich in ihm ausbreiten. Alles erfassen. Weich werden. Ihre Stirn an seiner. Ihren Atem. Warm.
„Lucius…", war nur ganz leise gewesen. Sie war ganz nah. So vertrauensvoll. Wieder bereit, sich ihm hinzugeben. Ihren gesunden Menschenverstand, ihr berufsbedingtes Mißtrauen zu vergessen. DAMIT sie sich ihm hingeben konnte.
Und er wollte sie nehmen, selbstverständlich wollte er das. Doch nicht jetzt, nicht so. Es war angebracht, ihr auch etwas von sich zu geben. Vertrauen. Ein Stück seiner Privatsphäre.
Was Dich nach Azkaban bringen kann, wenn sie Dein Vertrauen nicht verdient hat!
Lucius holte Luft. Er KONNTE ihr nichts Brisantes verraten, das wäre Selbstmord!
Was er aber könnte…
Ja, das KONNTE er. Und er würde es ihr anbieten! Ihr schenken.
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„HAST DU DAS GEHÖRT, LUCIUS?!" Atemlos herumzappelnd, rutschte die ihm abgewandt rittlings auf seinem Schoß sitzende Hermine noch weiter zurück, um ja nichts von der sich vor ihr abspielenden Szene einer sich dramatisch zuspitzenden Versteigerung zu verpassen. Gerade hagelte es Gebote für ein ganz neu aufgetauchtes – und selbstverständlich gefälschtes – magisches Portrait einer vor einigen Jahren ziemlich populär verstorbenen Muggelprinzessin.
„Wieviel hat die Alte am Rand geboten?! ZWANZIGTAUSEND GALLEONEN?! Ist die nicht ganz bei Trost?!!"
Aus einem seltsamen Impuls heraus hatten sich Lucius' Arme wieder fester um sie herumgeschlungen.
Naja, Du MUßT sie ja auch halten! Nachdem sie hat durchblicken lassen, daß sie einen Kriminellen nicht in ihrer Nähe duldet!
In diesen Augenblicken war sie vollständig gefesselt von seinem ja ebenfalls nicht ganz legalen Hobby – ohne einen Gedanken an irgendwelche Moralaspekte zu verschwenden.
Und was seine eigentlichen Geschäfte betraf: Die gingen sie einfach nichts an! Nicht einmal seiner Ehefrau hatte er erlaubt, sich da einzumischen! Frauen waren unverzichtbar fürs Gemüt, im Geschäftsleben konnte er sehr gut auf sie verzichten!
Lucius seufzte tief in Hermines wunderbaren Lockenduft und räkelte sich unter ihr, um ihr Gewicht auf seinen Schenkeln zu spüren.
So war es gut! Einfach nur GUT. Diese Frau. Hier. Und in seinem Bett. Ungeachtet der Muggelumstände hier oder der Pest oder Millers Kommunikationsproblemen in Bulgarien - oder verschwundener Leichen irgendwelcher ehemaligen Geliebten! Hermine auf seinem Schoß war gut!
Klar, im Augenblick war er eigentlich zu satt, um auf weiterführende Ideen zu kommen. Aber allein die Möglichkeit…
Genießerisch ließ er seine Hände an ihre Flanken rutschen.
„Guck, Lucius! Guck doch! Wieviel Geld haben diese Leute? Sag es mir! Wie kann es sein, daß die so viel ausgeben für…"
Süß, wie vollkommen von der Auktion vereinnahmt sie war! Die Hände auf ihren Seiten belassend, bewegte Lucius ganz sacht seine Finger.
„DA! Sie hat es gekriegt! ZWANZIGTAUSENDFÜNFHUNDERT GALLEONEN!"
Ohne sich um seine Zärtlichkeiten zu kümmern, drehte sie sich – sich seiner Aufmerksamkeit vergewissernd – auf seinen Schenkeln zu ihm um. Auf sein grinsendes Nicken hin wandte sie sich sofort wieder nach vorne, wo das verhüllte Bild beiseite geschafft wurde und von einem uninteressanten alten Schinken abgelöst, auf dessen Erscheinen hin einige Auktionsteilnehmer den Raum verließen. Die herausragenden Stücke würden erst heute Nachmittag dran kommen.
Davon verstand Hermine freilich nichts; sie verfolgte die Vorgänge im Auktionshaus mit unverändert glänzenden Augen.
Ihre Abgelenktheit hatte schon einen ganz besonderen Reiz… weckte seine Experimentierlust!
Was könnte er mit ihr anstellen? Wie lange konnte sie ihn ignorieren? Was, wenn er jetzt auf ihre Brüste zusteuern würde…?
Mit einer augenscheinlich unbewussten Bewegung entwand sie sich und ergriff eine seiner Hände, um sie ersatzweise zu drücken.
„Wie funktioniert dieses Gerät genau?" beschäftigte sie stattdessen. „Es zeigt immer das, was im aktuellen Moment relevant ist! Welches magische Prinzip liegt dem zugrunde?"
Seine Hände faßten ihre Brüste, als er antwortete. Damit brachte er sie dazu, sich aus einer Automatik heraus an ihn zu lehnen.
Na, also! Ich dringe doch zu Dir durch!
Er hauchte einen Kuß auf ihren Hals, doch noch hatte diese Frau sich ihm nicht wieder vollständig ergeben. Sie neigte den Kopf, um ihm Platz zu gewähren, was sie jedoch nicht davon abhielt weiterhin zu denken.
„Aber worin besteht der Unterschied zur Magie der Rufspiegel zum Beispiel? Die können das nicht! Sich selbständig auf die Umgebung einstellen!"
Ihre Stimme klang tatsächlich vollkommen sachlich! Wie war das möglich?!
Mit einer Mischung aus Amüsement, Neugierde und auch ein klein wenig gekränkt intensivierte Lucius seine Bemühungen.
Zog ihren Oberkörper zur Seite in seine Armbeuge, um sich über sie zu schieben.
„Du weißt es nicht, stimmt's?" grinste sie plötzlich.
Na warte! Das Grinsen und das Reden werde ich Dir schon austreiben!
Ihr den verlangten Fachbegriff ins Ohr raunend, brachte er ihr Gesicht in Stellung, indem er mit beiden Händen in ihre Haare griff, damit er endlich...
Genau DAS wollte er jetzt! Ihren sich schon wieder für neue Wortproduktionen öffnenden Mund verschließen! Ihre Lippen unter seinen fühlen! Seine Zunge dazwischen! Sie zum Verstummen bringen! Ihr zeigen, daß…
Synchrones Zucken.
Die Schleuse!
Was gänzlich egal gewesen wäre, wenn nicht Hermine…
Mit einem regelrechten Sprung war sie von seinem Schoß geschnellt und in Richtung Fenster davongestürzt. So weit wie möglich von ihm weg. Doch nicht genug! Im selben Moment hatte sie auch noch ein Buch in der Hand! Als hätte sie sich nicht vor einer Minute eifrig plaudernd und vertraulich in seinen Armen zurückgelehnt! Als hätte sie nicht… letzte Nacht…! Eben erst, heute Morgen!
WAS SOLLTE DAS?
Sie wollte nicht mit ihm zusammen gesehen werden! Wollte den Eindruck erwecken, daß sie und er nichts weiter miteinander zu tun hätten!
Warum?
Mordverdächtig war er doch nicht mehr!
Kriminell in ihren Augen dagegen durchaus! Und nicht mit ihrer Berufsehre als Aurorin zu vereinbaren, sich mit einem wie ihm einzulassen?
Na, dann bleib auf der Seite des Gesetzes! Zumindest für die Außenwelt!
Welche in diesem Moment in Gestalt der liebreizenden Rosalie die Schleuse betrat. Lucius verzog säuerlich das Gesicht. Es lebe der schöne Schein, Miss Granger!
„Rosalie! Wie schön, Sie endlich einmal wiederzusehen!"
Elegant hatte er sich erhoben und war bereits auf dem Weg zur Schleuse. Aus den Augenwinkeln nahm er Hermines pikierten Blick zur Kenntnis. Sie hatte es nicht anders verdient! Wenn sie nicht mit ihm in Verbindung gebracht werden wollte, dann konnte er schließlich auch ...
Noch bevor er bei der jungen Heilerin angekommen war, hatte Hermines Gesicht sich gänzlich verschlossen.
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Hermine
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Hermine hatte sich versteift.
„Rosalie! Wie schön, Sie endlich einmal wiederzusehen!"
Das durfte doch nicht wahr sein! Soeben hatte er sie noch küssen wollen! Und jetzt flirtete er mit der nächstbesten Frau! Nur, weil sie DA war.
Es ist Malfoy! Sie seufzte. Er war und blieb ein Frauenheld. Einer, der keinen Rock unbeachtet lassen würde. Solange sich dieser Rock für IHN interessierte.
Der Stich in ihrem Herzen schmerzte. Aber was sollte es! Er und sie – das war Quarantäne, das war Angst. Das war das Gefühl, noch einmal ein Stück vom Kuchen haben zu können. Ehe sie vielleicht ...
Es war alles, nur absolut nichts - Ernstzunehmendes!
Malfoy, sich offensichtlich jetzt erst vergegenwärtigend, dass die junge Pflegerin natürlich wieder in ihren alles verhüllenden Schutzanzug gekleidet war, blieb auf halbem Weg zu ihr stehen.
Was hätte er auch bei Rosalie gesollt? Ihr Visier zärtlich in die Hände nehmen, um einen Kuss auf die dicke Plexiglasscheibe zu hauchen?
Aber wenn sie NICHT so dick verhüllt wäre! Die Eifersucht überrollte Hermine wie ein Wellenbrecher. Drückte sie nieder!
Sie ließ das Buch sinken, das sie reflexhaft in die Hände genommen hatte.
„Heute gibt es zwei Untersuchungen", verkündete Rosalie. „Jetzt gleich und dann nochmal heute Abend. Wenn beide negativ sind, ist die Quarantäne beendet."
Hermine sah Lucius zusammenzucken. Was der nur immer hatte? Rosalie hatte ihnen bei jeder Untersuchung versichert, dass sie sich KRANK fühlen würden, wenn sie die Pest hätten! Sogar Heilerin Knife hatte in ihrer unwirschen Art immer so etwas vor sich hingebrummt. Zumindest, während sie Hermine untersucht hatte. Lucius hatte sie stets nur bitterböse angefunkelt. Den konnte sie nicht leiden. Warum auch immer.
Warum nur war die jetzt nicht hier? Die würde er nicht so strahlend angelächelt haben!
Mit einem Schlag fühlte sich Hermine SEHR krank.
Das ist nicht die Pest!
Es nutzte nichts! Der Druck in ihrer Herzgegend blieb. Dass der erst aufgetaucht war, nachdem sich Lucius ... na ja!
Mit sich rasant beschleunigendem Puls legte sie sich auf ihre Betthälfte. Ignorierte ihn, der sich nur Sekunden später neben sie legte. Ignorierte auch seine Nervosität, die sich, wie immer, in aufgeregten Fragen äußerte:
„Wie groß ist jetzt noch die Wahrscheinlichkeit, dass ich ... wir ... diese Krankheit haben? Welches sind die ersten Anzeichen davon? Ich habe heute einen roten Fleck auf meinem Arm gesehen. Hat das was zu bedeuten? Und wie FÜHLT man sich, wenn die Krankheit ausbricht? Also, ich fühle mich ..."
Er drehte den Kopf. Sah er zu ihr?
„...Also, eher – so unbestimmt! Ist das ein schlechtes Zeichen?"
Sie starrte nur an die Zimmerdecke. Überlegte, was sie tun würde, sobald sie aus der Quarantäne entlassen sein würde.
„Machen Sie sich keine Sorgen!" Rosalies Stimme, die wie immer verblüffend klar aus dem Schutzanzug drang, war voller Zuversicht. „Sie sind ganz bestimmt nicht krank. Und bereits heute Abend dürfen Sie dann wieder zu Ihren Lieben!"
Hermine seufzte: Nach Hause, zu ihren Lieben. Tja! Zu ihren lieben Büchern? Zu ihrer lieben Zimmerpflanze? Worauf sollte sie sich freuen? Morgen wieder arbeiten gehen zu dürfen?
Ja,ja, ja! Sagte ihr Kopf. Das ist alles besser, als erkrankt zu sein!
Das war ja richtig! Sie wollte schließlich nicht sterben.
Die Frage war nur, wollte sie leben – so wie vorher? Immer nur arbeiten, immer nur Pflichten? Immer nur ... nie Spaß haben? Nur zusehen, wenn andere den hatten?
Wollte sie das?
Leben! Verdammt! Ich will endlich leben!
Sie hatte Blut geleckt! Diese vermaledeit schöne letzte Nacht!
Schön durch Lucius Malfoy!
Der sich nur für sich selbst interessierte UND seine Wirkung auf Frauen!
Hermine als Mensch, als sie selbst, war nicht interessant! Eine von Vielen! Eine Nummer!
Ich hab es nicht geschafft! Ich habe versagt!
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„Na! Hab ichs nicht gesagt?" Rosalies Stimme klang ehrlich begeistert. „Nur noch heute Abend, dann haben Sie beide es überstanden!"
Hermine hatte den über ihr schwebenden Stab kaum wahrgenommen. Und sich schon gar nicht dafür interessiert, ob er ausschlagen würde.
Dabei hatte ich noch heute Nacht Angst, diese Quarantäne nicht zu überleben!
Leben! Wie hatte sich das so schnell ändern können? Gestern hatte sie noch unter Leben verstanden, sich an ihrer erfolgreichen Arbeit zu erfreuen, an den seltenen Treffen mit Freunden. Und an Büchern, natürlich! Weil sie immer so viel zu tun hatte, weil es ihr nicht leicht fiel, neue Freunde zu finden. Und weil sie bisher der Meinung gewesen war, dass so was wie Beziehung und naja - Sex - für IHR Leben nicht wichtig seien!
Aber jetzt? Jetzt wollte sie mit diesem Mann zusammensein, der ihr heute Nacht gezeigt hatte, dass es noch ganz andere Seiten in ihr gab. Der ihr gezeigt hatte, wie SCHÖN das Leben sein könnte! Der da immer noch neben ihr auf seiner Betthälfte lag und mal wieder theatralisch den Arm über seinen Kopf gelegt hatte.
Der und seine Dramatik!
Hermine schüttelte den Kopf und verstand sich selbst nicht mehr. Bleib vernünftig!
Sie seufzte. Hatte sie eine Wahl?
Langsam stand sie auf und ging ins Bad. Alleine sein! Das war es, was sie jetzt wollte!
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(Lucius von Astrid-Runa, Hermine von Feuerbohne)
