Liebe fleißig reviewende und ratende Leser von RATTENMORD!
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Heute geht es geht weiter – mit Lucius und Hermine.
Ihr habt es vielleicht schon gemerkt, zurzeit wechseln die Krimi- regelmäßig mit den Romanzen-Kapiteln ab. Also einmal Neville, einmal Lucius/Hermine. Das hat sich sehr schön so eingespielt, wird sich aber ändern. Neville, der an diesem Abend des fünften Novembers freihat, entdeckt die Freuden des süßen Lebens und gibt den Fall ab! Aber wer soll dann ermitteln? Harry? Georgia? Slawitz?
Alles falsch! Hermine, natürlich! Sie ist gesund, raus aus der Quarantäne und bereit.
Oder doch nicht? Immerhin hat sie ihr Herz an einen hypochondrisch-jammrigen Haarfetischisten verloren. Das bindet, rein zeitmäßig – und verpflichtet!
Aber sie hat einen Plan – und den kann ich hier doch schon mal verraten, oder? Also: Kommt mal näher und lauscht! *senkt die Stimme verschwörerisch ab*
Hermine ist, wie ihr übrigens auch, davon überzeugt, dass Lucius unschuldig ist. Sie holt ihn aus der Quarantäne raus – und macht ihn zum Hilfsauror! Kommissar Malfoy wird also demnächst ermitteln!
Na, das kann ja was werden: Turtelnde Auroren!
Macht euch also bereit auf Ermittlungsarbeiten mit Liebesgeflüster und Haarbürste!
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Aber was tue ich da? Ich greife der Handlung doch vor!
Also so was! Das kommt davon, wenn man irgendwann nicht mehr weiß, was man in die Ansprache hineinschreiben soll!
Dabei wisst ihr doch noch gar nicht, was Hermine vorhat, um ihren Lucius zu befreien. Denn noch sitzt der ja fest. Mit Askaban vor Augen.
Na, aber das könnt ihr jetzt gleich lesen!
(Und wer glaubt, was in dieser Ansprache steht, ist selbst schuld!)
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Viel Spaß also!
Feuerbohne
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18:30 Uhr
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Lucius
Äh…
Hermine!
Hermine?
Das konnte nicht…
Lucius wandte sich ab. Seine Hand strebte an seinen Mund. Das ertrug er jetzt wirklich nicht mehr! Seine Augen fühlten sich heiß an. Der Kopf schüttelte sich von allein.
Hermine …
Hermine stand im Raum, urplötzlich, ungeduldig und flatterte auffordernd mit den Händen.
„Worauf wartest Du? Bist Du fertig?"
„Moment!" Plötzlich stand er neben ihr, griff sie, die sich sofort wieder frei machte. „WAS WILLST DU?"
Mit hektischer Geste strebte sie noch weiter von ihm weg. „Was soll ich wollen? Dich holen! Beeil Dich!"
„Warum jetzt plötzlich? Wozu? Was…"
Verwirrt sah er zu, wie sie im Zimmer umherzurennen begann, Gegenstände auf das Bett warf, kreuz und quer herumwirbelte.
„Frag nicht lang, hol Deine wichtigen Sachen, ich verkleinere sie!"
Das konnte sie doch jetzt nicht von ihm verlangen! Daß er ihr auf einmal blind gehorchte, nachdem sie ihn vor drei Stunden und zwölfeinhalb Minuten mir nichts Dir nichts, schmählich im Stich gelassen hatte! Im Glauben, daß er sie niemals mehr…
„Wozu soll das gut sein? Ich verstehe nicht, wieso Du…"
Sie wurde immer hastiger. „Vertrau mir einfach und beeil Dich. Viel Zeit haben wir nicht!"
„Hermine, ich will wissen, warum Du das tust!"
„Was willst Du mitnehmen, such alles zusammen, ich fange mit dem Verkleinern an!"
Ohne sich weiter um ihn zu kümmern, zerrte sie ihren Zauberstab aus der Tasche (völlig skurril, wie ungewohnt ihm dieser Anblick erschien!) und richtete ihn auf einen Bücherstapel, den sie zuvor aufs Bett geschleudert hatte. „Deminuere!
Du brauchst KLEIDUNG! Deine Haarbürste!" Sie stutzte. Winkte hastig. „Und was Du halt sonst noch brauchst! Bring mir alles! Schnell!"
Er hatte sie nur aus dem Augenwinkel beobachten können, weil er noch immer die von ihrem Zauber unbeeinträchtigten, lediglich durcheinandergepurzelten Bücher anstarrte.
„Du hast Deine Magie auch noch nicht zurück?" erkundigte er sich vorsichtig.
„Was meinst … OH NEIN!" Hermine stürzte zum Bett. „Aber… ich HABE meine Magie! Es muß…" Erneut ihren Zauberstab ausstreckend, wiederholte sie drängender: „Deminuere!" Die Spitze weiterbewegend. „Deminuere!"
Lucius war von hinten an sie herangetreten und umfaßte sie sanft.
„Es geht nicht. Das siehst Du doch."
Hermine machte einen Schritt nach vorne.
„Es MUß gehen! Ich habe ihn genommen, NACHDEM ich gesehen hatte, wie der Hausmeister damit geputzt hat!"
„HAUSMEISTER? Du hast diesen Zauberstab dem Hausmeister gestohlen? Das sind doch immer Squibs! Warum hast Du keinen besseren genommen? Wo ist Dein eigener? Wir sind doch darauf angewiesen, wenn wir wirklich…"
„Deminuere!" Diesmal klang ihre Stimme wie die seiner Mutter, wenn sie einen Hauself schimpfte. Verblüfft beobachtete Lucius, wie sie nun sämtliche, offenbar ordnungsgemäß verkleinerten Sachen achtlos in ihren mitgebrachten Rucksack stopfte.
Okay, er mußte ins Bad! Endlich! Sein Gepäck! Seine deminuierten Taschen mit beiden Armen zusammenraffend, ging er gebeugt zum Bett und ließ alles auf die Matratze fallen.
Naja… wenn sie gerade dabei war…
Rasch lief er zurück und griff nach seiner Haarbürste. Was könnte er sonst noch dringend brauchen?
Oh ja, der… wie hieß er? Das war doch wirklich schön gewesen…
Hermine drehte sich zu ihm um und lächelte, als sie das Gebläse von ihm entgegennahm.
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Die Tür klappte.
„Warum ist hier nicht zugesperrt?"
Lucius wirbelte herum. Der Drache! Welcher aufs Bett starrte und ihm ins Wort fiel, ehe er es auch nur hätte denken können:
„WAS IST DENN HIER LOS?!"
Hermine schreckte zusammen. Brachte es fertig zu lächeln. Freundlich zu erklären: „Ich packe!"
Die ausladende Person stemmte die Hände in die Hüften und starrte auf Lucius' Gepäck.
„WER PACKT?!"
Er reckte den Rücken und klaubte sämtliche malfoy'sche Autorität zusammen. Verkündete so arrogant wie möglich:
„ICH packe AUCH, wenn's recht ist!"
Er haßte es, sich ohne Zauberstab so machtlos zu fühlen! Und bei dieser… FRAU auf zurückgreifen zu müssen… Ihn schauderte. Vergrößerte seine Distanz zu ihr. Sie war wirklich zu unangenehm. Und reagierte überhaupt nicht auf seine vielfach bewährte Ausstrahlung! Verzog lediglich ihr Gesicht und schnaubte:
„Wofür? Für Azkaban?!"
Eine Sekunde konnte er nur starren. Zischte sie dann an und richtete einen imaginären Zauberstab auf sie:
„Wofür auch IMMER! Gehen Sie uns aus dem Weg!"
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„IMPEDIMENTA!"
Sein Blick wurde von Hermines herrischster Stimme zur Seite gerissen. Ihr Haar knisterte vor Elektrizität. Der Drache schwankte.
„Incarcerus!"
Noch im Fallen zogen sich magische Fesseln um ihre feisten Gliedmaßen. Sein anerkennendes Nicken in Hermines Richtung wurde mit einem schnaubenden Laut quittiert:
„Ich bin Aurorin, Lucius. Zumindest AUCH!"
Sie war süß. Und sie holte ihn hier heraus. Das bedeutete mit hoher Wahrscheinlichkeit, daß sie ihn…
„JETZT müssen wir aber wirklich schnell machen! Hast Du alles?" Hermine stopfte das Gebläse in den Rucksack, hielt ihm diesen hin, damit er die Bürste darin versenken konnte. „Ich mache einen Portschlüssel!"
„Das Kissen?"
Bewundernswert konzentriert vollzog sie die notwendigen Schlenker und Bewegungen.
„Folkestone. Der goldene Krug. Sofort. Portus!"
Sie schaute ihn an. Er nickte. Beide ergriffen das Kissen.
„Drei. Zwei. Eins."
Nichts.
Sie fluchte. „Verdammt! Ich glaube es nicht. Was ist denn das für ein Zauberstab?!"
„HAUSMEISTER! Sage ich doch! Wie konntest Du nur auf die Idee kommen…"
„So ein Mist! Warum hab ich bloß keinen Blankoperport besorgt? Damit hätten wir jetzt keinerlei Probleme."
„Was auch immer das ist, wir haben es nicht! Lucius winkte energisch ab. „Wir brauchen etwas – sofort!"
„Die sind unübertroffen, diese Permanentportschlüssel!" Hermine, schüttelte bedauernd den Kopf und holte Luft. Doch ehe sie zu einem ihrer Vorträge ansetzen konnte, fiel Lucius ihr ins Wort.
„Wir haben keine Zeit! Was jetzt?"
Widerstrebend blinzelte Hermine. Dann schien sie wieder voll da: „Da bleibt uns wohl nichts anderes als Vielsafttrank."
„Nein!" entrüstet sah Lucius Hermine an. „Habt ihr verdammten Auroren keine besseren Methoden als diesen sogenannten – wie nanntest du das? Perport oder so – und Vielsafttrank?"
„Du meine Güte", regte sich Hermine prompt auf: „Ich war mit dir – in Quarantäne. Sag mir die Zeit, die ich gehabt hätte, für eine elegante Fluchtmöglichkeit zu sorgen!"
Einen Moment schien sie auf seinen Einwand zu warten, dann fuhr sie fort: „Vielsafttrank. Das ist besser als nichts! Wir haben keine Wahl! Sonst kommst DU hier nicht heraus, Lucius!"
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Hermine
Sie kramte bereits in ihrem Rucksack. Wie gut, dass sie als Aurorin immer Zugang zur Zaubertrank-Apotheke im Ministerium hatte – und wie schlecht, dass sie bereits die ganzen Bücher in ihn hinein gestopft hatte!
Sie suchte.
„Rupf ihr ein paar Haare aus!" Hermine wies mit dem Kinn auf die dicke Heilerin, die Malfoy inzwischen auf das Bett geschubbst hatte. „Und deck sie dann zu. Am besten ganz!"
Endlich fühlte sie etwas aus Glas. Sie zog ein Fläschchen aus dem Rucksack. War es das?
Nein, nur Parfum. Gewöhnliches Muggelparfüm. Hermine runzelte nachdenklich die Stirn, wie kam das da rein? Eine Sekunde später beschloss sie jedoch, diesen Gedanken nicht weiter zu verfolgen. Entschlossen suchte sie weiter.
„Du willst mich in sie ...?", sein Gesicht Entsetzen pur.
Hermine verdrehte genervt die Augen. Das war ja mal wieder typisch Lucius! Stellte in dieser Situation auch noch Ansprüche! „Siehst du hier jemand anderen?"
Sie suchte immer noch in der Tiefe ihres Rucksackes herum. „Nun mach schon!"
„Ich will die aber nicht anfassen!"
„Willst du lieber nach Askaban?"
Das gab den Ausschlag! Lucius beugte sich nach vorn und fasste Heilerin Clementia Knife ins füllige Grauhaar.
„Hier!"
Er reichte ihr ein ganzes Büschel. „Gut, dass die nicht zetern kann!" Seine Stimme klang tatsächlich zufrieden.
Hermine kramte noch immer. Verdammt, dieser Rucksack war aber auch zu voll!
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Endlich bekam sie wieder ein Fläschchen in die Finger.
„AH! Da ist es ja!" Erfreut schwenkte sie es, um es gleich darauf entsetzt vor ihre Augen zu reißen. Nur noch ein geringer Rest befand sich darin. So ein Mist aber auch! Das da würde nur für ein einziges Mal reichen!
Immerhin besser als nichts! Eilig rupfte sie den Korken heraus und hielt es Lucius hin: „Rein damit!"
Er sah nicht glücklich aus, als sich die Flüssigkeit zischend mit den Haaren verband und in eitergelben Schwabbel verwandelte.
„Das ist jetzt nicht dein Ernst!" Mit angewidertem Gesicht war er einen Schritt zurückgewichen.
Hermine folgte ihm: „Augen zu und runter damit. Denk einfach an die Alternative!"
Askaban wirkte wieder.
Lucius setzte die Flasche an und sog den Inhalt mit einem Ruck in sich hinein.
Dann schnellte sein Oberkörper nach vorn. Er würgte.
„Nicht spucken!" Hermine, ebenfalls vorgebeugt, sah ihm gespannt ins Gesicht. „Es muss drin bleiben!"
„Dieses Weib schmeckt WIDERLICH!"
Er hatte es geschafft – und begann sich bereits zu verwandeln.
Gebannt beobachtete Hermine, wie er zu schrumpfen begann, dafür aber von Sekunde zu Sekunde mehr anschwoll. Seine Haare verkürzten und ringelten sich – und ergrauten. Sein Gesicht wurde breiter, er bekam ein Doppelkinn und ein paar vereinzelte Barthaare!
Uuh! Hermine schauderte, lachte aber dabei.
„Komm, mein geliebter Schöner! Lass uns noch deine Kleidung anpassen!"
Sie zerrte bereits an Clementias Kittel.
„Den brauchen wir noch", sagte sie ungerührt in deren empört aufgerissene, dennoch völlig erstarrte Augen hinein, als sie deren Kittel an sich nahm. Schnell tastete sie ihn ab, zog etwas aus der Tasche und steckte es befriedigt lächelnd sorgfältig in ihre. Das Kleidungsstück hielt sie Lucius anschließend auffordernd vor die Nase.
„Das werde ich nicht anziehen", sagte er vehement, „dieses verlauste Weib stinkt!"
„Clementia in Kaschmir-Herrenklamotten? Wie unauffällig!" Hermine schüttelte völlig ungerührt den Kopf. „Denk einfach immer nur an die Alternative und zieh jetzt deine Hose aus!"
Sie hielt ihm den leicht angeschmuddelten Kittel hin, den er mit spitzen Fingern und pikiertem Gesicht entgegen nahm.
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Eine Minute später betraten zwei Frauen Seite an Seite den Flur der Quarantäne-Station.
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„Langsam!", raunte Hermine, „wir gehen jetzt langsam hier entlang."
Sie hatte Lucius untergehakt und zog ihn mit sich: „Da vorn ist das Heilerzimmer. Du gehst rein, meldest dich ab, holst deinen Umhang und dann spazieren wir hier raus! Aber denk daran, wenn es mehrere Umhänge gibt", sie grinste, trotz des Ernstes der Situation. Das hier war wirklich zu grotesk, „du bist klein und rund! Nicht, dass du einen falschen erwischt und dich verrätst!"
„Hoffentlich ist niemand da und es reicht, wenn ich eine Nachricht hinterlasse!" murmelte Lucius verbissen und unglücklich.
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Natürlich war der Raum nicht leer.
„Oh, hallo Hermine!" Rosalie strahlte beide Frauen an. „Das ist ja schön, dass du endlich entlassen bist!"
Lucius verharrte mit angespanntem Gesicht eine Sekunde in der Tür, dann ging er weiter, zum Schrank.
„Ich ..."
Er brach ab. Hermine hielt die Luft an, ihr Herz setzte eine Sekunde aus. Er würde doch jetzt nicht schwächeln?
„Ich ... gehe heute etwas früher, weil ich noch einen Termin habe!"
Uff, er hatte es herausgebracht! Nicht so selbstverständlich, wie Clementia das gesagt hätte, aber immerhin! Aufgeregt sah Hermine zu Rosalie. Würde sie das schlucken?
Doch die reagierte nicht einmal überrascht, nickte nur.
Hermine atmete erleichtert aus. „Wir gehen zusammen, weil wir fast den gleichen Weg haben", erklärte sie liebenswürdig lächelnd.
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„Wie geht es dem Schwerenöter?" Rosalie wies mit dem Kinn den Flur hinab. „Für den werden die Zeiten jetzt wohl nicht leichter werden!"
„Wen ... meinst du?" Lucius sah leicht verwirrt aus.
„Deinen Liebling", flötete Rosalie. „Den blonden Casanova!"
Oh! Hermine warf Lucius einen warnenden Blick zu. Halt jetzt bloß den Mund!
Doch der hatte die Augenbrauen bereits zusammengezogen: „Du sprichst von Lucius Malfoy?"
Seine Stimme klang viel zu empört für Clementia!
„Der schläft jetzt!" Hermine lächelte immer noch, wenn auch reichlich angespannt. „Er hat sich ins Bett gelegt, bis über die Haare zugedeckt und sich dann nicht mehr gerührt."
„Ja, der und seine Haare", grinste Rosalie, wurde aber sofort ernst: „Und er ist wirklich des Mordes überführt und kommt nach Askaban?"
„Morgen", nickte Hermine blass. Sie mussten hier raus! Schnell! Demnächst würde sich Lucius verraten. Sein Gesicht war schon ganz rot. Er schüttelte den Kopf, dass die grauen Löckchen nur so wirbelten. Sein Doppelkinn wabbelte.
„Er ist mit Sicherheit kei...!"
„Clementia!" Hermine warf sich verzweifelt in Lucius verräterischen Satz. „Wollten Sie nicht schnell Ihren Umhang holen? Bei mir drängt es jetzt wirklich!"
Sie versuchte, seine Augen zu sich zu zwingen. Er musste das jetzt schlucken!
„Ích bin froh, wenn er weg ist", Rosalie wandte sich zwar den Unterlagen zu, die sie gerade vor sich auf dem Tisch liegen hatte, dennoch, sie war noch nicht fertig mit Reden! „Ständig diese Anmacherei! Ich hatte es schon richtig dick!"
Lucius stand wie eingefroren, starrte nur immer auf die junge Heilerin. Hermine konnte deutlich sehen, dass er gerade sichtlich schmerzhaft durch die rosarote Rosalie-Wolke plumpste, auf der er es sich seit seiner Zwangseinlieferung hier gemütlich gemacht hatte.
Selbst wenn ihr dies ein klein wenig Genugtuung verschaffte, er musste damit aufhören! Dringend!
Kommen Sie?" Hermine drängte. „Wir – äh, ich, ... muss jetzt aber wirklich los!"
Lucius rührte sich nicht.
Verzweifelt überlegte Hermine. Wie konnte sie Lucius da rausholen? Er würde sich verraten! Seine Empörung war ihm viel zu deutlich anzusehen! Er sollte jetzt besser schauspielern! Clementia würde sich doch eher freuen, wenn der unbeliebte Patient endlich verschwunden sein würde.
„Clementia, wenn Sie jetzt nicht kommen, MUSS ich alleine gehen!"
Wirkte das jetzt endlich und brachte ihn zur Besinnung?
„Geh du nur, sonst kommst du noch zu spät!" Rosalie half unbeabsichtigt mit, lächelte ihre vermeintliche Arbeitskollegin freundlich an: „Ich werde mich um unseren Blondschatz schon kümmern, wenn er sich meldet!"
Hermine warf ihr einen dankbaren Blick zu, drehte sich dann um und ging einfach den Gang hinunter. Jetzt würde er doch nachkommen, oder?
Sie drehte sich um, sah, wie Lucius gerade heftig den Schrank aufriss, den Umhang herausholte und mit viel größeren Schritten, als man es einer so kleinen und dicken Frau zugetraut hätte, hinter ihr herstürmte.
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„Das ist doch ein Komplott! Das hast du nur inszeniert, weil du eifersüchtig bist!"
Lucius zeterte aus Leibeskräften. „Niemals hat Rosalie gemeint, was sie da gesagt hat. Das hast du mit ihr abgesprochen!"
Hermine ging grinsend neben ihm her, schenkte ihm dennoch einen kurzen Blick: „Diese Frisur, sie steht dir ausgezeichnet!"
DAS schien ihn zu ernüchtern. Aufseufzend fuhr er sich durchs kurze Kraushaar: „Warum hast du ausgerechnet diesen Drachen ausgewählt?"
„Weil du im von dir erwünschteren Fall nicht traurig durch graue Haare wuscheln würdest!"
„Sondern?"
„Am aufreizend üppigen Busen herum fummeln!"
Hermine legte an Tempo zu.
„Das hätte mir gefallen!"
„Mir aber nicht!" JETZT rannte sie.
Lucius schnaufte neben ihr her. „Kannst du nicht ein bisschen langsamer machen?"
Hermine drosselte ihr Tempo etwas: „Zu klein zum Laufen, hä? Zu dick?" Sie zuckte mit den Schultern. „Wir MÜSSEN schnell machen!"
„Du willst mich quälen, gib es zu!"
JETZT reichte es aber! Hermine fuhr herum und sah der kleinen Frau neben sich geradeaus in die Augen: „Clementia ist ganz ohne mein Zutun gekommen, hast du das schon vergessen? Aber ich bin froh, dass SIE es war!"
„Du willst dich also rächen?"
„Halt deinen Mund, sonst räche ich mich wirklich!"
Hermine sah sich nervös um. Erregten sie Aufsehen?
Die Flure und Korridore waren weitgehend leer, von ein paar Besuchern abgesehen, die ihnen zum Glück aber keinerlei Beachtung schenkten. Es hatte bisher noch niemanden gegeben, der von ihnen Notiz genommen hätte. Dennoch, Hermine wollte möglichst ohne Aufsehen zu erregen das Krankenhaus verlassen und von der Bildfläche verschwinden.
Sie schnappte sich Lucius Arm und klemmte sich an ihm ein. „Wir werden jetzt schön leise hier rausmarschieren. Und danach bringe ich dich um!"
Lucius blieb stehen, grinste begeistert: „Du bist eifersüchtig!"
„JETZT nicht!" Hermine sah einmal an der vor ihr stehenden Frau hinauf und hinunter. Nein, wirklich nicht! „Aber wir sollten wirklich zusehen, dass wir möglichst weit von hier weg kommen, solange du so - hübsch getarnt bist!"
