Damit endete die Erinnerung und Harry stand wieder im Ministerium. Jetzt verstand er. Er wollte das letzte Versprechen, dass er Phoebe gegeben hatte nicht brechen. Er musste sie wirklich geliebt haben.
19. Zurück zu Normal
„Wie geht es ihm?" Harry stand vor dem Krankenzimmer, in dem Ron lag. Nachdem Hermine losgestürmt war, hatte sie sofort Mr. Weasley gefunden und sie waren zusammen zu der in Dracos Erinnerung beschriebenen Hütte appariert. Ron war am Leben, aber verletzt und war sofort ins St. Mungos gekommen. Seitdem saß Hermine an seinem Bett und war ihm nicht von der Seite gewichen, aber Ron war noch nicht wieder aufgewacht.
„Er wird es schaffen", sagte Mr. Weasley und betrachtete seinen schlafenden Sohn durch die Scheibe. „Ich bin so froh, dass ich ihn wieder habe. Danke Harry, danke für alles!" Harry nickte. Doch er wusste, dass es nur Phoebe zu verdanken war, dass Ron jetzt noch lebte. Ohne das Versprechen an seine große Liebe hätte Draco Ron wahrscheinlich umgebracht, da war sich Harry sicher.
„Ich bin auch froh, dass er wieder da ist", sagte Harry.
Hermine tat alles weh. Seit zwei Tagen war sie nicht von Rons Seite gewichen. Alle Versuche von Harry, den Zwillingen oder der restlichen Familie Weasley sie nach Hause zu schicken waren gescheitert. Sie war so froh ihn wieder zu haben und sie würde nicht von seiner Seite weichen, bis es ihm wieder gut ging. Hermine ergriff erneut Rons Hand, die langsam auch wieder warm war und sich so anfühlte, als würde das Leben in seinen Körper zurückkehren. Und gerade als sie sie etwas fester drückte, wachte Ron auf. Er öffnete langsam seine Augen und sah Hermine, die an seinem Bett saß: „Was…was machst du hier?" fragte er leise. Hermine strömten die Tränen übers Gesicht, als sie bemerkte, dass er endlich aufgewacht war.
„Du bist wieder da! Gott, ich war noch nie so froh deine Stimme zu hören!" Sie drückte Rons Hand fester. Ron fragte noch einmal mit leiser, matter Stimme: „Was machst du hier Hermine?" Doch Hermine gab ihm keine Antwort, glücklich drückte sie Rons Hand und sah ihn einfach nur an.
Ron ging es gut! Harry konnte es immer noch nicht fassen, dass alles wieder so werden würde, wie früher. Er erholte sich von Tag zu Tag mehr, was nicht zuletzt an Hermine lag, die praktisch ständig an seinem Bett saß und ihn dazu zwang alle Medikamente zu nehmen und, so behauptete Ron zumindest, Dinge zu essen, die in keiner Weise schmeckten. Als Harry die beiden gestern so betrachtete, hatte er für einen kurzen Moment das Gefühl er wäre mit einer Zeitmaschine zurück in die Vergangenheit gereist, in eine Zeit in der Hermine und Ron glücklich waren. Es war schön sie beide so zu sehen und doch konnte Harry den Gedanken nicht aus seinem Kopf verbannen, dass Hermine eigentlich in weniger als einem Jahr Neville heiraten wollte. Neville tat ihm leid, man sah ihm die Erleichterung über Rons Genesung an, doch als er realisierte, dass Hermine es ganz und gar nicht beabsichtigte mit ihm zurück nach Hogwarts zu kommen, wich diese Erleichterung einer weiteren Enttäuschung. Er hatte sich mehr schlecht als recht von Hermine verabschiedet, die gerade einmal nicht im Krankenhaus war, da sie bei Harry neue Sachen für Ron holen wollte, und war schließlich zurück nach Hogwarts. Zurück mit der Hoffnung, dass Hermine die Hochzeit noch nicht vergessen hatte, doch je länger Harry die Situation im Krankenhaus betrachtete desto unsicherer wurde er, ob Hermine überhaupt noch einen Gedanken an diese Hochzeit verschwendete. Als Harry durch ein Klopfen an seiner Tür aus seinen Gedanken gerissen wurde, war er überrascht Ginny zu sehen.
„Was machst du denn hier?" fragte Harry erstaunt und öffnete die Tür, um sie herein zu lassen. „Ich muss noch ein paar Sachen für Ron holen!", gab Ginny zu verstehen, „Er wird morgen entlassen! Mom hat natürlich darauf bestanden ihn zu hause zu pflegen, auch wenn Ron wie wild protestiert hat. Wenn du mich fragst, braucht er wirklich keine Pflege mehr, aber Mom ist davon nicht abzubringen. Naja…" Ginny schaute sich verlegen im Zimmer um, deutete dann auf die Tür zu Rons Zimmer und Harry nickte ihr nur zu. Es freute ihn zu hören, dass es Ron wieder besser ging, damit hatte dieser Albtraum endlich ein Ende und man konnte wieder zur Tagesordnung übergehen. Er betrachtete Ginny, die ein paar von Rons Klamotten in eine Tasche packte. Wieso war er so dumm gewesen, sie damals gehen zu lassen? Wieso hatte er nicht einfach mit ihr über seinen Fehltritt geredet und versucht die Sache zu kitten? Er war nicht der Typ, der so einfach aufgab, doch hier war es ihm irgendwie nicht möglich gewesen den Kampf bis zum Ende zu kämpfen. Er hatte Angst vor dem Moment, in dem Ginny verstehen würde, dass sie nicht die einzige war, er hatte Angst vor ihrem Blick und vor der Barriere, die sich augenblicklich zwischen ihnen aufbauen würde. Und seine Angst war nicht unbegründet, seit Ginny von seinem Ausrutscher erfahren hatte, war diese Barriere da und Harry begriff mehr und mehr, dass sie dadurch, dass er Ginny so lange angelogen hatte nur größer geworden war.
„OK, ich hab alles. Dann machs gut, Harry! Bis bald mal!" Harry wollte sie so gerne zurückhalten und ihr sagen, dass er ein Idiot gewesen war, ihr sagen, dass er nichts um alles in der Welt wollte, dass sie aus seinem Leben verschwinden würde, doch er konnte nicht. Er verstand, dass die Entscheidung, Ginny damals nicht die Wahrheit zu sagen alles Zukünftige zwischen ihnen zerstört hatte.
„Leb wohl, Ginny!" war alles, was er sagen konnte, als Ginny langsam die Tür hinter sich zuzog.
Am selben Abend schlich sich Harry ins Krankenhaus, um ein letztes Mal mit Ron zu reden, bevor dieser zu seiner Familie entlassen wurde. Mit der Entscheidung Ginny nicht mehr zu sehen, war es nur logisch, dass Harry Ron dort nicht besuchen würde. Leise öffnete er Rons Tür und sah sofort, dass sein Freund nicht schlief. Vielmehr grinste er Harry mit seinem breiten, typischen Ron-Grinsen an und winkte ihn herein.
„Was machst du so spät noch hier?"
Harry setzte sich auf den Stuhl neben Ron und blickte sich erstaunt um, es schien als wäre Hermine nicht da.
„Wo ist Hermine?"
„Mit Mom zu hause, sie wollen mein altes Zimmer vorbereiten, was auch immer das heißen mag!" Ron schien jetzt schon genervt von dem Zwangsurlaub zu hause zu sein.
„Will sie nicht zurück nach Hogwarts?", fragte Harry und Ron konnte nur mit den Schultern zucken.
„Anscheinend nicht! Sie hat Hogwarts in all der Zeit, die sie hier verbracht hat nicht erwähnt."
„War Neville bei dir?"
„Neville?" Ron sah seinen Freund erstaunt an. „Wieso sollte er denn hier gewesen sein?"
„Als er das von dir gehört hat, ist er gekommen, um Hermine beizustehen. Er musste zurück nach Hogwarts und na ja… Er hat sich furchtbare Vorwürfe gemacht, als Malfoy behauptete, dich getötet zu haben, da dachte ich…"
„Vorwürfe?" Ron war anzusehen, dass er keine Ahnung hatte wovon Harry sprach. „Weswegen denn?"
„Wegen Hermine, Ron! Weswegen denn sonst!" Harry konnte es nicht fassen, wie schwer von Begriff Ron manchmal war. „Er dachte, du würdest ihn hassen, nach der Geschichte mit Hermine. Er hat immer wieder gesagt, dass es ihm so Leid tun würde und, dass du trotz allem sein Freund seiest. Er hatte Angst, dass du das nicht wissen würdest." Ron sagte nichts, anscheinend hatte er es wirklich nicht gewusst. Für ihn war vorrangig, dass Neville dabei war ihm die Liebe seines Lebens wegzunehmen, da war kein Platz für Freundschaft.
„Warum war er dann nicht hier?"
„Komm schon Ron, so viel solltest sogar du verstehen!" Und Ron verstand. Hermine war die ganze Zeit bei ihm gewesen. Wären nicht die Schmerzen und das Krankenhauszimmer gewesen, dann wäre es fast so gewesen wie damals. Es wäre die Hölle für Neville gewesen, das sehen zu müssen.
„Ich wusste es", sagte Ron schließlich. „Aber ich fand es einfacher ihn zu hassen, als einzusehen, dass ich an allem Schuld war. Du kennst mich Harry, es fiel mir schon immer leichter, die Schuld bei anderen zu suchen." Harry konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.
„Wann denkst du wirst du wieder bei uns einziehen?", Harry erkannte, dass Ron das Thema Neville schwer Kopfzerbrechen bereitete und versuchte deswegen ein neues Thema anzuschlagen.
„Keine Ahnung, so wie ich meine Mom kenne, wird sie mich Monatelang bei sich behalten wollen und wenn ich den Lagerkoller bekomme wird sie die „Ich dachte du wärst tot" – Karte ausspielen. Dagegen ist schwer anzukommen!" Harry konnte sich ausmalen, wie Mrs. Weasley ihren Sohn nach dieser Geschichte bemuttern würde.
„Du kommst doch zurück, oder?" Ron nickte energisch.
„Ich hab es dir vielleicht nie gesagt, aber ich stehe sehr auf unsere kleine Männer WG, also ja, ich komme zurück!"
„Dann ist ja gut. Dann erhol dich gut und lass mich nicht zu lange alleine!" Harry stand auf, boxte Ron freundschaftlich an die Schulter und wollte schon das Zimmer verlassen, als Ron ihn zurückhielt: „Wieso kommst du nicht einfach mit in den Fuchsbau? Mom wird es sicher nicht stören. Es wäre wie damals, die guten, alten Zeiten!"
Harry schüttelte energisch den Kopf: „Nein Ron, die guten, alten Zeiten sind definitiv vorbei und, na ja, ich möchte Ginny nur ungern über den Weg laufen!"
