Liebe Leser,
vielen Dank für euren einfallsreichen Vorschläge, wohin Neville Narzissa entführen könnte!
Sehr schöne Ideen, aber leider war keine richtige Antwort darunter!
Dabei hätte es für die korrekte Lösung den Anfangsbuchstaben des Täters gegeben! Tja. Leider verloren!
Ich beziehe mich hier auf Kapitel 63. Da sagte Neville: Außerdem besitze ich eine Dauerkarte für den Botanischen Garten und für die Spiele der `Red Rockets`.
Gut, ich verstehe, ihr ward damals alle so in Vorfreude auf Kapitel 64, dass ihr das nicht soooo genau gelesen habt.
Selber schuld!
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Vielen Dank an alle Reviewer, die da wären: Astrid-Runa, Hedril, NellasCookie, Zuckerdrache, Talea, ladyshy75, Seraphin, Dark Fay und Miss Perenelle!
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Und los geht's!
Legi
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05.11. 2005 19.30 Uhr
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„So etwas kann ich doch nicht aufsetzten!" Entsetzt streckte Narzissa ihm den übergroßen Hut in Form einer Rakete wieder entgegen. Neville lachte. „Ein bisschen verkleiden gehört dazu, außerdem wollen wir doch beide nicht gleich erkannt werden, oder? Ich bring was anderes."
Er ließ Narzissa kurz in einer versteckten Seitengasse dieses kleinen, magischen Vororts von London, in dem sich das Stadion befand, zurück. Ein paar Minuten später tauchte er mit einer vollen Tüte in rot-blau wieder auf. „Hier, ein dicker Fan-Schal für jeden. Für Sie noch eine Red Rockets-Mütze, die das Gesicht ziemlich verhüllt." Er übergab ihr eine rote Kopfbedeckung, deren seitliche Teile über die Ohren reichten und jeweils mit einem blinkenden Bommel endeten. Narzissa betrachtete die Mütze skeptisch, zog sie aber schließlich über ihre blonden Haare.
Neville nickte wohlwollend. „Jetzt sollten Sie sich nur noch ein anderes Outfit zaubern."
Mit einem überraschten Ausdruck sah sie an ihrem blauen engen Rock und dem passenden Samtoberteil unter einem schimmernden Umhang hinunter. „Was stimmt damit nicht? Ich war schon einmal mit Lucius beim Quidditch, da war ich noch eleganter gekleidet."
Er grinste. „Naja, das waren sicher oben die Logenplätze. Aber wir sind unten in der Südkurve. Da wären Jeans sicher angebrachter."
„Jeans?" Sie sprach das Wort aus, als wäre es etwas Unanständiges.
Er deutete mit der Hand auf seine dunkelblaue Baumwollhose. „Oder irgend so was."
Seufzend richtete Narzissa ihren Zauberstab auf sich selbst und trug kurz darauf eine schwarze Jeans und ein einfaches, weinrotes Twinset, dazu einen knielangen dunklen Mantel.
„Wunderbar!" freute sich Neville. Er fand sie in diesen schlichten Kleidungsstücken genauso elegant wie in ihren teuren Roben.
Jetzt wurde es langsam Zeit.
Er nahm Narzissa an der Hand und führte sie durch die Menschenmassen am Eingang zum Quidditch-Stadion. Nachdem er sein Dauerticket vorgezeigt und für sie noch eine Karte erstanden hatte, zog er sie auf die oberste Reihe der unteren Tribüne. Um sie herum standen dicht gedrängt die Fans der Red Rockets, die sich bereits mit Schmähliedern für die gegerische Mannschaft warm sangen „Fireballs, you losing team, we`ll eat you up like pudding and cream ..."
Es roch nach Popwheat und heißen Würstchen.
Neville zog seinen Schal noch ein Stück weiter nach oben und schaute zu Narzissa. Die stand etwas unschlüssig neben ihm, vermummt in Fan-Schal und Mütze, aber offenbar auch sehr interessiert an dem Geschehen um sie herum. Er beugte sich zu ihr. „Ist doch eine tolle Atmosphäre, oder nicht?"
Sie lächelte ihn an. „Auf jeden Fall mal etwas anderes."
Ein lauter Pfiff durchbrach die Gespräche und Gesänge.
Der Schiedsrichter erschien und winkte die Teams herein, welche zwei wilde Runden auf ihren Besen absolvierten. In der Reihe vor Neville und Narzissa trugen zwei Zuschauer trichterartig geformte Fan-Hüte, die nun jeden Spieler der Red Rockets einzeln schrill ausriefen. „....Nummääär fünf: Lorbergo Bakerrr, Nummääär zwölf: Dennis Tobitzkoooo, Nummääär......"
Ein Aufschrei ging durch die Menge, als schließlich die Bälle entlassen wurden.
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Das Spiel startete in rasantem Tempo. Die orange-gekleideten Fireballs agierten sehr aggressiv, denn nach vier verlorenen Matches in Folge musste nun unbedingt ein Sieg her. Bereits nach den ersten paar Minuten hielt VanDimme, der breitschultrige Verteidiger, seinen Besen mitten im Flug an, sodass der leichtgewichtige Sucher der Rockets auf ihn aufprallte und um ein Haar vom Besen katapultiert worden wäre. Die gesamte Südkurve schrie auf: Erst angstvoll, dann zornig, als der Schiedsrichter das Foul nicht gab und die Red Rockets somit um den verdienten Penalty-Wurf brachte. Neville wollte gerade in den Chor der „Schiri, bist du blind?"-Rufe einstimmen, nahm sich dann aber angesichts seiner Begleiterin doch zurück.
Narzissa beobachtete fasziniert die Fans um sie herum, die nun ihre Zauberstäbe hochstreckten und zahllose schwarze Blinden-Armbinden auf den Schiedsrichter heruntersegeln ließen. Ihr Lachen klang hell und jung: „Sie hatten Recht, Neville, hier gibt es wirklich jede Menge Action!"
Er fand, sie machte sich gut hier in der Südkurve, mit Fanschal und seltsamem Hut. Etwas fehlte natürlich noch. „Ich hol mal noch was zu trinken! Ein bisschen Abkühlung kann bei diesem Spiel heute nicht schaden."
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Ein paar Minuten später stand er wieder neben Narzissa und reichte ihr grinsend einen roten Papp-Becher in Raketen-Form: „Quidditch-Champagner!" Mutig nahm sie einen kleinen Schluck des rot sprudelnden Getränks, zog dann aber sofort die Augenbrauen zusammen. „Was ist das für ein eigenartiges Gebräu?" Neville hielt ihr noch einen Pappteller entgegen und erwiderte: „Rocket-Brause. Nehmen sie noch einen Hot Chili-Dog dazu. Oder lieber einen Zimt-Quaffel?" Er zog ein kleines Gebäckstück aus der Manteltasche hervor. Narzissa schüttelte lachend den Kopf. „Das ist das seltsamste Dinner, zu dem ich je eingeladen wurde!"
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Als ein lauter Aufschrei durch die Menge ging, wandten sich beide wieder dem Spielgeschehen zu.
Smartson, der Kapitän der Red Rockets, war gerade dabei, ein neuartiges Manöver einzuleiten. Er duckte sich unter einem herumsausenden Klatscher weg und schleuderte dann mit aller Wucht den Quaffel zu Tobitzko, der seitlich neben dem Tor wartete. Tobitzko drehte sich mit einer blitzartigen Bewegung zur Seite, wobei er seinen Besen wie einen Tennisschläger verwendete und den Quaffel mit einem Volley-Hieb durch das Tor katapultierte. Von seinem Platz direkt hinter der Torlinie aus konnte Neville das Geschehen genau beobachten. Er ließ sich von der allgemeinen Euphorie mitreißen und sprang jubelnd von seinem Platz auf.
„Toooor!"
Der Stadionsprecher verkündete den neuen Punktestand, während die Stimmung auf der Tribühne weiter hochkochte.
Narzissa musste nun laut rufen, um sich mit ihm zu verständigen. „Ich habe Blitzlichter gesehen, es sind doch keine Reporter hier, oder?"
„Iwo, nur wegen des Spieles."
Er wollte sie gerade fragen, wie es ihr denn gefiel, als wieder ein Raunen durch die Menge ging. Neville sah, dass VanDimme zielstrebig auf die wendige Treiberin der Rockets zuflog. „Pass auf, Ally! Er will dich rammen, du musst ausweichen!" Seine Warnung hatte natürlich keine Chance, den allgemeinen Geräuschpegel zu durchdringen. VanDimme prallte ungebremst auf Ally, welche den Halt verlor und samt ihres Besen nach unten stürzte.
Narzissa stieß einen entsetzten Schrei aus, als die Spielerin im Sand der Arena aufschlug. „Um Himmels Willen! Man muss sofort einen Heiler holen!" Sie war aufgesprungen und hatte sich nach vorne gebeugt, um einen besseren Blick zu erlangen. Mit Panik in den Augen sah sie Neville an „Sie muss ins , warum tut denn keiner was!"
Neville legte ihr beruhigend die Hand auf die Schulter. „Schauen Sie, die Stadion-Heiler sind schon bei ihr. Aber sie war gut gepolstert. Wenn ich es richtig sehe, steht sie bereits wieder!"
Narzissa vergewisserte sich mit einem letzten Blick, dass Ally tatsächlich wieder auf den Beinen war und setzte sich dann wieder auf ihren Sitz. Er musterte seine Begleiterin, die plötzlich sehr blass wirkte.
War es wirklich so eine gute Idee gewesen, sie hierher mitzunehmen?
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Bevor Neville weiter darüber nachdenken konnte, versenkten die Fireballs unter lautem Jubel der gegenüberliegenden Fankurve den Ball im Tor.
Gleichstand.
Beide Sucher patroullierten weiter oben das Spielfeld. Vom Schnatz fehlte immer noch jede Spur.
Da! Ein weiterer geschickter Spielzug des rot-blauen Kapitäns und wieder jagte der Quaffel durch das direkt vor der Südkurve liegende Tor. 20 zu 10 für die Red Rockets!
Neville nahm im ersten Moment gar nicht zur Kenntnis, dass Narzissa neben ihm auch aufgesprungen war. Ohne lange darüber nachzudenken, nahm er sie im allgemeinen Freudentaumel in die Arme und drückte sie an sich.
Ach du liebe Zeit, was tu ich nur gerade?
Als es ihm bewusst wurde, ließ er sie vorsichtig wieder aus und räusperte sich. „Äh, Entschuldigung! Tut mir leid, ich weiß gar nicht….."
Er musterte sie ängstlich.
Sie wirkte ebenfalls ein wenig verlegen, aber nicht entsetzt oder verärgert.
Beide setzten sich mit vorschriftsmäßigem Abstand wieder auf ihre Plätze.
Da fiel es ihm auf: Sie hatte sich nicht gewehrt! Na ja, vielleicht war sie einfach zu überrascht gewesen von seiner plötzlichen Umarmung. Aber sie hatte ihn auch nicht weggedrückt oder von sich geschoben. Das wäre ihr doch immerhin möglich gewesen!
Langsam drehte er seinen Kopf zur Seite, um ihre Miene zu lesen, doch die Menschenmassen um ihn herum gerieten schon wieder in Aufruhr.
Wieder ein Treffer der Rockets, 30 zu 10!
Von der Tribüne über ihnen rieselten ganze Ladungen rotes Konfetti herunter, die sich glitzernd auf Narzissas Hut und den darunter hervorwallenden blonden Haaren niederließen.
Sie lächelte.
Ihm wurde warm ums Herz.
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Am Rande des Spielfelds, gleich neben der Holzkonstruktion der Tribünen, hatten Fans mehrere Bodenfeuerwerke entzündet, die unter lautem Geknalle und unter großer Rauchentwicklung zahllose kleine rote Raketen nach oben schossen.
Vielleicht sollte er Narzissa doch lieber an einen ruhigeren Ort führen? Irgendwohin, wo sie reden konnten? Sich etwas besser kennenlernen würden?
Er beugte sich zu ihrem Ohr. „Ist es Ihnen vielleicht lieber, wir verlassen diesen Hexenkessel und unterhalten uns noch irgendwo bei einer Tasse Tee?"
Sie schüttelte aufgebracht den Kopf: „Nein, schauen Sie nur, die Rockets greifen wieder an!" Erstaunt musste er mit ansehen, wie sie aufsprang und die Aktionen des Kapitäns verfolgte, der sich gerade den Quaffel zurechtlegte.
„Da! Der Schnatz!"
Ein Aufschrei aus den Reihen neben ihnen. Tatsächlich! Unweit des Tores leuchtete der kleine goldene Ball auf. Der rot-blaue Sucher befand sich gerade am rechten Spielfeldrand und sauste nun an den Tribünen entlang auf den Schnatz zu.
Dann ging alles ganz schnell.
Smartson, der Kapitän streckte gerade den Arm nach hinten, um den Quaffel in bewährter Manier zu Tobitzko zu schleudern, als ein lauter Ausruf durch die Menge schallte.
„RATTEN!"
Ein ganzes Rudel der Tiere rannte – anscheinend durch das Feuerwerk aus ihrem Versteck aufgescheucht – über das Spielfeld und auf die Tribünene der anderen Seite zu, um dort Schutz zu suchen.
Panik brach sofort unter den Zuschauern aus. Die Menschen sprangen auf, schrien entsetzt und liefen kopflos in verschiedene Richtungen. Neville legte seinen Arm um Narzissa und versuchte, den sichersten Weg nach draußen zu finden. Aus den Augenwinkeln sah er dabei, dass auch auf dem Spielfeld Chaos ausgebrochen war. Smartson hatte seinen gewaltigen Wurf noch ausgeführt, doch Tobitzko war von den Geschehnissen am Boden so abgelenkt gewesen, dass er den Ball nicht geschlagen hatte. Der Quaffel flog ungebremst weiter und traf genau auf den Sucher, der vollkommen unbeeindruckt von den Ereignissen gerade die Hand nach dem Schnatz ausgestreckt hatte. Der Aufprall an seiner Schläfe riss ihn nach hinten und ließ ihn samt Besen in die Holzbalken direkt über Neville und Narzissa krachen.
Bretter splitterten, Menschen schrien auf, die Tribüne über ihnen schien zu schwanken.
Reflexartig riss Neville seine Begleiterin zu Boden und warf sich schützend über sie. Die Überreste des Besens und ein paar Holzteile prasselten auf ihn herunter, während die anderen Zuschauer schreiend zur Seite flüchteten.
Er konnte Narzissas hektischen Atem unter sich spüren und hoffte inständig, dass ihr nichts passiert war. Nach ein paar Momenten, als die größte Gefahr wohl vorbei was, richtete er sich vorsichtig auf. „Narzissa, sind Sie verletzt?" Sie setzte sich auf und schüttelte ein paar Holzspäne aus den Haaren. „Nein, es geht mir gut. Oh, Neville, Sie bluten ja!" Flink zog sie ein besticktes Taschentuch hervor und tupfte vorsichtig an seine linke Schläfe.
Er räusperte sich: „Das ist nur ein Kratzer!", während Narzissa mit den Fingerspitzen einige Splitter aus seinen Haaren strich.
Er zuckte zusammen. Nicht, weil die Wunde besonders schmerzhaft war – dafür war sie zu klein. Vielmehr, weil die behutsamen Berührungen ihrer Finger eine plötzliche, sehnsuchtsvolle Reaktion bei ihm auslöste. Er neigte seinen Kopf ganz leicht ihrer Hand entgegen und konnte dem Reflex, die Augen zu schließen und auf weitere Zärtlichkeiten zu hoffen, im letzten Moment noch widerstehen.
Merlin, sie waren schließlich immer noch auf der Quidditch-Tribüne!
Narzissa dachte offenbar ähnlich, denn sie rückte etwas von ihm ab und sah sich nun zum ersten Mal richtig um – ebenso wie Neville.
Der Sucher, welcher in die Tribüne gekracht war, lag ein paar Meter neben ihnen am Boden, schien jedoch bei Bewusstsein zu sein. Mehrere Personen knieten neben ihm und von weiter unten drangen bereits die durchdringenden Rufe eines Stadion-Heilers heran. „Lasst mich durch, dort oben ist jemand verletzt!"
Neville stand auf, reichte Narzissa die Hand und half ihr hoch. „Wir sollten gehen. Die Mehrheit der Zuschauer ist geflüchtet und das Spiel ist sowieso vorbei."
Er blickte nach unten zum Spielfeld, wo nun Bedienstete des Ministeriums auftauchten, um sich ein Bild der Lage zu verschaffen. Schnell trat er einen Schritt nach hinten und führte seine Begleiterin zum nächsten Ausgang. „Ich bin heute nicht im Dienst. Sollen sich die anderen um die Ratten kümmern."
Es kam kein Kommentar von ihrer Seite. Narzissa wirkte auf ihn müde und etwas verstört. Als sie am Rand des Stadions angekommen waren, meinte er: „Es tut mir leid, ich wollte Ihnen eigentlich nur einen interessanten Abend bieten. Aber irgendwie scheint bei mir immer alles im Chaos zu enden!"
Da war es wieder, ihr wunderbares, junges Lächeln. Sie strich sich den Mantel glatt und sah ihm dann direkt in die Augen. „Machen Sie sich keine Sorgen, Neville. Sie hatten mir Action versprochen und die hatten wir doch!"
„Naja, langweilig war es sicher nicht. Aber…." Er ließ den Satz unvollendet, weil sie sich bereit machte zum apparieren.
Wollte sie jetzt einfach so weggehen? Offensichtlich.
Narzissa nickte ihm zum Abschied zu. „Ich muss jetzt wirklich zurück. Vielen Dank."
Mit einem leisen Geräusch verschwand sie.
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Neville ließ die Schultern hängen. Er fühlte sich leer.
Und ärgerte sich gleich darauf über sich selbst. Was hatte er erwartet? Dass sie ihn mit zu sich nach Malfoy Manor nehmen würde? Welch irrer Gedanke!
Oder dass sie ihm gleich eine weitere Verabredung für die nächsten Tage abringen würde?
Himmel, das war Narzissa Malfoy! LADY Narzissa Malfoy!
Er hatte sie zu einem profanen Quidditch-Match geschleppt, zu einer roten Brause eingeladen und es schließlich sogar noch hin gekriegt, dass ihr die halbe Tribüne um die Ohren geflogen war.
Wirklich gut gemacht, Neville.
Wieder mal.
Und dann wunderst du dich noch, dass sie dich nicht wiedersehen will?
