Liebe NellasCookie! Die Du uns die Ehre erwiesen hast, alle Ramo-Kapitel auf einmal aufzuholen und uns mit einem laaaangen Review beglückt! Du bist es, die heute Runas Denk-Bedürfnis erfüllst mit der überaus interessanten Frage:

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Wieviele Augen braucht es, alle Fehler, die man machen kann, zu entdecken?

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Wir selbst sind zu dritt, haben einen aufmerksamen und kritischen Betaleser, einen Stab an ebenso aufmerksamen und kritischen Reviewerinnen – und doch geschieht es, daß eine Neuleserin auf Anhieb Fehler findet!

*lach*

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Wir Triflorifers danken Dir für Deine Hilfe, Feuerbohne und ich danken Legi für die Ausmerzungen! Meriva für sein Betaen danken wieder wir alle - ebenso wie den diesmaligen übrigen Reviewerinnen Queen Jane Wir hatten noch nicht persönlich das Vergnügen, oder? Herzlich Willkommen auch von mir in dieser Geschichte!, Lufa, Hedril, Zuckerdrache (Danke für die Extra-Grüße!), 11thEspada, DarkFay, Seraphin, Gipsy und Miss Perenelle!!

So, heute bekam Lucius ENDLICH einen echten Grund zu leiden – daher mag ich dieses Kapitel ganz besonders. Aber Feuerbohne hat den größten Teil geschrieben – und auch den größten Anteil an Lucius' Leiden. Lest selbst!

Runa

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05. 11. 2005 17:00 Uhr

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Hermine

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„Clementia, das ist wundervoll!" Hermine sprang auf und streckte ihr erleichtert die Hand hin. „Ich danke Ihnen!"

Die ältere Heilerin lächelte sie herzlich an.

Dieses gefror, als sich Lucius einmischte: „Bedank dich, bei wem du willst, bei Merlin meinetwegen. Aber doch nicht bei der!"

„Nun, Sie können jetzt packen." Heilerin Knife, seinen Einwand trotz allem ignorierend, schwang resolut ihren stummeligen Zauberstab durch die Luft.

Hermine hörte die Schleuse sich öffnen. Es war vorbei! Die Quarantäne ausgestanden.

Unsicher sah sie zu Lucius. Sie hatten sich den ganzen Tag über, so gut es ging, gemieden. Irgendwie war seit Rosalies Auftauchen die Stimmung zwischen ihnen gekippt. Keiner von ihnen hatte es fertiggebracht, den verlorenen Faden wieder aufzunehmen. Irgendwie erstarrt hatten sie die letzten Stunden jeder mit seinen Sachen verbracht und kein Wort mehr gewechselt.

Was würde er jetzt machen? Packen und gehen? Nach Hause, zu seiner Frau?

Im Moment jedoch sah er der in ihrem jetzt überflüssig gewordenen Schutzanzug davoneilenden dicklichen Heilerin mit bösem Grinsen hinterher.

„Stopp!"

Hermine zuckte bei seinem lauten Ruf zusammen.

„Was ist mit meiner Magie? Wann bekomme ich meinen Zauberstab wieder?"

Es war so offensichtlich, was er empfand! Und so typisch für ihn. Da war jemand, den er nicht um den Finger wickeln konnte. Für Lucius Malfoy gab es nur Freund oder Feind, schwarz und weiß, Clementia Knife war Feind!

Und sie – Hermine, hatte ihn ganz offensichtlich verärgert damit, von ihm weggesprungen zu sein, als Rosalie die Schleuse geöffnet hatte. Aber das war doch gut so gewesen! Sie war immerhin immer noch als Aurorin hier! Sich mit einem Tatverdächtigen einzulassen, und sei dieser auch ein ehemaliger, gehörte einfach nicht zum guten Ton! Sich mit ihm zu treffen, wenn diese ganze Sache hinter ihnen läge, war etwas ganz anderes. Aber dazu würde sie mit ihm reden müssen. Ihn fragen. Genau das wagte sie jedoch nicht. Und er erweckte in keiner Weise den Eindruck, als wolle er das übernehmen.

„Mister Longbottom ist bereits draußen. Klären Sie das mit ihm!"

Ohne auf diese Antwort einzugehen, wandte er sich ab und begann, seine Sachen auf das Bett zu werfen, zu packen.

Hermines Kopf jedoch schoss hoch: Was, Neville war hier? Stand draußen und hatte die Abschlussuntersuchung abgewartet? Würde jetzt gleich in der Türe stehen?

Das passte ihr gar nicht! Sie brauchte noch Zeit. Konnte doch nicht einfach packen und gehen!

Nicht – so!

Was sollte sie machen? Lucius ansprechen? Unmöglich! Nicht vor Knife, die immer noch im Zimmer war – und auch nicht vor Neville, der jetzt ja wohl gleich auftauchen würde.

Hermine spürte ihr aufgeregtes Herz und bekam feuchte Hände. Wenn sie jetzt keine Gelegenheit finden würde - wann dann?

Niemals! Nie mehr! Es ist vorbei!

Sie fixierte die Heilerin: Verschwinde!

Knife stand in der Türe und lächelte sie freundlich an.

Verschwinde. Gib mir die Minute, die ich noch brauche!

Endlich! Sie war draußen. Hermine hob den Kopf und öffnete den Mund: „Lu ..."

Zu spät! Da stand schon Neville.

„Mister Malfoy, Sie sind verhaftet. Morgen werden Sie nach Askaban überführt!"

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Lucius

Sie war wirklich gegangen.

Ohne sich noch einmal umzusehen.

Alles verratend, was zwischen ihnen gewesen war.

ER noch hier.

Allein. Verlassen.

Ebenso gesund wie sie.

Es könnte alles gut sein. ICH BIN GESUND! ICH HABE MICH NICHT MIT DER PEST ANGESTECKT!

Zum Sterben verdammt war er trotzdem. In der Hölle. Im Kuß der Dementoren. Während er einen anderen, so sehr begehrten, nicht ein einziges Mal bekommen hatte…

Und nun war sie weg. Und er allein.

Für immer.

Lucius stand. Starrend. Schwankend, doch ohne zu fallen.

Sie ist wahrhaftig gegangen!

Er hatte keine Kraft mehr diese Tatsache zu irgendetwas anderes. Es reichte ihm. Er wollte nichts mehr fühlen. Es war nicht zu ertragen. Dieses ständige, unberechenbare Hin und Her. Diese allgegenwärtige, bodenlose Panik, die einen Schritt neben ihm gähnte. Die er niemals loswerden könnte. Die an ihm, IN IHM klebte.

AZKABAN!

Und alles hier…

Hermine…

All das überwältigend Neue, Erfüllende, Berauschende…

Ein Traum.

Nur ein Traum. Vergangen. Verdammt zum Vergessen.

Diese traumhafte, duftende, kluge, selbstbewußte, witzige, erregende, wunderbare Frau – die letzte Frau seines Lebens! – war gegangen.

Alles in ihm purer Verlust. Ihre Abkehr von ihm. Um ihn herum die Lücke ihrer verlorenen Präsenz.

Sein Leben wertlos. Und morgen zu Ende. Sowieso.

Während sie…

… einen anderen Mann…

… einen JUNGEN Mann…

…ohne Vergangenheit…

…ohne Schuld….

Hermine.

Sein Leben…ohne Hermine?

Wie konnte das sein? Wann hatte das angefangen? Daß sein Leben keines mehr zu sein schien…

Ohne Hermine.

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Hermine

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Hermine stand mit Neville vor einem fast leeren Schaufenster, dem Eingang zum St. Mungos!

Es war vorbei! Überstanden! Die Quarantäne, die Angst! Sie hatte sich nicht infiziert! Keine Pest!

Hermine konnte es noch gar nicht fassen. Auch nicht, dass Lucius doch ... Nein! DAS wirklich nicht!

Neville musste sich täuschen.

„Er scheint dich geschickt belogen zu haben", sagte er neben ihr. „Hast du nichts gemerkt?"

Hermine hielt lieber den Mund. Sie hatte gar nichts mehr bemerkt, seit ..., seit letzter Nacht! Nur würde sie DAS Neville bestimmt nicht auf die Nase binden.

„Das mit deinem Zauberstab tut mir leid!" Er schüttelte bedauernd den Kopf. „Das haben die im Ministerium gründlich verbockt."

„Ich bin jetzt fast eine Woche ohne ihn ausgekommen, da bringe ich diesen einen Tag auch noch herum", winkte Hermine müde ab. Das war im Moment ihr geringstes Problem. "Morgen hole ich ihn zurück. Wenn du meine Magiesperre noch aufheben würdest, könnte ich ihn dann auch wieder benutzen! Und anschließend hole ich meine ganzen Sachen hier ab. "

Magielos, wie sie war, hatte sie darauf verzichtet, ihre persönlichen Gegenstände unverkleinert nach Hause zu schleppen.

„Oh, entschuldige bitte!" Neville zückte seinen Zauberstab, deutete auf Hermine und ließ ihn in einem winzigen Schlenk erzittern: „Reddo donum magica!"

Hermine fühlte – gar nichts. Aber das war nicht weiter verwunderlich. Irgendwie fühlte sie sich überall taub, seit Neville gekommen war und Malfoy festgenommen hatte! Seit sie sich wortlos umgedreht hatte und einfach gegangen war!

„DAS war alles?" Dieser lächerliche Spruch, den sie schon als Schülerin verwendet hatte? „Reddo donum? Den hätt ich auch selbst gewusst!"

„Na, vielleicht gewusst, aber das hätte dir ja nichts genutzt." Neville grinste unbeholfen und setzte sich neben Hermine in Bewegung. „Wobei ich zugeben muss, sonderlich kreativ waren die im Ministerium nicht bei seiner Entwicklung."

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Hermine steuerte den Eingang zur U-Bahn an.

„Wie kommst du jetzt nach Hause?"

Beinahe hätte sie gelacht, war das nicht offensichtlich? Aber dann fiel ihr ein, dass auch Neville nur magische Vorfahren hatte, reinblütig war und sich aus diesem Grund in der Muggelwelt kaum auskannte.

Sie deutete auf das rote Schild: „Damit!"

„Oh ja!" Neville blieb stehen. „Aber ... ich könnte dich schneller in deine Wohnung bringen."

„Das wäre lieb!" Ihr stand wirklich nicht der Sinn danach, vielen Menschen zu begegnen – und womöglich auch Ratten. Wobei ihr erst jetzt auffiel, dass sie bisher keine einzige davon zu Gesicht bekommen hatte! Sie sah sich um. „Gibt es keine Ratten mehr?"

„Die Aktion mit dem Muggelgift hat voll eingeschlagen." Neville zuckte die Schultern. „Und in Kombination mit dem 'Consigmus aliquantus' sind die Straßen und Häuser endlich wieder sauber geworden."

„Gut, das ist wirklich gut!" Hermine ergriff Nevilles Arm, den er ihr entgegen gestreckt hatte.

Einen Moment später spürte sie das vertraute Reißen in ihrem Bauch. Sie waren appariert und standen nun vor ihrer Haustüre.

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„Kommst du noch mit rauf?" Hermine fühlte sich zwar regelrecht ausgepumpt und sehnte sich nach Ruhe, dennoch, alleine sein wollte sie doch lieber nicht. Nicht jetzt! „Wir müssen sowieso besprechen, wie ich ab morgen eingesetzt werde!"

„Willst du wirklich so schnell einsteigen?" Neville sah Hermine erstaunt an. „Oder willst du dich lieber noch ein paar Tage erholen?"

„Wovon erholen?" Hermine grinste und hoffte, er würde eben nicht nachhaken. DAVON musste sie sich wirklich nicht erholen!

„Wenn du meinst." Neville schien es plötzlich eilig zu haben und drückte ihr die Unterlagen in den Arm, die er die ganze Zeit bei sich getragen hatte. „Dann arbeite dich mal in diese eigenartige Bulgarien-Angelegenheit ein!"

Er machte kehrt und lief ein paar Schritte über den Gehweg.

„Brauchst du die nicht mehr?" Hermine sah auf die Mappe: 'Arbeitsunterlagen Ginevra Weasley'.

„Nein, heute nicht!" Neville grinste noch einmal, hob grüßend die Hand. „Bring sie morgen einfach mit, das sollte reichen! Ich will mal einen Abend freihaben!"

Es knallte recht beeindruckend, als er disapparierte.

Hermine starrte noch eine Sekunde auf die Stelle, an der verschwunden war, dann wandte sie sich seufzend zur Haustüre, kramte in ihrer Jackentasche und suchte nach dem Schlüssel.

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Die Wohnung wirkte vertraut – und fremd gleichzeitig. So, als hätte Hermine sich verändert und würde nicht mehr hierher passen.

Um der Befremdlichkeit dieses Gefühles zu entgehen, stellte sie sich ans Fenster und starrte hinaus in den November. Es wurde bereits düster, dabei war es noch Nachmittag, wenn auch ein trüber. Die Bäume waren hübsch bunt verfärbt, aber noch lange nicht kahl. Erst die hier eher seltenen Nachtfröste würden dafür sorgen. Jetzt begann die Jahreszeit der warmen Feuer und des weichen Kerzenscheins, die Hermine eigentlich besonders liebte.

Aber nicht in diesem Jahr!

Sie hatte Kummer. Lucius Malfoy, der Mann, mit dem sie die letzten Nächte und Tage so leidenschaftlich verbracht hatte, war er wirklich ein Mörder?

Verdammt, verdammt, verdammt! Nie, niemals hätte sie sich mit ihm eingelassen, wenn sie das gewusst hätte.

Es sind nur Indizien, die gegen Lucius sprechen!

Allerdings sehr belastende.

Er hatte seine Finger irgendwie in dieser Bulgarienangelegenheit – und damit durchaus ein Motiv Ginny, die ihm anscheinend auf die Schliche gekommen war, zu beseitigen.

Seufzend setzte sie sich schließlich auf einen Sessel, nahm die Mappe in die Hand und schlug sie auf.

„Was mach ich nur mit dir, Lucius?"

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Es war bereits vollständig dunkel. Hermine tauchte aus ihrer Lektüre wieder auf. Dieser allerletzte Satz in Ginnys Unterlagen! '1. November, Malfoy! Ganz genau anschauen!' Verdammt, was hatte der zu bedeuten?

Für Lucius sah das sehr schlecht aus!

Er hatte Ginny zu ihrer steilen Karriere verholfen! Es war nicht ihr Talent, ihre Leistung gewesen! Und er war tief in bulgarische 'Geschäfte' verstrickt. Unlautere, ungesetzliche, zwiespältige Geschäfte höchstwahrscheinlich.

Hermine stützte ihre Ellenbogen auf dem Tisch vor sich ab und legte den Kopf in ihre Hände.

Gut, Lucius hatte krumme Geschäfte am Laufen und war wahrscheinlich korrupter, als sie es sich vorstellen konnte. Und dass er in Regierungsangelegenheiten mitgemischt hatte, konnte sogar sie sich denken. Zu seinem Vorteil, natürlich. Aber war er deswegen wirklich Ginnys Mörder?

Hier war einiges unklar.

Sie überlegte: Wenn Ginny ihre hohe Position erreicht hatte, WEIL Lucius sich Geschäftsvorteile davon versprochen hatte, welchen Vorteil hatte er dann davon, wenn Ginny nicht mehr lebte?

Sie überlegte eine ganze Weile. Dann hob sie den Kopf. Das war es!

Auf einmal erschien ihr so einiges in völlig neuem Licht!

Hastig sprang sie auf. Sie hatte zu tun. Oh ja, jede Menge sogar!

Jetzt wusste sie ganz genau, was sie machen würde.