Harry schüttelte energisch den Kopf: „Nein Ron, die guten, alten Zeiten sind definitiv vorbei und, na ja, ich möchte Ginny nur ungern über den Weg laufen!"
20. Wie früher
„Mom du machst mich wahnsinnig!" Ron war vor Mrs. Weasley großem Kochlöffel geflohen, der angeblich etwas enorm Gesundheitsförderndes enthielt.
„Jetzt stell dich nicht so an, Ronald! Das ist gut für dich!" Seit nunmehr zwei unendlich langen Wochen war Ron nun zuhause und den Heilmitteln seiner Mutter hilflos ausgeliefert. Weder Ginny noch Hermine, die sich ebenso lange im Fuchsbau aufhielt, wie er, waren eine große Hilfe. Während Ginny es zu gern sah, wie Ron die scheußlich riechenden Tränke seiner Mutter hinunterwürgen musste, wollte Hermine einfach sicher gehen, dass es Ron gut geht.
„Es reicht, Mom! Jetzt reicht es. Ich weiß, ich wäre fast gestorben und ich weiß, dass es schwer für dich war, aber genug ist genug! Keine Säfte mehr, keine Extrakissen, keine Extraportion Essen, keine Ruhe, nichts mehr! Ich habe genug, es geht mir gut!" Enttäuscht zog Mrs. Weasley ihren Kochlöffel zurück, was Ron zum sofortigen Einlenken brachte. „Ich weiß du meinst es gut Mom, aber es geht mir wirklich gut!" Fast schon flehentlich sah er seine Mutter an, die leicht beleidigt zurückgab: „OK, OK, du bist erwachsen, du musst wissen, was du tust!"
Erleichtert atmete Ron auf: „Ich werde morgen zurück zu Harry gehen, OK?" Enttäuscht nickte Mrs. Weasley. Sie hatte es sehr genossen ihren jüngsten Sohn einmal ganz für sich zu haben, aber sie wusste auch, dass dieser Zustand nicht von Dauer sein konnte. „Aber versprich mir eins Ronald, pass bitte in Zukunft etwas besser auf dich auf! So etwas halte ich nicht noch einmal aus, verstanden?" Ron umarmte seine Mutter und flüsterte ihr ein „Versprochen" ins Ohr.
„Deine Mom hat dich rausgelassen?" Hermine, die auf einer Bank vor dem Haus die letzten Sonnenstrahlen des Tages genossen hatte, sah erstaunt auf Ron, der gerade zu ihr gestoßen war. „Ich werde morgen früh eine Ladung Flohpulver zurück zu Harry nehmen. Ich wollte apparieren, aber du kannst dir vorstellen, wie Mom darauf reagiert hat!" Hermine lachte laut auf. „Auf jeden Fall muss ich hier weg, sonst bringe ich noch jemanden um." Hermine antwortete nicht. Sie hatte gewusst, dass Ron nicht ewig im Fuchsbau bleiben würde und doch hatte sie gehofft, dass die Zeit stillstehen konnte. Sie waren zusammen, sie benahmen sich wie damals, als sie noch Freunde waren. Hermine hatte schon vergessen wie schön es war Rons Freundin zu sein. Sie hatte die Zeit genossen, sie hatte sie sehr genossen.
„Ich hab dir noch gar nicht gedankt, Hermine."
„Ach für was denn."
„Einfach für alles. Dafür, dass du im Krankenhaus immer da warst, dafür, dass du hier warst, eben einfach für alles. Es war schön dich bei mir zu haben. Ich hab mich schon lange nicht mehr so gut gefühlt, wie in den letzten Wochen und dafür bist nur du verantwortlich."
„Ich dachte, ich hätte dich verloren. Ich war nicht darauf vorbereitet, wie es sich anfühlen würde ohne dich zu sein, Ron. Es war, als würde ein Teil von mir fehlen, es…" Hermine schwieg. Sie ahnte in welche Richtung dieses Gespräch führen würde.
„Und was fangen wir jetzt mit all dem an?"
„Ich weiß es nicht Ron, ich weiß es nicht."
„Da bist du ja endlich!" Harry umarmte seinen Freund und wischte ihm etwas Asche von der Schulter. „Wieso bist du nicht einfach appariert?" Als Harry Rons genervten Gesichtsausdruck sah, wusste er schon: „Deine Mom, oder?"
„Es sei viel zu gefährlich. Naja. Es tut gut wieder hier zu sein. Endlich keine merkwürdige Medizin mehr! Ich dachte wirklich ich bekomme die Krise, ich weiß ja, dass meine Mom es nur gut meint, aber was zuviel ist. Naja, du kennst sie."
„Und du bist wieder vollständig hergestellt?"
„Harry, jetzt fang du nicht auch noch an. Es geht mir gut! Ihr müsst nicht dauernd nachfragen, es ist alles in Ordnung."
„Und was hast du jetzt vor?"
Ron ließ sich mit einem Seufzer auf die Couch fallen. „Ja Harry, das ist wieder eine andere Frage." Ron sah schon aus, als würde er unbedingt etwas loswerden wollen und genauso war es auch. Nach einer kurzen, aber dramatischen Pause sagte er: „Ich hab sie geküsst!"
„Du hast was?" Harry starrte Ron entgeistert an. Er hatte gewusst, dass so etwas passieren würde, er hatte es sofort gespürt. Rons Beinahetod hatte in Hermine irgendetwas ausgelöst, was sie vergessen ließ, was für ein Arsch Ron gewesen war.
„Ich hab sie geküsst. Oh man Harry, es fühlte sich alles an wie damals. Bevor…na ja, du weißt schon."
„Aber es ist nicht damals, Ron! Was auch immer da zwischen euch läuft es ist wirklich an der Zeit, dass ihr das klärt! Keine Spiele mehr, kein Hin und Her. Macht endlich Tabula Rasa! Und wenn ihr es nicht für euch tut, dann für Neville! Er hat es wirklich nicht verdient, was ihr da treibt."
Ron seufzte, wusste aber, dass Harry im Grunde Recht hatte.
Hermine war anders, das hatte Neville sofort bemerkt, als sie zurück nach Hogwarts kam. Irgendetwas hatte sich verändert. Sie wich ihm permanent aus und versuchte dauernd andere Menschen zwischen sie zu bringen, um bloß nicht mit Neville reden zu müssen. Er ahnte schon, was passiert war, doch wollte er es erst von Hermine hören. Er bildete sich ein, solange er es nicht von ihr gehört hatte, war auch nichts weiter vorgefallen. Doch jetzt, da beide in ihrem Schlafzimmer standen, gab es nichts und niemanden mehr, der eine Aussprache verhindern konnte.
„Was ist los mit dir?"
„Nichts, nicht. Es waren einfach stressige Wochen, das ist alles."
„Deine Eltern kommen am Wochenende, denkst du da noch dran?" Und kaum hatte Neville diesen Satz ausgesprochen, wurde ihm bewusst, dass Hermine das ganz und gar vergessen hatte.
„Scheiße!", war alles, was sie dazu sagen konnte.
„Du hast gesagt es würde dir passen."
„Ich weiß, ich weiß, aber…"
„Aber was?"
„Das war bevor Ron, bevor wir…" Bei Neville läuteten die Alarmglocken. Er wusste, dass Hermine mit wir nicht sie beide meinte, sondern sie und Ron.
„Was ist zwischen euch gewesen, Hermine?"
Hermine sah Neville schuldbewusst an. „Er hat mich geküsst." Sie betrachtete Neville und sah, dass er wütend wurde. Eine Gefühlregung, die für Neville nicht sehr alltäglich war. „Es tut mir leid, aber…weißt du, es war wie früher, bevor…"
Neville sah sie böse an: „Erspar mir das Hermine, ich habe keine Lust mehr mir das anzuhören. Ich habe jahrelang damit zugebracht dir das Gefühl zu geben, dass Ron dir früher gegeben hat und ich habe es nie geschafft! Es ist nicht fair, Hermine! Ich liebe dich, ich liebe dich über alles. Aber wie zum Teufel soll ich dagegen ankommen? Ich tue alles, was ich kann und je mehr ich dich liebe desto mehr willst du zu ihm zurück. Mir reicht es Hermine, mir reicht es wirklich!" Wütend schlug Neville gegen den Schrank. Es kam praktisch nie zu solchen Ausbrüchen seinerseits, aber jetzt hatte er genug. Er hatte es gewusst, von dem Moment an, wo Hermine nicht mit ihm zurück, sondern bei Ron im Krankenhaus geblieben war. In diesem Moment hatte sie sich endgültig entschieden.
„Du hast dich doch schon viel früher für ihn entschieden! Im Grunde hast du dich nie für mich entschieden und eigentlich wusste ich es, ich wusste es immer. Aber dann tu mir jetzt auch den Gefallen und sei einmal ehrlich, ein einziges Mal!"
„Ich liebe dich Neville, das musst du mir glauben!" Sie weinte und Neville sah ihr an, dass sie sich nicht traute auf ihn zuzugehen. „Aber, ich kann dich nicht heiraten. Nicht nach all dem, was passiert ist. Es… es wäre nicht fair…"
„Nicht fair? Das alles hier, Hermine, das alles ist nicht fair. Du hast nie aufgehört ihn zu lieben! Nie! Und jetzt, wo er sich gerade einmal wieder nicht wie ein Arsch benimmt…" Er brach ab. Er wollte es nicht aussprechen.
„Es tut mir leid, Neville, das musst du mir glauben. Es tut mir wirklich leid."
„Verschwinde Hermine, verschwinde einfach, OK?" Sie versuchte einen Schritt auf ihn zuzumachen, doch Neville hob abwehrend die Hände. „Lass es! Verschwinde einfach!" Die Tränen liefen ihr übers Gesicht, als sie langsam auf die Zimmertür zuging. „Neville, ich…" Doch Neville ließ sie nicht ausreden: „Lass es Hermine, ich hab schon verstanden. Du liebst ihn. Ich wünschte nur, dass wäre dir eingefallen, bevor ich angefangen hab dich zu lieben!"
